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NlriiAas, ten so. Rvvbr. 1926
tu „ObetbeflW Stlhntg* rt- schrint sechsmal wöchentlich. B«. pig#prri< monatlich 2 SM. ans- schließl. Zustellungsgebühr, durch ^i«P»sI2L5 GM.Für etwa infolge Streiks. Maschinendefekt« »der «lementarer Ereignisse ausfallend« Ikummern wird kein Ersatz ge» leistet. Verlag b. Dr. S -itzeroth, Druck der Univ.-Vuchdrnckerri x Aoh. Aug. Koch. Markt 21/28. Aernshrecher: Nr. 54. «. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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Sie tcutWn Regierten für 8rni
ft. Berlin, 30. Roo. Die „Tägliche Rundschau" meldet, die deutsche Delegation für Genf setze sich voraussichtlich aus folgenden Herren zusammen: Reichsaubenminister Dr. Strese- »ann, Staatssekretär Dr. Schubert, Ministerialdirektor Dr. Gaus, dem Dirigenten des HSlkerbnndsreferats v. Bülow und Gesandt- Hastsrat Boltze.
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No BtermSAtebldik daß Ende »es Völkerbunds
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Herald" will wissen, es sei endgültig vereinbart worden, dah Lbamberlain. Briand »ad Mussolini nach Schluh der Tagung des Bölker- buudsrates in einer italienische Stadt zusam- «eukommen werden. S t r e s e m a n n sei r«r Teilnahme eingeladen worden, aber es sei »och nicht sicher, ob et aanebmen : «erde. Hauvtgegenstand der Erörterung l würde sein, wie Italiens koloniale Wünsche in einer Weise geregelt werden können, die keine Schwierigkeiten Mischen Stadien und Frankreich schaffen würde.
„Daily Telegraph" zufolge findet em beinahe täglicher Meinungsaustausch über das Problem der deutschen Abrüstung Wischen London und Paris statt, unter denen verschiedene Meinung«er- schiedenheiten beständen. Ueber die Möglichkeit einer „P i e r - M ä ch t e k o n- ferenz" im Anschluß an Genf sagt der diplomatische Berichterstatter des Blattes, London und Rom würden in der künftigen Zusammenarbeit der wer großen Westmächte eine Art Erneuerung des alten europäischen Konzerts in veränderter und verbesserter Form erblicken. durch das auf Frieden uiü> Ordnung bei den kleinen Nationen hingewirkt werden könne.
3« einem Leitartikel sagt „Daily Herald", die Bildung eines Block» der vier Groh- «ächte, die den Dölkerbundsrat beherrschen «der ibn vor fertig« Geschehnisse stellen würden, bedeute notwendigerweise einen tödlichen Echlag für de« Völkerbund.
Eine Erklärung des Generals v. Walter
Berlin, 29. Rov. Die deutschnationale Pressestelle teilt folgende Erklärung des Ge- «ralleutnants Frhrn. v. Walter zu der »eichstagsrede des Deichs Wehrministers Dr. Dehler mit: „Dach übereinstimmenden De» Nchten der Tagespresse hat Herr Reichswehr- onnister Dr. Gehler in seiner Deichstagsrede »in 24. d. Mts. unter Berufung auf eine früher von ihm gehaltene Rede den Eindruck «rweckt, als wenn er mich zu den .Der- r ü ck t e n“ rechne t. Ich will dies« ungewöhnliche Dernnglimpfung als unter schwerem »ruck erfolgte Entgleisung ansehen. selbstverständlich habe ich meiner ganzen Eindellung entsprechend im vaterländischen v i n ne selbsttätig gewirkt, als im )lahre 1923 der selbst vom englischen Kronan» •Bott als rechtswidrig anerkannte Einbruch der Franzosen in das Ruhrgebiet eine mächtige Volksbewegung entfesselte. Cs ist eine merkwürdige Verkennung und Riedrig- »«lung dieser Bewegung, wenn man von Aufwiegelung spricht. Was die Ausführungen des Herrn Ministers über meine Tätigkeit im Jahre 1923 angeht, so beruhen sie M erster Linie auf der ungeprüften Wiedergabe von Mitteilungen einer unverantworl» nchen Persönlichkeit, in denen die Wahr- Seit auf den Kopf gestellt wird. Der Herr Minister mag es vor sich selbst ver- Antworten, wenn er solches Material zur Pentlichen Herabsetzung eines alten Offi- Vers benutzt. Herr Gehler muh wissen, dah die Geschichte des Ruhreinfalls endgültig erst jhäter geschrieben werden kann. Sein Verhalten im Reichstag wirb mich nicht veranlassen, in Verletzung meiner vaterlän- mschen Pflichten die Zusammenhänge JW deutschen AbwehrkampfeS jetzt
schon klarzulegen. Ich muh in dieser Beziehung Wohl richtig eingeschäht sein, wenn man sich nicht scheut, zu versuchen, mich vor der Oeffentlichkeit verächtlich zu machen."
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DaS ArbriMMM
Berlin, 29. Rov. Das Reichskabinett hat sich wie gemeldet, jetzt abschließend unter dem Vorsitz des Reichskanzlers mit dem Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes beschäftigt. Der Entwurf fand die Billigung des Reichskabinetts und ist bereits dem Reichswirtschaftsrat zugeleitet worden.
Zu dem Gesetz selbst ist zu sagen, daß es im wesentlichen eine Kodifizierung der heute sehr zerstteuten Bestimmungen über den Arbeitsschutz enthält und zugleich eine Vorarbeit für das Arbeitsgesetzbuch bedeutet. Cs enthält:
1. Bestimmungen über die Arbeitszeit;
2. Bestimmungen über die Sonntagsruhe und den Ladenschluß;
3. regest es den Schutz gegen Betriebsgefahren, wobei besonders wichtig ist: die Einbeziehung des Schutzes der weiblichen und jugendlichen Arbeitnehmer;
4. bringt das Arbeitsschutzgesetz noch die Organisatton der Aufsichtsbehörden, wobei eine Erweiterung der Ge- werbeaufficht zur Arbeitsaufsicht, d. h. für alle Arbeitnehmergruppen, vorgenommen wird.
Hier ist bemerkenswert, daß die in letzter Zeit akut gewordene Frage, ob bei freiwillig vom Arbeitnehmer geleisteter Mehrarbeit der Arbeitgeber straffrei bleibt, im vermeinenden Sinne geregelt wird.
Auch 1927 keine Abrüstungskonferenz?
Rem EawafstimMkdekiMM Englands an DeuWand
ff. Berlin, 30. Rov. 3n einer in Senf abgehaltenenn Pressekonferenz teilte Lord Robert Cecil mit, «ach seiner Ansicht sei nicht mehr damit zu rechnen, dah eine internationale Abrüstungskonferenz im nächste« Jahre stattfindet.
England und di«, deutsche Abrüstung.
fk. L o n d o », 30. Rov. 3« der Meldung, die britisch« Regierung hab« ein« Denkschrift an di« Regierungen von Paris, Rom und Brüssel mit einem „Mindest- vrogramm" gesandt, dessen Erfüllung von Deutschland vor dem Zurückzieben der alliierten Kontrollkomn ission verlangt werden solle, schreibt der diplomatisch« Berichterstatter des „Daily Cbronicle": Ei« solches „Mindestmah" gibt «s «icht. Chamber- lai« bat die Möglichkeit, die Deutschland vor- »«legenden Bedingungen in Senf frei ,« behandeln. Die britische Srundlage solle lediglich eine Erörierungsgrundlag« darstellrn.
Nach der „Time s" wurde die von den britischen militärischen Sachverständigen verbreitete Denkschrift, die angeblich ein M inde st Programm enthält, dessen Erfüllung durch Deutschland gefordert werden sollte, falls es wünscht, die alliierte Kontrollkommission aus Berlin zurückgezogen und durch ein Nufsichtskomi- tee des Völkerbundes ersetzt zu sehen, von Austen Chamberlain abgefaßt und ungefähr Mitte dieses Monats in Paris, Rom und Brüssel mitgeteilt. Die Punkte dieses Mindestprogramms waren:
1. Unterordnung des Oberbefehlshabers der Reickswehr unter die Autorität des Reichswehrministers.
2. Regelung der Frage der Rekrutierung und der militärischen Bereinigungen.
3. Kontrolle über die Ausfuhr von Waffen und Munition.
4. Zerstörung neuer Befestigungen an der deutschen Ostgrenze.
Zu den Punkten 1 und 2 wird der „Times" zufolge von den britischen Militärbehörden die Auffassung vertreten, daß Deutschland bereits viel zu einer befriedigenden Regelung getan habe, und daß die zunehmende Unterstützung, die die Politik Stresemanns bei der Nation findet, den Rest tun werde. Den dritten Punkt betrachtet man als den wichtigsten. Er sei auch in Wahrheit der Prüfstein für Deutschlands Bereitwilligkeit, den Geist der Locarnoverträge zur Anwendung zu bringen. Der vierte Punkt wirft die Frage der genauen Auslegung der betreffenden Klausel des Versailler Vertrages auf. Die in London vertretene Auffassung ist, daß sie am besten dem Urteil des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag überlasten bleiben würde. Briand habe die britische Denkschrift an die französischen Sachverständigen weitergegeben, deren Bericht rechtzeitig für die Zusammenkunft in Genf ausgestellt werden wird. Es sei bekannt, daß die Franzosen ebenso wie die Belgier der Frage ungesetzlicher militärischer Organisationen in Deutschland die größte Bedeutung beimessen.
Der Pariser Berichterstatter der „M o r- n i n g Post" schreibt, obgleich der französische und der britische Standpunkt bezüglich der Abrüstung Deutschlarcks in vielen Punkten entgegengesetzt sei, so bestehen doch Zeichen dstfür, daß Chamberlain bei seiner Ankunft in Paris finden werde, daß Frankreich bereit sei. ihm in jeder Weise entgegenzukommen. Die französische Presse sei sich plötzlich klar darüber geworden, daß Frankreich sich vielleicht in Europa isolieren werde, wenn seine gegenwärtige Taktik unverändert bleibt, während die Gerüchte, daß Mussolini mit dem Gedanken einer Vereinbarung mit Stresemann spiele, naturgemäß Unbehagen hervorriefen.
Von zuständiger Stelle wird uns über die grundsätzliche Bedeutung des Gesetzentwurfs noch folgendes mitgeteilt:
Die Bedeutung des neuen Gesetzes geht schon daraus hervor, dah es das ganze Material der Arbeitsschutzgesetzgebung übersichtlich und einheitlich regelt. Durch das ersttebte Gesetz sollen Dutzende von bisher bestehenden Einzelgesetzen, die zum Teil 40 bis 50 Jahre ast sind, und Hunderte von Paragraphen ersetzt werden durch ein einheitliches Gesetz mit insgesamt etwa 100 Paragraphen. Bei der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs waren selbstverständlich in erster Linie die deutschen Interessen maßgebend, und zwar sowohl die wirtschaftlichen wie die sozialpolitischen, und erst in zweiter Linie der Gedanke der Anpassung der deutschen Gesetzgebung an das Washingtoner Arbeitszeitabkommen. Diese Anpassung dürfte geglückt sein, so daß auf Grund des neuen Gesetzes die Rattfizierung des Washingtoner Abkommens durchaus möglich erscheint.
Der Entwurf ist sehr weit gefaßt, weiter als bisher jede Schutzgesetzgebung ging, und zwar erstreckt sich der Geltungsbereich des Gesetzes auf Arbeitnehmer aller Art ohne Rücksicht auf den besonderen Berufszweig, abgesehen von folgenden Ausnahmen: Land- und Forstwirt- Tierzucht, Fischerei, See- und Binnenschiffahrt, Flößerei und ebenso die Reben- bettiebe dieser Derufsarten, die wirtschaftlich damit eng verbunden sind.
Allgemeine Aufnahme der Arbeit im englischen Kohlenbergbau.
fk. Land»«, 30. Rov. Die Arbeit in den englischen Kohlengruben ist gestern allgemein wieder ausgenommen worden.
Sie Wmmung über das SümntgM
Der Reichstag seht die Einzelberatung des Gesetzentwurfs zur Bewahrung der
Jugend vor Schund- und Schmutzschristen fort.
Abg. Dr. Runkel (D. Vpt.) wendet sich gegen die Angriffe, die in einem Aussatz der „Vosf. Zig." gegen die Gesetzgebungsarbeit des Reichstages in Verbindung mit dem vorliegenden Gesetzentwurf erhoben worden sind. Die Angabe der Zahl der Schmutz- und Dchundschristen mit zwei Milliarden sei auf eine Auskunft des Reichsinnenministeriums zurückzuführen.
Der Bevollmächtigte Bayerns im Reichsrat, Ministerialrat Freiherr v. Imhoff, gibt dann eine Erklärung ab, daß Bayern sich dem von der preussischen Regierung eingenommenen Standpunkt nicht anschlietzen könne. Wenn die LandeSstellen durch eine Reichsstelle ersetzt würden, so müsste Bayern im Reichsrat Einspruch gegen das Gesetz erheben. Bayern verlange die Anwendung der allgemeinen Grundsätze der Reichsverfassung.
Abg. Hörn le (Komm.) ruft: .Bayern alS Hüter der Aeichsverfassung, das ist Heuchelei in höchster Potenz!" Präsident Löbe ruft den Abg. Hörnle wegen seines Zurufes zur Ordnung.
Abg. Heuß (Dem.) erklärt, der Reichstag habe keinen Anlass, sich in den Streit der Länder einzumischen. Der Redner beantragt anstelle der Landesprüfstellen eine Reichsprüs- stelle, der außer dem beamteten Vorsitzenden vier Sachverständige angehören sollen, von denen je einer den Kreisen des Buchhandels und Kunsthandels, des Schrifttums und der Kunst, der Jugendwohlfahrt und der Volksbildung zu entnehmen ist. Mindestens müßte aus der Ausschußfassung die Bestimmung gestrichen werden, wonach bei der Auswahl der Sachverständigen die Vertreter der Kirchen besonders berücksichtigt werden sollen.
Abg. Rheinländer (Ztr.) lehnt die demokratischen und • sozialdemokratischen Aende- rungsanträge ab. Die Prüfstellen müßten von den Ländern eingerichtet werden. Die Zen- trumsfraftion müsse ihre Verwunderung darüber äußern, daß unmittelbar nach der Be- gründungSrede des Reichsinnenministers der Vertreter der preussischen Regierung sich erhob. um chn zu desavouieren. Die Zentrums- fraftion des preußischen Landtages denke in dieser Frage sicherlich ebenso wie die Reichs- tagsfraktton.
S Frau Müller-Otsried (Dntl.) et die Protestbewegung gegen das Gesetz als künstliche Mache. Trotz alledem müsse sich die Partei der anständigen Leute über die Fraktionsgrenzen hinweg für das Gesetz rin- setzen. Die berufenen Mitglieder der Prüfstellen seien die Geistlichen. Lehrer und Sefjrer* innen auch die tätigen Mitglieder der inneren Mission und der Eharitasverbände.
Abg. Frau Dr. Matz (D.Vpt.) begründet einen Antrag ihrer Partei, der die Einrichtung mehrerer Reichsprüfstellen vorsieht, die vom Reichsinnenministerium im Benehmen müden Länderregierungen einzurichten seien, deren Entscheidungen dann für das ganze Aeich zu gelten hätten. ES könnte hier ähnlich wie beim Lichtspielgesetz verfahren werden, so daß z. B. auch in München eine Reichsprüfstelle ihren Sitz haben könnte. Weiter wünscht sie durch Zuerkennung eines weiteren Beisitzers das Schwer- gewrcht der Kreise der Kunst und Literatur zu stärken.
Abg. Dr. K a h l (D. Vpt.): Als Mitglied der Obersten Evangelischen Behörde will ich meine Haltung zu dem § 3 der Vorlage der eine besondere Berücksichtigung der Vee- treter der Körperschaften des öffentlichen Rechts nach Artikel 137 der Recchsverfas- sung Vorsicht, motivieren. Nach eingehenden Ueberlegungen bin ich zu dem Standpunkt gelangt, diesen Paragraphen abzulehnen, und zwar deshalb, weil die dadurch der Kirche auferlegte Verantwortung in keinem Verhältnis steht zu der Macht, die chr schließlich bei der Entscheidung eingeräumt ist. Artikel 137 umfaßt ja au* Vereinigungen nichtkirchlicher Weltanschauungen ustv. Für jeden Mißgriff würde aber Die Kirche verantwortlich gemacht werden. Ich möchte die Kirche nicht kn diesen Kampf hineingezogen wissen.
Damit schließt die Aussprache zum Gesetz. Es folgen
Vie Abstimmungen zu den einzelnen Paragraphen und den dazu gestellten Aenderungsanträgen.