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War ein Herbsttag, die Sichel sang Irgendwo im Feld;
Fern scholl Wendglockenklang, Sonne schied aus der Welt.
Siehe da! ein Bauersmann
Einsam auf dem Berg; Lehnt sich seiner Sense an. Müde vom Tagewerk.
Grausig gegen den Himmel getürmt Steht er knochig und alt.
Blickt auf alles, was ihn umwürmt, Berächtlich nieder und kalt.
Stumm und stille ausgereckt Grinst er ins Abendrot,
And ich fühl's, int Herzen erschreckt: Das ist der Schnitter Tod.
Richard Zoozmann.
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Str Sag der Seien
Bon Walter Handorf.
Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode, die Ahnung von einem Jenseits ist vielleicht so alt wie das Geschlecht der Mensen selbst. Daß der Tod nicht das Ende bedeutet, ist die stärkste Triebfeder zur Erfassung der Verantwortung, die das flüchtige Leben uns auf erlegt. „Es ist dem Menschen gesetzt zu sterben, danach aber das Gericht!" — fo faßt das Christentum, das die Jenseitshoffnung bestätigte und befestigte, diesen Gedanken in strenger Warnung zusammen . In einfachster Weife löst dieser Glaube an ein Fortleben nach dem Tode und an ein Gericht über unser Leben auf der Erde jene sonst unlösbaren Rätfel und Wirrnisse, in die uns die fo oft unfassbaren Erscheinungen des irdischen Daseins verstricken. Dis Hoffnung auf das Jenseits bedeutet dem Gläubigen die Umtoertung aller Werte: was arm schien, wird reich; was sich dem Auge der Welt als Torheit darbot. wird höchste Weisheit. Es ist letzten Endes die Erkenntnis, daß unser Scheinleben auf der Erde nichts ist als ein Blitz zwischen zwei Ewigkeiten und nur sehr bedingten Wert be-
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Doch steht dieser Jenseilsglaube nicht ohne Anfechtung da. Schon von jeher hat schein- iiuger Zweifel an den Fundamenten dieser tröstlichsten aller religiösen Lehren zu nagen versucht . Es sind keineswegs nur die oberflächlichen Betrachter der Singe, durch deren Seelen wie ein Rist der Zweifel geht. Einer der eifrigsten Gottsucher des vorchristlichen Palästinas, dessen Schriften als „Prediger Salomons" zu den menschlich erbaulichsten Kapiteln der Bibel gehören, gab diesem Zweifel freien Lauf: „Es führt alles an einen Ort und ist alles von Staub gemocht und wird wieder zu Staub. Wer weih, ob der Odem des Menschen aufwärts führet und der Odem des Viehes unterwärts unter die Erde?" And ein anderer Wahrheitssucher des Alten Testaments konnte int Buche Hiob die Klage ausstoßen: „Ein Daum hat Hoffnung, wenn er schon abgehauen ist. Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stamm im Staube erstirbt, so grünet er doch wieder vom Hauch des Wassers und wächst daher, als wäre et gepflanzt. Wo aber ist ein Mensch, wenn er tot und umgekommen und dahin ist? Wie ein Waffer ausläuft aus dem See und wie ein Strom versieget und vertrocknet, so ist ein Mensch, wenn er sich legt und wird nicht aufstehen und wird nicht erwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden." — Es ist der ewige Hader zwischen dem die trügerische Logik erdgebundenen Denkens verachtenden Glauben
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fen der Einheit denken, die Einheit fühlen und einatmen zu können. Langsam blühte dies in ihm auf, strahlte ihm aus Vafudeoas altem Kindergesicht wider: Harmonie, Wissen um die ew,ge Vollkommenheit der Welt, Lächeln, Einheit."
Von der Weisheit der Brahmanen führt Siddarthas und seines Freundes Covinda Weg zu den Samanas, den Asketen — los von ihrem Ich wollen sie, nicht mehr Trieb und Sucht sein, offen sein dem Richt-ich, dem großen Eeheimnis. Stddartha entflieht nicht seinem Ich, gemeinsam folgen sie dem Ruf des Eotama, Eovinda schließt sich der Lehre an — Stddartha folgt seinem e.genen Ruf, er glaubt nicht mehr an Lehre — er muß den Weg in die Welt gehen, um selbst zu lernen. Alle Schönheit steht er plötzlich, die der Samana, der Asket, nie sah, die Wolken, die Blumen, die Tiere — alles stehl ihm jetzt offen. Die Gedanken, die Versenkung hatten ihm die Welt nicht gezeigt. sollte er jetzt den Sinnen trauen? Nicht die Sinne allein, nicht die Gedanken allein — hinter beiden lag der letzte Sinn verborgen, nur seiner Stimme durfte er folgen, das war allein notwendig. Ka- mala, die schöne Kurtisane lehrt ihn die Welt der Sinne. Langsam gerät er in die Welt des Alltags — beoor er ihr ganz verfällt, verläßt er sie — und lernt vom Fluß, an dem er wohnen bleibt, lernt das Zuhören mit stillem Herzen, das Lauschen mit wartender, geöffneter Seele, ohne Leidenschaft, ohne Wunsch, ohne Urteil, ohne Meinung — lernt die Zeitlosigkeit kennen. Noch einmal greift die Welt nach
ObcrbeMche Zeitung, Marburg tu L. Sonnabend, den 20. November 1926
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und dem grübelnden, zerlegenden und zerfetzenden Verstände.
Am Tage des Gedenkens für die Toten, die in der Spanne des letzten Jahres von uns gegangen find, muß es uns Zurückgebliebenen laut zum Dewußtfein kommen, daß Frieden und wahres Glück immer nut diejenigen unter uns erlangen werden, die sich aus jenem Widerstreit zwischen Glauben und Verstand zur harmonischen Erkenntnis durchgerungen haben. Zu der Erkenntnis der alten Wahrheit. daß wir nichts wissen können; zu der Erkenntnis aber auch, bah wir umsomehr Anlaß haben, an Jenseits. Auferstehung und eine ausgleichende ewige Gerechtigkeit zu glauben. Intuitive Erkenntnis allein vermag unseren Herzen diesen Glauben zu bringen. vermag sie zu befreien von der Beklemmung vor dem düsteren Rätsel des Todes, getreu der sieghaften Verheißung des Erlösers: „In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welk überwunden!"
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Totengedenktag! Wer gedenkt da nicht altem Herkommen gemäß in treuer Liebe derer, die uns der Tod entrissen! Wer pligert nicht an diesem Tage hinaus zum Gottesacker, um die letzte Ruhestätte eines lieben Verstorbenen zu besuchen! Aber toenn auch der Totensonntag in erster Linie ganz allgemein den Toten gewidmet ist. so werden unsere Gedanken doch über die deutsche Heimat hinausgehen zu den Gräbern in fremder Erde, wo die ruhen, die ihr Bestes für uns gaben. Rur wenige Angehörige können diese fernen Grabstätten aufsuchen und einen Kranz niederlegen. Für die, die es nicht können, tritt der „Volksbund Deutsche Kriegergräberfürsorge" ein. Mit seiner Hilfe ist es möglich, die Gräber im fernen Lande zu schmücken. Der Volksbund läßt durch seine Verbindungsleute Kränze mit Widmungsschleifen niederlegen, auch auf den Gräbern, in denen die vielen, vielen „Unbekannten" den letzten Schlaf schlafen, auch sie werden nicht vergessen. Auf 100 größeren Kriegersriedhöfen hat er im vergangenen Jahre an dem gemeinsamen Denkmal einen Kranz mit einheitlicher Weiher Schleife, die in goldenen Buchstaben „Gruß aus der Heimat. Volksbund Deutsche Kriegergrüberfürsorge" , trägt, niederlegen lassen. Wenn er auch in diesem Iahte eine noch größere Anzahl von Gräbern schmücken wird, als in dem vergangenen, so ist doch die Zahl noch verschwindend klein, gemessen an der ungeheuren Zahl der Gräber überhaupt. Roch ist der Gedanke „Deutsche Kriegergräberfürsorge" noch nicht tief genug in die Kreise der Bevölkerung gedrungen. Rur kleine Bruchteile erwerben die Mitgliedschaft des Volksbundes, während große Kreise unserer Arbeit noch fernstehen. Aber um das bis jetzt Errungene auf dem Gebiete der Kriegergräberfürsorge im Auslande zu erhalten und noch weiter auszubauen, müssen wir Geldmittel in die Hand bekommen. Die Ortsgruppe Marburg läßt in diesen Tagen ihre Werbeschreiben in Stadt und Land hinausgehen. Sie wendet sich erneut an alle Bevölkerungsschichten, auch an diejenigen, die keine Angehörigen in fremder Erde ruhen haben, an Vereine. Schulen und Körperschaften mit der Bitte: Helft und unterstützt uns in unserer Arbeit! Mit geringem Beitrage im Jahre erwirbt man die Mitgliedschaft zur Ortsgruppe Marburg (Biegenstraße 2 8). Die Mitteilungen und Berichte des Volksbundes erscheinen in der gut ausgestatteten Monats-
ihm, sein Sohn von der Kamala kommt zu ihm, er will ihn lieben, und leidet alles, was ein Vater vom Sohn leiden kann — leidet bis zum Ende — um schließlich vom heiligen Fluß das letzte zu lernen — einverstanden zu fein mit dem Fluß des Geschehens, sich nicht sträuben gegen das Sch.cksal, hingegeben sein dem Strömen — der Einheit gehörig. Was er lernte aus seinem AKge ist dies: Es gibt keine Lehre, Weisheit ist nicht lehrbar — man kann sie finden, sich von ihr tragen lassen, man kann sie leben.
Man hat gemeint, Hermann Hesse wegen dieser „indischen Geschichte" des versteckten Buddhismus zeihen zu können. Nichts falscher als das — wohl hätte er, könnte man wählen, sich einer konservativen Religion angeschlossen — aber aus Sehnsucht nach dem Gegenpol, nicht aus innerer Verwandtschaft. Protestant ist er, nicht zufällig, sondern notwendig — denn der echte Protestant (und Deutsche!) wehrt sich gegen die eigene Kirche am liebsten, weil sie mehr das Sein als das Werden betont — in diesem Sinne, meint er, fei auch Buddha wohl Protestant gewesen.
So sieht heute Hermann Hesie seine Hauptaufgabe nicht in seiner Dichtung, sondern nur darin, das wahrhaft Lebendige in ihm werden zu lasten, unbedingt treu zu sein gegen sich selbst.
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(Epifon, eine Sammlung klassischer Romane.
Das Bemühen, aus den augenblicklich in der Literatur um Geltung ringenden
schrift „Kriegergräberfürforge", die zum Preise von 2 Mark jährlich durch die Post zugesandt wird. Wo.
zwo! ruiWe Antft- i
Nach alten Quellen Bearbeitet von Hans Lichtenberg.
Der Graf Tzernischef war von Alexander (Kaiser von Rußland) mit dem Auftrage nach Frankreich gesandt worden, so viel als möglich von dem Operationsplan Napoleons — bei dessen Einfall in Rußland — zu erforschen. Es glückte Tzernischef auch; er fand Verräter in dem Kriegs-
Aufklärung
Legende von Kurt Münzer.
Ein Werfer und Heiliger, der ein Felsengrab der afrikanischen Wildnis bewohnte, weitab menschlicher Behausung und Teilnahme, hörte eines Nachts fernes Klagen und Jammern. Er ging dem Schrei und Heulen nach, unter mtlb blitzenden Sternen, über glühenden Sand und fand ein hungerndes Löwenjunges, dem wohl die Mutter getötet fein mochte.
Er erbarmte sich der verschmachtenden Kreatur, nahm sie wie ein Lamm ht seine Arme, an seine Brust und trug sie in seine Einsiedelei.
Dort nährte er daS Tier mit der Milch von Kokosnüssen, mit Dattelfleisch, dem Saft von Kräutern; er bettete eS neben sich auf das Lager von Palmrinde, schützte es vor der morgendlichen Kälte mit seinem Leibe, und es gelang ihm, das Geschöpf zu erhalten und grotzzuziehen.
ES war eine Löwin, die trotz Pflanze und Frucht stark und gewaltig wurde, mit furchtbarem Rachen und riesigen Pranken. Sie folgte ihrem Retter wie ein Hund, treu und ergeben, wußte nichts von Stamm und Freiheit, dachte, dieses Leben ht der Einsiedelei sei das einzig mögliche in der Welt.
Als aber der Weise die Löwin reif und ausgewachsen erfand, sah er ein, daß er sie in die offene Wüste entlassen müßte, daß sie ihre Bestimmung nach Gottes Willen erfülle. Und an einem Abend setzte er sich zu ihr und sprach:
„Freundin und Gefährtin, wir müssen uns trennen. Gott will den Dienst des Tieres nicht, du bist zu schweifendem und fruchtbarem Leben geichaffen. Geh hinaus in die Freiheit zu Geschwistern, zu Freund und Feind. Aber erfülle mir einen Wunsch. Ich habe dich vor Verschmachten und Tod gerettet, nun erweise mir zum Dank, daß du niemals an einem Menschen dich vergreifst."
„Mensch? was ist Mensch?" fragte die Löwin mit ihrer herrlichen starken Stimme.
Der Heilige sagte: „Mensch bin ich. Und es gibt viele meinesgleichen. Und die Tiere meinen, des Menschen Blut sei besonders füß, sein Fleisch zart und sein Mark saftig. Sie schlagen und zerreißen und verzehren den Menschen. Aber du, zum Dank für des Menschen Liebe und Mühe um dich, schone alle meine Brüder und gehe am Menschen vorüber."
„Was ist Blut?" fragte die Löwin mit funkelndem Auge. „Was ist Fleisch und Mark? Und wie schmeckt es?"
„Es ist das, o Geliebte, wovon ich nur wenig habe."
„Aber du hast es, o Mensch?"
„Wie siehst du mich an?" rief der Weise und Heilige. „O Löwin —"
Aber er schrie auf, denn die Löwin hatte die Zähne in seine Brust geschlagen und sog schon wonnevoll und trunten das Blut seines töridMen Herzens in den kochenden, glühenden Schlund.
miiufterium. Der Graf reifte nach Rußland zurück. Als der Verrat an den Tag t®e, war es zu spät, um den Grafen noch einz». holen. Bei dem siegreichen Einzug Alexa» ders in Paris wurde er von einem Man» um eine Anstellung gebeten, mit dem Hinweis, daß er dem Grafen Tzernischef wichtige Dienste geleistet habe. Der Kaiser antwortete: „Ich bezahle die Spione und Verräter — Dank bin ich ihnen nichS schuldig!"
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Bei seinen Jnkognitoausflügen in Petersburg bediente sich Kaiser Alexander von Rußland oft einfacher Mietskutschen. Eines Tages nun ließ er sich von einem Lohn- futscher nach dein kaiserlichen Schloß fahren, wo er ausstieg und den Fuhrmann bat, er möge einen Augenblick warten, er würde ihm den Fahrlohn sofort heraussenden. „Nichts, nichts," antwortete der Kutscher, „den Trick kenne ich schon. Ich habe viele große Herren hierher gefahren und sie nie wieder gesehen. Suchen Sie nur in Ihren Taschen nach, vielleicht haben Sie noch soviel Geld drinnen, als ich bekomme." — „Ich habe wirklich kein Geld bei mir", entgegnete der Kaiser, „aber warte, da ist mein Mantel, behalte den unterdessen zum Pfände." — „Da bin ich eher zufrieden," antwortete der Kutscher, „er scheint noch neu zu sein; den Mantel werden Sie gewiß nicht im Stich lassen." — Der Kaiser lachte herzlich und ging ins Schloß. Nach einigen Minuten kam ein Kammerdiener und verlangte vom Kutscher „den Mantel des Kaisers"; gleichzeitig übergab er ihm hundert Rubel. Der Kutscher entschuldigte sich vielmals, daß er den Kaiser für einen Betrüger gehalten habe.
SB Lank ebne Papiergeld
Die schlimme Zeit, wo es bei uns nichts als Papiergeld gab, liegt noch nicht lange zurück, und mit Schaudern gedenkt man der schmutzigen Zettel, die tagaus, tagetn durch unsere Hand gingen. Aber em Land ganz ohne Papiergeld hat doch auch feinte Schattenseiten. Ein solches Land ist Mexiko. „Dort gibt es wenig Banken und noch wenigere, die dieses Namens würdig wären. Der Durchschnittsmexikaner vertraut fein Geld lieber dem Kasienschrank, der Erde oder seinem Gürtel an. Aus diesem Grund sind alle größeren Geschäfte etwas schwerfällig. Gold sieht man selten; Papiergeld ist abgeschafft. Die silbernen Pesos, die jetzt etwa zwei Mark wert sind, haben ungefähr die Größe und das Gewicht eines Talers. Ost kann man einen Angestellten beobachten, der einen schweren Sack mit Silbergeld aus einem Kontor ins andere schleppt. In Manzanillo hatte ich für zehn Dollar mexikanisches Silber in der Hosentasche. Ich kam aus einem Wirtshaus, ging einen Häuserblock entlang und erreichte das Postamt in einem Zustand der Erschöpfung. Dort gab ich ein Telegramm auf; der Rückweg war ohne jede Beschwerde!" Und E. H. Banning, ans dessen packender Schilderung „Im Zauber mexikanischer Ge- wäsier" (Leidig, F. A. Blockhaus) diese Angaben stammen, berichtet dann weiter, wie es dort immer jemanden gibt, der einen Fremden mit Vergnügen von dieser silbernen Last befreit.
Verlag von Dr. C. Hiheroth.
Verantwottlich für die Schriftleitung und den politischen Teil: Dr. Ernst Scheller; für den totalen und provinziellen Seil: Wilhelm Witzner: sämtlich in Marburg,
Kräften das Wertvolle und Bleibende zu erkennen, enthebt uns nicht der Mühe — und auch nicht der Beschämung, aus dem heutigen Chaos den Blick zurück zu lenken zu dem geistigen Erbe, das uns die vergangene Epoche überlasten hat. Was ist uns noch lebendiger Besitz, was lesen wir denn noch? Der Verlag Paul List in Leipzig will mit seiner Sammlung etwas wie den Kern einer wirklichen Haus- biblivthek schaffen, indem er die besten deutschen und europäischen Romane zusammenfaßt zu einer neuen Einheit, bei Welt des Romans. — Die Auswahl geschieht von einem wirklich hohen Standpunkt aus. von den dreißig Bänden find fünf den deutschen vorbehalten, es sind: Erimmelshausen's Simplizissimus, Goethes Wahlverwandtschaften, Jean Pauls Siebenkäs, Stifters Nachsommer, Immer- manns Münchhausen — eine strenge.und hohe Wahl, die eine wirkliche Mahnung an uns bedeutet, denn welcher Leser kennt sie alle fünf? Alle Bände find von einem der heutigen Dichter eingeleitet, die ausländischen durchweg neu übersetzt. Unter diesen erfreut besonders die Wahl des viel zu wenig bekannten Meredith (der Egoist, übersetzt und eingeleitet von Hans Reisiger). Nicht vergesten sind die großen Rusten, Dostojewskis „Idiot", Gogols „Tote Seelen" — ich glaube, wer wirklich die Großen unseres Erdteils sucht, wird nicht enttäuscht sein — wenn man auch vielleicht hier und da anders gewählt hätte (so vielleicht statt des Siebenkäs die Flegeljahre). Auf jeden Fall aber sind wir dem Verla« zu Dank verpflichtet, der
mit fo großem Verantwortungsbewußt)ein gegenüber der Vergangenheft diese Reihe begonnen hat. Die Ausstattung der Bände ist dazu so reizend und geschmackvoll, daß man jedem, der ein gehaltvolles Geschenk etwa machen will, nur zu dem Kauf eines solchen Bandes raten kann. Man kann wohl sagen, daß diese Reihe von Büchern die schönste ist, die in den letzten Jahren auf den Büchermarkt kam, die Ausstattung *bürfte auch dem verwöhntesten Geschmack genügen und, was die Auswahl der Bände anbetrifft, wüßte ich nicht, wie man einen höheren Gesichtspunkt als diesen find« könnte.
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Um die Akademie der Dichtkunst.
Die Zuwahl folgender Mitglieder wurde vorn Minister Dr. Becker bestätigt: <5. Kaiser. B. Kellermann, O. Lörke, W. v. Molo. W. v. Scholz, Ed. Stucken, H. Bahr, M. Halbe, H. Hesse, Ricarda Huch, 6. E. Kolbenheyer, H. Mann, I. Pont«, W. Schäfer, R. Schickele, W. Schmidt- bonn, K. Schnitzler, Schönherr, E Strauß, Wassermann, Werfel. Abgelehnt haben die Wahl: H. Sudermann, H. e. Hoff- mannsthal und R. M. Rilke — dieser, weil er grundsätzlich keine Ehren annimmt. — Außerdem find satzungsgemäß zwei Pvo- festoren der Literaturwissenschaft gewählt: I. Petersen und Konrad Burdach Bur- dach soll jÄoch die Wahl abgelehnt hab« — er selbst hatte vor 2 Jahren tn einet Festschrift für Hoffmannsthol den Vorschlag gemacht, schaffende Künstler in eug solche Akademie zu wählen.