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Marburger Zaseßmetztt
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Ein neuer WiWenW in Mienz
Koblenz, 30. Sept. Zu den Vorfällen kn Germersheim und Trier gesellt sich «u« auch ein Zwischenfall i« Koblenz, der ebenfalls beweist, wie unhaltbar die Fortdauer Her Besatzung für die rheinische Bevölkerung ist. Zn den späten Abendstunden hörte ein Studienassessor des Kai- serin-Augusta-Eymnasiums, der sich auf dem Heimweg befand, in der Nähe der entlegenen Roonstraße wilde Hilferufe einer weiblichen Person. Der Studienassessor ging den Hilferufen nach. An der Ecke der Roonstraße traten ihm mehrere Besatzungssoldaten entgegen, f i e- lenüberihnherundschlugenihn mit Reitpeitsche« und Stöcken. Dann drehte« die Rohlinge die Peitschen «m «nd bearbeiteten den Ueberfallene« mit den Peitschenstielen solange, bis er blutüberströmt zu Boden sank. Mit einem harte« Gegenstaad erhielt der Ueberfallene dann noch einen h eftige» Schlag gegen den Kopf, so dah eine klaffende Wunde entstand, die Bewußt« kosigkeit herbeiführte. Was mit der Krauensperson geschehen ist, auf deren Hilferufe der Ueberfallene herbeigeeilt war, ist nicht bekannt geworden.
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Sie AMunMstr in Gtwimteim
Germersheim, 30. Sept. Der von dem französischen Leutnant Roucier getötete Arbeiter Emil Müller wurde heute nachmittag unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung der Stadt Germersheim und eiüer groben Anzahl von Leidtragenden aus der ganzen Pfalz zu Grabe getragen. Die Geschäfte waren während der Beerdigung geschlossen. Unter dem Geläut der Glocken der Germersheimer Kirchen beider Konfessionen und unter den Klängen eines Trauermarsches setzte sich der riesige Trauerzug langsam in Bewegung. Nach der Einsegnung der Leiche durch den katholischen Stadtpfarrer hielt der Regierungspräsident der Pfalz im Namen der bayerischen Staatsregierung eine Ansprache. Danach ergriff der erste Bürgermeister von Germersheim, Schmidt, das Wort. Er betonte, datz Müller auf dem Felde der Ehre gefallen sei, gefallen zn Ehre« Deutschlands. Der Landtagsabgeordnete, Chefredakteur Bernzott, gab dem Wunsche Ausdruck, dah der Tod Müllers dazu beitragen möge, die pfälzische Heimat von fremder Besatzung zu befreien.
Die französische Besatzung zeigte sich während der Beerdigungsfeierlichkeitev nicht auf den Strahen der Stadt.
Zivilverbot für die französische Besatzung.
Berlin, 30. Sept. Der Oberbefehlshaber der Rheinarmee hat mit Rücksicht auf den Germersheimer Zwischenfall allen De* satzungsangehörigen im besetzten Gebiet das Tragen von Zivilkleidern verboten und gleichzeitig angeorbnet, dah m den von Desatzungstruppen belegten Orten des Rachts • bis auf weiteres ein reger Patrouillengang in Verbindung mit den deutschen örtlichen Polizeibehörden eingerichtet werden soll, der sich besonders auf die Wirtschaften beziehen soll.
Abschluh eines türkisch-chinesischen Freund- schaftsvertrages.
fk. London, 1. Oft. Einer Agentnrmel- dung aus Konstantinopel zufolge hat die Türkei mit China einen Vertrag der Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung abgeschlossen.
Degradation spanischer Artillerieoffiziere.
ft Madrid, 1. Ott. Auf Grund des Ur» teilsspruches des Kriegsgerichts sind 4 Oberste, 3 Oberstleutnants, 12 Majore, 18 Hauptleute und S Leutnants der Artillerie wegen Beteiligung an der jüngsten Aufpaadsbewegung degradiert worden.
Parteitag -er Deutschen Volkspartei gümiwmW», WM und Stbuifrcgtn
Köln, 30. Sept. In Köln hat heute die große Reichsparteitagung der Deutschen Volkspartei mit einer Konferenz der Landtagsfraktionen und Staatsratsmitglieder der Partei ihren Anfang genommen.
Abg. Burger- Bayern sprach über den Finanzausgleich. Er erklärte einleitend: Die Aufgaben der Länder seien vor allem durch die Sozialgesetzgebung stark vermehrt. Die Ausgaben feien entsprechend gewachsen, die Zuwendungen des Reiches an die Länder aber zurückgegangen. Dazu komme die ungünstige Lage der agrarischen Bezirke. Trotzdem bestehe die Gefahr, daß der Finanzausgleich weiter zu Ungun st en der Länder und Gemeinden verändert werde. Es sei zwecklos, daß das Reich und die Gemeinden sich gegenseitige Vorwürfe wegen mangelnder Sparsamkeit machten, sondern , es komme darauf an, daß alle Teilt sparsamer wirtschaften lernten. Der Finanzausgleich müße auch einen Lastenausgleich bringen. Es müßten Wege gesucht werden, um die Lebensfähigkeit von Ländern und Gemeinden zu sichern. Die Aufteilung der Länder in Wirtschaftsprovinzen sei eine Utopie.
N«a«zausgleich und Steuer«.
Landtagsabg. v. E y n e r n hob als Korreferent u. a. hervor, daß in der jetzigen Form die Einkommensteuer kein Mittel zum Ausgleich sei. Einer der Fehler des jetzigen Systems liege darin, daß der V er t e i I u n g s s ch l üf - s e l noch heute auf dem Aufkommen des -Jahres 1922 beruht, also auf einem wirtschaftlich ganz anormalen Zeitpunkt.
Abg. Matthes- Baden sprach sich für eine Aufteilung der Steuerquellen aus. Eine Vereinfachung des ganzen Steuerwesens ist nach wie vor zu fordern.
Preußischer Finanzminister a. D.* Dr. Richter erklärte, die Rückgabe der E i n- kom menst euer an die Länder, wie sie Bayern fordert, sei unmöglich. Gegen das Zuschlagsrecht werden von verschiedenen Seiten Bedenken erhoben.
Abg. Leidig wies darauf hin, daß auch der E i n h e i t s st a a t, der doch ein dezentralisierter fein müsse, uns von der
Forderung des Finanzausgleichs nicht befreien würde.
Rach dem Schlußwort des Berichterstatters wurde die Einsetzung eines Ausschusses beschloßen, der die aufgeworfenen Fragen weiter bearbeiten soll.
Heber Polizeisragen sprach Abg. Rose. Die Polizei müsse vor allem entpolitisiert werden. Abg. M e tz e n t- hin meinte, der Gedanke einer Reichspolizei würde keine wesentliche Ver- befferung bringen.
Schulfrage«.
Es folgte ein Vortrag des . Staatsministers a. D. Dr. B o e l i tz über Schulfragen. Die Forderung der Kompetenz des Reiches in Kulturfragen sei nicht neueren Datums. Die Kulturauto- nomie der Länder steht aber fest. Trotzdem wird eine lebhafte Reichskulturpolitik erstrebt. In der Erundsatzgesetz- gebung hat der Reichstag nicht das gehalten. was erwartet wurde. Es sei nur an das Erundschulgesetz erinnert. Wir stehen auf seinem Boden, sind aber bestrebt. die Starrheiten zu mildern. Unser Standpunkt zum Reichsschulgesetz ist bekannt: Erhaltung der historisch gewordenen Schulformen, konfessionelle Schule in Norddeutschland, Simultanschule dort, wo diese Form eingebürgert ist. Warum müssen wir vor einem Rahmengesetz, das den Streit in die Länder hineinträgt. Auch in der Lehrerausbildung hat das Reich versagt: Preußen und die übrigen Länder mußten selbständig Herangehen. Die Vuntscheckigkeit nimmt zu. Die Trennung von Kirche und Staat ist im Reiche nicht erfolgt. Nachdem Bayern ein Konkordat abgeschlossen hat, kommt ein Reichskonkordat nicht mehr in Frage, die einzelnen Länder werden vielmehr den neuen Verhältnissen angepaßte Vereinbarungen mit den Ländern zu treffen haben.
Abg. D i n g e l d e y, Hessen, wandte sick gegen die Politisierung 'der Schulen.
In einem Schlußwort erklärte Dr. Boe- l i tz, daß sich die 81 Aufbauschulen in Preußen glänzend bewährt hätten.
Die preußische Landtagsfraktion hielt eine kurze geschäftliche Sitzung ab. Die Frage der große« K o a l i t i on wurde mit keinem Worte berührt.
Cfoimterlohi - Mussolini
Livorno, 30. Sept. Mussolini traf heute vormittag 9 Ahr, von Rom kommend, hier ein . Er begab sich um 11 Ahr in 'Begleitung bei Anterstaatssekretärs ©raubt und seines Kabinettschefs Paulucci an Bord der englischen Jacht „Delphin", wo er von Chamberlain und seiner Familie empfangen wurde. Rach einer kurzen Anterre» düng allgemeinen Charakters zogen sich Mussolini und Chamberlain auf die Schiffsbrücke zurück, wo sie bis kurz nach 1 Ahr eine herzliche Aussprache hatten. Mussolini und Chamberlain begaben sich alsdann in ^Begleitung ihres Gefolges an Bord der italienischen Jacht „Giuliana", um an einem Frühstück im engsten Kreise teilzunehmen.
Die Agencia Stefan: gibt folgende amtliche Mitteilung aus: Mussolini und Chamberlain sind in Livorno zusammengetroffen. Die Besprechungen zwischen den beiden Staatsmännern, die, wie man weiß, durch Beziehungen gegenseitiger persönlicher Freundschaft mit* einander verbunden sind, sind in sehr herzlicher Weise verlaufen. Die beiden Staatsmänner haben die wichtig st en internationalen Fragen der Stunde geprüft und dabei die Genugtuung gehabt, die Intimität der englisch-italienischen Beziehungen und die Gleichheit der von den beiden Regierungen für die Lösung der wichtigsten europäisch:« Probleme eingehaltenen Linie zu bestätigen.
Von der Presse wird einstimmig die Bedeutung der Unterredung zwischen
Mussolini und Chamberlain gewürdigt. Es wird darauf hingewiesen, daß die öffentliche Meinung der Welt ganz richtig die Zusammenkunft als ein Ereignis von größtem politischen Wert bezeichnet. Die Entwicklungen der europäischen Politik während der neun Monate nach der Mussolini-Chamberlain-Be- sprechung in Rapallo geben, so wird betont, erneut Gelegenheit, die a k t i v e Zusammenarbeit der beiden großen Nationen, von der zum größten Teile das Schicksal Europas abhängt, zu bekräftigen.
Einer Agentur-Meldung aus Rom zufolge hat der italienische Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten der Preffe erklärt, die Veranlassung zu dr Konferenz zwischen Mussolini und Chamberlain sei nicht Tanger gewesen, sondern „andere Fragen von weit-wichtigerer Bedeutung".
Verhaftung hochstehender Persönlichkeiten ht Persien.
fk. Paris, 1. Oft. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" wird die Untersuchung des gegen den Schah gerichteten Komplotts, eifrig fortgesetzt. Eine weitere Anzahl hochstehender Persönlichkeiten seien verhaftet worden. Zahlreiche Selbstmorde von höheren Offizieren werden berichtet, die der Verhaftung wegen ihrer Beteiligung an dem Komplott hätten entgehen wollen.
RMlriN ter wlnisAn Rtginung
ffl Warschau, 1. Okt. Wie der Sejm-Marschall Rataj bei Eröffnung der Abendfitzung des polnische« Landtage» mitteilte, ist die Regierung Bartel zurückgetreten. Die Gesamtdemission wurde vom Staatspräsidenien angenom» men.
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Die StMisittms tes telgitotn Franken
fk. Paris, 1. Okt. Der Brüsseler Korrespondent des „Echo de P a r i s ‘ berichtet, dab die belgische Regierung, da es unmöglich sei, die französische Regierung zu einer gemeinsamen Handlung hinsichtlich der Stabilisierung des Franken zu bewegen, sich entschlossen habe, allein die Stabilisierung ihrer Währung durchzuführen. Daraus erklärt sich die Reise des Schatzministers F r a n c q u i und des Gouverneurs der internationalen Bank, Frank, nach London. Die Stabilisierung»- anleibe sei noch nicht abgeschlosien, aber man versichere, dab die eingeleiteten Verhandlungen sehr ermutigend seien.
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Der Eistnvakt unteßtiW
Brüssel, 30. Sept. (WTB) Der endgültige Vertrag über tin Eisenkartell zwischen Deutschland. Frankreich. Belgien und Luxemburg ist soeben abgeschlossen worden.
fk. Berlin, 1. Okt. Zu dem Abschluß des internationalen Eisenkartells bringt das „Berliner Tageblatt" einen Artikel eines führenden rheinischen Schwerindustriellen. Der Artikel hebt hervor, man dürfte annehmen, daß der Eisenpakt für alle Länder ohne Ausnahme große Vorteile bringen und das Anfangsstadium einer Belebung für den europäischen Markt bilden werde. Das „Tageblatt" bringt weiter auch eine Aeußerung Loucheurs, der hervorheit, daß der Pakt mit der ZustimnOng der Regierungen geschlosien worden ist. Der belgische Senator Broucköre betont in einer Zuschrift, das Abkommen, das zwischen den Ländern, die den Vertrag von Locarno unterzeichnet haben, abgeschlossen ist, wird eine noch stärkere wirtschaftliche Solidarität und Zusammenarbeit herbeiführen. Reichsarbeitsminister C u r t i u s wies darauf hin, daß die Etahlindustriellen als verantwortliche Sachverwalter der gesamten deutschen Wirtschaft, insbesondere der eisenverarbeitenden Industrie gehandelt haben.
Per „Vorwärts" sieht in der Tatsache, daß die Kapitalisten allein den Abschluß beschlossen, eine Gefahr für die Arbeiterschaft.
Die „Deutsche Allo. Ztg." sieht eine über das rein wirtschaftliche hinaus- gehende Bedeutung der ^Abmachung darin, daß mit ihr ein hoffnungsvoller Versuch unternommen werde, in einem wichtigen Punkte die unheilvollen Folgen des Friedensvertrages von Versailles einem Ausgleich entgegen zu führen.
fk. Brüssel, 1. Okt. Wie zur Grüi^ düng des Stahltrustes ergänzend mitgeteilt wird, wird der Sitz des Trustes in Luxemburg sein, äum Präsidenten wurde Emil M a y r i s ch - Luxemburg gewählt.^
btt RtiMntek
Berlin. 80. Sept. (WTB.) Die Reichsindexzisser für die Lebenshaltungskosten ist nach den Feststellung^ des Statistischen Reichsamte» für bett Durchschnitt des Monats Septems 'der mit 142,0 gegenüber dem BormottG (142,5) W» M AMchgMyLW.