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Muiivoch, len 20. Skiober 1926

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ÄbLTheMche

Kuns LmdrSzelim«

Um Besuch drS niederlnndischen Mluistett tu Svorn

ff. Amsterdam, 20. Olt. Zu dem Besuch des Ministers des Innern Dr. Kan bei dem ehemaligen deutschen Kaiser in Doorn bemerkt „Mißernten Sandelsblad": Die nie­derländische Regierung hält die Erklärung auf­recht, datz^von einer Abreise des früheren Kaisers kein« Rede sei und Latz der Besuch des Ministers in keiner Verbindung mit einer Abreise stehck

Es sei unrichtig, dah die niederlän­dische Regierung in dieser Frage gegenüber den Erohmächten Verpflichtun­gen eingegangen sei.

Auch habe die englische Regierung Heiner lei Erku Neigungen über eine Rückkehr des ehemaligen Kaisers auf offptöfem Wege eingezogen.

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, Sieg der AlkohosrerbMegner in Norwegen

fb. Oslo, 20. OKI. Wie zu erwarten war, ; endete die Volksabstimmung über das Brannt­weingesetz mit einem vollkommenen Sieg der Alkoholverbotsgegner die 510 500 Stim men aufbrach!rn, während die Lranntweinverbotrfreunbr nur 405 800 Stim­men aufbrachien. Die M e h r h e it beträgt mithin 105 000 Stimmen. .... „.

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AuWußbMimgenimReiWag

Beamtenausschuh.

Berlin, 19. Oft. Im Beamtengusschuh -es Reichstages wurde die Beratung des Ent­wurfes einer Reichsdienststrafordnung beim Paragraphen über die Zusammensetzung der Reichsdienst st rafkammer fortgesetzt. Es wurde beschlossen, dah von drei Beamten- Beisitzern je einer dem unteren, dem mittleren und dem höheren Dienst angehörcn müssen. Die Mitwirkung der Beamten beim Vorschläge zur Verwendung von Beamtenmitgliedern soll durch das Veamtenvertretungsgesetz geregelt werden. Bei der Zusammensetzung des Reichs- 1 dienst-Strafbuches verblieb es bei der Regie­rungsvorlage. Ver

sozialpolitische Ausschuh stimmte dem § 5 des Arbeitsgerichtsgesetzes in der Fassung der Regierungsvorlage zu, der die strittige Frage behandelt, wie weit Mitglieder einer Genossenschaft zugleich deren Arbeit­nehmer sein können. Im

Ausschub für Verkehrsaugelegenheiten wurde das Problem des Kanalbaues mit Rücksicht auf die Durchführung der produktiven Erwerbslosenfürsorge besprochen. Reichsver- kebrsminister Dr. Kröhne stellte in einem Schlußwort seine Befriedigung fest, dah grund­sätzliche Unterschiede der Auffassung zwischen ihm und der Mehrheit des Ausschusses nicht beständen. Es folgten Referate über die be­antragten Kanalbauten. Der Ausschuh wird bis zum Beginn des Reichstagsplenums täg­lich Sitzungen abhalten.

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Sementlnte Gerüchte

Berlin, 19. Oft. (WTB.) Gegenüber den in den letzten Tagen, insbesondere in der ausländischen Presse, auftauchenden Gerüchten, daß die deutsche Regierung die Absicht habe, zur Durchführung des Pro­gramms von Thoirh die Einberufung einer internationalen Finanz- konferenz vorzuschlagen, wird von zu­ständiger Seite festgestellt, dah diese Ge­rüchte jeder Begründung entbeh­ren. Ebenso ist die Meldung einer polni­schen Zeitung, wonach die deutsche Re­gierung mit Vorschlägen für die Rege­lung der Ost frage an die anderen Dächte herantreten wolle, selbstverständlich völlig aus der Luft gegriffen.

Die MWM zum WlrtMftsnnkM

ASikhnung in den Bmimgten Staaten unb «Halten

Der Wortlaut des Weltwirtschaftsmani­festes, den wir bereits gestern veröffent­lichten, wird heute auch in den Berliner Zeitungen wiedergegeben und ausführlich kommentieM,

Der „Börsenkurier" weist in seinem Handelsteil darauf hin, Lag die heutige Börsenhausse als Wir­kung des internationalen Wirt­schaftsmanifestes aufzufassen sei. Die gro'ge wirtschaftliche Macht, die de« Unterzeichnern des Dokuments zur Ver­fügung stehe, werde eine Revision der Zollgesetzgebung der Welt zur Folge haben, die Deutschland als dem größten Deredelungsland unbedingt Vorteile bringen müsse.

Die rechtsgerichtete „B L r s e n z e i - t u n g" unterstreicht hingegen gleichfalls die politische Seite des Dokuments, das sich unausgesprochen gegen den Versailler Vertrag wende, jedoch würde cs noch einige Zeit dauern, bis sich die politische Mentalität umgestellt habe. Die „Börsen­zeitung" fordert sodann gleichfalls, Lag man sich auch mit Rußland be s ch ä f t i g e, da in dem neuen kapitalisti­schen Zeitalter, an dessen Schwelle wir stünden, das russische Reich ein bedeuten­des Zukunftsland sein würde. Für Deutschland sei es bei a l l e o e m eine starke Hoffnung, Laß man bei «ns die neuen Strömungen der Zeit recht­zeitig begriffen habe.

Die „D. A. Ztg." betont, Laß das Manifest an Wirkung gewonnen hätte, wenn gesagt worden wäre, daß auch Eng­land und Amerika in Hochschutzzöllen machten und daß dies zu bedauern sei. Trotz der französischen und italienischen Einschränkung bleibe jedoch die Be­deutung des Manifestes groß genug, weil es, wenn auch mit anderen Worten, sich fü; Deutschlands Politik, nämlich die europäische Handelsfreiheit, einsetze. BcgHißenswcrt wäre ferner di. Feststellung, daß p o l i t.i s ch e Ursache und wirtschaftliche Wirkung miteinander verknüpft seien und daß es daher falsch wäre, wirtschaftliche Wirkungen aufhcben zu wollen, ehe die politischen Ursachen weggeräumt worden wären. Leider sprächen jedoch in dem Manifest aber nicht die Politiker, sondern Kaufleute und deshalb bleibe es eben nur ein Manifest.

Das internationale Wirtschafts-Manifest wird von der „T ä g l. Rundschau" als erster Schritt, der aus der Wüste des seit dem Verttag von Versailles herrschenden wirtschaftlichen Unsinns in die Gefilde der wirtschaftlichen Vernunft zurückführe, auf das lebhafteste begrüßt. Das Manifest stelle eine indirekte Kritik am Ver­sailler Vertrag dar. Im übrigen sei das Wirtschaftsmanifest klug genug, um eine einseitige Stellungnahme 8u Gunsten des Freihandels zu vermeiden, da es sich nicht gegen den Schutz nationaler Industrien wende.

Im Gegensatz zu diesen Aeußerungen sieht der „Vorwärts" in dem Mani­fest eine Kundgebung der internationalen Unternehmer für den internatio­nalen Freihandel und bezeichnet da­her das Manifest als einen Gedanken, der insbesondere von der Arbeiterschaft ver­treten worden sei.

Die „Deutsche Tageszeitung", die „Kreuz­zeitung" und die „Deutsche Zeitung", also die Rechtspresse,lehnendasWa- ni fest ab. Die „Kreuzzeitung" meint, daß es rein auf den freihändleri­schen und internationalen Standpunkt ab­gestellt sei und dem inneren Markt, sowie der deutschen Landwirtschaft keine Rechnung trage. Auch das Problem des russischen Marktes sei nicht berührt worden. Die „Deutsche Zeitung" stellt fest, daß das Manifest reichlich theo­retisch sei. Wenn wir das Manifest durch­

führen wollten, so müßten zuerst die wirt­schaftlichen Folgen der Gebi.etszer- reißung durch das Friedensdik­tat rückgängig gemacht werden, also zum mindesten deutsche Cinfuhrfreiheit in diese Gebiete gefordert werden. Das Ma­nifest könne Waffe in Deutschlands Händen werden, wenn es sie recht handhabe. Je­doch sei der Handel zur Lösung dieser Frage nicht berufen.

■ Amerika

ff. Rewyork, 20. Okt. (Reuter.) Hier wird dem Wirtschaftsmanifest keine be­sondere Bedeutung bcigemessen. Ein führender Bankier bezeichnet das Manifest als ein harmloses und von frommen Wünschen erfülltes Plädoyer. John Mitschell, der mit zu den Untere ir nern des Manifestes gehört, erklärte, die vielfältigen, dem Handel in Europa zur Zeit auferlegten Beschränkungen feie« der gesamten europäischen Wirtschaftswohl- ■ fahrt äußerst schädlich und hätten schon vor langer Zeit beseitigt werden müsien. Wie behauptet wird, ist der Gedanke des Wirtschaftsmanifestes im vergangenen Frühjahr in britischen Bankkrei- s e n entstanden and man habe amerikani­sche Geschäftsleute um ihre Unterschrift er­sucht, mehr in der Absichr, dem Plädoyer moralische Stoßkraft zu geben, als die Beteiligten Amerikas auf ei« schnell umrissenes Programm festzulegen.

englanb

ff. Londo 20. Okt. Die meisten Morgenblätter nehmen zu dem Manifest in Leitartikeln Stellung. Die liberale Presse begrüßt es naturgemäß mit Wärme.

Das Arbeiterblatt „Daily Herold" sagt, man stehe einem Versuch als Kapi­talismus gegenüber, sich durch Reorgani­sation, Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Handels unter der Kontrolle einer kleinen Gruppe allmächtiger Banken zu befestigen.

„M o r n i n g P o st" hält eine Abände­rung der Tarife Frankreichs, Deutschlands und der Vereinigten Staaten für so un­wahrscheinlich, dah sich eine Erörte­rung kaum lohne.

Laut „Daily C h r o n i c l e" mühten die britischen Freihändler ihre Befriedi­gung über die Stärke und weitverbreitete Bewegung gegen die Tarifmauern emp­finden. Unglücklicher Weise werde Eroh- britannien gerade jetzt nicht von einer Re­gierung geführt, die einer traditionellen Politik treu sei.

Italien

Rom, 19. Ott. Das Manifest des inter­nationalen Banktrustes findet in der italieni­schen Presse keine sehr günstige Aus­nahme. Die „Tribun a“ und der „Eior - n a l e d' I ta l i a" machen.Vorbehalte, der „Teuer e" lehnt die Sache von vornherein ab. Die ,.Lavora d'Italia" sieht darin eine Verschwörung des internationalen Judentums, das alle Länder unterjochen wolle. Das Blatt erklärt, es wolle keinen antisemitischen Kreuz­zug heraufbeschwören. Wenn aber diese jüdische Offensive nicht aufhöre, so müßten die Juden, die diesem Plan günstig gesinnt seien, als feindliche Ausländer behandelt werden.

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Wie das Manifest entstand.

Berlin, 19. Oft. Wie den Blättern zu dem internationalen Wirtschaftsmanifeft mit­geteilt wird, entstand der Gedanke, in einer Art Manifest zu gelegener Zeit an die Oesfent- lichkeit beranzutreten, um die Wirtschaftslage klarzulegen, vor etwa 6 Monaten gelegentlich der Anwesenheit Dr. SchachtsinLondon.

SÄ WellwittfchaMmanM

Das mit großer Spannung erwartete Mani. fest führender Persönlichkeiten aus der Welt, wirtschaft liegt nunmehr im Wortlaut vor. Wer geglaubt hatte, daß diese Erklärung ir. gend etwas Neues bringen würde, sieht sich getäuscht. Was die Wirtschaftler der 15 Natio­nen in ihrer Erklärung aussprechen, ist im Grunde genommen eine alte Erkenntnis, die wiederholt in den vergangenen Jahren von prominenten Sachverständigen der Wirtschaft des In- und Auslandes kundgegeben wurde. Aber die Tatsache, daß sich Persönlichkeiten von Rang aus fast allen Kulturnationen bereit­gefunden haben, diese Erkenntnis in eine offi­zielle Form zu binden, gibt dieser Erkenntnis ein Gewicht, das die Bedeutung des Ereignis­ses unterstreicht.

Die genaue Prüfung der Denkschrift führt zunächst zu der Feststellung, daß die Wahrheit, die an den Tag gebracht werden soll, in recht vorsichtige Worte gekleidet worden ist. In keinem einzigen Satz der Erklärung wird auf die Verschiedenheit und Eigentümlichkeit der einzelnen Wirtschaftsgruppen in den einzelnen Ländern eingegangen. Man sieht an der For­mulierung der Erklärung recht deutlich, daß manche These, die ausgesprochen wurde, das Kind eines Kompromisses ist. Aber die in», nere Wahrheit, die aus den Worten des Mani- festes verschleiert hervorleuchtet, ist doch so stark, daß sie jedem in die Augen springen muh. Wenn das Wölfische Telegraphenbüro die Auffassung der deutschen Wirtschaftskreise über die Erklärung dahin zusammenfaßt, daß man nun endlich die wirtschaftlichen Fehlgriffe des Versailler Vertrages erkannt habe, unb ihre Beseitigung als Vorbedingung für ein Wiederaufblühen der europäischen Produktion und des europäischen Handels angesehen habe, so rührte es mit dieser Feststellung an das Kernproblem dieses Manifestes.

Dem Vertrag von Versailles ist in der Wirt- schaftserklärung allerdings mit keinem Wort Erwähnung getan. Wer die Forderungen, die die Wirtschaftsführer in ihrer Denkschrift er­beben, ihre Feststellungen, Bedenken, Folge­rungen — alle basieren sie auf der Unzweck­mäßigkeit und dem Widersinn des Versailler Vertrags. Die Grundtendenz des Manifestes ist so handgreiflich, daß Paris nicht an ihr vor­beigehen konnte. Und so ist auch das-Echo, das diese Wirtschaftserklärung in der Seine­stadt fand, so, wie man es erwarten mußte. Man kann die Aufnahme, die Paris der Er­klärung gibt, nicht anders als sehr kühl be­zeichnen. Indem man behauptet, daß sich das Manifest in der Hauptsache gegen die Wirt­schaftspolitik Frankreichs und der von ihm abhängigen europäischen Staaten ridjtet, ver­sucht man, die ganze Sache mit der kühnen Vermutung abzutun, daß das Manifest aus­schließlich auf deutsche Initiative beruhe und vornehmlich gegen den Versailler Vertrag ge­richtet sei. Also Vereits schon heute erhält man eine kleine Probe aufs Exempel, wie sich die Bedeutung des Manifestes politisch aus» wirken wird.

Es gibt noch andere Seltsamkeiten in die­sem Manifest. So der Satz: „Wenn wir den Handel der Nachbarstaaten behindern, so ver­mindern wir damit für diese Staaten auch die Möglichkeit, ihre Schulden zu bezahlen." Eine Binsenwahrheit in einem Manifest, das auch von führenden amerikanischen Wirtschaftlern unterzeichnet und gebilligt ist. Könnte dieser Satz nicht auch als ein drohendes Menetekel für die Wirtschaftspolitik Amerikas Verwen­dung finden? Cs ist wahr, die Erklärung der Weltfinanz bezieht sich in der Hauptsache auf die Notwendigkeit der Handelsfteiheit Euro­pas. Sie spricht sich nur über die Verhält, niste in Europa aus unb vermeidet es sorgsam, wirtschaftliche Fragen zu berühren, deren Trä­ger die Vereinigten Staaten von Amerika sind: Die amerikanischen Unterzeichner des Manifestes interessieren sich sehr stark für den Abbau der Tarifmauern in Europa. Leider sieht man sich zu der Feststellung gezwungen, daß die -europäischen Befürworter der Erklä­rung dieses Intereste nicht mit einem ähnlichen Interesse vergelten. Don der notwendigen Aufhebung aller Beschränkungen des Handels in den Vereinigten Staaten von Amerika spricht kein Mensch. Obgleich die Hochschutz­zollpolitik, die dort getrieben wird, im Zu. sammenhang mit der europäischen Wirtschaft«.