Oberhessisch« Zeitung. Marburg a. b. Lahn. Jubiläumsausgabe 1927.
„Halt mal all die Mäuler! — San, komm, Dieb komm", lockte sie mit sanfter Stimme in die Mondnacht hinein. Und die ängstlichen Tiere blieben sieben. Die Blehkub am Horn, führte die junge Herrin die Flüchtlinge in den Stall zurück. In Stall und Hof lag alles durcheinander wie Kraut und Rüben. Der Ochs war durch den Spektakel im Haus unruhig geworden, batte an der Kette gezerrt und war losgekommen. Durch die Schikaniererei der Kuh war auch die Blebkub losgerisien und beim Rennen gegen die Ctalltüre war der Schieber »erbrochen, beide waren auf dem Hof »wischen Wagen und Geschirren herumgesprungen, der Wagen batte sich in Bewegung gesetzt und »u- guterletzt war auch noch das alte Hoftor durch den Anprall aufgeflogen. Das war die ganze Hexerei.
„So ging der Marsch ins Feld", sagte der Hollerveter, als alle wieder sich vom Schrecken erholt, in der Wirtsstube friedlich zusammen- komen, um noch einen „auf die Hack" »u nehmen.
„Alles vonwegen dem gewitterschen Konner- band, un den verteufelten Preußen. Gewirrer, jo, mei Kittel" — brummte noch einmal der Hollerveter. Es schlug 2 Uhr. Der Mond kroch Hintern Treisberg und die ersten Strahlen des neuen Tages flammten überm Oestebach herauf.
In jenen Junitagen vor 61 Jahren ist die Feldwach-, Kittel- und Rindviehgeschichte viel besprochen und belacht worden. Der Hollerveter wollte nur nichts davon hören wegen dem Kittel, der zwei Gulden gekostet, den er nur zweimal am Leibe gehabt und fürs Konner- band batte ovfern müssen.
Nach einigen Wochen kamen verschiedene Herren, die sich eine „Kommission" nannten und holten den goldenen Löwen aus dem groben Grenzstein am Bellscheidseck. Wo sie ihn bingebracht haben, weiß ich nicht. Der grobe Grenzstein lag lange Jahre vor der Beimborns Wirtschaft in Willershausen und wurde an warmen Sonniagnachmittagen vom Beimborn, dem Echlobheck und Hecks Petter als Ruhebank benutzt.
Auch die weibroten Balken sind gefallen. Und alle, die damals für oder gegen das Konnerband gestritten haben, oftmals in heftigen Redegefechten, sie ruhen schon längst von Kampf und Sorgen aus. Eine Elle und ein Gewicht gilt hüben wie drüben und haben sich friedlich in Meter und Kilogramm aufgelöst. Auch die leichten und schweren Kreuzer samt Heller und Gulden sind dahin, und das Finanz' amt zieht hüben wie drüben die Steuern ein in Reichsmark und Pfennigen.
Dor 60 Jahren, als das Konnerband schon ein Jahr im Grabe ruhte und keine Grenzwächter mehr durch den Oestebach schritten, da kam eine» Tage» der Wüstehannier, der weltkundig war, und hatte in Marburg vom alten Matthäi in der „Stadt Frankfurt" eine neue Leitung bekommen, in der alles zu lesen war, was in der Welt vorgeht. Die „Oberhesfische Zeitung" hieb das Zeitungsblatt, aus dem drei „ , Jahre später der Bürgermeister Sunrath abends am Lerterhaus den Leuten die Kriegrdepeschen aus Frankreich vorlas.
Auch von denen, die damals den Aeitungs- berichten lauschten, leben keine mehr im Heimatdorf. Aber der „Oberbesse" lebt noch und ist mein täglicher East. Dom Konnerband aber weih er nichts. Das muh ich ihm erzählen, gelt, alter Freund?
\ Di« Novelle „Dombaulegende" von Gertrud Zimmermann wird an anderer Stelle dieser Nummer veröffent» licht.. Sie erhielt den zweiten Preis.
Knecht
Preisnovelle: 3. Preis.
Bon Charlotte Hanweg-Marburg.
In frisch aufgeworfenen Ackerfurchen stand verlassen ein Pflug. Seine, im letzten Widerschein der schwindenden Sonne silbernglänzende Schar, war noch warm vom Scheuern der Erde und an dem blauen Metall der Führungsgriffe klebte halbzersiattert Schweißgeruch schwielenverarbeiteter Hände. Ruhig, gemächlich, floß die Lahn ihren vorgezeichneten Weg. Krähen hockten sich mit breitem Flügelschlag am Rande des Ackers nieder und im nahen Wald buhlte ein Sperber um Liebe. Grauweiß die Landstraße — ein belfernde Hupe zerriß minutenlang die ländlich-abendliche Stille, keuchend raste das Auto vorbei, Staubschwaden hinter sich lastend, die zergingen, dann wieder wie vorher — klapp, klapp, klapp, klapp, die müden Hufe der beiden Belgier, und müder al» feine Pferde noch, gedankenbeschäftigt, folgte der Knecht. Seine Jacke trug er über dem Arm, feucht siel da» blonde Haar in die Stirn, strähnig, und das Ende der Peitschenschnur schleifte ruckweise im Sand. Bald war das Dorf nahe. Die Pferde, die Stall und Futter witterten, trugen die Köpfe plötzlich höher, und ihr freudiges Wiehern war kein Protest an die Kirchturmsglocken, die gerade den Sonntag einläuteten.
»Ihr seid lang ausgeblieben", sagte das Mädchen, das hinter dem Heimkehrenden die schweren Hoftore schloß, und eine feine Röte stieg ihr in den Hals hinauf vor Angst, die Worte hätten ihr Warten verraten können. ,^Der Großknecht vom Brinkmannshof war schon zweimal da nach Euch fragen, und ob Ihr morgen nach Bernsdorf kommt zum Tanz"!
Im Klappern der Hufe auf holprigem Hof. Pflaster, im Schlagen und Knirschen von Stall, tüten ging die Antwort unverständlich unter, imd Glockengeläut klang zögernd-feierlich au».
al» da» Mädchen bedächtig die breiten Stein, stufen hinaufschritt. Ihr Haar war schwer, von der Farbe reifen Weizen», und die Züge feinet, al» die der Dorfmädchen, obwohl die Bewegungen von der kräftigen, zupackenden Art der Mutter waren. Auch trug sie die kleidsame Tracht des Landvolks: gefältelten Rock, ge- sticktes, weitausgeschnittene» Mieder und auf dem Kops das perlenverzierte Häubchen, da» die Fülle des Haarknotens nicht zu fasten schien. Wohl hatte es einmal daran gedacht, den Anzug mit städtischen Kleidern wechseln zu mögen, wie ihre Freundinnen, die in der Stadt nähen und sttcken gelernt hatten, doch war die Mutter damals zornig aufgefahren, und der Tochter selbst war der Wunsch nicht stark genug, seiner Unerfülltheit lange nach, zuhängen.
E» gab auf dem Hof der Witwe Hastan keine Gesindestuben. „Ich kniee, wenn Rot am Mann ist. mit der Lisbeth, oder der Trine ober Grete beim Kartoffellesen auf dem gleichen Sacktuch, ich gehe beim Heuwenden mit den Mädchen in gleicher Reihe, warum sollte ich nicht mit ihnen am gleichen Tische effen“? pflegte sie zu sagen: „wo'» anders gehalten wird, wird nur Unzufriedenheit gesät". — Sie sprach schon Wahres, die Witwe Hastan. Doch war sie eine kluge Frau, und wußte sehr gut, daß wa» sie tat, sich bezahlt machte. Die Dienstboten waten lange und gern auf dem Hof, wie sie Ueberarbeit mit frohen Gesichtern taten.
Die Knechte schliefen über den Ställen, di« Mädchen in hellen Bodenkammern: im übrigen hatten alle die große, freundliche Wohnstube des Hauses gemeinsam. Dort wurden alle Tagesmahlzeiten eingenommen, dort las die Bäuerin sonntagsmorgens den jeweiligen Bibel, abschnitt vor, und dort wurden winterabends die luftigen Spinnstuben ab gehalten.
Als der Knecht, die Hände voll Eßgeschirr vom Tage, mit dem Knie die Tür zum Wohnzimmer aufffieß, sah alles bereits am gedeckten Tisch seiner wartend. Er lieh sich schwerfällig auf dem gewohnten Platz nieder, zog die Beine an, weil seine schweren Nagelschuhe die Füße des Mädchens gestreift hatten, und als die Bäuerin ein kurzes Gebet gesprochen hatte, ging die dampfende Suppenschüssel von Hand zu Hand. Dazwischen längte Jede» nach dem Berg ausgeschnittenen Brotes und eine zeitlang war bann nichts, als die Geräusche, die kauende Menschen hervorbringen.
„Ihr seid lang ausgeblieben", sprach auch die Bäuerin, wenn schon in anderem Tonfall, als das Mädchen am Hoftor. „So seid Ihr fertig geworden"? und sie fuhr fort: „Dann können wir nächste Woche den Acker am Katzenloch vor- nehmen. Der Distelberg bleibt für Rüben und Spätkartosseln ... wir sind früh dran in diesem Jahr". Die Genugtuung, die in den letzten Dorten lag, teilte auch das Gesinde. „Wir sind früh dran in diesem Jahr, Dittmars Sohn fährt noch Mist, und auf dem Brinkmannshof haben sie nicht einmal den Hafer in der Erde".
Die Abende waten noch kühl. Die Mädchen hatten warme Tücher um die Schultern; aber die Burschen trugen die Röcke schon offen, lieber den Hof klang versteckte» Kichern. Es spielte einer Mundharmonika und man sprach von dem Tanz in Bernsdorf: Ob die Weier». Häuser wieder eine Schlägerei herausfordern, ob die Emilie wieder die glänzenden Stöckel- schuhe trägt, ob der Wirt den zweiten Saal freimacht, ob — die Maria mitgeht?
„Ach die, die hält'» mit dem Fremden!" Die Luft wurde schon schärfer, die Mädchen wickelten sich fester in ihre Tücher: „Gute Nacht", ,Äuf morgen“. Nacheinander verloren sich die Schritte, verzückten die Lichter, starben die Geräusche.
Bom schadhaften Smailleleuchter troff Talg auf zerlesen« Papiere. In zwei Minuten würde die Flamme ein paar unbestimmte Schwankungen tun, sich hilfesuchend zur Seite neigen und lautlos verlöschen.
Da schlich sich etwas die ausgetretene Treppe hinauf, verharrte Sekunden auf jeder Stufe und Minuten vor der Tür, bis die auffprang. Im Zug verfiel das Licht. „Maria?" fragte der Knecht — es war wie ein Ausweichen. „Maria, was willst Du?“ „Nur misten, ob Ihr zum Tanz
geht morgen". Die Stimme klang ermattet. Man merkte ihr an, wieviel Zeit der Entschluß den heimlichen Weg zu gehen, gekostet hatte. „Mädchen!" zürnte der Bursche, und höhnte sich selbst, „was sollt ich dort? Mir steht nicht der Sinn nach Blechmusik und Trampeln“. . . Bis die frische Kerze angezündet war, war das Zimmer leer, während unten still, doch schwerfällig eine Tür angelehnt wurde.
Nicht Herr — nicht Knecht. Nicht hier zu Hause — nicht da zu Hause. Ein Zwitterding mit der nagenden Sehnsucht nach Eigenem. Wa» Knechtfein heißt? Oh, nur dies!: Seine Füße strecken müssen unter fremden Tisch. Brot effen wüsten, da» auf fremden Aeckern gewachsen. Kleider tragen, die von fremdem Garn gewebt, seine Kraft und Jugend ftetnbem Willen geben.
Die Zentnergewichte waren die rotgeroürfelt bezogenen Kisten und wurden schwerer, immer schwerer. Die Wände schienen zusammen- zurücken, die Decke einfallen zu wollen, und es war heiß, htziß ohne Lust — das Herrenblut revoltierte, die Herrennatur verlangte Rechte und Besitz.
Der Knecht riß da» winzige Fenster auf. Feuchtkalt strömte e» herein, mit Stallgeruch untermischt.
Die Jugend weit da irgendwo in Wrstpreutzen hatte mehr versprochen — eine stille, sanfte Mutter, zwei blonde, blauäugige Schwestern, ein kleiner, sauberer Besitz, ursprünglich Mustergut ... oh, man durfte nicht daran denken, daß der schmierige polnische Jude täglicher Gast auf dem Hofe wurde, daß das Bieh Stück für Stück aus den Ställen ging, daß eine» Tage» durch die Spiellridenschaft des Vater» das Unvermeidlich« eintrat und Hof und Wohngebäude mit sämtlichem Inventar unter den Hammer kamen, und ein kleiner, scharfer Knall die Mutter mit den beiden Mädel» der Gnade Verwandter überließ. Nein, daran durfte man nicht denken, wie nicht an feine eigene Abhängigkeit. Man hatte als Siebzehnjähriger die Jugend damals hinter sich getan und war in die Fremde gegangen. —
Die nächsten Jahre trugen den Charakter des Bagantentums. Mal wochenlange Arbeit, mal monatelang« Untätigkeit, ein Heufchober al» Bett und trockenes Brot bei Quellwaster als karge» Mittagsmahl. So war er einmal nach zielloser Wanderung an den Hof der Witwe Hastan gekommen, wo gerade Mangel an Arbeitskräften war. Er blieb. Und im Laufe der Jahre war aus der Aushilfskraft der erfte Knecht geworden. Mancher Sommer war durch's Land gegangen, mancher Winter. Man schätzte seine Arbeit, seine Umsicht, man hatte ihn» die ausgefranften Hosen, den zerrissenen roten Wollschal vergessen, man sprach nicht mehr davon, daß er einmal all sein Hab und Gut in einem verknoteten Taschentuch getragen — heimisch war er nicht geworden, hatte weder mit den Alten, noch mit den Altersgenossen Fühlung bekommen. Nur von dem stillen, fünften Mädchen ging manchmal ein schwaches Fludium aus.
Mädchen? Liebe?, er wußte nicht viel da, von. Auf der Wanderschaft einmal ein wildes unbeherrschtes Geschöpf — gefunden aus der Landstraße, auf der Landstraße verloren.
„Maria, wie der Name zu Deinem Haar paßt!" -
Sonntag. — Wie ganz anders solch ein Dors am Sonntag aussieht. Da sind die Häuser noch einmal so hell, da glänzen die Höfe und Straßen vor Sauberkeit. Da sitzen die Alten vor den Türen, besprechen die Wochen- «reigniste. Ruhe atmet alle», Frieden. Gänse watscheln bedächtig über den Weg. Selbst das Vieh in den Ställen haut in Gemächlichkeit.
Als der Knecht zum Mittagbrot im Sonntagsstaat erschien, da schlug das Herz des Mädchens schneller, und oben in feiner Kammer strich es liebkosend über das neue Samt» wieder und kramte voll Eile nach einer rosaroten Schleife.
lieber rauhe Holzdielen schlürften und schnurrten die Füße. Die Musik war so laut, wie man es von ihr erwarten kann, während sich am Schenktisch die ersten erhitzten Köpfe mit kräftigen Organen bedenklich stritten. Die
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Der SptogeKlufltutm am Tage »ach dem Sturm am 12. März 1876. Auf dem Trümmerhaufen
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Röcke der Mädchen flogen, und in den Lknz. pausen taten di« Burschen groß von vollbrachten Heldentatrn. Hinter dem Säal aber führte ein schmaler Fußpfad in’» Feld. —.
„Du weißt es ja, Maria, daß ich Dich lieb habe. Doch wozu, sag es, soll'» nutzen? Ich bin der Knecht auf Eurem Hof — Du, die Erbin der Witwe Hastan. Da hilft kein Taub- tun. Da gibt’» keine Brücken."
Warm schob sich die Schulter des Mädchens an feine. „Die Mutter wird's dulden. Sie hat ja nur mich.“ „Mädchen, Mädchen, ich will's glauben", und zum ersten Mal hieft er die Blonde, Stille in feinen starken Armen.
Darum dann der Knecht Monate hindurch Arbeit für Dreie tat, und sparsamer lebte, als ein geringster Taglöhner, das wußte nur er selbst. Aber das Zischen der Senfe durch tau- behangenes Gras, das Scheuern des Wetzsteins fang eine, noch heimliche, zitternde Melodie von eigener Scholle und einem füllen, blonden Mädchen.
Im Dorf gab es eine Neuigkeit: Der Sohn vom vrinkmannshof war von der Hochschule zurückgekommen — Diplom-Landwirt. Mit unverkennbarem Mienenspiel deutete mancher Alte auf seine Stirn, — Diplom-Landwirt, al» ob ein guter Bauer in der Schule lernen müßte, wann der Mist auf den Acker gehört, und daß die Schweine nicht allein mit Grünzeug fett zu machen sind. Diplom-Landwirt —, aber ein patentes Kerlchen war der Junge doch geworden. Trug Gamaschen, wenn er auf» Feld ging, und Sonntags Lackschuh, und immer gebügelte Hosen, und dann das funkelnagelneue Auto — zwar hatte der alte Brinkmann protestiert: „Deine Mutter und ich sind noch allemal zur Stabt gelaufen", aber der Bengel hatte durchgesetzt, und mit seinem kecken Lachen, seinen witzigen SBorten machte er trotz allem überall Stimmung für sich. Dle Mädchen strichen um ihn herum, bis auf eine, und gerade auf die, die blonde Tochter der Witwe Hastan hatte et es abgesehen. „Kennst mich wohl nicht mehr? Hast einen Schatz?", warf er so ein bischen von oben her hin. Aber es blieb auf der andren Seite bei, dem höflich-freundlichen „Guten Tag" und fo. machte er sich vorläufig hinter die Mutter. Er, hatte ja Zeit. Die alten Brinkmann» dachten, noch nicht daran, sich aufs Altenteil zu setzens
Die Witwe Hastan war eine kluge Frau, und der Drinkmannshof der größte und ange« fehenste Hof im weiten Umkreis. Denn die Tochter Großbäuerin bott wurde — der Mutter konnte es nur nach dem Sinn fein. Zudem war sie trotz ihrer fünfzig noch eine rüstige, ansehnliche Person. Es würde ihr niemand verargen können, wenn sie selbst noch einmal zum Traualtar schritt. So machte sie, einmal ber Töchter leise SndeutuyHADeß aber aus, scheinbare Verständnislosigkeit.- -
Am Abend aber da huschten wieder eilige Füße die Stufen zur Knechtekammer hinauf. „Du mußt nun reden mit der Mutter!" Und das Mädchen drängte sich an den Liebsten. „Sie liebäugelt mit dem Brinkmannshof und über kurz ober lang wirb der von drüben mit feinem Anliegen ja klar herausrücken.“
In biefer Nacht wachten sie beide. Das Rädchen, das an Zukunftsplänen spann, und der Knecht, der die Zähne aufeinander biß in der Möglichkeit einer hohnvollen Abweisung.
Am nächsten Tag war der Knecht von einer Zerstreutheit, die allen auftallen mußt«, und al» er am nächsten Abend die Stallschliissel anstatt an den dafür beftiwimten Nagel hinter der Haustür an den Kleiderhaken hing, rief ihm die Bäuerin neckend nach: „S>e! Ihr seih wohl verliebt?" — Da wandte er sich ruckartig um, folgte der Wirtin ins Wohnzimmer und nahm die scherzhaft hingeworfene Bemerkung als Sprungbrett auf. „Ja, Bäurin, ich bin verliebt, feit Jahren schon, und bitt' Euch, gebt mir die Maria zum Weid."
Wie der Blitz schoß die Frau von ihrem Stuhl in die Höhe.“ 1
„Daß ich net lach", schrie sie, und stemmte die festen Arme auf die Hüften, ob in verhaltener Wut, ober Belustigung, bas war nicht zu entscheiden. „Daß ich net lach! Ein Landstreicher Herr auf dem Hof ! Daraus hab' ich grab gewartet! Wißt ihr noch, wie Ihr Euer rotes, verknüpftes Schnupftuch auf bem Rücken verstecktet, als ich Euch bingte? Unb wißt Ihr noch, wie bie Hunde---es wäre noch alles
gut gegangen, wenn nicht im gleichen Augen- blick der Brinkmannshofer in der Tür erschienen wäre, ber mit einem Blick bie Szene erfaßte unb sich in hellem Vergnügen auf die breiten Kniee schlug: Feine Nachbarschaft bas ... Ist nicht auf den Kops gefallen, ber Herr Oberknecht... — Da schwollen bem Abgewiesenen bie Stirnabern. Mit einem einzigen Griff hielt er den roten Hals des Höhnenden umspannt, ber um sich schlug unb wie wahn- sinnig tobte unb schluckte. Der Knecht sprach kein Dort. Als bas Wehren schwächer wurde, ließ er ab, ging"aus ber Stube, vorbei an den entsetzt aufgeriffenen Augen des Mäbchens über den Hof, burch bas Dorf auf bie Landstraße. Er ging nicht eilig, nicht flüchtig, nicht ander», als er tags zuvor hinter feinem Vieh ^gegangen war — weit kam er nicht.
In frisch aufgeworfenen Furchen stand oet- loten ein Pflug. Krähen hockten sich mit breitem Klügelschlag am Rande des Ackers Bieter - dort Imitat ihn di» Gendarmen ein.