SonnadM, toi 16. SNvbrr 1926
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Sie Rbeinarmee bleibl!!
Das «Echo de Paris" veröffentlicht laut ,Lok. Anz." heute »u den Gerüchten von einer bevorstehenden Verminderung der französischen Nheinlandarmee folgende Erklärung: «Wir find in der Lage mitzuteilen, dah entgegen den bisherigen Gerüchten im Verlaus der Pariser Unterredung Painleves mit Heneral Euillaumaf weder von einer Reduzierung der Besatzungsarmee noch von der teilweisen oder gänzlichen Auflösung der Kavallerie-Division die Rede gewesen ist. Unsere Rheinarmee bleibt am Rhein, so wie sie ist, ohne Ber- inderung."
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' Mitt der Kabinetts Ramel
Wien, 15. Okt. Wie verlautet, ist das Kabinett Ramek wegen der Unmöglichkeit, die Be- amtenkorderungen zu erfüllen und angesichts brr Unnachgiebigkeit des 25er Ausschusses und der Technischen Union zurückgetreten.
Ser Rücktritt der ungnrMcn SnbinetH nicht angenommen
Budapest, 15. Okt. (WB.) Der Reichsoerweser hat die Demission des Kabinetts Bethlen nicht angenommen. das Kabinett seines vollständigen Vertrauens versichert und die vakanten Ministerposten folgendermaßen besetzt: vcußcres: Walke, bisheriger Handelsmi- etffcr; Inneres: Scitovszky, bisheriger Präsident der Nationalversammlung; Han- deksminister: Profesior Hermann, Abgeordneter.
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Sie große Koalition gescheitert
T:<? offiziöse SßenauiEnrrnq der Preußischen Landtugsfraktion der Deutschen Bolks- tzartei, daß die Volkspartei die Ver- haicdlungen über eine Erweiterung der preußischen Regie- gierungskoalition als abgebrochen an,ehe, hat in den Wandelgängen des Preußischen Landtages ziemliches Aufsehen erregt. Wie aus volksparteilichen' Kreisen mitgeteilt wird, ist man in der Fraktion der Deutschen Bolkspartei zu der Auffassung gekommen, daß die Regierungsparteien nicht ernstlich gewillt seien, mit der Deutschen Volkspartei eine Koalitions- gemeiniä'afr einzuaehen. Man verweist darauf, daß bereits die Ernennung des Mi- tlisterialdirektors Dr. Abbegg zum Staatssekretär, die erfolgr ist, ohne daß man sich 6t.t der Deutschen Volkspartei in Verbindung gesetzt hatte, diesen Willen vermissen ließ. Besonders verstimmend habe auf die Deutsche Volkspartei auch die Tatsache gewirkt. daß von dem Ergebnis der Besprechungen, die der Ministerpräsident am Donnerstag mit den Fraktionsführern der Re- Sicrnnasparteien gehabt hatte, der Deutschen Volkspartei offiziell keine Mitteilung gemacht wurde.
Welche Folgerungen sich aus dem Beschluß der Deutschen Volkspartei ergeben werden, läßt sich noch nicht übersehen. Der Landtag ist am Freitag in die Ferien gegangen und wird erst wieder Anfang Ro- bcirber, etwa gleichzeitig mit dem Reichstag, zusammentreten. Bis dahin wird voraussichtlich die Koalitionsfrage zunächst einmal völlig ruhen. Daß innerhalb der Deutschen Volkspartei in den letzten Tagen die Neigung, in Preußen die große Koalition wieder herzustellen, etwas Nachgelassen hat, geht u. a. aus einer Aus- «lssung der „Kölnischen Zeitung" hervor, die betont hat, die Deutsche Volkspartei Düs'- sich bei den Koalitionsoerhandlungen bau vornherein darüber klar sein, ob der erreichbare Preis groß genug ist, 6m sich für den Eintritt in die Preußische Regierung mit aller Kraft einzusetzen. Das Blatt sprach dabei die Ueberzeugung aus, daß dieser Preis viel zu gering sei, da nach den bereits erfolgten Per|onalverände- kungen die Volkspartei in der Regierung nichts anderes als eine Kulisse für die Ärigen Parteien sein könne. Es scheint,, daß diese Auffassung des volksparteilichcn Kölner Organs innerhalb dec Landrags- fraktion der Deutschen Bolkspartei an Boden gewonnen hat.
Die MMMmmlage in dritter Lesung angenommen
Die üblichen Tumult- und Vrügelstenen - Ablehnung der Mißtmuensantrüge
Sitzung vom 15. Oktober.
Das Haus ist gut besucht, die Tribünen sind dagegen nur schwach besetzt.
Dor Eintritt in die Tagesordnung begründete
Abg. Pieck (Komm.) einen kommunistischen Antrag ,dah der Landtag aufs schärfste die vom Präsidium für die heutige Sitzung getroffenen polizeilichen Maßnahmen mißbillige. (Sehr wahr bei den .Kommunisten, Gelächter rechts.) Die Kommunisten beantragen Aussetzung der Beratungen, bis -die Kriminalbeamten aus dem Landtag verschwunden seien. (Stürmische Zustimmung bei den Kommunisten.)
Präsident Bartels erklärte dazu, daß er es ebenfalls für beschämend halte, daß Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Landtage nötig sei. Er habe aber diese Maßnahmen wegen des Verhaltens von Mitgliedern des Hauses treffen müssen. (Lärm bei den Kommunisten, Zustimmung rechts und in der Mitte.)
Aach der., einleitenden Kontroverse zwischen dem Abg. Pieck (Komm.) und dem Präsidenten marschierten im Landtag noch mehrere kommunistische Abgeordnete auf, um zu versuchen. die Maßnahme des Präsidenten (die Hinzuziehung der Polizei) zu kritisieren.
Präsident Bartels erklärte jedoch, daß er eine Kritik an feinen Dorbereitungen nicht zulassen sänne und daß er dem Redner das Wort entziehen müsse.
Bei diesen Worten ,die von der Rechten und dem Zentrum mit Beifall ausgenommen werden, erhebt sich starktp -^L ä r m bei den. Kommunisten, bei dem die weiteren Ausführungen des Präsidenten verloren gehen.
Inzwischen hat Minister Höpker- Aschoff auf der Regierungsbank Platz genommen. Die Kommunisten halten die linke, eine Gruppe deutschnationaler Abgeordneter die Treppe zur Tribüne besetzt. Die Erregung im Hause wächst. Die immer erneut zu Ge- schäflsordnungsanträgen antretenden Kommunisten werden mit Schlußrufen empfangen.
Abg. Bartels- Krefeld (Komm.) begründet dann in längeren Ausführungen die sofortige Behandlung des folgenden kommunistischen Antrages „Der Landtag erklärt sich für aufgelö st". (Gelächter rechts.) Als der Redner sich dabei auf allgemeine Ausführungen entläßt, wird ihm vom Präsidenten Bartels das Wort entzogen. (Anhaltender Lärm und beleidigende Zurufe bei den Kommunisten.)
Rach Erledigung der Eingabenberichte folgt die
dritte Beratung der Hohenzollern-Vorlage.
Abg. O b u ch (Komm.) bringt den schon früher vom Landtag abgelehnten Antrag ein. den Ministerpräsidenten herbeizurufen. Der Finanzminifter sei unfähig. (Sehr wahr bei den Kommunisten, Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung.) Der Ministerpräsident solle erklären, ob er auch wie der Finanzminister vor den Hohenzollern aus dem Bauche rutschen will. (Präsident Bartels erteilt dem Redner unter großem Lärm der Kommunisten den zweiten Ordnungsruf.)
Es folgt di« allgemeine Besprechung der Hohenzollernvorlage.
'Abg. Grube (Komm.): Die Deutschnationalen hätten es verstanden, die Sozialdemokraten für die Kassengeschäfte der Hohenzollern zu interessieren . Der Hundecharakter der Sozialdemokraten sei nicht mehr zu unterbieten. (Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung.) Gerade die Parteien, die sich hier als Gralshüter des Eigentums- schutzes hinstellen, seien die größten Räuber gewesen.
Abg. W u l l e (Dölk.) gibt folgende Erklärung: Die deutsch-völkische Freiheitsbewegung vertritt den Standpunkt, daß Recht Recht bleiben muh. Dazu gehört, daß das Recht an Privateigentum gewahrt wird. Ebenso, wie sie die Beraubung der Sparer durch die Inflation und die sog. Aufwertunasgesetze, die Enteignung des schassenden Volkes durch die Steuer- und Kreditpolitik aufs schärfste be- kämpst, wendet ft« sich mit allerschärfster Entschiedenheit gegen alle Beraubungsversuche an den ehemals regierenden Häusern. Wir glauben nicht, daß der vorliegende Vergleich dem Recht der Hohenzollern völlig genügt . Da aber das Haus Hohenzollern diesem Vergleich mit dem preußischen Staat zugestimmt hat, werden auch
wir der Regierungsvorlage zustimmen. Wir werden unter Ablehnung der kommunistischen Begründung für die eingebrachten Mißtrauensanträge stimmen.
Abg. Bartels- Krefeld (Komm.) erklärt, nicht die Fürsten, sondern das Volk sei in Not. Die Sozialdemokratie habe die proletarische Ehre mit Füßen getreten. Als der Redner den Ministerpräsidenten Braun als ersten Lakaien der Hohenzollern bezeichnet, und dann von „Hohenzollernhalunken" spricht, wird ec vom Vizepräsidenten Garnisch zweimal zur Ordnung gerufen. (Die kommunistischen Abgeordneten haben fich dicht um das Rednerpult geschart, von der Rechten drängen die Deutschnationalen ebenfalls heran.)
Abg. R e h b e i n (Komm.) ergeht sich in heftigen Ausfällen gegen die Demokraten. Der Redner nennt die Hohenzollern „Verbrecher" und erhält dafür einen Ordnungsruf.
Ein vom Abg. Schwenk vorgelegter Antrag wird vom Vizepräsidenten (Harnisch nicht zugelassen, weil er beleidigende Aeußerungen gegen die Hohenzollern enthält.
Finanzminister Dr. Höpke r-Aschoff äußert sich auf die Frage nach der Ausle- gung des Wohnrechts des vormaligen Königs folgendermaßen: Der § 23 des Re- publikschutzgesetzes bestimmt, daß den Mitgliedern der ehemaligen deutschen Fürstenfamilien der Aufenthall in Deutschland verfugt oder beschränkt werden kann, wenn Sraatsinteressen das erforderlich machen. . KiesL. Bestimmung ist auch heute noch gel- 'ten'oes Recht. Deshalb kann naturgemäß das im jetzigen Vergleich vorgesehene Wohnrecht, nur im Rahmen der Bestimmungen des Republikschutzgesetzes betrachtet werden. Was die Bestimmungen über den Kunstbesitz anlangt, so war auch da der Kompromißentwurf für den Staat nicht sehr günstig. Wir hätten Kunstbesitz herausgeben müssen, der uns nach dem jetzigen Vergleich zufällt. Rach dem neuen Vergleich fallen an den Staat 400 Gemälde und 1100 Skulpturen. Damit ist alles erreicht, was überhaupt erreicht werden konnte.
Damit ist die allgemeine Aussprache beendet.
§ 1 wird gegen die Stimmen der Kommunisten bei Enthaltung der Sozialdemokraten angenommen.
§ 2, der völlige Steuer- und Gebühr e n fre i h e i t für die Durchführung des Vergleiches vorsieht, wird mit 241 gegen 36 Stimmen bei 64 Stimmenthaltungen angenommen.
, Mit ähnlichem Stimmenverhältnis werden die folgenden Paragraphen des Entwurfes ebenfalls in namentlicher A b - ft c 'm m u n g angenommen.
Die kommunistische» Abgeordneten Stolt und S o b o t k a erhielten Ordnungsrufe, weil sie bei einer namentlichen Abstimmung anstatt einer, acht bezw. sechs Karten abgegeben hatten. Der Präsident droht für de» Fall der Wiederholung dieses Versuches mit Sitzungs- ausschlub.
Zn der Gesamtabstimmung wurden die Hohenzollernverträge mit 258 gegen 37 Stimmen bei 65 Stimmenthaltungen angenommen.
Auch der Rest der Vorlage findet nach langwierigen namentlichen Abstimmungen Annahme. Nach fast vierstündigem Abstimmungskampfe kommt es zur Schluß- a b st i m m u n g. Auch diese findet auf kommunistischem Antrag namentlich statt. Sie ergibt die Annahme der Dorla g e mit großer Mehrheit. Das vom Vizepräsident Earnich verkündete zahlenmäßige Abstimmungsergebnis ist im Einzelnen nicht zu verstehen, weil die Kommunisten einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalten, der noch durch Beifallskundgebungen der Rechten wegen der Annahme der Vorlage vergrößert wird. Auch die Tribünen mischen sich jetzt ein. Plötzlich kommt es vor dem Rednerpult
zu einem Handgemenge zwischen kommunistischen, deutschvolksparteili
chen und deutschnationalen Abgeordneten. Die Abgeordneten schlagen mit
Fäusten aufeinander los.
Vizepräsident Earnich kündigt durch Verlassen seines Stuhles an, daß die Sitzung unterbrochen sei.
Sofort trat der Kommunist Piek vor das Rednerpult und richtete an die Tribünenbesucher und an das Haus eine Ansprache, in der er von einem Schmach- und Schandvertrage sprach. Aber auch seine Ausführungen gingen in dem tosenden Lärm fast völlig verloren. Nun versuchte der Kommunist Kasper, seinem Freunde Pieck Ruhe zu verschaffen, indem er die große Präsidentenglocke ergriff und unaufhörlich schwang. Zn diesem Augenblick betrat Präsident Bartels das Präsidentengestühl und schickte eine« Diener gegen den Abgeordneten Kaspar vor, um ihm die Glocke abzunehmen. Gleichzeitig schwang er die viel schwächere Ersatzglocke und verkündete mit dem Aufgebot all seiner Stimmittel, daß der Abgeordnete Kaspar ausgeschlossen sei. Die Kommunisten nahmen nunmehr Front gegen den Präsidenten und drohten ihm mit Zurufen und erhobenen Fäusten. Auch Aktenbündel flogen im Saalherum. Man hörte nnr noch, wie Präsident Bartels einige weitere Kommunisten von der Sitzung ausschloß. Dann wandte sich die Aufmerksamkeit besonders wieder den Tribünen zu, wo inzwischen Kriminalbeamte den Versuch unternahmen, renitente Tri- bünenbesucher hinauszufsihren. Auch die Besucher leisteten Widerstand und versuchten, Ansprachen an das Haus zu halten, wurden aber schließlich von mehrere» Beamten abgedrängt. Die kommunistische Fraktion begleitete die Räumung der Tribüne mit ohrenbetäubendem Lärm. Anschließend kam es auf den Fluren vor den Tribünen noch zu stürmischen Auftritten zwischen den Kriminalbeamten und den aus dem Saale entfernten Besuchern.
Die Mißtrauensanträge.
Es folgen die Abstimmungen über die kom munistischen Mißtrauensanträge. Zn namentlicher Abstimmung wird der kommunistische Antrag, dem Staatsminifterium das Vertrauen zu entziehen, mit 2 02 gegen 44 Stimmen abgelehnt. Enthalten haben sich 118 Abgeordnete. Das Ergebnis der Abstimmungen wird von den Kommunisten mit dauernden Lärmrufen ausgenommen.
Das gegen den F i n a n z m i u i st e r gerichtete Mißtrauensvotum wird mit 206 gegen 39 Stimmen bei 144 Stimmenthaltungen abgelehnt. Auch das gegen de« neuen Innenminister Grze- s i n s k i eingebrachte Mißtrauensvotum wird mit 206 gegen 114 Stimmen der Deutschnationalen, Völkischen und Kommunisten bei 33 Enthaltungen der Deutschen Bolkspartei abgelehnt. Das Mißtrauensvotum gegen den Handels- Minister wird mit 203 gegen 45 Stimmen bei 44 Enthaltungen abgelehnt, das gegen den Landwirtschafts- m in i ft e r mit 213 gegen 38 Stimmen bei 40 Enthaltungen. Das Mißtrauensvotum gegen den Bolkswohlfahrtsmi- nifter wird mit 205 gegen 44 Stimmen bei 36 Enthaltungen, das gegen den Z u st i z m i n i st e r mit 204 gegen 43 Stimmen bei 29 Enthaltungen abgelehnt, das gegen den Kultusminister schließlich mit 206 gegen 48 Stimme« bei 30 Enthaltungen.
Nach Erledigung kleiner Vorlagen ver, tagt sich um 148 Uhr der Landtag auf Mittwoch, den 3. November, nachmittags 1 Uhr: Typhusepidemie in Hannover,