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' Man» und der Streit nm Maa
ff London. 30. Oft. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" führt aus: Falls einige Mitglieder der Botschafterkonferenz versuchen sollten, im Zusammenhang mit dem kürzlichen Vertrag zwischen der Sowjet-Regierung und der litauischen Regierung, Hs» Statut von Wilna vor der Botschafter- konferenz auszurollen, so sei man in britischen Kreisen der Ansicht, dah nichts inopportuner sein könnte. Die britische Regierung könne sich keine Verurteilung ba Aktion Litauens, wie dies von Polen nnd anderen anscheinend gewünscht werde, «schließen. Wenn außerdem bei irgend einer sonstigen Regelung der polnischen kreuze Memel an Stelle von Danzig W Hauptzugang Polens zur Ostsee werben könnte, so würde die Rückerstattung Wilnas an Litauen eine notwendige Be- bingung für seine Zustimmung zu einer solchen Politik sein.
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zrarilreicks neues Militärbudget L Die Finanzkommissivn der französischen Kammer hat nun nach längerer Aussprache Frankreichs Militärbudget für ' 1927 angenommen. Die Pariser Presse ist in der Lage, schon jetzt recht interessante Einzelheiten aus diesem Budget der Oef- fentlichkeit zu übermitteln. Sv soll der Voranschlag für 1927 eine Effektivstärke I von 31 028 Offizieren, 647,434 Mannschaften und 157 300 Pferden umfassen. .Man .hat zu beachten, daß in diese Zahl 96449 Einheimische Stoib - Afrikaner, 47 418 Einheimische aus den Kolonien und 11 949 sogenannte Irreguläre einbezogen sind. 'Nicht mitgerechnet sind 49000 Offiziere Md Mannschaften, die in den Kolonien in Garnison stehen und von den Krediten des Kolonialministeriums unterhalten werden.
Zählt man all diese Zahlen zusammen, sv Hai Frankreich für 1927 mit einem ständ- diger- Heer von 678 000 Offizieren und .Mannschaften zu rechnen. 440 000 stehen in Frankreich selbst, 60 000 ergeben die Nheinarmee und 230 000 sind in den überseeischen Besitzungen stationiert.
Necht interessant sind die Ziffern, die von den militärischen Ausgaben für Marokko sprechen. Obwohl nach Beendigung des Krieges mit Abd el Krim nahezu 19 000 Offiziere und Mannschaften wieder in die Heimat zurückberufen wurden, belaufen sich die militärischen Ausgaben für Marokko auf 680 Millionen Franken, d. h. auf 18 Millionen mehr als 1926. Dagegen konnten die Kosten für die Levante-Armee wesentlich herabgesetzt werden. Im Jahre 1926 betrugen sie 204 Millionen Franken. Das Budget für 1927 setzt diese Kosten nur mit 187,5 Millionen Franken fest. Die Earnisonstärke in Algier und Tunis wird für das Jahr 1927 keine wesentliche Aen- derung erfahren.
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EnglWr llkikgsprovngnnsa
■ London, 29. Oft. Der Marquis vou Dnvistoo, der Sohu und Erbe des Herzogs von Bedford, führte i» einer groben Versammlung m Lermingham aus, dab während des Kriegs Wh England Nachrichten verbreitet worden leien, die alle frei erfunden und lediglich Propagandazwecken gemacht worden seien.
6# sollte während des Krieges in Deutschland Wgeblich eine Medaille zur Verherrlichung btt Versenkung der „Lusitania* geprägt worbe» sein. Sn Wirklichkeit sei dies« Wkedaille »ber in England für Provagandazwecke hrr- tzeftellt worden. Londoner Zeitungen hätten eine Photographie veröffentlicht, die eine Menschenmenge darstellte, die dieses Ereignis bejubelte. Diese Photographie sei aber im S«6re 1912 entstanden.
Der
deutsche BölkerbMdsuntergeimalseklltür
Wer wird ReWmsseKes?
Wie uns von unterrichteter Seite mit« geteilt wird, bestätigt es sich, daß für den Posten des deutschen Untergeneralsekretär beim Völkerbundssekretariat der deutsche Botschaftsrat an der Londoner Gesandtschaft Dufour in erster Linie in Frage kommt. Es. heißt sogar, daß sich bereits der Generalsekretär des Völkerbundes in Ueberejnstimmung mit der Rcichsregierung für die Ernennung Dufours entschieden habe. Die Ernennung unterliegt formell noch der Genehmigung des Völkerbundsrates, der in seiner Dezembertagung darüber entscheiden wird. Der Amtsantritt des deutschen Untergeneralsekretärs wird am 1. Zanuar stattfinden. Die Wahl der anderen deutschen Beamten wird zum gleichen Zeitpunkt, zum anderen Teil aber erst in den ersten Monaten des nächsten Jahres erfolgen.
Als Nachfolger Dufours in London ist. wie wir zuverlässig erfahren, der jetzige Reichspressechef Dr. K i e p in Aussicht genommen. Wer an die Stelle von Dr. Kiep treten wird, ist noch nicht entschieden Wir glauben aber darüber unterrichtet zu sein, daß man mit dem Legationsrat a. D. Dr. Kuenzer, der augenblicklich erster Direktor an dem Zentrumsblatt „Germania" ist, in Verbindung getreten ist Dr. Kuenzer soll sich eine Bedenkzeit erbeten haben.
SeuWnnds MtMfgnns$> Mit
Im Zusammenhang mit der letzten Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter von H o e s ch und B r i a n d er
klärt heute morgen der Pariser „Matin" u. a., daß der finanzielle Teil des Thoiry- Programms, nämlich die Mobilisierung der deutschen Cisenbahnobligationesi, nicht mehr diskutierbar sei. Demgegenüber ist die Ansicht in den maßgebenden deutschen politischen Kreisen die, dah der deutsche Vorschlag, der gerade die Mobilisierung der Obligationen zum Ziele hat, nach wie vor aufrecht erhalten werden muh.
In einer ähnlichen Richtung zielt eine Behauptung des „Petit Parisien", wonach Deutschland ein neues Wirtschaftsan g e b v t anstelle der Obligationsmobilisierung gemacht habe. Die Meldung ist objektiv unrichtig. Rach unseren Erkundigungen an zuständiger Stelle hat Deutschland kein derartiges Angebot gemacht und denkt auch nicht daran, ein solches zu unterbreiten.
Im übrigen verkennt man in Berliner mahgebenden Kreisen durchaus nicht, dah in Paris starke Tendenzen am Werke sind, die von Anfang an dem Thoirh-Ge- danken feindlich gesinnt waren und daher von Anfang an darauf hingearbeitet haben, das deutsche Angebot zu diskreditieren. Man hält jedoch diese Kräfte für nicht so stark, dah sie den Thoiry-Ge- danken ernsthaft gefährden könnten und steht der ganzen stark tendenziösen Stimmungsmache mit kühler Ruhe gegenüber.
Der Sabotierung des Verständigungsgedankens soll offenbar auch eine Rachricht des Londoner „Daily Telegraph" dienen, wonach der deutsche Botschafter in London eine offizielle Demarche unternommen habe, um die Anterstützung der englischen Regierung in der Cntwaffnungsfrage zu erlangen. Diese von dem genannten Londoner Blatt verbreitete Rachricht ist falsch. Eine solche Demarche hat nicht stattgefunden und wird auch nicht beabsichtigt.
Sekt eslligt Räumung Kreuznachs
Koblenz, 29. Okt. (WB.) Nach Erkundigungen trifft die Meldung von der völligen Räumung des Bades Kreuznach von den französischen Besatzungstruppen nicht zu. Es wird vielmehr lediglich das Jägerbataillon 11 nach Kaiserslautern verlegt. Dagegen wird Andernach völlig geräumt und zwar wird die Mafchinengewehr- Jägerabteilung nach Neustadt a. Haardt verlegt. Das bisher in Neustadt und Kaiserslautern liegende französische Infanterieregiment Nr. 26 wird nach Frankreich abtranspor- tiert. Nach dem Abtransport der Jägerabteilung verbleiben noch immer ansehnliche Trup- penbestände in Bad Kreuznach.
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Amundscn bestohlen
Das gesamte Material über die Polarfahrt verschwunden!
Kopenhagen, 29. Oft. »ns Oslo wird gemeldet: Roald Amundsens Expedition ist in Amerika unerhört bestohlen worden. Bor einiger Zeit wurden von dort nach Norwegen 280 Kisten mit der Ausrüstung der Expedition auf den Weg gebracht. Beim Ceffncn bet Kisten stellte sich heraus, dah sie zum größten Teil nichts als Stroh und Papier enthielten. Neben wertvollen Instrumenten fehlt das gesamte wissenschaftlich« Material über den Aufenthalt im Polargebiet. Es steht fest, dab die Diebstähle in Amerika ausgeführt worden find, doch steht man vor einem Rätsel, wie diese Ausplünderung überhaupt möglich gewesen ist, da die Verpackung und die Verschickung unter strengster Kontrolle ansgesührt sein soll.
Ansbessemng ter Aw:rbMeR- belrfige
Berlin, 29. Okt. Heute vormittag hat sich 1)a» Reichskabinett im Anschluß an die gestrigen Besprechungen mit den Führern der Koalisationsparteien erneut mit der Frage der Erwerbslosenfüc- sorge beschäftigt. Im Anschluß an die Kabinettssitzung empfing der Reichskanzler in Anwesenheit des Reichswirtschaftsministers und des Reichsarbeitsministers Vertreter der Sozialdemokraten und darauf Vertreter der Deutschnationalen. Die Reichsregierung hat einen neuen Gesetzentwurf über die Regelung der Unterstützungssätze ausarbeiten lassen, der g e - wisse Erhöhungen der bisherigen Sätze bei bestimmten Erwerbslosen vorsieht. Mit dem Entwurf wird sich der Unterausschuß des sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages bereits am 2. November beschäftigen.
SiMMlung ter Beamten- Pensionen?
Berlin, 29. Okt. Der HauShaltSaus- schuß des Reichstages, der am 4. November wieder zusammentritt, wird sich u. a. auch mit einem Anträge zu beschäftigen haben, der die Reichsregierung ersucht, bei der Berechnung der Wartegeld - und Ruhegehaltsbezüge der Beamten nur daS Grundgehalt zugrunde zu legen und daneben das volle Wohnungsgeld des jeweiligen Wohnortes des Bezugsberechtigten zu gewähren. Der Berechnung der Bezüge von Witwen und Waisen soll der so entstandene Betrag des Ruhegehaltes und das Wohnungsgeld zugrunde gelegt werden, auf das der Verstorbene an dem jeweiligen Wohnort der Bezugsberechtigten Anspruch gehabt hätte.
AußenvolllisAe Rundschau
Die Erwartungen, daß die in Thoirh eingeleiteten politischen Verhandlungen über eine Gesamtlösung des deutsch- französischen Problems schon bald greifbare Gestalt annehmen, haben sich auch in der abgelaufenen Woche nicht erfüllt. Man weih nichts genaues über den Stand der Verhandlungen. Sowohl in Paris als auch in Berlin vertröstet man ungeduldig forschende Pressevertreter mit der Auskunft, die „Prüfung" des Problems durch die „wirffchastlichen" Sachverständigen sei im Gang.
Mit dieser Auskunft kann man allerdings wenig anfangen. Denn man weih ja noch nicht einmal, welches die wirtschaftlichen Grundlagen des in Frage stehenden Verhandlungsgegenstandes sind. Es sind in den letzten Tagen Gerüchte aufgetreten, daß die Mobilisierung der deutschen E i s e n b ah n o b l i g ati o- n e n, die nach den Informationen, die zuerst ausgegeben worden sind, das Kernstück der Verhandlungen bilden sollte, fallen gelassen worden ist. Was daran wahres ist. weih man nicht.
In Paris wurde vor einigen Tagen den Korrespondenten deutscher Blätter von einer „unterrichteten deutschen Stelle" (Deutsche Botschaft?) gesagt, daß Briand und von Hocsch übereingekommen seien, eine „neue Grundlage" für Thoirh zu schaffen. Daraus wurde in der in» und ausländischen Presse der Schluß gezogen, dah eine Mobilisierung der Dawesobligationen nicht mehr in Frage komme. Dieser Schluß lag ja auch ziemlich nahe. Denn es ist bekannt, dah Amerika, dessen Markt für die Aufnahme der Obligationen in erster Linie in Frage käme, von allem Anfang an kein Zweifel darüber gelassen hat, daß das Projekt nur dann durchführbar sei, wenn Frankreich endlich das Be» ranger - Mellon - Abkommen ratifiziere. Run ist aber gleichfalls bekannt, daß in Frankreich die Abneigung gegen dieses Abkommen in keiner Weise abgenommen hat. Poincare, der anfangs gewillt zu sein schien, in den sauren Apfel zu beißen, hat sich inzwischen überzeugt, daß er die gesamte öffentliche Meinung Frankreichs gegen sich hat. Vorläufig sucht er noch die die Situation dadurch zu retten, daß er die Einberufung der Kammer, die für diese Tage geplant war, immer wieder hinausschiebt.
In Berlin steht man nach wie vor auf dem Standpunft, daß die Grundlage des Thoiry-ProgrammS die ist, durch deutsche finanzielle Zugeständnisse die beschleunigte Räumung der besetzten Gebiete von Frankreich zu erlangen. Man hält die von der deutschen Regierung angebvtene Mobilisierung der Dawes-Obligationen auch jetzt noch für absehbare Zeit als die einzige Möglichkeit, wodurch es Frankreich gelingen könnte, die für die Stabilisierung seiner Währung nötigen Summen zu erhalten.
Es ist möglich, daß man in Paris jetzt versuchen wird, ob man auf irgend einem anderen Wege sich von Deutschland die notwendigen Gelder verschaffen kann, ohne das Schuldenabkommen ratifizieren zu müssen. Diese Versuche dürften aber völlig aussichtslos sein, schon allein deshalb, weil sie für Deutschland polittsch sehr gefährlich wären. Gesetzt den Fall, daß Deutsch- land sich damit einverstanden erklären würde, dah eine deuffch-ftanzösische Anleihe auf den europäischen Märkten untergebracht werden soll, so würde man in Amerika sofott wissen, daß der Zweck der genannten Anleihe nur auf eine Umgehung der Ratifizierung des Schuldenabkommens durch Frankreich hinausläust.
Man hat in Paris in den letzten Wochen verschiedentlich den Versuch gemacht, die die Grundlagen des Thoirh-Programms zu verschieben indem man den Gedanken ventiliette, die O st f r a g e n mit dem Problem des deutsch-französischen Ausgleichs zu verquicken. In maßgebenden fron» zösischen Blättern ist wiederholt die Forderung erhoben worden, Deutschland solle