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WlittStotz,

MB 9. Dem. 1926

Ne „Oberhessisch« Zeitung" «• ^ehtt sechsmal wöchentlich. Be- nigSpreir monatlich 2 GM. au«- schließl. Zustellungsgebühr, durch ki«Post2.25 GM.Für etwa infolge Ltteik«. Maschmendefekt« oder elementarer Lreignisi, ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge» Distel. Verlag b. Dr. 5. Hitzeroth, Nvck der Untv.-Buchdruckerei 6, Zeh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt 4. ZL Nr. 5015. — Sprechzeit (et Redaktion von 10—11 und 1,1—1 Uhr.

Marburger ragesanzeiger

ÄbechMsche Zeitung

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flnzetgerKrtbasstüher tuuchMöMGbechMw* Amtliches VerKünüigungsblatt jur d-KmsKlLÜMz

«a MiWrbMbniS l* Stollen und Manien

Velsrad, 8. Dez. Die „Politica" be­lichtet, daß zugleich mit dem italienisch- hlbanischen Freundschaktsvakt auch tiee geheime Militärkonvention unter« • zeichnet worden sei. In dieser verpilichte sich Stellen. Achmed Zogu Bey Truvven für den Fall zur Verfügung zu stellen, daß sein Regime bedroht sei. Als Operationsbasts kür jteiienische Truppenlandungen seien die Häsen mh Balona und Durazzo und als Aufmarsch

1 gchiet Stuteti vorgesehen.

Sin hochgestellter Belgrader Politiker er- flarie ausländischen Pressevertretern, datz tzrgoflawien den Bölkerbund anrusen «erde, um die Anerkennung des italienisch- «lbruischen Vertrages mit allen Mitteln zu »«hindern. Tollten sich der Völkerbund aus bie Seite Italiens stellen, so würde Jugo- stawien nichts anderes Lbrigbleiben, als aus tem Bölkerbund auszutreten. Der ita- veuisch jugoslawische Vertrag sei jedenfalls d-rch den Vertragsabschluß zwischen Italien 1 ad Albanien hinfällig geworden, da Italien es verabsäumt habe, den Vertrags- Wmmu"->cn entsprechend ^Jugoslawien von in neuen Bindung zn unterrichten. Lr. Nin- schitschs Rücktritt sei selbstvet'tändlich gewesen, «chdem seine Politik durch das Vorgehen Stattens in so peinlicher Weise blobgestellt «rde.

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UWrmimsanlrng der englljchen Ardetlerpmlei

London, 8. Dez. Ramsay Macdo » tzald stellte im Unterhaus einen Miß- trauensantrag gegen die Regierung degen deren Haltung während des vlreiks der ‘Bergarbeiter. Sn dem An- feag heißt es, die Regierung verdiene einen tobet, weil sie die auf einer Untersuchung in tr Kvhlenindustrie beruhenden Empfehlungen es Königlichen Ausschusses nicht beachtet abe, zugunsten der Grubenbesitzer parteiisch ewefen sei, die Kohlenpreise nicht überwacht abe, und einen Gesetzentwurf, der für die ^Bergleute die achtstündige Arbeitszeit zuläht, angenommen habe. Angemessene Löhne und anständige Lebensbedingungen könnten nur «mch die Verstaatlichung b i r Berg« ®etfe gesichert werden.

Premierminister V a l d w i n , der nach Macdonalds Rede das Wort ergriff, er« ®arte, er werde sich nicht durch D r o h u n * eti mit Unruhen unter den Sndustriear- Wem einschüchtern lassen. Er legte einzelnen die Geschichte des Konflikts im jtrgbau auseinander. Cook habe den ilempf verlängert und ihn zu einer schmäh- en Katastrophe gebracht. Er *®e die Arbeiterpartei, den Gewerkschafts- D und die Bergarbeiter hineingelegt. Die Arbeiterpartei wisse, baß die Bergarbeiter "Ur Schlagworte zum Barren ^halten wurden, und habe niemals ver« acht, dem Einhalt zu tun. Die Entscheidung

Opposition für Unruhe oder für Frieden S der Industrie werde das Schicksal der Arbeiterpartei berühren.

^.§lvhd George erklärte, die Liberalen ^nten nicht für den Mißtrauens- T^trag stimmen, er selbst stimme aber mit

Kritik Macdonalds überein.

i?! London, 9. Dez. Der Mißtrauens- ®"frag der Arbeiterpartei wurde vom Unter» abgelehnt . Die Liberalen enthielten sich 16 Stimme.

Lage in bet englischen Bergwerksinduftrie.

London, 9. Dez. »Times" berichtet r*1 bie Lage bet Bergwerksinbustrie: Die Lederherstellung ber Zustände von dem fieben- aatigea Arbeitsstillstand ist schwieriger als ^•ttet wurde. Die lebhafte Nach- 9 e nach Kohlen, auf die bie Bergwerks- ^schaffen bei Wieberaufnahm« ber Arbeit schnei mtten, ist nicht eingetreten, i®* Publikum hat sich an Sparsamkeit im ?°blenverbrauch gewöhnt, bie industriellen ^brauchet finb ebenfalls mit ihren Bestellun- * Zurückhaltend, da sie erwarten, daß die ^«werksbesitzer ihre Preise wesentlich herab- müssen. So häufe» sich die Salden-

Borlöuflge Abkommen - kelne Regelung

Ar MummMskM übtrhausl noch nicht angtWtten

ff. London, 9. Dez. Der diplomati­sche Berichterstatter des „Daily Tele­graph" schreibt, die aus Genf vorliegen­den Nachrichten beftStigen die Annahme, daß in der gegenwärtigen Session des Böl- kerbundsrates vielleicht ein teilweises und vorläufiges Abkommen zu­stande gebracht, aber keine endgül­tige Regelung der wichtigsten Fragen erzielt wird, die zwischen Deutschland und den Alliierten schweben. In Bölkerhundskreisen wird Kritik daran geübt, dass die großen Westmächte die schwebenden Fragen allein erörtern und den Völkerbundsrat auf die Registrierung ihrer Entscheidung beschränken. Tatsäch­lich haben die übrigen Mitglieder wenig wenn überhaupt etwas in dieser wichtigen Frage zu sagen.

In auffallender Uebereinstimmnng melden die Genier Berichterstatter der Pariser Ptesie. dab in den Verhandlungen hinter den Kulisien in Gens bisher die Frage der Räumung der besetzten Gebiete noch nicht ange­schnitten worden sei. Der offiziöse „Temvs" läht sich melde», da» dieses Problem einer direkten Verhandlung zwischen Berlin und Paris Vorbehalten sei, die nach der gegen­wärtigen Ratstagung aufgrnommen werden würde. Wenn Strescmann bie Frage bet Rau- mung aufwerse, so würbe ohne Zweifel der Vertreter Frankreichs anfragen, -was bie deutsche Regierung küt eine vorzeitige Räu­mung Frankreich an neuen Sicherheits­garantien bieten könne. Der „Temvs" meint jedoch, daß bis zum März ein Abkom­men über bie Rheinlandsräumung zustande kommen werde.

*

Die Verhandlungen der Außenminister, die bisher mehr privaten als offiziellen Charakter trugen, behandeln hauptsächlich das schwierige Problem der Investi­gationen. Während Frankreich und auch England versuchen, Deutschland zur Anerkennung des berüchtigten Fnvestiga- tionsprotokolls zu veranlassen, wird dieses Protokoll von den deutschen Vertretern nach wie vor 'abgelehnt. Die Bemühun­gen der deutschen Delegation gehen dahin, eine völlige Umarbeitung, womöglich eine Neuaufstellung des Genfer Investigations- Protokolls durchzusetzen, die den bekann­ten deutschen Wünschen und Vorbehalten gerecht wird und jegliche Eingriffe in die deutsche Souveränität zwe V ■iiii um iinnmir-iw im ...................................

felsfrej ausschließt. Die Möglich­keit, datz das alte JnvestigationSprotokoll zur Grundlage eines Kompromisses gemacht und mit einem Anhang versehen wird, in dem die deutschen Vorbehalte und Be­denken ausdrücklich festgestellt werden, wird zwar diskutiert, doch ist man in deutschen Delegationskreisen der Ansicht, datz ein Ein­gehen auf ein solches Kompromiß, auch wenn es nur als Provisorium gedacht sein sollte, große Bedenken hat.

In Delegationskreisen ist am Mittwoch auch die Frage erörtert worden, ob cs mög­lich sei, für das Rheinland eine Kontroll­organisation zu schaffen, die sich aus Ver­tretern der Nheinpaktmächte zusammensetzt und die ohne Verbindung mit dem Ver­sailler Vertrag, wohl aber in Zusam­menhang mit dem Rheinland­pakt geschaffen werden könnte. ES wird erklärt, daß ein solcher Vorschlag von Bri- and dem Staatssekretär v. Schubert gemacht worden sei, und es heißt dann weiter, daß Deutschland zu diesem Vorschlag noch kei­nerlei Stellung genommen habe, sondern die Ausarbeitung eines entsprechenden Ent­wurfs durch die puristischen Sachverständigen abwarten wolle.

Soweit wir aus informierten Kreisen erfahren, kommt auch dieser Vorschlag für Deutschland nicht in Frage, da er, wie auch die in dem Jnvestigationsproto- koll vorgesehenen „elements stableS", eine Kontrollorganisation Vorsicht, in welcher die früheren alliierten Staaten mitwirken würden, die vor allem während des Ruhr- kriegeS unter Mißbrauch der interalliierten Rheinlandkommistion die Loslösung des Rheinlandes von Deutschland betrieben haben.

In allen bisherigen Verhandlungen der Delegationsmitglieder mit den Vertretern der in Frage kommenden alliierten Mächte hat Deutschland darauf bestanden, das Jn­vestigationSprotokoll völlig zurückzuziehen oder es so umzuarbeiten, daß es den Be­stimmungen des Artikels 213 des Ber- ,ailler Vertrages entspricht. Die juristi­schen Sachverständigen sind, wie wir zuverlässig erfahren, zur Zeit damit beschäftigt, die verschiedenen in Genf vor- gebrachten Vorschläge juristisch zu bear­beiten und sie in eine juristisch einwand­freie Form zu kleiden. Erst dann wird eS möglich sein, daß man sich innerhalb der Autzenministerkonferenz erneut mit den ein­zelnen Vorschlägen beschäftigt.

Der in der französischen Presse wie auch in französischen Deleaationskreisen zur Schau getragene Optimismus wird in deut­schen Delegationskreisen nicht geteilt. Man gibt zwar zu, daß ein gewisser Krisenpunkt überschritten ist, sieht aber zur Zeit noch keine Möglichkeit, die weit auseinander- gehenden Auffassungen zu einer auch von Deutschland vertretbaren Formel zu ver­einigen.

Müstongk- imLSmkltoMMii

Genf, 8. Dez. Der Völkerbunds- r a t genehmigte heute nachmittag drei Be­richte Beneschs, die mit den Borarbeiten zur Abrüstungskonferenz im Zusammenhang stehen. Der Generalsekretär wurde beauftragt, allen Bölkerbundsstaaten unter Empfehlung des Abschluffes von Schiedsverträgen die Mit­arbeit des Böikerbundsrates für daS Zu­standekommen solcher Berträge zwecks Wieder­herstellung von Bertrauen und Sicherheit an» zubieten.

3n einer zweiten Entschließung fordert der Rat den Borbereitungsausschuß auf, ihm Bor­schläge über die Einberufung der Ab­rüstungskonferenz zu machen, und daS Programm der Abrüstungskonferenz aufzustel­len. Chamberlain und Scialoja warnten vor einer Einberufung ohne sorgfältige Borbereitung in technischer und politi­scher Hinsicht. Paul Boncour stimmte dieser Auffassung bei, sprach aber den Wunsch nach möglichst baldigem Zusammentritt der Kon­ferenz aus.

Eine dritte Entschließung des Rates ge­nehmigte die vom Ralstomiiee in Der ver­gangenen Woche aufgestellten Richtlinien und Beschlüsse für ein beschleunigtes Zusammen­treten des Rates im Falle von inter­nationalen Verwicklungen, ferner für hie Verwirklichung finanzieller Hilfe im

Falle eines Angriffs und für die Ingang­setzung wirtschaftlicher Sanktio­nen. Scialoja warnte davor, daß bei der vom Rat beschlossenen eingehenden Unter» suchung über die Anwendung von Artikel 16 genaue unb endgültige Regeln aufgestellt wer­den, die einer bindenden Auslegung des Völ­kerbundspaktes gleichkommen konnten.

Genfer Besprechungen über das Saargebiet

ff. G e n f, 9. Dez. Zn der Frage der vom Saargebiet geforderten Zurückziehung der französischen Truppen und zu der französi­schen Gegenforderung, daß mindestens zwei Bataillone zur Sicherung des Eisenbahn- Transitverkehrs im Saargebiet verbleiben sollen, dürfte eine Einigung auf folgender Grundlage bevorstehen: Es soll für die saarländischen Bahnen ein rein technischer Bahnschutz ohne irgend welchen militäri­schen Charakter geschaffen werden, der aus­schließlich aus von der Regierungskom­mission gewählten Staatsangehörigen mit rein zivilen Funktionen bestehen wird.

Das Befinden Dr. Siresemanns.

„Genf, 8. Dez. Reichsaugenminister Dr. elrelemann, der sich eine leichte Erkältung zu» gezogen bat, ist ohne Fieber. Aus Vorschlag des Arztes wird er jedoch auch beute nachmit­tag nicht an der Ratssitzung teilnehmen.

StuMtond UN» Europa

Die letzte Serie des gewaltigen deutschen MtenwerkeS „Die Große Politik der Euro­päischen Kabinette 1871 bjs 1914“ ist nun­mehr erschienen und damit die Erschließung der deutschen Borkriegsarchive beendet. In 54 Bänden sind der Welt die Arkunden offen gelegt, die Zeugnis ablegen von dem was die deutsche Politik und ihre Ver- treter 44 Jahre hindurch bei der Gestal­tung der Dorkriegsereignisse getan und unterlassen haben. Sie legen aber auch Zeugnis ab von den Triebkräften die bei unseren Gegenspielern obgewaltet und die — das geht aus dem Mtenwerk zwei­felsfrei hervor — seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Verhängnis Europas mehr und mehr die Leitung seiner Geschicke in die Hände nahmen.

Bei dem ungeheueren Umfang des Ak- tenwerkes ist eS zu begrüßen, daß der be­kannte Herausgeber des „Diplomatischen Schriftwechsel Iswolskis 1911—1914“ sich der Aufgabe unterzogen hat, in seinem so­eben erschienenen neuesten Buch „Deutsch­land und Europa 1890—1914“ (Derlag für Kulturpolitik, Berlin) auf knapp 150 Seiten einen Aeberblick über diese Politik zu geben und aus unzähligen Einzelereignissen die große Linie zu zeichnen, wie sie sich aus dem Aktenwerk ergibt. Klar und scharf wird hier der Nachweis geführt, baß d i e deutsche Borkriegspolittk alles andere denn eine zum Kriege treibende oder dieses Treiben auch nur begünstigende gewesen ist.

Neben dem Historiker und Forscher kommt eine besondere Note des Buches — auch der Mensch zur Geltung, neben der kühlen, nüchternen Tatsachen- feststellung daS tiefere Empfinden, der Drang zum Verstehen der Eharaklereigen- schasten des Seelenlebens der in dem Drama handelnden Hauptpersonen. Nicht etwa, um sie von Fehlem, Irrtümern, Un­terlassungen freizusprechen. Im Gegentelll Gerade diese nicht nur int Geschichtlichen haftende, sondern auch ins Psychologische eindringende Untersuchung gibt dem Ver­fasser bei aller Nachsicht Gelegenheit zu scharfer Kritik menschlicher Schwäche, denen zu verfallen verantwortlichen Führern einer Nation nicht gestattet sein darf. Nament­lich nicht jenen Staatsmännern des „neuen Kurses“, die in Verkennung der tatsäch­lichen Verhältnisse, in falscher Einschätzung der die Weltpoliffk bewegenden Kräfte das „Erbe Bismarcks“ schlecht verwalte­ten und Deutschland nach dem Abtreten des großen Kanzlers mit geradezu beäng­stigender Schnelligkeit aus seiner Macht- und damit friedengebietenden Stellung in eine hoffnungslose Isolierung hineinfthrten, aus der die auf eine Aende- rung der Karte Europas hinzielende geg­nerische Mächtegruppe immer wieder neue Triebkräfte sammelte. Unentrinnbares Schicksal! ist man versucht, auszurufen, wenn man liest, wie diese Diplomaten stets in dem Bestreben, ihrem Dolle den zu sei­nem Aufschwünge erforderlichen Frieden zu erhalten, es vor jeder gefahrdrohenden Bindung zu schützen, daS Bollwerk Bismarcks zerfallen ließen und mit einer nur den unmittelbaren Erforder­nissen genügenden „Politik der freien Hand“ immer mehr in die von ihren Geg­nern gewollte Lage hinein gerieten, aus der es dann int Sommer 1914 kein Entweichen mehr gab. Diese mit größ­tem Raffinement inS Werk gesetzte Politik der Ententediplomaten schildert Stiebe an Hund zahlreicher freiwilliger und unfrei­williger Zeugnisse aus den anderen Lagern, die er in trefflicher Verbindung mit den deutschen Akten zu bringen versteht.

So ist sein Buch ein Dokument deutscher Friedensliebe und deutschen Friedenswil­lens, ein geistiges Rüstzeug im Kampf ge- gen das Versailler Sch uldurteil. Der durch den Abschluß des großen Ak- tenwerkeS in ein entscheidendes Stadium getreten ist. Der sich aus Mangel an Zett oder Geld nicht mit dessen Studium be­fassen kann, dem ist hier ein ausgezeichnet« Behelf gegeben, sich mit der großen Linie