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9'6515(06, 660 23. Nodbr. 1926
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Berlin. 22. Nov. Die in Luxemburg tagende sozialistische Bierlämder-Konscrenz uahm heute eine Resolution an, in der es t, a. heißt: Die wirkliche und dauernde deutsch-französische Annäherung, die für di« Festigung des Friedens unerläßlich ist, Wiegt notwendigerweise das Ende der militärischen Besetzung deutschen Bodens ein. Die Resolution bezeichnet als eine wesentliche Aufgabe der sozialistischen Parteien, eine schnelle Lösung der Rheinlandräumung zu verwirklichen. Sie stellt fest, das, die Ausführung des Dawes- plane», Deutschlands Eintritt in den Böl- kabund und das Inkrafttreten dafür geschaffen haben. Auf der anderen Seite, sei es von jeher die Auffassung der sozialistischen Parteien gewesen, daß die ; Räumung mit einer befriedigenden Lösung des Abrüstungs- und Sicherheits- Problems praktisch verbunden werden müsse. Deutschland habe sich verpflichtet, Murüsten, „um die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Rationen zu ermöglichen." Die in Berlailles vertretenen Regierungen sowie alle Regierungen, die dem Völkerbund beigetreten . sind, hätten die feierliche Verpflichtung übernommen, diese Rüstungsbeschränkungen zu verwirklichen. Die Arbeiterschaft Faller Länder müsse die Erfüllung dieses ; Versprechens mit aller Entschiedenheit fordern.
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E Seutfien, 22. Nov. Von den Gemeinde- Wahlen in Polnisch-Oberschlesien liegen nunmehr endgültige Wahlzisfern aus den Wahlkreisen Kattowitz-Stadt, Königs- ' iütle-Stadt, Landkreis Kattowitz und Kreis Lchwientochlowitz vor. Die Zahl der gültigen Stimmen betrug in diesen 4 Kreisen 240 953, ■ davon entfielen auf die deutsche Wablgemein- schait und die deutschen Sozialisten 132 063, auf die rein polnischen Parteien 89 551 und aus die gemischten Parteien 19 339, davon 4340 aus die Kustosgruvve, 6357 auf die Kommunisten und 8642 aus die national gemischten : Ritter- und Wirtschastsvarteien. Dieses end- «Lltig« amtliche polnische Wahlergebnis b e - t {tätigt den groben Sieg des Deutschtums im Jndustrierevier, wozu die vier genannten Kreise geboren. Bezeichnend ist auch, dah beispielsweise im Landkreise Kattowitz bei bem Plebiszit im Jahre 1921 66191 polnische Stimmen und 52 892 deutsche abgegeben wurden, »ei den jetzigen Eemeindewablen dagegen 42780 deutsche und nur 34 830 polnische,
zosammenftöße In Äonme
Kowno, 22. Nov. Am gestrigen Sonntag sand, wie die ,,Litauische Rundschau" meldet, 'm hiesigen Volkshaus eine öffentliche Versammlung nationalistischer Studenten statt, dix sich mit der fortschreitenden Polonisierung nnd der bolschewistischen Gefah» in Litauen Unter besonderer Berücksichtigung des Vertrages zwischen Litauen und Ruhland befaffen wollt er Ein öffentlicher Strahenumzug, der Mich der Versammlung geplant war, war vom «risches verboten worden. Trotz dieses Verbotes versuchten die Versammlungsteilnehmer, die Demonstration durchzuführen. Die Polizei Muhte Verstärkungen beranzieben. Diese wurde Jon der schätzungsweise 2000 Personen zählenden Menge tätlich angegriffen. Es kam zu einem heftigen Handgemenge, bis es schliehlich der Polizei gelang, die Demonstranten zu zerstreuen. Sieben Polizisten sind bei dem Zu- sttttmenftoß verletzt worden. 13 Personen Wurden verhaftet.
Streik im Saargebiet.
Saarbrücken, 23. Nov. Laut „Saar •Stte-ci Zeitung" find die Bemühungen der «ngestellten-Eewerksckaften, mit den Arbeit- wberverbänden bezüglich der Eehaltssorderung der Ange stellten zu Verhandlungen zu kommen, erfolglos geblieben. Entsprechend den voraus- iegangenen Veschlüsien traten die technischen Angestellten der Firma „Gesellschaft für Förderanlagen" als erste Staffel heute in-den i Streik. - 1
Berlin, 22. Nov. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute nachmittag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Hergt (Dnatl.) zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Entgegennahme eines Berichts des Unterausschusses des Auswärtigen Ausschusses zur Frage der Militärkontrolle, die Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über den deutsch-niederländischen und den deutsch-dänischen Schiedsgerichtsund Vergleichsvertrag sowie die Beratung polnischer Fragen einschließlich der Lesung eines Gesetzentwurfs über den deutsch-polnischen Vertrag zur Regelung der Grenz-. Verhältnisse und der Beratung eines Gesetzentwurfs wegen eines Abkommens über den gegenseitigen Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der freien Stadt Danzig anderseits.
Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Dr. Stresemann folgende Erklärung ab:
„In einer Reihe von Zeitungen find Mitteilungen über Beziehungen der Rcichsregierung zu der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" verbreitet worden, die in ihren Einzelheiten nicht richtig find. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler stellte ich darüber das Folgende fest: Bon dem gesamten Verlags- unternehmeu der „Deutschen Allgemeinen. Zeitung", das seinerzeit von der preußischen Regierung im August 1925 erworben wurde, ist im April d. I. die Zeitung auf das Reich übergeganqen, soweit die Minderheit der Anteile nicht im privaten Besitz ist. Die durch diese Veränderung für das Reich entstehenden Ausgaben werden aus dem Dispositionsfonds des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsanhenminister stehen. Zwischen dem früheren und jetzigen Besitzer sind Verabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes getroffen worden, die der allgemeinen Tendenz des Blattes tntsprrchen."
Ernste Erkrankung des Mers
Amsterdam, 22. Roo. Wie zuverlässig aus Haus Doorn verlautet, ist der ehemalige deutsche Kaiser ziemlich ernst erkrankt. Bereits am Sonnabend wurde er von einem so starken Unwohlsein befallen, daß er inzwischen ins Bett gebracht werden mußte. Obwohl der behandelnde Arzt sich über die Art der Krankheit noch nicht ausgelassen hat, glaubt man doch, daß diese aus eine Erkältung zurückzuführen ist, die im Verlaufe der vorigen Woche beim Kaiser in Erscheinung getreten war. Bon dieser hatte er sich jedoch anscheinend am Freitag wieder erholt, weil er an diesem Tag mit Erlaubnis des Arztes feinen gewohnten Spaziergang unternehmen konnte. Inzwischen muß das Befinden des Kaisers sich jedoch wieder verschlechtert haben, und heute konnte er sich nicht bewegen, ohne heftige Schmerzen zu empfinden. Obwohl erklärt wird, daß eine unmittelbare Gefahr für das Leben des Erkrankten nicht besteht, ist doch in seiner Umgebung eine ernste Beunruhigung entstanden.
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Schellern bet großen «editien in Boden
Karlsruhe, 22. Nov. Die zwischen Zenttum, Sozialdemokraten, Demokraten und Deutscher Volkspartei geführten Ver- Handlungen zur Bildung der neuen ba-- jdischen Regierung, die sich morgen dem Landtag, vorstellen sollte, sind ge - - sche iter t, nachdem di« demokratische Land-
Die Mehrzahl der Blätter beschäftigt sich mit der gestrigen Erklärung des Ministers des Auswärtigen Dr. Stresemann im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages über den Ankauf der D. A Z. durch das Reich. Die „Deutsche Tageszt g." sagt: Es muß äußerstes Befremden erregen, daß der Reichsaußenministcr den Ankauf eines großen, bisher immer als unabhängig angesehenen Blattes, solange der Oeffentlichkeit verschwiegen hat. Zn der „Germania" heißt es: Ein unmöglicher Zustand ist es, daß das dem Reiche gehörende Blatt aus Gründen reiner Patteipolitik die preußische Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien dauernd attackiert. Aehnlich äußern sich „Berl. Tageblatt" und „Voss. Ztg", die eine Aussprache im Reichstage über die Angelegenheit fordern.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" selbst veröffentlicht eine Erklärung des Verlages und der Redaktion, in der es heißt: Von finanziellen Zusammenhängen zwischen Zeitung und amtlichen Stellen oder von irgendwelchen Bindungen an solche Stellen war uns bisher n i cht s b ekannt (!). Niemals ist die freie Meinungsäußerung der Redaktion von irgendeiner Seite unterbunden oder beeinträchtigt worden. Der „$o r « wärtts"/ der etmnso rvie die demokratischen Blätter verlangt, daß sich dtzr Reichstag mit der Angelegenheit beschäftigt, will erfahren haben, daß sich der Reichsverband der Deutschen Presie ebenfalls mit der Angelegenheit. soweit sie die Redaktion betrifft, befaffen werde.
Der.„Tag" schreibt: Durch die innenpolitische Haltung des Blattes werden rechtsgerichtete Kreise im Wirkungsbereich eines Blattes gehalten, das außenpolitisch nicht mehr Herr einer eigenen und freien Meinung zu sein scheint. Man kann darüber verschiedener Meinung sein, ob ein amtsoffiziöses Blatt heutzutage noch Sinn hat, aber die „Halbamtlichkeil" von hintenherum ist ein parteilicher Trick, für dessen Durchführung das Geld der Steuerzahler zu schade ist.
tagsfraktion heute beschlossen hat, an ihrem früheren Standpuntt festzuhalten, daß die Demokraten nur dann in die Regierung eintreten würden, wenn sie einen Ministersitz erhielten. Das den Demokraten gemachte Angebot, mit zwei StaatS- räten in die neue Regierung einzutreten, wurde von der Fraktion abgelehnt. Die Verhandlungen über die Regierungsbildung werden augenblicklich zwischen Zentrum, Sozialdemokraten und Deutsche VolkSpartei weitergeführt. Es verlautet, daß in der sozialdemokratischen Fraktion noch keine einmütige Geneigtheit besieht, mit der Deutschen Volks- Partei ohne die Demokraten eine Regierung zu bilden.
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9er Schnlweik bei 9etlmnnb
Dortmund, 22. Äov. (TA.) Die Schulstteikbewegung im Kreise Dortmund- Land I gegen den neueingesetzten Schulrat ist, ttotz der scharfen behördlichen Maßnahmen, im Wachsen begriffen. In den großen Landgemeinden streiken 50 Prozent bezw. 75 Prozent, in den kleinen Gemeinden sogar 100 Prozent der Elternschaft. Die Behörden haben jeden, der zum Schulstteik auffordett, für strafbar erklärt. Die Verhängung der Schulstrafen (für jeden Ver- säumnistag bis zu 25 Matt) soll sofort veranlaßt werden. Der westfälische <Se- samtesternbund mit 350 000 Mitgliedern hat sich nnt der streikenden Elternschaft solidarisch erklütt und die Eltern der benachbarten Bezirke sind entschlossen, erforderlichenfalls in den Sympathiestreik einzutreten. .
9er SlrtstnmiM'Prozeß verlast
Plauen, 22 .Rov. Vor dem gemeinsamen Schöffengericht in Plauen begann heute unter Vorsitz des Amtsgerichtsrates Dr. Goldberg der mit Spannung ertxar- tete Prozeß gegen den Rechtsanwalt Dr. Müller in Plauen, der früher der Deutschnationalen Dolkspattei angehörte,
wegen Beleidigung des Reichsministers des Aeübere« Dr. Stresemann.
Rach dem Eröffnungsbeschlutz hat Dr. Müller in einem Schreiben, bas er am 10. September 1925 an verschiedene rechtsgerichtete Parteien, Verbände sowie Einzelpersonen gesandt hatte, dieDehauptung aufgestellt, Dr. Sttesemann habe sich, während er Abgeordneter war, als Mitglied des Aufsichtsrates . der Evaporator A.-G. dazu hergegeben, eine verbrecherisch «Handlung dieser Gesellschaft — Verschiebung von Kriegsmaterial aus deutschen Beständen an Polen zur Zeit der oberschlesischen Kämpfe — zu decken, und habe dadurch, daß er in das gegen den Vorstand der Gesellschaft eingeleitete Strafverfahren eingegriffen habe, der Korruption Vorschub geleistet. Die Staatsanwaltschaft Plauen hat wegen dieser Behauptung nach § 186 St.G.B. die Offizialklage gegen Dr. Müller erhoben. Der Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann hat sich der Klage als Rebenkläger angeschlossen.
Die Verhandlung begann mit der
Vernehmung des Angeklagten Dr. Müller,
der im Alter von 43 Jahren steht. Er ist wegen Beleidigung im Jahre 1921 vorbestraft. Der Angeklagte führte aus, er habe seine Aktion als Mitglied des alldeutschen ^Verbandes ganz allein unternommen. Er ging dann puf die Persönlichkeit des Ministers ein unö warf ihm vor, daß er schwarz« weitz-rot rede und schwarz-rot-gold handele. Einem Ersuchen des' Vertreters des Reichsautzenministers, des Rechtsanwalts Kunz, allgemein politische Auseinandersetzungen nicht zuzulassen, entsprach der Vorsitzende nicht, und bas Gericht billigte dieses Verhalten . Der Angeklagte fühtte dann weiter aus, Dr. Stresemann habe zuerst versucht, in die demokratische Partei, die soeben ein republikanisches Bekenntnis abgelebt hatte, etn» zutreten. Unmittelbar nachher habe er die Deutsche Dolkspattei mit einem programmatischen Bekenntnis zur Monarchie gegründet. Stresemann sei für das deutsche Volk mindestens ebenso schädlich, ja noch schädlicher als Erzberger. Darum habe er bekämpft werden müssen. 3n diesem Kampf, in dem der Angeklagte in vorderster Reihe gestanden habe, sei der Briefwechsel mit der Deutschen Volkspartei entstanden.
Sodann.wurde
>«« Protokoll bet kommissarischen Brr» nehmung Stresemanns
verlesen. Dr. Stresemann ettlätte u. a. darin,: Die Evaporator A.-G. sei ein durchaus ernsthaftes Unternehmen gewesen. Es sei ihm nichts bekannt, datz die Evaporator A.-G. jemals versucht habe, Kriegsmaterial nach Polen zu senden, und daß Waggons mit solchem Kttegsmaterial beschlagnahmt worden seien. Es sei ihm völlig unbekannt, datz wegen der Ausfuhr nach Polen ein Strafverfahren gegen die Gesellschaft geschwebt habe. Dagegen fei ein Verfahren wegen unerlaubter Ausfuhr nach der Tschechoslowakei eingeleitet worden. Er habe in keiner Weise in dieses Verfahren eingegriffen. Die Gesellschaft habe zunächst gegen die Beschlagnahme Beschwerde eingelegt und ihn gebeten, beim Reichswitt- schaftsminister für die Aufhebung der Beschlagnahme einzutreten mit Rücksicht darauf, datz von der Reichstreuhandgesellschaft die Genehmigung zur Ausfuhr erteilt worden sei. Er habe sich dann in einem Schreiben an den ReichswirtfchaftSminifter gewandt . Wenn er darin persönlich dahin Stellung genommen habe, datz er die Beschlagnahme für ungerechtfertigt halte, so habe bas darauf beruht, datz er nach 6er Erklärung der Gesellschaft von der Erteilung der Ausfuhrgeneh migung Überzelt gewesen sei. Weitere Schritte habe er ta dieser Angelegenheft nicht unternommen.
Danach wurde der Prozeß
auf unbestimmte Seit vertont.
Don der Detteidiguug waren eine Reihe tum DeweiSanträgen gestellt, wonach Dr. Stresemann der Charakter der Evaporator A.-G. als Schiebergesellschaft bekannt gewesen sei. Das Gmücht beschloß, eine Anzahl von Zeugen "» laben und auch $c. Svnjmnann nochmals