Stnnitilng, ten 18. Rvvbr. 1926
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London. 16. Ron. (Wolff.) Reuter meldet aus Helfingfors, in gut unterrichteten Kreisen werde erklärt, die Verhandlungen über einen rufsisch-finischen Richt- angriffs-Pakt seien so gut wie auf einem toten Punkt angelangt infolge der Schiedsspruchsklausel, die von Finnland vorgeschlagen, von Ruhland aber abgelehnt worden sei. Es werde erwartet, dah die Verhandlungen auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden mühten.
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Panik an ter WM Mir
fk. Paris, 18. Nov. Die Pariser Börse hatte gestern, wie der »Berl. Lok.Anz." berichtet, geradezu einen schwarzen Tag. Unter dem Einfluß der weiteren Klärung der 'nner- volitischen Lage ging das Pfund Sterling von 145% auf 141 zurück. Die Flaute am Devisenmarkt zog auch den übrigen Markt in Mitleidenschaft, und fast alle französischen Jndustrie- vaviere und ausländischen Papier« hatten Kurseinbuhen von 10 Prozent und mehr zu verzeichnen. Es herrschte eine Panik, die dadurch verstärkt wurde, dah verschiedene grobe Firmen wegen Geldmangel zur Liquidation gezwungen waren. -
AuMteilimgtn NnlimWll Seltenen
London, 17. Nov. Der Athener Berichterstatter der „M. P." meldet: Italienische Soldaten, die in Kalymos (Dodekanes) griechische Häuser durchsuchten, drangen auch in das Haus eines Mannes, dessen Frau Engländerin ist, ein. Die Italiener zerrissen Bilder des Königs und der Königin von England, obgleich die Engländerin, indem sie eine englische Fahne vor sich hielt, ihnen Stücke der Bilder entriß. Die Italiener sprengten das Saus des Bürgermeisters in die Luft und warfen eine griechische Flagge in die See.
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Sieten Sete bei einem Sugim- elütf in Amerika
Portland, 17. Nov. Der Expreßzug Cincinnati—New Orleans ist auf einem Bahnübergang mit einem Automobil zusum- mengestohen, wobei der Zug entgleiste. Zwei Personen wurden dabei getötet und sechs verwundet. Zwischen dem zur Hilfe entsandten Motorwagen kam es auch noch zu einem Zu- fammenstoh, durch den fünf Personen getötet Und 19 verletzt wurden, so dah das Unglück im ganzen sieben Todesopfer gefordert hat.
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Ser Ueterfall auf »en Dampfer «Samiing"
Hongkong, 17. Nov. (WTB.) Zu dem Ueberfall auf den Dampfer „Sun- ning" der chinesischen Schiffahrtsgesellschaft wird weiter berichtet, daß die Mannschaft des englischen Kriegsfahrzeuges „Blue- 61II" der von den chinesischen Seeräubern in Brand gesteckten „Sunning" zu Hilfe eilte. Neun chinesische Seeräuber wurden gefangen genommen. Die „Bluebell" sand weiter ein mit fliehenden Seeräubern besetztes Boot auf. Ein norwegischer Dampfer hielt ein anderes Boot an, in dem sich drei Offiziere, zwei Mann und ein weiblicher Passagier der „Sunning" befanden. Das Marineministerium in Tokio hat beschlossen, ein Kriegsschiff zum Schutz gegen derartige räuberische Ueberfälle in Dienst zu stellen..
Sie SlbrflfWfrage im Stechnns
Stränge gotWttc »er allgemeinen AteWimg
London, 17. Ngv. In der heutigen Sitzung sprachen Lord Parmoor und Lord Oxford über Abrüstung und Mili- tärfragen. Ersterer verwies darauf, dah Großbritannien sich zur Abrüstung verpflichtet habe und erklärte, Deutschland beschwere sich über die Ungerechtigkeit, dah ihm Entwaffnung auferlegt werde, ohne dah zugleich die andern Länder ihre Verpflichtungen ausführten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dah man die Stelle der internationalen Militärkontrolle eine neutrale und unparteiische Ueberwachung durch den Völkerbund trete.
Lord Oxford hob hervor, dah die Entwaffnung Deutschlands eine vollendete Tatsache sei und trat ebenfalls für die allgemeine Abrüstung ein.
Beiden Rednern antwortete namens der Regierung Lord Cecil. Er erklärte zur Abrüstungsfrage, dah diese von zwingender Notwendigkeit sei und daß kein Zweifel darüber bestehe, daß die internationalen Verpflichtungen auf Herabsetzung der Rüstungen vollkommen klar und endgültig seien. Die internationalen Ver- hältnisie seien bisher für einen Versuch zur internationalen Abrüstung nicht sehr günstig gewesen, doch sei insbesondere durch das Locarnoabkommen viel zur Besserung
der Lage getan worden. Cecil erklärte weiter, dah nach seiner Ansicht die großen Schwierigkeiten in der Abrüstungsfrage keineswegs von der Tatsache abhängen, dah kein Schiedsgerichtssystem endgültig geschaffen worden sei.
Mit Bezug auf die C «t w a f f n u n g Deutschlands sagte der Redner, dah diese, wie er glaube, uicht (!) sehr eng mit der Frage der a l l g e - meiuen Abrüstung verbunden sei.
Die britische Regierung sei äußerst bestrebt, diese Frage zu erledigen. Im wesentlichen habe Deutschland auf jeden Fall den bei weitem größeren Teil seiner vertraglichen Verpflichtungen ausgeführt. Er glaube, dah nur etwa drei oder vier Fragen von irgendwelcher Bedeutung noch erledigt werden müßten, und die britische Regierung hoffe, daß sie in angemessener Zeit erledigt sein würden. Mit bezug auf den Fortschritt der allgemeinen Abrüstung gab Lord Cecil eine Verzögerung in dieser Frage zu, erklärte jedoch, daß diese unvermeidlich sei und daß seht grohe Fortschritte während des letzten Jahres gemacht worden seien. Die Äbrüstung werde jetzt in einer Weise wie niemals in den letzten Monaten verhandelt (!).
Mäuteroerban» nnb tee Rachfelge v. geringen»
Berlin, 16. Nov. Die Presseabteilung des Deutschen Reichskriegerbundes „Khffhüuser" teilt mit, dah über die Rachfolgeschaft des verstorbenen 1. Präsidenten des Khffhäuserbundes, Generaloberst v. Heeringen, noch keine endgültige Entscheidung getroffen ist. Insbesondere entbehren die Zeitungsmeldungen, nach denen General von Morgen für diese leitende Stelle der Deutschen Krieger- vereinsorganisativn ausersehen sei, jeder Grundlage: es ist von keiner autorisierten Stelle mit General v. Morgen hierüber Fühlung genommen worden. Dadurch entfallen auch die an diese Falschmeldung geknüpften Erörterungen über eine veränderte politische Einstellung der Kriegervereine. Durch die Neuwahl des Präsidenten wird die in den Satzungen verankerte parteipolitische Neutralität der Kriegervereine überhaupt in keiner Weise berührt werden.
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Discount d'Nbernon erklärte in seiner Antwort auf dem Diner, das zu seinen Ehren heute abend im Savoh-Hotel stattfand: _ Ich bin überwältigt durch die reiche Würdigung der Arbeiten, die in Berlin vollbracht wurden. Die Verantwortung und die Anerkennung gehören jedoch in Wahrheit denen, von denen die wesentliche Anleitung kam, nämlich dem Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und der Regierung. Herzliche Anerkennung verdient auch die Unterstützung durch den amerikanischen Botschafter, die einen mächttgen Einfluh mit vollendeter Klugheit ausgeübt hat. d'Abernon fuhr fort: Sogar die Verleumdung kann nicht in Abrede stellen, dah der aktivste und vielleicht an Hilfsquellen reichste Arbeiter auf dem Gebiete der europäischen Befriedung die britische Regierung gewesen sei. Ich würde es bedauern, wenn die Rolle Englands in dieser Angelegenheit unterschätzt würde. Es ist gesagt worden, dah einige unserer kontinentalen Freunde unseren Beittag zum Krieg nicht zu seinem wahren Wert anerkennen. Ich würde unglücklich
sein, wenn unser Beittag zum Frieden ein gleiches Schicksal teilt. Ich bin der Ansicht, daß die enge Verbindung der Unter* zeichner von Locarno, wenn sie in ihrer Integrität erhalten und auf die verschiedenen Sphären des nationalen Lebens, des industriellen, wirtschaftlichen, finanziellen und mllitärischen übertragen wird, den Frieden zur Schaffung gegenseitiger Sicherheit gewährleistet und das internationale Zusammenwirken in einem nie zuvor versuchten, bestimmt nie zuvor erreichtem Mähe gestatten wird.
In der wirtschaftlichen Sphäre ist viel Arbeit zu leisten. Amerika und Europa vergleichen, heißt anerkennen, daß Europa heute unter einem unmöglichen Handicap leidet und, wissenschaftlich betrachtet, unter einem wirtschaftlichen System arbeitet, das vom Wahnsinn nicht wett entfernt ist. Sogar in der politischen Sphäre stehen offenkundig Hindernisse vor uns. Man kann darauf vertrauen, daß die Staatsmänner, die heute am Ruder der auswärtigen Angelegenheiten in den Hauptländern Westeuropas stehen, die neue Politik mit Loyalität, Mut und Aufrichtigkeit durchführen werden. Chamberlain, Driand und Sttesemann, das sind Männer, bei denen sich die Oeffentlichkett darauf verlassen kann, daß sie es zuwege bringen, daß das jetzt geschaffene Fundament einen Oberbau erhalten wird, der des großen Ideals, dem er dient, würdig ist. Aber der Seist von Locarno muß aufrecht erhalten bleiben. Unter den AuSspizien des Völkerbundes gibt es keine Möglichkeit mehr für eine Umkehr zu gegenseitigen Beschuldungen und gegenseitigem Argwohn. Das große Werk muß durchgeführt werden auf dem hohen Stande gegenseitigen Vertrauens, das seine Einleitung kennzeichnet.
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London, 18. Rov. De« Nachrichten au» de» Kohlenbezirken zufolge ist der Friede p« Kohlenbergbau gesichert. 3» Schottland, Rort Cumberland, Yorkshire, Lancashire und Südwales hat sich eine Mehrheit für die Annahme der Bedingungen der Regierung ergeben. Durch die Stellungnahme dieser Kreise ist bte Frage bereits entschieden.. . _•
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Trotz der verschiedenen Darlegungen von deutscher Sette über den Stand der Verhandlungen über die Aufhebung der Mi- lttärkontrolle werden immer wieder von interessierter Sette Nachrichten verbreitet, die den Eindruck aufkommen lassen, als sei man von einer Verständigung noch weit entfernt. Demgegenüber liegen nach unseren zuverlässigen Informationen die Dinge so:
Die deutsche und französische Regierung sowse die Botschafterkonferenz sind sich darüber einig geworden, daß der bisherige schriftliche Weg der Verhandlungen nicht ?Mögend schnell zu dem gewünschten Ziele ührt. Sie haben sich daher enffchloffen, die noch ausstehenden Restf o r d e run- aen in der Entwaffnungsfrage mündlich zu erledigen. Die mündlichen Verhandlungen werden gleichzeitig in Paris und Berlin geführt, in Paris durch den deutschen Botschafter v. Hoesch und durch den ihm beigegebenen Ministerialrat Dr, F ö r st e r vom Auswärtigen Amt, in Berlin durch die einzelnen Stellen der Mi- lttärkontrollkommission, des Auswärtigen Amtes und dem deutschen Entwaffnungskommissar General v. Pawells. Wahrend in Berlin die mehr technischen Angelegenheiten, so die Frage der Kasernen und des Kriegsgeräts, behandelt werden, werden die übrigen Fragen, wie die Angelegenheit der F e st u n g Königsberg, die Frage der ungesetzlichen Einstellung in die Reichswehr und der Sportverbände und einige andere Kleinigkeiten in Paris der Erledigung zugeführt. Alle anderen großen Fragen sind erledigt, besonders die Frage des Oberbefehls derReichs- wehr und der industriellen Abrüstung. Die Frage des Jnstruktionsbuches der Reichswehr ist keine Frage zwischen Deutschland und der Botschafterkonferenz, sondern zwischen Deuffchland und der französischen Regierung.
Nach deuffcher Auffassung verstoßen alle die noch schwebenden Punkte in keiner Weise gegen den Versailler Vertrag, sie bedeuten auch keinerlei Gefährdung der Alliierten. Sie sind also für die Entente bestimmt belanglos, während sie für Deutschland allerlei Bedeutung haben.
Was die Frage des JnvestigationS- rechtes des Völkerbundes betrifft, so erscheint eS notwendig, noch einmal darauf hinzuweisen, daß zwischen dieser Frage uni» der Militärkontrolle kein sachlicher und juristischer Zusammenhang besteht. Die Mi- litärkontrolle, wie sie von den Alliierten ausgeübt wird, muß in dem Augenblick beendet sein, wo Deuffchland die Entwaffnungsbestimmungen voll erfüllt hat. Das JnvestigationSrecht des Völkerbundes besteht, tettdem Deutschland den Artikel 213 des Versailler Vertrages anerkannt hat neben der Milttärkontrolle her, ist aber bisher noch nicht ausgeübt worden.
Von deuffcher Seite wird auch das Recht des Völkerbundes zur Kontrolle nicht bestritten, wohl aber bestehen große deutsche Bedenken in der Frage der AusführungS- bestimmungen des JnvestigationsrechteS, tote sie in diesem bekannten JnvestigationSproto- koll niedergelegt sind. Ob auf der Dezembertagung die Frage der Milttärkontrolle angeschnitten wird, läßt sich zur Zeit nicht übersehen. Wenn es geschieht, wird sich die deuffche Regierung einer Erörterung darüber nicht entziehen, wie sie sich auch nicht gegen eine Ausübung des Jnvesti- gationsrecht durch den Völkerbund sttäuben wird, falls den erwähnten deutschen Bedenken und Vorbehalten gegen das Jnvesti- gationsprotokoll Rechnung gettagen werden tollte. ES ist übrigens interessant zu erfahren, daß die Kontrollederdeutschen Luftfahrt bereits seit AprU d. I. nicht mehr der Militärkontrolllommission, sondern dem Bölkerbundsrat zusteht. Der Völkerbund hat aber sein JnvestigationSrecht bisher noch nicht auSgeübt.
Ei« neues kommunistisches Komvlott i» Bulgarien.
Paris, 17. Nov. Einer Information des „Malin" aus Sofia zufolge ist ein neues kommunistisches Komvlott aufgedeckt worden, an dem mehr als 150 Personen in Sofia und mehr als 800 Personen in der Provinz beteiligt fein sollen. Ein? große Anzahl verdächtiger Personen, darunter der Führer der Kommunisten, Pawloff, seien verhaftet worden. Pawloff habe ein Geständnis abgelegt,