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Sie SlmfantrSge Im Landsberger Aememordmzeß

Landsberg a. d. W., 2. Novbr. Im Landsberger Fememordprozeß beantragte der Oberstaatsanwalt gegen Fritz Klapproth wegen gemeinschaftlichen Mordes die Todes­strafe, gegen Oberleutnant Schulz wegen Anstiftung zum gemeinschaftlichen Morde gleichfalls die Todesstrafe, gegen Glaser wegen Beihilfe zum Mord zwei Jahre Zuchthaus, gegen Raphael wegen Bei­hilfe zum Mord und wegen Meineids ins­gesamt sieben Jahre Zuchthaus, gegen Willi Klapproth und Vogel wegen Beihilfe zum Mord und Meineid je drei Jahre Zuchthaus. Ferner beantragte der Staats­anwalt wegen Körperverletzung und Nöti­gung gegen die Angeklagten S ch i b u r r rin Jahr und sechs Monate Gefängnis,

gegen Fricke sechs Monate Gefängnis,

gegen G r ä tz vier Monate Gefängnis,

gegen Becker neun Monate Gefängnis:

gegen Rehm läßt der Staatsanwalt die Anklage fallen.

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r Zu Beginn der heutigen Sitzung teilt her Vorsitzende mit, daß das Gericht die Beweisanträge des Oberstaatsanwaltes ab­gelehnt hat. Das Gericht sieht als Er­gebnis der bisherigen Verhandlungen an, daß Schulz zu Büsching und Klapproth M einem vertraulichen Verhältnis gestan- Un hat, das aber nicht auf gemein-, ferne strafbare Handlungen schlie- Hkn läßt .

In der Zeugenvernehmung schildern der Bater Gröschkes und die Mutter her beiden Klapproths die Ent­wicklung ihrer Kinder. Der frühere Kraft­fahrer Kater bekundet, daß er nie Aeuße- rungen des früheren Oberleutnants Schulz Rhört habe, die ihn mit dem Mord in Ber- ndung gebracht hätten. Die Zeugen Ober­leutnant Vogt und Major H e r tz e r be­kunden, Schulz habe niemals Rede- wendungen darüber gebraucht, daß Ver­räter beseitigt oder getötet werden müß­ten. Er habe int Gegenteil in einer ganzen Reihe von Fällen dafür gesorgt, daß Leute, Me sich etwas verschuldet hatten, oder die fö unzuverlässig erschienen, ohne vieles Aufsehen entlassen wurden.

Unter großer Aufmerksamkeit der Pro- ießbeteiligten wird dann der

Htzuptbelastungszeuge Oberleutnant Schrenk bernommen, der nach den Angaben des Angeklagten Becker an dem Gespräch betei­lig! gewesen sein soll, in dem Oberleutnant Schulz die Frage stellte, ob Becker schon jemand umgebracht habe und »6 in seiner Heimat Moorlöcher seien. Der Zeuge wird vor seiner Aussage in ein­dringlichen Worten zur wahrheitsgemäßen Aussage ermahnt. Er sagte u. a. aus: „Je­denfalls ist mir erinnerlich, daß Schulz " in welcher Form kann ich nicht sagen — an Becker die Frage gerichtet hat: »Haben Sie mal einen Menschen ge­tötet? Diese Bemerkung ist gefallen. Die weitere Bemerkung von den berühmten Noorlöchern, die ich in der Zeitung gelesen habe, i st wohl auch gefallen. Wenn sie auch toohl befremdlich erschien, so geschah eine wlche Aeußerung nicht in Beziehung auf " Gröschke. Unter Eid kann ich sichere An- Ken hier nicht machen. Daß Schulz eine nerkung von Gift gemacht haben soll, ist istöglich. Das ist aber eine so schwer- taiegende Bemerkung, daß ich das nicht beeiden kann. Auf Befragen fügt der Zeuge hinzu, es sei möglich, daß Schulz die Frage, ob Becker schon einen Menschen getötet habe, int Zusammenhang mit dessen Kriegs- arlebnissen gestellt habe .

Der Vorsitzende faßt darauf die Aus- fagen des Zeugen Oberleutnant Schrenk folgendermaßen zusammen: Schrenk wisse, d»ß Oberleutnant Schulz die Frage an Becker gerichtet hätte, ob er schon einen Menschen getötet habe. Ferner sei die Aeu- sterung von den Moorlöchern gefallen und Bchrenk und Becker seien stillschweigend nicht e*f)r auf die Sache zurückgekommen. Dem Zeugen Schrenk sä dagegen

»ichtS davon bekannt, das daraus hin­deutet, daß Schulz beabsichtigte, Ver­räter beseitigen z« lasse«.

Franzosenfeindlirhe ^Umgebungen in Unlien Maftnng toaniitbet MMonärr in SrankreiK

Der Havasvertreter in Nizza berichtet über den Zwischenfall, der sich in Venti­miglia zwischen italienischen Faschisten und französischen Eisenbahnern gestern ereig­nete, noch folgendes: Die faschistischen Be­hörden hätten bei dem französischen Konsul ihr Bedauern über die gestrigen Zwischen­fälle ausgedrückt. Im Uebrigen, heißt es in der Meldung weiter, fei es richtig, daß ein Faschist in das französische Konsu­lat eingedrungen sei, nachdem er der Po­lizei erklärt habe, er habe eine Begegnung mit dem Konsul, und daß er bann vom Balkon des französischen Konsulates ge­rufen haben soll: Her zu mir, Ihr Kame­raden: Die Franzosen fordern uns heraus! Die faschistische Miliz habe die Faschisten daran gehindert, weitere Kundgebungen zu veranstalten, jedoch hätten die Faschisten am Abend Umzüge veranstaltet, in denen sie franzosenfeindliche Bemerkungen fallen ließen. Die Bevölkerung von Ventimiglia mißbillige diese Kundgebungen. Eine hohe politische Persönlichkeit habe dem Havas­vertreter gegenüber erklärt, die Ursache für die Zwischenfälle sei in der Art gewisser in Nizza in italienischer und französischer Sprache erscheinenden Zeitungen zu suchen, die unaufhörlich auf Mussolini und die italienische Regierung schmähten. Es wäre deshalb nötig, diese Zeitungen in italie­nischer Sprache zu verbieten.

Weitere Zwischenfälle in Ztalien. ...Die Blätter berichteten von Zwischen­fällen in verschiedenen Städten infolge des Attentats. Zn Cagliari wurden zwei Redaktionen gestürmt, sowie ein Opposttionsabgeordneter verhaftet. Zn einem Orte in der Nähe von Mailand wurden das Bcreinslokal der P o p e - Inti sowie eine Druckerei in Brand gesetzt.

Die Feuerwehr wurde von der .Löscharbeit abgehalten, sodaß die Ge­bäude niederbrannten.

Auch in Neapel wurden die Wohnungen einiger Antifaschisten vernichtet.

Die franzöfisch - italienischen Zwischenfalle in Ventimiglia.

fk Paris, 3. Roo. Nach einer Mel­dung der Agentur Havas ist über die Zwischenfälle in Ventimiglia eine Untersuchung eingeleitet worden. Von dem Ergebnis werde es abhängen, ob der fran­zösische Botschafter in Rom Anweisung er- hält, bei der italienischen Regierung Pro­test zu erheben.

Nach einer Meldung des „Zournals" aus Nizza herrscht bei de» französtschen Eisenbahnern und Zollbeamten infolge der Vorgänge in Ventimiglia starke Erregung. Nur mit großer Mühe konnten die Eisenbahner veranlaßt wer­den, die internationalen Züge über die Grenze nach Frankreich zu fahren.

Bezeichnend für die Erregung ist die Tatsache, daß gestern abend ein italienischer Arbeiter, der mit dem letzten Personenzug aus Nizza heimkehrte, von Faschisten, die ihn augenscheinlich für einen Fran- z a s e n hielten, überfallen nick mit Steinen und Stöcken schwer mißhandelt wurde.

Eine Meldung aus Rizza zufolge übten die Vorfälle in Ventimiglia bereits ihre Wirkungen aus. Zn Beansoleid kam es gestern zu Zusammenstößen zwi­schen zahlreichen Mitgliedern des Ver­bandes franzöfischer Frontkämpfer mit einem Zuge Ztaliener, die das Faschisten­abzeichen trugen und eine Fahne mit fich

fitzrten. Es kam zu Tätlichkeiten, wobei zchlreiche Teilnehmer schwere Ver- l ctz u n g e n davon trugen. Die Unter- stchung ist sofort eingeleitet worden.

War Zamboni der Attentäter?

Köln, 2. Nov. Nach Meldungen aus Aailand, die über Genf kommen, soll der Truder Zanebvnis erklärt haben, die Frmilie Zaneboni sei durchaus patriotisch Ssinnt, und der junge Zaneboni habe noch tor kurzen die Absicht geäußert, in cinefaschistischeIugendorgani- fation einzutreten. Diese Aufga­ben sollen sich bestätigt haben. Wie weiter gemeldet wird, hält man in Iournalisten- ireisen Mailands die Möglichkeit eines tragischen Irrtums in der Person des Attentäters für gegeben. Man vermute, daß der junge Zaneboni, der von der Menge gelyncht worden ist, überhaupt nicht der Täter war.

Der »Popolo ö’3talia“ fordert in einem aufsehenerregenden und anscheinend inspirier­ten Artikel das Volk zur Lynchjustiz auf . Er schreibt: Die Volksjustiz ist die h e i l- samste Form der lRache. Sie muh ausgeübt werden. Wir werden erst das Ver­brechen bis in allen seinen Einzelheiten verfol­gen und dann ohneweitereslvsschla» gen. Aach der Aussage Marinellis vom Zentralvorstand der Faschistischen Partei soll Mussolinis erstes Wort nach dem Attentat gewesen sein, da Halle Italiener und die Welt wissen mühten, dah der At- tentäter gelyncht worden fei. Der Faschistenführer von Mailand erklärte in einer Rede,. es seien schon viele Vergeltungsmah­regeln vollzogen worden, andere würden fol­gen. Er werde genaue Weisungen geben. Rach der „Corriera della Sera" sind in Fer­rara bereits faschistische G e h e i m l i st e n über die Gegner des Faschismus auf­gestellt worden, Heren Leben von demjenigen Mussolinis abhängig gemacht wird. Die Listen werden geheim gehalten. 3n Mailand wurden einige Kommunisten verhaftet.

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eint Verschwörung geetn Spanien

fk. Paris, 3. Nov. In der Gegend von Pervignon war eine gröbere Anzahl Spanier und Italiener verhaftet worden, die angeblich einer revolutionären Vereinigung angehörn. Der Agentur Havas zufolge wurden gestern weitere Verhaftungen im Zusammenhang mit der Verschwörung in Svanie nvorgenornrnen. Die Verhafteten sind meist Spanier, nur wenige Italiener. Es wird bestätigt, daß Waffen- und Muni­tionslager in Cerdagne angelegt wor­den sind. Die nach Spanien fahrenden Züge werden streng überwacht. Die französische Po­lizei übt an den Erenzorten strengste Be­wachung aus, bewahrt aber über die Angele­genheit der Verschwörung und über die Gründe der Verhaftungen strengstes Still­schweigen. Ein französischer Polizei- kommisiar Hal auf dem Bahnhof von Millas 17 Spanier, Engländer und Italiener, die einer Abteilung revolutionärer Verschwörer angeboren. Die Spanier führte» Bomben mit sich.

Eine andere Meldung besagt: Die an der französischen Grenze in der Gegend von Per- pignon Verhafteten (etwa 60 spanische und italienische Revolutionäre) sollen» »ach einer Meldung der Agentur Savas an einer Ver­schwörung gegen Spanien beteiligt sein. Die Verschwörung verfüge über ganze Depots mit Munition, Waffen, Kleidung und sonstigen Ausrüstungsgegenständen. Als Ober­haupt der Verschwörung würde der spanische Maria und als seine rechte Hand ein Mann namens Carillt verhaftet.

Auf Befragen erklärte der Angeklagte Klapproth, die Dinge mit BüschiNg seien ihm epst in Küstrin-Neustadt unheim­lich vorgekommen. Als Büsching rief: „Darf es knallen?" habe er, Klapproth, erwidert: „Schieße doch!" oder „knall doch!" Der Worte könne er sich nicht mehr entsinnen. Die Beweisaufnahme wurde daraus ge- schlosftn.

Wendung im Falle Hölz.

fk. Berlin, 3. Nov. Der Reichsbegnadi­gungsausschub verhandelte gestern über den Fall Max Hölz, der im Juni 1921 zu lebens­länglichem Zuchthaus verurteilt worden war. Laut „Vorwärts" habe» einige der Haupt- belastungszeugen gegen Hölz erklärt, dab sie ihre damals in der Aufregung gemachten Aus­sagen beute- nicht mehr aufrechterhalten kön­nen. Der Ausschuß vertagte sich.

Ak Matagung des Reichstags

Am Mittwoch nimmt der Reichstag nach mehr als dreimonatlicher Pause seine Ar­beiten wieder auf. Mit kurzen Unter­brechungen wird sich diese Tagung bis in den Sommer des nächsten Jahres erstrecken. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß auch der jetzt beginnende Tagungsab­schnitt Entscheidungen von größter Bedeu- tung auf allen Gebieten der Politik, Wirtschaft und Kultur bringen wird.

In der Außenpolitik, die nach wie vor die politische und wirtschaftliche Ent­wicklung Deutschland beherrscht, steht die Fraae des deutsch-französischen Ausgk'eichs im Vordergrund. Die in T h o i r y von Stresemann und Briand eingeleiteten Verhandlungen über einen Ausgleich bezw. eine Beseitigung der zwischen Frankreich und Deutschland be­stehenden Gegensätze und Differenzen, ge­hen, wie neuerdings wieder in Berlin und Paris betont wird, weiter. Entgegen den in ausländischen Blättern immer wieder auftauchenden Meldungen, erklärt man auch heute noch in der Wilhelmstraße, daß sich die Grundlagen der Verhandlungen bisher keineswegs verschoben Haden, daß vielmehr immer noch die Mobilisierung der Dawesobligationen den Hauptgegen­stand der Beratungen bilde. In dieser Woche wird sich der interministeri- eile Thoiry-Ausschuß der Reichs­regierung eingehend mit der Sachlage be- fasien. Als Unterlage für die Besprechung der Minister dienen die Berichte des Bot­schafters von Hoesch über seine Besprech­ungen mit dem französischen Außen­minister, die Ergebnisie der Fühlung­nahme mit dem Reparationsagenten Par­ker Gilbert, und die Gutachten, _ die auf Grund dieser Berichte von den zuständige« Referenten des Reichsfinanz- und des Reichswirtschaftsministeriums ausgearbei­tet worden sind. Es handelt sich für den interministeriellen Ausschuß, dem die Reichsminister Stresemann, Curtius und Reinhold angehören, darum, diese Gut­achten, die den Standpunkt der einzelnen Resiorts wiedergeben, unter dem Gesichts­punkt der außenpolitischen Notwendig­keiten zusammenfasien und Richtlinien für die diplomatischen Vorverhandlungen zu geben.

Die Beteiligung des Reichstages an die­ser Hauptfrage der deutschen Außenpolitik wird sich zunächst wohl darauf beschränken, daß der Auswärtige Ausschuß des Reichstages, sobald der Reichsaußen­minister wieder gesund ist, in eingehenden Beratungen zu der Thoiry-Politik Stel­lung nehmen wird. Es ist vorgesehen, daß der Außenminister bei der ersten Gelegen­heit auch im Plenum über seine Verhand­lungen mit Briand Rechenschaft ablegen wird, zumal auch der Bericht der Reichs­regierung über die deutsche Völker­bundspolitik den Reichstag aller Voraussicht nach sehr bald und sehr aus­giebig beschästigen wird.

Die Beratungen des Reichstages, wer­den wie alljährlich, so auch diesmal haupt­sächlich mit der Verabschiedung des Reichshaushaltsplanes für 1927 ausgefüllt sein. Der Etat ist nach unseren Informationen bereits im Entwurf fertig­gestellt und wird sehr bald dem Reichsrat zugehen. Bekanntlich ist es im vorigen Jahr zum ersten Mal wieder gelungen, den Etat rechtzeitig, d. h. bis zum 1 April ju verabschieden. Auch diesmal wird man unter allen Umständen die Arbeiten so beschleunigen, daß der Haushalt ord­nungsmäßig bis zu dem genannten Ter­min erledigt sein wird.

Auf dem Gebiet der Gesetzgebung sind sehr wichtige Vorlagen in Vor­bereitung bzw. bereits eingebracht. Von 1 de» Aufgaben, mit denen sich das Rei^» - ministerium des Innern beschäftigt, ver­dienen hervorgehoben zu werden: di« Wahlreform, das Ausführungs­gesetz zum Artikel 48 („Diktaturs- Gesetz), das neue Gesetz über Schußwaf­fen und Munition (Regelung des Schießsports nftt Kleinkalibergewehren),