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Sie Areiatstlen Slaalea in Rikarasiia

III. Newyork, 7. Za«. Die »ach Nicaragua entsandten Flottenstreitträfte etzten sich aus 15 Kriegsschiffe« #i# 45OG Mann Marinetruppen jujammen. Admiral Latimer erhielt aus Washington den Befehl, jedes Mittel zur Unterbindung der mexikani­schen Waffentransporte an Sa­ras a anzuwenden. Latimer soll landen, wann und wo er es für richtig hält. Zm Laufe des gestrigen Tages besprach Koolidge mit Kellogg und Wilburg die gegenwärtige Lage. Als Ergebnis dieser Besprechung ist festzustellen, daß die Ver­einigten Staaten auf keinen Fall gewillt ind, ihre Politik gegenüber Mittelamerika ja ändern. Diaz soll durch große Wasfen- enüungen weitgehend unterstützt, Sacasa dagegen mit allen Mitteln niedergekämpft werden. Der kommandierende Admi.al f Latimer soll sämtliche Sacasa zur Ver- i fngung stehenden Häfen schlichen und so lieBloüadeüberdievoaSacasa »ntrollierten Gebiete Rica- A aguas verhängen. Nach der Bespre­chung erklärte Kellogg, daß die mitiei- merikanische Revolution mit den ameri- anischen Interessen in Widerspruch stehe i Md daher bekämpft werden müsse.

Lei der Senatsoppositcon brach bei Be- - mntwerden dieser Nachrichten ein E«t- i üst UNgSfturm aus. Kellogg wird Hei seiner Vernehmung vor dem auswär- -Mjen Senatsausschuh mit erbitterter Eeg- Ierschast rechne« müssen. Vielfach fordern e Opponenten offen Kelloggs Rücktritt. Senator Norris bezeichnete Imerikas Vorgehen als offenen r j e g s a k i. Borah hat Kellogg mitge­ilt, dah der Senatsausschuh für Auswär- ges bereit sei, ihn anzuhören. Kellogg rb jedoch eine ausweichende Antwort, in, e« er erklärte, vor Ende nächster Woche n«e Zeit zu haben. Die wahren Ziele Imerikas sind aus folgender aus Re- terungskreisen stammenden Aeuherung »kennbar:Das Protektorat über »icaragua ist vollzogen".

Bernd gegen Messt

fd. Newyork, 8. Ian. Aus Washington «rd gemeldet: Auf Anfrage von Zeitungs- nrtretern erwiderte Staatssekretär K e I - «S g: Dem Parteikam; f in Nicaragua, wo merikaner leben und Eigentum besitzen, mutz m Ende gemacht werden, da dies das beste nttel ist, die Jntereffen der Amerikaner zu hiitzen.

Zu der Bemerkung Borahs, datz die von «xiko anerkannte Regierung Sacasa mehr psnrucki auf Berfaffun^smätziakeit habe, als ® von Washington anerkannte Regierung erklärt Kellogg: Diaz ist gesetzmäßig »m Präsidenten gewählt worden, gemäß den Stimmungen der nicaraguischen Verfassung. Tu? die Frage, ob Mexiko nicht das Recht le souveräne Nation besitze, der Sacasa-Par- ki Waffen zu liefern, antwortete Kellogg, knn es auch keine geschriebenen Bestimmun- gebe, die es einem Land verbietet, Waf- 81 Qn jeden Beliebigen zu verkaufen, so wäre B doch ein Akt der Unfreundlichkeit gegen F bisher als befreundet geltendes Land der Evolutionären Partei Waffen zu liefern.

TieNew York Tribüne" schreibt: Wäh- m# das Staatsdepartement Kreuzer zum ostLtze von Staatsangehörigen der Ber­ggren Staaten nach Nicaragua schickt, Mttet das Schatzamt die Vergiftung des «ohols, obwohl den Behörden bekannt v daß schließlich ein großer Teil getrunken u.tB- Ist das Leben der amerikanischen ^r^er im Ausland« wertvoller als zu ^DieNew Dort Times" sagt, die Politik S, Vereinigten Staaten in Nicaragua eine sonderbare Form der Neutralität ?*. DerNew Dork World" erklärt, Coo-

sei in «ine Jnterventipnsvolitik hin-

EnskM-s Schlappe in China

Rem NresseseM gegen Sowjei-Rnßlnnd

ft. Schanghai, 8. Ja«. Ein« Meldung aus japanischer Quelle besagt: Die Flagge weht nicht über dem britischen Konsulat. Bon gestern vormittag ab halten chinesische Truppen das Konsulatsgebäude bewacht. Die britischen Einwohner haben sich in die Gebäude der Hongkong- und Schanghai-Bank und der asiati­schen Pctroleumgesellschaft geflüchtet, die von chinesisch rn Truppen und Streikvosten bewacht werden. Die britische Niederlasiung wird jetzt von einem Fünferausschuß verwaltet, der aus Mitgliedern der Ortsgruppe der Kuomintong- Partei »usgewählt ist.

Eine weitere Reutermeldung aus Schanghai erklärt, es sei keine Uebertreibung, wenn man erkläre, dah die Lage der Engländer in China noch nie zuvor so schwierig ge­wesen sei.

ff. London, 8. Jan. Die britische Kon­zession wird vollständig von den Nationalisten bewacht. Der Korrespondent des Reuterbüros sowie andere Personen werden von Truppen- abteilungeu in den Gebäuden der asiatischen Petroleumgesellschast eingeschlosie« gehalten.

Das Hauptinteresse der Presse ist nach wie vor der Lage in China gewidmet. 3m Mit­telpunkt der Berichte und Erörterungen steht die Räumung der britischen Konzession in Hankau, die als ein .äußerst demütigender Schlag für das britische Prestige im fernen Osten" bezeichnet wird.

,Westminster Gazette" zufolge be­sagt die Mitteilung des britischen Generalkon­suls in Hankau an die amtlichen Behörden in London über di« Zurückziehung der briti­schen Marinetruppen aus der britischen Kon­zession im wesentlichen, daß. wenn die Eng­länder auch zehnmal soviel Streitkräfte zur Verfügung gehabt hätten, wie sie tatsächlich hatten, es trotzdem unmöglich gewesen wäre, die Lage in Hankau in der Hand zu behalten.

Der Berichterstatter derWestminster Ga­zette" in Schanghai hält es für möglich, daß dieser Erfolg der chinesischen Extremisten zu einem Staatsstreich führen werde, durch den die gemäßigten Rationalisten aus ihrer führenden Stellung verdrängt würden.

Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" schreibt: Der äu­ßerste Ernst der tatsächlichen Lage in Han­kau wird jetzt in amtlichen Kreisen zugege­ben. Besonders peinlich ist die Entwaffnung der britischen Freiwilligen auf die Forderung der Kantonesen hin. Die gesamte Konzes­sion ist damit der Gnade der letzteren ausge- liefert worden. Während die verantwortlichen Politiker eine solche Antwort erhalten haben, sind die französischen und japanischen Kon­zessionen respektiert worden und unbelästigt geblieben, obwohl die beiden Regierungen sich nachdrücklich geweigert haben, die Rechte aufzugeben, deren baldige und weitreichende Abänderung die britischen Behörden zu er­wägen bereit sind.

Dally Telegraph" schreibt in einem Leit­artikel: Das britische Prestige im Osten hat einen schweren Schlag er­litten. Das Blatt behauptet, sowohl die Kantonregierung als auch Fengyuhsiang, die heute miteinander fast ganz Süd- und West­china beherrschen, würden von der Sowjet­regierung Rußlands beraten, un­terstützt und versorgt. Die britische Stellung in einem großen Vertragshafen sei verloren und die Grundlage der ganzen engli­schen Stellung in China sei erschüttert. Wenn fie gerettet werden solle, so müsse eine Hal­tung angenommen werden, die von der, deren Wirkung man in Hankau sehe, sehr verschie­den sei.

Der diplomatische Berichterstatter der M o r n i n g p o st" schreibt, in vielen Kreisen in London werde betont, daß, wenn Ruß­land fortfahre, Großbritannien auf fremdem Boden zu bekämpfen, sowohl seine politischen als auch seine Handelsvertreter aus dem britischen Gebiet entfernt werden müßten . Man sei der Ansicht, daß eine solche Maßnahme die finanzielle Ahr der Sowjet­regierung um viele 3ahre zurückstellen würde.

FrankreW gut« Wille

DerFigaro" stellt heute die Frage: Be­steht eine Mißstimmung zwischen B r i a n d und P o i n c a r 6 über die franzölisch - deutsche Politik? Das Blatt meint, wenn sie bestehe, sei fie unerträglich und wenn nicht, dann sei die Beunruhigung, die die Hypothese von ihrem Vorhandensein aufkommen laste, ge­fährlich. Das Blatt fährt dann foct, ein Kabinett der nationalen Einheit würde seinen Zweck verfehlen, wenn es zulaste daß sein Außenminister sich von ihm des- solidiere, oder wenn es sich von der Politik des Außenministers desiolidierte. Denn dann würde entweder die nationale Ein­heit zum Deckmantel für eine antinationale Politik werden, oder eine wirklich gute Politik würde jede Kraft und jeden Kredit verlieren. Bor dem Parlament müsse Poincarä. der für die allgemeine Po­litik der Regierung verantwortlich sei, bei nächster Gelegenheit selbst die Grund­sätze und Richtlinien bestim­men, die der Außenminister in die Praxis umzusetzen habe. Ein solches Ver­fahre» werde notwendigerweise die vor­herige Verständigung des Ministerpräsi­denten und des Außenministers erfordern. Das sei die erste Garantie. Außerdem werde es eine gegenseitig« Verpflichtung mit sich bringen, des sei die zweite Garan­tie. Es würde dann «och in der Illoyali­tät des einen oder anderen eine Gefahr liegen, woran zu denken jedoch nicht ge­stattet sei.

ft. Paris, 8. Jan. Auf ein« vomE ch o de Paris" veranstaltete Umfinge betreffend die Rheinlandräurnung antwortet der der­zeitige militärische Gouverneur von Straßburg: Die Deutschen, die misten, wie viel Zerstörung der Krieg anrichtet, wünschen keineswegs, daß der nächste bei ihnen beginnt. Sein Amtsvorgänger, General Hirsch euer,

vertritt dagegen den Standpunkt, daß Expe­ditionen am Rhein bester sind, als 12 Reden in Genf. General Pouydaguin, der vor Hirschauer der Gouverneur war, erklärte, die Räumung des Rbeinlandes würde eine schwer­wiegende Unklugheit sein Ich stehe mit Ge­neral Fach auf dem Standpunkt, daß man nicht an die Räumung des Rbeinlandes denken kann, bevor die Verteidigung für Frankreichs Grenze gesichert ist.

Caftelnau über die Räumungsfrage.

ImEcho de Paris" versucht heute ter Führer der französischen Katholiken, General deEastelnau, die Gründe darzulegen, aus denen heraus Frankreich das Rheinland nicht räumen dürfe, ©r unterläßt es nicht, dem von friedlichen Gefühlen durchdrunge­nen Geist Frankreichs den kriegerischen Geist Deutschlands, dessen Verfehlungen und Provokationen gegenüberzustellen. Dem Reichsaußenminister macht Caftelnau es besonders zum Vorwurf, dah er die im Versailler Vertrag festgelegte Kriegs­schuld Deutschlands nicht aner » kennen wolle. Dieser Geist der Ver­neinung gegen den Versailler Vertrag be­seele Deutschland. Solange Deutschland die Abrüstung des Geistes durchgeführt habe, würde Frankreich nicht ohne schwere Gefahr auf die ihm durch die Verträge ge­gebenen Garantien verzichten können. An­ter keinen Amständen könne Frankreich die Rheinlinie verlassen.

Zwei türkisch« Dampfe« gesunken.

ft London, 8. Jan. Zwei türkische Dampfer find an der Küste der Halbinsel Krim im heftigen Sturm untergegangen. 25 Mann der Besatzung find ertrunken. Durch den gleichen Sturm sollen im Kaukasusgebiet mehr als 200 Personen den Tod gefunden haben.

W M wieder Seren!

Als aus dem Zusammenbruch des Welt­krieges eine deutsche Republik gezimmert werden sollte, beschlossen die Schöpfer von Reu-Weimar, denn Staatsgebäude eine Ausstattung zu geben, die in allen Zügen nur puritanische Schlichtheit atmete. Alles, was an das Gepränge einer versunkenen Kaiserzeit erinnern konnte, wurde in Acht und Bann getan.

And da sich der republikanische Münner- stolz vor Fürstenthronen gerade im Kampf gegen alles Dekorative offenbar, weil es so faßbar war am stärksten erprobt hatte, so bannte man die braven Herzen in die nüchterne Stube einfachster Zweckmä­ßigkeit, und in den Artikel 109 der Reichs­verfassung wurde der Passus eingefügt:

Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf be­zeichnen; . . . Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht verliehen werden. Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel oder Orden annehmen."

So sind die Knopflöcher der Prominen­ten des neuen Staates leer geblieben, und was an Sinn für äußerenFirlefanz" lebendig blieb, das tobte sich auf dem weiten Felde der Amts- und Berufsbe­zeichnungen um so gründlicher aus.

"

Inzwischen sind nahezu acht Jahre seit der Achterklärung' dekorativer Aus­zeichnungen dahingeflossen und das deut­sche Volk hat ungestörte denn niemand wehrte sich gegen die Neuerung Muhe gehabt, sich davon zu überzeugen, wie ein­fach und zweckmäßig seitdem die Dinge im ganzen Reiche sich vollzogen.

Gerade hat das Kabinett Marx nach ungezählten früheren Krisen und Regie­rungsbildungen zum zweitenmal demis­sionieren müssen und man sucht in ein­fachster Form «ach einem neuen Kanz­ler, als die Oeffentlichkeit durch die Mel­dung überrascht wird, in der Schublade des Innenministers liege fix und fertig der Gesetzentwurf, wonach die Bestimmungen über Titel und Orden wieder in Wegfall kommen sollen.

*

Es ist nach den Erfahrungen der letzten acht Jahre anzunehmen, daß wir auch diesmal zu einer neuen Regierung kommen werden, und dann wird das deutsche Volk vor die Entscheidung gestellt werden, ob es eine der charakteristischen Steuerungen der Verfassung wieder beseitigen will, ob es aus puritanischer Einfachheit in das dekorative Gepränge vergangener Zeiten zurückversinken" will.

Ein wenig ist dieser Schritt schon vor­bereitet: Wir haben schon den schönen himmelblauen Diplomatenfrack, wir haben ein wenig von dem verpönten Zeremoniell bei feierlichen Anlässen, das Aufziehen der Wache mit klingendem Spiel vor dem Reichspräsidentenpalais und andere Dinge, die erkennen lassen, dah auch das repu­blikanische Deutschland den Sinn für das Repräsentative nicht ganz verloren hat.

Doch die Väter der Ordensreform? Es ist noch nicht möglich, Ramen zu nennen, aber es ist immerhin interessant, dah ge­rade in den Kreisen der Linken einer Reform der Reform, also einem neuen Ordenssegen das Wort geredet wird. Es ist ja häufig so, dah man Dinge, die man verfluche, mit anderen Augen betrachtet, wenn sie einem näher gerückt sind.

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Rein sachlich ist die Beseitigung der erwähnten Sätze des Artikels 109 schon deswegen zu wünschen, weil das deutsche Ordensverbot einer internationalen Sitte widerspricht. Es ist ein unhaltbarer Zu­stand, daß deutsche Würdenträger eine Auszeichnung, die ihnen von fremden Regierungen zugedacht wurde, ausschlagen, und noch mißlicher, eine Höflichkeit nicht in gleicher Form erwidern zu tonnen.

Orden oder leere Knopflöcher es ist keine weltbewegende Angelegenheit. Wie biete trugen und tragen eine ÄuSzeichmmM