ÄbecheUche
Zeitung
MeigerM-asMerkuchMche)MeÄMw>KnMchtsVevkünöMngsblattjriLdkmsAarbmz
Marburger rageSanzeigtt
SeMche LanWeltung
Nr. 40 6L Fahrs. Marburg a. Latz»
t>« Anzelgenprett beträgt st» den Ivgespalt. ZeUrnmllltmete, 0.08 SM., kleine Sar«q* *ig«n 0.06 GM., amtlich« und «■*' WLrtige Anzeigen 0.10 SM. B«f schwierigem Satz sowie bet Platz« Vorschrift 50*1, Aufschlag. — Eammelan zeigen 100 */, Aut schlag. Reklamen der Mtllt» 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt el» Barrabati. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« GeschLftSst«lIe und Zusendung der Angebot«. Er
füllungsort Marburg.
1 Goldmark — V«,,Dollar.
SomierStag, »en 17. Sebmnr 1927
Vie ^Vberhefstsch« Zeitung^ er- scheint sechsmal wöchentlich. Se- ptg«fctd< monatlich 2 GW. au<- schiießl. Zustellungsgebühr, durch dWPost2L5 SM.Für etwa infolge Streiks, Maschlnrndefekt« oder elementarer Sretgnifl« ausfallend« Nummer» wird kein Ersatz geleistet. Verlag d. Dr. S. Hltzeroth, Druck der Unib.-Vuchdruckerrt 6. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 55, Postscheckkonto: Amt Frankfurt «, M. Rr. 5015, — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
's,1—1 Uhr.
Die Etalsre-e -es ReichsßmsKzmmjftees
Nerbtssemng der NeWunzMrordNMg — glwmhiifter Reinhold (Sem.) hat 900 Millionen mM
Berlin, 16. Febr. Im Reichstage begann heute die Beratung des Etats für 192 7, die mit einer grohangelsg- ten Rede des neuen Reichsfinanzministers Dr. K ö h l e r eröffnet wurde. Der Minister Vies einleitend darauf hin, daß es sich bei dem Etat für 1927 um eine Borlage handle, die bereits von seinem Amtsvorgänger aufgestellt worden ist. Irgendeine etwa beabsichtigte Aenderung könnte schon der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr in Frage kommen. Der Minister teilte mit, baß der Etat für 1926 im Ordinarium nach den bisherigen Ergebnissen im ordentlichen Haushalt ohne Fehlbetrag ab» schließt, daß sich sogar ein Verhältnis» mäßig kleiner Ueberschuß ergeben dich.
Zur Deckung be» außerordentlichen Haushalts in Höhe von 940 Millionen stehen zunächst nur der Erlös der Anleihe mit rund 450 Millionen und ei«e Cchnldenaufnahme bei der Reichspost von 100 Millionen zur Beifügung, lieber die Deckung des Restes wird noch Beschluß zu fassen sein. Die Steuern enkungsaktion des Jahres 1926 hat °uf die Wirtschaft belebend und fördernd tingetoirft. Die Ilmsatz steuer wird den «taisansatz auf 974 Millionen nicht erreichen, da nur mit einem Aufkommen ton rund 840 Millionen zu rechnen ist. «er Minister ging dann auf den Etat ^äher ein und wies darauf hin, daß die an- Awmmene weitere Besserung unserer Wirtschaftslage in den Einnahmean» atzen bereits sehr berücksichtigt ist.
Die gesamte Belastung des Reich« stellt sich auf rund 8 Milliarde« im außerordentlichen Etat. Ich darf aber dicht verhehlen, daß die Gleichgewichtslage im ordentlichen Etat nur scheinbar kitt dürfte.
. Daß die Einnahmeschätzungen vom Wn WirtschastSoptimismus getragen tob. findet meine volle Zustimmung, aber Eßere, im Etat nicht vorgesehene «usgyben lauern im 5) in ter» *und. Der Minister erklärte weiter, in der Frage der allgemeinen Er» ibhung der Bezüge der Besten und der Kriegsbeschädigten die
Sämtliche Blätter, auch die der Opposition, können nicht umhin, dem neuen Finanzininister Dr. Köhler wegen der großen Sachlichkeit seiner gestrigen Ausführungen im Reichstag über das Finanzprogramm ein gutes Zeugnis auszustellen. Einigkeit besteht allerdings nicht in der Frage, wie sich das Finanzprogramm Dr. Köhlers zu dem seines Vorgängers verhält.
Während die deutschnationalen Blätter von einem völligen Shstemtvechsel sprechen, ist die .Tägliche Rundschau" der Ansicht, datz der neue Finanzminister im großen und ganzen den bisherigen Kurs weiter verfolgen zu vollen scheint.
Die ,Deutsche Tageszeitung" schreibt: Das Abrücken Dr. Köhlers von seinem Vorgänger ist um so bemerkenswerter, als dahinter die völlige einheitlich« Meinung des gesamten Reichskabinetts steht.
Die „D. A. Z." sagt: Im Vorjahre kündigte «in glänzender Redner (der Demokrat Reinhold), gestützt auf eine wohlgefüllte Reichs- kasse, Steuererleichterungen an. unter großer, wenn auch nicht durchweg beifälliger Bewegung des Hauses. 3n diesem Jahre erklärt ein nüchterner Berichterstatter, daß die Finanzlage auf das äußerste gespannt ist.
In der „Dossischen Zeitung" heißt «s: Die Finanzwirtschaft hat, nach dieser Rede zu urteilen, gewiß mit Dr. Köhlers (Berufung keine Schlacht verloren.
Der .Vorwärts" erklärt: Die Pro-- Hpsmmred« des Reichsfinanzministers ließ Ursächlich erkennen, daß dieser neue Kassenwart des Reichskabinetts sich der Gefahr einer sachlichen und überzeugt geführten Oppo- Ktion voll bewußt ist.
wiederholt.gemachten Zusagen selbstverständlich nach Maßgabe des finanziell möglichen zu gegebener Zeit vollzogen werden müssen.
Wirtschaftslage und Steuerpolitik.
Im bisherigen Berlauf des Jahres 1927 hat sich die Belebung dex Wirtschaft, die im Jahre 1926 eingetreten ist, im wesentlichen behaupten können. Aber die Grundlage erscheint noch immer recht schwierig, insbesondere für die Wirtschaft an der Peripherie des Reiches. Die Lage erfordert in erster Linie eine überaus pflegliche Behandlung der Steuer quellen, eine nach volkswirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten geführte Finanz- und Steuerpolitik. Es ist in keiner Weise die
Absicht der Regierung, die kommenden, -so außerordentlich schwer werdenden Jahre mit einer Thefaurierungspolitik irgendwelcher Art zu belasten unter unerträglicher Anspannung der Steuerkraft der Wirtschaft, llnfere Steuerpolitik wird davon ausgehen, daß die Reformgesetzgebung des Jahres 1925 unseren Steuern in rechtlicher und technischer Beziehung die Gestalt gegeben hat. Ich möchte daher die Mahnung zur Gesetzgebungsdisziplin auf dem Gebiete der Steuern nachdrücklichst wiederholen.
Was geschehen mutz, ist eine wesentliche Vereinfachung der Gesetzgebung und des Berwaltungsoerfahrens. Wir müssen bedacht fein, neue Steuerlasten
M mMMe 8m (n Mw die MmnNimgtn in Smknu auf dem toten Punkt
über die militärische Lage in China läßt sich auf Grund der letzten Nachrichten folgendes Bild gewinnen:
Die Truppe« der Schsntungarmee steben bei der Stadt, Nanking nordwestlich von Schanghai zum Bormarsch bereit. Sie stammen an» der mittelchinesischen Provinz Schautnug, die in der Mitte zwischen Peking und Schanghai liegt und die ehemalige deutsche Kolonie Tsingtau umfaßt.
Der Bormarsch deS Generals Tschang- t s o l i n, des Beherrschers von Nord- ch «n a, gegen die Kantonarmee, wird durch die Truppen de» Generals W u p e i f u auf- gehalten, die in der mittelchinesischen Provinz Honau Widerstand leisten.
Außerdem hat der sogenannte christliche General Feng, der auf der Seite der Kantonarmee kämpft, seine Truppen zu einem Flankenmarsch gegen Tschangtsolin angesetzt.
Die Truppen des chinefischen Gouverneurs von Schanghai General Suntschuan- sang, haben südlich von Schanghai, trotz zahlenmäßiger Ueberlegenheit, eine Niederlage gegen die Kantonarmee erlitten. Einzelne Abteilungen der Schanghai-Armee be
ginnen »ach zahlreichen Meldungen zur Kantonarmee überzugehen.
Der Kampf zwischen den nord- und süd- chinesische« Truppen. ,
ff. Loudon, 17. Febr. Der Berichterstatter der „®ailt) Mail" in Schanghai meldet: Die Borhut der Südttuppen befindet sich ungefähr 10 Meilen von Hangtschau. Der normale Eisenbahnverkehr auf der Linie Schanghai-changtschau ist eingestellt. 12 Lokomotiven und 400 Waggons sind nach Hangtschau befördert worden, um den Rückzug der Truppen des Marschall Suntschuansang zu erleichtern. Die Verluste in den Kämpfen waren für chinesische Verhältnisse ungewöhnlich groß.
*
»Times" schreibt: Gestern im Auswärtigen Amt von O'Malleh eingegangene Telegramme besagen, daß so viel neue Punkte, Bedenken und Vorbehalte von den Kantonesen vorgebracht worden sind, daß die Frage, ob ein derartiges Abkommen betreffend die Kommissionen von Hankau und Kiukiang abgeschlossen werden kann oder nicht, wieder vollkommen dunkel ist. O'Malleh hat um neue Instruktionen gebeten.
.Daily Telegraph" schreibt: In amtlichen Kreisen wird zugegeben, daß man völlig auf einem toten Punkt angekommen ist.
überhaupt zu vermeiden und mit Steuersenkungen fortzufahren.
Ich denke hier in erster Linie an die Zuckersteuer und an die Realsten- ern. Außerordentlich dringend sind Maßnahmen gur Vereinfachung im Vollzug der Steuergesetze. Vn- sere Finanzbeamten sind in einem Maße überlastet, daß schleunige Abhilfe geboten ist. Ich beabsichtige, die das erste Mal vorgenommene Bewertung wenigstens bezüglich der landwirtschaftlichen Betriebe und der Grundstücke noch für ein weiteres Jahr gelten zu lassen, und eine völlige Neubewertung erst wieder im Jahre 1928 vorzunehmen. Die noch immer große Anzahl der Zahlungstermine müssen wir etwas einschränken. Es wird zweckmäßig sein, wenn wir auch bei der Umsatzsteuer nur vierteljährliche Voranmeldungen und Vorauszahlungen ein* fordern. Ob alle diese Maßnahmen genügen, um unsere Steuerbehörden instand zu fetzen, das Jahr 1927 zu Übersehen, darüber muß man immer noch Zweifel haben und Sorge hegen. Im gegenwärtigen Augenblick kann ich eine Verantwortung für eine gerechte und gleichmäßige Veranlagung nicht restlos übernehmen. Die Beamten
schaft meiner Derwattung hat das Jahr 1926 im alten Pflichtgefühl und mit Arbeitsfreudigkeit überstanden. Jetzt muß man sich aber auch ihrer Rot annehmen. Ich behalte mir vor, im Ausschuß Vorschläge darüber zu machen. Wogegen ich mich energisch wehren muh, das sind die maßlosen Beschimpfungen, die in der letzten Zeit gegenüber dep Steuerbeamten ausgesprochen worden sind.
Der Etat 1927 ist trotz aller Abstriche und Einschränkungen immer noch autzer- ordentlich aufwendig und unserer Wirt, schastslage nicht entsprechend. Der aufzubringende Betrag an Steuern beträgt für das Reich 7,8 Milliarden, für die Länder 1,2 Milliarden, für die Gemeinden 2 Milliarden.
Es wird sehr scharf zu prüfen fein, ob nicht verschiedene Ausgaben noch ganz a h g e s e tz t oder wenigstens gemindert werden können. Besondere Beachtung erfordert die Entwicklung des außer* ord ent loch en Haushalts und damit der Anleihe wirtschaft des Reiches.
Die Leistungen für Kriegs, und Repqrationslastc» ergebe»
einen Zahresaufwand von rund 3,3 Milliarden. Rach dem Dawesab* kommen werden unsere Leistungen näch, stes Jahr um weitere 290 Millionen steige». Ich erkenne im gegenwärtigen Augenblick noch keine Möglichkeit, wie wir trotz allen guten Wille», diese Beträge aufbringen können. Deutschland werde weiterhin tun. was in seinen Kräfte« steht, die übernommenen Verpflichtungen loyal z« erfüllen. Es müssen ihm hierzu aber auch die notwendige« Boraussetzungen gegeben werden.
Zur Personalpolitik führte der Minister aus, datz neue Stellen nur dann angefordert worden sind, wenn aus zwingenden organisatorichen Gründen eine Vermehrung unumgänglich notwendig war. Im weiteren Verlauf seiner Aus- fuhrungen behandelte der Minister
die Haushalte der einzelnen Ministerie«.
Im Haushalt für die besetzten Gebiete sind größere Beträge für kulturelle und wirtschaftliche Fürsorge vorgesehen. Im außerordentlichen Haushalt des Reichs- arbeitsministeriums sind 130 Millionen zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten für Erwerbslose eingestellt. Im Zusammenhang damit ist im Haushalt des Reichsverkehrsministers dex in Angriff genommene verstärkte Ausbau der Wasserstraßen planmäßig fortgesetzt. Im Haushalt der Reichsschuld mutzten für die Einlösung der Auslosungsrechte der Anleiheablösungsschuld 135,6 Millionen mehr als im Vorjahr eingestellt werden. Die Arbeiten für die Ablösung dex alten Reichsanleihen werden, wie ich bestimmt hoffe, um die Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Die Ablösung der Neubesitzanleihen wird in der nächste« Zeit beginnen. Beim Aufwertungs- Problem ist an den Grundsätzen bet jetzigen Regelung festzuhatten. Wollte man die aus der Anleiheablösung hervorgegangenen sog. Auslosungsscheine in eine verzinsliche Anleihe umwandeln, so würbe biefe auf unabsehbare Zeit als schwerer Druck auf uns lasten. Für bie Entschädigung bet Liquibations- und ffie» waltschäben sinb 60 Millione« eingesetzt. Vor einer Frage von be« fonberer Schwere stehen mir bei ber Entscheidung darüber, was geschehen amt, um bie Schäden auszugleichen, bie durch die Liquidation deutschen Eigentums Deutschen zugefügt worden sinb. Die Schwierigkeiten unserer Staatswirtschaft nötigen hier zu einer schmerzlichen Zurückhaltung. Wir haben versucht unb batan als unser gutes Recht geglaubt, batz bet entscheibenbe Teil dieser Last in irgend einer Form aus den Anuitäten des Londoner Paktes abgebetft werden müßte
Das Haager Schiedsgericht hat sich de« eidjt ««geschlossen. Allerdings fügt das Urteil hinzu, daß die Frage «och nicht entschiede« sei, ob Gutschriften, die Deutschland nach dem 1. September 1924 für den Wert der liquidierten Güter gegeben worden seien oder künftig gegeben würden, von dr« Jahresleistungen nach dem Londoner Pakt abznziehe« sind. Die deutsche Regierung prüft zue Zeit, welche Möglichleite« sich ihr bie-' ten. I» jedem Falle ist die Reiche regiernng gewillt, diese Frage «ich!' ruhen zu'lassen.
Vor uns aber wächst die Frage auf, wie wir wenigstens dringendster Not der Geschädigten' steuern können. Die Reichstegietung wird -in