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SonnerStag, dra A. Oktober 1926

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Lin Abkommen mit trr

Gerüchte über rin writgebrndrs Nachsehen

Die Aufgaben der Militärkontrollkommission.

fh. Paris, 28. OKI. Der politische Korre­spondent desPetit Parisien" meldet, in diplomatischen Kreisen sei gestern das ® e» rücht im Umlauf gewesen, daß in der Ent- waffnungssrage zwischen der Botschaster- konserenz und der deutschen Re­gierung über die noch nicht geregelten Punkte eine Einigung erzielt worden sei. Ein Kompromiß sei aus folgender Grundlage erzielt worden:

L Tie deutsche Regierung wird in eindrucks­vollerer Form das Verbot der Ein­stellung von Zeitfreiwilligen in die Reichswehr erneuern.

2. Das Gesetz betreffend Freiwilligen- verbände- wird eine genaue und strengere Fassung erhalten.

3. Die Frage der Regelung der Ein- und Aus­fuhr von Kriegsmaterial wird der Entscheidung der Konferenz über die Abrüstung überlassen.

4. In der Frage der Befestigung der Festungs­werke von Königsberg wird man eine für Deutschland befriedigendere Lösung su«h«n.

5. Was die Befugnisse des Chess der Reichswehr anbetrifft, werden neue Vorkehrungen getroffen werden, aus denen sich klar ergibt, daß die einzige ver­antwortliche Persönlichkeit aus a l le Fälle der M i n i st e r ist.

Poincares ^kilitärlontrollwünsche.

Der diplomatische Berichterstatter des ,,Dail» Telegraph" will darüber unterrichtet sein, daß die Botschaiterkonserenz aus ein« Note wegen angeblicher Verstöße gegen die Entwaffnungsbestimmungen verzichte, um da, durch dasAussehen und die Erbitterung zu rermeidcn, die eine formelle Note der Kon­ferenz in Deutschland und anderswo erregen würde". DerDaily Telegraph", dem man nachsagt, daß er über die politischen Verhält­nisse in Paris besonders gut unterrichtet sei, meint dann weiter, der wirkliche Grund für die Abneigung der französischen Negierung gegen eine baldige Über­tragung der Militärkontrolle an den Völkerbund bestehe nicht in diesen angeblichen Verstößen gegen die Entwaff­nungsbestimmungen, sondern darin, daß man erst nach Feststellung von für Frankreich b cs r i e d i g en N e n Ve d i n g u n g e n für die Völkerbundskontrolle die Ausgabe der Mili­tärkontrolle beenden wolle.

Diese Meldung, deren Richtigkeit vorläufig nicht nachzuprüsen ist, hat, insbesondere da der Daily Telegraph" sie bringt, in Berliner po­litischen Kreisen einige Verwunderung hervor­gerufen. Wenn das, was hier Poincare unterstellt wird, wahr sein sollte, so würde das das Ende der Politik von Locarno, Genf und Thoiry bedeuten.

Daß das Gerede von der unvollkommenen Abrüstung Deutschlands unsinnig ist, muß sogar ein uns sicher wenig freundlich gesinntes Blatt wie diePrager Tribuna" zugeben, die die Frage aufwirst, welchen Sinn es^heute noch habe, von ungenügender Abrüstung Deutschlands zu sprechen, da der Völkerbund selbst das Maß der Abrüstung für ausreichend zur Aufnahme Deutschlands anerkannt bat.

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Amerika gegen die kurovSWe Union

London, 27. Oft. Der diplomatisch« Kor­respondent desDaily Telegraf" bringt beute eine Meldung über eine angebliche Ver­stimmung der Washingtoner Regierung über die deutsche Politik der letzten Wochen. Er führt u. a. aus, daß gewisie Er­klärungen Stresemanns in den vergan­genen Wochen in Kreisen der amerikanischen Regierung Ueberraschung und U n - willen erregt hätten, der bald auf die ame- LUanische Qeffentlidjteit übergreifen könne.

Der Gedanke, daß die französische Räu­mung des Rheinland es von Ame­rika bezahlt werden könnte, sei ziemlich ablehnend ausgenommen worden.

Der Plan eines deutsch - französischen Stahl-Kartells sei nach amerikanischer Auftastung dazu bestimmt gewesen, die amerikanischen Stahlinteresten zu schädi­gen. Die zahlreichen Acußerungen des deutschen Außenministers zugunsten einer Art vaneuropäischer Einigkeit in wirtschaft­licher Beziehung und die Veröffentlichung des sog. Bankier-Manifestes hab« die Un- znfriedenheit Washingtons auf den Gipfel­punkt getrieben.

Die Andeutungen Berlins für eine inter­nationale Konferenz zur Herabsetzung der

amerikanischen Schuldenabmachungen hätten zum mindesten ebensosehr verstimmt, wie die französische Forderung nach einer Abänderung des Mellon-Derenger-Abkommens. Indessen hätten amerikanische Minister keinerlei Furcht vor dem paneuropäischen Gebilde, aber sie seien erstaunt, daß deutsche Staatsmänner es sich gestatteten, in die Maschen eines Planes verwickelt zu werden der gegen Amerika gerichtet sei, nachdem Amerika soviel für Deutschland auf dem Gebiete der Diplomatie sowohl als auch in Bezug auf Handölskredite getan habe. Es sei nicht unmöglich, daß diese Gefühle auf diskrete Art den Leitern der deutschen Politik zur Kenntnis gebracht wük- den mit der verschleierten Andeutung, daß es Deutschland sei, das am meisten durch eine solche Politik verlieren würde.

Ser dritte Landsberger Fememordprozeß Kowalewski zu 6 Sohren Mihms htrnrteilt

Landsberg a. d. W 27. Okt. Das Schwurgericht behandelte heute den 3. F e m «- mordprozetz. Angeklagt ist der Werk­meister Kowalewski, dem vorgeworfen wird, int Amtsgerichtsbezirk Küstrin in der Nacht vom 2. bis 3. August 1923 gemeinschaft­lich mit dem damaligen Zeitfreiwilligen Feld­webel Fahlbusch, der gflüchtet ist und steckbrieflich verfolgt wird, den Elektromon­teur Alfred Brauer, damals zeitfreiwilliger Unteroffizier, vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet und den Ermor­deten beraubt zu haben. Es sind 28 Zeu­gen erschienen, unter ihnen Oberleutnant Schulz. Nach deren Vernehmung, die bis in den frühen Nachmittag dauerte, beantragte der Staatsanwalt gegen Kowalewski sechs Jahre Zuchthaus wegen Beihilfe zum vollende­ten Mord und 30 Tage Zuchthaus wegen Hehlerei, - die darin erblickt wird, daß Kowa­lewski den Revolver des Ermordeten an sich nahm. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: Der Ange­klagte Kowaleski wird wegen Beihilfe zum Mord zu sechs Jahren Zucht­haus und Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte auf fünf Jahre verurteilt. Bon der An­klage der Hehlerei wird er freigesprochen.

Der Vorsitzende stellte in der

Begründung des Urteils fest, daß das Gericht die Ueberzeugung ge­wonnen habe, daß Fahlbusch einen Mord mit Ueberlegung begangen habe. Kowalewski habe mit sich ge­kämpft und sich des Vertrauens würdig zeigen wollen, das man in ihn gefetzt habe. Daher habe er sich bereitgefunden, das Auto zu steuern, in dem Brauer ermordet werden sollte. Das Gericht sei auch der Ansicht, daß Kowalewski tatsächlich mitgeholfen habe, die Leiche zu beseitigen. Da­mit habe er sich der Beihilfe schuldig gemacht. Die vom Staatsanwalt beantragte Strafe erscheine durchaus maßvoll. Die Un­tersuchungshaft werde dem Angeklagten nicht angerechnet.

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Die preußische Regierung dementiert.

Berlin, 27. Okt. Auf die Angabe des in Landsberg angeklagten Oberleutnants a. D. Schulz erklärt der amtliche preußische Pressedienst, daß eine Denkschrift des Oberleutnants a. D. Schulz im preußi­schen Ministerium des Innern nicht eingegangen und auch sonst gänzlich unbe­kannt ist. Ferner ist es unwahr, daß die von Schulz geleitetenArbeitskommandos" mit Wissen des preußischen Mi­nisters des Innern aufgestellt oder auf- gefüllt worden sind.

Die nationale ArbeWsmelMnft

Hamburg, 27. Ott. Reichsminister a. D. Dr. Jarres, der dieser Tage in Hamburg weilte, gewährte einem Vertre­ter derHamburger Nachrichten" ein In­terview, in dem er der Zuversicht Aus­druck gab, daß die nationale Ge­meinschaft der Rechtsparteien auf dem Marsche sei, weil sie kommen müsse. Auch wenn die Deutsche Volkspartei noch zögere und in Preußen noch einmal den Versuch mit der Großen Koalition ge­macht habe, so habe sie doch bei diesem Bestreben nur eine Ohrfeige geerntet. Bei Neuwahlen würde sie an der Mitver­antwortung für bie jetzige Po­litik in Preußen schwer zu tra­gen haben. Aber davon abgesehen, drohe die Bildung neuer Parteigruppen, denn der Landbund verlange nationale Arbeit, und komme die Gemeinschaft nicht, so können sich eine Bauernpartei selbständig machen.

Eine Arbeitsgemeinschaft, leine ®er» schmelznng werde kommen.

Natürlich hänge viel vom Zentrum ab, aber die größere Gemeinschaft zur Rechten übe eine magnetische Kraft aus, der sich auch das Zentrummicht entzie­hen könne. Dr. Jarres erklärte, er sei nicht gegen die Sozialdemokratie

und ihre Mitregierung, er arbeite in seiner Stadtverwaltung sehr gut mit den So­zialdemokraten zusammen, aber man könne sich nicht den Schwierigkeiten verschließen, die der Sozialdemokratie in der Reichsregie­rung erwachsen würden.

Zur auswärtigen Politik über« ?ehend, betonte Dr. Jarres: Stresemann abe im eigentümlichen Gegensatz zu seiner sonst optimistischen Persönlichkeit jetzt allen Optimismus abgelegt. Schon aus Genf sei er keineswegs mit einem Himmel voller Geigen nach Köln gekommen, viel­mehr sei er sich der Schwierigkeiten voll­auf bewußt gewesen. Hemmnisse ständen der Politik von Thoiry gewiß entgegen, namentlich wenn Deutschland im Osten Zu­geständnisse über das Abkommen von Lo­carno hinaus machen sollte. Aber die Rheinlande spürten schon eine Erleichterung und zwar nicht nur baß befreite, sondern auch das noch besetzte Ge­biet. Wenn schon Franzosen von der Rück­gabe des Saargebietes ohne Volksabstimmung sprächen und im Rheinland das Gefühl herrsche, daß die Be­setzung nicht mehr neun Jahre dauern werde, so sei das doch ein Fortschritt.

Absturz zweier stanzösischer Militärflieger.

ft. Paris, 28. Ott. Gestern verun­glückten zwei französische Flieger bei einem FluNeugabftmL töhlich.

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Zu Boelcke's 10. Todestage am 28. Oktober.

Zehn Jahre find eine lange Zeit, doppelt lang, wenn sie Kriegs- und Notjahre waren. Revolutionen sind über Deutschland dahinge, rast, Evolutionen gaben Sitte und Denkweise ein grundlegend anderes Gesicht. Wo sind die kühnen Menschen der Vorkriegszeit mit dem unbefangenen Lachen im leuchtenden Blick, demDraht" in disziplinierten Leibern, die Menschen, die nach der Pflicht handelten ohne Murren und Deuteln, ohne Fragen nach der Berechtigung ihrer Forderungen?

Der Fliegerhauptmann Boelcke, der unbe­siegte Sieger, war einer von ihnen. Mit seinem Namen steigt eine fremdgewordene Welt por unserem geistigen Auge auf. Täuschen wir uns nicht, unser Volk hat über der Wirrnis und Not der Zeit seine Toten vergessen. Da sind die, denen der Krieg Liebstes raubte und mit ihm allen Lebensmut: sie find ver­bittert und kalt geworden. Anderen wurde diese Zeit voll heiligen Wollens zur unbe­quemen Mahnung an eigene Unzulänglichkeit. Und groß ist die Menge derer, die Heiliges aus jenen Tagen in den Staub zerren, es ver­höhnen und brandmarken wollen. Sollten nicht die Toten außerhalb dieser wechselnden Strömungen stehen, seit sie jenseits leben von Völkerhatz und -neid, von Politik und Tages- eifer?

Heldentum? Es ist nicht an Wehr und Waffen gebunden, es gibt Helden des Alltags, Helden des Krankenbettes. Alle aber find ge­zeichnet als Opfer denn Heldentum ist Opferbereitschaft in Leben und Tod!

Der Fliegerhauptmann Boelcke, der bei Cambrais in Frankreich fiel, war kein Athlet in gesundheitlicher Beziehung, wie es wohl dem scheinen kann, der seine schlanke, sehnige Gestalt im Bilde kennt. Er war ein zartes Kind, mit schwachen Lungen er wurde die asthmatischen Anfälle, an beneh er litt, Zeit seines Lebens nicht los und nur ein Dürch- fchnittsschüler. Es ist eine Binsenweisheit, die auch auf den kühnen Flieger zutrifft, daß es oft die mittelmäßigen und schlechten Schüler sind, die im späteren Leben zu Persönlich­keiten werden. Boelcke war ein Vollmensch in dem Sinne, daß frühe Selbsterkenntnis, eine angeborene ernste Veranlagung und straffe Selbstdisziplin ihm halfen, den Rahmen des eigenen Wesens mit selbstgestellten Auf. gaben auszufüllen, bis zum Ueberftrömen. Er war ein Vollendeter, als er starb.

Wie er feinen zarten Körper durch Turnen, Laufen, Bergsteigen, durch allen möglichen Sport kräfttgte und bildete, so siegte eine un­glaublich starke Willenskraft über die Schwächeanwandlung, die wohl Niemandem erspart bleibt, der mit offenen Augen dem Tode entgegengeht.Mit Nerven kann man alles entschuldigen", schrieb er nach seinem ersten Kampfflug seinen Eltern. Und in Hun­derten von Luftkämpfen bewies er, daß Ner- ven für ihn keine Entschuldigung bedeuteten. Dabei war er lebendig und liebenswürdig im Umgang und ein treuer Kamerad. So eilte er einmal zur Deckung eines bedrohten Kame­raden im Lustkampf ohne einen Schuß im Maschinengewehr; so rettete er in Douai ein ertrinkendes Franzofenkind. Immer war er der Erste, wo es galt, opferbereit zu fein. War ee dieser Zug, der ihm eine ungesuchte Würde, eine zielsichere Geschloflenheit gab? Wer seine Augen kannte, den mochte andere Ahnung überschatten. Sieghast sttahlten sie in lichter Bläue, und dennoch lag ein Schatten darin. War er bei allem Siegeswillen ein vom Tode Gezeichneter? Es wurde zur schmerzlichen Ge­wißheit und ging wie ein Erbeben durch Deutschland, als die Kunde von dem frühen Tode Immelmanns kam.

Von Anbeginn hat Boelcke sich ausgezeich­net. Der höchste preutzische Kriegsorden schmückte chn schon nach dem achten Luststege und wie nach einem Ansporn verdoppelte und verdreisachte er in wenigen Wochen seine Siege. " j

Boelcke war kein blinder Draufgänger. Seine Siege gehören ebenso seinem Mut wie seiner Ueberlegung. 6» gab keinen Luft. Kampf, nach dem er nicht seine Offiziere um sich zu scharfer Krittk versammelte, bei der er sich selbst am allerwenigsten schonte.

Der 27. Oktober brachte ihm den 40. Sieg., Aj» dieM Arge Mied er an feine WuAr, ge