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Berlin, 7. Febr. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die erste gerätung des Gesetzentwurfes über A r - frfre itslosenverficherung.
Reichsarbeitsminister Brauns begründet die Vorlage in längeren Ausführungen, in denen er betont, der Reichs- fgfl habe in immer wiederholten Eut- fchliehungen die Einführung der Arbeits- lofenoersicherung verlangt, ebenso die Or» gauisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der llebergang von der Erwerbslosenfürsorge zur Arbeitslosenversicherung sell auch de« Uebergang zur Selbstver» ; M«twortung und Selbftbeteili- ’ Uuug der Versicherten erwirke«, | f«rc es die Vorlage will. Die Mittel M die Versicherung sollen durch Beiträge Her Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf- 4 > ^.gebracht werde«. Dazu kommt ei« Reichsanteil. Es sind fiebe« Lohn- «Massen eingerichtet, um je 8 M steigend. (von 12 cK Wochenlohn in der ersten bis 42 Mark i« der 7. Klasse. Die Unter- stützung beträgt in den beiden ersten i, Klasse« 45 Prozent, in den drei mittlere« 40 Prozent und in den zwei höchsten Klassen 35 Prozent des Wochenlohnes. Die Anwartschaft auf die Unterstützung ' beginnt »ach Leistung »an 26 Wvchenbei- trügen innerhalb vo» zwölf Monaten. Die Unterstützung wird 26 Wochen lang, unter ^besondere« Umständen 39 Wochen lang, bezahlt. Die im vorigen Jahre beschlossene Wrifrufumsorge ist in die Vorlage nei «gearbeitet worden.
; Abg. Brey (Soz.) erklärt: Leider werde tji diesem Monat wieder die Zahl von "zwei Millionen Erwerbslosen erreicht 1ein. Die Erwerbslosenfürsorge sei nicht ausreichend gewesen, die furchtbaren Folgen der Erwerbslosigkeit zu lin- i >ern. Die erste Forderung sei A r b e i t s - i eschaffung. Notwendig sei aber auch eine Verkürzung der Arbeitszeit und ein energisches Vorgehen gegen das > . U e b e r st u n o e n u n w e s e n Dos vo-- ' liegende Gesetz sei unbefriedigend.
Es sei nicht einzusehen, warum die Arbeitnehmer der Land- und Forstwirtschaft aus der Arbeitslosenversicherung ausgeschaltet werden. Die Unterstützungssätze der Vor- L läge seien viel zu gering.
Abg. Dr. Rademacher (Dnatl.) bezeichnet die große Arbeitslosigkeit als eine Erscheinung, die leider chronisch zu werden scheine. Eine der Ursachen scheine auch die überstürzte Einführung des schematischen Achtstundentages im Jahre 1918 gewesen zu sein. (Widerspruch und Gelächter bei ■ L den Soz. und Komm.). Die Stärkung t des Binnenmarktes, vor allem der Kaufkraft der Landwirtschaft, sei die Voraussetzung für größere Arbeitsbeschaffung. Zu begrüßen sei in diesem Zusammenhang auch der in der Regierungserklärung verheißene Abbau der Wohnungszwangswirtschaft. Eine Stärkung des inneren Marktes durch Erhöhung der Löhne werde sich nicht ermöglichen lassen. (Widerspruch links.) Durch eine vernünf- s x tige Steuerpolitik könnte aber auf eine Verminderung der Preise hingewirkt werden. Die Einführung der Ar- « r beitslosenversicherung sei zu begrüßen, vor allem deshalb, weil sie mit der Einführung der Lohnklaffen eine gerechtere L ö - । funfl bringt. Die neue Regierung habe dadurch, daß sie als erstes Eesetzgebungs- werk die Arbeitslosenversicherung vorlegt, bewiesen, daß sie die in der Regierungserklärung betonten sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte wirklich in die Tat umsetzen will.
Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet die Vorlage als einen ganz untauglichen Versuch zur Lösung des Erwerbslosenproblems.
Dienstag, »en 8. Februar 1927
»{« ^vbtrdrfftsch« Zettung" er» jgetnt sechsmal wöchentlich. iSe- p,g«pret« monatlich 2 GM. aus» schlleßl. Zustellungsgebühr. durch httP»st2L5 GM.Für etwa infolge Streik». Maschinendefekte »der «fementartr Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz geieistet. Verlag b. Dr. § Kitzervth. Druck der Univ.-Buchdruckerei d. geb. Slug. Koch, Markt 21/23. gernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 6016. — Sprechzeit bet Redaktion von 10—11 und
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Die Revolution in Portugal MW- und Mililömvvllr in Lissabon und Svvrio
Portugal ist das klassische Land der Revolutionen. Nach dem Sturz des Königs Manuel ist Portugal überhaupt nicht mehr zur Ruh« gekommen. Es erlebte seitdem über 20 mehr oder minder ernste Aufstände, wobei es des öfteren zu harten Kämpfen gekommen ist. Die Ursache ist in der Hauptsache darin zu suchen, daß die politisierenden Generale oft in harter Fehde gegeneinander stehen und dann ihre Meinungsverschiedenheiten einfach durch Staatsstreiche und Militärrevolten auszufechten suchen. Den Umsturzversuchen in Portugal ist deshalb nicht immer ohne weiteres ernste Bedeutung beizumessen. So hat das erste halbe Jahr des vergangenen Jahres nicht weniger als sechs Revolutionen gebracht ,die zum Teil aber völlig ohne Mühe niedergeschlagen werden konnten. Andere haben allerdings auch ernsteren Charakter gehabt und zum Siege über die Regierungspartei geführt. Ob dies auch bei dem gegenwärtigen Aufstand .dessen Mittelpunkt wieder Porto zu sein scheint, der Fall sein wird, ist nicht vorauszusehew.
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Die Havas-Agentur berichtet aus Lissabon, eine amtliche Mitteilung kündige an, daß die aufständischen Truppen in Porto sich gestern abend 7 Uhr, nachdem die Re- gierungsstreitkräfk? ein heftiges Bombardement gegen die Stadt Porto eröffnet hätten, sich bedingungslos ergeben hätten. Eine Abteilung, treu, neblicüenLL.Gruppen folge eine Reihe von revMMMwM MW rern, die zu fliehen suchten.
Diese Mrchricht steht im Widerspruch mit den Nachrichten, die der HavaS Agentur einige Stunden später aus London zugegangen sind und aus denen sich ergibt, Ärß die Lage sich verschlechtert hat. Nach Nachrichten von heute mittag war die Regierung genötigt, Verstärkungen nach Porto zu entsenden. Die Beschießung dauere an und habe Brände hervorgerufen. Nach einer weiteren Meldung sollen zahlreiche Ver- sonen getötet worden sein. Auch in Lissabon wachse die Erregung. Die Zeitung „Diario de Noticias" berichtet, daß der Kriegsminister selbst das Bombardement der Stadt Porto leite.
Aufstand in Lissabon.
ff. Loudon, 8. Febr. Der Sonderberichterstatter der „Chicago Tribüne» in Liffabon meldet:
Gestern morgen brach in Lissabon eine revolutionäre Bewegung aus, an der Marine, republikanische Garde, die Polizei u«d Infanterie teilnahmen. Die aufständigen Streitkräfte besetzten verschiedene Stellungen in der Stadt.
Ihr endgültiger Sieg ist sicher.
Die ganze Zivilbevölkerung hat zu -en Waffen gegriffen und unterstützt die Be» wegung. Der Minister des Innern und der Minister des Aeußer« wurde« vor* haftet.
Der Berichterstatter des »Daily Expreß" in Liffabon meldet vom 7. Februar, daß der Führer der Aufftäichigen Oberst Mendesreis ist.
»Daily News" meldet aus Liffabon, daß bisher 7 Tote und 20 Verletzte gemeldet wurden. Der Kreuzer »Earvalhao Araujo“. ein früheres britisches Kriegsschiff von 1206 Tonnen, feuert auf die Stadt und die Küste. Artillerie erwidert das Feuer.
U Pari», 8. Febr. De« »Journal" wird von portugiesischer Grenze über Madrid gemeldet, daß das revolutionäre Komitee, da» unter dem Vorsitz free Generals Susa stehe, der gleichzeitig den Befehl über die ausständigen Truppen führe, an General Carmauu ein Ultimatum gerichtet habe, in dem er aufgefordert wird, unverzüglich ein national-republikanisches Kabinett zu bilden und das verfassungsmäßige Regime wieder einzuführen.
ff. Paris, 8. Febr. Rach einer vo« „Matin" wiedergegebenen Meldung sind in Liffabon 150 Personen, hauptsächlich Politiker «nd Journalisten, verhaftet und nach der Festung Monte Santa gebracht worden.
Der „Fall" Ätutell
Halbamtliche Richtigstellungen.
Berlin, 7. Febr. • (WTB.) Entgegen anders lautenden Mitteilungen der heutigen Preffe hat der Herr Reichskanzler nicht erst heute, sondern bereits am vergangenen Sonnabendnachmitlog in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit seiner öffentlichen Erklärung während der Reichstagssitzung vom Herrn preußischen Minister des Innern die Personalakten des Herrn Reichsministers des Innern von Keudell einge fordert. Die Berhandlungen «»erden nach Eingang dieser Akten mit aller Beschleunigung durchgesührt werden. Unrich - t! g ist ferner, daß seitens der Reichsre^.erung eine außerhalb des Kabinetts stehende Persönlichkeit (genannt war Dr. Külz, Schriftl.) mit der Führung der Untersuchung beauftragt werden solle. Vielmehr beabsichtige der Herr Reichskanzler, die Untersuchung persönlich durchzuführen. Sobald das Ergebnis zu übersehen ist, wird es der Herr Reichskanzler den in Betracht kommenden Stellen unterbreiten.
Zur Sache selbst kann heute schon mitgeteilt werden, daß Herr Reichsminister von Keudell nach dem Kapp-Putsch von der preußischen Regierung allerdings zum 1. Juni 1920 zur Disposition gestellt worden ist, aber bereits im Juli des folgenden J'a h r e s vom Herrn preußischen Minister des Innern (vertreten durch Herrn Staatssekretär Freund) in Uebereinstimmung mit dem Herrn preußischen Finanzminisier, vorübergehend der Regierung in Stettin zur
Leitung eines Ausschusses zur Feststellung von Kriegsschäden überwiesen und ausgefordert worden ist, seinen neuen amt. sichen Wirkungskreis in Stettin sofort zu übernehmen.
In der Sonntägsausgabe des „Berl. Tageblatts" ist ferner behauptet worden, Reichs- innenmintfter Dr. von Keudell habe im Jahre 1923, unmittelbar nach dem Küstriner Putsch, sich bei dem Obersten Gndovius für den Major a.D. Buchrncker verwendet. Diese Behauptung widerspricht, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, den Tatsachen. Reichsminister Dr. von Keudell hat den Obersten Gndovius einige Tage nach dem Putsch lediglich zu dem Zweck aufgesucht, um ihm dafür zu danken, daß er durch feine Haltung gegenüber dem Putschversuch von seinem Heimatkreise Königsberg in der Neumark, in dem Küstrin liegt, schwere Unruhen* abgewendet habe. Zugunsten des Majors Buchrncker ist Dr. von Keudell weder bei dieser noch bei anderer Gelegenheit eingetreten. Er hat den Küstriner Putsch stets aufs schärfste verurteilt.
Sprengung der Völkischen Fraktion?
ff. Berlin, 8. Febr. Infolge des Aus- schluists des Reichstagsabgeordneten S u 6 e aus der Deutsch-völkischen Freibeitsoartei find, wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, nunmehr auch die Abgeordneten Graf Re- v r n t l o w, v. R a m in und S t ö h r aus der Höllischen Fraktion ausgetreten. Das Blatt glaubt, daß bereits heute dem Ältestenrat Mitteilung von der Auflösung der Fraktion gemacht werde.
Slr Strrlnbnruag Mr Mt Rlbefefttgungen
Berlin, 7. Febr. (WTB.) Der Notenaustausch und die Vereinbarungen über die B e fe st igungenanderO stund Südgrenze werden heute veröffentlicht. Die ausgetauschten Noten sind rein formalen Charakters. Die Vereinbarung vom 31. Januar 1927 zwischen dem bevollmächtigten Vertreter der deutschen Regierung, Generalleutnant v. Pavels, und dem interalliierten Militärausschuß von Versailles über das System der befestigten Werke der deutschen Ost- und Südgrenze bestimmt u. a. das folgende:
1. Unbeschadet der der Küstenzone durch den Artikel 196 auferlegten Beschränkungen wird das System der befestigten Werke der deutschen Oft- und Südgrenz« so aufrechterhalten, wie es 1920 von der Interalliierten Militärkontrollkommission ausgenommen werden ist, wobei Einverständnis darüber besteht, daß unter Ost« und Südgrenze das Gebiet zu verstehen ist, das sich von der ßinle der von der Interalliierten Militärkontrollkommission aufgenommenen befestigten Werke bis zur deutschen Grenze erstreckt.
2. Soweit nicht in Ziffer 3 etwas anderes vereinbart ist, werden in diesem Gebiet nur die befestigten Werke und Anterstände aufrecht erhallen werden, die 1919 bestanden haben und 1920 von der Interalliierten Militürkontrollkommis- sim». ausgenommen worden sind, wobei Einverständnis darüber besteht, daß weder ihre Zahl, noch ihre Ausdehnung ver-i arößert werden soll. Das verderbliche Material (Erde, Holz, Ziegel) kann durch Bewn oder Mauerwerk ersetzt werden. In diesem Gebiet wird kein befestig-! tes Werk und Unterstand gebaut werden, auch nicht zum Ersatz alter eingeebneter Feldstellungen.
3. Im Wege des Vergleiches erklären sich die alliierten Regierungen damit einverstanden, daß von den seit 1920 gebauten Unterständen 54 erhalten bleiben, nämlich bei Glogaa auf dem linken Äser der Oder 8 Untere stände, bei Lötzen 15 Anterstände, bei Königsberg 31 Anterstände. Alle übrigen, nämlich bei Glogau auf dem rechten Oder- Ufer 5, bei Königsberg 22 Anterstände werden innerhalb von vier Monaten, vom 15. Februar ab gerechnet, zerstört. Don den 22 zu zerstörenden Anterständen bei Königsberg werden 17 durch die deutsche Regierung, fünf durch die alliierten Regierungen bezeichnet werden.
4. Deutschland gibt die Versicherung, daß in dem in Ziffer 1 bezeichneten Gebiet keine anderen befestigten Werke oder Anterstände vorhanden sind als diejenigen, die der Interalliierten Militär- kvntrollkommsisivn mitgeteilt worden sind. Die in der Anlage 1 der Vereinbarung festgesetzte Linie der befestigten Plätze und Anlagen ist die folgende: Eine gerade Linie von Königsberg nach Sensburg (von dem Punkt, wo sie die im Artikel 196 vorgesehene Küstenzone von 50 Kilometer verläßt); dann von Sensburg nach Marienburg (bis zu dem Puntte, wo sie die im Artikel 196 vorgesehene Küstsn- zone von 50 Kilometer erreicht); eine Linie von dem Punkt, wo die Eisenbahn Dirschau — Könitz —Gchneidemühl—Küstrin deutsches Gebiet erreicht, bis Küsllin; der Lauf der Oder von Küstrin bis Brieg; die Eisenbahn Brieg — Neisse — Kamenz — Slatz — Waldenburg — Görlitz — Bautzen — Pirna — Königstein; eine Linie von Rönigftein nach Hof; die Eisenbahn Hof ^-Neustadt—Regensberg; der Lauf der Donau von Regensburg bis Donaueschingen; die Eisenbahn Donaueschingen nach Neustadt, wo die Linie die enhntlfa tarifierte rheinische Zone erreicht.
Bon dr« Kampf in Nicaragua.
ff. London, 8. Febr. Aus Newyork wirb, gemeldet: Liberale Streitfräfte in Nicaragua unter Befehl des Generals Parajon