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Freiing, den 19. Novbr. 1926

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ÄeolitenWatelungen

ft. Berlin. 19. Nov. Die Blätter betonen, dah bei den Besprechungen »wische« Vertretern der Fraktionen und der Reichsregierung bin­dende Vereinbarungen hinsichtlich der Bildung der Groben Koalition im Reiche «ich t getroffen wurden. Ueber die Hal­tung der Deutschen Bolksvartei schreibt die »Tägliche Rundschau"^ Die Deutsche Volks- vartei ist grundsätzlich bereit, mit der Sozial­demokratie zusammen »u arbeiten. Sie legt aber wahrscheinlich entscheidenden Wert darauf, dab zunächst einmal die Voraussetzungen ge­klärt werden, unter denen ein Zusammen­arbeiten mit den Sozialdemokraten möglich ist.

Verschiebung der nächsten Reichstagsfitzung.

Berlin, 18. Nov. Der Reichslag hält seine Plenarsitzung nicht am Montag den 22., sondern erst am Dienstag, den 23., mit der Tagesordnung: „Auswärtige Politik".

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Neitzmr Witter «toter- nräfitent

Löbau. 18. Nov. Wie wir erfahren, wird die sozialdemokratische Landtagsfrak- tion den früheren Unterrichtsminister Hermann Fleißner für das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten, für das Landtagspräsidium den früheren sächsi­schen Wirtschaftsminister Schwarz schla­fen.

Heute nachmittag fanden zwischen Ver­treter« der bürgerlichen Parteien und der Altsozialiften Besprechungen statt, die sich am die Frage der Bildung einer Regie- rungskoalition unter Beteiligung der Deutschnationalen einerseits und der Alt- sozialdemokratischen Partei Sachsens ande­rerseits drehten. Die Besprechungen haben bisher weder im positiven noch im nega­tive« Sinn« zu einem Ergebnis geführt ««d sollen Anfang nächster Woche fortge­setzt werden.

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Meter tenitb t

Berlin, 18. Nov. Gestern früh verschied «ach längerem schweren Leiden an Herzläh- mnug der frühere Ebefredakteur der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" Univerfitätsprofesior Dr. Paul Lensch im Alter von 53 Jahren.

Paul Lensch wurde am 31. März 1873 in Potsdam geboren. In Berlin studierte er Nationalökonomie, später setzte er seine Studien in Straßburg i. E. fort. Inzwischen wandte er sich der Sozialdemokratie zu und trat 1900 als Schriftleiter bei der „Freien Presse" In Straßburg ein. Nach kurzer Tätigkeit unternahm er eine längere Stu­dienreise ins Ausland. Nach seiner Rück­kehr trat er 1902 in die Schriftleitung der „Leipziger Volkszeitung" ein, deren Leiter er 1908 wurde. Als solcher verfocht er die schärfste radikale Richtung. Im Jahre 1912 wurde er für Reichenbach-Aneibach in den Reichstag gewählt. Mit Kriegsbeginn führten ihn wissenschaftliche Erwägungen o" die Seite der Regierunassozialisten. Bensch hat seinen Standpunkt in zwei S8ü= S«rn, „Der Sozialdemokratie Glück und Ende" und „Drei Jahre Weltrevolution", dargelegt. In die Nationalversammlung ließ er sich nicht wieder wählen. Vielmehr trat er eine außerordentliche Professur für sozi­al« und Wirtschaftsgeschichte an der Ber­liner Universität im März 1919 an. Seine erste Vorlesung behandelte „Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1848 »8 1918".

Im Frühjahr 1922 löste er seine Bezie­hungen zur S. P. D. und zur sozialdemo­kratischen Wochenschrift „Dte Glocke", und ta Sommer desselben Jahres übernahm «r di« Lhesredaktion der „D. A. Z.", die er vor Jahresfrist infolge seines schlechten Ge- ßundheitSzustandes niederlogte.

Der ReWyriWeat in Dresden

Die Einweihung der neuen Ansanlerieschuir

Dresden, 18. Nov. Heute vormittag 10,44 Ahr traf Reichspräsident v. Hin­denburg in Begleitung des Reichswehr- ministers Dr. Gehler und des Chefs der Heeresleitung General H e h e auf dem Neustädter Bahnhof ein, wo die Spitzen der staats- und städtischen Behörden zu seiner Begrüßung erschienen waren. An­stelle dos erkrankten Ministerpräsidenten Heldt begrüßte der Bolksbildungsminister Dr. Kaiser den Reichspräsidenten na­mens der sächsischen Regierung. Der Rsichspräsident nahm sodann die Mel­dungen des Vorgesetzten der Infanterie­schule, Generalmajor von Amsberg, sowie des Wehrkreiskommandeurs, Gene­ral Wöllwarth, der mit seinem Stabe erschienen war, entgegen.

Im offenen Auto fuhr sodann Reichs­präsident von Hindenburg mit dem Reichs­wehrminister Dr. Gehler, von einer zahl­reichen Menschenmenge stürmisch begrüßt, durch die Königsbrücker Straße, wo Mili­tärvereine und Innungen Spalier bildeten, nach der Garnisonkirche. Vor der Kirche hatte eine Ehrenkompagnie des 10. Inf.-Regts. Aufstellung genom­men, deren Front der Reichspräsident ab­schritt. In der Garnisonkirche fand aus Anlaß der Einweihung der neuen Infan­terieschule ein kurzer Gottesdienst statt, an dem das Offizierkorps und die Waffenschüler der Infanterieschule sowie Abordnungen der Truppenteile des Stand­ortes Dresden teilnahmen. Nach oem Gottesdienst nahm der Reichspräsident vor der Garnisonkirche den Vorbeimarsch der dott aufgestellten Truppenteile ent­gegen und begrüßte die erschienenen ehe­maligen Kriegsteilnehmer. Er begab sich dann nach dem neuen Gebäude der In­fanterieschule. Dort hielt der Reichs- Präsident folgende

Ansprache an die Znfanteriefchüler:

„Den Beruf, den Sie sich gewählt haben, stellt hohe Anforderungen an Sie, die in der Erfüllung des Wortes gipfeln „Dulce et devorum eft pro patria mori". Der Offizicrschüler mutz vor allem gehorchen lernen, damit er später zu befehlen ver­steht. Er muß stets dessen eingedenk sein, daß seine Untergebenen ein wertvolles Gut des Vaterlandes sind und daß er sie zu braven, aufrechten, deutschen Männern erziehen soll. Der Offizier muß seine« Leuten zeigen, daß er für sie ein Herz hat. Er muß ein Berater und Gehilfe sein. Machen Sie sich de« Begriff der Kamerad­schaft recht klar, sie muß mehr sein als all­tägliche Freundschaft, denn sie soll sich be­währen auch i« größter Todesnot. Wen« Sie sich alles dessen recht bewußt find, dann werden Sie auch in ihrem öffentli­

chen Auftreten den rechten Ton der Ritter­lichkeit, frei von Ueberhebung und frei von Tnrannei finden. Und endlich bewahren Sie im Dienste Ihre Ehre rcin. Seien Sie befien eingedenk, daß Sie die Tradition der alten Armee zu bewahren und fortzu­setzen haben. Das Mark der Ehre ist die Treue. Dem Vaterland zu dienen, ist un­sere heiligste Pflicht. Und nun eröffne ich hiermit die neue Infanterieschule in dem festen Vertrauen, daß sie eine Pflanzen- ftätte aller edle« deutschen Soldatevtugen- den sein und bleiben wird."

Nach der Ansprache schritt der Reichs­präsident die Front der Infanterieschüler ab und nahm die Vorstellung der am Neu­bau beteiligten Heeresbeamten sowie einer Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung entgegen. Im Anschluß hieran begab er sich zu dem zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen ehemaligen sächsischen Kadetten errichteten Denkmal. Am Fuße des Denkmals legte der Reichspräsident einen Kranz nieder. Auch Neichswehrminister Dr. Gehler und der Chef der Heeresleitung General Hetze legten Kränze nieder, letz­terer zugleich im Namen des Generalober­sten von Seeckt. Hierauf begab sich der Reichspräsident in den Dvrtragssaal des neuen Gebäudes. Hier sprach der Kommandeur der Infanterieschule, Gene­ralmajor von Amsberg, den Dank der Infanterieschule für das Erscheinen des Reichspräsidenten aus und für das von ihm gestiftete Portrait, das von Professor Vogel gemalt ist und den Reichspräsiden­ten in Marschalluniform darstellt. Sodann Wurde im Speisesaal ein einfaches Früh­stück eingenommen. Die Abfahrt des Reichs­präsidenten erfolgte gegen vier Ahr.

Ein Zwischenfall.

Bei der Fahrt des Reichspräsidenten durch die Königsbrücker Sttahe durch - brach ein Mann die Absperrung, sprang auf das Auto des Reichs­präsidenten und überreichte mit den Worten: „Du bist mein Heiland!" einen Brief. Der Mann wurde festge­nommen.

Nach einer Mitteilung des Polizeipräsi­diums ist der Täter der ftühere Kellner Max Krause, der bereits viermal we­gen Epilepsie in der Heil- und Pflege- anstall untergebracht war, am 14. Sep­tember d. I- aber entgegen dem Anraten der Aerzte auf Bitten seiner Familie ent­lassen wurde. Krause wurde heute in die Anstalt zurückgcbracht. Ein Attentatsver­such liegt nicht vor. Krause hatte weder Waffen bei sich noch hat er den Versuch gemacht, sich an dem Herrn Reichspräsi­denten zu vergreifen.

Ste neuen «erWeten

Berlin, 18. Nov. (WTB.) Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute in der zweiten Lesung des Ge- richtskostengesetzes die Kostengebüh­ren folgendermaßen fest:

Im bürgerlichen Rechtsstteitderfahren beträgt die Gebühr bei Stteitgegenständen im Wette bis zu 20 Reichsmark 1 RM., von 20—60 RM., bei höheren Wetten bis zu 1000 RM. 3 Prozent, bis zu 2000 RM. 2 Prozent, bis zu 10 000 RM. 1 Prozent, von dem Mehrbettage V, Pro­zent abgerundet wird auf die nächst höheren 100 RM., beim Streitwett von mehr als 20 000 RM. auf die nächst höheren 1000 RM., bei nicht vcrmögenSrechtlichen An­sprüchen wird der Stteitwett aus 2000 RM„ ausnahmsweise nicht unter 500 und nicht über 50 000 RM. angenommen. Bei Zurücknahme des Antrages in der münd­lichen Verhandlung ermäßigt sich die (3>e».

bühr auf 1/4. Im Strafverfahren erster Instanz steigen die Gebühren von 5 RM. bei Freiheitsstrafe bis zu einer Woche 300 RM., bei Freiheitösttafe von mehr als 5 Iahren, bei Bestrafungen zu Geldstrafe beträgt die Gerichtsgebühr 10 Prozent der Geldstrafe, mindestens aber 5 RM. und höchstens 10 000 Reichsmatt und nicht über den Bettag der Sttafe. Die Vorschuß- Pflicht wurde nach längerer Debatte mit 13 gegen 9 Stimmen beibehalten, aber in einer Entschließung der Reichsregierung um Aufhebung am 1. Ianuar 1929 ersucht.

„Emden" und „Hannover".

Berlin. 18. Nov. Der Schulkreuzer „Emde n" ist am 17. November in La Coruna eingetroffen und wird am 27. November nach Lanzareto in See gehen. Das Linienschiff „Hannover" ist am 16. November von Porte de Praia, wo es, besonders herzlich empfangen wurde, nach Palma in.See gegangen. .

Ein teniftter Wer

von testeten gelMt?

Wie der in Innsbruck erscheinende Tiroler Anzeiger aus Südtirol meldet, ist ein in Meran wohnender deutscher Maler wegen der angeblichen Aeußerung, er 6e« dauere, daß die Kugel des Attentäters Mussolini nicht getroffen habe, von Faschi­sten in die Passer geworfen worden. Seine Leiche konnte noch nicht gesunden werde«. Ueber den Namen des Malers konnte noch nichts näheres festgestellt werden.

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Auflösung deutscher Turnvereine.

fk. Innsbruck, 19. Nov. Wie die Blätter melden, hat die Anterpräfektur von Meran im Auftrag des Präfetten von Trient die Turnvereine des Burggrafen­amtes aufgelöst.

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SvNjktrichlimd und ter Völkerbund

Moskau, 18. Nov. Die „Jswestiia" weift auf die Ratschläge der deutschen Presse, insbe­sondere des „Berliner Tageblatts" an die Türkei bin, dem Völkerbünde beizutreten, und betont, daß auch die deutsche Diplomatie sich in dieser Richtung betätige und dadurch die Bemühungen England» und Italiens unter­stütze, der türkischen Außenpolitik ihre Unab­hängigkeit zu nehmen. Die führenden Kreise Deutschlands mühten bedenken, dah diese Dienste an England und Italien sich womöglich für Deutschland selbst als zu teuer erweisen könnten. Hinsichtlich der Ratschläge Deutschlands an die Sowjetunion, dem Völker­bünde beizutreten, mühten die öffentliche« Kreise Deutschlands, die glauben, fie mähten zwischen der Sowjetunion und dem Völker­bünde die Rolle eines „ehrlichen Maklers" spielen, bedenken, dah seinerzeit Bismarck erst nach Einwilligung beider Parteien die Ver­mittlerrolle übernommen habe. Es hiebe über die Grundlagen de, sowjetrussischen Auhen- volitik zu wenig unterrichtet {ein, »en« man die Möglichkeit des Beitritts der U.S.6.Ä. rum Völkerbund in Erwägung ziehe.

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tefn Abbruch tes tnollhten NcrgacbeterHmkS

ft London, 19. Rov. Durch Vie Ab­lehnung der Regierungsvorschläge ist di« Latze des Bergbauarbeiterverbandes sehr schwierig geworden. Die Abstimmung tN gibt eine Mehrheit von 160 000 Stirn« men gegen die Regierungsvor­schläge.

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Neuliche Sauarbeiten in Frankreich

fk. Berlin, 19. Nov. iWe die Blät­ter melden, ist zwischen einem Konfvttinm deutscher Baufirmen und der ftanzösischen Regierung über die Ausführung von öffentlichen Arbeiten bei Verdun ver» handelt worden. ES handett sich um ein Objett von 25 Millionen Reichsmark. Die Bezahlung soll zum Test über Repara- tionSkontv erfolgen. Gleichzeitig wird über die Ausführung von Mehrarbeiten an der Seine verhandelt. Von amerikanischen, englischen und ftanzösischen Banken und führenden deutschen und französischen Dau- wirtschaftStteisen ist eine Reparation S- BauwirtschaftSbank mit dem Sitz in Paris gegründet worden, die den 30pro- zentigen Anteil finanzieren soll, der nach dem Dawesplan für die Bezahlung öffent­licher Arbesten durch Deutschland nicht in Frage kommt.