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Lanbcheitung
Äbechessssche Zeitung
Tir Alfred Mans gegen bett Aufenthalt bolschewistischer Vertreter in England.
ft 2 o n b o n , 16. Febr. Sir Alfred Mans mgte gestern abend in einer Rede, er könne o»e Haltung der Regierung in der Frage ber bolschewistischen Propaganda nicht begreifen. Wenn die Engländer ein Gefühl für Verantwortlichkeit und Würde bättem dürften sie anht länger dulden, da» die Russen die ihnen »«währte Gastfreundschaft mißbrauchen.
Mittwoch, den 16. Februar 1927
Bezugnehmend auf die „Gefahr eines L? V ° ° l' st i s ch e n Deutschlands" führte Vandervelde weiter aus, er zweifele nicht daran, daß die Politik Strese- J1? n " 6 J ‘nicht geändert habe und fuhr fort: Eben>owenig hat sich unsere
Nr. 39 62. Mro. Marburg o. Lohn
Ttt «uzetgenprel« beträgt ft« bett 10 gestalt. Zetlemnilltmet« 0.08 ®SR„ kleine Varanzelgeg 0.06 ®SOtn amtlich« und auswärtige Anzeigen 0.10 SM. Set schwierigem Satz sowie bei Platz-, Vorschrift 60»/, Aufschlag. —' . Sammelan,eigen 100 •/, Aatz schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 SM. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« Verden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark --- Dollar.
Sruhchland und Wim
In England machte sich in den letzten Wochen eine Beunruhigung darüber geltend, daß Deutschland beabsichtige, die Thinafrage in der kommenden Märzsitzung des Völkerbundes vorzubringen. Eanz abgesehen davon, daß Deutschland < «ach dem Kriege an der Entwicklung der ^chinesischen Verhältnisse -gänzlich uninter- -Wiert ist, genügt es schon, das Abwegige dieser Befürchtungen durch den Hinweis auf die weltpolitische Machtlosigkeit des Reiches hinreichend zu kennzeichnen. Nichts desto weniger hört man, datz die deutsche Regierung die diplomatischen Vertreter in den Staaten, die an den Wirren in China unmittelbar interessiert sind, beauftragt hat, den fraglichen Regierungen offiziell mitzuteilen, daß Deutschland in dem Streit zwischen China und den Washingtoner Mächten eine völlige neutrale Stellungnahme einzunehmen gedenkt. Die Tatsache, daß bei den chinesischen Truppen öfters deutsche Waffen vorgefunden werden. wird von deutscher Seite nicht abge- siritten. Aber die Reichsregierung legt auf die Feststellung Wert, datz es sich um Waffen handelt, die schon vor Jahren auf Erund der Entwaffnungsbestimmungen meist zu Schleuderpreisen an nicht deutsche Aufkäufer verkauft worden sind.
Die Jbbetbefftto« Zeitung" «* scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. «tu* schließt. Zustellungsgebühr, durch di«PostL25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschtnendefekt« »der elementarer Ereignisse ausfallende Kummer» wird kein Ersatz geleistet. Verlag v. Br. $. Hiheroth, Druck der Univ.-Buchdrucker«! v. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 64. u. Rr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 6015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und ‘,*1—1 Uhr.
MußWer Landtag
Die Befreiung der gewerblichen Räume.
B e r l i n, 15. Febr. Die Abänderungs- «Nräge zu der Verordnung des Wohl» lahrtsministers über die Lockerung der Zwangswirtschaft werden am kommenden Donnerstag im Plenum zur Abstimmung kommen.
Die Landtagsfraktion der Deutschen wolkspartei hat zu der Verordnung de« AchlfahrtSminister« über Lockerung der Zwangswirtschaft vom Aovember 1926 einen J«üen Antrag eingebracht, in eine Prüfung Grüber einzutreten, ob durch Ausführungs- Bestimmungen angeordnet werden kann, daß *uf Verlangen solcher Mieter, für welche
Aufhebung des MietsverhältnisfeS die Vernichtung ihrer Wirtschaft» tuchen Seiftenz bedeuten würde, da« Mietsverhältni« über den 31. März 1927 bi« Ängsten« 31. Mürz 1928 derlüngert wer» kann, und zwar unter Festsetzung einer "fit heutigen oder den jeweiligen Verhältnissen ^'sprechenden angemessenen Miete und in» Ackern ein wirksamer Schutz der Mieter gelblicher Räume gegen eine etwaige De», Wucherung durch de» Vermieter «folgen kann.
600 Sete in der Serzesewina
Belgrad, 15. Febr. Nach de« bisher vorliegenden Erdbebenmeldungen wurden in Bosnien und Dalmatien m e h r e re 1000 Häuser vollkommen zerstört. Die Zahl der Menschenopfer wird auf 600 geschätzt. Das Beben wiederholte sich heute.«acht, was eine neue Panik unter der Bevölkerung hervorrief. Bei Mostar wurde ein grotzes Zeltlager errichtet, in dem Tausende Unterkunft fanden. In Ragusa sind beim Einsturz des „Hotel de Bille- mehrere Personen getötet worden. Der Gesamtschaden wird auf über 100 Millionen Dinar geschätzt. Die Äb- geordneten der Ekupschtina erhielten Depeschen aus ihren Wahlbezirken in der Herzegowina, die den Umfang des Erdbebens als katastrophal bezeichnen.
15. Febr. In der Kammer ^antwortete Minister des Auswärtigen »andervelde heut« die Interpellation Carton de WtartS über die Aufhebung der Interalliierten Milit är kon- trolle. Er erklärte, er fei der Auf» Fassung, daß es erwünscht wäre, eine S o n- o™ Kontrolle für die entmilitarisierte errichten Fedoch finde sich im ?;»r xl^Ierm^^tra9 ^erne Bestimmung, » dtechtsgrundlage einer derartigen Kontrolle bilden könnte. Deshalb wäre ein Ueberelnkommen zwischen Deutschland und den anderen am Rheinlandpakt beteiligten Machten erforderlich. Alles wird von den S t ch er h eitsg a r an tie n abhängen, die Deutschland insbesondere in Bezug auf die entmilttarisierte Zone wird geben können wollen. Vielleicht auch von einer endgültigen und allgemeinen Regelung der Repa- ratlonsfrage mit dem Problem der inter- alllierten schulden, andererseits aber auch vom Grad des Vertrauens, das die Nachbarn Deutschlands in die Beständigkeit der republikanischen Einrichtungen werden haben können.
I Zollkrieg mit Polen
®te polnische Regierung hat jetzt das Schreiben de« Bevollmächtigten bei den Wirtschastsverhandlungen mit einem Schritt beantwortet, der nach Auffassung maßgebender Kreise den endgültigen Abbruch der Handels-Dertragsverhand- lungen bedeutet. Der Vorsitzende der polnischen Delegation hat am Dienstag Rach, mittag dem Auswärtigen Amt eine Ant- wortnvte überreicht, in der der deutsche Vorschlag, die eigentlichen HandelS-Der- tragsverhandlungen zu unterbrechen und zunächst in eine Erörterung der Frage de« Mederlassungsrechtes einzutreten, glatt ab gelehnt wird. Die polnischen Anter- Händler haben, nachdem die polnische Handelsdelegation in Berlin unmittelbar nach der polnischen Demarche aufgelöst worden ist, Berlin bereits verlassen.
Wer den bisherigen Verhandlungen mit Polen aufmerksam gefolgt ist, kann von dem jetzigen Schritt der polnischen Regierung in keiner Weise überrascht werden. Gegenüber den Behauptungen der polnischen Rote muß aber nochmals festgestellt werden, daß die deutsche Regierung in keiner Weise daran gedacht hat, die Ver- Handlungen mit Polen völlig abzubrechen. I« dem Schreiben des Staatssekretärs Dr. Lewald war lediglich eine Anterbrechung der Handels-Vertt-agsverhandlungen angekündigt worden, weil es sich einwandfrei ergeben hatte, daß ein beide Teile befriedigendes Ergebnis in den Handelsvertrags^ Verhandlungen unmöglich erzielt werden konnte, solange Polen sich einer Verständigung in der Ausweisungsfrage abgeneigt zeigte. Selbst polnische Blätter, die einer übertriebenen Deutschfreundlichkeit gewiß unverdächtig sind, habe in diesen Tagen zugeben müssen, daß die längst notwendig gewesene Regelung der Einreise-, Aufenthalts» und Riede rlassungsbe st immungen die unerläßliche Grundlage eines ungestörten Handels- und Wirtschaftsverkehr« zwischen den beiden Ländern ist. Weder die deutschen Lieferanten noch die polnischen Käufer können Aufttäge erteilen und Kalkulationen machen, wenn sie dauernd fürchten nmssen, daß die deutschen Mittelspersonen über Rächt des Landes verwiesen werden.
I« maßgebenden politischen Kreisen steht man auf dem Standpunkt, daß nunmehr die Dinge den Lauf nehmen müssen, den Polen offenbar gewollt hat. Der Olbbrucf) der Verhandlungen durch Polen ist *— das kann ruhig zugegeben werden — auch Deuffchland höchst unerwünscht. Aber ttotz- dem können wir dem Ausbruch eine« evtl. Zollkrieges sicherlich mit größerer Ruhe entgegensehen, als die Polen. Da« ergibt sich schon aus der ganz nüchterne» Aeberlegung, daß der Warenhandel mit Polen sich auf etwa 4 Prozent des deutschen Gesamthandels, der Handel Polen« mit Deutschland sich aber auf mehr als 40 Prozent des polnischen Verkehrs beläuft. Wenn Polen etwa glauben sollte, seine Handelsbeziehungen nach anderen Ländern (Großbritannien, Amerika) verlegen zu können, so mag das bis zu einem gewissen Grade möglich sein. Auf die Dauer kann sich aber auch Polen dem natürlichen wirtschaftlichen Einfluß seines deutschen Nachbarn nicht entziehen. Zunächst werden jedenfalls die polnischen Produzenten das zweifelhafte Vergnügen haben, auf ihren Erzeugnissen sitzen zu bleiben, obgleich die Preise für diese in Deutschland z. Zt. sehr hoch sind. Wenn Polen nicht doch noch in letzter Stunde einlenken sollte, so wirb Deuffchland nichts anderes übrig bleiben, als den ihm aufgezwungenen WittschaftS- krieg mit aller Schärfe durchzufüh«n.
Einheitliche Betriebsratswahle«.
ff. Berlin, 16. Febr. Die Spitzenoerbände der christlichen und freien Gewerkschaften im Bezirk Rheinland und Westfalen find übereingekommen, die Vetttebsratswahlen einheitlich in allen Betrieben an ein und demselben Tuge vorzunehmen. Als Termin für die Wahlen ist die Zeit vom 28. bis 31. März 1927 bt» chlossen worden. «■-:
<-■ Sie polnische Antwort
Berlin, 15, Febr. Der Borsitzende der polnischen Delegation für die deutschpolnischen Handelsvertragsverhandlungen hat heute vormittag im Auswärtigen Amt folgende Rote überreicht:
Herr Bevollmächtigter!
Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres Schreibens vom 12. Februar 1927 zu bestätigen und gleichzeitig Ihnen mitzuteilen, daß die polnische Regierung den Beschluß der Reichsregierung betreffend die Unterbrechung der in Berlin geführten Berhand- lungen zur Kenntnis genommen hat.
Da die mir durch Sie, Herr Bevollmächtigter, mitgeteilten Gründe für den Beschluh der deutschen Regierung über den Bereich der Handelsvertrags-Verhandlungen hinausgehen, erachte ich es als für mich unmöglich, in Erörterungen bezüglich dieser Frage einzutrete«. Ich sehe mich jedoch verattlaht, festzuftellen, dah nach Auffassung meiner Regierung die Unterbrechung der in Berlin geführten Verhandlungen keineswegs geboten war, vielmehr nach der Ueberzeugung der polnischen Regierung die wirtschaftliche Berständigung zwischen den beiden Ländern nur erschweren und verzögern kann.
Bei dieser Gelegenheit sehe ich mich weiter veranlaßt, festzustellen, dah die polnische Regierung durch die deutscherseits im letzte« Augenblick erfolgte einseitige Absage der Kommissionsarbeiten peinlich 'überrascht worden ist.
In Anbetracht des erwähnten Beschlusies der deutschen Regierung habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Bevollmächtigter, mitzuteilen, dah gemäh den von meiner Regierung erhaltenen Instruktionen die polnische Delegation für die polnisch-deutschen Sandeisvertragsver- handlungen Berlin verlädt, ohne jedoch die Hoffnung aufzugeben, dah die deutsche Re- gierung künftig nicht gewillt sein wird, durch ihre Stellungnahme den Wiederbeginn der Handelsoertragsverhandlnngen zu beeinträchtigen.
Genehmigen Sie «sw.
(gez.) Pradzynski.
Die polnische Handelsdelegation Berlin ist laut „Bost. Zeitung- um 2 Uhr offiziell auf» «klöft worden. Sie verlädt zum Teil Henle, zum Teil morgen Berlin.
ff. Berlin, 16. Febr. Blättermeldungen Mifolae wird der Auswärtige Ausschuh des Reichstages, der für morgen, Donnerstag, einberufen ist, sich auch mit dem Konflikt Deutschlands mit Polen beschäftigen. Zu Beginn der Sttzung wird der Ausschuß anstelle des »um Rerchsjusti,Minister ernannten Abgeordneten vergt einen neuen Vorsitzenden wählen. Wie die „Börsenzeitung" wissen will, werden die Deutschnationalen, denen der Posten des Vorsitzenden zusteht, voraussichtlich den Abgeordneten Prof. Hoetzfch Vorschlägen.
Politik geändert, aber Dr. Stresemann wird nicht darüber erstaunt sein, daß selbst die- jenlgen, die einem Deuffchland, das sich entschieden auf di« Demokratie einstellt, das größte Vertrauen entgegen bringen würden, sich fragen, was man von einem Deutschland denken muß, in dem die leitenden Führer „fast alle Männer des alten Regimes" sind.
Vandervelde gab zwar zu, datz Deuffchland entwaffnet sei und für die nächsten Jahre an seiner Westfront keine Offensive unternehmen könne, warnt aber vor der „verborgenen Waffe" und den militärischen Uebungen der Frontverbände. Auf die Dauer sei Deutschland ebensowenig wie nach dem Frieden von Tilsit wehrlos zu machen. Das Dilemma sei also für die Zukunft folgendes: Entweder werden die anderen Mächte ihre militärischen Streitkräfte auf das Maß der Stärke der Reichswehr herabmindern oder der Vertrag wird hinfällig und Deutschland wird dann Anspruch auf das Recht erheben, auch seinerseits eine Streitmacht zu besitzen, die die deutschen Landesgrenzen zu verteidigen vermag.
Zwei Schlußfolgerungen ergeben sich: 1. Die sehr relative Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen. 2. Entweder findet eine allgemeine Abrüstung statt oder Überhaupt keine.
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D« Antwort der preußischen Einzel- studcntrnschaften an Dr. Becker.
E r l i n, 15. Febr. Tie Vertreter der preußnchen Einzelstudentenschasten haben auf Grund der heutigen Besprechungen im Preußischen Kultusministerium folgendes schreiben an den Kultusminister gerichtet:- , „Die unterzeichneten preußischen Einzel- studentenschaften gestatten sich, in Beantwortung des Schreibens des preußischen M-nisters für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 24. Dezember 1926 folgendes mitzuteilen:
Die preußischen Studentenschaften sind der Meinung, daß sie in ihrer Organisation und Taktik weder vom Geist noch vom Wortlaut der preußischen Mini- sterialverordnung vom 18. September 1920 abgewichen sind. Die preußischen Studentenschaften sehen sich jedoch infolge der durch btu Erlaß des Herrn Ministers ge- ichaftenen Lage zu folgender Stellungnahme genötigt: In der Koalitionsfrage stellen die Preußischen Einzelstudenten- schaften fest, daß eine Abänderung des Aufbaues der Studentenschaften an ausländi- schep Hochschulen außerordentlich große Schwierigkeiten entgegenstehen. Die preußischen Studentenschaften verpflichten sich, in V e r h a n d l u n g e n mit den ö st e r- reicht scheu Studentenschaften einzutteten. Sie werden dabei versuchen, Wege zu finden, die zur Schaffung behördlich anerkannter Studentenschaften als Ge- samtverttetung aller deuffchen Studierenden führen zu können, sodaß die Koalitton der preußischen Studentenschaften mit ihnen erhalten bleibe.
Sollten diese Versuche zu keinem Ergebnis führen, so müssen die preußischen Studentenschaften aus ihrer großdeutschen Einstellung heraus es ab 1 eh - n e n, von sich aus der Zugehörigkeit dec auslandsdeutschen Studentenschaften zur deuffchen Studentenschaft Hindernisse in den Weg zu legen. Ta keine andere Möglichkeit besteht, werden in diesem Falle die preußischen Studentenschaften zu ihrem Bedauern zur Aufrechterhaltung ihrer staatlich anerkannten Selbstverwaltung die sich für sie ergebenden Folgerungen ziehen müssen.
In der Frage der Zugehörigkeit der Ausländsdeutschen zur Einzel- tudentenschaft sind die Preußischen Einzel- tudentenschaften bereit, einer Mitwirkung desRektorS als Berufungsinstanz zuzustimmen.
Die preußischen Studentenschaften bitten den Herrn Minister, ihnen zur Durchsiih- rung dieser Maßnahmen bis zum 1. Oktober 1927 Frist zu geben."