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Marburg a. Lahn

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Wische Lan-eszeitung

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Connnbcnb, kn 2. Skiober 1926

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»,,1-1 Uhr.

Schuhmacher sschmmm verhaktet

Roucier läuft frei herum.

sk. Germersheim, 2. OKI. Gestern fand wegen den letzten Vorfällen die Ge­genüberstellung des Unterleutnants R o u- - zier mit dem verletzten Schuhmacher H o l z m a n n bei dem französischen Kriegsgericht statt. Als Holzmann nicht zugab, datz er den Unterleutnant Rouzier zuerst geschlagen habe, wurde Holzmann von der französischen Besatzungstruppe verhaftet.

fk. B e r l i n, 2. OKI. Zu der Verhaf­tung des Schuhmachers Holzmann aus Germersheim durch die französischen Be­satzungsbehörden wissen die Blätter noch zu melden, daß man dem Verletzten auf den Kopf zugesagt habe, er habe den fran­zösischen Leutnant Rouzier geschlagen, be­vor dieser zur Reitpeitsche und nachher i zur Pistole habe greifen können. Als | Holzmann dies energisch in Abrede ge­stellt habe, habe man ihm erklärt, ihn so lange in Gewahrsam zu behalten, bis er die Wahrheit sage. Nach einer weiteren Mitteilung der Blätter, soll sich der Un­terleutnant Rouzier, der in einem Landauer Hotel als Zimmerarrestant un- i ««gebracht sei, in den Straßen, ohne Begleitung, frei bewegen können.

Der Lebenswandel des Leutnants

Rouzier.

E t Germersheim, 1. Okt. Wie jetzt K nachträglich bekannt wird, führte der I französische Leutnant Rouzier, der sich bekanntlich wegen der Germersheimer Vorfälle in Landau in Untersuchungshaft befindet, ein sehr lockeres Leben. In sei­l' ner Wohnung, die schon mehr einem Bor­dell ähnelte, gingen die Halbweltdamen täglich aus und ein. Alle Beschwerden seiner Wirtsleute wegen seines unerhör- V ten Verhaltens bei der Besatzungsbe­hörde blieben ungebört. Im übrigen be­nahm er sich seinen Quartiergebern gegen- [ über stets außerordentlich brutal und ' rüpelhaft.

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Die Umgehungsmanöver Poincar^s.

TU. P a r i s, 1. Okt. Bei dem heutigen ' Minifterrat sollte ursprünglich auch von den sogenanntent e ch n i sch e n Pro­blemen", die T h o i r y im Gefolge hat, gesprochen werden. Das amtliche Kom­munique schweigt sich jedoch darüber aus, und es wird auch nicht davon gespro­chen, wann diese Probleme dem Minister­rat unterbreitet werden sollen. Der nächste Kabinettsrat findet am Freitag lommcty- l der Woche statt.

Diese Verschiebung der Aussprache über die technischen Probleme der Thoirq- Verständigung scheint eine ganz neue ß außenpolitische Wendung einlei- F ten zu sollen. Wenigstens wird von der Poincarö nahestehenden Presie nichts Un­terlasten, um

weitere Folgen der Absprache von Thoirq als überflüssig

j erscheinen zu lasten. DerPetit P a r i- I i e n", der zurzeit als halbamtlich gelten Muß, hat schon im Anschluß au die Bespre­chung zwischen dem französischen Miniiter- präsidenten und dem belgischen Minister Francqua deutlich darauf hingewiesen, wie 1r Nestern gemeldet wurde. Organe der französischen Hochfinanz, wie die l1 Nachrichtenagetltur Sans-Fil, nehmen gleichfalls auf amtliche Anregung hin die 3 L vonPetit Parifien" vorgetragenen Ee- ] t dankengängc auf. Es wird angedeutet, daß ! I Poincarä einer Ratifizierung des | Washingtoner Abkommens zu- strebe und versuchen wolle, mit Hilfe der I Abneigung der Chauvinisten gegen Deutsch­land auch einen Louis Marin dafür zu ge- i »innen, besonders, wenn es ihm gelingen W sollte, worauf jetzt angeblich Aussicht be- 2 steht, die Transferklausel in das Abkommen hineinzubringen.

ReWMteltag -er Deutschen Volkspartel

Ein Wlwort öeö WMWttS Sr. Krckmam

Köln, 1. Okt. (WTB.) DieKölnische Zeitung" veröffentlicht unter der Aeber- schrift:Geleitwort des Parteiführers, Reichsminister Dr. S t r e s e m a n n fol­gende Auslassungen:

Der Parteitag der Deutschen Volkspartei sieht eine in allen wesentlichen Grundsätzen geeinte Partei zusammen. Kämpfe das Ziel der deutschen Außenpolitik haben in ihr nie bestanden, wohl aber mag die Methode der deutschen Außenpolitik einst Gegenstand von Auseinandersetzungen auch in der eigenen Partei gewesen sein. Heute zeichnet sich der Weg dieser Politik deut­lich ab. Das Blickfeld ist geweitet. Man weiß heute, um was es geht. Aber die Arbeit um das Erstrebte hat erst be­gonnen und ist nicht etwa zu Ende guführt. Wichtig für die Partei ist es, daß sie weiter dafür eintritt.

der Außenpolitik die Ruhe zu lassen, wenn auch Rückschläge diesen Weg begleiten sollten.

Diese nationale Disziplin ist das, was die Führung der Außenpolitik besitzen muh um ihren Weg erfolgreich weiter führen zu können. Der Charakter der gegenwärtigen Regierung als einer Minderheitsregierung hat verschiedenen Gremien Ver­anlassung gegeben, die Frage einer Aenderung der heutigen Partei- v erhält Nisse und ihrer Zusammenar­beit: zu prüfen und dafür Vorschläge 'zu machen. ES ist sicherlich nicht die Absicht des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie gewesen, sich irgend­wie parteipolitisch zu betätigen. Das was in ihrer Hauptversammlung ausgeführt wurde, ist vom Gesichtspunkt des Ver­hältnisses des Unternehmertums zur Arbeiterschaft zu bewerten und hat hierin seine Bedeuutng. Ich glaube dies in voller Aebereinstimrnung mit dem Reiichsverband sagen zu können, der selbst die überragende Bedeutung, die ihm zu­kommt, schwächen würde, wenn er in die Tagespolitik eingreifen würde und nun um die Herbeiführung parlamen­tarischer Kombinationen nach dieser oder jener Seite sich bemühte. Den Parteien entstehen heute an den verschiedensten Stel­len L e h r m e i st e r. Rationale Ver- bänd e, denen es an anderer Betätigung fehlt, geben ihnen Ratschläge, die Be­rufsorganisationen drücken gegen sie. Jeder verlangt den Platz an der Sonne für sich und droht den Parteien, die nicht diesen Weg gehen wollen. Die Deutsche Volkspartei wird gut tun, sich ge­

genüber allen diesen Ratschlägen die Selbstbestimmung zu bewahren und sich immer vor Augen zu führen, daß ihre parteigeschichtliche Bedeutung darin be­steht, die ich möchte beinahe sagen

überparteiliche Zusammenfassung der­jenigen Kräfte Deutschlands zu sein, die sich vom Staatsbewußtsein leiten lassen,

die Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen und sich durch sachliche Arbeit die Anerkennung schaffen, die schließlich über den Schlagworten des Tages stehen wird. Von diesem Gesichtspunkt aus kann die Partei zur gegebenen Zeit mit allen denjenigen zusammenwirken;die für bestimmte in der Gegenwart zu lösende Aufgaben die Gewähr einer innerlich zusammenarbeitenden und zusammen­gehenden Mehrheit bieten. Das sind Fragen, deren Lösung sich aus der im Fluh befindlichen Entwicklung ergeben wird. Die tragenden Kräfte jeder Regie­rung in Deutschland werden die Par­teien der Mitte sein, ohne die in Deutschland nicht regiert werden kann und innerhalb deren die Partei ihre eigene Stellung mehr und mehr befestigt hat. Ich freue mich, nach der Sitzung der Reichs­tagsfraktion feststellen zu können, daß die Partei in dieser Frage ebenso wie in der

der auswärtigen Politik völlig ein­heitlich ihren Weg geht. Ich bin Über­zeugt, daß diese Einheitlichkeit auch dem Parteitag selbst sein Gepräge geben wird.

Die Rheinland-Interpellation.

Die R e i ch s t a g s f r a k t i on der Deut­schen Volkspartei hat beschlossen, folgende Interpellation im Reistage ein­zubringen:

Noch ist das Opfer der furchtbaren Germersheimer Bluttat nicht der Erde übergeben, und schon wird eine neue schreckliche Ausschreitungderfran- zösischen Besatzung aus Trier berichtet. Welche Feststellungen hat die Reichsregierung über beide Vorkommnisie gemacht? Stimmen die Ergebnisie der Feststellungen mit den von Havas ver­breiteten Darstellungen überein? Hält die Reichsregierung eine Möglichkeit für gegeben, derartige Vorkommnisse äuszuschließen, so lange die frem- deBesatzungim Rheinland und in der Pfalz besteht?

Sitzung des Zentralvorstandes.

Köln, 1. Okt. Der zweite Tag der Partei­tagung brachte zunächst eine bedeutsame

Sitzung des Zentralvorstandes der Deutschen Bolkspartei, in der endgültig die Tagesordnung des am Sonnabend beginnenden eigentlichen Partei­tages festgesetzt wurde. Auch der Ehrenvor- sitzenve des Zentralvorstandes, Geheimrat Bogel- Dresden war erschienen und wurde lebhaft begrüßt.

Beichsauhenminister Dr. Etresemann eröffnete als Vorsitzender der Partei die Ver­handlungen, indem er zunächst der verstorbe­nen Mitglieder des Zentralvorstandes ge­dachte . Dann erstattete Dr. Stresemann einen kurzen Bericht zur innen- und außen­politischen Lage. Seine Ausführungen wurden immer wieder durch den stürmischen Beifall der Versammlung unterbrochen.

'Als erster Diskussionsredner sprach der frühere Reichsinnenminister, Oberbürger­meister Dr. Jarres, den tiefsten Dank des Rheinlandes für die Stresemannsche Desrei- ungspolilik aus.

Im Beamtenausschuß sprach zunächst Abg. Morath über denBe­amten als Staatsdiener und Staatsbürger".

Abg. Meyer- Herford bedauerte, daß immer noch hier und dort unbegründete Angriffe gegen die deutschen Beamten er­hoben würden. Ein Personalabbau dürfe nicht wiederkehren, auch nicht der Ver­such gemacht werden, auf dem Wege einer sog. Reform politisch mißliebige Beamten zu beseitigen. Die Hobe Bedeutung der Be­amten für unser Volk und den Wiederaufbau unseres Vaterlandes erkenne die Deutsche Volkspartei durchaus an. Im Berufsbeamten­tum sehe sie einxn der hervorragendsten und notwendigsten Grundpfeiler des Staates und wünsche, daß das immer mehr von allen Volkskreisen erkannt werden möge.

Die Sondertagung des Reichsfchul- ausfchuffes

wurde vom Abg. Oberregierungsrat, S o l l- mann mit Worten herzlichster Begrüßung an die aus allen Teilen des Reiches zahlreich her­beigeeilten Teilnehmer eröffnet.

Staatsminister a. D. Boelitz referierte über die augenblicklichen kulturpoliti­schen Fragen. Der Gedanke eines wobl - verstandenen Liberalismus ist nicht tot, er lebt. Er hat mit Kulturkampf nichts zu tun. Der Gedanke der nationalen Er­ziehung ist auf dem Marsche. Die deutsche Einheitsschule bedeutet nicht eine mechanische Vereinerleiung, sondern die be­wußte Miltelvunktsstellung des deutschen Bil­dungsgutes, um die sich das ganze Volk zu einer Einheit scharen kann. Seine äußere Organisation findet diesen Gedanken in der nationalen Einheitsschule,

deren Fundament die Grundschule ist und die in einer gesunden höheren Schule und in der bestmöglichen Gestaltung der Univer­sität ihren Ausdruck findet. Die Deutsche Dolksparlei hat in allen Ländern an der Aus­gestaltung dieses Programms erfolgreich mit- lFortsetzung siehe Seite 23

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Neuorientierung?

Es ist bezeichnend für die allen schönen Worten zum Trotz anhaltende Verworren­heit des europäischen Staatenlebens, daß mit dem Augenblick, da angeblich durch den Eintritt Deutschlands der Schlußstein in das Gebäude des Völkerbundes gefügt und damit dem ewigen und wahren Frie­den der Boden erst recht geebnet wurde, sich einige zum Teil tiefgreifende Umwäl­zungen in dem inneren Gefüge dieses Machwerks der Ratlosigkeit und des Selbsterhaltungstriebes vollziehen.

Als Deutschland noch auf der Schwelle des Völkerbundes stand, wurde der In­halt des rumänisch-französi­schen Vertrages bekannt, der als Kernpunkt für Rumänien die Garantie Bessarabiens und damit eine scharfe Spitze Kn Rußland enthält. Als dann die sche Abordnung zu den Aufnahme- seierlichkeiten in Genf abreifte, wurde die Welt durch denNew Jork Amerikan" von dem Abschluß eines polnisch - ru - mänischen Milit är ab komm ens in Kenntnis gesetzt, das einen ausge­sprochenen Angriffscharakter hat und, wie aus einem Brief des Generals Petala an den rumänischen Kriegsminister her­vorgeht, eine aktive Unterstützung durch Frankreich gegen Rußland sowohl wie gegen Deutschland vorsieht.

Diese drei Mitglieder des Bölkerbun- des bekennen sich damit zu einer Ver­tragspolitik, die mit den Satzungen des Völkerbundes in keiner Weise vereinbar ist, die sie aber als unbedingt erforderlich zurWahrung ihrer Interessen" bezeich. nen. -

S

Die Rückwirkung einer solchenSiche­rungspolitik" hat nicht lange auf sich warten lassen. Es war bisher das Be­streben Rußlands, sich lediglich den Bin­dungen des Völkerbundes möglichst zu entziehen; eine grundsätzliche Abneigung gegen ein Schiedsgerichts- oder Garamie- paktfystem bestand dagegen nicht. Von russischer Seite sind ja durch den Ge­sandten Woskow der polnischen Regie­rung die ersten Vorschläge eines russisch- polnischen Garantiepaktes unterbreitet worden. Sowie aber in Moskau der In­halt der oben erwähnten Verträge be­kannt wurde, ging Tschitscherin daran, in verstärktem Maße die Sowjetunion in den Mittelpunkt einer eigenen Bünd­nispolitik der europäischen Oststaaten zu stellen.

Der erste erfolgreiche Schritt dazu ist der Ende September unterzeichnete Ver­trag zwischen Rußland und Litauen.

Soweit sich aus den amtlichen Verlaut­barungen des Nachrichtenbüros der Sow­jetunion ersehen läßt, handelt es sich bei diesem Freundschaftsvertrag um ähnliche Abmachungen, wie sie Rußland mit Deutschland in dem bekannten Berliner Vertrag getroffen hat. Von den 7 Ar­tikeln, In die das Abkommen zerfällt, be­stätigen zunächst die zwei ersten den zwi­schen den beiden Staaten abgeschlossenen Vertrag vom 12. Juli 1920 und sichern sich unter allen Umständen die gegenseitige Achtung der Souveränität zu. Artikel 3 verpflichtet die . Vertragschließenden, kei­nerlei feindselige Handlungen gegen ein­ander zu unternehmen, und sofern von dritter Seite ein Angriff erfolgen sollte, diesem Dritten keinerlei Unterstützung zuteil werden zu lassen. Ein weiterer Artikel verweist auf den Weg der Schiedskommission, . sofern sich strittige Punkte nicht auf diplomatischem Wege bereinigen lassen.

Von besonderer Bedeutung ist aber der neben dem Vertrag vereinbarte Noten­austausch, in dem Rußland zum Aus­druck bringt, daß es sich auch weiterhin auf den Boden seiner bisherigen Auffas­sung hinsichtlich der Wilnasrage stellt, mit anderen Worten also, daß es das Wilnagebiet als litaui^ scherTlbiet anerkennt^- "