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ütentag, toi 21. Kdruar 1927

®k ^vrertzessisch« Sdhmg" et- schrdU sechsmal wöchentlich. De- pig-prrt« monatlich 2 GM. auS- schließl. Z»stellungSgebühr, durch hl«PostL2- GM.Für etwa infolge Streik«, Maschineudefekt« oder ^ementarer Ereignisse ausfallend« Kunu-ieru wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. -itzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Zotz. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. 9X. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und »/,!—1 Uhr.

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Marburg a. Laba

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Dnzeigerjurtdasjmhev kurhessssche)Gberhessm/<- Amtliches VerkündigungsblM fixe dkreisülarbwg

Ser Vertrag zwischen S' Malley und Men unterzeichnet?

Ernste Lage in Schanghai —

Es darf nach den neuesten Meldungen kaum einem Zweifel mehr unterliegen, daß nach der entscheidenden Niederlage Suns Hangtschau von der Kanton-Armee besetzt worden ist. Damit haben die Kantonesen die Schlüsselstellung für den weiteren Vor­marsch auf Schanghai in der Hand. Hang­tschau liegt ungefähr 150 Kilometer süd­westlich von Schanghai, wie dieses am ost­chinesischen Meere, und wenn weitere Mel­dungen über den bereits fortgesetzten Vor­marsch der Kanton-Truppen auf Schanghai von anderer Seite im Augenblick auch noch ■ bestritten werden, so scheint mindestens ' festzustehen, daß inzwischen die Verbin­dung zwischen Schanghai und Hangtschauabgeschnittenist. Zn- ’ folgedessen herrscht bei den britischen Be­hörden in Schanghai eine äußerst pessi- ' mistische Stimmung, und zwar umsomehr, , als die englische Regierung durchaus mit ■ der Möglichkeit rechnet, daß äußerstenfalls . andere Mächte mit den Engländern nicht . kooperieren werden. Jedenfalls haben die Kantonesen mit der Einnahme Hangtschaus ' d?n größten Erfolg seit dem vorigen Herbst . zu verzeichnen, wo ihnen die Einnahme von Hankau und Wutschang gelang.

। Die strategische Lage ist also für die südchinesischen Nationalisten eine außer­ordentlich günstige geworden und es ist nunmehr mit der sehr realen Möglichkeit ernsthaft zu rechnen, daß in verhältnis­mäßig kurzer Frist die Kantonesen von rTibet bis zum Gelben Meere die Herrschaft Über das ganze Jangtse-Gebiet gewinnen. 'Aus diesen Grunde wird man auch alle , Meldungen über neue Verhandlungsbereit-. Schaft des Außenministers der Kantonregie­rung, Ts che n, mit dem englischen Der- j tretet mit besonderer Vorsicht aufnehmen müssen.

; Das englische Kabinett hat zwar in einer . langen Sitzung neue Instruktionen an , kl'Malley erteilt, da diese sich aber von dem bisherigen kaum unterscheiden, so ist nicht abzusehen, wie jetzt noch auf alter Grundlage ein Vertrag mit Tschrn zustande kommen könnte. Tschen selbst hat zwar er- Öätt-, daß die Zusicherung Chamberlains über die englischen Truppensendungen oie Hindernisse einer Vertragsunterzeichnung beseitigt hätten, andrerseits aber hat der­selbe Tschen erneut Widerspruch erhoben gegen die Anwesenheit englischer Truppen

< m Schanghai. Selbst in London hat man 'U^ehr und mehr die Empfindung, daß Tschen ein Doppelspiel treibt, und daß es

Die Erfolge »er Santentrucnen

ihm vorerst allein darauf ankommt, die Vertagungsunterzeichnung immer weiter hinauszuschieben, um seine Stellung durch weitere Erfolge der Kantonesen immer mehr zu verbessern.

Die Lage Englands ist also in der Tat keine beneidenswerte, und umso­mehr, als ganz augenscheinlich in einer Hinsicht auch Nordchina mit dem Süden völlig einig ist, nämlich in dem Bestreben, die Fremden aus dem Lande hinauszu- werfen. Daß diese Einigkeit unter asten Umständen gewahrt bleiben dürfte, ergibt sich auch aus dem Verhalten, des soeben aus Genf ab gereisten chinesischen Rats­delegierten Tschu. des besonderen Ver­treters Pekings. Ha tte dieser schon kürz­lich in Genf die völlige Einmütigkeit Chinas in außenpolitischen Fragen fest ge­stellt, so bestätigt der jetzt in Genf erschie­nene Chinese Li Sin-huei, Mitglied des Exekutivkomitees des Kuomintang, daß der Vertreter Pekings beim Völkerbunde stets mit der Nationalpartei Verbindung hatte. Li hatte an die ausländische und an die Genfer Presse, ferner in einer sehr ge­schickten Erklärung, wie Tschu zum Aus­druck gebracht, daß über die außenpolitische Einigkeit ganz Chinas kein Zweifel be­stehen dürfe.

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Zum chinesischen Abkommen mit England.

fk Hankau, 21. Fedr. Amtlich wird gemeldet, daß der Minister des Aeuhern der Kantonregierung gestern abend ein englisches Abkommen unter, zeichnet habe.

fk. London, 21. Febr. Heber das Ab­kommen zwischen dem Auhenminister der chinesischen Rationalregierung und England wird der englische Auhenminister Chamberlain beute im Unterhaus eine Erklärung abgeben. Das Abkommen soll sich nur auf die Verwal­tung der englischen Niederlassungen, den chinesische« Städte« Hankau und Kiukang am Aangtseflusse, beziehen. Die englische Presse spricht ihre Zufriedenheit über den Abschluh des Abkommens aus.

Die Lage in Schanghai.

Die Abendblätter bringen ausführliche Berichte über die Lage in Schanghai, die durchweg als ern st bezeichnet wird. „Eve- ning Standard" berichtet: In Schanghai streiken ungefähr 80000 Arbei­ter. An dem Ausstand sind insbesondre

- Englische Ttuvoensendungen

die Angestellten der Verkehrsmittel und der Post sowie der Warenhäuser und der Baum- wollfabriken beteiligt. Zu Beginn des Streiks kam es verschiedentlich zu Aus­schreitungen. So wurden von Straßenbahn­angestellten einige Straßenbahnwagen in der Nähe der internationalen Niederlassung zertrümmert. Weiter wurde das Gebäude der Britisch-Amerikanischen Tabakfabrik von Streikenden angegriffen. Die Menge, die Fenster mit steinwürfen zertrümmerte, wurde schließlich von der Polizei zerstreut. Das ausländische Freiwilligenkorps ist, wie „Evening News" berichtet, mobilisiert wor­den. „Evening Standard" berichtet weiter aus Schanghai:. Nach hier eingelaufenen Meldungen soll GeneralSuntschuan- sang und seine Armee in Tschapu, etwa 60 Meilen von Schanghai, abgeschnit­ten sein. Nach anderen Meldungen, die „Evening News" wiedergibt, sotten die Süd­truppen Kiasch ing besetzt haben.

fk. London, 21. Febr. Die Zahl Strei­kenden in der chinesischen Hauptstadt Schang­hai ist nach den letzten Meldungen auf 250 000 angewachsen. Der ganze Handel und Verkehr ruht. Die chinesische Industrie und der Handel habe« unter dem Streik mehr zu leide« als die Bewohner der Fremdenviertel, in denen eine Art technische Nothilfe besteht. Dee Militär-Gouverneur von Schanghai, Ge- neval Suntschuanfang, erklärte, bah feine Truppe sich auf ernsthafte« Widerstand gegen die siidchinesische Armee vorbereite. Bor Schanghai ist jetzt auch ein holländischer Panzerkreuzer eingetroffen.

Entwaffnung eines mandschurischen Bataillons durch Wupeifu.

Schanghai, 20. Febr. Einer japani, scheu Meldung aus Peking zufolge wurde trotz des Telegramms Tschangtsolius an Wupeifu, in welchem jener dringend für ein Zusammenwirken ihrer Truppen ein, ttat. ein mandschurisches Bataillon, als es die Grenze der Provinz Honan über, schritt, von Anhängern Wupeifus ent­waffnet. Auch ein Waffen- und Munitions­transport Tschangtsolius ist von Truppen angehalten worden.

Britische Kriegsschiffe auf der Fahrt nach China.

Malta. 20. Febr. Die 8. britische Torpedoboots,lerstörerflotille ist heute nach China in See gegangen.

! Sr. SEolz über die neue Regierung

ff. Dessau, 21. Febr. Der Führer der -iieichstagsfraktion der Deutschen Volks- Partei Minister a. D. Dr. S ch o l z. hielt gestern auf der Handwerkertagung der -Deutschen Volkspartei einen Vortrag über

politische Lage. Er betonte, die .Außenpolitik liege bet Dr. Stresemann in besten Händen. Zwischen Deutsch­en d und Rußland sei wirtschaftliche Zusammenarbeit notwendig. Das nächste Oiel der deutschen Außenpolitik sei die Mteiung deutschen Landes von fremder Satzung. Dr. Scholz trat für eine

Zollunion aller europäischen Staaten ein.

2luf einem politischen Gebiet fordert Dr. ?cholz unbedingte steuerliche Er-

*! chterung. Der Mittelstand könne vit neue Regierung mit Freuden begrüßen. Vie Deutsche Volkspartei habe schwere Äser gebracht, weil sie den Staat über die fettei gestellt habe. ES sei der Wunsch

Deutschen Dolkspartei gewesen, in die Ärgerliche Koalition auch die Demv- .toten mit einzubeziehen, aus wirtschaft- -4«nGründen. Die Wirtschaftspar- ‘t i will außerhalb der Regierung bleiben..

um ihre Versprechungen gegenüber dem Doll nicht in die Tat umsetzen zu müssen. Der Reichspräsident habe ihm wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß eine starke Stütze der von ihm gewünschten. Politik in der Politik der Deutschen Vvlkspartei ent­halten sei. Der Reichspräsident, der auf weiter Tradition fuße, stellt sich gleichwohl mit größter Hingabe in den Dienst der deutschen Republik, obwohl er innerlich Monarchist sei. Dieses Pflichtgefühl habe auch die Deutsche Volkspartei bewegt, ihre Kräfte dem Staate zur Verfügung zu stel­len, wie er ist.

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Krönung der inneren Äetonifnlfen

Berlin, 19. Febr. Die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation und die landwirschaftlichen und industriellen Spitzen­organisationen veröffentlichten eine Kund­gebung ,in der zunächst dargelegt wird, daß an einem umfassenden landwirtschaftlichen Lledlungswerk Landwirtschaft. Industrie, Han­del und Gewerbe, Stadt« und Landgemein­den in gleicher Weise interessiert seien und betont wird, daß wesentliche sachliche Voraus­setzungen für eine umfangreiche Siedlung auch jetzt noch nicht erfüllt seien. Die Organisa­tionen fordern baber wiederholt Wiederher­

stellung einer ausreichenden Rentabilität der Landwirtschaft, Zusammenwirken aller öf­fentlichen Faktoren zur Förderung der Sied­lung nach sachlichen Gesichtspunkten, Ver­wendung nur leistungsfähiger, sachkundiger Träger für die praktische Durchführung des Siedlungswerkes, Ausschaltung aller bürokra­tischen Eingriffe in die Siedlungstätigkert so­wie billige öffentliche Dauerkredite, die nach entsprechend festgelegten Maßstäben zu ge­währen feien.

Die Kundgebung bemerkt zum Schluß, daß eine schleunige Regelung des Diedlungsver- fahrens nach diesen Vorschlägen notwendig fei, wenn nicht auch noch das Jahr 1927 gleich den Vorjahren für den Beginn einer großzügigen landwirtschaftlichen Siedlung ver­loren gehen soll.

Unterzeichnet haben die Kundgebung u. a. der Deutsche Landwirtschaftsrat, der Aeichs» landbund, die Preußische Landwirtschafts­kammer ,6er Deutsche Industrie» und Han­delstag und der Reichckverband der deutschen Industrie.

LnSgsi Casale gestorben.

Rom, 19. Febr. (WTB.). „Tribuna" zufolge, ist In Digevano In noch jugend­lichem 1 Alter der Chemiker Luigi Casale verstorben. Casale wurde durch die Aus­arbeitung einer neuen Methode für die künstliche Herstellung von Stickstoff Mannt.

Einberufung »eß Auswärtigen AnMussrS

Berlin. 20. Febr. Der „Täglichen Rundschau" zufolge ist derAuswärtige Ausschuß des Reichstages für Mittwoch, den 23. Februar einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht das Zusatzabkommen zum deutsch-litauischen Handelsvertrag und die Besprechung der deutsch-russischen Beziehungen.

Zu den deutschnationalen Veröffent­lichungen. durch die die Reichsregierung aufgefordert wird, auf der Genfer Ratstagung oder durch eine Note die Hauptmächte auf den deutschen Rechts st andpunkt hinsichtlich Ar­tikel 431 des Versailler Vertrages zur Rheinlandfrage hinzuweisen, dergestalt, daß in Artikel 431 eine frühere Zurück­ziehung der Truppen in Aussicht gestellt ist, hört der Demokratische Zeitungsdienst, daß tatsächlich daran gedacht wird, den Ar­tikel 431 zum Anlaß der Etznfer Verhand­lungen zu nehmen. Den Zeitpunkt müßte jedoch das Auswärtige Amt selbst be­stimmen. Außerdem müßten zur erfolg­reichen Durchführung eines solchen Schrit­tes schwierige Vorverhandlungen geführt werden.

Im Zusammenhang mit der Rheinland­frage ist in der letzten Zeit auch mehrfach dre Beteiligung Dr. Strese. manns an dsx G e’tr f e Racks - t a gung erörtert worden. „Voss.

3tß.“ hierzu meldet, wird erst kurz vor Be. ginn der Ratstagung, die am 7. März thren Anfang nimmt die Entscheidung darüber fallen, ob Reichsaußenminister Dr. Stresemann an den Genfer Verhand. langen selbst teilnimmt. Maßgebend für die Beteiligung Dr. Stresemann- ist der « • Ztg." zufolge, nicht allein ob Brrand und Chamberlain nach Genf kom­men werden, sondern auch die Tatsache, da» der deutsche Vertreter den Vorsitz im Rat zu übernehmen hat. Für den Fall, daß Dr. Stresemann glaubt, diesmal auf die Beteiligung an den Verhandlungen in ®enr verzichten zu sollen, dürfte, wie in politischen Kreisen angenommen wird, Staatssekretär v. Schubert mit seiner Ver­tretung beauftragt werden. •

Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erfahren haben will, beabsichtigt Dr. Stresemann bis Ende des Monats in San Remo zu verweilen und alsdann nach ©enf zu fahren, um an der Sitzung des * Völkerbundsrats teilzunehmen.

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Zum EniwassnunasmsAlag SooNgcs

Washington, 19. Februar. (WTB.). Tue jap anische Note über die Annahme des Abrüstungsvorschlages Coolidges ist heute im Staatsdepartement eingeqanqen. Die Note ist bisher nicht veröffentlicht wor- deu- Ueber den Inhalt verlautet aus zu­verlässiger Quelle, daß Japan angeboten habe, in vollem Umfange an den Bestie-? bungen Coolidges, den Washingtoner Ver­trag zu ergänzen, mitzuarbeiten, daß jedoch die Einzelheiten über die zukünftige Be- • Zrenzung i n Genf festgestellt werden sollten. Von Italien erwartet man eine ablehnende Antwort, während man an­nimmt, daß England den Vorschlag Coo­lidges annehmen wird. Ob jedoch eine eng- lisch-amerikanisch-japanische Konferenz das Ergebnis des Notenaustausches sein wird, ist noch unbestimmt, da Präsident Coolidge eine Entscheidung über die Frage solange lmSseyen will, bis sämtliche Antworten au6 feinen Vorschlag eingegangen sind.

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eterg Brande-1

Kopenhagen, 19. Februar. flSZlBiX Georg Brandes ist heute afrenb 9 Uhr gestorben. Dem Tode ging eine mehre Wndiae Ohmnacht vnqutz. .—- —