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Marburger Zagesanzeiger

MM LandeSzeitung

Stt.285 61. Mrs. Marburg a. Kahn

e« Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespart. Zeilenmilltmeter 0.08 GM kleine Baranzeige« 0.06 SM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 SM. 5M schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift SO«/, Aufschlag. Eammelanzeigen 100/, Aup schlag. Reklamen der Milli«, 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. So- füllungSoct Marburg.

1 Soldmark --- '/^»Dollar.

0bert,Msche Zeitung

gonnabcnt, W 4. Serbe. 1926

^vberhesstsch« Zeitung" er sechsmal wöchentlich. Be- ^^^ets monatlich 2 GM. auS- Eßl. ZustellungSgebühr, durch ^Wst2L5 GM.Für etwa infolge -«ikS, Maschinendefette »der jätetet Lreigniff« ausfallende £*3tKttn wird kein Ersatz ge- pillet. Verlag v. Vr. §. Hiheroth, der Unib.-Buchdruckerei d.

Aug- Koch, Mark! 21/23. «^sprecher: Rr. 54. u. Nr. 55. -,ffch«kkonto: Ami Frankfurt K. gir. 5015. Sprechzeit Redaktion von 1011 und

>/,l1 Uhr.

Sie heutige Rümmer umfalt 24 Seiten

Die Lage in Snnkau

Loudon, 3. Dez. Angesichts des ßruftes der Lage wird sich der soeben tit ghaaghai eingetrosfene britische 6t« (tobte in China Lampson nach Han- leg begeben, um sich persönlich von dem Staad der Dinge zu überzeugen. Der / ,»rgige Tag wird in Hanlau mit gksßer Besorgnis erwartet, da dann tz«Generalstreik und der antiauslän- s tische Boykott beginnen sollen.

f tzi» italienischem Kanonenboot ans dem Wege nach Sankau.

J : R. g o n'b o n, 4. De,.Daily Mail" meldet «us Tokio: Ein italienisches Kanonenboot, ta sich auf Besuch in iaoanischen Haken be­findet, hat durch den italienischen Gesandten in $efing Weisung erhalten, unverzüglich nach Hank au abzukahren.

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Wirst! des büatwm «abieeNS

Kopenhagen, 3. Dez. Das sozial- tzevokratische Kabinett Stauning let auf Grund des Wahlausfalles feine Lemission eingereicht.

MM zeigen der gtfltlgtn rlelMagsaWmmmo

! Der Mchrheitsverhältnisse bei der Mrigen Abstimmung im Reichstag über bes Gesetz zum Schutze gegen Schmutz und Lchnnd ssiehe S. 2) geben den Blättern Meranlasfung, sich mit der Frage zu be- Wftigen, ob die Abstimmung auf die wei- irre Gestaltung der MehrbeitsverhiiUinlle 'Wb damit auf die Koalitionsbil- b«ug eine» Einfluß ausüben könnten.

Nach demLokal-Anzeiger" hat ü sich wieder herausgestellt, daß eine »taktische Zusammen« . beit der Sitte milder Rechten durchaus '»Sglich ist.

- DieTägliche Rundschau" sagt. Mt letzten Tage haben gezeigt, daß auf dem ochiet der Kulturfragen eine Ber- Sändigung mit der Linken so gut wie »Ssges ich lassen ist. Es ist jedoch ganz ftifä. wenn die demokratische und sozial- ^yrokratische Prelle erklären, dah der Bür- Wblock bei den Verhandlungen angestrebt »erden sei.

DieE e r m a n i a" nennt die gestrige Stimmung eine Episode und betont. * i dabei die Koalition als solche nicht be­wirt wurde.

DasBerk. Tageblatt" schreibt. M das Gesetz auf den Weg zur grohen «alition einen schweren Stein gewälzt 6e. Aehnlich äuhert sich derVor- »Srts".

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dir WMMSbtilM für Nt Stramm

st Berlin, 4. Dez. Auf der gestrigen ^«mtung mit den Regierungsparteien eine Weihnachtsbeihilfe für die Be­sten erklärte der Reichsfiaaaz- *i»ister, dah die Regierung grund- '»tzlich bereit sei,

ke Gruppen 14 ein Viertel, W« Gruppen 513 ein Fünftel »» Monatsgehaltes,' minde- ^rsten, 30, höchstens 60 Mark ** Weihnachtsbeihilfe zu ge- ^Shren. Dazu komme noch eine Frauen- idlage von 20 Mark und eine Kin? "rzulage von 5 Mark. '

Einigung zwischen

Weift der deustchen

ff. Paris, 4. Dez. Nach Schlich seiner Unterrebune mit Chamberlain empfing Briand Bertreter bcr französischen und bet englischen Presse und erklärte auf eilte ihm gestellte Frage u. a.; Wir haben über die Entwaffnung Deutschlands gesprochen, aber ich kann hierüber keine Einzelheiten angeben. Es ist möglich, dah der B ö l k e r b u n d s r a t die Frag« des Investigations-Organismus regeln wird, der an die Stelle der interalliierten Kontrollkommission treten soll.

Chamberlain erflärte, dem Pariser Korrespondenten des W. T. B. zufolge, vor den Berlretern der angelsächsischen Presst, er hoffe, da» die Interalliierte Militärkontrollkommis- sion in Deutschland in einem Zeitraum von 1 bis 2 Monaten zurückberufen werden würde. In den deutsch-französischen Beziehun­gen würde augenscheinlich eine merkliche Bes­serung eintreten, wenn man den Zeitpunkt der Räumung der besetzten Gebiete be­schleunigen könnte. Man dürfe jedoch nicht überstürzt vorgeben.

Ein französischer Korrespondent desDail» Telegraph" meldet aus Paris: Der wich­tigste Veschlutz, über den sich Chamberlain und Briand gestern geeinigt hätten, sei, den Böl- lerbundsral bei der bevorstehenden Session um Erörterung der Frage in ersuchen, wie die Kontrolle der Abrüstung durch den Dölkerbund ausgeführt werden solle. Der vom Bölker- bundsrat im September 1924 angenommene Plan würde also unter Mitarbeit Dr. Siresr- manns revidiert werden. Bezüglich de« Da­tums für die Zurückziehung der Internatio­nalen Kontrollkommission sei keine end­gültige Entscheidung erzielt worden. Auf französischer Seite scheint die Tendenz zu

London und Varls

DtltgMg muh 6tnf

bestehen, die Zurückziehung bi« zum 1. 3. aufzuschieben, während in britischen «reisen ein sehr viel früheres Datum begünstigt werde.

Der polnische Auhenminister Zaleski erkärte nach der Unterredung mit Briand, dah er stch mit diesem über die letzten Maß- nahmen für die Abrüstung Deutschlands und über die Besestitmngsanlagen an bt* dentscken Ost-Grenz« unterhalten habe. Briand und er seien über alle Punkte vollkommen einig.

Vom Quai d'Orsay wird über die Zu­sammenkunft Chamberlain», Poin- c a r 6 s und Briands, die unmittelbar nach dem Frühstück bei Briand stattfand, folgendes offizielle Kommunique ausge geben:Die Unterhaltung Chamberlains mit Poincare trug einen herzlichen Charak­ter. Die Unterredung zwischen den bei­den Auhenministern, die sich un­mittelbar hieran anschloh, berührte die ver­schiedenen Probleme der auswärtigen Politik, vor allem aber diejenigen Fragen, die auf der Tagesordnung der Genfer Ratssitzung stchen. Die beiden Auheu- minister stellten die llebereinstim- mung ihrer Anschauungen fest und beschlossen, in Genf ihre Unterhaltung über ander« Detailfragen fort, zusetzen, für deren Behandlung bk Zeitspanne der ersten Unterredung nicht ausreichte."

Abreise der deutschen Delegation nach Genf.

sk. Berlin, 4. Dez. Retchsautzenminister Dr. E t r e s e m a n n bat sich gestern abend 9.15 Uhr in Begleitung von Staatssekretär von Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus nach Genf begeben.

N ützlicher Landtag

Sitzung vom 3. Dezember.

Der Landtag überweist zunächst bei Erledi­gung Kleiner Vorlagen ein umfangreiches .Westprogramm" des Zentrums an den Hauptausschuh.

Deutschvolkspartelliche Anträge betreffend ausreichenden Zollschutz für Mehl und Zucker sowie Anzeige wegen mangelnder Masse abge­lehnter Konkurse an die Handelskammern und Verwendung von Monopol als Detriebsstosf für Kraftwagen öffentlicher Verwaltungen gingen an den Landwirtschafts« bezw. Han« delsausschuh.

Es folgt die zweite Beratung eines Ur­an t r a g e s des Zentrums auf Annahme eines Gesetzentwurfes, das Gesetz zur Linde­rung der Vorlage der rheinischen Vota re vom 2. danuar 1924 am 1. Avril 1926 außer Kraft treten zu lassen. Der Aus­schuß hat. wie Abg. Goebel (Ztr.) be­richtet, »«schlossen. daß das erwähnte Gesetz erst mit Ablauf des 31. Dezembers 1929 außer Kraft tritt. Die Vorlage wird de­battelos in zweiter und gleich darauf in drit­ter Lesung und in der Schlußabstimmung ge­gen Sozialdemokraten und Kommunisten an­genommen.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetz­entwurfs über die Aerztekammern und einen Aerztekammerausschuß . Vach der durch diese Ausschußbefchlüfse geänderten Regie­rungsvorlage soll für die Provinz Ober- und Viederschlesien eine gemeinsame Aerztekammer mit d;m Sitz in Breslau errichtet und allen Aerztekammern der Charakter öffentlich recht­licher Körperschaften verliehen werden.

Abg. Bischoff (Wirtsch. Dgg.) weist die kommunistischen Angriffe gegen die Aerzte zu­rück. Vach eingehender Aussprache wurde na­mentlich abgeftimmt über die Ausschußbe­stimmung, die für Ober- und Viederschlesien eine gemeinsame Kammer vorsieht. Mit 138 gegen 126 Stimmen wird die Ausschuhfassung angenommen. Der Rest des Gesetzes wird gleichfalls in der Ausfchußfassung angenom­men. Die 3. Lesung wird später stattfinden.

Es schließt sich an die 2. Beratung des Entwurfes über die ärztlichen Ehren­gerichte, das älmlagerecht und die gös­sen der Aerztekammern. Auf' Aw>

Di« erst« Ziehung bet Anleiheablösungsschuld.

ft. Lerlin, 4. Dez. Die erste Ziehung bet Anleihe-Ablösuugsschald hat am 1. Dezember begonnen. Die gezogenen Nummern werben in bcr heutigen Ausgabe desNeichsanzeigers" veröffentlicht nnb gelten ISr alle Gruppen ihres Wertabschnitts.

trag Göbel (Ztr.) soll auch hier die 3. Lesung später stattfinden. Abg. Frau Kuh­nert (Doz.) erklärt, bas Gesetz biete viele Handhaben zu mißbräuchlicher Anwendung. Es widerspreche auch der durch die Verfassung garantierten Meinungsäußerung. Vicht aus Feindschaft gegen die Aerzte lehne die Frak­tion das Gesetz ab. sondern aus der Heber« zeugung, daß der Entwurf der idealen For­derung, die man an die Aerzte stelle, nicht gerecht werd«.

Die Vorlage findet in zweiter Lesung mit großer Mehrheit Annahme.

Mach 4 Uhr vertagt sich das Haus aus Sonnabend 11 Ahr. Kleinere Vorlagen.

Magiern freigesprochen.

Breslau, 3. De? Im politischen Schwurgerichtsprozeh gegen den kauf­männischen Angestellten und Stahlhelm­angehörigen M a g i e r a, der im Juni diefes Jahres den Reichsbannermann Doktor, der ihn nachts ohne Ursache auf der Straße anrempelte, verfolgte und tätlich schwer bedrohte, durch einen Ab­wehrschuß tötete, ist heute nachmittag das Urteil gefällt worden. Magiera wurde freigesprochen. Der Gerichtshof hat Notwehr für vorliegend angenommen und der eigenen Darstellung des Ange- klagttn, die durch einwandfreie Zeu­genaussagen unterstützt wurde, geglaubt.

Di« Mannschaft besTotila" gerettet.

ff. St Pierre, 4. Dez. Die gesamte Mannschaft des gestrandeten deutschen Damp­fersTotila" ist' durch Schleppdampfer ge­rettet worden. . . ,

JUAO mehr von Kanonen!"

Ein glühendes Wetter leuchtet aus Asien nach Europa hin. In Hankau ist es zn, neuen gewaltigen Unruhen gekommene Ein Engländer vergleicht den Ausstand mit den Boxerunruhen, und das will etwas heißen: Deutsche, Engländer, Rus­sen, Franzosen, Oesterreicher, Japaner und Amerikaner haben damals in einem vol­len Jahr nicht Ordnung schaffen können.

Doch der Boxerausstand war nur ein regionaler Aufstand, der von lässigen Be­hörden ein wenig geschürt wurde. Jetzt ist es die elementare nationale Empörung des ganzen chinesischen Volkes, die an die­sem einen Punkte zum Ausbruch gekom­men ist: das erste Flammenzeichen eines Nationalbolschewismus gewaltigsten Aus- maßes.

Asien ist ein weites Reich und ist gela­den mit Svrengstoff. Was wir bisher er­lebt haben, war ein wenig Feuerwerk. Kommt einmal die große Explosion, dann werden die Sprengstücke auch den Boden Europas zerfetzen.

Die Engländer wissen das ganz genau, da es sie am meisten angeht. Darum haben sie auch bei der Reichskonferenz kaum von diesen Dingen gesprochen. Sie schicken Kriegsschifse und landen Trup­pen; nicht eben viel mehr als die Amerika­ner, aber beileibe nicht weniger. Und Chamberlain ist nach Genf gefahren, um über Deutschlands Abrüstung zu verhan­deln.

Von London nach Genf führt der Weg über Paris. Dort wohnt der Kollege Chamberlains, Aristide Briand, von des­sen ehrlichem Verständigungswillen die Welt ganz besonders überzeugt ist. Auch Chamberlain wird sich mit ihm ver­ständigen.

Nicht über China. Wenn England nach China geht, muß es im Rücken Ruhe haben.

Als mit dem Eintritt Deutschlands der Schlußstein in das großangelegte Gebäude des Völkerbundes gefügt wurde, be- rauschte sich die ganze Welt an der wun- dervollen Rede Briands, in der gleich einer neuen Botschaft die Worte verkün­det wurden:Nichts mehr von Kanonen!" Da fchien endlich die Plattform gewon­nen, auf der die Staatsmänner gemein­sam ihr Recht verteidigen konnten, ohne die Menschen je wieder ins namenlose Unglück eines Krieges zu treiben.

Das war vor wenigen Wochen. Und heute? Man höre hinein in den Trubel der Erklärungen, Depeschen, Artikel, De­mentis, was hört man heraus? Kanonen! Um Kanonen und alles, was mit Kano­nen zusammenhängt, geht wieder der Streit.

Deutschland im Völkerbund, gebunden an seine Satzungen, gebunden darüber hinaus noch an den Vertrag von Locarno: doch am Rhein, auf deutschem Boden stehen Frankreichs Kanonen. Wenn jetzt, wie Herr Wirth kürzlich im Reichstag for­derte, Frankreich das Wort hat, und es reden könnte, wie es wollte, es würde von den Bergen am Rhein böse widerhallen.

Denn das Frankreich von heute ist wir- ber das Frankreich Poincarßs. Es dient allein dem Geiste des Vertrages von Ver­sailles und ist nicht gewillt, auch nur einen Deut von seinen Bestimmungen preiszu- geben. Gegen seine Kanoniere wagt Briand kein Wort.

Doch da ist England. Sein Spiel gibt Rätsel auf. Fürchtet es mehr eine deutsch- französische Verständigung und den Ver­lust des Schiedsrichteramtes über Europa oder fürchtet es Frankreichs Kanonen am Rhein?

Wenn wir es nur mit Engländern und Franzosen zu tun hätten! Doch da sind die Verräter im eigenen Lande. Dies kann ein französischer Minister unwider­sprochen erklären:Die Meldungen übet Deutschlands mangelhafte Abrüstung be« .ruhen, auf Wahrheit, denn sie stammen aus deutscher Quelle". .