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Berlin, 17. Januar. Der erste Tag der Verhandlungen, die Dr. Marx über di« Bildung der Regierung geführt hat, h«t ur insofern eine Klärung gebracht, als die Deutsche Bolkspartei die Beteiligung an der grohen Koalition ablehnt, je den ersten Besprechungen des morgi- gt» Dienstag wird Dr. Mar? nun fest- ftellen. wie sich die beiden Flügelparteie« zu einem Kabinett der reinen Mitte stellen. Rach der bisherigen Haltung der Heutschnationale« wird mit Sicherheit damit gerechnet, dah Graf Westarp die kolerierung eines Kabinett« der Mitte »blehnen wird. Auf der anderen Seite •itb Dr. Marx den Führer der Sozialdemokratie, Herrmann Müller, um Bekanntgabe seiner Bedingungen für die Unterstützung eines Kabinetts der Mitte toten. Bon dieser Antwort werden die weiteren Schritte des Herrn Dr. Marx ab- Hngctt.
Nie Rede Graf Westarps
Eine Erklärung der Deutschnationalen.
Zu der gestrigen Rede des Grafen Westarp iwlählich der 8. Reichsangestelltentagung der v. A. D. P. am Sonntag, die im Reichstage, euch bei der Deutschen Dolkspartei, zunächst wßes Aufsehen erregt hatte, teilt die deutsch- Atwnale Pressestelle u. a. mit:
| «vaf Westarp unterschied hinsichtlich fier nationalen Ziele der inneren und äußeren Politik zwischen den augenblicklichen lltaatsnvtwendigkeiten einerseits wd den letzten Grundsätzen und den ferneren Zukunftszielen der Par- sti andererseits. Hinsichtlich der letzteren wies !tt auf das Parteiprogramm und auf dasjenige hin, was auf dem Parteitag in Köln und ststdem wiederholt ausgesprochen worden ist. Die Deutschnationalen könnten nicht auf die äleberzeugung verzichten, daß dir letzten Endes, wenn auch vielleicht "st in ferner Zukunft, die Befreiung *®nt fremden Wesen und fremder Herrschaft, öie den Kernpunkt des deutschnationalen Pro» pvnnns bildet, nur im Anschluß an die bewährte Ll eberlieferung unse» 4er Geschichte würden erreichen können..
Rach dieser Mitteilung der offiziellen Fassung der Rede glaubt man, wie das Rachrich- tenbüro das B.D.Z. aus parlamentarischen «kreisen erfährt, daß die Rede keine Echwie- ngkeiten mehr verursachen dürste.
Deutsche Bolkspartei für schwarz-weih-rot.
1 ik. Berlin, 18. Jan. Auf der Reichsgrün- ^ungsfeier der Deutschen Volkspartei Char- iustenburg hielt Reichstagsabgeordneter von Mardorfs eine Rede, in der er nach der »Täglichen Rundschau" u. a. sagte: „Wir »ollen bekennen, dah wir den Staat über die Staatsform stellen und dah der Staat ein Hort nationalen Gedankens sein soll. Wir be- knnen uns :. schwarz-weih-rot; wir bekennen ens »u dem konfessionellen Frieden. Wir sagen Kampf an dem, was uns trennt, der Zersplitterung, dem Klaffen-, dem Raffen- und dem Rassenhaß, dem Kasten- und dem Kliquen- Men.
AWwehrminAtt Sr. Srßler an Koch
kk. Berlin, 18. Jan. Die „voffische Ztg." ^ldet: Dr. Gehler bat jetzt auf den Brief •*ä demokratischen Parteivorsitzenden Koch ^antwortet, in dem Koch dagegen Einspruch ^oben batte, dah General Reinhardt in ^ttn Zeitungsartikel den Republikanern die ^igkeit abgesprochen hatte, für die Reich».
geeigneten Ersatz tu stellen. Su» dieser ^stoort gebt hervor, dah Dr. Gehler von
Arttikel vor seiner Beröffent- Uchung Kenntnis gehabt bat
MOfen-tt Widerstand gegen Kellogg eint nilllftfe entgtgmmo auf fcfloggt anltbnlMgungtn
Die „Newy « rk Times" meldet au« Washington, dah zwecks einer Lösung der Spannung zwischen den Bereinigten Staaten und Mittelamerika eia weiterer Druck auf Coolidge ausgeübt werde.
Senator vorah erklärt, der „Rew- y o r k World" zufolge, das F r i e» densangebot von Diaz beweise nur besten Ungeeignetheit als Präsident von Nicaragua, da er versuche, die vereinigten Staaten in einen Krieg gegen Mexiko zu treibe«.
Der Vertreter Sacasa« in Washington, Dr. Vaca, erklärte, der Versöhnungsvor. schlag von Diaz sei wertlos, kr wies darauf hin, dah am Sonnabend W a f f en- sendungen von New Orleans für Diaz abgegangen seien. Der Sekretär der Panamerica« Federation of Labour, Iglesias, veröffentlicht eine« Briefwechsel, um den Nachweis zu führe«, dah die Mexica« Co«- federation of Labour keine kommunistische« Tendenzen verfolge.
Die Kolumbusritte» haben für de« 27. Januar eine MaffenverfoMmfung anberaumt, um die Lage i« Mexiko zu erörtern. Eine Versammlung der People» Partq in Baltimore verlangte die Entlassung Kelloggs und eine Unter- suchung der amerikanischen Finauzinter- esten in Nicaragua. Eine Versammlung in Wrentha« sMastachnstets) forderte Coolidge auf, Lehrer statt Truppen «ach Mexiko zu schicken. Die Federation ob Labour in Chicago ersuchte Eoolidge und den Senat um Neutralität in de« Fragen Nicaraguas, Mexikos und Chi««».
fk. Moskau, 18. Ian. 3n einem Interview mit amerikanischen Berichterstattern widerlegte Litwinow die jüngsten Erklärungen des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg. Er betonte diese Erklärungen seien die öftentlichen Eepflogenbeiten kapitalistischer Staatsmänner, in nötigen Fällen ihre Handlungen durch Hinweise auf angebliche Machenschaften der Sowietregierung und der kommunistischen Internationale zu rechtfertigen. Die Sowietregierung werde auch fernerhin bestrebt sein, mit sämtlichen amerikanischen Staaten ein legales und auf Nichteinmischung beruhendes Verhältnis berzustellen. Sie könne die phantastischen Ausfälle Kelloggs welche dies erschweren, nur mit Bedauern aufnehmen.
TU. Berlin, 17. Za«. Nach einer Meldung der Morgenblätter aus Newgork hat das mexikanische vundesgericht i« Tampico auf eine Klage der amerikanischen Sinclair Oil Company gegen de« Handelsminister von Mexiko hi« eine einstweilige Aushebung der Negierungsverfügung vom 1. Januar angeordnet.
Der Aufstand in Mexiko.
fk. L o n d o n, 18. Jan. Hebet den Aufstand in Mexiko behaupten mexikanische Regierungsmeldungen, dah die Auf- standsbewegung der Katho» liken ernsten Umfang angenommen habe und dah einwandfreie Beweise für die Beteiligung der katholischen Kirche vorliegen. Ein Erzbischof soll persönlich an der Spitze von 500 Aufständigen stehen. Der von der mexikanischen Regierung aus- gewiesene Bischof Diaz, der über die Grenze nach Guatemala abgeschoben werden sollte, hat keine Einreiseerlaubnis in dieses Land bekommen, mit der Beg'Ln- dung, dah den Jesuiten eine Einreise verboten sei.
Sie Mutknkomtoe In Stlgrab
Unter den nationalen Minderheiten, die zu einem verschwindenden Prozentsatz im Deutschen Reiche wohnen, versuchen die Lausitzer Wenden es am eifrigsten, für sich allenthalben Propaganda zu machen. Fast in allen Staaten des Kontinents und auch in Amerika haben sie wendische Bereinigungen gegründet, wo sie mit Hilfe von Geldmitteln slavischer Nationen eine systematische Hetze gegen Deutschland betreiben, indem sie sich über die angebliche Vergewaltigung und Unterdrückung, namentlich deS Preußischen Staates, ereifern. Jeder, der die Lage der nationalen Minderheiten in Deutschland kennt und unparteiisch beurteilt, wird zugeben, daß abgesehen von den Friesen, die sich unlängst selbst als deutsche Staatsbürger öffentlich bekannten, die Polen, Dänen und Wenden in Deutschland entschieden mehr Rechte und Freiheiten genießen als die deutschen Stammesbrüder in den betreffenden Grenz- ftaaren. Auch ist es bekannt, daß die Mehrzahl aller Wenden, die im Höchstfall auf 100 000 zu schätzen sind, keineswegs mit ihrem Schicksal unzufrieden sich fühlt und gewillt ist, im Ernst die Kulturautonomie für sich zu fordern. Einige „Führer" bilden die Ausnahme.
So ist denn auch das Auftreten zweier Lausitzer Wendinnen in Belgrad, worüber vor einigen Tagen die ganze deutsche Presse berichtete, von allen kundigen Kreisen mit Recht als „Wendenkomödie" bezeichnet worden. Es wirkt geradezu lächerlich, wenn Heißsporne, die nach der Tat nicht einmal den Mut haben, sich hierzu zu bekennen, die Unwissenheit junger Mädchen dazu mißbrauchen, im Auslande eine leidenschaftliche Hetze gegen Deutschland, den „höllischen Erbfeind" zu entfachen. Daß auch serbische Persönlichkeiten, wie der Universitäts- Professor Nowak sich an den Dienst dieser Lügenpropaganda stellen, ist gewiß |u bedauern. Mit aller Deutlichkeit Hat »er deutsche Gesandte in Belgrad durch eine Nück- f age Beim südslawischen Außenministerium ie Belgrader Regierung wissen lassen, daß
Deutschland nicht gewillt ist, solche deutschfeindlichen Kundgebungen unbeantwortet hingehen zu lassen. Das Außenministerium sah sich genötigt, jede Verbindung mit der Wendenkundgevung in Belgrad in Abrede zu stellen. Die Lehre aus diesem Belgrader Vorfall kann für Deutschland nur in der Weise gezogen werden, daß die deutschen Verantwortlichen Stellen mehr als bisher den allslavifchen Treibereien im Auslande das größte Augenmerk zuwenden und auch innerhalb der deutschen Staatsgrenzen unberechtigte Bestrebungen in dieser Hinsicht mit aller Gebühr unterbinden.
51t Muntt’StrMlungin
Paris, 17. Ian. Das Versailler Mi» litärZomitee hat die Prüfung der von General v. Pawelsz überreichten Vorschläge beendet. Es hielt heute nachmfttag eine Sitzung ab, über die folgendes Eommunique ausgegeben wurde:
»Das Komitee tagte heute nachmittag von 2.30 bis 5.30 Uhr . Es fand ein Meinung«- tausch über die von den deutschen Delegierten am 14. Januar übergebenen Roten statt. DaS Komitee beschloß, di« mündlichen Aerhanb- lungen mit General Pawelsz und Legationsrat Forster fortzusetzen. Die deutschen Vorschläge haben das Komitee nicht völlig befriedigt, das eine Abänderung der Vorschläge verlangen wird. Die Verbindung zwischen dem Komitee und den deutschen Delegierten wird General Daratier aufrecht erhÄten."
Der französische Nachtragsetat.
fk. Paris. 18. Zan. Der französische Nachtragsetat, de« Ministerpräsident PoincarS gestern der Kammer zugeleitet hat, enthält Forderungen in Höhe von 1.2 Milliarde» Franken, dar sind ungefähr 266 Millionen Mark. Davon ist V» zur Verpflegung der Besatzungstruppe» in Marokko und-Syrien bestimmt. . ..
Sir NrüSklttMg SÄondttS tunt) Pelm
Ausgerechnet in dem Augenblick, in den der Direktor Eolban vom Völkerbunds» sekretariat die vstoberschlesischen Grenz- gebiete bereist, um sich über die dortig« Lage der Minderheiten persönlich zu orientieren, hat sich das polnische Minderheiten« amt veranlaßt gesehen, eine Antwort auf die Entscheidung deS Präsidenten der Ge- mischten Kommission des Völkerbundes, Ealonder, in der Frage des Schulwesens in Ostoberschlesien der Gemischten Kommission zuzustellen, die praktisch nicht nur auf ein« glatte Ablehnung der Ca» lvnderschen Entscheidung hinausläust, sondern in der Form sich eines Tones befleiß higt, der wie eine Verhöhnung der Entscheidung der Gemischten Kommission wirken muß. Man muh aus dem polnische« Memorandum leider herauslesen, daß die polnischen Behörden ihr Mißvergnügen über die Gemischte Kommission des Völker- bundes in Ostvberschlesien jetzt auch nach außen hin offenkundig zum Ausdruck zu wünschen bringen, bah sie die Entscheidung des Präsidenten Ealonder als eine unbe- rechtigte Einmischung in die innerpoliti* schen Angelegenheiten hinzustellen versuchen. Sie polnische Antwort jongliert nämlich mit der Behauptung, daß die Entscheidung CalonderS nicht im Einklang mit den Bestimmungen des Genfer Abkommens stehe. Die Miteilung Ea- londerS, dah er, sofern die zuständigen Behörden PölenS seiner Auffassung entgegen- treten sollten, den ganzen Rechtsstreit in der nächsten Session deS DvlkerbundsrateS zur Entscheidung stellen werde. Die polnische Antwort sagt, dah Ealonder zu die- fern Vorgehen überhaupt nicht berechttgt fei.
In Wirklichkeit handelt es sich hier um ein Spiel mit Worten. Sewih kann Ealonder nach der Genfer Konventton nicht direkt den Dölkerbundsrat als zweite Instanz anrufen. Andererseits aber kann Polen ebenso sicher nicht verhindern, dah Ealonder seinen ganzen Einfluß in Senf zur Durchsetzung der von ihm verttetenen Auffassung vor dem Döllerbundsrat geltend macht. Das polnische Vorgehen ist umsomehr als höchst ungeschickt anzusehen, als man auch in Polen wissen dürfte, daß Ealonder vor lleberreichung seiner Entscheidung längere Zeit in Genf weilte, um dort sich über die Auffassung anderer zuständiger Völkerbundsstellen zu orientieren.
Die Phrase des polnischen Memorandums, daß Polen es für seine Pflicht halte, die berechtigten Wünsche der deutschen Minderheit „im Rahmen der bestehenden Schulverhältnisse" mit der gleichen Fürsorge zu erfüllen, die alle Bewohner deS Staates zu fordern hätten, wirb ganz gewiß den Deutschen DvlkSbunb als De- schwerdeführer nicht abhalten, sich ent» sprechend den Desttmmungen deS Genfer Verttages nunmehr an den Völkerbund zu wenden. Im schneidenden Gegensatz zu der polnischen Resistenz steht jedenfalls das Verhalten der deutschen Regierung, daß die seinerzeit von Warschau gefordert ten Minderheitsschulen nicht nur errichtet, sondern selbst solche Minderheitsschulen bis heute noch nicht als geschlossen erklärte, die bereits Ende des Schuljahres 1925 ohne Kinder waren. Man darf wohl Hof- Kt, dah diesmal der Völkerbund Polen weisen wird, wozu er statutenmäßig errichtet wurde.
De, Deutsch« BolksLnud legt Beschwerde beim Völkerbund ein.
fk. Berlin, 18. Jan. Gegen den ablehnen, den Bescheid, den die vvlniche Regierung auf die Stellungnahme des Präsidenten Ealonder in Sachen der Ungültigkeitserklärung von rund 7060 Anträgen für die deutschen Schulen ge» geben bat, legte,-wie den Blättern aus Katts» witz gemeldet wird, der deutsche Dolk^und Beschwerde bei« Völkerbund ein. .