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Mittag, Mn 8. Rvvbr. ISA

Vi, ^Vberhrsilsch« Seitung" w scheüll sechsmal wöchentlich. Be- ^.gsdrris monatlich 2 SM. aut- Meßt. Zuskllungsgebühr, durch hi«Post2L5 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder chementarer Ereignisse ausfallend« Rmnmern wird kein Ersah ge­mistet. Verlag d. Dr. §. Hlheroid, Druck der Unib.-Bulddruckerei v. Zeh. Ang. Koch, Marti 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. W. Rr, 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und «fei1 Uhr.

Marburger rageSauzelger

Mische Lan-eszeitung

Nr.M 61. SMS. Marburg a. Laba

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Glu rotiltrts Mit GarltaW

Str ftatatonter-Wb auf ifolMftt Anregung trsaniitetf?

Paris, 7. Nov Heute nachmittag ist Garibaldi weiter verhört worden. Wie die Havasagentur berichtet, hat er schließlich eingestanden, in der Zeit vom 14.18. Oktober in Parisgewesen au fein. Er habe dort mit den Polizei­beamten ßapoIIa und Scala eine lange Unterredung gehabt, in der beschlos­sen worden sei, das Scivoli nach Italien fahren sollte, um den italieniichen Re­publikanern Briefe und durchgerissene Postkarten, die als Erkennungszeichen bei einer Ansammlung von Republikanern dienen sollten, die gleichzeitig mit der katalonischon separatisti­schen Bewegung stattfinden sollte, zu übermitteln. Lapolla und Scala hätten dann Paris verlassen und Garibaldi in Nizza getroffen. Einige Zeit später sei auch Scivoli dorthin gekommen in der Hoffnung, die ihm anvertraute Misson durchführen zu können. Inzwischen sei aber Lapolla von der französischen Sicher­heitspolizei verhaftet worden und an die italienische Grenze zurückbefördert worden. Dadurch sei die Reise Scivolis nach Italien unterbrochen worden, denn seinen Pass habe man unter den Papieren des verhafteten italienischen Polizeibeamten gefunden.

Garibaldi scheine mithin zu bchauptcn, baß die beiden italienischen Polizeibeam­ten in dem Augenblick eine Bewegung Hervorrufen wollten, in dem die Katalonier in Spunien ein- rücken sollten. Die italienische Polizei hätte dann mit einem Schlage die Repu­blikaner Italiens, die auf einem bestimmten Punkt zusammenberufen wor­den wären, und sich auch ohne Mihtrauen dorthin begeben hätten, verhaften lassen können.

Ausserdem habe Garibaldi schliesslich z u- gegeben, dass er mit dem Führer der separatistischen katalonischen Bewegung, Oberst M a ci a, zusammengekom- men sei. Er habe jedoch keine Einzelhei­ten darüber mitgeteilt. Die französische Polizei habe im übrigen die Polizei in Nizza angewiesen, festzustellen, ob der italienische Polizeibeamte Scala sich nicht vielleicht noch in der Gegend von Nizza aufhalte. Diese Nachforschungen haben aber zu keinen Ergebnis geführt. Schliess­lich bemerkt die Havasagentur in ihrem Bericht noch, dass man bei der Beurteilung dieser Angelegenheit einen Unterschied zwischen den Urhebern und den Mit­läufern der Bewegung machen werde und dass man sich begnügen werde, die letzteren lediglich auszuweisen.

Garibaldi und Scivoli.

DieAgencia Stefani" verbreitet eine Mit­teilung. in der es heißt, die italienische Po^ lizei hätte von mehreren Seiten aus Frank­reich Mitteilungen erhalten, daß ein gewisser Scivoli, der jetzt unter dem Namen Fer­nand identifiziert sei, nach Italien kommen würde, um ein Attentat auf Mussolini vor­zubereiten. Um rascher vorgehen und ein­gehende Nachrichten über das jenseits der Grenze vorbereitete Komplott erhalten zu kön­nen, habe die Polizei den Generalinspektor Lapolla nach Frankreich entsandt zu dem ausschließlichen Zweck, in allen ihm bekann­ten italienischen Kreisen Erkundigungen einzu­ziehen und möglicherweise die Photographie des Scivoli zu beschaffen, damit die italienische Grenzpolizei dessen Einreise leichter verhin­dern könne. Zu diesem Zweck fei Lapolla genötigt gewesen, an Nicciotti Garibaldi heranzutreten, von dem er gewußt habe, daß er mit Scivoli bekannt sei. Dor seiner Ab­reise habe Lapolla der französischen Polizei den Paß Scivolis gezeigt, den er sich zu be° schaffen gewußt habe, um danach diese für die italienische Grenzpolizei notwendige Photo­graphie herzustellen . Später sei Lapolla wiederum mit Garibaldi zusammengetroffen, um ihm den Pah Scivolis zurückzugeben.

Str ruiiiitb-lilauiitht Sttirag

Berlin, 6. Nov. Einer Rotte spon- denzmeldung zufolge hat der litauische Sejm mit 45 gegen 24 Stimmen bei Stimmenthaltung der polnischen Abgeord­neten den russischen Reutrali, tätsvertrag angenommen .

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Sit SrvMten vor der $atlti< Konferenz

Moskau, 6. Nov. Trotzki erklärte in einer Rede vor der Parieikonferuz, dah die Differenzen Zwischen der Opposition und der Partei auf folgendes hinauslaufen: Die Oppo­sition 11 erachtet die Industrialisierung der Sowjetunion für ungenügend. Sie besteht auf der Durchführung einer andern Steuerpolitik gegenüber den einzelnen Schichten der Bauern­schaft. Dem Arbeitslohn muß nicht eine Stei­gerung der Produktivität vorausgehen, viel­mehr ist eine Lohnerhöhung die Voraussetzung für diese Steigerung. Die Opposition fordere ferner die Sprengung des anglorussischen Ko­mitees. Trotzki verteidigte weiter seine These, daß ein wahrer Aufstieg der sozialistischen Wirtschaft in Rußland nur nach einem Sieg des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich fei. Die Erfolge im Wieder­aufbau der Volkswirtschaft bis zu dem Vor­kriegsstand feien noch kein wahrer Ausstieg der sozialistischen Wirtschaft. Zum Schluffe er­klärte Trotzki, daß die Annahme einer Gni?. schließung über die fozinldemoLratische Ab­weichung die Opposition nicht veranlassen werde, von der Linie ihrer Erklärung vom 16. Oktober abzuweichen. Sie beabsichtige nicht die Differenzen zu verschärfen: das würde nur einen Rückfall in den Fraktionskampf be­deuten.

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Lehlmichimg einet deutschen Nolt Ui Watschen

Wie die Blätter in Ergänzung zu War­schauer Nachrichten erfahren, ist vorgestern ein« deutsche Note in Warschau überreicht worden, in welcher Deutsch­land sich zu Verhandlungen bereit erklärt, die bereits am 14. ds. Mts. ausgenommen werden sollen. Die deutsche Note behält stch jedoch vor, dass Deutschland, sollten sich aus dem Fehlen der Anerkennung der Haager Entscheidung seitens Polens Schwierigkeiten ergeben, eine neue Ent­scheidung im Haag herbeiführen wird. Bis letzt liegt noch keine polnische Antwort vor.

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fieMafftrfalaflreete in Bari

Mailand, 7. Nov. lieber die verheerende Ueberschwemmungskatastrophe von Bari mel­det derSecolo", man zähle über 20 Tot« und Hunderte von Verletzten. Etwa 1000 Familien seien obdachlos. Ganze Familien seien im Schlaf von den Fluten überrascht worden und ertrunken. Am Sonnabendnach­mittag wurden in Bari allein 15 Leichen ge­borgen; doch befürchtet man weitere Opfer. Aus den umliegenden Orten werden ebenfalls große Schäden und mehrere Opfer gemeldet. In Bitritto ist der Bahnhof «inge­stürzt. Die Bahnverbindungen find unter­brochen. Die Züge von Mailand und Rom bleib-n infolge der Berfchüttung der Gleise unterwegs stecken. Bei Giooinazz» ist eine Brücke eingestürzt. Im Bahnhof mm Bari wurde eine Rangiermafchine oom Hoch­wasser überrascht und überflutet. Der Heizer ertrank. Der Schaden geht in die vielen Milli­onen.

Ford bezahlt bie Reife der Königin von Rumänien.

Lancouver lBritisch Columbia), 7.Rov. DieAssssociated Preß" meldet, Ayers, der Vertreter Henry Fords im Reisegesolge der Königin von Rumänien, habe bekanntgegebeu, bah Ford die mit der Amerikareise der Ä8« mit Gefolge verknüpften Ausgaben be­freite Die Reise der Königin werfe Ford eine halbe Rillio» Dollar losten.

Stutlthtt Newslag

Der -Reichstag beendete am Samstag die Aussprache über die Erwerbslosen­frage. Auf die verschiedenen Wünsche und Anregungen antwortete auch' heute wieder ^ Reichsarbeitsminister Dr. Brauns. Er teilte u. a. mit, dass die Regierung der Schwarzarbeit von unterstützten Erwerbs­losen energisch entgegentrete. Die Kosten der Erhöhung der Unterstützungssätze wür­den durch die erhöhen Zolleinnahmen ge­deckt. Die produktive Erwerbslosenfürsorge komme hauptsächlich dem Handwerk zu­gute. Die Einzelderatung wurde aus Montag vertagt, wo ausserdem die Ver­träge mit der Schweiz, Finnland, Lett­land und Frankreich sowie der Nachtrags­etat für 1926 auf der Tagesordnung stehen.

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NnuWchtt Laadlag

Eine ausgezeichnete Debatte gab es am Samstag im Preussischen Landtag über - die Anträge wegen der Ausschreitungen des Roten Frontkämpferbundes, der Ueberfälle von Rechtsverbänden und we­gen der Haussuchungen bei Führern der vaterländischen Verbände. Besonders der letztere Punkt war Gegenstand einer er­regten Aussprache. Der neue preussische Innenminister nahm in längeren Aus­führungen das Vorgehen der Regierung energisch in Schutz und erklärte, dass er an der bisher verfolgten Politik, die er für richtig halte, festhalten werde. In der Abstimmung wurde die deutschnationale grosse Anfrage über den Ursprung der Unterlagen zu den Durchsuchungen bei den Führern vaterländischer Verbände dem Rechtsausschutz überwiesen. Die andern grossen Anfragen sind erledigt. Die Ab­stimmung über den Mitztrauensantrag

gegen den Innenminister wurde auf unbe­stimmte Zeit vertagt. Am Montag stehen Steuervorlagen auf der Tagesordnung.

Steiften im MttttvtWß

Hannover, 6. Nov. Die Verteidi­gung der beiden wegen des Leiferder Eisenbahnattentats zum Tode verurteil­ten Arthur Schlesinger und Willi Weber haben Revision beim Reichs­gericht angemeldet. Als Begründung dient Verletzung des materiellen Rechtes, die in der Form der Voraussetzung des Mordes erblickt wird. Vor allem glauben die Verteidiger, datz von einer fortgesetzten Handlung keine Rede sein könne.

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SllimwnM rMwflalM

Hannover, 6. Nov. Die Zahl der in den Krankenhäusern befindlichen Kranken beträgt heute nur noch 819. Seit dem 24. Oktober wurden ins Krankenhaus über­führt 72, aus den Krankenhäusern ent­lassen 561 Personen. Gestorben sind 16 Personen. Die Gesamtzahl der Toten be­trägt 262, einschliesslich der in den Privat- häusern gestorbenen Kranken. Bei der staatlichen Medizinalbehörde find seit dem 24. Oktober im ganzen 43 Fälle gemeldet; davon find 34 in den Ziffern der Kran­kenhäuser enthalten.

Zahlreiche schwere «ertehröunMle in Berlin.

ff. Berri n , 8. Nov. Der gestrige Sonn­tag bedeutet für Berlin einen traurigen Rekord. In allen Gegenden der Stadt kam es zu mehr oder weniger schweren BerkehrS- unfällen. Die Unfallstatistik verzeichnete 2 Tote und etwa 30 Verletzte. .

MuWlnt mit tte frantefiftb itaiitniftet Svanmmg

Es sind erst einige Tage her, daß bet Temps" einen LeitartikelMussolini und die Politik Italiens" veröffentlichte, dessen Ten- denz auf eine strenge Unterscheidung zwischen der italienischen Außen- und Innenpolitik hinauslauft. Die italienische Innenpolitik (genauer gesprochen: der Faschismus), schreibt derTemps", hat vor allem den Zweck, den Patriotismus des italienischen Volkes zu ent­flammen und diesem Volke ein tiefes Gefühl für feine nationale Würde sowie für die Not­wendigkeit des Schutzes feiner Interessen ein« Zuflüßen. Freilich, derDuce" predigt bei jeder Gelegenheit die Notwendigkeit eines Imperialismus im Geiste der großen Tra» dition des alten Roms, eines Imperialismus, der zwar den Weltfrieden nicht eigentlich be» droht, aber doch bestrebt ist, die Bedeutung der italiensschen Großmacht in der Welt nach Möglichkeit zu erweitern. Erst unlängst, in Bologna, rief Mussolini den vor ihm para­dierenden Schwarzhemden zu:Erhebt doch eure Gewehre, damit die ganze Welt diesen Wald von Bajonetten sieht und den Schlag eurer entschlossenen und unbesiegbaren Herzen fühlt!" allein, meint das Blatt, das ist nun einmal eine Ausdrucksform, die dem Volks­temperament jenseits der Alpen entspricht, roeitr- nichts" (sic!). Die moralische, politi­sche und wirtschaftliche Revolution, bie bei Faschismus in Italien vollbracht hat, ist eine vollzogene Tatsache, auf bie man nicht mehr zu rück zukommen brauche. Die ganze Frag« ist nur, wie diese Revolution auf bie Außen, Politik Italiens zursick oirkt. Aber in letztet Beziehung sei an den Friedensabsichten Musso­linis nicht zu zweifeln.

Man merkt an diesen Ausführungen allzu deutlich den Wunsch als den Vater des Gedan­kens. In Wahrheit /ist der Satz von einem organ.scheu Zusammenhang der Innen- mnd Außenpolitik nachgerade zum Gemeingut aller politisch einigermaf/- Geschulten geworben, und diesen Zusammenhang zu bestreiten, gehl am allerwenigsten in Bezug auf den italieni­schen Faschismus an. In der Tat: Kaum waren jene Sätze geschrieben, als die Auswi» kung des neuesten Attentats auf Mussolini sich die bekannten italienisch-franzöfi» schenKcnflikte in Ventimiglia, Tripo­lis und Bengh-si ereigneten, bei denen ein ausgesprochener Franzosenhaß nicht wegzuleugnen ist. Nun, woher kommt dieser Haß bei den Faschisten, bie ja nicht nut mit ihrem Leib, die auch mit ihrer Seele und ihrem Denken blind demDuce" dem Führer gehorchen?

Mussolini selbst hat freilich nach jüngsten Pariser Meldungen, bie Zusammenstöße bet der französischen Regierung durch feinen Ver­treter entschuldigen lassen. Allein ist bas nicht auch nur eine Formalität, bie keine tiefere Bedeutung hat? Hat nicht neuerdingsGior- nale d'Italia" in wörtlicher Uebersetzung viel­mehr geschrieben:Italien ist der Ansicht, baß es nur allzu wenig wirkliche Frunbschastsbe- weise seitens des gegenwärtigen politisches Regimes (!) in Frankreich erhalten hat. Des- halb genießt Italien bie größte Freiheit in seinen Absichten unb Handlungen Frankreich gegenüber. Italien hat für seine Tat keine Aufklärungen zu machen, aber es wirb sicher- sich solche französischerseits nicht ablehnen."

DieseAbsichten" formuliert der französische Italienkenner Eugene Lautier (nach der Die- bergabe durch dieOeuvre") etwas nähen Die Italiener", schreibt er,sind bereit große Territorien zur Bevölkerung und Ausdeutung in Klein-Asien, das heißt hn östlichen Mittel- meer, zu übernehmen. Sie sind ferner bereit, ihre Lage in Tunis zu befestigen und dort einen Staat hn Staate zu bilden das gilt für das zentrale Mittelmeer. Unb sie find schließlich bereit, vermittels des Gekritzels einer Unterschrift, Absteckpfähle gegen bie Herkules-Säulen aufzustellen: das ist für das . westliche Mittelmeer. Kurz: sie wollen gan- einfach das ganze Mittelmeer." Daß der Faschismus in feinem Innersten das Mit, telländische Meer al» einen italienische» Binnensee betrachiet und begehrt, begeagt neuerdings auch Roya, ein anderer famjAg* scher Äenger de» Faschismu»» v ? - ------------- . jt»