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Zeitung
Zum 60-jährigen Jubiläum
Jubiläen sind Gedenktage, die mit Recht im persönlichen wie im allgemeinen und öffent- üchen Leben gefeiert werden. Sind sie doch ein Ruhepunkt, eine Plattform, von der bus der Mensch rückschauend sich erinnern und vorwärtsschauend neue Kraft gewinnen mag. Freilich soll eine Zeitung in stetem Fluß sein, und jeder Punkt ihres Lebens, von dem man Rückschau halten wollte, muß in gewissem Sinne willkürlich genannt werden. Eine Zeitung hat kein Alter, oder, wenn sie eins hat, ist es schlecht um sie bestellt, bei ihr sind die Dinge im ewigen Wechsel der Zeiten verschlungen, und „mitten drin stehen" ist ihre Aufgabe an jedem Tage.
Und trotzdem ist es notwendig, die Erinnerung zu pflegen, d. h., sich der Geschichte auch einer Zeitung zu erinnern und gegebenenfalls auch nach außen hin auf sie zu verweisen. Eine Zeitung ist ja nicht ein Einzeirvesen, ihre Bedeutung und ihre Eigenart erwachsen erst aus den Beziehungen des Blattes zu einem ganz bestimmten Wirkungskreis. Aus ihnen ergeben sich die Grundlagen ihrer Existenz und. ihre wesentliche Eigenart. Aus ihnen ersieht die Zeitung sowohl ihre Kraft als auch ihre Grenzen, mit einem Wort, ihre Aufgabe und die Möglichkeit ihrer Durchführung. Hieraus möge sich auch die Berechtigung herleiten, eines Zeitungs- jubiläums öffentlich zu gedenken. Ist doch die Rückschau aus Zeitungen zugleich eine Rückschau auf die Entwicklung von Stadt und Land und Leuten, von Politik und Sitte und Gewohnheit, von Heimat und Fremde, denn nichts ist so eng mit der Oeffentlichkeit verbunden wie gerade die Zeitung.
Die Tage sind doch vorbei, wo die Zeitung von fast allen Seiten als Eindringling, als eine unangenehme Störung des öffentlichen Friedens betrachtet und — verachtet wurde. Wo der hochgestellte Beamte in allem Ernst von einem Mann der Presse sagte, ,.zu ihr könne man nur gehen, wenn man silberne Löffel gestohlen habe"; wo die Verachtung des Zeitungswesens zum guten Ton einer „gebildeten" Gesellschaft gehörte, die gerade die Zeitung und dos, was diese „natürlich" falsch machte, zumal wenn sie ihr unangenehm wurde, ablehnte. Erst ganz allmählich, aber in ständigem, bewußten Fortschreiten ist die Presse ein Faktor des öffentlichen Lebens geworden, der heute nicht mehr ausgeschaltet werden kann. Tie Bedeutung der Presse als das Instrument der Oeffentlichkeit ist heute. in der Weltstadt wie in der Provinz prak
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tisch unumstritten. Freilich muß man auch bekennen: nicht mehr das kritische Negierende, das ihr selbst früher oft wesentlich war. son- dern auch das Positive, das Aufbauende, die Verantwortung tritt heute bei jeder Zeitung von einiger Bedeutung in den Vordergrund, und damit hat sie sich auch selbst zu ihrer wesentlichen Aufgabe durchgerungen und ist mit Recht der Faktor des öffentlichen Lebens geworden, der als solcher die Bedeutung verdient, die er mehr und mehr gefunden hat. Die Anschauung des alten Görres, die dieser schon vor 100 Jahren verkündete, von dem öffentlichen Beruf der Presse und ihrem öffentlichen Amt, ist heute mehr und mehr Allgemeingut des öffentlichen Lebens geworden. Dienst am deutschen Volke ist die Aufgabe der deutschen Zeitung nach Gör- res, das ist ihre Pflicht und ihre Verantwortung.
Dem widerspricht nicht, daß die Zeitung bei uns in Deutschland prioatwirtschaftlicher Natur ist. was oft von radikalen Strömungen jeder Richtung als schädlich angefochten wurde. Der russische Kommunismus kennt nur Staats- zeitungen. Die Praxis hat gezeigt, daß gerade dieser privatwirtschaftliche Charakter der Zeitung bei uns in Deutschland die U n- abhängigkeit der Presse geschaffen hat. Mag es vorkommen, daß Blätter, deren Um- ■ fang oder deren Bedeutung allzu gering ist, jedem Windstoß irgendeiner Meinung unterliegen. sich in Abhängigkeit von diesem oder jenem, von Parteien oder wirtschaftlichen Gruppen begeben, im Großen und Ganzen ist die deutsche Presse frei und unabhängig. Das wird ihr niemand bestreiten. Ganz im Gegensatz zu der Presse des Auslandes, z. B. in Frankreich, wo die Korruption der Presse ein offenes Geheimnis ist.
Von besonderer Bedeutung für die einzelne Zeitung ist aber, daß sie sich ihrer Eigenart bewußt wird und bleibt. Eine Zeitung in Frankfurt wird anders aussehen als in Kassel oder Stettin und Rostock. Das ist eigentlich eine Binsenwahrheit. Auch der politische Te>l jedes Blattes wird je nach der Schichtung der Bevölkerung anders aussehen. Die eine Redaktion wird für ihren Leserkreis anderes Material wählen als die andere oder ihr in dem Blatt eine andere Bedeutung beimessen. Die Uniformierung der Presse, mag für. Zeitungskonzerne etwas Verlockendes haben, die Erfahrung lehrt, daß der Leser ein sehr feines Gefühl für den engen Konnex der Presse mit ifjm selbst und seiner Stadt- und Landgemeinde hat. Und darin liegt die innere
Berechtigung für die Vielgestaltigkeit des Pressewesens bei uns in Deutschland. Die vielen P r o v i n z zeitungen werden niemals von einer Entwicklung überwunden werden kön- nen, wie sie etwa in Frankreich möglich ist. Bei uns steht jede an ihrem Platze.
Gerade das eigentliche Provinz- blatt, das wahre Heimatblatt, muß in allen seinen Teilen von diesen lebendigen Wechselwirkungen von Publikum und Presse leben. Dor allem natürlich im Heimatteil, dem von selbst besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Ein Blick in eine Heimatzeitung zeigt dabei auch jedem, wie stark der Zusammenhang ist. Nicht nur der Inhalt des Textes, sondern auch die kleinen Anzeigen, die Familienanzeigen ufro. deuten sofort dem Kenner, wie stark ein Blatt Boden gefunden hat oder nicht. Und für alle diese Dinge braucht es Zeit. Gerade das Alter einer Zeitung ist hierfür mitentscheidend. In Jahren und Jahrzehnten haben sich hier, wenn anders die gute Wechselwirkung zwischen Zeitung und Oeffentlichkeit vorhanden war, Beziehungen gebildet, die unzerreißbar sind, weil sie' — natürlich sind. Beziehungen von einer Selbstverständlichkeit, die beiden Teilen völlig geläufig ist.
Heute feiern wir das 60jährige Jubiläum eines Provinzblattes wie die Ober« hessische Zeitung. Das 50jährige Jubiläum, ein an sich passenderer Zeitpunkt, fiel in die Zeit des Krieges, wo sich eine Feier von selbst verbot. Darum gedenken wir heute der Entwicklung unseres Blattes in einer Zeit von 60 Jahren. Und wenn wir die obigen Merkmale eines Heimatblattes als Maßstab einer Heimatzeitung verwenden, so werden rtfir mit Recht sagen können, daß die Oberhessische Zeitung ein Heimatblatt im wahrsten Sinne des Wortes ist. Wer die stattliche Reihe der Bände durckblättert, steht immer stärker unter diesem Eindruck. In wachsendem Maße entfaltet sich das Blatt aus kleinen Anfängen wie sie in den damaligen Zeitverhältnissen begründet waren, bis zu dem heutigen Umfang, der unfern Lesern ja bekannt ist, immer aber behält es den Charakter der Bodenständigkeit, der ihr von Anfang an anhaftet.
Wechselvoll hat sich auch für die Oberhessische Zeitung das Leben gestaltet. Kritik und Kamps, aber auch Anerkennung und Fortschreiten sind ihr zuteil genorden, immer erneuten Anforderungen des Publikums hat sie versucht, gerecht zu werden, und ein Vergleich einer heutigen einfachen Tage-mummer mit der von 1867 ober 1890 oder selbst 1913 gibt ein merkwürdiges
und für die heutige Zeit durchaus erfreuliches Bild. Die Oberhessische Zeitung ist jung geblieben, immer wieder versucht sie, zu erforschen, was das Publikum von heute von der Zeitung verlangt, und ihm zu dienen.
Die Oberhessische Zeitung ist kein Blatt ohne politisches Gesicht. Heimatblatt heißt ja nicht, in den großen Fragen des politischen und öffentlichen Lebens gleichgiltig beiseite stehen. Das wäre schlimmste Krähwinkelei. Der nationale und politische Berus einer Zeitung soll und darf nicht verkannt werden. Es ist immer unser Stolz gewesen, daß wir dieses Gesicht wahren und behalten. Wir wollen sein eine Zeitung von politischem Charakter. Wie die Oberhessische Zeitung von Anfang an durch Jahrzehnte hindurch für ein einiges Reich, für eine im wahrsten Sinne nationale Politik nach innen und außen eingetreten ist — der Rückblick über die Geschichte unseres Blattes zeigt es —, so soll es bleiben. Wir wollen aber nicht fein eine Zeitung von Parteicharakter, und vor allem wollen wir nicht sein eine Zeitung, der der politische Charakter an allererster Stelle steht. Auch die Geschichte unseres Blattes ist dafür charakteristisch. Es waren nicht die besten Zeiten des Blattes, wo unter dem Einfluß dieses ober jenes Redakteurs davon abgewichen wurde. Wir wollen fein wie wir es 60 Jahre waren — jede.Nummer bezeugt es — ein Blatt,, das die Interessen und Forderungen der Heimat, ihre Geschichte und ihre Zukunft im Rahmen unseres gemeinsamen Vaterlandes freubig und gern vertritt.
Wenn wir die Treue eines großen Leserkreises recht verstehen, wenn wir es recht zu deuten wissen, daß bet „Oberhesse" zum In- ventar ber Familie in unserer Heimat gehört heute wie vor Jahrzehnten, dann lesen wir daraus die Anerkennung, daß die Oberhessische Zeitung in erster Linie das große Heimatblatt unserer weiteren Heimat Oberhessen ist und geblieben ist. Von Anfang an durch die Jahrzehnte ift gerade der enge Zusammenhang von Zeitung und ihren Lesern für unser Blatt charakteristisch geblieben. Möge es so weiterbleiben, on uns soll es und wird es nicht liegen. Der „Oberhesse" wird hoffentlich in stetem engen Zusammenhang mit feinem Heimatboden dereinst in seinem hundertsten Lebensjahre ebenso jung und gegenwartsfest sein wie in seinem sechzigsten. Zum öfsent- lichen Wirken gehört Optimismus, und wir glauben an die Zukunft Deutschlands, und unserer engeren Heimat. Ihr wollen wir dienen und mit ihr weiter wachsen.
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