Mittag, Ml 15. Stobt. 1926
fH< ^vberhesfisch« Stihmg- w scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. auf* schließ!. Zustellungsgebühr, durch piePost2Ul5 SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder «lementarer Ereignisse ausfallend« fZuntmetn wird kein Ersatz geleistet. Verlag d. Dr. §. Hitzervth, Druck der Univ.-Buchdruckerei d. 3ob. Sing. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Slot* Frankfurt u. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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D u is b u r g, 14. Roo. ($818.) Auf Beran- laffung der Staatsanwaltschaft wurden in den Büros grotzer Firmen in Duisburg und Ruhrort von Beamten der Kriminalpolizei und der Finanzämter eingehende Durchsuchungen vorgenommen. Nutzer umfangreichen Korrespondenzen wurde auch eine Anzahl Haupt- und Kassenbücher beschlagnahmt die als BeWsis- matcrial für die in die Millionen gehenden Steuerhinterziehungen dienen. Auch aus Privatwohnungen höherer Angestellter wurde eine Menge Beweisrnaterial beschlagnahmt. In Duisburg-Merderich rauben von der Polizei mehrere Verhaftungen vorgenommen. In Verbindung mit der Mülheimer Kriminalpolizei wurden dort ebenfaßls mehrere Haussuchungen vorgenommen, die z. T. wertvolles Beweis- material erbrachten, auf Grund dessen eine Reihe in die Kohlenschiebersache verwickelte Personen verhaftet werden konnten. Sämtliche Verhaftete wurden noch im Laufe des Sonntags dem Untersuchungsrichter vorge- sührt, der gegen alle Frstgenommenen Haftbefehle erlietz.
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Der diplomatische Berichterstatter des »Daily Telegraph" befaßt sich mit dem »Dualismus der französischen Diplomatie gegenüber Deutschtond". Demzufolge hätten die französischen Militärbehörden zur Kenntnis der Botschafterkonferenz die Verbreitung eines Handbuches für Soldaten in Deutschland gebracht, das dazu bestimmt gewesen sei, an die verlorenen Provinzem und Kolonien zu erinnern. Die ftanzö- sische, brittsche .belgische und andere Regierungen seien übereingekommen, diese Frage auf diplomatischem Wege und ge- cheim zu behandeln. Berlin habe versprochen, daß anstößische Handbuch zu unterdrücken, und alles schien schön und gut, als die polittschen und militärischen Hauptgegner Briands sowie Pertinax in der Pariser Presse diese deutschen Indiskretionen enthüllten. Für die englische Regierung bedeute diese Art chauvinistischer Veröffentlichung nichts sehr Beunruhigendes. Denn das Handbuch sei kein geheimes militärisches Uebungs- 6 u cf>, sondern liege offen zum Verkauf aus.
In Frankreich dagegen habe es einen neuen Ausbruch des Mißtrauens verursacht und habe die sehr scharfmacherischen Elemente im Kabinett Poincare und im französischen Generalstab gestärkt. Dies hebe Br'.and angeblich gezwungen, vielleicht eine unnachgiebigere Haltung geg. nüber dem deutschen Botschafter v. Hoc) ch anzunehmen, als er ursprünglich anzunehmcn beabsichtigt habe. Die Botschafter Hütten ihre Befriedigung mit den letzten Aenderungen im deutschen Oberbefehl zu Druck gebracht, aber General Walch und der Versailler Mi- *litärausschuh hätten beide betont, daß Deutschland nicht richtig abgerüstet habe, und daß sie die Abschaffung der Militärkonttolle nicht anempfehlen könnten, dies geschehen sei. Der Korrespondent bemertt, da Deuffchland die militärischen Geheimorganisattonen niemals vollständig auffösen könne, könne Paris darin einen passenden Vorwand für die Verzögerung der Aufhebung der Militärkontrolle auf einem unbegrenzten Zeitraum finden. Frankreich erllüre, daß es eine Frage seiner nationalen Sicherheit sei, über die es selbst ttotz der Locarnvgarantte Richter bleiben müsse. Die brittschen diplomatischen Kreise seien nicht geneigt, be- züglich dieses Punttes in die Franzosen zu dringen.
Zu der von Frankreich allein aufrecht erhaltenen und von Deuffchland nachdrück- Ita abgelehnten Auslegung des Art. 213
Die Wahlen in SSerschlesien und Sachsen
6to6tr Erfolg btt btnlitbtn Litten in S!l Met Wessen
fh. Kattowitz, 15. Roo. Soweit bis jetzt ein Ueberblick möglich ist, kann damit gerechnet werden, daß die deutschen Parteien mindestens 50% aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen werden.
ft. Kattowitz, 15. Nov. lieber das Ergebnis der Eemeindewahlen in Oberfchlesten wird weiter berichtet: In 16 von 24 Gemeinden des Kreises Kattowitz (anker der Stadt Kattowitz) erhielten die Polen 120 Mandate lind die Deutschen 48. In 12 von 16 Gemeinden des Kreises Schwientozchlowitz erhielten die Polen 67 Mandate und die Deutschen 7 4.
In Königshütte-Stadt erhielten die Kommunisten 2, die polnischen Sozialisten 3, die deutschen Sozialisten 6, die deutschen Parteien 32, der Korfanty-Block 11 Mandate.
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Die SemembewEm in Emhjtn
Leipzig.
fk. Leipzig, 15. Nov. Es erhielten: Sozialdemokratische Partei 26, Alte sozialdemokratische Partei Sachsens 1, Unabhängige 1, Kommunisten 14. Demokraten 4, Wirtschaftspolitische Gemeinschaftsl.jte 19, Auswertungs- Partei 6, Nationalsozialisten 1, Mittelstandspartei 3 Sitze.
Dresden.
fk. Dresden, 15. No». Es erhielten: Sozialdemokraten 26, Kommunisten 10, Alte so- zialdemokratsche Partei 3, Demokraten 5, Zentrum 1, deutsche Volkspartei 10, Wirtschaftsgruppe 6, Hausbesitzer 3, Aufwertungspartei 2. Teutfchnationale 9 Sitze. Die Bürgerlichen verloren 8 Sitze.
Chemnitz.
fk. Chemnitz, 15. Nov. Es erhielten: Sozialdemokraten 17, Kommunisten 14, Demokraten 3, Deutsche Bolkspartei 8, Deutsch-
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nationale Volkspattei 8, Wirtschaftspartei 6, Nationalsozialisten 1« Aufwertungspattei 2 Sitze.
Zwischenfall bei der Leipziger Stadverordne- tenwahl.
fk. Leipzig, 15. Nov. Anläßlich der Leipziger Stadtverordnetenwahl kam es gestern in Leipzig-Neuschönfeld zu einem Zusammenstotz zwischen Polizei und Beamten und einem Trupp Roter Frontkämpfer. Die Polizeibeamten wurden mit Stöcken geschlagen. Drei Personen wurden festgenommen.
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Staütverordnetenwahl in Karlsruhe. »
fk. Karlsruhe, 15. Nov. Es erhielten an Mandaten: Zentrum 19, Sozialdemokraten 24, Kommunisten 6, Demokraten 5, Deutsche Volkspartei 12, Deutschnationale und Vaterländische Verbände 9, Reichsverband für Auswertung 5, Wirtschaftliche Bereinigung 3, Ergebnis der Mannheimer Stadtverordnetenwahlen.
fk. W a n n h e i m, 15. Nov. Bei den Stadtverordnetenwahlen erhielten: Sozialdemokraten 21 442, Unabhängige 916, Zentrum 10 861, Deutsche Volkspartei 9022, Wirtschaftliche Bereinigung 2835, Demokraten 4796, Deutsch- nationale 10184, Christlich-Soziale 931, Reichs- Pattei für Bolksrecht und Auftvettuug 1488s ' Deutsche Aufwertnngspartei 593 Stimmen, Unabhängige 2199 Stimmen. Wahlbeteiligung etwa 45 Prozent.
Ergebnis dec Bürgerschaftswahlen in Lübeck, fk. Lübeck, 15. Nov. Bei den gestrigen Bürgerfchaftswahlen in Lübeck erhielten die Sozialdemokraten 35 (bisher 28), Kommunisten 5 (10), Demokraten 2 (7), Haus- und Grundbesitzer 0 (3), Aufwertungspartei 1 (0), Zentrum 1 (0), Hanseatische Volkspattei 36 Mandate.
des Versailler Vertrags schreibt der Korrespondent, gestern sei zum ersten Male in verantwortlichen britischen Kreisen der Gedanke, den Haager Gerichtshof aufzufordern, eine Enffcheidung über die nichttge Auslegung dieses Artikels zu treffen, ernstlich erwogen worden. Alles dieses beweise, daß sehr wenig wesentliche Fortschritte auf der im nächsten Monat stattfindenden Sitzung des Völkerbunds- rates erwartet werden könnten.
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Rom. 14. Rov. 5m Fleimsta! (Dolomoten) bei Paneveggio waren gestern 14 Waldarbeiter vor einer Baracke versammelt, als vor der Hütte eine noch ans der Kriegszeit stammende Granate explodierte, mit der verwntlich nnvor- sichtig nmgegangen war. Bon den anwesenden 14 Personen waren 11 sofort tot, darunter 3 Franen. Die brei anderen Personen wurden schwer verletzt. Eine davon starb bald daranf im Spital. Ev find größtenteils italienische Arbeiter rwischen 18 und 20 Sorten.
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Witbelssimn auf btn Milchpintti
Paris, 13. Nov. (WTB.) Wie die Agentur Judo Paeisie aus Manila berichtet, ist in der Nacht vom 5. auf den 6. November dort ein Wirbelsturm niedergegangen, über den man erst am 10. November Nachrichten erhalten konnte. In den Provinzen Watangas, Ta- gayas, Laguna und Cavtte zählt man ungefähr 400 Tote und Vermißte. Zwei
tausend Häuser sind zerstört worden. Die Ernte ist stark in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil vernichtet worden.
einiBtitong btS AMsssssmals bei Nlttmm
Veltheim, 14. Rov. (WTB.) Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung und in Gegenwatt von Vettretern militärischer und ziviler Behörden und der Angehöttgen fand heute in Veltheim die Einweihung des Reichswehrdenkmals für di» am 31. März 1925 in der Weser ertrunkenen Reichswehrsoldaten statt. Die Divisions-, Pfarrer hielten Ansprachen und Generalleutnant Freiherr v. Ledebour feierte die Steue und Pflichterfüllung der ertrunkenen Soldaten. Rach dem Liede „Ich hott' einen Kameraden" feuerte die Ehrenkompagnie eine dreifache Salve ab. Mit einem Dorbeimaffch vor General Reinhard nahm die schlichte Feierlichkett ihr Ende.
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zur entnahmt von Mnrintnlltn
Berlin, 13. Nov. Im Anschluß an die Benutzung von Marineakten durch den früheren Großadmiral v. Tirpitz wird den Blättern mitgeteilt, daß die Benutzung der. Allen des Marinearchivs jedermann offen stehe. Das Reichsmarineministerium habe sich bereits im Februar schriftlich über diesen Punkt geäußert. Die Behauptungen, es seien Akten aus dem Marinearchiv entnommen und erst nach längerer Zeit in nicht ordnungsgemäßem Zustande ruruckgegeben worden, seien völlig unzutreffend. Es habe eine eingehende Nachprüfung der einzelnen Akten, ja sogar der einzelnen Blätter, stattgefunden, wobei sich ergeben habe, daß alles in Ordnung war.
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Ein richtiges Bild des Standes der überseeischen Auswanderung eines Landes erhält man nur dann, wenn man einen gröberen Zeitraum als DergleichSmatzstab nimmt. Den Verlauf der deutschen überseeischen Auswanderungsbewegung weisen am besten die Halbjahreszusammenstetlungen deS Statistischen Reichsamtes nach. Nach dem letzten Halbjahresausweis, umfassend die Monate Januar bis einschließlich Juni de» Jahres 1926, haben insgesamt 34 231 Auswanderer das deutsche Reichsgebiet verlassen. Gegen das Vorjahr (32 748) bedeutet diese Zahl eine Zunahme der Auswanderer um 1 483. gegenüber dem Jahre 1924 (30 388) eine Zunahme um 3 843. Die Höchstziffer des Jahres 1923 mit 40 872 ist hiernach erfreulicherweise nicht wieder erreicht wo» den; es ist aber doch fett 1924 wieder ein langsames Anschwellen der AuSwande- rnngsziffern zu beobachten. Auf die einzelnen Monate deS ersten Halbjahres 1926 verteilt, ergibt/ sich allerdings eine abschwellende Bewegung. Es wanderten nämlich aus:
im Januar 5 727, im Februar 4 615, im März 6177, im April 7160, im Mai 7 060, im Juni 3 492.
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Gruppe Eisen- und Metallindustrie, Elektrotechnik und Feinmechanik das größte Kontingent mit 3 467 erwerbstätigen Ausmaß perern, dann folgen das Baugewerbe mit 1 205 (14,6 v. H.), das Bekleidungsgewerbe mit 830 (10,00 v. H.) und zuletzt der vft»- ban mit 353 (4,3 v. H.
Die Kurve steigt also in den Monate» März, April und Mai beträchtlich an, fällt aber int Ium stark ab auf ungefähr die Hälfte der Maizimmer. Im Juli 1926 steigt die Kurve mit 3 761 um einige Hundert, im August 1926 mit 4 466 eben« falls nicht unbeträchtlich gegenüber dem Vormonat an, wobei in diesen beiden M» naten die über Antwerpen Ausgewanderten -nicht berücksichtigt sind. DaS Bild der deutschen überseeischen Auswanderung ist also ein sehr unregelmäßiges und schwankendes.
Um einen Ueberblick über die Berufs« verhältnisse der Ausgewanderten zu gewinnen, müssen von den 34 231 nachge- wiesenen deutschen Auswanderern zunächst 1 719 Personen, die entweder keinen Beruf hatten, ober ihn nicht näher bezeichneten» ausgeschieden werden. Es verbleiben also zur Berücksichtigung 29 015 Auswanderer. Hiervon waren 21 285 (73,4 v. H.) hauptberuflich Erwerbstätige und 7730 = 26,6 p H Angehörige von Auswanderern. Die Zahl der mitgenommenen Angehörigen fällt also nicht sehr ins Gewicht, ausgenommen bei der Landwittschaft, wo auf insgesamt 6 607 Auswanderer allein 2 634 Singen j hörige entfallen.
Nimmt man die Zahl der erwerbstätigen Auswanderer lSelbständ.ge, Unselbständige und Angehörige) in den drei großen Berufskategorien Landwittschaft, Industrie und Handel zusammen, so ergibt srch, daß die Industrie aller Branchen immer noch die meisten Auswanderer mit 11 692 Menschen stellt, dann folgt gleich die Landwirtschaft mit 6 607 Köpfen, und dann erst Handel und Verkehr mit 5 658 Köpfen. Diese Zahlen lassen einen Schluß auf die Geschäftslage der Hauptgewerbe in Deutschland zu. Von den einzelnen Industrien stellen -die meisten Auswanderer: die Elsen» und Metallindustrie (4 831), die Nahrungs- und Genußmittelindustrie (1159), das Bekleidungsgewerbe (1 065) und daS Bau- gewerbe (1 694), während beispielsweise die chemische Jndusttie im ersten Halbiahr 1926 nur 143 Auswanderer gestellt hat.
Scheidet man die Angehörigen gart* aus und beschränkt sich auf die ftlb- und unselbständigen Erwerbstätigen, dann zeigt lick folgendes Bild: auf die Land- utä> Nrstwfttschast entfallen 3 973 (18,7 toJÖJ, auf Bergbau, Industrie und Baugewerbe 8 261 (38,8 v. H.), auf Handel und Verkchr 4 431 (20,8 v. H.), auf Verwaltung, Heer und freie Berufe 668, (3,1 v. H.), auf Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege 318 118» H.), auS häusliche Dienste und Lohnarbeit wechselnder Art 3 634 (174 vH.). Bei dieser Aufstellung stehen also die Hauptgewerbe in der Rerhenfotze ändulttie, Handel und Landwittschaft.
inen relativ hohen Prozentsatz der