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Donnerstag, Mi 21. Skiober 1926

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Die KontroMommWon Aeibt Heftehen

Ao BoMaftktkonftllnz von ter Eniwnffaung SruiWandS mA nitfit telricdigt

ff. Paris, 21. Okt. Die Botfchafter- konferenz nahm eine Reihe von Berichten tetr, die Entwaffnung Deutsch­lands zur Kenntnis. Die Berichte be­handelten verschiedene Punkte, in denen die Kontrollkommission weiter­hin der Ansicht sei, daß sie

von der deutschen Regierung noch nicht befriedigt

worben sei. Es handelt sich insbesondere am die Organisation des Ober­kommandos, ferner um die Her­stellung und Ausfuhr von Kriegs­material, die Organisation der Pol i- zei, die Veräußerung gewisser militäri­scher Gebiete (?), die Befestigung von Königsberg, sowie die soge­nannten Sportverbände, die in Wirklichkeit militärische Ziele verfolgten.

Erst wenn die Kontrollkommission der votschafterkonferenz mitgeteilt habe, daß fte in allen diesen Punkte« befriedigt wor­den sei. werde sie durch die Botschafterkon- ferenz den Völkerbund ersuchen können, die Aufgabe der Militärkontrolle in Hentschland zu übernehme».

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ziM'mch und das MiU-M Manifest

Erklärung des französischen Handels­ministeriums zum Wirtschaftsmanifest.

fk. P a r i s, 21. Okt. Das Handels­ministerium veröffentlicht zum internatio­nalen , Wirtschaftsmanifest folgende E r - kl ä r u n g:

Der Handelsminister empfing Vertreter der französischen Industrie, die ihn über die Umstände unterrichteten, unter denen das internationale Wirtschaftsmanifest veröffentlicht wurde.

Sie erklärten, an der Redaktion des Plaidoyers" teilgenommeu und es abgelehnt zu haben, es in der ver­öffentlichten Form zu unter ze ich« neu.

Eie hätten nur im Zuni eine völlig un­abhängige Rot» unterzeichnet, die »«Unrecht in den Zeitungen als ein einfacherVorbehalt" zum Text des Plaidoqers" bezeichnet wurde.

*

Auch in der französischen Presse findet das Manifest eine zum Teil sehr scharfe Ablehnung.

Zu dem internationalen Manifest schreibt derFigaro", man finde damit eine These der Gleichheit der Behandlung, die der doktrinären angelsächsischen Welt so wertvoll sei. Es sei allerdings sehr pikant, daß unter diesem Manifest große Aamen derVereinigtenStaa- ten, des proteltionistischsten Landes der Welt, und große Aamen Englands in einer Stunde wiederzusinden seien, in der England sich bemühe, von den Dominions zu seinem Nutzen die Auf­rechterhaltung und Berstärkung der Vorzugszölle zu erlangen.

Das GewerkschaftsblattLe Peuple" schreibt, man könne behaupten, daß das Manifest nichts enthalte, was der Arbeiter- shndikalismus nicht schon immer gewollt und wiederholt habe.

DieIournee Industrielle- er- llärt, der Wirtschastsfriede hänge nicht ein­zig und allein von der Beseitigung der Zollgrenzen ab, sondern auch von dem

Währungsfrieden. Das Plädoyer der Ge­schäftsleute könnte nützliche Betrachtungen darüber auslösen, unter welchen Be­dingungen ungeheure Reichtumsübertra- gungcn vereinbar seien mit dem Wirt­schaftsfrieden und besonders, ob sie mit dem Aeberprotektionismus in Einklang zu bringen seien, denn es gebe bei diesen un­geheuren Problemen nicht nur das Pro­blem des europäischen Handels.

DasEcho de Paris" nennt das Manifest ein Dokument, das aus den Ato­pien der Manche st erschule hervor­gegangen sei. Für das Blatt ist die Kund-

Halle a.d.S., 20. Okt. (TA.) Auf der heutigen Tagung des Landbundes der Pro­vinz Sachsen präzisierten Reichsminister a. D. Schiele und der Vorsitzende des Reichslandbundes, Graf Kalckreuth, ihre Stellung zur gegenwärtigen Wirtschafts­lage und zum Wirtschafts-Mani­fest.

Minister a. D. Schiele

führte in seinem Referat über die wirt­schaftspolitische Lage und die deutsche Landwirtschaft unter anderem aus, daß die deutsche Politik sich gegenwärtig zu stark nach außen hin richte. Die Zusammen­hänge zwischen der Politik von T h o i r h und dem Dawes-Abkommen, dem Transfer-System und damit auch unserer Währung seien zu ernsthafter Natur, als daß sie nicht eine allersorgfältigste Prüfung verlangten. Die unter allen Amständen zu betreibende Gesamtlösung der Reparationsfragen dürfe nicht durch eine lediglich den Interessen Frank­reichs dienende Teillösung ge­fördert werden. Die an Deutschland ge­gebenen Auslandskredite erweckten fälsch­lich den Anschein, als ob mit ihrer Hilfe, das Transfer-System durchführbar wäre.

Tatsächlich ginge aber eine immer stärkere Ueberfremdung un­serer Industrie vor sich. Wir entfernten uns also immer weiter vo« dem Ziel aufbauend nationaler Wirt­schaftspolitik.

Das sei angesichts der Erschütetrung der Statistik der deutschen Wirtschaft zu bedau­ern, denn eine Nachprüfung der Arbeits- losen-Ziffern ergebe eine Höhe von unge­fähr vier Millionen Arbeits­kräften, die brach lägen. Die amt­liche Statistik verschleiere dieses. Wie Mus­solini sein Volk zur Anterbindung der übermäßigen Weizenenisuhr auffordere, so mühten wir unser Volk zu einem großen Feldzug der Arbeit führen.

9« MKWMtenl in Bremen

sk. Bremen, 21. Okt. Der Reichspräsi­dent traf heute zum Besuch der Freie« Hansa- stadt Bremen ein. Um 9.15 Uhr fand in der Bahnhofshalle der Empfang des Reichspräsi­denten durch den Präsidenten des Senats, Oberbürgermeister Dr. Donandt, statt, in des­sen Begleitung sich der bremische Gesandte in Berlin und die Spitzen der Behörden befan­den. Auf dem von Tausenden von Zuschauern umsäumten Bahnhofsplatz schritt der Reichs­präsident, mit stürmischen Hochrufen begrüßt, die Front der Ehrenkompagnie ab, verweilte längere Zeit bei den in großer Zahl erschienenen Alt-Veteranen und nahm den Vorbeimarsch entgegen. Auf der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Rathaus wurde der Reichspräsident überall t oon der Spalier bildenden Menge und von e der Schuljugend herzlich begrüßt. Im Rat-

gebung nichts weiter als eine andere Art der Politik von Thoiry.

DerGaulois" spricht von einer platonischen Opposition. Man müsse feststellen, daß außer dem morali­schen Einfluß, den das Dokument auf ge­wisse politische Kreise ausüben könnte, es nicht dazu berufen erscheine, das Ziel zu erreichen, das es sich gesteckt habe. Wenn die Lösung, die man Vorschläge, das Inter­esse der einen begünstige, so stände es der Politik der anderen so offen entgegen, daß kaum Einstimmigkeit hergestellt werden könne.

Voraussetzung für diesen Feldzug sei die Sicherung der Rentabilität der Landwirtschaft, da die größten Arbeitsmöglichkeiten in der

Intensivierung derselben lägen.

Deutschland müsse ein dem eigenen natio­nalen Machtbereich angeglichener Agrar- Industrie-Staat werden, und sich allen Versuchen entgegenstemmen, wen« es entgegen seinen eigenen Interessen für den Weltmarkt ausnutzen wolle. Darauf nahm

Graf Kalckreuth

zu dem Wirtschafts-Manifest Stel­lung. Er erklärte, daß die Landwirtschaft volles Verständnis dafür habe, wenn die Wirtschaft die Zollfesseln zu erleichtern wünsche, jedoch nur unter der Vorausset­zung, daß die landwirtschaftlichen Schutzzölle nicht angegriffen würden. Wenn die I n d u st r i e einer internationalen Vertrustung zustrebe und auf der Grundlage landwirtschaft- licherZollfreiheit ihre Arbeiter bil­liger zu ernähren hoffe, so befände sie sich auf einem Irrwege, weil dieses nur zur Vernichtung des landwirtschaft­lichen Besitzes führe. Für den deut­schen Konsumenten würde also nichts er­reicht werden, weil dieser dann restlos von der vertrusteten internationalen® r- nährungsproduktion abhängig würde.

Einzig die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft im Wege der Intensivierung komme für de« Wiederaufbau der Wirtschaft in

Frage.

Dieses sei jedoch nicht als Wunsch nach be­vorzugter Behandlung aufzufassen, sondern dadurch bedingt, daß Me Landwirtschaft ihre nationalen Aufgaben zu er­füllen wünsche, nämlwh die Ernährung des deutschen Volkes auf eigenem Boden zu gewährleisten.

Hause waren der Senat und das Präsidium der Bürgerschaft versammelt, um den Reichs­präsidenten zu begrüßen.

Ar 6lrtitmnnn-®ttnleirt fttigtipreditn

Berlin 20. Okt. In dem Prozeh gegen KaItdorf und Lorenz, die beschuldigt werden, ein A t t e n t a t auf Dr. Strese - mann geplant zu haben, beantragte nach kur­zer Zeugenvernehmung der Staatsanwalt, die Anklage gegen beide Angeklagten fallen su lassen. Die Anklage beruhe auf der Annahme, dah eine ernsthafte Vereinbarung zur Ermordung des Ministers Stresemann vor­lag. In dieser Beziehung habe sich nichts ergeben. Nach etwa einhalbstündiger Be­ratung des Gerichtes wurde folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten werden auf Kosten des Staates freigesvrochen. Die Haft­befehle werden aufgehoben.

Bedenken der deutschen Landwirtschaft

. gegen das MWcMManW

Ar AnßrnvoM SnlgaritnS

Don Theodor Blank-Sofia.

Die politische Stellung unter den Dal- kanländern, in die Bulgarien durch den verlorenen Krieg, insbesondere durch den Vertrag von Neuillh, versetzt ist. haben seine Außenpolitik in gewisse Passivität gedrängt. Es muhte seither darauf ver­zichten, in dieser Beziehung große, eigene Ziele und Gedanken zu verfolgen, und sich damit bescheiden, ftemde Angriffe abzu­wehren, int übrigen aber durch eine Politik des Friedens seine Beziehungen zu den Nachbarländern so gut wie eben möglich zu gestalten, ohne dabei natürlich lebenswich­tige Interessen preiszugeben.

Es -liegt auf der Hand, daß dies nicht nur eine intensive Tätigkeit, sondern auch eine große politische Amsicht und Geschick­lichkeit erfordert ,um so mehr, als das kleine Land von vier Nachbarn umgeben ist, von denen drei ihm im Weltkrieg feind­lich gegenü&erftanben. Ein Blick auf die Karte lehrt dies am besten, wobei der rie­sige Komplex des heutigen Iugoslaviens besonders ins Auge fällt.

Man kann nicht bestreiten, daß es dem Lande geglückt ist, auf diesem Wege un­zweifelhafte Fortschritte zu machen. Die ruhige Haltung der bulgarischen Regie­rung bei dem Grenzzwischenfall bei Pe- tritsch und die diesbezügliche erfolgreiche Auseinandersetzung mit Griechenland unter Hilfe des Völkerbundes im Vorjahre kön­nen gewissermaßen als richtunggebend für die Außenpolitik der folgenden Zeit be­trachtet werden.

So hat Außenminister Buroff, der Nach­folger Kalfoffs, gerade in den letzten Mo­naten einige wichtige Erfolge erzielt. Vor kurzem kam ber. Freundschaftsvertrag mit der Türkei zum Abschluß, der für Bul­garien eine ganze Reihe von Vorteilen brachte. Erstens werden die .Bestim­mungen des Vertrages von Konstantinopel, die der Türkei das Recht geben, sich in innere Fragen Bulgariens einzumischen (türkische Schulen und Schulgüter betref­fend), beseitigt, zweitens werden die bul­garischen Staatsangehörigen in der Türkei in ihren Rechten den Untertanen der Groß­mächte gleichgestellt, dürfen z. B. Grund und Boden besitzen, was bis jetzt nicht möglich war. In der Frage des Eigen­tums der Flüchllinge einigte man sich auf einen Tausch: Das Eigentumsrecht sowohl der bulgarischen wie der türkischen Flücht­linge, die nach 1912 ausgewandert sind, wird als erloschen betrachtet. Hierbei ist Bulgarien allerdings dadurch etwas im Nachteil .indem Zahl und Vermögen der bulgarischen Flüchtlinge weit größer sein dürsten als die der türkischen. Doch ist Bulgarien das Recht zugesprochen worden, sich in Streitfällen an das Haager Schieds­gericht zu wenden, eine Zusage, die es von den anderen Nachbarländern nicht erhalten konnte.

Eine gewisse, von Rumänien argwöhnisch beobachtete Annäherung an Iugoslavirn, die in einer Begegnung Buroffs mit dem jugoslavischen Außenminister Nintschitsch int Juni zum Ausdruck kam und von der Presse lebhaft kommentiert wurde, verlor durch verschiedene Ereignisse an Bedeu­tung. Erstens ereigneten sich mehrere Zwischenfälle an der serbisch-bulgarischen Grenze, und zweitens begann damals die Frage der bulgarischen Anleihe akut zu werden. Es scheint mehr als ein zufälliges Zusammentreffen zu sein, daß gerade als Bulgarien hn Ausland wegen der Flücht­lingsanleihe verhandelte, von Seiten Iugo­slaviens, sowie Griechenlands und Ru­mäniens die lebhaftesten Klagen über Bul­garien laut wurden.

Ihren Höhepunkt fanden diese kürzlich in der von Nintschitsch angeregten und ausgearbeiteten Kollektivnote der drei Län­der an Bulgarien, in der gegen die Grenz­überfälle durch bulgarische Kamidaschi pro- teftiert wurde. Buroff antwortete darauf sehr ruhig, daß die bulgarische Regierung alles zur Erhaltung des Friedens tue, daß die Lieberfälle von Seiten der Nachbarlän­der an Zahl die von den bulgarischen Ban-