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Sonnabend, »en 9. Stiebet 1926

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to.88 61. 30btfl, Marburg a. Lahn 1 Der Anzeigenpreis beträgt für de» 10 gespalt. Zeilenmilltmeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­vorschrift 50"/, Aufschlag. Eammelanzeigen 100 °[e Arch schlag. Reklamen der MIllim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabalt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

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Keine Mumung

»es RbelnIandeS?

Newyork, 8. Okt.Newyork He- talb berichtet aus Paris, daß einem Ka- binettsbeschlutz zufolge, die Räumung des Rheinlandes auf Grund der Besprechungen in Thoiry nicht in Frage komme, weil die Frage der Eisenbahnbonds einzig und allein die alli­ierten und assoziierten Mächte angehe. Die Pariser Kabinettsentscheidung, so be­richtet derNewyorker Herald" weiter, sei auf Grund von Vorstellungen der Klei­nen Entente erfolgt, die der Meinung sei, daß auch chre Sicherheit durch die Rhein- landsrage berührt werde. Die Räumung der Rheinlmide könne nur unter folgen­den drei Bedingungen erfolgen:

1. Uebergabe der Ueberwachung des ge­samten linken Rheinusers an den Milker- bund und ständige Ueberwachung aller Brückenköpfe und strategischen Punkte durch vom Völkerbund ernannte- Beob­achter. 1

2. Zurückziehung der Besatzungstrup­pen nur unter der Bedingung, daß Deutschland sich ehrenwörtlich verpflichtet, den europäischen status quo nicht zu ändern, so daß die Revision der Oftgrenzen, der Danziger-, der Kor- eidor-, der Oberschlesien- und der An­schlußfrage, völlig ausgeschaltet würde.

3. Völlige Erfüllung der Dawesbcstim- mungen durch Deutschland oder Vorbrin­gung eines wirklich ausreichenden Grun­des für die Revision des Dawesvlancs, womit zugleich ein Angebot verbunden sein müßte, um die französischen Schul- dknverpflichtungen ausreichend sicher zu stellen.

Der Korrespondent desNewyork He­rald" stellt hierzu ausdrücklich fest, daß sich damit innerhalb des Pariser Kabi­netts die Po littst Poincares gegen Briand völlig durchgesetzt habe.

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SetiiSfitfie Streitlogc inenglon»

wtb. London, 8. Ott. Die Konferenz der Vertreter der Bergarbeiter nah« mit 594 000 gegen 194 000 Stimmen eine Ent. ichließung an, in der sie sich ausspricht für «ne Beschlagnahme aller aus­ländischen für eine von den a « d e r en Gewerkschaften e i n z n z i eh e n d e Abgabe zur Unterstützung der Bergar­beiter und für die Entsendung von Rednern in die Bezirke, in denen die Bergarbeiter die Arbeit wieder aufnahmen. Diese Rednern sollen die Arbeitswilligen Zur Einstellung der Arbeit veranlassen. Ferner solle» die Sicherheitsleute «nd Notstandsarbeiter aus den Gruben zurückgezogen werden. Rach Annahme der Entschließung vertagte sich' die Konferenz auf morgen.

Die Zurückziehung der Sicherheitsleute vom Bergarbeiterverbande bisher stets abgelehnt worden. Verantwortliche ^ergarbeiterführer scheinen noch daran zu »Deifeln, daß der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes sofortige Schritte in Dieser Richtung unternehmen werde, und Icheinen der Ansicht zu sein, daß die wirk- stche Absicht, die dahinter stecke, sei, einen Truck auf die Regierung und die Zechenbesitzer auszuüben, um Verhandlun­gen auf einer für die Arbeiter günstigeren Grundlage zu eröffnen. Der heutige Be- Ichluß wird von den Bergarbeiterführern *tis eine Erklärung dafür angesehen, daß

v. SeeMs McktrittsgefuK genehmigt

Lin SnnNtbtciben ßintenburg»

Berlin, 8. OKI. (933.) DerReichs - Präsident hat das Abschiedsge­such des C:::eralobersten v. Seeckt unter wärmster Anerkennung der von dem General irr. Krieg und Frieden dem Vaterland und dem Heere geleisteten her­vorragenden Dienste genehmigt.

Der Reichspräsident hat Generaloberst v. Seeckt heute erneut empfangen und ihm diese Anerkennung und seinen Denk persönlich zum Ausdruck gebracht.

Hindenburgs Handschreiben.

Berlin, 8. Okt. Der Reichspräsi­den t hat an den Generaloberst v. Seeckt in Genehmigung seines Abschiedsgesuches nachfolgendes Handschreiben gerichtet:

Sehr verehrter Herr Generaloberst!

Zhrem Anträge um Entlassung aus dem Heeresdienste habe ich in der anliegenden Urkunde entsprochen. Ich sehe Sie m i t großem Bedauern aus dem Heere scheiden, und cs ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen in dieser Stunde namens des Reiches wie eigenen Namens von Herzen zu danken für alles, was Sie im Krieg und Frieden für das Heer und für unser Vaterland getan haben. Zhr Name ist mit zahlreichen Ruhmestaten^ unseres Heeres im Weltkriege verbunden und wirb in der Kriegsgeschichte unvergänglich weiterleben. Ebenso hoch aber steht die stille und entsagungsvolle Arbeit, in der Sie in der harten Nachkriegszeit die neue Reichswehr aufgebaut und aus­gebildet haben, und ebenso groß sind die Verdienste, die Sie sich in den hinter uns liegenden Zähren schwerer Erschütterungen des Reiches um die Erhaltung der Ordnung und die Autorität des Staates erwoben haben. Alles dieses wird Ihnen unvergeßlich bleiben.

Ich hoffe zuversichtlich, daß Zhr viel­seitiges Wisien und Können, Zhre Tatkraft und Zhre Erfahrung auch künftig unserem Vaterlande nutzbar sein werden und bin in dieser Erwartung mit kameradschaftlichen Grüßen *

Ihr ergebener gez. v. Hindenburg."

*

Die Genehmigung des Abschiedsgesuchs hat gestern in polmfrhen Kreisen doch noch überrascht, weil man auf Grund der letzten Besprechungen zwischen dem Reichspräsidenten, dem Reichswehrmini­ster und dem Reichskanzler vermutete, daß ein erfolgreirlor Vermittlungsversuch greif ajen dem Generalobersten von Seeckt* und dem Reichswehrminister Dr. Eeßler

der Verband jetzt zu schärferen Kampfformen übergehen werde.

Reue Regierungsmaßnahmen.

Die englische Regierung ist der Auf- fasiung, daß die Beschlüße der Delegierten- Komferenz eine Verlängerung des Kohlenkonsliktes um zwei Mo­nate bedeuten. Zn Uebereinstimmung mit der neuen Entwicklung wird die Re­gierung besondere Schutzmaßnahme« für die Gruben und für die bereits an der Ar­beit befindlichen Bergarbeiter und schließ­lich für alle Arbeitswillige« treffe». Da die Bergarbeitergewerkschaft etwa 65 Pro- zent, i» einigen Bezirken sogar 80 Prozent

im Gange sei. Zn den Beratungen wurde der Reichswehrminister in seiner Auffas­sung, daß nach dem Zwischenfall von Münsingen General, berst von Seeckt un­bedingt fernen Abschied nehmen müsse,

nicht einmütig vom Kabinett unterstützt. Es ^aben vielmehr Mitglieder des Kabi­netts, die dem Zentrum angehören, dem Reichswehrminister den Rat gegeben, nochmals in einer Ausfvrache mit dem Generalobersten von Seeckt eine Eini­gung über den Zwischenfall von Münsin- gen und verschiedene andere Meinungs­verschiedenheiten herbeiguführen.

Der Reichswehrminister ist aus diesen Vermittlungsver­such nicht eingegangen, worauf dem Reichspräsidenten nichs übrig blieb, als das Abschiedsgesuch gu genehmigen. Die Entscheidung des Reichspräsidenten war dabei stark dadurch beeinfußt, daß d"r Reichspräsident sich in Gegensatz gum gesamten Kabinett gesetzt hätte, wenn er das Abschiedsgesuch nicht genehmigt hätte, denn das Kabinett erklärte sich, nachdem ein Vermittlungsvorschlag nicht mehr möglich war, mit dem Reichswehrminister solidarisch.

ihn »en Smbfeigec

Die Entscheidung kaum vor Sonntag.

Berlin, 8. Okt. Die Ernennung eines Nachfolgers für den zurückgetretenen Chef dör Obersten Heeresleitung, General­oberst v. Seeckt, wird, wie das Ddz.-Düro hört, nicht überstürzt werden. Die Annahme, daß die Entscheidung noch im Laufe des Sonnabends fallen mühte, weil Deichskanzler Dr. Marx Sonnabend abend Berlin wieder verläßt, ist jedenfalls irrig.

Als mutmaßlicher Nachfolger des Generals v. Seeckt werden verschiedene Persönlichkeiten genannt . An erster Stelle steht nach Ansicht eingeweihter Kreise Generalleutnant Hetze, der Kommandeur der in Königsberg i. Pr. stehenden Reichswehrdivision. Heye war Mitglied der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und hat in den Tagen des Zu­sammenbruchs jene denkwürdige Kommandeur­versammlung einberufen, die dem damaligen Kaiser seinen Rücktritt nahelegte. Später war er im Reichswehrministerium tätig und hat während des Kapputsches das Reichs­wehrministerium in Berlin geleitet. Er soll es auch gewesen sein, der General von Lütt­witz zur Abdankung veranlaßte. Außer Ge­neral Hetze wird neben dem General Rein­hardt vor allem noch General Gasse als Nachfolger genannt. Bei ihm kann es sich nur um den Berliner Divisionskommandeur, nicht um den gleichnamigen Kommandeur der Stuttgarter Division handeln.

Dach neueren Meldungen wirb auch noch der Wehrkreiskommandeur in Stettin, Ge­neralleutnant von Tschifchwitz als aus­sichtsreicher Kandidat für den Posten des Chefs der Heeresleitung genannt. Inter­essant ist schließlich noch die Version, die die Germania" bringt, man wolle die Gelegen­heit benutzen, um den Posten des Chefs der Heeresleitung mit einem zivilen Staats­sekretär zu besetzen. Diese Version wird jedoch als unwahrscheinlich bezeichnet.

der gegenwärtig in de» Gruben tätigen Notstandsarbeiter kontrolliert, müßte ihre Zurückziehung zu einem Ersaufen der Gruben führen. Wie verlautet, wird als Folge des gestrigen Beschlusies auch eine Sicherstellung großer Kohlenmengen in Amerika und auf dem Kontinent geplant bei gleichzeitiger Rationierung des englischen Verbrauches.

,3n seiner Rede in Scarborough ließ Baldwin die Absicht der Regierung durch­blicken. einen Abänderungsantrag zum Gesetz über die Eewerkschaf- t e n einzubringen. Die Schwierigkeit be­stehe darin, die Kollektivrechte mit den in­dividuellen Rechte» der Arbeiter in Ver­bindung zu brinaen.'

Sie Entlassung

Wenn auch der Rücktritt des General­obersten von Seeckt in der linksgerichte­ten Presse Deutschlands mit Worten der Würdigung für seine Persönlichkeit kom­mentiert wird, so tritt doch hinter dem gut Schau getragenen-Bedauern die offensicht­liche Genugtuung darüber in Erscheinung, daß es gelungen ist, einenSieg" gu er­ringen. Man beliebt den Vorfall als eine ernsteWarnung" hinzustellen für alle solche, die sich an demGeist von Wei­mar" gu versündigen beabsichtigen. Am reinsten und unverfälscht springt diese Freude aus den Spalten desVorwärts" hervor. Kenngeichnend vor allem die politische Folgerung, die er aus der gan­gen Angelegenheit gieht.Die reaktio­näre Presse", so jubelt er,,hat gu ihrer großen Verblüffung entdeckt, daß die Re­publik fester steht, als sie geglaubt hat und daß die Zwilaewalt allen Treibereien in der Reichswehr mit Leichtigkeit ein rasches Ende machen kann, ohne daß die berühmtenernstesten Folgen" für das in­nere Gefüge unserer Reichswehr ein­treten".

Kann es deutlicher ausgesprochen wer- den, daß es den Leuten, die diese Lap­palie mit dem Kronpringensohn gu einer Staatsaktion aufbauschten, nur darum gu tun war, eine Machtprobe gu geigen? Denn kein Mensch in Deutschland, ganz gleichgültig welcher Parteirichtung er sich verschrieben hat, wird sich der Uebergeug- ung verschließen können, daß das Aus­scheiden einer Persönlichkeit, rote sie Seeckt nun einmal ist, die Reichswehr und damit unmittelbar auch das Reich aufs schwerste schädigt. Wer machte aus dem zusammengewürfelten Landsknechtshau­sen, als den sich unsere Wehrtruppe kurz nach dem Zusammenbruch erwies, das tüchtige, disziplinierte Heer, das wir heute besitzen? Wer war es, der trotz seiner Anhänglichkeit an das alte kaiserliche Deutschland die ihm in die Hand gelegte Macht nur dazu verwandte, um den neuen jungen Staat zu schützen und zu verteidigen gegen alles, was ihn gu ver­nichten drohte?

Wahrlich, das neue Deutschland hat wenige solcher Führer, die es so gut mit ihm meinen und so ernst darauf bedacht sind, die Stabilität im Inneren des Lan­des aufrecht gu erhalten. Dieser wahre Schützer der Republik mußte fallen, und nur deshalb, weil fein Sturg anderen be­rufsmäßigen Schützern als einPrestige- sieg" des republikanischen Deutschlands erschien.

Wie tönt es doch sonst aus den Reihen derer, die heute voller Jubel sind? Pre­stigefragen dürfen in der Politik keine Rolle mehr spielen! Politische Taten ha­ben fick nur aus der Grundlage realer Notwendigkeiten aufgubauen!

War der erzwungene Rücktritt Seeckts eine solche reale Notwendigkeit?

Eines der betrüblichsten Momente des bedauerlichen Vorfalles ist die Tatsache, daß das Ausland eher den Verlust, den Deutschland durch den Rücktritt Seeckts erleidet, zu würdigen versteht als der­jenige Teil des deutschen Volkes, der die­sen Verlust heute als eine Notwendigkeit und einen politischen Sieg begrüßt. So gibt der englischeDaily Telegraph" den allzu Freudigen eine Antwort, die sie et­was ernster stimmen müßte, wenn er schreibt, das Deutsche Reich sei dem Gene­ral gu größtem Dank verpflichtet, der wohl ein übergeugter Monarchist fei, aber feine Soldatenpflicht sowohl gegenüber ex­tremen Reaktionären wie Luoendorff, wie auch gegenüber den Kommunisten in Sach­sen und auf anderen Plätzen erfüllt habe. Er hat aus der Reichswehr das be ft trainierte Hunderttau- fend-Mann-Heer in Europa ge- m a ch t." Wer von feinen Feinden ein solches Lob erhält, an dem kann wirklich nichts zu tadeln sein.

Die Freude über diegerettete Repu­blik" stößt noch auf eine andere Genugtu­ung, und diese Genugtuung findet man in