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Rr. 225 61. Mrg. Marburg a. Laba

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1 Goldmark — V«,,Dollar.

Marburger ragesanzetger

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len 24. Septbr. 1926

Di» «Oberhesstsche Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be- PigSpreiS monatlich 2 GM. auS- schließl. Zustellungsgebühr, durch dt«Pvsl2A5 GM.Für etwa infolge Streiks, Mafchinendrfekt« oder elementarer Ereigniffe ausfallend« Kummer« wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hltzerottz, Druck der Univ.-Buchdruckerri d. Zoh. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. #. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l W. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion bo» 10—11 und »1,1—1 Uhr.

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Lmbrszeitung

Ernste Lage ln Spanten

Mailand, 23. Sept. Wie die italieni- zchen Blätter aus Spanien melden, hat sich dort die Lage weiter verschlechtert und sei sehr gespannt. Die Artillerie­offiziere der Marokloarmee hätten sich ihren Kameraden solidarisch er­klärt, auch unter den Kavallerieoffizieren steige die Unzufriedenheit. Man befürchte den Ausbruch eines ernsthaften Konfliktes zwischen König, Regierung und Armee, so­bald der Hof nach Madrid zurückgekchrt lei. Primo de Rivera habe angeordnet, Last alle in den Artilleriekasernen be­findliche Munition an andere Orte geschafft werde.

Nach «einer weiteren Meldung aus Madrid hat der König von Spanien ein Dekret unterzeichnet, durch das fünf Artilleriegenerale in den Ruhestand ver­setzt werden.

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Sie Zusammenkunft

Mussolini-Aamber!ain

ff. London, 24. Sept. „Westminster Ga­zette" zufolge verlautet, dab das Tanger- Problem eine der Hauvtfragen sein werde, die auf der bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Mussolini erörtert werden. Es liege im Interesse Grob­britanniens, den italienisch-svanischen Wünschen entgegenzukommiu, ohne den Status quo ändern zu lassen.

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iwnWis zurückgelrclcn

Athen, 23. Sept. Mit einem Aufruf an das Volk, die Ideale höher zu stellen, als eigensüchtigen Parteigeist, hat Mi­nisterpräsident K o n d y l i s heute sein Amt niedergelegt. Er will jedoch das Ministerium bis zum Ende der Wahlen weiter leiten. Dann will er sich für immer aus der Politik zurückziehen.

Ao MriiftunsAonsmnz

Gens, 23. Scpt. Die Völkerbunds­oersammlung hielt heute vormittag eine Vollsitzung ab, in der in erster Linie die E r n - berusung der internationalen Ab­rüstungskonferenz besprochen wurde. Der französische Delegierte Paul B o n c o u r legte eine Entschließung vor, welche fordert, daß die Abrüstungskonferenz, außer im Falle materieller Unmöglichkeit, vor September 1927, also vor der achten ordentlichen Vötker- bundsversammlung einberufen werde. Paul Boneour erinnerte an alle Bemühungen des Völkerbundes, die Vorbereitungen für eine all­gemeine Verminderung der Rüstungen zu schaf­fen. Diese Bemühungen müßten unermüdlich fortgesetzt werden. Das Abkommen von Lo­carno habe den Weg dazu geebnet und eine neue, bessere Atmosphäre in Europa geschaffen. Nach Paul Boncour sprach der Vertreter Chi­les, Ville gas, der den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund als eine neue Unter­lage der Sicherheit und des Friedens bezeich­nete. Nach kurzen Ausführungen des rumäni­schen Vertreters wurden die Berichte und Re­solutionen von der Versammlung angenommen, die im wesentlichen folgenden Inhalt haben:

Die Vollversammlung hofft, daß die Ab­rüstungskonferenz zusammentreten wird, sobald die politischen Umstände das gestatten. Tas Datum ist vom Völkerbundsrat fest- z u s e tz e n. Die Frage der Abrüstung kann aber nicht aus einmal gelöst werden. Sei fort­schreitender allgemeiner Sicherheit müsse auch die Abrüstung fortschreiten. Es kann fich des­wegen nicht um eine einzelne Ab­rüstungskonferenz handeln, sondern dieser müssen weitere folgen. Tie Auf­gabe der ersten Konferenz ist es vor allem, für eine bestimmte Zeitspanne jedes wei­tere Wettrüsten zu verbieten. Un­ter diesen Umständen soll die erste Abrüstungs­konferenz nach Möglichkeit vv r der Herbst- tagung des Völkerbundes im Jahre 19 2 7 zusammentreten, falls dies reicht aus technischen Gründen unmöglich ist. .

Stck wchll Ml Kaumi« ZurückwElmg der Erklärung Slresemanns zur KmgMlMüge

Paris, 23. Sept. Zur vorgestrigen Rede des Reichsautzenministers vor der deutschen Kolonie in Genf schreibt der „T e m p s“, was besonderen Anstotz erregt habe in dieser Rede sei die Behaup­tung, datz die feierliche Art, wie Deutsch­land in Genf zugelassen worden sei, ein sicherer Beweis dafür sei, das; die An­schuldigungen hinsichtlich der Verantwort­lichkeit Deutschlands für den Krieg ge- wissermatzen durch die im Völkerbünde vertretenen Mächte zurückgcnom'men und so die Kriegsschuldfrage in­direkt geregelt worden sei. Da­gegen verwahrt sich der „T e m p s“. Man würde, so erklärt er, die Dinge selt­sam fälschen, wenn man die Erotzmut, mit der man Deutschland ausgenommen habe, als eine Art moralische Reparation, die man Deutschland nicht schulde, ansehest würde und die eine wahrhafte Un­gerechtigkeit bilden würde gegenüber den Völkern, die die schmerzlichen Opfer des Angriffes vom August 1914 geworden seien. Die Rede Stresemanns scheint uns, so schreibt der „Temps" weiter, wesentlich inspiriert von innerpolitischen Hefiirch- tungen.

Der Autzenpolitiker des „Journal des Debats" fchreibt: Die Lage ist klar. Strcsemann hat außerhalb des Völ­kerbundes patriotische Erklärungen ab­gegeben, die er o o r dem Völkerbunde nicht hätte machen können, ohne feierliche Pro­teste hervorzurufen. Er hat vor dem Völ­kerbunde kategorische Forderungen oufge- stellt, deren er sich im Reiche rühmen wird. Wenn der Tag gekommen sein wird, wird er im Ministerium erklären, datz er nie­mals seine Absichten verheimlicht habe. Seine Bekundungen über die Kriegsver­antwortung müsse öffentlich zurück- gewiesen werden. Briand muh dies tun. Im Uebrigen spricht das Blatt ge­heimnisvoll von öffentlichen und privaten Kundgebungen einiger französischer Dele­gierter und schreibt: Unsere Loyalität und unsere Höflichkeit bei der Zulasiung Deutschlands hat uns kostbare Unter­stützungen eingetragen. Die Freunde Stresemanns erblicken in ihm einen zwei­ten Bismarck. Werden wir ihnen helfen, diese Prophezeiung zu realisieren?

DemM besiegt

ff. Philadelphia, 24. Sept. Bei dem Boxkampf um die Schwergewichtsmeisterschaft der Welt zwischen dem Titelmeister Dempsev und dem Herausforderer Genf Tunney ge­wann Tuney die ersten 5 Runden. Nach Be­endigung der zweiten 5 Runden trat das Schiedsgericht zusammen und erklärte E e n i Tunney als Sieger.

Obwohl Dempsey, nunmehr 31 Jahre alt, sich in den letzten Jahren mehr dem Film zuge­wandt hatte, rechnete man auch in Fachkreisen mit seinem sicheren Siege. Tunney hatte wohl einige sehr beachtenswerte Ergebnisse in den letzten Jahren erzielen können, auch ist er drei Jahre jünger und dauernd im Training, man.glaubte aber doch noch nicht an ein der­artiges Können. Er hat aber die vielen, die auf ihn große Summen in_ Wetten anlegten, nicht enttäuscht, wenn der Sieg nach den bis­herigen Meldungen anscheinend auch nur ein Punktsieg war.

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Das glückliche Amerika

ff. Paris, 24. Sept. Nach einer Agentur­meldung aus Washington wurde für das laufende Finanzjahr der Ueberschuh der Einnahmen über die Ausgabe» auf 185 Millionen Dollar geschätzt.

Admiral Roger Wells beim Oberbürgermeister von Berlin.

fk Berlin, 24. Sept. Nach dem Besuch beim Reichspräsidenten wurde der amerikani­sche Admiral Roger Wells vom Oberbürger­meister empfangen.

Eine der französischen Regierung nahe­stehende Persönlichkeit, die von einem diplo­matischen Mitarbeiter des„E ch o d e P a r i§" über die Wirkung der Stresemann-Rede befragt wurde, faßte die Ansicht der Regierung folgendermaßen zusammen:

„Vorerst hat Herr Poiucarä vor wenigen Tagen klar und deutlich darauf hingewiesen, und er wird es zweifellos am kommenden Sonntag wiederholen, daß

der Friedensvertrag von Versailles in keiner Weise berührt werden wird. Was Herr Stresemann zu sagen vergessen hat, ist die Tatsache, daß der Versailler Vertrag, der von den Deutschen unter­zeichnet wurde und in dem sie ihre

Schuld am Ausbruch des Krieges anerkennen, gleichzeitig voraussah, daß Deutschland nach Erfüllung gewisser Ver­pflichtungen in den Völkerbund ausgenom­men werden könnte.

Es hat sich also weder auf der eine«

»och auf der andere» Seite etwas ge­ändert.

Briand ist in keinem Augenblick so weit gegangen, daß er seinen Vertragspartner dazu ermutigte, auf den Versailler Vertrag zurückzukommen. Wir nahmen in der Tat an, daß Herr Stresemann auf die Vorwürfe des Reichspräsidenten v. Hindenburg, und aller Deutschnationalen wegen seiner Stimme zugunsten Polens antworten, den Deutschen die Pille vergolden und eine Rede mit Rücksicht aus Deutschland halten roollie."

Roinmws temmenie Sitte

fk Paris, 24. Sept. „Petit Pari- fien" glaubt mitteilen zu können, daß die Rede, die Ministerpräsident Poincare am Mon­tag in Bar le Duc vor dem Generalrat halten werde, sich hauptsächlich mit der inneren Politik beschäftigen werde, aber es sei an- zunehmen, daß sie auch interessante Betrach­tungen über die letzte V ö l ke r b u nd s t a- gung und die Erklärungen und Mitteilungen, die ihr aefolgt seien, enthalten werde. Nach dem „Petit Journal" wecke Poincare die Bedingungen präzisieren, die eine An­näherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich bieten müßte.

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ff Paris, 24. Sept. Der Brigadegeneral Trousso» ist zum Generalstabschef der Rheinarmee ernannt worden.

M MsisKe 6WIW stMwHert

Berlin, 23. Sept. In einer heute vor­mittag in Dresden unter Vorsitz des Landesbürgerrats abgehaltenen letzten Ver­handlung mit den Parteileitungen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deut­schen Volkspartei und der Wirtschaftspartei ist beschlossen worden, in einer gemeinsamen Erklärung bekannt zu geben, daß nach Mei­nung der drei Parteien der Gedanke einer bürgerlichen Einheitsliste wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten nicht weiter verfolgt werden kann. Die genannten drei Parteien erklären wei­ter, daß sie alles daran setzen werden, um eine nichtsozialistische Mehrheit im bevor­stehenden Landtagswahlkampf zu erlangen.

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Der BWMbeiiersireik

Die Unternehmer lehnen ab.

London, 23. Sept. Wie verlautet, wer­den die letzte» Vorschläge des Berg- arbeikeroerbandes von den Zechenbesitzern als unannehmbar bezeichnet, da die Lage der Industrie Löhne über die des Abkommens von 1921 und die gleichzeitige Rückkehr zu einem Siebenstundentag nicht zulasie. Di« Zechen­besitzer lehnen nach wie vor ei» nationales Ab­kommen ab und verlangen eine Regelung, die die wirtschaftliche Fähigkeit jedes Distriktes berücksichtigt. Wie verlautet, wird die Regie­rung in ihrer morgigen Sitzung erwägen, welche Lage fich daraus ergibt, dah die Vor­schläge der Bergarbeiter nach ihrer Ansicht und der der Zechenbefitzer keine Grundlage für eine Regelung dcr Streitigkeiten im Bergbau biete».

Dr. etrcfcmnnn bei Sinkenburg

Berlin, 23. Sept. (WTD.) Der Reichs­präsident empfing heute nachmittag den Reichsauhenminister Dr. Stresemann zum Be­richt über die Genfer Berhandlungen. Rach dem etwa einstündigen Vortrag dankte der Reichspräsident dem Reichsminister Dr. Strese­mann für seine mühevolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, dah die jetzt angeknüpften Verhandlungen zur Lösung der noch schwe­benden schwierigen Fragen und zur baldigen Befreiung des Dheinlandes und des Saar- gebieies führen möchten.

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ZUM Berliner KadineMal

In diplomatischen Kreisen hat die Be­merkung des Reichsauhenministers Dr. Strese­mann kurz vor seiner Abreise aus Genf Überrascht, daß die Aeichsregierung in Berlin seine baldige Rückkehr mit Rücksicht auf die Beschlußfassung im französischen Kabinett für notwendig halte. Man glaubt daraus die Schlußfolgerung ziehen zu müssen, daß man in Berlin die Stellungnahme des französischen Kabinetts zu dem Bericht Briands über seine Unterredung mit Stresemann von so weit- tragender Bedeutung hält, dah eine Stellungnahme des Reichskabinetts im Inter­esse der deutschen Politik nicht länger ver­schoben werden dürfe. Diese Ansichten in diplomatischen Kreisen treffen den Kern der Sache nur zu einem Teil. Insofern hängt allerdings der Beschluß der Reichsregierung zur Einberufung des großen Kabinettsrats auf Freitag mit dem französischen Kabi­nettsrat zusammen, als im Anschluß an diesen durch Havas Einzelheiten über die Besprechung zwischen Briand und Stresemann bekannt ge­geben wurden, so dah in der Presse auf Grund dieser französischen Informationen be­reits eine lebhafte Erörterung für und wider eingesetzt hat. Llm zu verhindern, daß diese Polemiken lediglich auf Grund der französi­schen Meldungen weitergeführt werden .hält es die Reichsregierung für erforderlich, bah durch eine baldige Stellungnahme des Kabi­netts der deutsche Standpunkt in der Presse nachhaltiger zum Ausdruck gebracht werden kann.

Französtscherseits ist man offenbar bestrebt, die Prüfung der durch die Besprechung in -Thoiry aufgeworfenen technischen Probleme durch die in Frage kommenden Sachverstän­digen so bald wie möglich durchzuführen, um für die weiteren Verhandlungen mit Deutsch­land bestimmte Richtlinien aufstellen zu kön­nen. So erfährt man heute aus Mainz, dah der kommandierende General der französischen Rheinarmee, Guil- laumat und sein General st absch es, der General Puotis, nach Paris fefohl en worden seien, um dort an ei­ner Sitzung des obersten französi- ichen Kriegsrates teilzunehmcn. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Einbe­rufung des französischen Kriegsrates mit den Andeutungen der sranzösischen Havasagsntur in Verbindung bringt, wonach die Regierung mit ihren Sachverständigen zu prüfen haben werde, inwieweit Deutschlands Richterftillung der Entwaftnungsbedingungen die Beibehal­tung der Besatzung als Sanktion nottoenCig mache. Andererseits kann als sicher gelten, dah der Dertrauensmann Lvucheurs, Par- mentier, sich zur Zeit in Berlin aufhält, um über die Möglichkeit einer Mobilisie­rung der deutschen Aisenbahnvb- ligationen an den verschiedensten Stellen Informationen einzuziehen. Wenn man diese beiden Tatsachen in Zusammenhang bringt mit der von uns wiederholt erwähnten, aus fran­zösischer Quelle lancierten Meldung eines Berliner Mittagsblattes über ein Lösegtzld bis zu 8 Milliarden, so läht sich unschwer die französische Taktik erkennen, aus der Rhein­landbesatzung ein so glänzendes Geschäft wie möglich zu machen. Man darf Wohl Höften, dah der Kabinettsrat sich auf den Standpunkt stellen wird, daß eine finanzielle Gegenleistung Deutschlands für die Zurück­ziehung der Besatzung, wenn sie _ überhaupt notwendig werden sollte, sich nur im Rah­men der deutschen Leistungsfähig­keit halten darf. 3m übrigen dürfte es aber angebracht fein, darauf hinzuweisen,dah zwar die Frage der Zurückziehung der Rheinland- Besatzung sich für eine voraufgehende deutsch- französische Verständigung sehr wesenllich er­leichtern würde, dah aber im übrigen nicht Frankreich allein über dieses Problem zu befinden hat.