Einzelbild herunterladen
 

T...r.wM»!........................................ ................................. ......................................... ............. ............. ................. i|iuiii<||ii»j.i||<l|i;|lllllllliiWIIII!IWIIWI|li|l'lilii'l »»MIWWWMMM ch**> mm»,.....i.......

ÄbecheUfche

Zsitung

DzeigerMchasMherkuchMche)GbtthMw--KmUichrsVevkündiguntzsblccktMdkreisNlwbMg

Marburger

§agesanze!ger

Sonnnmtag, den 7. Oktober Mtz

MW Laubeßzeitung

Dtt »vberhrssifch« Bettung" et- £cint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch tzi«Post2LS SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder ^ementarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­giftet. Verlag b. Dr. §. Kiheroth, Druck der Univ.-Buchdruckerei b. Aoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e, M. Rr. 6015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und »/,!! Uhr.

Rt.236 61. Mkg. Marburg o. Lahn

Der Anzeigenpreis betrügt für den 10 gespalt. Zellenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus- würtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- dorschrift 50»/, Aufschlag. Eammelanzeigen 100 °/0 Autz schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet,ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark '/«,-Dollar.

Rücktritt öes GrsrerMsherstesr v. Geeckt

Wesen der Testnaßme des KronvelnzensehneS an den Manömn

- k 1

I /

Berlin, 8. Ott. Wie das Nachrichten­büro des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger zuverlässig erfährt, hat der Ches der Heeresleitung, General v. Geeckt, dem ; Reichspräsidenten sein Rücktrittsge­such überreicht. Eine Entscheidung über das Gesuch ist noch nicht gefallen, j V ist aber bald zu erwarten, da der Reichs- f Präsident bereits wieder in Berlin ein- l i getroffen ist. Ueber die Begründung, die General v. Seeckt für seinen Rücktritt gel- ' tend macht, ist bisher noch nichts zu er- s t fahren. Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß feine Demission im Zu­sammenhang steht mit der Teilnahme des ältesten Sohnes des ehe­maligen Kronprinzen an den Ranövern der Reichswehr in Württem­berg. Wie verlautet, hat nämlich General «. Seeckt von dieser Beteiligung des Prin­zen an den Uebungen der Reichsweh* vor­her gewußt, ohne sie zu verhindern.

stehen der Republik in vorbildlicher Weise die militärische Ausgestaltung der Reichs­wehr durchführte, hat sein Abschiedsge­such dem Reichspräsidenten übermittelt. Ta, wie ein gutunterrichtetes demokrati­sches Blatt zu wissen glaubt,eine andere Lösckng nicht mehr möglich blieb, so hat man damit zu rechnen, daß dem Ab­schiedsgesuch des verdienten deutschen Offiziers stattgegeben wird.

Dies alles, weil ein Hohenzollernprinz ei­nige Tage Pferdehalterdienste bei der Reichs­wehr tat. Änd nur deshalb, weil dieser Frei­willige eben ein Hohenzoller ist. Auch wenn man noch so sorgsam die Wege und Schritte des ehemaligen Kronprinzen nachspüren wird, niemals wird es sich erweisen, daß er auch nur in einem Punkt von der übernommenen Pflicht abgewichen ist, sich nicht politisch oder

mvrarchistisch" zu betätigen. Die Kreise, die sich als Schützer der deutschen Republik beru­fen fühlen, haben die Welt niemals in An­kenntnis darüber gelassen, daß sie den Be­stand der neuen Staatsform Deutschlands als vollkommen gesichert betrachten. Ist diese zur Schau getragene Zuversicht denn so brüchig, daß sie durch einen so geringfügigen Vorfall schon ins Wanken kommt? Herr Dr. Getzler hofst, durch das Ausscheiden Seeckts aus der Reichswehr die in Hitze ge­ratenen Gemüter beruhigen zu können. Ob er sich in seinen Hoffnungen nicht getäuscht sehen wird? Denn schließlich geht ja die ganze Mache in der Hauptsache gegen seine Person . Der Vorfall mit dem Kronprinzen- sohn ist nur Mittel zum Zweck. Gerade dieses Mittels wegen würden wir es wünschen, wenn das letzte Wort in dieser bedauerlichen Angelegenheit noch gesprochen wird. Das letzte Wort liegt bei Hindenburg.

W

Der MchWger Severmss

SrztsmM vrwWcher Snncrnnlniiltt

Entscheidung erst Donnerstag.

. Berlin, 6. Okt. Die Kabinettssitzung vom Mittwoch fand unter dem Vorsitz des Reichswehrministers Dr. Getzler als dienstältester Minister statt. Da der Reichskanzler an der Sitzung noch nicht teilnehmen konnte und der an dem Falle Seeckt zunächst beteiligte Minister den Vorsitz führte, so konnte das Rücktritts- stesuch des Generals v. Seeckt heute noch nicht im Kabinett erörtert werden. Reichskanzler Dr. Marx roiA am Don­nerstag Nachmittag in Berlin zurücker- wartet. Eine neue Kabinettssitzung ist allerdings für morgen noch nicht ange­letzt. Es ist aber damit zu rechnen, datz die Entscheidung über den Rücktritt seeckts doch noch im Laufe des Donners- tog Abend fällt, da Reichskanzler Dr. Marx die Absicht hat, schon am Freitag die Reichshauptstadt wieder zu verlassen und sich nach S|öln zu begeben.

*

Soweit wir unterrichtet sind, liegt dem Rücktrittsgesuch folgender Sachverhalt Zugrunde:

An den Reichswehrmanövern nahm ouch öie Traditionskompagnie oes ehe­maligen 1. Garderegiments zu Fuß teil. Aus einem nicht ganz unverständlichen Empfinden heraus hat der Chef des Regi­ments, dem die Tradiionskompagnie un­terstellt ist, dem Prinzen gestattet, als Zeitfreiwilliger für die Dauer des Ma- Vovers Hilfsdienste in der Traditions- «ompagnie zu leisten. Gerade die Tat­lache, daß Generaloberst von Seeckt, der selbstverständlich vorher befragt wurde, die Erfüllung des prinzlichen Wunsches uls eine nicht unkorrekte Handlung ansah, Zeigt das Abwegige, die Angelegenheit Nitisch aufzubauschen. Denn selbst in ^mkskreisen hat die staatstreue und wyole Gesinnung des Generaläbersten von Seeckt wiederholt Anerkennung und Mrdigung gefunden. Offenbar hat der Ehef der Heeresleitung den Sachverhalt ms viel zu unwesentlich betrachtet, um Nut ihm den Reichswehrminister Dr. Getz- l?1 Zu behelligen. Bei der korrekten ^enh^xjfg und dem strengen eisernen xsilchtgefühl, die die Persönlichkeit Hechts ausfüllen, darf man überzeugt stln, datz irgend ein der Republik abträg- "ches politisches Moment den Vorfall in »einer Weife bedingt hat. In dieser Er­kenntnis hätte die Angelegenheit als er- r°lQt angesehen werden können. Eine °on Tag zu Tag sich steigernde Hetze in ?ewpseu Zeitungen hat die Erregung Mustlich gesteigert, bis es jetzt gelang, M erstes Opfer zur Strecke zu bringen: Generaloberst von Seeckt, der seit Be-

Berlin, 6. Okt. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Der Minister des Innern Severin« hat den preutzischen Minister­präsidenten gebeten, ibn mit Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit von seinem Amt zu ent­binden. Ministerpräsident Braun hat sich den vom Minister des Innern vorgebrachten Gründen nicht verschließen können und hat an - seiner Stelle den Polizeipräsidenten von Ber­lin E r z e s i n s k i, Mitglied des Landtags, zum Staatsminister und Minister des Innern ernannt.

, Auf das Rücktrittsgesuch hat Ministerpräsi­dent Braun namens des Staatsministeriums mit einem Schreiben geantwortet, in dem er namens der Staatsregierung Minister Seve- ting für die dem Vaterlande in schwerster Zeit geleisteten Dienste herzlichen Dank ausspricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, datz Severins nach Wiederherstellung seiner Gesundheit sich wieder in alter körperlicher und geistiger Frische dem Dienste am Volk^ werde widmen können.

Albert GrzesinsKi wurde am 28. Juli 1879 in Treptow an der Tollense in Pom­

mern geboren. Rach dem Besuch der Volksschule in Spandau lernte er in Ber­lin von 18931897 den Beruf eines Me­talldrückers und ging dann auf die Wan­derschaft. Im Jahre 1906 wurde er Ge­schäftsführer des Deutschen Metallarbei­terverbandes zu Offenbach und 1907 in Kastel. Er wurde dort fchlietzlich zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt, außerdem war er Vorsitzender des Ge­werkschaftskartells Kastel. Rach dem Zu- fammenbruch wählte man ihn zum Vor­sitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates für den Regierungsbezirk Kassel. Grze­sinsKi nahm aucy an den beiden Zentral­räten der deutschen Republik teil. Seit Juni 1918 war er Unterstaatssekretär int preußischen Kriegsministerium. Bald dar­auf machte ihn Noske zum Reichskommis­sar und Leiter des Abwicklungsamtes. 1921 wurde er zum Landtagsabgeordne­ten gewählt und im November 1922 wurde er Oberregierungsrat im preußi­schen Innenministerium, bis Severing ihn im Mai 1925 zum Berliner Polizeipräsi­denten ernannte.

Sll MenMriwersM

Berlin, 6. Okt. Zu den Vergleichs­verhandlungen mit den Hohenzollern er­fährt^ das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitviosverleaer weiter: Die Demokraten haben in ihrer heutigen Fraktionssitzung dem Kompromißvor­schlag gugeftimmt und Fraktions­zwang beschlossen. Nach diesem Vor­schlag fallen an die Hauptlinie 250 000 Morgen Land, die Herrschaft Oels ist da­bei eingeschlossen. Ursprünglich waren 330 000 Morgen vorgeschlagen. Die bei­den Nebenlinien, die Karl-Linie und die Albrecht-Linie, sollen Kamenz in Schle­sien und Flatow-Krojanke erhalten. Das Zentrum wird dem Vorschlag zustimmen, wenn die Demokraten einstimmig dafür sind.

fk. Berlin, 7. Okt. Den- Blättern zu­folge gilt es für sicher, daß die Vorlage über den zwischen der preußischen Regie­rung und dem Hohenzollernhaus geschlos­senen Vergleich im Staatsrat An­nahme findet. Auch im Landtag sind die Aussichten für Annahme der Vorlage günstig. Von den Deutschna­tionalen ist ein Widerstand gegen einen Vergleich, der von dem Hohenzollernhaus geschlossen worden ist, nicht zu erwarten. Zentrum und Demokraten sind für den Vergleich. Die Deutsche Volkspartei wird voraussichtlich eine ähnliche Stel­lung einnehmen. Ueber die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion wird im

Vorwärts gesagt, daß sie unter Wah­rung ihres grundsätzlichen Standpunktes die Verabschiedung des Vergleiches nicht zu verhindern versuchen werde.

Jtt SergltitbMrithlog > unterzeichnet

Wie dieGermania meldet, ist der Ber­gleichsvorschlag für das Abfindungsabkommen zwischen Preußen und dem Hause Hohenzollern gestern abend unterzeichnet worden und zwar aus Seiten des ehemaligen regierenden Hauses Hohenzollern verbindlich für die Haupt- und Nebenlinien, und für Preuhen von Finanz­minister Höpker-Aschosf vorbehaltlich der Zu­stimmung des Parlaments.

---

Set tem Rücktritt FrnmuiS

Paris, 6. Okt. Wie der Brüsieler Korre­spondent desJntranfigeant meldet, hat Finauzminister Francqui angekündigt, dah er aus der Regierung anfangs November aus­scheiden werde, da seine Aufgabe, den belgi­schen Franken zu retten, glücklich durchgeführt sei.

Kassin fordert eine Zusammenkunft mit* Chamberlain.

London, 6. Okt. (WB.) Krassin har offiziell um eine Zusammenkunft mit Chamberlain nachgesucht. Da er dieser Tage bis Montag von London abwesend sein dürfte, wird die Unterredung kurz nach seiner Rückkehr stattfinden.

v. etttn

Mit dem Generalobersten von Seeckt, der sein Rücktrittsgesuch dem Reichspräsi­denten vorgelegt hat, scheidet ein Offizier aus der jungen Wehrmacht, der sowohl im Weltkriege seinen Namen in weiten Krei­sen bekannt gemacht, als auch nach dem Zusammenbruch eine besondere Rolle ge­spielt hat. War der General doch dazu berufen, aus den chaotischen Resten des auseinandergelaufenen alten Heeres eine Truppe zu bilden, die trotz der beengen­den Bestimmungen des Versailler Frie­densvertrages doch ein schneidiges Instru­ment in der Hand ihrer Führer gewor­den ist.

Hans von Seeckt, der im April d. Is. seinen 60. Geburtstag begehen konnte, blickt auf eine glänzende militärische Laufbahn zurück, wie sie selbst General­stabsoffiziere von seiner Begabung nur selten ausweisen konnten. Als Sproß einer alten Soldatenfamilie wurde der Generaloberst in Schleswig geboren, fein Vater war zuletzt General der Infanterie und Kommandierender General des 5. Armeekorps in Pofen. Nack bestandener Reifeprüfung trat von Seeckt bei dem Kaiser Alexander Earde-Erencidier-Regi- ment ein, dem auch sein Vater angehört hatte und wurde schon früb-ritig in den Generalstab versetzt, dem er in verschiede­nen Dienststellungen im Frieden zuletzt als Chef des Stabes des 3. (brandenburgi­schen) Armeekorps in Berlin angehörte. Zwischendurch war er Kompagniechef bei den 39ern in Düsseldorf und führte als Major -ein Bataillon der badischen Leib­grenadiere.

In den Weltkrieg rückte Oberstleut­nant von Seeckt als Generalstabschef des bekannten Generals von Lochow; in den ersten Kämpfen in Belgien und in Nord­frankreich haben sich die brandenburgi­schen Regimenter auf das Beste bewährt. Der Name von Seeckt wurde zum ersten Male in weiten Kreisen bekannt, als der von ihm entworfene und vorbereitete An­griff auf das Dorf Vailly unweit Soiffons am 30. November 1914 einen durchschla­genden Erfolg hatte und die deutschen Stellungen an der Aisne wesentlich ver­besserte. Zum ersten Male wurde hierbei die schwere Artillerie in enger Verbin­dung mit den Angriffs-Abteilungen der Infanterie eingesetzt, der Tag von Vailly war die Geburtsstunde der engen Zusam- mengehörigkeit und des erfogreichen Zu­sammenwirkens beider Waffen.

Dieser Erfolg war auch mit die Ver­anlassung, daß der damalige Oberst von Seeckt im Frühjahr 1915 zum Chef des Stabes der unter dem General von Mackensen neu aufgestellten 11. Armee ernannt wurde, der den Angriff gegen die Russen in Galizien übertragen war. Der Durchbruch von Gorlice-Tarnow war in erster Linie den großzügigen und ein­gehenden Vorbereitungen des tüchtigen Generalstabschefs zu verdanken, der bald darauf ein in dem alten preußischen Heere höchst seltener Fall außer der Reihe zum Generalmajor aufrückte. In Anerkennung der weiteren Erfolge der 11. Armee, Die im Sommer 1915 ihren Siegeszug über Przemysl und Lemberg bis an den Bug fortsetzte,, erhielt der jugendliche Stabschef den wohlverdienten Orden Pour le mSrite.

Im Herbst 1915 begleitete von Seeckt seinen Oberbefehlshaber nach Serbien; die Verbündeten überschritten unter den schwierigsten Verhältnissen die Donau und zertrümmerten in kurzer Zeit das serbische Heer; der Weg nach Konstantinopel lag offen, Bulgarien schloß sich den Mittelmäch­ten an. Monate größter Spannung folg­ten, es handelte sich darum, ob die Salo­niki-Armee der Entente angegriffen wer­den sollte oder nicht. Auf den Vorschlag des General von Seeckt wurde der Plan aufgegeben, der allzu große Streitkräfte den Hauptfronten entzogen hätte.

Im Sommer 1916 hatten die Verbünde­ten durch die nicht einheitliche Vefehls- führung an der Ostfront schwere Verluste