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Wontag, Itn 7. Februar 1927

«vdrrhMsch« 3«(tttng* «• f»«tnt sechsmal toLchentlich. ®e- pigoprrt« monatlich 2 GM. au* f*lU6L Zustellungsgebühr, durch dkP»stL25 SM.Iür etwa infolge Maschinen defekte oder «fcnwntartt Ereignisse ausfallend« -kümmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag». Dr. §. Httzerottz, Druck der Unid.-Buchdruckerei v. Job. «ug. Koch, Mark« 21/23. Fernsprecher! Nr. 54. u. Nr. 55, Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit b«r Redaktion von 10—11 und

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Nr. 31 62. Sahrg. Marburg a. Laba

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1 Goldmark — Dollar.

ftnzeigerjurGasftüher kurhessMelGbechesservc-Amtliches Verkünüigungsblatt jur dkrÄsRarburg

der neuen Regierung Fädchen hing, das jedei

Entstehen auszuhalten hatte, wohl die

schwerwiegendste. Hätte das Zenttum und , mit ihm Reichskanzler Marx sich nicht in

Diese Aktion gegen Herrn von Keudell

^eht von der Opposition aus. Die Sozial- 5er;c traten sind es, die aus verstaubten

Archiven schon seit langem vergessene und

abgetane Dokumente ausgegraben haben,

neue

allerletzter Minute eines Besseren beson- «n, die Koalition wäre unter allen ihn» Händen, und zwar unter den blamabelsten Begleiterscheinungen, die man sich denken kann, auseinandergebrochen.

an einem seidenen n Augenblick drohte,

abzureißen. Dieser Sturm um Herrn von Keudell war von den vielen Belastungs­proben, die die junge Koalition seit ihrem

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Die Sonnabend-Abstimmung im Reichs­tag ergab für die neue bürgerliche Mehr­heitsregierung eine Mehrzahl, die selbst in Jen Kreisen der neuen Koalition über­rascht haben dürfte. Auch unter den gün­stigsten Umständen hatte man aus Grund der Frattionsverteilung höchstens mit einer Mehrheit von nur 47 Stimmen für die Re­gierung zu rechnen gehabt. Das Plus von Stimmen bei der Abstimmung zeigte, daß auch Abgeordnete, die nicht den Frak­tionen der Koaliton angehören, ihre Stimme dem neuen Kabinett gaben. Dieser Erfolg ist umso höher zu bewerten, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln noch in letzter Stunde gearbeitet wurde, um die neue Koalition auseinanderzusprengen. Denn man weiß, wie noch eine halbe Stunde vor der Abstimmung das Schicksal

«m mit ihnen zu beweisen, daß der Leichsminister des Innern ein „Hochver

1 Mer" sei, dem man auf keinen Fall den Schutz der Republik anvertrauen könne. Sie Begründung, die man für die Schuld KeudellS abgibt, ist zwar nicht stichfest. Aber schließlich ist es die Opposition, die den Sturm leitet, und es läßt sich nicht leugnen, daß eine Opposition zu dem Zweck ba ist, um eben Opposition zu machen. Anders verhält sich jedoch die Sache, wenn der Zankapfel der Opposition von griff» bereiten Händen innerhalb der bejahenden Koalition aufgefangen wird, um dort eine Verwendung zu finden, die den Wünschen Aid Absichten der Opposition durchaus entspricht.

Was wirst man Herrn von Keudell vor? 6r soll in den Tagen des Kapp-Putsches, also or nunmehr sieben Jahren, als am» tierender Landrat die Bekanntmachungen der Kapp-Regierung zur Veröffentlichung frei gegeben haben. Zwar ist dieser Tat­bestand nicht abzustreiten. Aber man be­denke, Liese gewiß nicht republikfteundliche Haltung des Herrn von Keudell äußerte sich zu einer Zeit, wo in Deutschland alles drüber und drunter ging, wo die Republik »och nicht annähernd im deutschen Volke We Zustimmung fand, die sie heute hat, do das ganze rechtsgerichtete Deutschland ton den Völkischen bis zur Deutschen Bolkspartei innerlich ablehnend der neuen Staatsform sich gegenüber verhielt. In- Mischen hat sich an dieser Stellung des totionalen Deutschlands zur heutigen Staatsidee manches geändert. And die Aeutschnattonale Volkspartei hat nach «inem jahrelangem Kampf gegen die sich Armer und immer wieder ablösenden repu­blikanischen Regierungen sich erst vor eini­gen Tagen dazu bereit gefunden. Die «echtsgültigkeit Der Weimarer Verfassung tob damit auch die Republik selbst anzu­erkennen. Wenn dieses 'Bekenntnis auch Ächt Die Erinnerung an Die Vergangenheit Arszulöschen vermag, so stellt es doch einen dicken Strich Dar, Der etwas abschließen soll. Die Deutschnationalen waren bis tot kurzem wahrlich keine FreunDe unD Schützer des republikanischen Gedankens. Aus ihren EmpfinDungen haben sie nie ein Hehl gemacht. So könnte man mit einem Ähnlichen Recht, wie man heute Herrn von Keudell des Hochverrats bezichtigt, fast Amtliche Deutschnationalen des gleichen Verbrechens für schuldig halten. Was zu besagen hätte, daß so ziemlich jeder deutsch- »ationale Minister, der sich Dem Reichstag,

Segen LnMM Sewaltpolltil

Amerika sür Verhandlungen - Widerstand der englischen Arbeiterschaft

London, ,5. Febr. Ein Sonder­korrespondent des „Manchester Guardian" meldet zum gestrigen Kabinettsbeschlutz, die Mehrheit des Kabinetts scheine noch immer der Ansicht zu sein, daß am klügsten sei, keine Aktion gegen Rußland zu unternehmen, da die Erfahrung be­wiesen habe, daß die russische Propaganda aus Protesten nur Vorteil ziehe.

♦

Die „Daily Mail" berichtet, die Ent- schlossenhei der Konservativen, die Regie­rung zu zwingen, die Abgesandten MoSkauS aus England auszuweisen, gewinne jeden Tag an Stärke. Tie Sowjetorganisationen in England bereiten sich schon darauf vor und verminderten ihr Personal beträchtlich.

Tie „Morning Post" bezeichnet die Annahme als unklug, daß die britischen Minister eine Kündigung des englisch-russi­schen Handelsabkommens ernstlich erwägen würden, obgleich die Opposition der ^ore gn Office gegen eine derartige Politik, wie angenommen werde, nicht dieselbe ein­stimmige Unterstützung des Kabinetts er­halten werde, wie im letzten Jahre.

Der „W e st rn i n st e r Gazette" zufolge wird erwartet, daß ein entschlossener Ver­such im Parlament gleich nach seiner Wie­dereröffnung von einem Teil der Konser- va inen gemacht werden wird, das englisch- russische Handelsabkommen aufzuheben und die Sowjethandelsdeligation aus London auszuweisen. Die Haltung des Foreign Office aber bleibe, so schreibt das Blatt, in dieser Hinsicht unverändert, und es werde leine Veränderung in den offiziellen englisch-russischen Beziehungen erwartet, ob­gleich verlautet, daß die Frage gestern von der Regierung erwogen worden fei.

Mac Donald über China.

ff. London, 7. Febr. Auf einer stark besuchten Versammlung der Arbeiterpartei- die veranstaltet wurde, um den Frieden mit China zu fördern, erklärte Mac Donald, wenn Großbritannien alle Vor­rechte der alten Verträge mit China auf­geben sollte, so muffe dies im Rahmen von Verhandlungen und nicht unter Gewalt­anwendung geschehen. Er fürchte, daß die Expeditionsstreitkräfte. die nach China ent­sandt wurden, womöglich mehr Schaden als Nutzen machen würden. Großb itannien

Zollte Tschen erklären, wenn das Hankau- dokument unterzeichnet würde, sodaß keine tueiie.e -ichechett für schanghai erforder­lich wäre, würden die Truppen nach Eng­land zurücktransportiert werden.

Die englische unabhängige Arbeiterpartei gegen den Chinakrieg.

London, 5. Febr. Der Rationalrat der unabhängigen Arbeiterpartei nahm heute nachmittag eine Entschließung an, tn der er feine Forderung nach Zurückziehung aller Land- und Seestreitkräfte in China erneuert und feine Zweigsteller auffordert, die Be­wegung gegen den Krieg zu verstärken und zum organisierten Widerstand vorzubereiten, der in der Verweigerung des Militärdienstes einschließlich der Herstellung und Defördermig von Munition bestehen soll. In einer anderen Entschließung wird auf die Notwendigkeit einer Verständigung mit Rußland hingewie­sen und erklärt, der Krieg mit Rußland werde auf den entschlossenen Widerstand der organi­sierten Arbeiterschaft stoßen.

Amerika für Verhandlungen über den künftigen Status der Schanghaier Frem- denniederlasiunoen.

ff. Washington, 7. Febr. Staats­sekretär Kellog gab gestern den Text der Vorschläge der Vereinigten Staate« an die Führe!» der beiden chinesischen Parteien betrefsend die Sicherheit der inter­nationale» Niederlassung en in Schanghai bekannt, wobei er betonte, die Vereinigten Staate« seien bereit, a« friedlich geführten Verhandlungen über die künftige Gestaltung der Nieder­lassungen teilzunehmen.

Die javanische Trupvensendnng nach China.

ff London. 7. Febr. .Daily Mall" be­richtet aus Tokio, die japanische Admiralität habe auf Grund von Informationen, von denen die Oeffentlichkeit nichts wisse, einen Kreuzer mit Marinetruppen an Bord, der jetzt in Kuwe liege, und vier Zerstörer veranlaßt, sich zur Abfahrt nach China bereit zu halten. Die japanischen Bericht­erstatter in China berichten pessimistisch über die Lage in Peking und Haukau. Das Flot- tendepartement berichtet von einer Spaltung in Den Reihen der Kantonesen. die dazu füh­ren könnte, baß die Extremisten die Ober­hand gewinnen.

Präsentiert, als ein „Hochverräter" zu be­handeln sei. Schließlich hat aber die ge­wiß republikfteundliche Zentrumspartei mit den so „hochverräterischen" Deutfchnatio- nalen ein Koalitionsabkommen getätigt, dessen Sinn sein soll. Vergangenes der Vergangenheit zu überlassen, zum Nutzen einer gemeinsamen produttiven Leistung für die Zukunft. Wenn sich die neue Reichsregierung entschloß, ein „Ermitt­lungsverfahren" gegen den von der Oppo- sittvn in den Anklagezustand versetzten Herrn von Keudell in Die Wege zu leiten, so mag sie dies tun, aber nur bei gleich­zeitiger Würdigung des Sinnes und des Zweckes, die Dem neuen Koalitionsab­schluß unterlegt sind. Wie aus Den ehe­maligen deutfchnationalen Gegnern der Republik heute Mitarbeiter an Dem Ge- Danken Der Republik geworden sind, so ist auch aus dem Herrn von Keudell Der Kapp-Zeit ein Reichsminister geworden. Der Durch seinen Eid das Gelöbnis abge­legt hat, ein ehrlicher Diener dieser Repu­blik zu sein. Es besteht unseres Erachtens keine Arsache. an der Ehre des Herrn von Keudell zu zweifeln.

6t6olu«es«tlttab Dr. Stresemamns.

Berlin, 7. Febr. (Amtlich.) Der Reichs­minister des Auswärtigen Dr. Strefemann trat gestern, Sonntag, einen mehrwöchigen Er­holungsurlaub an. 2« feiner Abwesenheit führt'Staatssekretär Dr. v. Schubert die De-

• schäfte des Auswärtigen Amtes.

». Mch in Berlin

ff Berlin. 7. Febr. Der deutsche Bot­schafter in Paris, von Hoefch, ist am Sonntag früh in '-Berlin ehtgetroffen und hatte im Laufe des Tages eine lange Aus­sprache mit dem Reichsaußenminister und Dem Staatssekretär des auswärtigen Amtes.

Noch immer 75 000 Man« Besatzung auf deutschem Boden

Berlin. 6. Febr. Wie amtlich gemel­det wird, beträgt die Zahl der Besatzungs­truppen am Rhein gegenwärtig noch 75 000 und zwar 60 000 Franzosen, 6700 Belgier und 8000 Engländer. Seit dem Herbst v. Js. find die Besatzungstruppen um 4500 verringert worden.

Der Protest gegen de« deutschen Fremdrn- legionär Kl .

Paris, 6. Febr. Wie Dem .Watin" aus Rabat gemeldet wird, wirb der Prozeß gegen den aus der Fremdenlegion desertier­ten Deutschen Klems, der die Artillerie Abd el Krims befehligt haben soll, am Mittwoch vor dem Kriegsgericht in MekneS beginnen. Der Rechtsanwalt und sozialrepublikanische Abgeordnete Morv-Siafteri hat die Derteibi- gung des Angeschuldigten übernommen.

SnS BttlrnnrMvlnm für die

"ing

Der Reichstag '.le am Samstag die Aussprache über die Regierungserklärung. Als erster Redner erklärte der Zentrums­abgeordnete S t e g e r w a l d , die Bildung einer Regierung der Großen Koalition fei nicht möglich gewesen. Von der jetzigen Regierung werde praktisch eine ähnliche Politik gemacht werden, wie sie von der Großen Koalition gemacht worden wäre. Hierauf kam es zu einem Zwischen­fall.

Abg. Landsberg (Soz.) richtete weitere Vorwürfe gegen den Znnen- minister v. Keudell wegen seiner Hal­tung während des Kapputsches. Eine Er­klärung des Ministers v. Keudell hierzu löste auf der linken Seite des Houses stürmische Zwischenrufe aus. Reichskanzler Dr. Marx erklärte, daß er eine Unter­suchung der ganzen Angelegenheit ein­leiten werde. Da sich der Tumult jedoch nicht legte, wurde die Sitzung auf An­trag des Zentrums auf eine Stunde un­terbrochen. Nach der Pause erfolgte dann die Abstimmung über das Ver­trauensvotum, das

mit 235 gegen 174 Stimmen bei 18

Stimmenthaltungen angenommen wurde. Damit waren die Mißtrauensam trage erledigt. Nachdem noch der kommu­nistische Antrag auf Austritt aus dem Völkerbund mit 364 gegen 46 Stimmen ab­gelehnt worden war, vertagte sich das Haus auf Montag. Auf der Tagesordnung steht die Arbeitslosenversicherung.

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Dr. Wirir, und das Zentrum.

st Berlin, 7. Febr. Wie die „Moni tags Post" erfährt ,hat Die Tatsache, daß Dr. Wirth am Sonnabend im Reichstag gegen das Dertrauensvoturn für Die neue Regie­rung gestimmt hat, in Jentrumskreisen Un­zufriedenheit hervorgerufen und der Borstand Der Zentrumsftaktion beabsichtigt, eine Klä­rung Der Beziehungen Wirths zum Zentrum herbeizuführen.

Beränderungen in den Reichswinisterie«.

Berlin, 5. Febr. Die „Boss. Ztg." weiß aus unterrichteten Kreisen zu berichten, daß im Zusammenhang mit Der Regierungs­umbildung auch unter Den leitenden Stellen Der Reichsministerien noch Beränderungen be- porstehen. 11. a. soll jetzt das Zentrum einen alten Wunsch erfüllt erhalten, indem die Mi­nisterialdirektorstelle in Der DildungSablei- hing des Deichsministeriums des Innern mit einem Zentrumsmann, dem Ministerialrat Pelengar, besetzt werben soll.

Die französische Presse zur Reichstags- Debatte.

Die Reichstagsabstimmung wird von der gesamten Morgenpresse be­sprochen _ Das .Echo de Paris" schreibt, die Rationalisten hätten, nachdem sie über Rächt die maßvolle Sprache annahmen. Den Leuten, die für die Regierung verantwortlich seien, gezieme, sehr laut und sehr nachdrück­lich einige ihrer alten Losungsworte erklingen lassen müssen. Dies erßäre die Rede des Grafen Westrap ganz natürlicher Weise, und besonders unter Berücksichtigung ihres Tem­peraments hätten die Leute des Zentrums an­gesichts der Ausführungen, die chnen gegen­über wie eine Herausford erung klangen, reagieren müssen. Beide aber hätten nicht einen einzigen Augenblick Die sehr mächtige Begründung außer acht gelassen, die Der Ur» sprung ihres Bündnisses seien. Das .Petit Journal" ist Der Ansicht, man müsse nun­mehr feststellen, daß die Deutschnationalen, die gewisse formale ZugestänDnisse gemacht hätten, wirklich ihre Ueberzeugung geändert hätten. Ihre Wandlung sei nach ihrem Eingeständnis nur vorübergehend und nur von Der Sorge um das Wohl des Landes eingegeben. Alles hänge von der Haltung Der Katholiken ab. Das .Oeuvre" schreibt, man müsse Den Männern wie Marx und Stresemann das Dertrauen bewahren. Man könne grundsätz­lich bedauern, daß Deutschland eine Rechts­regierung annehme, aber es fei gewiß, daß man mit dieser Regierung auch für beu tt» ropäischen Frieden werd« arbeitet; können.