Montag, toi 1. Siovbr. 1926
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Völk-soziale Arbeitsgemeinschaft 10 382
Zentrum
24 059
Nat.-soz. Arbeiterpartei (Hitler) . 37 736
Das
Wahlergebnis entspricht ungefähr
den
341 065
292 079 . 758142
342 112
111 351
237 462
Reichsvartei für Volksrecht Aufwertung
Neichsoerband der Haus- Erundbesitzerverein«
Deutschnationale Partei Deutsche Bolksvartei
Sozialdemokraten / Kommnnisteu Demokraten Wirtschaftspartei
Nat.-soz. Arbeiterpartei Auswertungspartei
Dcutschnationale Partei 3 Deutsche Bolksvartei
Sozialdemokraten Kommunisten Demokraten Wirtschaftspartei
Der BmarbellllstrE
Eine Erklärung Cooks.
,.lk. London, 1. Nov. Der Bergarbeiter- nchrer Cook erklärte gestern in einer Rede in c’.öetpool, wenn die Bergarbeiter zu einer Iän= ^ren Arbeitszeit gezwungen würden, so wür- «n sie nicht arbeiten. Sie würden in die Schächte geben und mehr zerstören als sie
14
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4.
Lupen und Malmet»
Aeuberungen Banderveldes.
Brüssel, 30. Okt. Die Belgische Tele- «ravbenagentur meldet: Vandervelde versammelte Freitag Pressevertreter bei sich, um vor ihnen gegen einen Artikel des „Nieuwc Notterdamsche Courant" über den niederländisch-belgischen Vertrag Einbruch zu erheben. In diesem Artikel wird behauptet, daß während der Besprechungen über Euven-Malmedy Belgien den Deutschen vorgeschlagen hätte, eine sehr weitgehende Begünstigung des Antwerpener Hafens in ihre Gegenleistungen aufzunehmen. Belgien erklärte, es hätte niemals öffentliche Besprechungen zwischen Deutschland und Belgien über Euven-Mal- wedy gegeben, auch wäre niemals, weder osiiziell noch offiziös, die Frage der Begünstigung des Antwerpener Hafens erörtert worden. Selbst in den Besprechungen, die vbne die Beteiligung der Regie- t,u n g stattgefunden hätten, sei eine derartige Dache niemals erwähnt worden. Van- dervelde fügte hinzu, er stelle dies alles entschieden in Abrede.
Das Ergebnis der MMen LundiuMMii
Bei trübem, aber trockenem Wetter vollzogen sich gestern die Wahlen zum Sächsischen Landtag in vollkommener Ruhe und Ordnung. Auch aus der Provinz sind irgend welche nennenswerte Zwischenfälle polizeilich nicht gemeldet worden. Die Wahlbeteiligung war im allgemeinen nicht besonders rege. Es dürften vngefähr durchschnittlich 70 Prozent aller Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben.
fk. B e r li n, 1. Nov. Abgegeben wurden 2 35X99 gültige Stimmen. Hiervon erhielten:
Alte sozialdemkr. Partei Sachsens 98 626
Die Mandate verteilen sich wie folgt:
Alte fozialdemokr. Partei 4
und 1
98 258 und
7 027
Wahl -i von 1922, wo 50 Sozialisten und Kommunisten gegen 46 Bürgerliche gewühlt worden sind: jedo.r) ist diesmal bei der sozialdei.zkra- tischen Lin'' a eine Verschiebung eingetreten, durch die die Kommunisten 5 Mandate gewannen, während andererseits die Altsozialisten, zu denen die 5T 'ster gehören, nicht mehr yr radikalen Linken gerechnet werden Können. Die Wahlbeteiligung war, wie erwartet wurde, geringer als bei den letzten Reichstagswahlen.
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Gn nems Attentat ans Mussolini
Mussolini «Mrlcht-Ser unbekannte röter gelpnibt
fk. Bologna, 1. Nov. Bei der Rückfahrt von der Eröffnung des Kongresses für wirtschaftlichen Fortschritt nach dem Bahnhof gab ein etwa 18Zahrealter junger Mann einen Revolver- schust auf Mussolini ab. Mussolini blieb unverletzt. Der Attentäter wurde von der Menge gelyncht. Seine Persönlichkeit konnte noch nicht festgestellt werden.
ik. B ol o g n a, 1. Nov. Der Täter bat unmittelbar, nachdem es ihm gelungen war, die Absperrungskstte zu erreichen, den Revolverschuh aus Mussolini abzugcben. Ein Karabiniers und andere Faschisten stürzten sich auf den Täter, so dah er keinen zweiten Schuh algeben konnte. Sm Kraftwagen Mussolinis wurde die Kugel gesunden, welche auk ihn abgefeuert worden war. Die Durch suchung der Leiche des Täters ergab nichts, was zu seiner Feststellung hätte dienen können. An dem Leichnam wurden Würgmerkmale und 14 tiefe Dolch st iche festgestellt. Es wird vermutet, dah von dem Augenblick des Anschlags bis zur Tötung des Attentäters V/2 Minuten vergangen find.
Unmittelbar nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhof hielt Mussolini eine Ansvrache a« die Offiziere, in der er das Attentat nicht erwähnte. Sm Bahnhof unterhielt er stch daraus ruhig mit dem Unterstaatssekretär des Snnern und des Aeuhern sowie mit dem Parteisekretär:
Einzelheiten über das Attentat.
fk. Bologna, 1. Nov. Das neue Attentat ereignete sich am Sonntag nachmittag gegen 6 Uhr, als sich Mussolini, der in Bologna das neue 7)000 Zuschauer fassende Stadion „Littoriale" eröffnet hatte, zum Bahnhof begab. Der Wagen des Ministerpräsidenten, an dessen Seite der Bürgermeister von Bologna Platz genommen hatte, war kaum in der Strotze der Unabhängigkeit eingebogen, als ein Revakverschutz fiel. Mussolini blieb unverletzt. Das Geschotz durchschlug das Band ein es Ordens, den Mussolini trug und die Uniform in der Höhe der Brust und durchschlug einen Rockärmel des Bürgermeisters, der ebenfalls unverletzt blieb. Mussolini bewahrte seine Ruhe voll- ^kommen, lieh sein Auto einen Augenblick halten und setzte dann die Fahrt fort. Der Attentäter soll ein Student der Medizin sein.
ff. Forli, 1 Nov. Um 7 Uhr abends traf hier Mussolini und seine Familie, mit begeisterter Kundgebung empfangen, ein. Der König erklärte in einem Telegramm au Mussolini, dah er mit tiefster Empörung von dem neuen Anschlag erfahren habe und ihm die herzlichsten Glückwünsche in seinem Namen und im Namen der königlichen Familie dazu übersende, dah er der Gefahr glücklich entronnen sei.
WWitglomr Wommen und dawMan
Paris, 31. Okt. der amerikanische Botschafter Herrick ist, wie bereits gemeldet, heute von seinem Urlaub nach Paris zurückgekehrt. Nach dem „Matin" hatte er eine Botschaft Poincarös an den Präsidenten Coolidge überbracht. Dies; gab die Einwände eines Teiles der öffentlichen Meinung Frankreichs gegen das Washingtoner Schuldenabkommen wieder und drückte die Hoffnung aus, dah kein amerikanischer Druck auf die französische Währung für die schwankende Haltung in der Ratifizierungsfrage ausgeübt würde. Der amerikanische Präsident, erklärte Herrick, könne und wolle bis auf weiteres nur eins wissen, nämlich dah
Frankreich das Abkommen unterzeichne und zwar nicht nur unter der Verantwortlichkeit eines mit entsprechenden Vollmachten versehenen französischen Botschafters, sondern mit der formellen Ermächtigung der französischen Regierung, deren damaliger Ministerpräsident der heutige Minister des Aeuhern sei Herrick habe allerdings erklärt, man spreche in Amerika wenig von den französischen Schulden. Die Frage habe in den Wahlkämpfen keine Rolle mehr gespielt. Für das amerikanische Volk handele es sich nur noch um eine Angelegenheit der Vergangenheit, und er wundere sich, dah das französische Volk dies nicht begreifen könne.
Set MMnnrstr in Srfart
Reichskanzlerrede.
fk. Erfurt, 1. Nov. Im Reichsausschuh der Zentrumsvartei führte Reichskanzler Marx bei Verteidigung der Aussenpolitik des Zentrums aus, dass die Verständigungspolitik Ergebnisse zeitigte, mit denen sich auch die bisherigen Gegner dieser Politik abgefunden haben, weil sie für das deutsche Volk Vorteile gebracht hat, di- sie nicht mehr länger bestreiten können. Die Verhandlungen von Thoiry ergaben, dah fürderhin nicht mehr i die starre Einstellung Frankreichs bezüg- I
lich der Besetzung aufrecht erhalten werden kann. Deutschland kann die Befreiung de» besetzten Gebietes von fremder Besatzung verlangen, sobald der richtige finanzielle Weg gefunden wird Die Frage wird nicht eher zur Ruhe kommen, bis die Befreiung des besetzten Gebietes erreicht ist.
Eine wirkliche Befriedung zwischen Deutschland und Frankreich kann erst dann eintreten, wenn die völlige Befreiung des besetzten Gebietes Tatsache geworden ist.
Wer auf die Dauer, so sagte er, die Wohlfahrt der beiden Nachbarländer sichern will, muh das Fortbestehen friedlicher Verhältnisse Mischen ihnen mit aller Macht betreiben. Deutschland ist dazu bereit. Möchten seine Bemühungen das verständnisvolle Entgegenkommen der anderen Seite finden.
Im innerpolitischen Teil seiner Rede erklärte der Reichskanzler bei Besprechung der Frage der Regierungsbildung im Reiche und in Preussen: Die Sozialdemokratie müsse sich endgültig klar entscheiden, ob sie wieder parteitaktischen Interessen dienen oder eine im allgemeinen von ihr als richtig anerkannte Politik „durch Beitritt zur Regierung unb Uebernahme der Verantwortung tatkräftig unterstützen wolle". Nach der '.Meinung weiter Zentrumskreise werde man, falls eine Erweiterung der Koalition nicht möglich sein sollte, die Rcichsgeschäfte ebensogut unter Beibehaltung der gegenwärtigen Koalition fördern können. Der Reichskanzler behandelte ferner die Schaffung des Reichsschutzgesetzes, das aller Wahrscheinlichkeit nach den Reichstag im kommenden Winter beschäftigen werde, worin er betonte, dah die Zentrumspartei einmütig völlige Gleichberechtigung der konfessionellen Schule gegenüber der Simultanschule oder der religionslosen Schale verlangt. Seine Ausführungen gipfelten in die Forderung, dass das Verhältnis Mischen Arbeitnehr«2 und Arbeitgeber ein verständnisvolleres werden möge, damit die deutsche Wirtschaft die wünschenswerte Stärkung und Sicherung erfahren könne.
Sns EistnWnnlstntttt bei Leistete
Hildesheim, 31. Oft. 21m nächsten Mittwoch. den 3. November, werden sich die Eisenbahnattentäter von Leiferde vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten haben. Die Anklage richtet sich gegen die Hand» werksburfchen Schlesinger und Willy und Walter Weber, die als Landstreicher umherzogen. Die Anllage gegen die beiden ersten Angeklagten wegen ihrer furchtbaren Tat am 18. und 19. August lautet auf Mord und Transportgefährdung, ferner auf Mordversuch und versuchte Transportgefährdung. Denn die Attentäter haben zugegeben, daß sie schon 24 Stunden, bevor ihnen der Kölner Zug zum Opfer fiel, den Schnellzug Berlin—Amsterdam zur Entgleisung bringen wollten. Zu diesem Zwecke hatten sie auf den Gleisen eine Barrikade aus mehreren Bohlen errichtet, die aber von der Maschine beiseite geschleudert wurde, ohne dah eine Entgleisung erfolgte. Erst daraufhin faßten die Verbrecher den Entschluß, die Schwellenschrauben und Bolzen einer Schiene zu lösen. Der Angeklagte Walter Weber ist der Beihilfe zu beiden Verbrechen angeklagt, da er von den Absichten der beiden anderen Kenntnis gehabt haben soll.
Das schreckliche Verbrechen, das zahlreiche Familien in Trauer versetzte, erregte in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen. Es handelte sich um
die rneiftbefahrene Strecke Deutschlands: Köln—Berli«.
Die Entgleisung erfolgte mitten in der Rächt. Zahlreiche Wagen wurden zertrümmert. 21 Tote, unter denen sich auch der Staatskommissar M e h l i ch aus Dortmund befand, wurden unter den Trümmern hervorgezogen. Anfänglich glaubte man, daß ein technischer Fehler die Entgleisung veranlaßt hätte. Dal- aber stellte sich heraus, daß verbrecherische Hände ihr verhängnisvolles Spiel getrieben hatten. Man fand am Tatorte einen Hemmschuh, Schraubenschlüssel und eine Tabakspfeife . Sofort setzten umfangreiche Ermittlungen yn. Eine Belohnung von 25 000 M. wurde ausgesetzt und eine genaue Untersuchung der ganzen Umgegend vorgenommen. Wochenlang arbeitete man jedoch vergeblich, und es entstand eine erregte Auseinandersetzung darüber, ob wirklich ein Attentat vorlag, oder ob nicht Konstruktionsfehler oder mangelhaftes Schienenmaterial die Veranlassung zu der Entgleisung gegeben hätten.
Durch einen Zufall kam die Lösung des Rätsels . Die beiden Brüder Weber hatten das Grab ihres Vaters besucht . Hier gestand der ältere Willy Weber, so behauptet Walter Weber, der jede Beteiligung an der Tat bestreitet, seinem jüngeren Bruder das Verbrechen ein. Walter Weber gab dann weiter an, daß er von diesem Geständnis einem anderen Handwerksburckchen erzählt habe, der dann die Polizei benachrichtigte. Die drei Handwerksburschen wurden dann festge- nvmmen und werden nun am Mittwoch vor den Schranken des Hildesheimer Schwurgerichts erscheinen.
Als Motiv ihrer entsetzlichen Tat gaben fle an, fie hätten bei der durch die Entgleisung entstandenen Verwirrung die Passagiere und die Güterwagen berauben wollen.
Als sie aber dann die Gröhe des Anglücks erkannten, seien sie erschreckt in den Wald geflüchtet, ohne ihre Spuren beseitigt zu haben . Der Hauptattentäter Schlesinger war früher einige Zeit als Kapellmeister einer Operettengesellschaft tätig. Aus dem Gefängnis richtete er einen Brief an eine Zeitung seines früheren Wohnortes mit der Ditte, ihm einige Krttiken über seine Tätig- kett zu senden, die er dem Gericht zur Erläuterung seines Vorlebens vorlegen wolle.
DaS Verbrechen übte auch weiterhin noch eine verhängnisvolle Wirkung aus. indem es mehrfach Jugendliche veranlaßte, ebenfalls Eisenbahnattentate zu versuchen. Bei der erhöhten Aufmerksamkeit, die man aber von da an den Schienen strängen widmete, konnten diese Versuche glücklicherweise noch rechtzeitig verhindert werden.
Für die Verhandlungen sind zwei Sitzungstage vorgesehen . Den Vorsitz der Schwurgerichtsverhandlung führt Landgerichtsdirektor Dr. Kämmerer, die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Stelling: Offizialverteidiger sind die Rechtsanwälte Bleidoru für Schlesinger, Hofsmann für Willy Web« rnnst Drunvtte für Walter Weber.