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Sonnabend, »en B. Sklobrr 1926

M» «Vderhesftsch« Bettung* «> fftetat ftchsmal wLchcnlltch. Se- pgeytdl monaUtch 2 SM. au#» schließt. ZustelllmgSgebü-r, durch diePostLLS GM.Für ettoa infolge Streiks. Waschinendefekte »den elementarer Sreignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. ft -itzerottz, Druck der Unid.-Vuchdrucke«t tu Job. Hag. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. tu Rr. SS. Postscheckkonto: Hurt Frankfurt «. M. Rr. 6016. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und «fei1 Uhr.

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ft. London, 23. Okt. Im Zusammenhang eti den kürzlichen Meldungen über eine mög­liche Rückkehr des ehemalige« deutschen Kai. ser» «ach Deutschland wurde der Reuter-Be­richterstatter in Berlin gefter« abend zuvcr- liissig dahin unterrichtet, daß der frühere Kaiser bisher noch kei« Gesuch a« die deutsche Regierung gerichtet habe, »ach Deutschland znrückktzhren zu dürfen.

Ein solches Gesuch würde von der deut­schen Regierung ablehnend beant­wortet werden.

Die deutsche Regierung sei fest entschlossen, dem frühere» Kaiser keinesfalls die Erlaubnis zur Rückkehr zu geben, weil seine Rückkehr Unruhe unter einem groben Teil der Bevölkernng Her­vorrufen und auch verhängnisvollen Einflub auf die öffentlich« Meinung im Auslande haben würde. Bor Ablauf des Gesetzes zum Schutze der Republik tut nächsten Juli werde die Regierung weitere Schritte tun, um die Stellung de» ehemalige« Kaisers entgültig feftzulegen.

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Sie lbineiiilben Wirren

Amerikanische Kriegsschiffe im Safe« von Schanghai.

ft. Paris, 23. Okt. Nach Blättermeldun- gen aus Schanghai find 15 amerikanische Kriegsschiffe, darunter 12 Panzerkreuzer, g^ter« vor Schanghai eingetroffen.

Zur Lage in der Provinz Honau.

fk. L o n d o n, 23. Ott.Times'' be­richtet aus Schanghai, daß die Provinz Honau von plündernde^ Banditen heiin- gesucht wird. In Tschftükiakau sollen die Banditen 80 Menschen lebendig verbrannt haben.

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Ser Bergarbelieritceik

fk. London, 23. Ott. Die Zahl der nicht zur Arbeit zurückgetehrlen Bergleute beträgt 241500. Der Generalrat des Gewerkschafts­kongresses hat beschlossen, die Vertreter der Ge­werkschaften SU einer Sonderkonferenz zusam- menzubrufen, auf der die Frage der Erhöhung der Unterstützungen für die streikendn Berg­arbeiter geregelx werden soll.

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Sie Erwerbslesensrage im AuWO

ft. Berlin, 23. Okt. Der vont sozial­politischen Ausschuß des Reichstages einge­setzte Unterausschuß beschäftigte sich gestern nachmittag eingehend mit den Anträgen auf Umgestaltung der Vorlage über die Arbcitslosenfürsorge.

Die Sozialdemokraten verlang­ten eine allgemeine Erhöhung der Unter­stützungssätze um 50 Prozent.

Das Zentrum forderte eine Er­höhung der Sätze für die ledigen um 20 Prozent und eine Erhöhung der Gesamt­unterstützung um 10 Prozent.

Der Vertreter der demokratischen FrAktion bezeichnet eine Aufhebung der Änterstützungsgrenze für notwendig.

Die Vertreter des Zentrums sprachen stch weiter dahingehend aus, daß die Un­terstützung der Ausgesteuerten weiter den Gemeinden überlasten werde, das Reich aber verflichtst werden sollte, mindestens 80 Prozent dieser Aufwendung zu ersetzen.

Von deutschnationaler Seite wurde die Einführung von Lohnklasten gefordert. Zn der nächsten Sitzung des Unterausschustes am Dienstag soll die Regierung sich über die finanziellen Wirkungen der einzelnen Vorschläge äußern.

Belilbastcrkmsttknz und AM ein Wer Savas-MrW über die Beischusierkonserenz

Pari», 22. Okt. DerTemps" ver­öffentlicht eine offenbar von amtlicher Stelle beeinflußte Erklärung über die Sitzung, die die Botschafterkonfe­renz am Mittwoch abgehalten hat. Die hierauf in der deutschen Preste veröffent­lichten Nachrichten stammen aus französi­scher Quelle, zum Teil von der Havas- a g e n t u r. DerTemps" stellt fest, daß diese Berichte zu weitgehend sind, wenn sie von Entscheidungen der Botschafterkonferenz sprechen. Die Kon­ferenz habe lediglich die Berichte, die sie aus Berlin erhalten habe, geprüft und festgeftellt, daß die Frage des Oberkommandos geregelt ist, daß aber die Verhandlungen über an­dere Fragen, die seit Monaten ge­führt würden, fortgesetzt werden. Hierbei würde es sich hauptsächlich um die Befestigung von Königsberg und die kurz­fristigen Anwerbungen der Reichswehr handeln. Da auf diese Weise die Bot- schafterkonferenz ihre früheren Schluß­folgerungen nicht abzuändern gehabt hätte, so habe sie auch keine Beschlüsse zu fassen gebraucht. Aus dieser Fest­stellung desTemps" ergibt sich also, daß die französische Presse die Bedeu- tnng der Beratungen der Botschafterkon­ferenz zum Teil überschätzt hat und daß sich durch die Beratungen vom letzte« Mittwoch an der Lage, wie sie seit Mo­naten besteht, nichts geändert hat.

Reuter dementtert die Meldung des Savas- Büros.

London, 22. Okt. Zu der Havasmeldung, dah die Botschmterkonferenz sich dabi« schlüssig geworden sei, dah die deutsche Entwaffnung noch nicht so vollständig sei, dah die Ueber- walbung derselben dem Völkerbund übertragen werden könnte, erfährt Reuter, dah diese Frage von der Botschafterkonferenz überhaupt nicht erörtert (!) worden ist. Die Konferenz be­schäftigt sich u. a. mit verschiedenen auf die deutsche Entwaffnung bezüglichen laufenden Angelegenheiten, wegen deren sie mit der deutschen Regierung noch einen Schriftwechsel unterhält. Es wird nochmals erklärt, dah der in der Mitteilung angegebene Schritt nicht einmal i« Bettacht gezogen worden ist.

Mündliche Aussprache über die Entwaffmmgs- frage?

Berlin, 22. Okt. Aus Quellen, die Füh­lung zu interalliierten Militärkreisen habe«, wird mitgeteilt, dah damit Zu rechnen ist, dah das Berfaillrr Militärkomitee, an befielt Spitze bekanntlich Marschall Foch steht, voraussichtlich die Führer der Ueberwachungskommission zur mündlichen Berichterstattung nach Paris be­ordern wird, bevor weitere Schritte unternom­men werden. Ferner erwägt man, ob sich nicht in einer mündlichen Aussprache zwischen den leitende« militärische« Stellen der Alliierte« und den mahgebenden deutschen Stellen eine schnellere und sichere Beilegung der noch schwe­benden Differenzpunkte erreichen liehe, als dies durch eine Fortsetzung des Notenwechsels möglich wäre. Endlich wird versichert, dah die vorhandenen Differenzpunkte keinesfalls unüberbrückbar find. Man glaubt, dah ei« direkter Meinungsaustausch sehr schnell zum Ziele führe« dürfte.

v. fiocitb bei Brian»

Par i s, 22. Okt. Bon zuständiger Seite wird soeben folgendes Communiqu«? verbreitet: Der deutsche Botschafter von H o e s ch hatte heute mittag eine Unter­redung mit dem französischen Auße«- miaitter B r i a n d. Die Unerredunq be­deutet die erste Fühlungnahme des Bot­schafters mit dem französischen Außen­minister nach seiner Rückkehr. Es wurden dabei in großen Zügen die durch die Unterredung von Thoiry aufge­

worfene« Probleme berührt. Herr Briand reist heute nachmittag auf 34 Tage aufs Land. Nach seiner Rück­kehr, das heißt in der zweiten Hälfte der nächsten Woche soll eine erneute Uutctredung des deutschen Botschaf­ters mkt Briand stattfinden.

Ueber die Unterredung v. Hoeschs mit Briand meldet derTemps", daß sie nur kurz war. v. Hoesch habe den Wunsch der deutschen Negierung und der maß­gebenden politischen Kreise Deutschlands zum Ausdruck gebracht, die in Thoiry eingeleiteten Verhandlungen im Znteresie einer deutsch - französischen Annäherung zum Erfolg zu führen. An anderer Stelle desTemps" heißt es, daß v. Hoesch nur die von ihm in Berlin gesammelten Eindrücke in den offiziellen und politischen Kreisen wiedergegeben habe. Allerseits wird erklärt, daß der deutsche Botschafter keinerlei genaue Vorschläge überbracht habe. Von deutscher wie französischer Seite würden die Techniker zur Zeit die verschiedenen Fragen, die sich aus dem sogenannten Programm von Thoiry ergäben, studieren, wobei nicht zu vergessen sei, daß diese Frage nicht aus­schließlich Frankreich und Deutschland, son­dern alle Unterzeichner des Versailler Ver­trags interessiere.

Gestern abend hatte Herr v. Hoesch be­reits eine Unterredung mit Berthelot, dem Generalsekretär im Ministerium des Aeußern. Ueber diese Unterredung schreibtPetit Parisien", cs sei wahrscheinlich, daß die Andeutungen, die dem deutschen Botschafter gemacht wur­den, Zeugnis ablegten, einerseits von einer weniger großen Eile und anderer­seits von einem sehr natürlichen Wunsche französischerseits, im einzelnen sowohl die technischen wie wirtschaftlichen, militäri­schen und politischen Seiten des Pro­blems prüfen zu lassen, bevor man sich in Verhandlungen weiter vor­wage. Es sei schon viel, daß der Ge­danke einer Annäherung in Frankreich so aufgenommen wurde, wie dies tatsächlich geschehen sei, aber nicht im Verlaufe von einigen Wochen könne ein derartiger Ge­danke Gestalt annehmen, noch die Ge­genleistung für die von Frankreich erwartete Räumung deutlicher hervortreten.

Was »et,Lemos" fetteü

Zur gestrigen Unterredung des deutschen Botschafters v. Hösch mit Briand schreibt der Temps", augenblicklich befinde man sich noch im Beginn der er st en Phase, d. h. bei den politischen Besprechungen. Wollte man die Bewegung überstürzen, dann würde man sich der Gefahr aussetzen, alles zu kom­promittieren, um so mehr, als keineswegs feststehe, daß die Geister jenseits des Rheins schon genügend vorbereitet seien, die Dinge unter ihren wahren Gesichtspunkten zu be­trachten.

Gewisse Argumente wie bas der Unvereinbarkeit bet Aufrechterhal­tung bet Rheinlandbesetzung mit dem Vertrag von Locarno unb bem Eintritt Deutschlands in ben Völkerbund müßten die Deutschen aus jeder Dis­kussion beseitigen.

Andererseits, wenn sie die Vorprüfung des Problems erleichtern wollten, dadurch, daß sie eine günstige Atmosphäre für die Verständi­gung schafften, müßten sie sich entschließen, jede gegen die gerechten Forderungen der Bot­schafterkonferenz hinsichtlich der Entwaffnung Deutschlands gericktete Politik aufzugeben. Es sei keine Annäherung möglich ohne vorherige moralische Entwaffnung und keine moralische Entwaffnung wenn Deutschland nicht beginne, in voller Aufrichtigkeit seine Verpflichtungen hin.tichtlich seiner materiellen Abrüstung zu er­füllen.

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SoeM Mission

Der deutsche Botschafter von Hoesch ist jetzt wieder nach Paris zurückgetehrt und hat auch sofort nach seiner Ankunft eine Unterredung mit dem Direktor des Quai d'Orsay gehabt, über deren näheren Inhalt man selbstverständlich nur auf das ange­wiesen ist, was die Pariser Presse zu wissen glaubt, ES ist anzunehmen, daß Hoesch nicht mit positiven Forderungen des deut­schen Auswärtigen Amtes herausgerückt ist. Vielmehr dürfte seine Demarche mehr den Charakter einer Erkundigung haben. Die letzten Vorfälle in Paris und insbesondere die Ankündigung einer neuen Note der Bot- schafterkonferenz an Deutschland haben in der Wilhelmstratze ein starkes Befremden ausgelöst. Man konnte sich auch in Deutsch­land zur Genüge davon überzeugen, daß in Paris die Frage einer Auswirkung des Gedankens von Thoiry in einer nur sehr dilatorischen Weise behandelt wurde. Die Aufnahme, die das Manifest der Weltwirt- Schaft in der Pariser Oeffentlichkeit fand, ließ fernerhin erkennen, daß in der Seine­hauptstadt sich Tendenzen Geltung zu ver­schaffen suchen, die mit Thoiry und einer angeblichen Verständigungsbereitschaft der französischen Regierung wenig zu tun haben. Diese Mentalität der französischen Oeffent­lichkeit und besonders der Kreise in Paris, auf die sich der Kurs der Regierung zu stützen hat, trat in einer so augenschein­lichen Gestalt zutage, daß die deutschen Stellen schließlich nicht mehr an ihr vor- überaehen konnten. Man hat auch fest­gestellt, daß sich in dem mehr demokratisch gerichteten Teil der deutschen Presse in den letzten Tagen ein bemerkenswerter Um­schwung der Stellungnahme zu Thoiry be­merkbar gemacht hat. Man entschließt sich jetzt doch zu dem Eingeständnis, daß man die Hoffnungen, die man auf die Verhand­lungen Dr. StresemannS mit Briand gesetzt hat, wenn auch nicht fallen lassen, io doch zum mindesten vertagen müsse. Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, das umso schwerer wiegt, wenn man sich ver­gegenwärtigt, mit welch überschäumendem Optimismus man noch vor kurzem in dieser Presse einer baldigen Auswirkung der Thoiry-Verhandlungen entgegensah.

In der Tat, nimmt man die Auslassun­gen der Pariser Zeitungen zur Grundlage der augenblicklichen Situation, so muß man erkennen, daß der präzise Grundstoff der Verhandlungen von Thoiry zum wenigsten in Paris ad acta gelegt worden ist. Man glaubt sich in Paris davon überzeugt zu haben, daß die Gegenleistung, die Deutsch­land für eine mildere Auffassung der Be­stimmungen des Versailler Friedensvertra­ges in Aussicht stellte, von ihrem tat* jächlichen Wert auf Grund von Verhand­lungen, die inzwischen geführt worden sind verloren hätte. Infolgedessen glaubt Pari- keine Veranlassung mehr zu haben, irgend­welche positive Taten, die den Forderun­gen Deutschlands entsprechen würden, fol­gen zu lassen. Sehr deutlich wird diese Ansicht von Sauerwein imMatin" ge­kennzeichnet. Er erklärt, daß der Gedanke der Mobilisierung der Dawes-Obligationen nur ein erster Vorschlag aus einer Reihe anderer Vorschläge sei. Dieser erste Vor­schlag habe sich jetzt als zu gebrechlich er­wiesen, das durch ihn aufgeworfene Pro­blem fei noch nicht reif und habe "daher vertagt werden müssen. Aber es gäbe ja noch andere Vorschläge. Vielleicht könnte Deutschland einer ständigen Kontrolle des Völkerbundes am Rhein zustimmen, ob­wohl bis jetzt gegen diesen Gedanken sich schärffte Opposition bemerkbar mache. Die Hauptsache sei, daß auf beiden Seiten weiter der gute Wille und die Einsicht für die Notwendigkeit einer Versöhnung be­stehen bleibe. Damit sei die eigentliche Grundlage gegeben und man habe keinen Anlaß zu Besorgnissen, solange die beiden Länder sich nicht wieder von einander ent­fernen. Was jetzt gebrechlich und schwierig scheine, könne nach einigen Monaten schon lolide und leicht sein.

Man weiß, daß Sauerwein im allgemei­nen gut über die Ansichten des Quah d'Or­say unterrichtet ist. So wird man auch nicht in der Annahme fehlgehen, daß seine Beurteilung der augenblicklichen Situation ungefähr den Gedankengängen der fran- zösischen Regierung Rechnung trägt. Und wird es verstehen können, daß in der Ber­liner Wilhelmstraße sich ernstliche Besory- nisfe über den Gang der von beiden Sei­ten angebahnten Verständigungspolitik Platz geschafft haben. Die amtlichen Stellen ver­halten sich naturgemäß schweigsam über ben Anhalt der Aufgaben, die Hoesch mitge- geben worden sind. So wird man auch