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‘kl—1 Uhr.

MÄlag, ten 16. Novte. 1926

Nr. 276 Weg. 61. Mwbilkll n. Kahn

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Sntervlm Mussolinis mil gmitwln

■ Jfit eine Politik ohne eine enge italienisch- französische Entente."

ff. Paris, 16. Nov. „Matin" veröffent­licht ein Interview Sauerweins mit Mussolini. Zn den italienisch-französischen Zwischenfälle« erklärte Mussolini, die antifranzöfischen Kund­gebungen verurteile eW Er habe die strengsten Rahnahmea getroffen, damit derartige Bor- kommnisie sich nicht wiederholten.

Die Stimme des italienischen Volkes richte sich gegen Frankreich, weil es die Wahl­heimat aller Verschwörer gegen das faschistische Regime sei.

Der Einfluh der Zeitungen eines anderen Landes, z. B. Deutschlands, sei in Italien gleich Null, aber die Pariser Zeitungen hätten stets einen tiefgehende« Widerhall.

Hinsichtlich des Tangerstatuts seien di« Schwierigkeiten beseitigt. Die englische Regierung habe darauf bestanden, dab Italien dem Tangerstatut beitrete. Die vorgesehene Lösung gebe Italien volle Genugtuung. Er Lege keinen Zweifel, dah nach dem letzten Zwischenfall Frankreich und Italien in eine Periode ausgezeichneter Beziehungen eintreten würden. Er habe niemals eine europäische Politik ohne eine enge französisch-italienische' Entente in» Auge gefaht. Er habe angeordnet, bah die Polemik in de« Zeitungen eingestellt »erde.

llsberwackung

»a WsnmzöMtn Grenze

ff Paris, 166. Nov. Wie dem „Ech.> de Paris" aus Toulon für Mer gemeldet wird, übt die Polizei auf Gründ be­sonderer Anordnungen längs der Küste eine strenge Ueberwachung über die dort befindlicheir Spanier und Italiener aus Anlaß dazu geben Meldungen, daß Ange­hörige anarchistischer Vereinigungen aus Amerika, der Schweiz und Italien beab­sichtigen sollen, die Grenze zu überschreiten. ®s soll sich wieder um einen Komplott gegen Mussolini handeln.

Vermittelung Frankreichs im italienisch- südslr. ischen Konflikt?

l Paris, 15. Nov. (XU.) Die Ereignisse in Belgra'». die zu einer starken italienifch-jugo- flawifchen Spannung geführt haben, werden hier stark beachtet. In Pariser diplomatischen kreisen kommt die Anstauung zum Ausdruck, dah Frankreich die Vermittler­rolle übernehmen und in Uebereinstimmung mit Enrland und Deutschland den Streitfall vor den Völkerbund bringen soll, noch bevor es zu wetteren Verwickelungen käme.

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Manches Amerika!

ff. Newyork, 16. Nov. Schatzsekretär Mellon erklärte, dah den Steuerzahlern bei ber nächstjährigen Einkommensteuer,ahlung Mindestens 15 Prozent statt der bisher vor­gesehenen ItVa Prozent des Betrages an- tzerechnet werden sollen den sie im letzten Jahre «zahlt haben, da der Budgetüberschuh doraussichtlich über 300 Millionen Dollar betragen werde.

Ser Strsnrtefltrftettt

Abstimmung der englische« Bergarbeiter.

London, 15. Nov. Die ersten Abstim­mungen der Bergarbeiter in den Kohlen- Azirken sind zugunsten der Annahme der 'iegierungsvorschläge für eine Eini­gung ausgefallen und zwar haben sich Ver- mrumlungen von Bergarbeitern in Clydach, Pale, Blaenavon, Earndiffaith und Abertillery *ä Südwales in diesem Sinne ausgesprochen. Ebenso haben sich die Bergarbeiteroertretungen ®on Borkshire und Warwickshire mit großer Mehrheit für die Annahmeder Re­gierungsvorschläge entschieden.

RÜMkontwIIl MI» Enlwussmmg

Mnn»licht Stthanblungtn Mr »it „Iteltn" eittllfmgtn

Wie verlautet, wird die Reichsregierung, die in den letzten Tagen sich in verschiedenen Ka- binettssitzungen eingehend mit der Frage der Militärkontrolle beschäftigt hat, im Laufe der beginnenden Woche ihren Standpunkt öffent­lich und mit aller Deutlichkeit darlegen. Das erscheint um so notwendiger, als gerade wieder in diesen Tagen aus Frankreich und — wenig­stens teilweise — auch aus England Stimmen herüberklingen, daß Deutschland noch nicht so weit abgerüstet habe, datz die Aufhebung der alliierten Militärkontrolle empfohlen werden könne. In einer sehr merkwürdigen Art neh­men die „Times" zu der Frage der Militär- Kontrolle Stellung. Das Blatt veröffentlicht einen Artikel über das Instr uktions- b u ch für die Reichswehr, der in matzgebenden Kreisen einen außerordentlich unfreundlichen Eindruck heroorgerufen hat. Man steht in deutschen Kreisen auf dem Standpunkt, datz eine derartige Bagatelle, wie sie die Ange­legenheit des Instryktionsbuches für die Reichswehr darstellt, von einem Blatte mit dem Rufe der „Times" wohl besser nicht aufge­griffen worden wäre. Unverständlich ist auch eine Meldung des „Daily Telegraph", worin das Blatt behauptet, datz zwischen der deut­schen Regierung und der Botschafterkonferenz Schwierigkeiten wegen des Vorhandenseins von Maschinenfabriken in Deutschland vorhanden seien, die sowohl zu Kriegs- wie auch zu Friedenszwecken nutzbar gemacht wer­den könnten. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Frage der industriellen Ab- rüstung Deutschlands seit längerer Zeit absolut erledigt ist. Allerdings hat die Frage der deutschen Maschinenfabriken ein außerordentlich schwieriges Kapitel in den sei­nerzeitigen Verhandlungen über die industri­elle Abrüstung gebildet. Namentlich deshalb weil man sich damals auf Entente-Seite auf einen so rigorosen Auslegungsstandpunkt stellte, datz beinahe jede Drehbank unter den Begriff „Kriegsmaterial" gefallen wäre. Die ganze Frage ist aber heute völlig erledigt.

Auch gewisse französische Pressestimmen scheinen in dieser Richtung abzuzielen. So be­haupten „Temps" und „Matin", daß die deutsche Regierung der Botschafterkonferenz das offizielle Versprechen gegeben habe, sämt­liche noch ausstehenden Forderungen der Bot­schafterkonferenz baldigst zu erfüllen. Die französischen Blätter behaupten, daß es sich dabei auch um die Frage der Festung Königsberg und die deutschen Sport­verbände handele. Demgegenüber wird von zuständiger deutscher Seite festgestellt daß die deutsche Regierung keinerlei Verspre­

chen in diesem Sinne gegenüber der Botschaf­terkonferenz abgegeben hat. Sie hat aller­dings immer wieder und nicht zuletzt durch Entsendung des Legationsrates Forster nach Paris bewiesen, daß sie die Angelegenheit so schnell wie möglich zu Ende bringen will. Dem­gemäß werden auch gegenwärtig in Paris und Berlin sehr rege mündliche Verhand­lungen teils mit der Botschafterkonserenz, teils mit der interalliierten Militärkontroll­kommission geführt. Bei diesen Verhandlun­gen hat die deutsche Regierung in der Frage der geftu- 3 Königsberg ihren Standpunkt nochmals dahin präzisiert, daß die Festung Königsberg Deutschland im Versailler Vertrag ausdrücklich als Festung zugestanden worden ist, daß dieses Zugeständnis jedoch feinen Wert verlieren müßte, wenn es Deutschland nicht gestattet sein sollte, die in der Festung Königs­berg nötigen Instandhaltungsarbeiten vorzu­nehmen. Ueber das Ausmaß der Instandhal­tungsarbeiten drehen sich die gegenwärtigen Verhandlungen. Die Frage der Sp 0rtver­st ä n d e bildet gleichfalls Gegenstand diplo­matischer Erörterungen, deren Ergebnis abzu- rvarten ist. Es kann indessen schon jetzt ge­sagt werden, daß die Frage einer Auflö­sung der deutschen Sportverbände nicht zur Diskussion steht.

In Paris scheint man auf dem Standpunkt zu stehen, dah die Militärkontrolle erst dann zurückgezogen werden könne, wenn der letzte Punkt der Entwaffnungsverhandlungen erle­digt und die diesbezüglichen Beschlüsse durch­geführt seien. Eine solche Auffassung lehnt man an maßgebender deutscher Stelle mit aller Entschiedenheit ab. In Frankreich wird man sich jetzt endlich darüber klar werden müssen, welcher Geist für die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in Zu­kunft richtunggebend sein soll, der Geist des militaristischen und nationalistischen Klüngels, dessen Exponent General Fach und seine Ver­sailler Militärkommission ist, oder der Geist des von dem Willen zur Verständigung erfüll­ten Außenministers Briand. Der deutsche Standpunkt ist unverrückbar der, daß die Militärkontrolle jetzt schleuni.gst zu verschwinden hat. In dieser Forde­rung hat die Reichsregierung das gesamte deutsche Volk ohne Unterschied der Partei hinter sich. Es mutz sich jetzt erwei­sen, ob Locarno das hält, was die Völker von ihm erwartet haben oder ob die damals unter­schriebenen Sicherheitsverträge nichts weiter sind als eine schillernde Seifenblase, an deren Anblick man sich kurze Zeit erfreut und die dann zerplatzt.

£>tt ..Stimmer»" bei Nauheim

SiMenburr an »it „ernten“

Berlin, 15. Nov. Der Reichsprä­sident hat dem Kreuzer „Emde n“, der gestern zu seiner siebzehnmonatigen Welt­reise in See gegangen ist, folgenden Funfspruch zugehen lassen: „Dem Kreuzer „Emden", seinen Offizieren und Mannschaften entbiete ich zur Weltreise meine herzlichen Glückwünsche und kame­radschaftlichen Grüße. Ich bin gewiß, dah das Schiff dem ruhmreichen Namen, den es trägt und unserem Vaterlande überall in der Welt Ehre machen wird. gez. Hinden­burg, Reichspräsident".

Auch der Reichswehrmini st er Dr. Gehler und der Chef der Marinelei­tung Admiral Zenker haben Glück­wunschtelegramme gesandt. -

Magdeburg, 15. Nov. (TA.) Die Reichspressestelle des „Stahlhelm" teilt mit, dah die Staatsanwaltschaft Giehen in dem Verfahren gegen den Stahlhelm­schriftleiter Friedrich Wilhelm Heinz we­gen angeblicher Anstiftung zu einem ver­suchten Fememord den Haftbefehl ge­gen Heinz auf gehoben hat. Nachdem der ursprünglich als' ermordet gemeldete'

Oberleutnant Wagner schon vor einigen Wochen verhaftete und der Chauffeur Schwing in die Landesirrenanstalt von Hessen überwiesen worden ist, habe die Staatsanwaltschaft nun auch gegen den einzigen Belastungszeugen „Feme- Schmidt" ein Verfahren wegen Diebstahls, Anterschlagung, Erpressung und Anerbieten eines falschen Eides gegen Geld eröffnet.

Schulstreik in Destfalen.

Dortmund, 15. Nov. Zum Protest gegen die Einsetzung eines Dissidenten als Schulrat für den Schulaufsichtsbezirk Dortmund-Land hatten die Vertreter der evangelischen Eltern des Kreises beschlos­sen, von heute an ihre Kinder 00m Schul­unterricht fernzuhalten. Don den insgesamt 8000 in Betracht kommenden evan­gelischen Kindern ist nicht ganz die Hälfte dem Unterricht ferngeblieben.

Keine Veröffentlichung der Reden über die britische Reichsverteidigung.

ff. L 0 n d 0 n, 16. Nov. Der diplomatische Berichterstatter der „Times" schreibt, es sei für den Augenblick nicht beabsichtigt, die auf der Reichskonferenz über die Reichsverieidigung gehaltenen Reden, auch nicht in Auszügen, zu veröffentlichen.

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Die Nachrichten über den deutschen Wahl sieg in Polnisch-Ostoberfchlesien haben über­all, wo die deutsche Sprache gesprochen wird, allseitige Genugtuung und Befriedi­gung ausgelöst. Der Erfolg der deutschen Wahlgemeinschaft Und der deutschen Sozia­listen ist um so höher zu werten, als von -polnischer Seite nichts unversucht gelassen wurde, die deutschen Wahlvorbereitungen zu hemmen . Wenn trotzdem durchweg bei den Gemeindewahlen am Sonntag gegen­über den Parlamentswahlen im Herbst 1922 und selbst gegenüber der Volksabstimmung ein starkes Anwachsen der deutschen Stim­men zu verzeichnen ist, so muß dieser durch­schlagende Erfolg ganz besonders auch al» ein Mißtrauensvotum der 0 st - oberschlesischen Bevölkerung ge­gen die polnischen Kolonisa­tionsmethoden eingeschätzt werden. Nicht nur in den größeren Städten haben die Deutschen ihren Besitzstand zu wahren und darüber hinaus zu mehren vermocht, auch auf dem flachen Lande, in den kleinsten Dörfern haben die Wahlen die deutschen Minderheiten außerordentlich ge­stärkt, ja sie oftmals sogar in Mehrheiten verwandelt.

Neben dem deutschen Wahlsieg fällt bei Betrachtung des Ergebnisses die geradezu klägliche Niederlage der von dem Verbände der Aufständischen und des West­markenvereins aufgestellten Liste in die Au­gen. In Kattowitz z. B. entfielen auf sie nicht einmal 10 Prozent der abgege­benen Stimmen und in den meisten Ort­schaften ist die Liste völlig ausgefallen. Ein deutlicheres Urteil über die Tätigkeit» dieser, von dem Wojewoden mit allen Mit­teln geförderten Leute, die sich als Herren des Landes betrachteten und alle Anders­gesinnten rücksichtslos unterdrückten, konnte nicht erwartet werden. Als Hochbur­gen des Deutschtums erwiesen sich auch diesmal wieder vor allem Katto­witz und Königshütte. In Katto­witz erhielt von 60 Sitzen die deutsche Wahlgemeinschaft 29 und die deutschen So­zialisten 5, denen 26 polnische Sitze gegen­überstehen, wobei die Mandate der Mie­terschutzpartei, der Mittelstandspartei und der Kustos-Partei mit einbezogen sind, trotz­dem feststeht, datz nicht alle für diese Split­terparteien abgegebenen Stimmen als pol­nische angesehen werden dürfen. Diese Splitterparteien erhielten 7 Sitze. Noch größer ist die deutsche Mehrheit in Kö­nig s h ü t t e. Dort haben von den 54 Sitzen die deutsche Wahlgemeinschaft 32, die deutschen Sozialisten 6, die beiden deutschen Liften zusammen 38 Mandate erhalten, während die polnischen Parteien nur 14 und die Kommunisten 2 erhielten.

In seiner ganzen Größe aber wird der beispiellose Erfolg der Deutschen erst er­kennbar, wenn man das Ergebnis in den kleineren Städten betrachtet. Von diesen scheint, soweit sich das überblicken läßt, Lublinitz die einzige zu sein, die eine, wenn auch ziemlich kleine, polnische Mehrheit hat. In allen größeren Ort­schaften, z. B. Schoppinitz, Schwientochlo- witz, Rybnik stehen Deutsche und Polen sich einander gleich. Verhältnismäßig große deutsche Minderheiten haben Ruda (9 deut­sche, 7 polnische Sitze), Pleß (14 deutsche, 10 polnische), Nikolay (13 deutsche, 10 pol­nische), Bismarckhütte (15 deutsche, 7 pol­nische, 2 Kommunisten) und Karlowitz. Hier lag noch kein zahlenmäßige» Ergebnis vor. Aber auch in den kleineren Dörfern, die bei den Parlamentswahlen im Herbst 1922 und auch bei der Volksabstimmung nur geringe deutsche Minderheiten ergaben, ist die Zahl der deutschen Stimmen außerordentlich an- gewachsen.

Zeitungsverbote, tätli che An­griffe, Bestechungsversuche größ­ten Stils und offene wie ver­steckte Drohungen haben also nichts vermocht, die deuts che Be­völkerung an der klaren Bekun­dung ihres Willens abzuhalten. Wenn so der Wahlausfall auch für die polnische Regierung und ihre Nachgeordneten Organe in Ostoberschlesien ein deutlicher Fingerzeig ist oder doch sein müßte, darf man nicht allzugrotze Hoffnungen hegen, daß die polnischen Machthaber die Sprache der Gemeindewahl verstehen wollen und dar­aus die erforderlichen Schlüffe ziehen. Es wird noch lange unentwegter Arbeit der Vertreter des Deutschtums in Oberschlesien bedürfen, um die ihm gebührende Geltung zu erringen.