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Montag, toi 1. Siovbr. 1926

®N ^Vberhessssch« Zeitung" er- sthekck sechsmal v-chentllch. B«. pig-preiS monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch vi«Post2LL GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder ^ementarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. -Itzeroth, Druck der Unib.-Vuchdruckerri d. Zoh. Aug. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt 4 M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und »1,11 Uhr.

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1 Soldmark = »/«,,Dollar.

Dnzeiserjurldasstüher kiuchMchelGberhessew-r-Amtliches VerkünüiguntzsblM jür dkreisülarbwg

Völk-soziale Arbeitsgemeinschaft 10 382

Zentrum

24 059

Nat.-soz. Arbeiterpartei (Hitler) . 37 736

Das

Wahlergebnis entspricht ungefähr

den

341 065

292 079 . 758142

342 112

111 351

237 462

Reichsvartei für Volksrecht Aufwertung

Neichsoerband der Haus- Erundbesitzerverein«

Deutschnationale Partei Deutsche Bolksvartei

Sozialdemokraten / Kommnnisteu Demokraten Wirtschaftspartei

Nat.-soz. Arbeiterpartei Auswertungspartei

Dcutschnationale Partei 3 Deutsche Bolksvartei

Sozialdemokraten Kommunisten Demokraten Wirtschaftspartei

Der BmarbellllstrE

Eine Erklärung Cooks.

,.lk. London, 1. Nov. Der Bergarbeiter- nchrer Cook erklärte gestern in einer Rede in c.öetpool, wenn die Bergarbeiter zu einer Iän= ^ren Arbeitszeit gezwungen würden, so wür- «n sie nicht arbeiten. Sie würden in die Schächte geben und mehr zerstören als sie

14

12

31

14

5

10

2

4.

Lupen und Malmet»

Aeuberungen Banderveldes.

Brüssel, 30. Okt. Die Belgische Tele- «ravbenagentur meldet: Vandervelde ver­sammelte Freitag Pressevertreter bei sich, um vor ihnen gegen einen Artikel desNieuwc Notterdamsche Courant" über den nieder­ländisch-belgischen Vertrag Ein­bruch zu erheben. In diesem Artikel wird behauptet, daß während der Besprechungen über Euven-Malmedy Belgien den Deutschen vorgeschlagen hätte, eine sehr weit­gehende Begünstigung des Ant­werpener Hafens in ihre Gegenleistun­gen aufzunehmen. Belgien erklärte, es hätte niemals öffentliche Besprechungen zwischen Deutschland und Belgien über Euven-Mal- wedy gegeben, auch wäre niemals, weder osiiziell noch offiziös, die Frage der Begün­stigung des Antwerpener Hafens erörtert worden. Selbst in den Besprechungen, die vbne die Beteiligung der Regie- t,u n g stattgefunden hätten, sei eine derartige Dache niemals erwähnt worden. Van- dervelde fügte hinzu, er stelle dies alles ent­schieden in Abrede.

Das Ergebnis der MMen LundiuMMii

Bei trübem, aber trockenem Wetter voll­zogen sich gestern die Wahlen zum Sächsi­schen Landtag in vollkommener Ruhe und Ordnung. Auch aus der Provinz sind irgend welche nennenswerte Zwischenfälle polizei­lich nicht gemeldet worden. Die Wahlbe­teiligung war im allgemeinen nicht beson­ders rege. Es dürften vngefähr durch­schnittlich 70 Prozent aller Wahlberechtig­ten von ihrem Stimmrecht Gebrauch ge­macht haben.

fk. B e r li n, 1. Nov. Abgegeben wurden 2 35X99 gültige Stimmen. Hiervon erhielten:

Alte sozialdemkr. Partei Sachsens 98 626

Die Mandate verteilen sich wie folgt:

Alte fozialdemokr. Partei 4

und 1

98 258 und

7 027

Wahl -i von 1922, wo 50 Sozialisten und Kom­munisten gegen 46 Bürgerliche gewühlt worden sind: jedo.r) ist diesmal bei der sozialdei.zkra- tischen Lin'' a eine Verschiebung eingetreten, durch die die Kommunisten 5 Mandate ge­wannen, während andererseits die Altsozia­listen, zu denen die 5T 'ster gehören, nicht mehr yr radikalen Linken gerechnet werden Können. Die Wahlbeteiligung war, wie er­wartet wurde, geringer als bei den letzten Reichstagswahlen.

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Gn nems Attentat ans Mussolini

Mussolini «Mrlcht-Ser unbekannte röter gelpnibt

fk. Bologna, 1. Nov. Bei der Rück­fahrt von der Eröffnung des Kongresses für wirtschaftlichen Fortschritt nach dem Bahnhof gab ein etwa 18Zahrealter junger Mann einen Revolver- schust auf Mussolini ab. Mussolini blieb unverletzt. Der Attentäter wurde von der Menge gelyncht. Seine Persönlichkeit konnte noch nicht festgestellt werden.

ik. B ol o g n a, 1. Nov. Der Täter bat un­mittelbar, nachdem es ihm gelungen war, die Absperrungskstte zu erreichen, den Revolver­schuh aus Mussolini abzugcben. Ein Kara­biniers und andere Faschisten stürzten sich auf den Täter, so dah er keinen zweiten Schuh algeben konnte. Sm Kraftwagen Mussolinis wurde die Kugel gesunden, welche auk ihn abgefeuert worden war. Die Durch suchung der Leiche des Täters ergab nichts, was zu seiner Feststellung hätte dienen können. An dem Leichnam wurden Würgmerkmale und 14 tiefe Dolch st iche festgestellt. Es wird vermutet, dah von dem Augenblick des An­schlags bis zur Tötung des Attentäters V/2 Minuten vergangen find.

Unmittelbar nach seinem Eintreffen auf dem Bahnhof hielt Mussolini eine Ansvrache a« die Offiziere, in der er das Attentat nicht er­wähnte. Sm Bahnhof unterhielt er stch daraus ruhig mit dem Unterstaatssekretär des Snnern und des Aeuhern sowie mit dem Parteisekretär:

Einzelheiten über das Attentat.

fk. Bologna, 1. Nov. Das neue Atten­tat ereignete sich am Sonntag nachmittag ge­gen 6 Uhr, als sich Mussolini, der in Bologna das neue 7)000 Zuschauer fassende Stadion Littoriale" eröffnet hatte, zum Bahnhof be­gab. Der Wagen des Ministerpräsidenten, an dessen Seite der Bürgermeister von Bologna Platz genommen hatte, war kaum in der Strotze der Unabhängigkeit eingebogen, als ein Revakverschutz fiel. Mussolini blieb un­verletzt. Das Geschotz durchschlug das Band ein es Ordens, den Mussolini trug und die Uniform in der Höhe der Brust und durchschlug einen Rockärmel des Bür­germeisters, der ebenfalls unverletzt blieb. Mussolini bewahrte seine Ruhe voll- ^kommen, lieh sein Auto einen Augenblick hal­ten und setzte dann die Fahrt fort. Der Atten­täter soll ein Student der Medizin sein.

ff. Forli, 1 Nov. Um 7 Uhr abends traf hier Mussolini und seine Familie, mit begeisterter Kundgebung empfangen, ein. Der König erklärte in einem Tele­gramm au Mussolini, dah er mit tiefster Empörung von dem neuen Anschlag er­fahren habe und ihm die herzlichsten Glückwünsche in seinem Namen und im Namen der königlichen Familie dazu über­sende, dah er der Gefahr glücklich ent­ronnen sei.

WWitglomr Wommen und dawMan

Paris, 31. Okt. der amerikanische Botschafter Herrick ist, wie bereits ge­meldet, heute von seinem Urlaub nach Paris zurückgekehrt. Nach demMatin" hatte er eine Botschaft Poincarös an den Präsidenten Coolidge überbracht. Dies; gab die Einwände eines Teiles der öffent­lichen Meinung Frankreichs gegen das Washingtoner Schuldenabkommen wieder und drückte die Hoffnung aus, dah kein amerikanischer Druck auf die französische Währung für die schwankende Haltung in der Ratifizierungsfrage ausgeübt würde. Der amerikanische Präsident, erklärte Herrick, könne und wolle bis auf weiteres nur eins wissen, nämlich dah

Frankreich das Abkommen unterzeichne und zwar nicht nur unter der Verantwort­lichkeit eines mit entsprechenden Vollmach­ten versehenen französischen Botschafters, sondern mit der formellen Ermächtigung der französischen Regierung, deren damali­ger Ministerpräsident der heutige Minister des Aeuhern sei Herrick habe allerdings er­klärt, man spreche in Amerika wenig von den französischen Schulden. Die Frage habe in den Wahlkämpfen keine Rolle mehr gespielt. Für das amerikanische Volk han­dele es sich nur noch um eine Angelegen­heit der Vergangenheit, und er wundere sich, dah das französische Volk dies nicht be­greifen könne.

Set MMnnrstr in Srfart

Reichskanzlerrede.

fk. Erfurt, 1. Nov. Im Reichsaus­schuh der Zentrumsvartei führte Reichs­kanzler Marx bei Verteidigung der Aussenpolitik des Zentrums aus, dass die Verständigungspolitik Ergebnisse zeitigte, mit denen sich auch die bisherigen Gegner dieser Politik abgefunden haben, weil sie für das deutsche Volk Vorteile ge­bracht hat, di- sie nicht mehr länger be­streiten können. Die Verhandlungen von Thoiry ergaben, dah fürderhin nicht mehr i die starre Einstellung Frankreichs bezüg- I

lich der Besetzung aufrecht erhalten werden kann. Deutschland kann die Befreiung de» besetzten Gebietes von fremder Besatzung verlangen, sobald der richtige finanzielle Weg gefunden wird Die Frage wird nicht eher zur Ruhe kommen, bis die Befreiung des besetzten Gebietes erreicht ist.

Eine wirkliche Befriedung zwischen Deutschland und Frankreich kann erst dann eintreten, wenn die völlige Be­freiung des besetzten Gebietes Tat­sache geworden ist.

Wer auf die Dauer, so sagte er, die Wohlfahrt der beiden Nachbarländer sichern will, muh das Fortbestehen friedlicher Verhältnisse Mischen ihnen mit aller Macht betreiben. Deutschland ist da­zu bereit. Möchten seine Bemühungen das verständnisvolle Entgegenkommen der an­deren Seite finden.

Im innerpolitischen Teil seiner Rede erklärte der Reichskanzler bei Be­sprechung der Frage der Regierungs­bildung im Reiche und in Preussen: Die Sozialdemokratie müsse sich end­gültig klar entscheiden, ob sie wieder parteitaktischen Interessen dienen oder eine im allgemeinen von ihr als richtig anerkannte Politikdurch Beitritt zur Regierung unb Uebernahme der Verant­wortung tatkräftig unterstützen wolle". Nach der '.Meinung weiter Zentrumskreise werde man, falls eine Erweiterung der Koalition nicht möglich sein sollte, die Rcichsgeschäfte ebensogut unter Beibehal­tung der gegenwärtigen Koalition fördern können. Der Reichskanzler behandelte ferner die Schaffung des Reichsschutz­gesetzes, das aller Wahrscheinlichkeit nach den Reichstag im kommenden Winter beschäftigen werde, worin er betonte, dah die Zentrumspartei einmütig völlige Gleichberechtigung der konfessionellen Schule gegenüber der Simultanschule oder der religionslosen Schale verlangt. Seine Ausführungen gipfelten in die Forderung, dass das Verhältnis Mischen Arbeitnehr«2 und Arbeitgeber ein verständnisvolleres werden möge, damit die deutsche Wirt­schaft die wünschenswerte Stärkung und Sicherung erfahren könne.

Sns EistnWnnlstntttt bei Leistete

Hildesheim, 31. Oft. 21m nächsten Mittwoch. den 3. November, werden sich die Eisenbahnattentäter von Leiferde vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten haben. Die Anklage richtet sich gegen die Hand» werksburfchen Schlesinger und Willy und Walter Weber, die als Landstreicher um­herzogen. Die Anllage gegen die beiden ersten Angeklagten wegen ihrer furchtbaren Tat am 18. und 19. August lautet auf Mord und Transportgefährdung, ferner auf Mordversuch und versuchte Transportgefährdung. Denn die Attentäter haben zugegeben, daß sie schon 24 Stunden, bevor ihnen der Kölner Zug zum Opfer fiel, den Schnellzug BerlinAmsterdam zur Entgleisung bringen wollten. Zu diesem Zwecke hatten sie auf den Gleisen eine Barri­kade aus mehreren Bohlen errichtet, die aber von der Maschine beiseite geschleudert wurde, ohne dah eine Entgleisung erfolgte. Erst daraufhin faßten die Verbrecher den Entschluß, die Schwellenschrauben und Bolzen einer Schiene zu lösen. Der Angeklagte Walter Weber ist der Beihilfe zu beiden Ver­brechen angeklagt, da er von den Absichten der beiden anderen Kenntnis gehabt haben soll.

Das schreckliche Verbrechen, das zahlreiche Familien in Trauer versetzte, erregte in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen. Es han­delte sich um

die rneiftbefahrene Strecke Deutschlands: KölnBerli«.

Die Entgleisung erfolgte mitten in der Rächt. Zahlreiche Wagen wurden zertrümmert. 21 Tote, unter denen sich auch der Staatskom­missar M e h l i ch aus Dortmund befand, wur­den unter den Trümmern hervorgezogen. An­fänglich glaubte man, daß ein technischer Feh­ler die Entgleisung veranlaßt hätte. Dal- aber stellte sich heraus, daß verbrecherische Hände ihr verhängnisvolles Spiel getrieben hatten. Man fand am Tatorte einen Hemm­schuh, Schraubenschlüssel und eine Tabaks­pfeife . Sofort setzten umfangreiche Ermitt­lungen yn. Eine Belohnung von 25 000 M. wurde ausgesetzt und eine genaue Untersu­chung der ganzen Umgegend vorgenommen. Wochenlang arbeitete man jedoch vergeblich, und es entstand eine erregte Auseinander­setzung darüber, ob wirklich ein Attentat vor­lag, oder ob nicht Konstruktionsfehler oder mangelhaftes Schienenmaterial die Veranlas­sung zu der Entgleisung gegeben hätten.

Durch einen Zufall kam die Lösung des Rätsels . Die beiden Brüder Weber hatten das Grab ihres Vaters besucht . Hier ge­stand der ältere Willy Weber, so behauptet Walter Weber, der jede Beteiligung an der Tat bestreitet, seinem jüngeren Bruder das Verbrechen ein. Walter Weber gab dann weiter an, daß er von diesem Geständnis ei­nem anderen Handwerksburckchen erzählt habe, der dann die Polizei benachrichtigte. Die drei Handwerksburschen wurden dann festge- nvmmen und werden nun am Mittwoch vor den Schranken des Hildesheimer Schwurge­richts erscheinen.

Als Motiv ihrer entsetzlichen Tat gaben fle an, fie hätten bei der durch die Entgleisung entstandenen Verwirrung die Passagiere und die Güterwagen berauben wollen.

Als sie aber dann die Gröhe des Anglücks erkannten, seien sie erschreckt in den Wald geflüchtet, ohne ihre Spuren beseitigt zu ha­ben . Der Hauptattentäter Schlesinger war früher einige Zeit als Kapellmeister einer Operettengesellschaft tätig. Aus dem Ge­fängnis richtete er einen Brief an eine Zei­tung seines früheren Wohnortes mit der Ditte, ihm einige Krttiken über seine Tätig- kett zu senden, die er dem Gericht zur Er­läuterung seines Vorlebens vorlegen wolle.

DaS Verbrechen übte auch weiterhin noch eine verhängnisvolle Wirkung aus. indem es mehrfach Jugendliche veranlaßte, ebenfalls Eisenbahnattentate zu versuchen. Bei der er­höhten Aufmerksamkeit, die man aber von da an den Schienen strängen widmete, konnten diese Versuche glücklicherweise noch rechtzeitig verhindert werden.

Für die Verhandlungen sind zwei Sitzungs­tage vorgesehen . Den Vorsitz der Schwur­gerichtsverhandlung führt Landgerichtsdirek­tor Dr. Kämmerer, die Anklage vertritt Ober­staatsanwalt Stelling: Offizialverteidiger sind die Rechtsanwälte Bleidoru für Schlesinger, Hofsmann für Willy Web« rnnst Drunvtte für Walter Weber.