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Mittag, den 27. öeplbr. 1926
DK ^>brrhesflsch« Zeitung^ erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. aus- schließ!. Zustellungsgebühr, durch di«Pvst2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder elementarer Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag b. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Duchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. n. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 6015. Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und »/,!-! Uhr.
Marburger TageSauzelger
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Poimms hetzt
Re SvmtagSrede vor den SriegSverkeAen In St. Ssntmln
SvanW ltalleaWe Netten- knndgebnng eer Senget?
fk. London, 27. Sept. Der Korrespondent der „Daily Lhronicle" in Frankreich will erfahren haben, daß am nächsten Mittwoch eine spanisch-italienische Flottenkundgebung vor Tang er veranstaltet werden soll, an der y»ci grobe italienische Kriegsschiffe und ein spanisches Kriegsschiff teilnehmen würden. Damit soll, wie man annimmt, Eindruck bei den Eingeborenen ebenso wie bei Frankreich und England hervorgrufen und betont werden, daß Italien die spanisches Ansprüche auf Tanger unterstützt.
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zur MMrmMrlmiteruiig
In Preußen
Berlin, 25. Sept. Zu den angeblichen Verhandlungen wegen einer Erweiterung der Regie mgskoalition in Preußen erfahr« das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger von zuständiger Seite, daß solche Verhandlungen von Partei zu Partei nicht stattsin- den. Irgendwelche Fraktionsbeschlüfse liegen in dieser Angelegenheit nicht vor, und die Vorstände der Fraktionen haben sich damit nicht befaßt. Die Fraktionen treten erst am 6. Oktober wieder zusammen, so daß irgendwelche Entscheidungen bis zum ParteitagderDeutschen Volkspartei in Köln, der vom 30. September bis zum 3. Oktober dauert, nicht erfolgen können. Der Reichsparteitag selbst hat mit der Frage der Regierungsbildung nichts zu tun und wird auch dazu nicht Stellung nehmen. Es handelt sich br den Besprechungen, wenn sie statt- sinden sollten, nur um eine persönliche Fühlungnahme zwischen den Abgg. Dr. Hetz (Ztr.) und Dr. Leidig (D. Vpt.). Die Frage der Initiative in dieser Angelegenheit spielt, wie erklärt wird, keine Rolle, weil alle Fraktionen in Preußen davon überzeugt sind, daß in der Frage der Regierungsbtldung etwas geschehen müsse, da die jetzige Regierungsbasis sich bei wichtigen Entscheidungen als zu kein erwiese» habe.
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6ine Progtnmmrede Sergis
Hof, 28. Sept. Auf dem Landesparteitag der deutschnationaen Volkspartei in Bayern, der am Samstag in Hof zusammentrat, hielt u. a. auch Staatsminister a. D. Reichstagsabgeordneter H e r g t als Hauptredner eine programmatische Rede, in der er sich besonders mit der Vö l k er- bundstagung in Genf beschäftigte. Er erkannt: dabei an, daß Stresemann eine kluge und packende Eintrittsrede ge> halten habe, wies aber darauf hin, daß die Behauptung Strefemanns von einem Erfolg in Genf ourchaus nicht zutreffe. Die Gleichberechtigung, die angeblich in Genf erzielt worden fei, bedeute für Deutschland nur ein Vegetieren unter fremder Km'tro'le. Frankreick besitze alles, was es brauche, um Deutschland niederzuhal- tcn. Mit einem Deutschland in völliger ^bnmo^'t wolle Frankreich Frieden schließen. Das deutsche Volk aber muß geweckt werden, um zu begreifen, was von solchen Friedenstönen in Wirklichkeit zu erwarten und zu halten sei. Man tue so, als ob wir heute alles mit Geld abmachen könnten. Aber wie könne auf der einen Seite eine Revision des Dawespaktes verlangt werden und auf der anderen Seite mit vollen Geldsäckeln ausgewertet werden. Wenn erst einmal die Obligationen hinausgingen in die Welt, dann feien wir Schuldner der ganzen Welt.
Diese Kritik, so betonte der Redner weiter, dürfe aber nicht zum S e l b st - zweck werden. Sie müsse ein Ende haben, wenn gegebene Tatsachen-
Paris, 26. Sept. Auf dem Schluß- bankett der Tagung der Kriegsbeschädigten in St. Germain hielt Ministerpräsident Poincarö eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Als Arbeiter des Sieges und Träger der Erinnerung seid Ihr Kriegsbeschädigten wertvolle Ratgeber für das Volk, das ihr gerettet habt. Die Pflicht jeder Regierung ist es, euch so oft wie möglich aufzufordern, mit ihr zusammenzuarbeiten. Bei der ungeheuren Aufgabe der Wiederherstellung der durch den Krieg heimgesuchten Nation ist der Geist, der euch beseelt, das beste uns Anregung gebende Mittel. Sicherlich liegt in eurem gemeinsamen Gefühl nichts Agressives und nichts Kriegerisches. Ihr kennt zu sehr die Schrecken des Krieges, als daß ihr nicht treue Diener des Friedens wäret.
Aber der Friede wird für euch niemals ein Grund fein, auf euren Ruhm zu verzichten oder die Rechte zu ver- leugen, die ihr verteidigt habt.
In der Stunde, als die Mittelmächte gegen die Welt eine Katastrophe ohnegleichen entfesselt haben (’.), seid ihr nicht auf den Gedanken gekommen, für diesen Angriff alle Deutschen ohne Unterschied verantwortlich zu machei. Ihr habt auch nicht allen Offizieren und allen Soldaten
geschaffen seien. Das sei jetzt der Fall. Genügenden Tatsachen entsprechend, so erklärte. Hergt mit besonderer Betonung, müßten wir uns allmählich einzustellen versuchen, aber unter steter Hochhaltung aller jener Ziele, die die Deutschnationalen von jeher erstrebt hätten. Ein Pak« mit dem Auslande sei nicht grundsätzlich abzulehnen. Die Deutschnationalen seien durchaus bereit, eine friedliche Verständigung mitzumachen, aber unter der Bedingung, daß die deutschen Lebensinteressen erhalten, daß die deutsche Würde gewahrt bleibe. Die Deutschnationalen erklärten sich nicht nur zur positiven Mitarbeit in den Regierungsgeschäften bereit, sondern sie verlangten sogar mit vollem Recht diese Mitarbeit. Sie machen den anderen Parteien keine Angebote, sie erklären sich nur bereit, überall dort mitzuarbeiten, wo ihre großen Ziele im Auge gehalten würden. Die Deutschnationalen wollten im Sinne der Vorschläge Jarres mitarbeiten an der großen Gemeinschaft der wirklichen staatserhaltenden Parteien.
Re sagenhaften ach! Milliarden
Berlin, 26. Sept. Nachdem durch den deutschen Kabinettsbeschluß zur Weiterführung der deutsch-französischen Verhandlungen und zur Einsetzung eines Kabinettsausschusses die Voraussetzungen dafür geschaffen worden sind, in eine sachliche Beratung der verschiedenen materiellen Fragen einzutreten, die mit dem zwischen Briand und Stresemann aufgestellten Versöhnungsprogramm verknüpft sind wird von bestimmter französischer Seite aus systematisch versucht, diese materiellen Verhandlungen in eine ganz bestimmte Richtung zu dirigieren. Obwohl von deutscher Seite schon zum soundsovielsten Wale erklärt worden ist, daß die Frage einer Mobilisierung eines Teiles der Eisenbahnobligativ- n en nur in älebereinstimmung mit dem Reparationsagenten erörtert werden kann, daß aber ein Betrag von 8 Milliarden eitel Hirngespinste darstellten, kehrt diese phantastische Summe in diesen französischen Erörterungen in den verschiedensten Variationen wieder. Es ist daher notwendig, nochmals ganz entschieden zu betonen, dgß Deutschland über einen Betrag von 8 M i l li arden, möge er eine Gestalt erhalten, welche es auch sei, nie^
der gegnerischen Armee die in unfern besetzten Dörfern begangenen Barbareien (!) zur Last gelegt. Ihr könnt indessen weder vergessen, daß nns der Krieg erklärt worden ist, noch, daß er auf unser Gebiet getragen wurde durch die Vergewaltigung eines neutralen Staates, noch, daß er auf Befehl des kaiserlichen Generalstabes mit unerbittlicher Grausamkeit geführt wurde. Wenn das «eur Deutschland offen gewisse Taten des Deutschlands von gesteri desavouieren würde, wieviel leichter würde es dann für euch sein, die Augen von euren Wunden abzulenken und den Urhebern eurer Verletzungen die Hand zu reichen.
Auf jeden Fall ist es nicht an euch und an Frankreich, irgend etwas von dem Vergangenen zu verleugnen.
Ihr sehnt euch nur nach der Ruhe Europas. Ihr verlangt nur die Stabilität unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer diplomatischen Tätiak-it und die Sicherheit eurer täglichen Arbeit."
Fast jeder der Sätze Poincarös, besonders derjenige betreffend die Kriegs- Verantwortlichkeit, fand, wie die Agentur Havas feststellt, lebhaften Beifall.
mals verhandeln kann und wird. 'Wenn sich Stresemann Briand gegenüber bereiterklärt hat, Frankreich in seiner Währungskrise nach Kräften zu unterstützen, so geschah das letzten Endes lediglich aus dem Gedanken heraus, Frankreich einen besonders deutlichen Beweis des deutschen Versöhnungswillens zu geben. Dertragsrechtlich hat Deutschland heute einen Anspruch darauf, daß das Rheinland unverzüglich und ohne deutsche Gegenleistungen geräumt wird, sofern die Vertragserfüllung Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund ausdrücklich festgestellt worden.
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Sie SchWIAmg bw Är6unMto»g
Genf, 25. Sept. Nintschitsch hat heute abend 6,10 Uhr nach einer Schlußansprache die siebente ordentliche Völkerbundsversammlung für abgeschlossen erklärt. In seiner Schlußansprache führte er u. a. aus, daß die Versammlung mit ihren Arbeiten den Willen bewiesen habe, zu konkreten Lösungen zu gelangen. Er erinnerte dabei besonders an die Arbeiten inbezug aus die Weltwirtschaftskonserenz und die A b - rüstungskonferenz, deren Bedeutung niemand verkenne und die bei den Völkern große Hoffnungen erweckten. Es würde die Ausgabe der nächsten zwölf Monate fein, auf diesen Gebieten zu positiven Ergebnissen zu kommen. Die beiden Punkte von überragender Bedeutung, die in der abgelaufenen Tagung geregelt worden seien, beträfen die Umbildung d e sßV ölkerbundrats und den E i n- tritt Deutschlands in den Völkerbund. Dadurch sei die langwührende Krise glücklich gelöst worden. Die Kritiker, die den Völkerbund lange Jahre als eine einseitige internationale Instttution bezeichnet hätten, hätten nunmehr jeden Anlaß zu ihren Nörgeleien verloren. Wir haben, schloß Nintschitsch. im Verlause dieser Tagung in diesem Saal einem großen Ereignis beigewohnt. Wir haben Völker, die der gräßlichste aller Kriege getrennt hatte, in guter Harmonie nebeneinandersitzen sehen, durch freie Annahme des Völkerbundpaktes verbunden. Wenn der Völkerbund heute noch nicht universell ist, so hat er doch den Beweis dafür gegeben, daß er es werden kann und daß er es werden wird. ... -
3m Snnkck ftr europäischen SehemWomntie
Iswolskis Kriegspolitik in Paris von - 1914—1917.*
Man hat die große Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes, die demnächst in mehr als 40 umfangreichen Bänden abgeschlossen sein wird, einen Nationalbesitz des deutschen Volkes genannt. Ob mit Recht, muß die Zukunft erweisen. Vorläufig ist das große Sammelwerk in der Hauptsache ein wissenschaftliches Hilfsmittel für die zünftigen Gelehrten und Forscher, die sich mit der Kriegsschuldfrage beschäftigen. Es liegt »ber durchaus im nationalen Interesse, daß diese einzigartige Dokumentensammlung auch breiteren Schichten zugänglich gemacht wird. Denn es ist eine politische Notwendigkeit, daß jeder Deutsche sich über die Vorgänge, die der Weltkatastrophe von 1914 vorangingen, möglichst an Hand der Quellen ein objeftives Urteil bildet. Das ist aber vorläufig nicht möglich. Hoffentlich entschließt man sich dazu, in ganz wenigen Bänden eine Auswahl der wichtigsten Dokumente zu geben, die es auch dem Laien ermöglicht, Einblick in die wichtigsten Urkunden der politischen Geschichte seit 1871 zu gewinnen. Nur so wird sich eine Popularisierung des ungemein verwickelten Stoffe- erreichen lassen.
Man kann es nur begrüßen, daß man sich schon jetzt entschlossen hat, von dem sechsbändigen Aktenwerk Friedrich Stie- v e s über Iswolski, der mit der Haupt- Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges zu belasten ist, eine Volks ausgab e unter obigem Titel in zwei Bänden herzustellen (Deutsche Verlagsanstalt für Politik und Geschichte, Berlin). Entlastet von allen unwichtigen, zweitklassigen Urkunden, die das Lesen bet großen Ausgabe erschwerten, klassiert nach bestimmten für die Entwicklung zum Kriege bedeutsamen Zeitereignissen, geben die vorliegenden Bände auch dem Laien ein treffliches Bild von dem Verlauf jener verhängnisvollen Ententepolitik von 1911—1914, die schließlich zum Ausbruch des Weltkrieges führen mußte.
Im 1. Buch: „D a s V o r s p i e l", gewinnen wir einen Eindruck in die Tätigkeit Iswolskis im ersten Jahre seines Wirkens in Paris 1911. Auf der ganzen Linie zunächst noch Schwierigkeiten, die sich seinem Ziele, Frankreich für die russische Meerengenpolitik zu gewinnen, entgegenstellen. Am Tage des Abschlusses des deutich-sranzösischen Marokkoabkommens, am 4. November 1911, geht Iswolski zum ersten Angriff über und fordert "von der französischen Regierung als Entgelt für die in der Marokkokrise gewährte Unten- stützung den Beistand zur Aufrollung der Meerengenfrage. Erwirb burch die Intervention von Georg« Louis abgeschlagen. Dieser hat als französischer Botschafter in Petersburg tiefen Einblick in die russische Katastrophenpolitik gewonnen und in das russische Bestreben, Frankreich in diese hineinzuziehen. Iswolskis Bemühungen fdjeinen zum Scheitern verurteilt und pessimistisch lauten seine Berichte um die Jahreswende. Doch der unerwartete Sturz des seinen Plänen abgeneigten Kabinetts Caillaux bringt im Februar 1912 einen ihm Gleichgesinnten zur Macht: Poinrarö.
„Die Einigung mit Poincatö", so lautet das 2. Buch. Und mit Recht. Schneller als vielleicht Iswolski selbst erhofft, reifen seine Pläne in der Zusammenarbeit mit dem revanchedurstigen, ehrgeizi- gen Lothringer. George Louis wird, ba eine Intrige bet beiben zu seiner Entfernung aus Petersburg scheitert, einstweilen kaltgestellt und Iswolski ber direkte Vermittler zwischen Sasanow und Poinearö. Am 16. Juli wird eine frankorussische Militärkonvention abgeschlossen, um wie durch die Militärkonvention zu Lande auch zur See ein gemeinsames Vorgehen sicherzustellen. Im August besucht Poincarö in Petersburg Sasanow, um alle dort bestehenden Unftimrnigteiteu in persönlicher Aussprache aus dem Wege zu räumen und gewissermaßen ein europäisches Aktionsprogramm aufzustellen. England wird in den Kreis dieses Programms einbezogen. Der im Herbst ausbrechende Balkankcieg bringt schon die Krönung ber Politik Iswolskis: Poincarö erklärt seine Bereitschaft, Rußland auch im Falle eines aus Balkanstreitigkeiten entstehenden Krieges zu unten» stützen, das heißt er erteilt Rußland Blankovollmacht zur Entfesselung/ eine® \ europäischen Krieges. Denn ba» russisch»