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Dienstag, den A. sevlbe. 1926

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Bnzeigerjurtdas-uher kuchMchelGbechesseru--Amtliches Vrrkünüigungsblatt jur dKreisÄlarbmg

Pomrare in Bar le Dm

Er hält fest an den Verträgen nnd der StlegSWNüge

Sie Mnttnl in Sermetsheim

ft Germersheim. 28. Sept Nach den Ermittelungen des nach Germersheim ent- jandten Regierungskommissars iiber die Ger­mersheimer Bluttat bildet die Veranlassung der Wortwechsel zwischen zwei fran­zösischen Leutnants in Zivil und dem Schuhmacher Holzmann, in dessen Ver­lauf der eine der Offiziere auf Holzmann einen Schuh abgab, der den Unterkiefer durchschlug. Der Landwirt Mathes und der Arbeiter Mülltr eilten dem Ver­wundeten zu Hilfe, sie liefen dann den Offi­zieren nach, um ihre Persönlichkeit festzustellen. Der Verlauf der sich nunmehr rasch abwickeln­den Ereignisse ist noch nicht vollständig geklärt, doch steht fest, dah Müller durch einen Schuh getötet, Mathes durch einen Eehirnschuh lebensgefährlich verletzt wurde. Die Untersuchung, ob beide französischen Offiziere geschossen haben und wer die folgenschweren Schüsse abgegeben hat, ist noch nicht abge- schlosieu.

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Das neue Kabinett Sattel

Warschau, 27. Sept. (WTB.s Der Staatspräsident hat die Strgieruug Bartel in ihrer alten Zusammensetzung neu er­nannt. DieS zeigt, das; mau entgegen den Bestimmungen der Verfassung über die beide» Mißtrauensvoten drS Landtags gegen den Innenminister und den UntcrrichtK- miniftcr zur Tagesordnung n berge gangen ist. Die neue Regierung Wird sich wahr­scheinlich Donnerstag, den 30. September, dem Sejm vorstellen. Sollte das Kabinett parlamentarischen Schwierigkeiten begegnen, so ist mit einer Auslösung des Sejms zu rechnen.

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SoüiiWilouiitte MmimnWt

Kowno, 27. Sept. Der „Litauischen Rundschau" zufolge, kam es gestern mittag in Kowno zu einem schweren Zusammen- sto'g zwischen Polen und Litauern, Als Mitglieder der katholische^ Gemeinde in Kowno die Kathedrale verliehen, ent­wickelten sich vor und in der Kirche schwere Schlägereien und Schiehereien, zwischen den Kirchenbesuchern und Angehörigen litauischer Organisationen. Neun Per­sonen wurden verletzt, neun Personen wur­den verhaftet, später jedoch wieder frei­gelassen. Der Grund zu dem Zusammen- stoh soll nach einer Darstellung des Polizei­chefs von Kowno darin zu suchen sein, dah sich litauische Katholiken geweigert haben, den polnischen Katholiken Fahnen aus­zuhändigen, die diese bei der Prozession mit sich führen wollten. -

Der Sarifitrcil in Santgtwetbt

Berlin. 27. Sept. Heute fanden im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen zur Beilegung des Tarifkonflikts im Bank­gewerbe statt, die sich auherordentlich schwierig gestalteten. Der Vertreter der Bankleitungen erklärte, dah die Bauk- leitungen angesichts der schlechten wirt­schaftlichen Lage auherstande seien, die ge­forderten Gehaltserhöhungen zu bewilli­gen oder bezüglich der Arbeitszeitbestim­mungen Zugeständnisse zu machen. Da keine Einigungsformel gefunden werden, konnte, wurde ein Schlichtungsaus­schuh eingesetzt, um einen Schieds­spruch zu fällen.

Abends wurde' vom Reichsarbeits- minifterium ein Schiedsspruch gefällt, nach welchem die bisherigen Ge­haltssätze und die Arbeitszeit- bestimmungen unverändert be­stehen bleiben sollen. Sämtliche Arbeit- nehmeroertreter lehnten den Schieds­spruch ab. Die Erklärungsfrist beider Parteien läuft am 5. Oktober ab. . ,

Es ist geradezu lächerlich, dah Herr Poincare heute, nach sieben Jahren ern­stester Kriegsschuldforschung, -noch die Fik­tion aufrecht erhält, dah diejenigen, die den Krieg formell erklärten, auch die Kriegsschuldigen sind. Zweifellos hat unsere Vorkriegsdiplomatie, die ja auch sonst auf hervorragende politische Lei­stungen nicht gerade mit Stolz blicken kann, geradezu katastrophal versagt, als sie es nicht verstanden hat, den Mächten, die von vornherein und seit Jahren zum Krieg ge­gen Deutschland entschlossen waren, auch formell die Kriegserklärung zuzuschieben. Herr Poincare war sehr viel schlauer als unsere Politiker und Diplomaten. Er wußte, dah ihm die Hilfe Englands erst dann sicher war, wenn es ihm gelang, Deutsch­land als den Angreifer hinzustellen. Das eben erst veröffentlichte französische Gelb­buch gibt in seiner neuen revidierten Fas­sung, in der zahlreiche Fälscbungen der Re­gierung Poincars nachgewiesen wurden, hierüber einwandfreien Aufschluß.

Herr Poincare hält es für richtig, auch jetzt wiederum zu behaupten, daß der Krieg von deutscher Seite „auf Befehl des Kai­serlichen Generalstabes in unbarmher­ziger Grausamkeit" geführt worden sei. Auch hier handelt es sich um eine Legende, die dem Sieges- und Blutrausch der Kriegs- und Rachkriegsjahre ihre Ent­stehung verdankt, die aber heute ernsthaft von niemanden mehr geglaubt wird. Der Reichstag hat einen, aus hervorragenden Bölkerrechtslehrern aus allen politischen Lagern bestehenden Ausschuß eingesetzt, der diese Frage eingehend geprüft hat. Der Ausschuß, dessen Gutachten demnächst veröffentlicht wird, ist zu dem Ergebnis ge­kommen, dah die gegen den deutschen Ge­neralstab erhobenen Vorwürfe in keiner Meise begründet sind.

Wir haben Berständnis dafür, daß Herr Poincare an solchen Thesen, die längst als Ammenmärchen entlarvt sind, auch heute noch festhält. Alle wirklich ernst­haften Kriegsschuldforscher, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Amerika und anderswo kommen in ihren Untersuchungen zu demselben Ergebnis, das dahin lautet, daß die beiden einzigen Politiker der Vorkriegszeit, denen man eine direkte moralische Schuld vorwerfen kann, der russische Botschafter in Paris, Iswolski, und Poincare sind. Herr Poincare würde, wenn er von seiner Unschuld und der Schuld Deutsch­lands innerlich wirklich überzeugtest, sich ein großes moralisches Verdienst erwer­ben, wenn er als französischer Minister­präsident nunmehr endlich die V o r - Kriegsarchive des Quai d'Orsay ö f f n en wollte. Deutschland ‘ hat wicht einen Augenblick gezögert, seine Archive der wissenschaftlichen Forschung und der breiten Oeffentlichkeit zugänglich zu ma­chen. Rußland, Oesterreich und England sind ihm gefolgt. Nur Frankreich weigert sich nach wie vor. Diese Tatsache allein genügt schon, um zu zei­gen, wo diejenigen sitzen, die ein schlech­tes Gewissen haben.

Paris, 27 .Sept. 3it der Rede, die Mi­nisterpräsident Poincare heute nachmit­tag in Bar le Duc vor dem dortigen Ge­neralrat seines Heimatdepartements gehalten hat, ging er zunächst auf die innerpolitische und besonders die finanzielle Lage ein. Po­incare führte u. ,<L aus: Als er die Regie­rung übernommen habe, fei

die politische und finanzielle Sage in Luderster Gefahr

gewesen . Er hätte sich gern die Mitarbeit von Persönlichkeiten wie Maginot gesichert, aber angesichts der so ernsten Umstände hätte er seine persönlichen Ansichten zurückstellen und ein Kabinett der nationalen Einigung unter Zurückstellung' aller per­sönlichen Interessen bilden müssen. Poincare ging dann im einzelnen auf die bisher ge-»

troff en en inneren Maßnahmen ein, wobei er etwa sagte, das Schatzamt sei in einer kata­strophalen Lage gewesen, als er die Regierung übernommen habe, zum Teil auch deshalb, weil Deutschland mehrere Jahre seine Reparationszahlungen ver­zögert habe . Seit dem 10. August fei eine Aenderung in der Lage eingetreten und die Erneuerung der Schatzbonds sei gegenwärtig stärket? als die Zahl der Anträge auf Rück­zahlungen . Die Regierung habe deshalb die gebieterische Pflicht gehabt, die Wiederher­stellung einer gesunden Währung zu suchen. Der Gnderfolg hänge auch von einer Besse­rung in dem Ausgleich in den internationalen Verpflichtungen Frankreichs ab. Poincare kam dann auf die Vollmachten zu sprechen, die der Regierung vom Parlament Übertragen worden find und auf die damit im Zusammenhang getroffenen Maßnahmen. Das Parlament werde bald Gelegenheit ha­ben, diese Reformmaßnahmen zu billigen oder sie zu desavouieren. Jedoch werde

die Regierung ihr Schicksal von dem ihrer Dekrete abhängig machen.

Sollte die Regierung mit ihren Vorlagen un­terliegen, dann wäre zu befürchten, daß keine Reorganifation im Justizwesen und auch im, Derwaltungsgebiet durchgeführt werden könne.

Das Ausland schenke heute Frankreich eine nicht immer sehr woUwollende Aufmerk­samkeit und bisweilen habe Frankreich die Ansicht haben müsien, dah man von ge­wißer Seite de» Versuch gemacht habe, in­diskrete Micke auf die Ersparungen im französischen Budget und auf den Cha­rakter der Ausgaben Frankreichs $u werfen.

Er habe nicht nötig, zu sagen, daß Frankreich nach einem Kriege, den es nicht provoziert habe, und nach einem Siege, den es teuer bezahlt habe, sie als eine Verletzung der fran­zösischen st^ürde und der französischen Sou­veränität betrachten würde. Poincare kam tm Anschluß daran auf die auswärtigen Schulden Frankreichs zu sprechen und sagte, Frankreich habe sich niemals geweigert zu bezahlen. Es habe sogar bereits bedeu­tende Summen gezahlt und feine Zahlungen würden noch viel beträchtlicher gewesen fein, wenn Frankreich mit Rücksicht darauf, dah Deutschland lange Zeit seinen Verpflichtun­gen nicht nachgekommen wäre, nicht gezwun­gen wäre, selbst die Last seiner Reparationen zu übernehmen. Für die Zukunft sei Frank­reich nicht weniger entschlossen als bishsv, loyal im Maße feiner Möglichkeit und in den Grenzen feiner Transfermöglichkeit sich seiner Verpflichtungen zu entledigen. Es liege in Frankreichs Interesse, eine Unsicher­heit, di e auf Frankreichs Regie laste und bisweilen der Spekulation als Vorwand diente, nicht andauern zu las­sen. Man dürfe nicht Nachlassen, zu arbeiten, zu produzieren und zu exportieren. Das seien drei Hauptbedingungen für Frankreichs wirt­schaftliche und finanzielle Wiedergeburt. Hierzu sollen auch die Kolonien und ihre Be­völkerungen herangezogen werden.

Poincarö fuhr fort: Keine Nation hat' sicherlich weniger den Krieg gesucht oder gewünscht als Frankreich und die fran­zösische Republik alles Menschenmög­liche getan, um ihn zu verhindern. Keine Nation ist schmerzlicher mitgenommen worden als Frankreich. Keine Nation hat nach Unterzeichnung der Friedensverträge sich so intensiv bemüht, diese Verträge innezuhalten und auf die Beachtung ihrer Bestimmungen durch an­dere zu achten. Frankreich fordert nur d i e Sicherheit für seine endgültig wiederhergestellten Kredite und die regel­mäßige Zahlung der versprochenen Repara­tionen. Frankreich hat es niemals a b - gelehnt, mit Deutschland über Fragenzu sprechen, die beide Länder interessieren können. Frankreich hat gegenüber seinen früheren Gegnern niemals 'eine Politik der Rancune oder des Hasses zu betreiben.gesucht.

Es ist immer bereit, Schritte zur An­näherung zu versuchen, vorausgesetzt, daß diese mit den früher abgeschlossenen Bcrttägeu und Frankreichs Allianzen in Uebereinftimmung bringe« lasse»,

i daß diese nicht dazu führe«, die Ver- antwortlichkeit der kaiserliche« • Regie- -

rung am Kriege in Zweifel zu ziehe« und daß sie ferner durch die vorlie­gende« und entscheidenden Beweise der materiellen und moralischen Entwaff­nung Deutschlands gerechtfertigt sind.

Es schuldet dieses seinem Ruf der Noblesse und der Generosität. Aber niemand wird erstaunt sein darüber, daß angesichts der Ungewißheit von morgen, Frankreich weder seine kontraktlichen Rechte opfern, noch in seiner Wachsamkeit Nach­lassen wolle. 7

Ein treuer Sekundant.

ff. London, 28. Sept. „Times" sagt in Besprechungen der letzten Rede« Poincarss, daß der Standpunkt Poincares in der Frage der Schuld am Kriege von der öffentlichen Meinung in England und in allen anderen alliierten und assoziierte» Sän- dern geteilt werde. Poincare fei gezwun­gen gewesen, Behauptungen zurückzuweisen, die, wenn sie ohne Widerspruch geblieben seien, als Werkzeug hätte» benutzt werden können, um wesentliche Bestimmungen des Versailler Vertrages zu untergraben. Die Schuld Deutsch­lands sei die moralische Grundlage vieler der Bedingungen, die der Friedens»«» trag sest^elrgt habe. ,

Sie Berttmr Presse

ff. Zu der gestrigen R;de Poimarör in Bar le Duc bemerkt die „Kreuz­zeitung", daß ein deutsch-französischer Ausgleich nur dann im Bereiche der Mög­lichkeit liege, wenn sich auf französischer Seite der Wille, zu einer Verständigung zu kommen, in ganz anderer Weise auswirkt, als in den Worten Poincarös.

In der „Deutschen A l l g e m e i n en Zeitung" heißt es: Die Kriegsrede Poincarös erklingt in einer einigermaßen geänderten Atmosphäre, der der französi­sche Ministerpräsident notgedrungen wird Rechnung tragen müsien. Es wäre frei­lich sehr unklug, seinen möglichen Einfluß auf den Gang der deutsch-französischen Ver­handlungen. zu unterschätzen.

Die „Tägliche Rundscha^r" sagt, Poincarä hat erklärt, Frankreich werde seine vertraglichen Rechte nicht opfern. Darin wird man nicht etwa eine Absage an das Verständigungsprogramm von Thoiry zu suchen haben. Eine vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes liegt durchaus inner­halb der Möglichkeiten des Versailler Ver­trages. ■ ' ।

Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Den Anstrengungen Poincar6s zur Rettung des Franks und zur Sa­nierung der französischen Finanzen wün­schen wir aufrichtig Erfolg; aber zu einem Ergebnis kann sie wohl am besten führen, wenn man die notwendigen Frie­densatmosphären möglichst wenig durch die widrigen Gerüche der Kriegsrancune ver­dirbt.

Der „Vorwärts" sagt, man kann es als einen Erfolg betrachten, daß Poincare in seinen zwei Reden nichts kaput gemacht hat. Zum Glück werden wir es bei den Verhandlungen nicht mit Poir.carö son­dern mit Briand zu tun haben.

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ein Snteroitie Sk. Stustlimnns

Paris, 27. Sept. (WTB.) „Matin" veröffentlicht heute ein dem sich zur Zeit in Berlin aufhaltenden Außenpolitiker des Blattes Sauerwein vom Reichsmini­ster des Auswärtigen gewährtes Inter­view. Reichsminister Dr. Strese - mann führt darin, nachdem ihm der Außenpolitiker des „Matin" über die Haltung der öffentlichen Meinung in Frankreich zu der Frage einer deutsch- französischen Annäherung seine Ansichten dargelegt und insbeson­dere hervorgehoben hatte, daß bei den militärischen und finanziellen Sachver- ständigen Schwierigkeiten bei der Anbahnung einer Annäherung der beiden Länder entstehen könnten, u.a. aus: Ich bin überrascht, daß von den Sachoerstän-