Einzelbild herunterladen
 

SennMag, den 14. Sklober 1426

DK LVb«rh«fflfche Zeitung" «r- scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- fchlirßl. Zustellungsgebühr, durch dt«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendsfekte oder elementarer Ereigniffe ausfallend« Kummern wrrd kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzerolh, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und »l,l1 Uhr.

öbcrtieMche

Marhmgn A4 V| D M ww* rmimMk / gy MtütlM

St. 2« 61. Mm. Marburg o.Mn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 g «spalt. Zetlenmillimeter M6 ®$K, klein« Baranzetgen 0.06 SSL, amtlich« und aus­wärtige Auzatge» 0.10 6®. Bei schwierigem Satz sowie bat Platz- dorschrtst 50*/, Aufschlag. Sammelanzeigen 100 */, Aust schlag. Reklame« der MMtm. 0,40 SM. Jeder Rabatt gill als Barrabatt. Ziel 5 Lag«. B«leg« w«rd«u berechnet, ebenso Auskunft durch bk Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Er­füllungsort Marburg.

1 Soldmark as V«.,Dollar.

BnZLigerfilrtdasftuher kurhessssch e) GberhMrv-> Amtlich es verkünüigtmgsbMsÜLdkreisiüartmrg

666615 Abschied

Die letzte Ausgabe des Seeresverordnungs- blattes entbält nachstehenden Tagesbefehl des Generalobersten v- Seeckt:

An das Reichsheerl Der Armee, die mit mir geworden und gewachsen, sag« ich heute brrz- liches Lebewohl! Aus der alten Armee her- vorgrgangen, mit ihr in schöne« Friedens-, in ehrenvollen Kriegsjahren fest verwachsen, habe ich nichts besseres tun können als 3« streben, ihre Tugenden der jungen Armee zu über­mitteln. Ob mir das gelungen ist, das sollt Ihr, meine Kameraden, beweisen. Haltet die deutsche Soldatenehre hoch, die in der Pslicht- erfüllung liegt. Jeder an seiner Stelle, stünd­lich, täglich, im Leben und im Tod. U^>er Gräber vorwärts!

----

MrWlMseimnkommMiilischen LmMaMbvmdmlen

Der kommunistische Laudtagsabgeordnete Ri- > chard Schulz wurde gestern nach dem Ver­lassen des Landtagsgebäudes von zwei Söhnen des sozialdemokratischen Abgeordneten Oster- rotb, der in der Landtagsfitzung bei der zweiten Beratung des Hohenzollern-Vergleichs von Schulz tätlich beleidigt worden war, an­gegriffen und durch Schläge verletzt.

zur Rrgirrungsumbllbung

Noch keine Stellungnahme der S. P. D.

Berlin, 12. Okt. Zur Frage der Re­gierungsbildung in Preuße« hören wir, daß die Sozialdemokraten noch nicht Stellung genommen haben . Es dürfte dies voransfichtlich am Mittwoch der Fall sein.

Offenbar wird die Frage der Umbildung bei den Sozialdemokraten nicht als eine rein preußische Frage angesehen. Es wird betont, daß ihre Lösung nur unter dem Ge­sichtswinkel der Regelung im Reich mög­lich ist. Voraussichtlich wird der Gang der Verhandlungen der fein, daß, nachdem auch die sozialdemokratische Fraktion offiziell Stellung genommen hat, Ministerpräsident Braun die Initiative für weitere Ver­handlungen ergreifen wird.

--*--

Sü6ltilt »65 «Wen SnbinettS

Berlin, 13. Okt. Die Abendblätter melden aus Belgrad: Infolge der Weige­rung Raditschs, von der Leitung seiner Partei zurückzutreten, die die Radikalen gefordert hatten, gelang es dem heutigen Ministerrat nicht, über di« Erledigung des Agramer Zwischenfalles zu einer Einigung zu gelange». Minister­präsident llzunowitsch begab sich zum König, dem er die Demission des Ge­samt-Kabinetts überreichte.

Do5 Urteil im Prozeß FricftrS

, 5 Monate Gefängnis.

Weimar, 13. Okt. 3n dem Prozeh ge­gen den früheren Oberstaatsanwalt Dr. Frieders -Weimar, der im Zusammen­hang mit der Angelegenheit Loeb beschuldigt wird, falsche Aussagen gemacht zu haben, fand heute das Plädoyer der Staatsanwaltschaft statt. Gegen Frieders wurde für den Fall, dah das Gericht wissentlichen Falscheid als vorliegend betrachte .ein Jahr drei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust und für den Fall, dah das Gericht nur fahrlässige Eidesleistung als vorliegend erachte, neun Monate Gefängnis beantragt.

In dem Prozeß gegen den ehemaligen Ober­staatsanwalt Dr. Frieders-Weimar wurde der Angeklagte auf Grund des Paragraphen 362 wegen fahrlässigen Falscheides zu fünf Mo­naten G^ängnis und rur Trauung der Kosten verurteilt.

Merkbare Befatzungsveminberung?

Alle Sarniiencn in btt Pfalz bleiben belieben

, Berlin, 13. Okt. (VDZ.) Inter­alliierte Militärkreise in Berlin bestätigen die Nachricht, dah eine erhebliche Her­absetzung der französischen Trppen im besetzten Gebiet nahe bevorstcht.

Zu dieser Frage erhält das VDZ.-BLro noch folgende Erklärung: Die Herabsetzung der französischen Truppen in größerem Ausmaße war schon für das Frühjahr die­ses Jahres in Aussicht genommen. Die Verzögerung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund hat bewirkt, dah man sich damit begnügte, im Laufe des Sommers nur einige tausend Mann abzuberufen. Der Eintritt Deutschlands in den Völker­bund und die Ergebnisie der Konferenz von Thoirq haben nun die mahgebenden Pariser Stellen veranlaht, die Truppen­reduzierung 41t vollem Umfange durchzu- führen. Es scheint zuzutreffen, dah die Verminderung der französischen Truppen um ein volles Armeekorps beabsichtigt ist.

Zu diesem Zusammenhang meldet WTB. aus Paris:

Auhcnminifter B r i a n d hat gestern General ®«iHa« met, den Oberbe fehlshaber der Rheinarmcc, empfange«. Der General wird heute mit Kriegs­minister Painlev^ verhandeln und morgen mit Ministerpräsident Poiacarö. Es heiht, so berichtet derErcelsior", dah diese Un­terredungen sich auf das Besatzungs­regime im Auslände, in Verbindung mit der deutsch-französischen Annäherungs­politik, die in Genf und Thoirq eingeleitet worden ist, beziehen. Der Krirgsmiaister sei bereits im Besitz eines Entwurfs über die Herabsetzung der Effektiv-

bestände im Rheinland um ein Armeekorps. Durch diese Reform würden im Rheinland nur noch zwei oder vier französische Divisionen verbleiben. Die Kavallerie-Division werde zurückgezogen, ja vielleicht sogar aufgelöst werden. Aller­dings, angesichts der letzten Zwischenfälle glaube man, dah alle Garnisonen in der Pfalz aufrechterhalten würden.

An und für sich wäre^eine Besatzungs­verminderung nur eine logische Folge des Vertrages von Locarno, Heute beträgt die Besatzungsstärke mindestens noch 80 000 Mann. Seit dem 15. September sind lediglich '4 700 Mann zurück­gezogen worden. Wenn sich die Nach­richten über die Besatzungsverminderung in dem angegebenen Umfange bestätigen sollten, so käme «ine Zurückziehung von mindestens 15 000 Mann in Frage, womit die Besatzungsstärke der einzelnen Be­satzungsarmeen sich auf 50 000 Franzosen, 8000 Engländer und 7000 Belgier er- mätzigen würde. Es blieben also dann immer noch rund 65 000 Mann Besatzung am Rhein stehen.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß hiermit die französischen Leistungen auf dem (Gebiete der in Th 0 irh besprochenen VersöhN'^-g'volitik nicht als abgeschlossen gelten konnten. Von den verschiedensten amtlichen deutschen Stellen, vor allem vom Reichskanzler, vom Reichsaußenminister und zuletzt noch vom Reichsminister für die be­setzten Gebiete Dr. Bell ist der Standpunkt vertreten worden, daß eine Aussöhnung zwischen dem französischen und dem deut­schen Volke solange nicht möglich ist, als noch ein französischer Soldat auf deutschem Boden steht. An dieser Auffassung wird sich auch nichts ändern und Deutschland wird bei den späteren Verhandlungen zur Fortsetzung der Thoirybesprechungen als erste Forderung immer wieder die volle Räumungcher besetzten Ge­biete verlangen.

$rcuWcr Landtag

Sitzung vom 13. Oktober.

Dor Eintritt in die Tagesordnung bean­tragt Abg. Pieck (Komm.), daß das Haus heute über die kommunistischen Mißtrauens- anträge gegen das Staatsministerium ent­scheide. Das Haus lehnt diesen kommunisti­schen Antrag ab. Die Mihtrauensanträge werden am Freitag zur Abstimmung gestellt.

Das Haus verabschiedet sodann in dritter Beratung den Gesetzentwurf über die Trennung und Auseinandersetzung der Pro­vinzen Ober- und Niederschlefien.

Das Gesetz stritt rückwirkend mit dem 1. Ok­tober 1926 in Kraft . Abgelehnt wird der deutschnationale Antrag, der die Bildung von besonderen Aerzte- und Lanbwirtschaftskam- mern in der Provinz Oberfchlesien verhindern wollte. Gegen die Vorlage stimmen die Kom­munisten ,die Deutschnativnalen, die Wirt­schaftspartei und ein Teil der Deutschen Bolkspartei.

Es folgt die zweite Beratung des^ilran- trages v. Campe (St. Dpt.), Falk (Dem.), Leid (Soz.) auf Annahme eines Gesetzent­wurfes zur Aenderung des Gesetzes über die

Bestellung von Mitgliedern des Reichsrates durch die Prooinzialverwaltungen.

Darin wird u. a. bestimmt, in der Aeichs- ratsvollsitzung werden die Stimmen Preußens gemäß der Entscheidung der Dorberatung ein­heitlich durch ein vom Staatsministerium be­stimmtes Mitglied abgegeben. Die Vorlage konnte bisher nicht erledigt werden, da

die Deutschnationaleu, das Zentrum, die Bölkischen und die Deutschhannoveraner

Obstruktion übte«.

Bei der Abstimmung über die Bestimmungen betreffend die einheitliche Stimmabgabe üben die erwähnten Parteien wieder Obstruk­tiv n . Es werden nur 189 Stimmen abge­geben . Das Haus ist daher beschlußunfähig.

Vizepräsident Dr. v. Kries beraumt sofort eine neue Sitzung an. Der kommunistische * Abg. Gohlke wird wegen Beschimpfung der

anderen Parteien des Hauses von der Sitzung ausgeschlossen. Darauf folgt die Be­sprechung der

Justizoorgäng« in Magdeburg.

Abg. Eich hoff (Dt. Vpt.) erklärt, wenn auch nur ein Teil der gegen die beiden Magdeburger Richter erhobenen Vorwürfe sich als berechtigt herausstelle, sei eine starke Kri­tik berechtigt . Sie Schuldfrage sei aber so­lange nicht geklärt ,als das Sisziplinarver- fahren nicht beendet fei. Ser Redner verur­teilt aufs schärfste jede Einmischung in ein schwebendes richterliches Verfahren und be­dauert, dah Richter und Polizei nicht ver­trauensvoll miteinander, sondern gegeneinan­der gearbeitet haben. Soweit daran die be­stehenden gesetzlichen Bestimmungen die Schuld tragen, müßten Aenderungen erfolgen. Er bestreite dem Oberpräsidenten H ö r s i n g nicht das allgemeine Staatsbürgerrecht, zur Klärung eines Kriminalfalles beizutragen.

Di« Art und Weise, wie Hörfing die ge­samte Justiz angegriffen und als verdorben hingestellt hat, verdiene die all.rschärfftc

t Zurückweisung.

Ser Redner wendet sich dann gegen die Vorwürfe, die in der großen Anfrage der Sozialdemokraten dem preußischen Rich­terverein gemacht werden. Ser Verein und sein Vorstand haben keine Stellung zu dem Magdeburger Fall genommen: was ver­öffentlicht wurde, ist ohne Fühlung mit dem Gesamtvorstande hinausgegangen. Ser preu­ßische Richterverein sei seiner Gewohnheit, | nicht in schwebende Verfahren einzugreifen, treu geblieben. Auf der anderen Seite habe er den dringenden Wunsch nach restloser Klä­rung . Er habe immer wieder auf politische Reutralität hin gewirkt. Einer Besserung der Bestimmungen über die Untersuchung und Untersuchungshaft steht die Deutsche Volks- Partei nicht entgegen. (Lebhafter Beifall bei der Seutschen Volkspartei.)

Gegen 5 Ahr vertagt das Haus die Weiter­beratung auf Sonnerstag 12 Ahr. Vorher Erwerbslosenanträge. , . I

Enbr bet gemeaaletlmbans

Levi zieht seine Anschuldigungen zurück

München,' 13. Okt. (TA.) Zn 8er heutigen Sitzung des Femeausschusses des Reichstages in München wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Zeuge Oberleutnant a. S. Kaufmann Hermann Bvehm wird darüber vernommen, ob er durch Geldzahlungen Schweickhardt unterstützt habe. Der Zeuge erklärt, man habe bei ihm Geld für eine Mission in Waffenangelegenheiten angefordert. Am die Sache selbst habe er sich nicht ge­kümmert.

Sodann wurde der Zeuge Kaufmann Emil Zeller vernommen, von dem der des öfteren vernommene Zeuge Pracher erklärt hatte, Zeller habe ihm gesagt, Dob» ner müsse beiseite geschafft werden. Zeller bekundete, er habe Dobner nie ge­kannt und erst aus den Zeitungen erfah­ren, daß Dobner verprügelt worden sei. Mit Pracher habe er nie über die­sen Fall gesprochen. Prager sei ein ganz gefährlicher Bursche, der jedes Wort lüge. Pracher hab« anscheinend nach bei­den Seiten hin Geld verdienen wollen.

Der nächste Zeuge, der sozialdemokratische Abgeordnete Timm, schildert dann seine Beobachtungen zum Fall Dobner. An den Zeugen wurde eine Reihe von Fragen gerichtet, wobei Dr. L e v i es beanstandete, daß der Abgeordnete Stöhr Fragen an dpn Zeugen stelle, die eine Beleidigung darstellen. Stöhr (Völk.) erklärte, er finde es merkwürdig, daß prominente Herren der sozialdemokratischen Partei mit Putt­kammer und Pracher in Berbin- ) u n g getreten seien, obwohl diese Partei rüher so große Verachtung gegen Lock- pitzel gehabt h<Se. Hierauf wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, um darüber Beschluß zu fassen, ob die An­spielung Stöhrs einen Ordnungsruf recht- fertige. Aach Wiederaufnahme der Sst- zung erteilte der Vorsitzende Stöhr ei­nen Ordnungsruf. Auch Levi wurde zur O r d n u n g gerufen.

Der Ausschuß schloß sodann die Be­weisaufnahme. Es erfolgte eine Geheim­sitzung über die weiteren Arbeiten und darüber, ob am Donnerstag noch eine Sit­zung zur Beweis-Würdigung notwendig sei.

Der Berichterstatter Dr. Levi gab so­dann di« Erklärung ab, daß er d«« vor, wurf gegen de« bayerische« Zuftizminister Eürt«er, er habe den Schritt des Dr. Gademan« zur Ent. Haftung der i« der Mordsache Hartung ver­dächtigen Personen veranlaßt, nicht mehr aufrechterhalte««ne. Daraufhin hat der Ausschuß i« einer Eut» schließung festgestellt, es sei für wider, legt zu erachte«, daß Eürt«er irgendwie iu die schwebeude Untersuchung einge- griffen habe.

Damit waren die öffentlichen Verhand­lungen des Ausschusses in München be­endet. Heute abend findet jedoch noch eine ^geschlossene Sitzung statt.

Ein Antrag der Bölkischen Arbeitsgemei«. schäft im Reichstag.

München, 13. Okt. Wie der Landes- dienst des Süddeutschen Korrespondenz. Büros erfährt, hat die Fraktion der DLl - kischen Arbeitsgemeinschaft tm Reichstag .folgenden Antrag einge- bracht: Der Reichstag wolle beschließen: Die gesamten, woyl mehrer« 100 000 be­tragenden Kosten des stftem«»nter- suchungsausschusses der Reichs­tages einschließlich der über Hauptmann Röhm verhängten Zeugniszwangsstrafe von 300 werden in Anbetracht des völli­gen Zusammenbruchs der Beweisführung über angebliche Fememorde unb Feme­organisationen dem Abg. Dr. Levi und der sozialdemokratischen Partei gesamtver­bindlich als den Veranlasser« der Kosten auferlegt. .