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Freitag,

ten 29. ßftetet 1926

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Berlin, 28. Ott. (WTB.) Zu den Meldungen über eine neuerliche Begeg­nung deutscher undenglischerIn- dustrieller teilt der Reichsverband der deutschen Industrie mit, daß es sich hierbei um eine Cinladungder englischen P a- rallelorganisation des Reichsver­bandes der Federation of British Indu­stries handelt. Diese Einladung hat mit der Aussprache in Romseh nichts zu tun. Dementsprechend fallen auf alle Kombinationen 'hinsichtlich einer Beteili­gung amtlicher Stellen. Der Zeitpuntt der Aussprache zwischen beiden Industriever­bünden steht überhaupt noch nicht fest.

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Stu» BrSAterung ter

StuMtn ätellWd

Wir haben berichten können, daß die vor Kurzem überraschend schnell erfolgte Ent­setzung des bisherigen Staatssekretärs im preußischen Innenministerium. Dr. Mei­ster, der durch den Ministerialdirettor Dr. A b e g g in den Fraktionskreisen der Deutschen Bolkspartei als eine unerträg­liche 'Brüskierung der Partei aufgefaßt worden ist. Man wird sich noch erinnern, daß die Wortführer der Fraktion der Deut­schen Bolkspartei im Landtag mit ihrem Unmut über diesen seltsamen Personal- Wechsel nicht zurückhielten. Wenn die Ber- handlungen über die Bildung der großen Koalition in Preußen vor der Parlaments- Vertagung abgebrochen wurden, so war es nicht zum Geringsten gerade dieser Per­sonalwechsel, der die Deutsche Volkspartei überzeugte, daß in Wirklichkeit das zur- zeitige preußische Staatsministerium an ei­ner Erweiterung der Regierungsbasis nach rechts kein Interesse habe. Allerdings hat die Deutsche Volkspartei za erkennen gegeben, daß sie ihre endgültige Stellung­nahme zu Verhandlungen, die sich auf die Wiederherstellung der großen Koalition beziehen, sich für den Zeitpunkt der Wie­deraufnahme der Landtagsarbeiten Vorbe­halte. Jetzt hat sich das preußische Staatsministerium wiederum zu einer Handlung verstanden, die den Unmut in den Kreisen der Deutschen Volkspartei nicht nur verstärken, sondern auch die Be­denken über eine Beteiligung an der gro­ßen Koalition nachgerade zu einer end­gültigen Ablehnung des Gedankens ver­dichten dürfte. Aus linksorientierten Ber­liner Blättern erfährt man nämlich, daß das preußische Gesamtministerium am ver­gangenen Dienstag beschlossen hat, den so­zialdemokratischen Ministerialrat B a d t zum Ministerialdirektor und Leiter der Derfassungs- und Rechtsabteilung des preußischen Ministeriums des Innern zu ernennen.

Man hat festzustellen, daß durch diese Erneuerung die letzte offene Stelle im preußischen Znnen- ministerium mit einem Sozial­demokraten besetzt worden ist.

Es handelt sich also in diesem Fall um die letzte Stelle, die der Deutschen Bolks­partei bei einer etwaigen Regierungser­weiterung in Preußen zur Verfügung ge­standen hätte. Wenn auch zugegeben wer­den muß, daß diese Ernennung nicht mit der gleichen Geschwindigkeit erfolgte, wie die Beförderung des Ministerialdirektors Dr. Abegg, so wird man doch in der An­nahme nicht fehl gehen, daß dieser Per- svnalwechsel mit der Erledigung, die ihm jetzt zuteil wurde, innerhalb des preußi­schen Staatsministeriums schon seit langem eine beschlossene Sache war. Daß die Er­nennung noch vor Wiederaufnahme der parlamentarischen Tätigkeit des Landtages erfolgte, zeigt mit hinreichender Deutlich­keit, daß das Staatsministerium noch vor der etwaigen Eröffnung von Derhandlun- gcn über die große Koalition vollendete

ZmnknWSiKechMfortetmmn

Eine zweite Antembimg v. SoeW mit Irland

Der stühere Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkommission Sollet hielt bei einem Frühstück, dem auch der englische Kriegsminister Northington Evans beiwohnte, eine Rede, in der er sagte, die Tatsache, datz die Nationen sich nicht auf Söldnerheere ver­ließen (außer Deutschland), mache die Bestim­mung des AusdruckesAbrüstung" schwierig. Tatsächlich könne eine Nation nicht länger zur Impotenz verurteilt werden, wenn sie be­trächtliche industrielle Hilfsquellen besitze, die rasch die Herstellung von Munition ermög­lichen, und wenn sie quantitativ wi» auch qualitativ genügend Menschenmaterial zur Verfügung habe. Er fuhr fort:Dies ist ge­rade der Fall in Deutschland. Was prak­tisch möglich ist und was im Versailler Ver­trag getan wurde, ist, dem Besiegten eine ge­wisse Zahl von Bedingungen aufzuerlegen, die die Entwicklung der Militärmacht verhindern."

Deutschland habe ihrer Durchführung Schwierigkeiten in dem Weg gelegt,

deshalb fei es notwendig, weiter- h i n (!) die Augen auf Berlin gerichtet zu halten.

Frankreich wolle Frieden mit dem Vorbe­halte, daß der Friede die Würde des Lan­des gewährleiste, und es erstrebe Sicherheits­garantie. auf die alle Nationen, sowohl die siegreichen als auch die anderen (außer Deutschland!) ein Recht hätten.

Frankreich hält als Sicherheit weiter­hin einen Teil des Rheinlandes besetzt und es fei wohlbekannt, welche Bedeutung die französische öffentliche Meinung dieser Besetzung beimesse. Aber dieser Schutz könne nur seinen vollen Wert haben, wenn eine Ueberwachung bestehe.

General Rollet schloß dann unter Beifall: Ich glaube, daß unsere beiden großen Länder weiterhin Hand in Hand gehen werden. Wir müssen das Spiel bis zu seinem Ende spielen, solange der ang richtete Schaden noch nicht wieder gutgemacht und das gemeinsame Ziel noch nicht erreicht ist.

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Sein Anlaß zu SvtlmtemuS"

Die neue Unterredung Hoesch-Briand.

Paris, 28. Oft. Die deutsch-franzö­sischen Annäherungsverhandlungen bilden naturgemäß weiter den Gegenstand leb­hafter Erörterungen nicht nur in politi­schen und parlamentarischen Kreisen, son­dern auch und das vielleicht «och viel mehr, als es den leitenden Kreisen er­wünscht sein dürfte, auch in der öffentli­chen Meinung. Das Ergebnis der Unter­redung des Reichspräsidenten v. Hin­tz e n b u r g mit dem Reichskanzler Marx und Dr. Schacht wird hier von der rechtsstehenden Presse

als eine Vertagung der Miederauf­nahme der Verhandlungen aus­gemacht.

In der erwähnte» Unterredung war nach demZntranfigeant" erklärt wor­den, daß die Verhandlungen für die praktische Anwendung der Thoirypolitik infolge der Vertagung der Ratifizierung des Washingtoner Schuldenabkommcns von Frankreich verzögert sein. Berlin, so sagt das Blatt, möchte sich jeder Verein­barung entziehen, scheinbar aus Angst, der amerikanischen Regierung zu miß­fallen.

Die ««gekündigte Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter v. H o e s ch und dem französischen Außenminister B r i a n d hat heute nachmittag ftattgefunde«. Die Unterredung dauerte von %5 bis 6 Uhr nachmittags und trug einen herzlichen Charakter. Die Unterredung war erneut dem gesamten Fragenkomplex gewidmet, der sich aus den Verhandlungen über eine deutsch-französische Verständigung er­gibt. Die Unterredung knüpfte an die Zusammenkunft am Freitag der letzten Woche an und war vom deutschen Stand- vunkt aus befriedigend. Im Laufe der Unterhaltung wurden von beiden Seiten die großen Schwierigkeiten nicht verschwiege», die einer deutsch­französischen Verständigung im Wege stehen und eine leichte und schnelle Lösung erschweren. Sie eraeben sich nicht zuletzt, wie jeder aufmerksame Leser der fran­zösischen Presse feststellen kann, aus der ablehnende« Haltung eines gewissen Teiles der französischen Oefsentlichkeit und aus psycholoaischen und technischen Gesichtspunkten, die vor allem in der schwierigen Finanzlage zu suchen sind, in der sich Frankreich seinen Schuldnern gegenüber befindet. Bevor die Stellung­nahme der französischen Regierung zur Ratifizierung des Washing­toner Abkommens nicht endaültig feststeht, bevor die Kammer sich nicht zu der auswärtigen und Finanzpolitik der Regierung Poinear^s geäußert hat, wer­den die deutsch-französischen Verhandlun­gen stets unter der Unsicherheit der französischen Politik leiden. Wenn man wie es imCommunique" heißt, nach Lösunasmöglichkeiten gesucht hat, so find hierunter anscheinend diejenigen wirt­schaftlichen Probleme zu verstehen, die die Basis für die deutsch-französische Ver­ständigung bilden. Die Besprechungen sollen anfangs nächster Woche fortgesetzt werden.

Der Verlauf der heutigen Unter­redung gibt keinen Anlaß zu be­sonderem Optimismus.

Immerhin kann man aber mit Be­friedigung feststellen, daß Briand er­neut den guten Wille« zur Schau getragen hat, der ihn seit den Tagen von Thoiry

Tatsachen schaffen wollte. Es ist nicht an­zunehmen, daß die Deutsche Bolkspartei stillschweigend über diese erneute Brüskie­rung hinweggehen wird.

M ten Wfhmtentag

Berlin, 28. Okt. Der Allgemeine Deutsche Gewerkichaftsbund, der Deutsche Eewerkschafts- bund der der Eewerkschaftsring Deutscher Ar­beiter-, Angestellten- und Beamtenverbände und der Allgemeine Freie Angestelltenbund haben in einer am 28. Oktober abgebaltenen Konferenz eine Entschließung angenom­men, in der es u. a. heißt:

"Die unterzeichneten Evitzenverbände weisen auf den Gegensatz zwischen dem Ueberstunden- wesen und der Arbeitslosigkeit von Millionen hin und warnen vor dem System der Arbetts- zeitverlängerung. Die Verkürzung der

derzeitigen Arbeitszeit ist die Vorbe­dingung für die Rückführung de« Arbeitslosenheeres in die Betriebe. Es bedarf sofortiger gesetzlicher Maßnahmen, um der gegenwärtigen Rot zu steuern. Aus diesem Grunde fordern die unterzeichneten Spitzenorganisationen die sofortige Abänderung der geltenden Arbeitszeitbestimmungen im Wege eines Notgesetzes zur Wiederher­stellung des Achtstundentages.

Keine Erkrankung des rumänischen Königs.

fk. Berlin, 29. Okt. Der Berliner rumä­nische Gesandte erklärte einem Korresponden. ten derTäglichen Rundschau", die Blätter» Meldungen von einer schweren Erkrankung des Ke igs, der noch vor kurzem in voller Frische an Jagden teilgenommen habe, seien falsch.

Sw teerte zememvrhprozeß

Landsberg, 28. Okt. Heute begann mit der Verhandlung gegen Schiburr und Genossen der umfangreichste und wichtigste der Fememord-Prozesse. Ange­klagt sind wegen Mordes, Beihilfe, Körperverletzung und anderer Delikte der Reisende Otto Cchiburr aus Barten­stein, Hausdiener Hans E r ä f-Frankfurt a. O.. Landwirt Werner Reh m-Berlin, Landwirt Heinrich Gck e r -Durren, und die in Untersuchungshaft befiichlichen Oberleutnant a. D. Schulz, Erich und Willi Klapproth, Sportlehrer Ra­phael, Polizeiunterwachtmcister Kurt Vogel, Arbeiter Otto Fricke und Glaser. Es handelt sich um

die Ermordung des Fritz Eröschke, der in Verdacht geraten warf ein kommu­nistischer Spitzel zu sein. Schulz wird be­schuldigt, seine Vertrauten Erich Klapp- roth und den flüchtigen B ü s ch i n g mit der Beseitigung des Eröschke beauftragt zu haben. Eröschke wurde zunächst zum Fort Eorgast gebracht u. dort von den An­geklagten Schiburr, Gräf, Rehm, Raphael, Becker und Fricke in furchtbarer Weise verprügelt. Dann sollen nach der Anklage Klapproth, Büsching, Elaser, Raphael und Vogel den Eröschke im Auto abgeholt haben. Auf der Chausiee von Küstrin nach Zorndorf

soll dann Büsching auf Klapproth An- weisung Grösse im Auto erschossen haben. Die Insassen des Autos sollen dann die Leiche im Walde verscharrt haben. Dabei ist aber der blutbefleckte Mantel des Ermordeten liegengeblieben. Waldarbeiter fanden den Mantel und gruben die Leiche aus. Nach längerer Zeit wurde festgestellt, daß der Ermordete Eröschke war.

Der Verhandlung wohnt der Vorsitzen- de des Feme-Ausschusses des Reichstages bei. In dem Eröffnungsbeschluß des 4. Strafsenats des Reichsgerichts vom 24. Juni 1926 ist die Stelle bemerkenswert, in der über die Arbeitskomman­dos gesagt wird, sie seien

mit Zustimmung des Reichswehrmini- fteriums im Jahre 1923 errichtet wor­den. Her preußische Innenminister habe dagegen nichts einzuwenden

gehabt.

Die Aufstellung sei notwendig gewesen, weil die aktiven Truppen nicht stark genug gewesen seien, um auch die große Arbeit der Bergung pon Waffenbe ständen zu übernehmen. Als Führer sei Major Buchrucker, als Referent Oberleutnant Schulz angestellt worden. Die Angehöri­gen der Kommandos seien saft durchweg Mitglieder der rechtsgerichteten Verbände gewesen und hätten zum Teil garnicht ge­wußt, ob sie zur Reichswehr gehörten oder nicht. Einige hätten geglaubt, es han­dele sich um eine Verstärkung der Reichs­wehr gegen die Kommunisten, andere, es gehe gegen die Polen oder Franzosen.

Zunächst wurde der Angeklagte Schi­burr darüber vernommen, wie er in der Voruntersuchung zu der Behauptung ge­kommen sei, datz der Mord auf Ver­anlassung von Raphael oder Schulz ausgeführt worden sei. Nach ZA- gern erklärte der Angeklagte, der Tote sei außerhalb des Forts gefunden worden. Ohne Genehmigung Raphaels habe aber niemand das Fort verlassen dürfen. DaS allgemeine Gespräch sei gewesen, daß Gröschke von Raphael oder auf seine Ver­anlassung ermordet worden sei. Einige hätte« behauptet, Schulz sei es gewesen. Zum Schluß der Vernehmung wurde fest- Sft, datz Schiburr nufit aus Ncttional-

l seine Stellung bei den Spandauer swerken ausgegeben habe, sondern daß er wegen Diebstahls entlassen worden sei.

Es folgte dann die Vernehmung deS Angeklagten Gräf, der den Spitznamen ,4t norfe" führt. Gräf bestritt, datz e» in Küstrin Rollkommandos gegeben habe. Daß mit dem Koppel geschlagen wor­den sei, habe er auch in Friedenszeiten schon erlebt. Der Angellagte schilderte dann, wie er einmal fürchterlich derpclo- gelt worden sei. Als er die Grausamkeitem in der Zelle Gröschkes schildert»,