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Montag.

len 25. Oktober 1926

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Sie KannlbrnivrMe ter ReMregtenmi .

Am Montag erfolgt der erste Spaten­stich am Mittellandkanal. Das Reichs­kabinett hat auf Antrag des Reichsver­kehrsministers beschlossen, das Ende der Einigungsverhandlungen zwischen Preußen und seinen Provinzen nicht abzuwarten, sondern auf eigenes Risiko den Beginn der Bauarbeiter: anzuordnen. Wit diesem Be­schluß wird das erste Kanalbaupro­jekt, wie es im Rahmen des Arbeitsbe­schaffungsprogramms der Reichsregierung vorgesehen ist, der Ausführung entgegen­gehen. Bekanntlich sieht dieses Arbeits­beschaffungsprogramm eine ganze Reihe weiterer Kanalbauten zum Ausbau des deutschen Wasserstraßennetzes vor. Cs ist bekannt, daß die preußische Regierung den Kanalbauprojekten der Reichsregie­rung nicht allzu sympathisch gegenüber­steht. Bor allem wendet sich diese gegen jene Kanüle, die in erster Linie dem Koh- lentranSport dienen werden, obwohl gerade diese Kanalprojekte im Vordergrund des Kanalbauprogramms der Reichsregierung stehen. Die preußische Regierung stützt ihre Gegnerschaft gegen die Kohlenkanäle darauf, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit mit einer völligen Umgestaltung der ge­samten Kohlenwirtschaft zu rechnen sei. Das Problem der Verflüssigung der Kohle gehe immer weiter seiner Losung entgegen, so daß nach preußischer Auffassung in nicht zu ferner Zest die Verlegung von Rohrleitungen notwendiger werde als der Dau von Kanälen zum Transport der Kohle würde. Die preußische Regierung wünscht statt des jetzigen Ausbaues des deutschen Wasscrsttahennetzes die Bereit­stellung größerer Mittel für die Durch­führung eines großzügigen Meliora­tionsprogramms einmal zur Ver­besserung der Wasserwirtschaft und zur Hebung der Produktivität des Kulturbo­dens, zum andern zur Gewinnung neuen Ackerlandes und zum Schutze gegen Heber» schwemmungen. Hierfür sind bekanntlich 300 Millionen erforderlich. Entsprechende Anträge zur Gewährung von Reichsmit­teln sind auch bereits gestellt worden.

Nachdem sich in der vergangenen Woche der Verkehrsausschuß des Reichs­tages jedoch für den Ausbau des Wasserstraßennetzes ausgesprochen xunb bestimmte Projekte dringend zur Aus­führung empfohlen hat, dürfte der preu­ßische Widerstand kaum noch die Durchfüh­rung dieser Projekte aufhalten können. Im Vordergrund stehen, wie schon erwähnt, die nordwe st deutschen Kanalbau­projekte, vor allem das des Aachen- Rhein-Kanals und das des Dortmund- Eins-Kanals. Die süddeutschen Kanalpro­jekte sind dagegen mehr in den Hinter­grund gerückt worden. Am Freitag ist eine Abordnung der Saarwirtschaft unter Führung des saarländischen Großindustri­ellen Dr. Hermann Röchling vom Reichs­verkehrsminister empfangen worden, um diesem das Projekt eines Saar- Pfalz-Kanals zg unterbreiten. Da­mit fft diese Kanalfrage, die seit einigen Wochen die Saar- und Pfalzwirtschaft außerordentlich beschäftigt, zum ersten Male an das Deichsverkehrsministerium herangetragen worden. Welche Stellung das Mniisterium zu diesem Kanalbauprv- jekt einnehmen wird, ist noch nicht bekannt. Zunächst ist natürlich erforderlich, daß das Projekt von den zuständgien Ressorts nach seiner technischen, wirtschaftlichen und ver­kehrspolitischen Seite hin genau geprüft wird, um die Durchführbarkeit desselben festzustellen. Immerhin glauben wir nicht, daß dieser Kanal schon in nächster Zeit irgendwie ernstlich in Erwägung gezogen werden wird, um so weniger, als seine Durchführung die Zustimmung der Saar­regierung erforderlich macht. Rach unseren Informationen handelt es sich um ein Projekt, das erst zur Ausführung kom­men soll, wenn die Rückführung des Saar­gebietes nach Deutschland auf Grund der -ur Zeit zwischen Deutschland und Frank­reich geführten Verhandlungen ihre Er-1

zmisttzimg der Mlw-WM Eine zuiammenkllnft Sireiemann-Musielini?

Berlin, 23. Okt. Wie bereits gemel­det, hat der deutsche Botschafter in Pari», Baron von H o e s ch, alsbald nach seiner Rückkehr eine Besprechung mit dem politi­schen Direktor am Ouai d'Orsay, Bert­he l o t, und mit dem franzöfischen Außen­minister B r i a n d gehabt. Entgegen an­ders lautenden Meldungen wird von zu­ständiger Stelle mitgeteilt, daß die B e r Handlungen der Botschafter­konferenz über die deutsche Entwaff­nung bei dieser Besprechung keine Rol­le gespielt haben. Es ist bemerkens­wert, daß auch von französischer Seite jetzt die Unrichtigkeit der Havas- darstellung über diese Berhandlungen der Botschafterkonferenz zugegeben wird. Cs wird sogar ausdrücklich bestätigt, daß die Botschafterkonferenz in ihrer letzten Sitz­ung überhaupt keine Beschlüsse ge­faßt habe. Es bleibt also zunächst abzu- warten, welche offizielle Darstellung di« Botschafterkonferenz in dieser Angelegen­heit, die in der deutschen Oeffentlrchke'tt so viel Staub aufgewirbelt hat, geben wird.

Die erwähnte Besprechung unseres Bot­schafters in Paris bezog sich, wie von un­terrichteter Seite betont wird, lediglich auf die Durchführung der in Thoiry zwischen Stresemann und Bri. and besprochenen Gedanken Es verlautet, daß die Besprechungen durchaus so verlaufen sind, wie es die deutsche Re­gierung gehofft hatte. $on keiner Seite sind irgendwelche Abänderungsvorschläge zum Thoiry-Programm gemacht worden, da man beiderseits erst die Prüfung der

Materie durch die Sachverständigen all- warten will. Die Perhandungen der Sach­verständigen gehen zwar langsam vor sich, nehmen aber, wie von maßgebender Seihe betont wird, einen durchaus befriedi­genden Verlauf. Ueber die Grund­prinzipien einer deutsch-französischen Verständigung besteht, wie von zuständiger Geltet weiter mitgeteilt wird, volle Uebereinstimmung zwischen dem deutschen und dem französischen Stand­punkt. Das habe sich besonders in den be­sprochenen Verhandlungen des deutschen Botschafters ergeben. In dieser Bespre­chung sei auch auf beiden Seiten der feste Wille zur W e i.t.e r a r b e i t in der bis­herigen Richtung zum Ausdruck gekommen.

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B e rli n, 23. Okt. In den letzten Tagen sind verschiedentlich Nachrichten über eir^ bevorstehende Zusammenkunft zwischen Stresemann und Musiolini durch die Presse gegangen, die von Rom aus demen-, tiert werden. Tatsache ist, daß irgend-' welche Verhandlungen über eine persönliche Begegnung der beiden Staats­männer geführt worden sind, wohl aber laufen schon seit einiger Zeit deutsch­italienische Vorbesprechungen dip­lomatischer Art, die auf den Abschluß eines Schieds- und Freund- saftsvertrages zwischen bei­den Ländern abzielen. Daß bei Fortführung dieser Verhandlungen auch Fragen politischer Art erörtert werden dürften, erscheint selbstverständlich. Eben­so wäre dann aber, daß zu einem späterer- Zeitpunkt auch eine Begegnung zwischen Stresemann und Musiolini stattfände, wie dies' ja nach d§r Zugehörigkeit Deutsch­lands zum Völkerbund eine nicht gar zu sensationelle Angelegenheit wäre.

ledigung gefunden hat. Auch die beson- . ders von Trier aus betriebene Kanali­sierung der Saar und Mosel hat nach unseren Informationen zur Zeit keine Aussicht auf Durchführung. Immerhin ist natürlich damit zu rechnen, daß auch ge­rade diese Kanalpläne im Reichsverkehrs­ministerium sorgfältig geprüft werden, da ja grundsätzlich die Neigung besteht, Süd­deutschland wie überhaupt die wichtigsten Wirtschaftszentren Deutschlands an die Hauptwasserstraße, in diesem Falle an den Rhein, heranzubringen.

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®ne neue Flagge der Sowjetunion

Paris, 24. Okt. Wie die ,,Chicago Tri­büne" aus Warscha» meldet, hat die sowiet- rusiische Gesandtschaft gestern angekündigt, dan die Flagge der Sowjetunion nicht mehr die rote Flagge mit Sichel und Hammer, sondern eine rot-grün« Flagg« mit gol­dener Umrandung und mit Sammer und Sichel im Mittelfelde sein wird. Tschi­tscherin, der diese Aenderung durchsetzte, hat dies damit erklärt, daß di« rot« Flagge das Symbol eines Partei- k a m v f e s fei und daher bei Strahenkämvfen verächtlich behandelt werde. Eine Grobmacht wie die Rußlands muffe aber eine Flagge haben, die Respekt einflöhe.

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England und lie Botschaft«' Konferenz

London, 23. Okt. Wie der diplomati­sche Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, besteht bei der Botschafter-Ko«- serenz keinerlei Neigung, die noch ausstehenden Verpflichtungen Deutsch- lands als eine Angelegenheit von wirk­lichem Ernst zu behandeln. Das große

Gewicht, das man in Frankreich diesem Punkt beigemesien habe, hab« in London überrascht. Es werde darauf hinge, wiesen, daß die Frage, ob und wann die Ueberwachung der deutschen Rüst­ungen der Militär Kontroll-Kommifion des Völkerbundes übertragen werden solle, nicht von der Botschafter-Konferenz, son­dern von den alliierte« Regiernngen entschieden werden dürfte. Der britische Bertreter bei der Botschafter- Konferenz sei instruiert worden, alle« wei. fette Ansprüchen an Deutschland entgegenzntret e«.

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Das kerndeutsche Saarbrücken

Paris, 24. Okt. Ein Sonderbericht­erstatter des „gjEelfior“ hat in Saar­brücken eine Enquete veranstaltet, deren Ergebnis er in folgenden Worten zusam­men faßt: Ist es nicht bezeichnend, daß alle Versuche der französichen Durchdrin­gungsarbeit in einer Stadt, in der die Franzosen sich seit acht Jahren niederge­lassen haben, so von Grund auf geschei­tert sind? Nur in der französischen Zei- tungsdettriebsstelle von Hachette sind fron- zösische Bücher und sranzösische Zeitungen zu haben. Wenn man in dieser Stadt von 126 000 Einwohnern, unter denen sich, wie erklätt wird, einige Tausend Franzosen befinden, spazieren geht, wird man nir­gends Spuren Hrer Anwesenheit fin­den . Vielleicht bin ich, so erklärt der Korrespondent, allzu kategorisch, denn ich habe immerhin ein Kaffeehaus gefunden, das den Titel »Cafe de France" Mhrt, wo man aber reichlich hockcheutsch spricht, und ferner einige Zweigstellen elsässischer Danken. In Wirklichkeit mühte man bösen Willen an den Tag legen, wenn man nicht anerkennen wollte, dcch Saarbrücken eine kerndentsche Stadt ist.

Sie britische NrWkmstrm-

London. 23. Okt. (W.T.B.) Süd. afrika, der irische Freistaat, und bis ,« einem gewiflen Maße auch Kanada drängen auf der britischen Reichskonferenz auf größere Selbständigkeit der Dominion«. Australien. R e v s« e. land und Neufundland dagegen seien dafür, daß da« Reich geschlossen z« den größeren Frage« der auswär, tige« Beziehungen Stellung nimmt. I« der Frage fcee Locarnopaktes wür­den Australien «nd andere Dominions be­reit sein, ihn zu uuterzeichnen. Weuu aber andere Dominions beschließen sollte», sich «icht daran zn beteilige«, woU le« auch fi« sich fernhalten.

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Hätte England von Anfang an nicht eine fb großzügige auf weite Sicht eingestellte Kolo» nialpolitik getrieben, der heutige Dominialbe. sitz des Grotz-Britannischen Imperiums roäte . in seinem Umfang .wenigstens nicht erhalten geblieben. Es war immer das ernsteste Be- strebnis des Engländers, dem kolonialen Landbesitz nicht den Charakter einer Kolonie zu geben, sondern durch Gewährung einer weitgehenden Selbständigkeit in der Verwal­tung , das Eigenleben der Völker Grotz-Bri» tanniens zu erhalten.

Diese Politik hat sich bisher gut bewährt. Durch dir geldlich« Unterstützung, die dem ein. Seinen Dominion zuteil werde, ist es im Laufe der letzten Jahrzehnte gelungen, aus den einst kulturfremden Landgebieten beachtenswerte Staatengebilde zu formen. In den Dominions bildeten sich.mit der Zeit Handelszentren und 'Wirtschaftsgruppen, die an Ausdehnung tinb Kraft zunahmen und mit der Zeit sich so durch- organisierten, daß sie eine geroiffe Unabhängig, kett vom englischen Mutterland gewannen. Es kommt hinzu, daß «in großer Teil der eng­lischen Dominions von einer allerdings sehr ge­mischten weißrassigen Bevölkerung verwaltet wird, die nicht englisch ist, also in Kultur und Sitte, Anschauung und Interesien wenig Zu­sammenhang mit dem englischen Mutterland hat. Die Buren Süd-Afrikas erwiesen sich als ein sehr lebenskräftiges Volk mit einem star. ken Heimatsgefühl, das in feinem Wesenskern wenig Aehnlichkeit mit der Mentalität des Engländers hat. Aehnlich verhält es sich mit Kanada, wenn auch das englische Element in der Bevölkerung dort stark überwiegt. Daß der Ire wenig Wesensverwandtes mit dem Eng­länder hat, ist bekannt.

So entwickelten sich im Laufe der Jahr- zehnte sehr starke Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen und §anbelsintereffen der Dominions auf der einen Seite und den Groß. macht-Jnteresien Londons auf der anderen Seiht. Der Verlauf des Weltkrieges und auch fein für England günstiger Ausgang haben diese Ungleichheit nicht vermindert, sondern in einem erheblichen Matze vergrößert. Die Groß- Machtstellung Londons erfuhr durch den sieg» reichen Ausgang des Weltkrieges eine neue feste Stütze, den einzelnen Interesien. Der in ihrer Verwaltung nahezu selbständigen Domi­nions brachte der Sieg wenig Nutzen, obgleich die Verluste der Dominions an Blut und Ka­pital sehr nennenswert waren. Irn Laufe der letzten britischen Reichskonferenz vor drei Jahren versuchten sich die Selbständigkeit» tendenzen der verschiedenen Dominions bereits sehr nachdrücklich Gehör zu verschaffen. Der geschickten Berhandlungstadttk der englischen Regierung gelang es jedoch, der Konferenz eine« Abschluß zu gebe«, der die Großmächte» ziele Londons in keiner Seife verletzte.

Inzwischen hat sich jedoch auf der Welt man­ches geändert. Es kam Locarno «nd durch den Abschluß des Garanttepaktes eine neue Bin» düng Londons, ohne Billigung der Dominions, die bei dieser Konferenz in Locarno feldstver» stündlich nicht vertreten waren. Sicherlich wäre die britifche Reichskonserenz, die t« die­sen Tagen in London stattfindet, tn diesem Jahre nicht zusammengerufen worden, wenn Locarno nicht gewesen wäre und somit die Notwendigkeit sich nicht gefunden Hüfte, die oachjrügliche Genehnüsu», her