SlenNag, 4. gnnuar 1927
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Sie Kämpfe In Maras«» '
Mexiko, 3. Ian. (SB®.) Wie bet hiesige Vertreter der liberalen Regierung ,on Nicaragua erklärt, haben die liberale« Truppen den Truppen des Präsidenten $toi bei Telica eine Niederlage beige« bracht und zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet. Wie aus Managua gemeldet «ird. sollen bei der Schlacht bei Las verlas 302 Mann getötet und 150 verwundet worden sein. Die Liberalen sollen 300 Gefangene gemacht haben.
Nach der Schlacht zwischen den Liberalen und den Konservativen wurde kein Versuch gemacht, die Toten zu begraben. Zahlreiche Verwundete blieben in benachbarten Sümpfen liegen und fanden dort den Tod. Tausende von Geiern kreisen jetzt über dem Schlachtfelde. Ein Veteran des Weltkrieges, der zahlreiche Kämpfe der zen- tralamer'ikanischen Revolution mitfocht, berichtete, datz der Anblick nach der Schlacht unbeschreiblich gewesen sei und daß er sich abwenden mutzte, da er solche Schreckensszenen nie gesehen hätte. Der Oberkomman- dierende der konservativen Kräfte gibt bekannt, daß es notwendig sein wird, jeden tauglichen Mann zwischen 12 und 50 Jahren unter die Fahnen zu rufen.
MM In Ml-Sumalra
; Padang (Westsumatra), 3. Ian. Fast |btt ganze Distrikt Silvengkang befindet kW in Hellem Aufruhr. Ein holländischer Mreckenaufseher sowie vier eingeborene Lehrer find von den Kommunisten ermordet worden. Eine Autokolonne, auf der sich eine militärische Abteilung nach dem Aufstandogebiet begab, wurde von Kommunisten überfallen. Die Angreifer wurden unter schweren Verlusten zurückgeschlagen und hatten etwa 30 Tote. Eine Anzahl von Aufständischen wurde gefangen genommen. Auf holländischer Seite fiel ein Leutnant, mehrere Soldaten wurden verwundet.
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Saß amttlknnWr
Mknprosrmnm
fk W a s h i n g ton, 4. Jan. Der Marine- etat, der sich auf insgesamt 314 552 680 Dollar beläuft und über den gestern im Repräsentantenhaus Bericht erstattet wurde, sieht die Aufrechterhaltung der Flotte in der gegenwärtigen Stärke vor und schlägt eine Verminderung der Gelder ffir Flottenmänöver um - 1950 000 Dollar vor. Der Finanzausschuß teilt den Wunsch des Präsidenten nach weiterer Rüstungseinschränkung. Der Bericht gibt jedoch die Bereitschaft deS Hauses zu erkennen, mit dem Dau neuer Kreuzer fort- zufahren, wenn immer der Präsident es empfiehlt.
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Kawel°z fährt nach KmiS
Berlin, 3. Senner. (SB. T. V.) General Pawels; und Legationsrat Forster begeben fich, wie die Blätter berichten, Ende der Woche Mr Fortführung der Berbandlungeu über die sirage der Ostfestungrn, die in Senf während der Ratetagnng des Völkerbundes offener* lasten worden sind, nach Paris.
Kein Zusammentritt des Reichskabiuett, in dieser Woche.
Berlin. 3. Jan. (Wolff.) Ein Z ■= mmmentritt des Kabinetts in dieser Woche rst. wie den Blättern mitgeteilt wird, bis letzt nicht vorgesehen.
Die Äonfurfe im Dezember .
Berlin, 3. Jan. (WTB.). Nach Mit- "tlung des Statistischen Reichsamts wurden un Dezember durch den „Reichsanzeiger" 435 neue Konkurse ohne der wegen «lassenmanaels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung und 120 angeordnere Ge- WäftSaufsichten bekanntgegeben. Tie ent» Brechenden Ziffern für oen Vormonat Wien sich auf 471 bezw. 128.
Ein mutt »roilthtnfall in Mainz ilmtMt Sohclt eines französischen SWett
Mainr, 3. Januar. (ÜB. T. v.) Wie der „Mainzer Anzeiger" berichtet, stieg am Neu iabrstage des Nachmittags ein französischer Fliegrroffizier in Sonzenbeim in die Stra- henbahn. An der Station Waggonfabrik wollte er da, Endziel des Fahrscheines umge- önbert haben, was der Schaffner ablehnte, da eine nachträgliche Aenderung gegen die Vorschriften verstösst. Darauf verlangte der Offizier von dem Beamten den Strich auf dem Fahrscheine weszuradieren und eine neue Markierung vorzunehmen. Als der Schaffner diese, Ersuchen mit der Begründung ablehnte, das, er sich dadurch einer Urkundenfälschung schuldig machen würde, antwortete der Offizier mit einem Schlag in« Gesicht de» Schaffners, der glücklicherweise, wie auch die anderen Mitfahrenden, seine Beherrschung nicht verlor. Der Offizier gehört dem 33. Fliegerregiment an.
fk Paris, 4. San. Ha das meldet aus Mainz, daß die franzöfifchen Militärbehörden bis jetzt keine Kenntnis von dem Zwischenfall, der sich zwischen einem französischen Offizier und einem Strahenbahnschafsner zu-, getragen hat, erhallen haben. Die Untersuchung der Angelegenheit ist auf Grund der Zeitungsmeldung eingeleitet worden.
Protest der Stadt Mainz.
fk Mainz, 4. San. Wie verlautet, hat die Mainzer Stadtverwaltung aus Anlaß deS neuerlichen Zwischenfalles schriftliche Borstellungen bei dem französischen kommandierenden General erhoben.
Stiftet AnMetllimatn In ÄtM
Freiburg, 3. Januar. (W T. B. In Kebl haben am Sylvesterabend drei französische Soldaten im betrunkenen Zustande einen von der Arbeit kommenden Mann vom Rade heruntergeworfen, der sich angeblich über sie luftig gemacht haben soll. Dabei nahmen sie ihm die Fahrradlaterne weg. Einen zweiten Radfahrer wollten sie gleichfalls vom Rade üerunierreisien und sollen ihm mit Erschießen gedroht haben. Der Mann entkam jedoch. Deutsche Sendamerie hat mit einem französischen Gendarm die Soldaten sofort verfolgt und sie trotz ihres Leugnens untersucht. Dabei wurde die entwendende Laterne vorgefunden. Die drei Soldaten wurden auf die Wache gebracht.
RtnfaMomM
Offizielle Neujahrsempfänge werden in der Weltdiplvmatie nicht als Ereignisse von politischer Bedeutung bewertet. Im allgemeinen sind sie Akte einer diplomatischen Eourtoisie, einer Höflichkeit, die zur Sitte geworden selbstverständlich sind. Aber zuweilen tritt doch das, was im Verlauf dieser Empfänge gesagt wird, so stark in einen Gegensatz zu dem, was die praktische Politik im allgemeinen will, daß die Worte, die gewechselt werden, eher, man kann fast sagen, höhnend klingen, als als Ausdruck eines Kompliments.
Der letzte Empfang des diplomatischen Korps beim Präsidenten der französischen Republik gestaltete sich durch den hohen Pathos, mit dem die gegenseitigen Friedensversicherungen, Sympathien und Verherrlichungsversuche vorgetragen wurden, zu einer Komödie, die zum Lachen reizen würde, wenn die Handlung nicht so bitter ernst wäre. Man bedenke, als Doyen des diplomatischen Korps in Paris, also gewissermaßen auch als Vertreter und im Ramen des deutschen Botschafters richtete Monsignore Maglione Worte an den Präsidenten Frankreichs, die mit einem großen Vertrauert auf die „Friedenspolitik" unserer Rachbarnation ausklangen: „Ansere Wünsche sind aufrichtig und warm, sie bringen zum Ausdruck, mit welcher Sympathie und mit welcher Befriedigung wir die Bemühungen Frankreichs für die Befriedung der Völker verfolgen. Wir sind sicher, daß Ihre Regierung dieses Werk weiter verfolgen wird, das Ihrer edlen Seele und Ihres großen Herzens würdig ist."
Befriedigung über die Bemühungen Frankreichs für die Befriedung der VA» ker! Ein prachtvolles Attest, das hier dem französischen Staatsoberhaupt in Gegenwart des Vertreters der deutschen Ration überreicht wird. Zwar läuft irgendwo in Frankreich oder im besetzten Gebiet «in Herr Rouzier herum, der erwiesener Maßen ein Mörder ist, dessen Schuld aber nach einer Erkenntnis ftanzösischer Jurisprudenz keine Sühne finden kann. Zwar sorgen französische Bajonette am Rhein dafür, daß die friedlichen Bürger des besetzten Gebietes niemals zu vergessen haben, daß Frankreich der Sieger Europas ist, und sie die Angehörigen eines Volkes sind, das nach dem Spruch eines Versailler Friedensvertrages rechtlos zu sein und zu bleiben hat. Zwar gilt im deutschen Saargebiet nur französisches Recht als Zeichen dafür, daß es ein deuftcheS Recht nicht mehr gibt. Zwar wirft sich die französische Regierung zum energischsten Advokaten der polnischen Forderungen auf, die darauf hinzielen, daß die letzten armseeligen Befestigungen, die wir an der Ostgrenze ha» ben, verschwinden, auf daß bei einem eventuellen polnischen Vormarsch auch keine einzige deutsche Kanone den Spaziergang nach Berlin aufhalten könnte. Aber diplomatische Eourtoisie über alles! Der Doyen des französischen diplomatischen Korps spricht Herrn Doumergue die Befriedigung der Welt und damit auch Deutschlands darüber aus, daß Frankreich sich so nett für die Befriedung des Völkerhaders eingesetzt habe. Wenn dieser feierliche Akt beim Präsidenten Doumergue nicht den Stoff zu einer bitteren Sathre liefert, dann gibt es überhaupt keinen Schwankstoff mehr, der einen Komödiendichter zur Arbeit reizen könnte.
Wer die tiefe Ironie des Zwischenspiel« im Elhseepalast nicht erfaßt hat, der les« die Pariser Reujahrsarttkel durch. Dort wird keine diplomatische Eourtoisie be- ttieben, dort tritt die nackte Wahrheit an den Tag: „Jeder Franzose", so die Vic- wire, „unterschreibt die Friedensworte des Präsidenten der Republik, aber das „alte Deutschland" ist noch immer das Deutschland der Militaristen und Revancheleute und Hindenburg gehört zu diesem Deutschland." — Im Figaro werden die „Enthüllungen" Scheidemanns wieder herausgegraben, um den ftanzösischen Lesern zu verdeutlichen, daß Deutschland „Furcht- bares" gegen das arme, harmlose und nicht
MnW Fahre MchsWimmalkung
B e r l i n , 3. (Jan. Aus Anlaß des 50- jährigen Bestehens der Reichsjustizverwal- tung hatte der Reichsminister der Justiz, Dr. Bell, zum 3. Januar Einladungen ergehen, lassen. Außer den Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern des Ministeriums toaren in Vertretung verhinderten Reichspräsidenten der Reichskanzler, ferner die in Berlin anwesenden Reichs "-nist er und Staatssekretäre, mehrere eh. ige Reichsjustizminister, der österreichische gesandte, das Reichstagspräsidium, die stimmsührenden Bevollmächtigten der Länder zum Reichsrat, die Präsidenten des Reichsgerichtes und des Aeichspatentamtes, der Oberreichsanwalt, dec Reichspressechef, Vertreter der Universität, des Richterbundes und der Rechtsanwaltschaft erschienen.
Rrichsrninifter Dr. Bell
hielt eine Ansprache, in der er einen Rückblick auf die 50jährige Arbeitszeit dieser Behörde gab. deren Aufgabenkreis vorher die Reichskanzlei wahrgenommen hatte und er gedachte dabei des ersten Leiters des Reichsjustizamtes, Heinrich von Friedberg, und der Aufgaben, die dem neuen Reichsamte gestellt waren, um der politischen Einigung Deutschlands ein einheitliches deutsches Rechlsband hinzuzufügen, das bann im Reichsstrasgesetzbuch, den großen Zivil- und Strafprozeßordnungen, im Reichsgericht mit dem ersten Präsidenten von Simfon an der Spitze, im Bürgerlichen Gesetzbuch, mit dessen Geschichte der Otame des Staatssekretärs Rieberding unauslöschlich verknüpft sei und im neuen Handelsgesetzbuch verwirklicht wurde. Dr. Dell erinnerte weiter an die verantwortungsschweren Ausgaben der Reichsjustizverwaltung in der Kriegs- und Rachkriegszeit, die den Gesetzgeber Tag für Tag vor neue Ausgaben stellten. Mit besonderer Genugtuung gedachte er der rechtlichen Bande, die uns seit langem mit dem stammverwandten Oesterreich verbinden und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Recht und Gerechtigkeit die Grundpfeiler bleiben für bas Staatsgebäude der deutschen Republik . Dr. Dell schloß mit einem Hoch auf daS Reich und den Herrn Reichspräsidenten.
Als Erwiderung hielt
Reichskanzler Dr. Marr
eine Rede, in der er u. a. ausführte:
»Das Reichsjustizministerium hac die Rechtsgrundlage für den Wiederaufbau unseres Reiches gelegt. Aber mit der BetMti- gung der gewaltigen Ausgaben der Vergan- genheit ist es nicht getan. Die Forderungen, die die Gegenwart auch an das Reichsjustiz-j Ministerium stellt sind nicht geringer geworden. 3m Gegenteil! Das.ReichSjust!zmt-> nifterium ist und muh in unserem neuen Reiche
die Stelle fein, die das Recht als solches entwickeln und fördern soll und nur ein Ziel kennen darf, dem Gedanken des Rechts die Stellung zu geben, die ihm gebührt. Die Behauptung dieser wichtigen Stellung und die Lösung der aus diesen Gedankengängen sich ergebenden Ausgaben wird dem Reichsjustiz» minifterium erleichtert durch seinen engen Zusammenhang mit den 3ustizverwaltungen der Länder und durch bas vertrauensvolle Zusammenarbeiten mit yjnen. Das Ministerium empfängt fein Deamtenmaterial durch Entsendung hochqualifizierter Persönlichkeiten aus dem 3ustizdienst der einzelnen Länder. Es ist, wenn ich mich so auSdrücken darf, der juristische General st ab, der die neuen Gedanken auf dem Rechtsgebiete, die durch die rastlos vorwärts schreitende Zeit emporgeworfen werden, prüft, sichtet und ihnen in enger Fühlungnahme mit dem Erforderlichen des täglichen Lebens und der juristischen Praxis die juristische Gestaltung geben soll! 3n dieser Arbeit wird das Reichs- justizministerium, gestützt durch die juristischen Fakultäten der deutschen Universitäten, die Forscher und Lehrer der juristischen Wissenschaft.
Die Sorge» der Gegenwart find drängender den» je.
Wir wollen uns nicht sagen lassen, daß der Riederbruch deutscher Macht ein kleines und schwaches Geschlecht gefunden hat, sondern wir wollen mutig im Vertrauen auf Gottes Hand und auf die Kräfte unseres Volkes am Wiederauf&au arbeiten! Wir zweifeln alle nicht, daß das Reichsjustizministerium btefer Aufgabe gewachsen sein wird, wenn es sich von dem Geiste beseelen läßt, der seine bisherigen Leistungen und Verdienste ermöglicht hat. Wir sprechen ihm hierfür am heutigen Tage die herzlichsten Wünsche von Regierung und Volk aus."
Da, Eisenbahnunglück im Polnische» Korridor.
Danzig, 3. Januar. Bei dem Eisenbahnunglück, da» sich am Silvester-Abend aus polnischem Gebiet ereignet hat, sand ei» Lokomotivführer den Tod. Der Heizer konnte sich schwer verletzt retten. Zahlreiche Fahrgäste erlitten Verletzungen, die sich jedoch nicht als ; lebensgefährlich bewiesen. Die polnische ‘ Staatsbahndirektion in Danzig, die mit einem erheblich gröseren Umfang des Unglücks gerechnet hatte, hatte sofort nach Bekanntwerden Des Unfalles einen Rettungszug ausgesandt. Eine Kommission von Sachverständigen weilte während des Neujahrstage» an der Unfallstelle.