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Marburger ragesanzetger
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len 24. Septbr. 1926
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Stiw'che
Lmbrszeitung
Ernste Lage ln Spanten
Mailand, 23. Sept. Wie die italieni- zchen Blätter aus Spanien melden, hat sich dort die Lage weiter verschlechtert und sei sehr gespannt. Die Artillerieoffiziere der Marokloarmee hätten sich ihren Kameraden solidarisch erklärt, auch unter den Kavallerieoffizieren steige die Unzufriedenheit. Man befürchte den Ausbruch eines ernsthaften Konfliktes zwischen König, Regierung und Armee, sobald der Hof nach Madrid zurückgekchrt lei. Primo de Rivera habe angeordnet, Last alle in den Artilleriekasernen befindliche Munition an andere Orte geschafft werde.
Nach «einer weiteren Meldung aus Madrid hat der König von Spanien ein Dekret unterzeichnet, durch das fünf Artilleriegenerale in den Ruhestand versetzt werden.
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Sie Zusammenkunft
Mussolini-Aamber!ain
ff. London, 24. Sept. „Westminster Gazette" zufolge verlautet, dab das Tanger- Problem eine der Hauvtfragen sein werde, die auf der bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Mussolini erörtert werden. Es liege im Interesse Grobbritanniens, den italienisch-svanischen Wünschen entgegenzukommiu, ohne den Status quo ändern zu lassen.
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iwnWis zurückgelrclcn
Athen, 23. Sept. Mit einem Aufruf an das Volk, die Ideale höher zu stellen, als eigensüchtigen Parteigeist, hat Ministerpräsident K o n d y l i s heute sein Amt niedergelegt. Er will jedoch das Ministerium bis zum Ende der Wahlen weiter leiten. Dann will er sich für immer aus der Politik zurückziehen.
Ao MriiftunsAonsmnz
Gens, 23. Scpt. Die Völkerbundsoersammlung hielt heute vormittag eine Vollsitzung ab, in der in erster Linie die E r n - berusung der internationalen Abrüstungskonferenz besprochen wurde. Der französische Delegierte Paul B o n c o u r legte eine Entschließung vor, welche fordert, daß die Abrüstungskonferenz, außer im Falle materieller Unmöglichkeit, vor September 1927, also vor der achten ordentlichen Vötker- bundsversammlung einberufen werde. Paul Boneour erinnerte an alle Bemühungen des Völkerbundes, die Vorbereitungen für eine allgemeine Verminderung der Rüstungen zu schaffen. Diese Bemühungen müßten unermüdlich fortgesetzt werden. Das Abkommen von Locarno habe den Weg dazu geebnet und eine neue, bessere Atmosphäre in Europa geschaffen. Nach Paul Boncour sprach der Vertreter Chiles, Ville gas, der den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als eine neue Unterlage der Sicherheit und des Friedens bezeichnete. Nach kurzen Ausführungen des rumänischen Vertreters wurden die Berichte und Resolutionen von der Versammlung angenommen, die im wesentlichen folgenden Inhalt haben:
Die Vollversammlung hofft, daß die Abrüstungskonferenz zusammentreten wird, sobald die politischen Umstände das gestatten. Tas Datum ist vom Völkerbundsrat fest- z u s e tz e n. Die Frage der Abrüstung kann aber nicht aus einmal gelöst werden. Sei fortschreitender allgemeiner Sicherheit müsse auch die Abrüstung fortschreiten. Es kann fich deswegen nicht um eine einzelne Abrüstungskonferenz handeln, sondern dieser müssen weitere folgen. Tie Aufgabe der ersten Konferenz ist es vor allem, für eine bestimmte Zeitspanne jedes weitere Wettrüsten zu verbieten. Unter diesen Umständen soll die erste Abrüstungskonferenz nach Möglichkeit vv r der Herbst- tagung des Völkerbundes im Jahre 19 2 7 zusammentreten, falls dies reicht aus technischen Gründen unmöglich ist. .
Stck wchll Ml Kaumi« ZurückwElmg der Erklärung Slresemanns zur KmgMlMüge
Paris, 23. Sept. Zur vorgestrigen Rede des Reichsautzenministers vor der deutschen Kolonie in Genf schreibt der „T e m p s“, was besonderen Anstotz erregt habe in dieser Rede sei die Behauptung, datz die feierliche Art, wie Deutschland in Genf zugelassen worden sei, ein sicherer Beweis dafür sei, das; die Anschuldigungen hinsichtlich der Verantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg ge- wissermatzen durch die im Völkerbünde vertretenen Mächte zurückgcnom'men und so die Kriegsschuldfrage indirekt geregelt worden sei. Dagegen verwahrt sich der „T e m p s“. Man würde, so erklärt er, die Dinge seltsam fälschen, wenn man die Erotzmut, mit der man Deutschland ausgenommen habe, als eine Art moralische Reparation, die man Deutschland nicht schulde, ansehest würde und die eine wahrhafte Ungerechtigkeit bilden würde gegenüber den Völkern, die die schmerzlichen Opfer des Angriffes vom August 1914 geworden seien. Die Rede Stresemanns scheint uns, so schreibt der „Temps" weiter, wesentlich inspiriert von innerpolitischen Hefiirch- tungen.
Der Autzenpolitiker des „Journal des Debats" fchreibt: Die Lage ist klar. Strcsemann hat außerhalb des Völkerbundes patriotische Erklärungen abgegeben, die er o o r dem Völkerbunde nicht hätte machen können, ohne feierliche Proteste hervorzurufen. Er hat vor dem Völkerbunde kategorische Forderungen oufge- stellt, deren er sich im Reiche rühmen wird. Wenn der Tag gekommen sein wird, wird er im Ministerium erklären, datz er niemals seine Absichten verheimlicht habe. Seine Bekundungen über die Kriegsverantwortung müsse öffentlich zurück- gewiesen werden. Briand muh dies tun. Im Uebrigen spricht das Blatt geheimnisvoll von öffentlichen und privaten Kundgebungen einiger französischer Delegierter und schreibt: Unsere Loyalität und unsere Höflichkeit bei der Zulasiung Deutschlands hat uns kostbare Unterstützungen eingetragen. Die Freunde Stresemanns erblicken in ihm einen zweiten Bismarck. Werden wir ihnen helfen, diese Prophezeiung zu realisieren?
DemM besiegt
ff. Philadelphia, 24. Sept. Bei dem Boxkampf um die Schwergewichtsmeisterschaft der Welt zwischen dem Titelmeister Dempsev und dem Herausforderer Genf Tunney gewann Tuney die ersten 5 Runden. Nach Beendigung der zweiten 5 Runden trat das Schiedsgericht zusammen und erklärte E e n i Tunney als Sieger.
Obwohl Dempsey, nunmehr 31 Jahre alt, sich in den letzten Jahren mehr dem Film zugewandt hatte, rechnete man auch in Fachkreisen mit seinem sicheren Siege. Tunney hatte wohl einige sehr beachtenswerte Ergebnisse in den letzten Jahren erzielen können, auch ist er drei Jahre jünger und dauernd im Training, man.glaubte aber doch noch nicht an ein derartiges Können. Er hat aber die vielen, die auf ihn große Summen in_ Wetten anlegten, nicht enttäuscht, wenn der Sieg nach den bisherigen Meldungen anscheinend auch nur ein Punktsieg war.
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Das glückliche Amerika
ff. Paris, 24. Sept. Nach einer Agenturmeldung aus Washington wurde für das laufende Finanzjahr der Ueberschuh der Einnahmen über die Ausgabe» auf 185 Millionen Dollar geschätzt.
Admiral Roger Wells beim Oberbürgermeister von Berlin.
fk Berlin, 24. Sept. Nach dem Besuch beim Reichspräsidenten wurde der amerikanische Admiral Roger Wells vom Oberbürgermeister empfangen.
Eine der französischen Regierung nahestehende Persönlichkeit, die von einem diplomatischen Mitarbeiter des„E ch o d e P a r i§" über die Wirkung der Stresemann-Rede befragt wurde, faßte die Ansicht der Regierung folgendermaßen zusammen:
„Vorerst hat Herr Poiucarä vor wenigen Tagen klar und deutlich darauf hingewiesen, und er wird es zweifellos am kommenden Sonntag wiederholen, daß
der Friedensvertrag von Versailles in keiner Weise berührt werden wird. Was Herr Stresemann zu sagen vergessen hat, ist die Tatsache, daß der Versailler Vertrag, der von den Deutschen unterzeichnet wurde und in dem sie ihre
Schuld am Ausbruch des Krieges anerkennen, gleichzeitig voraussah, daß Deutschland nach Erfüllung gewisser Verpflichtungen in den Völkerbund ausgenommen werden könnte.
Es hat sich also weder auf der eine«
»och auf der andere» Seite etwas geändert.
Briand ist in keinem Augenblick so weit gegangen, daß er seinen Vertragspartner dazu ermutigte, auf den Versailler Vertrag zurückzukommen. Wir nahmen in der Tat an, daß Herr Stresemann auf die Vorwürfe des Reichspräsidenten v. Hindenburg, und aller Deutschnationalen wegen seiner Stimme zugunsten Polens antworten, den Deutschen die Pille vergolden und eine Rede mit Rücksicht aus Deutschland halten roollie."
Roinmws temmenie Sitte
fk Paris, 24. Sept. „Petit Pari- fien" glaubt mitteilen zu können, daß die Rede, die Ministerpräsident Poincare am Montag in Bar le Duc vor dem Generalrat halten werde, sich hauptsächlich mit der inneren Politik beschäftigen werde, aber es sei an- zunehmen, daß sie auch interessante Betrachtungen über die letzte V ö l ke r b u nd s t a- gung und die Erklärungen und Mitteilungen, die ihr aefolgt seien, enthalten werde. Nach dem „Petit Journal" wecke Poincare die Bedingungen präzisieren, die eine Annäherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich bieten müßte.
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ff Paris, 24. Sept. Der Brigadegeneral Trousso» ist zum Generalstabschef der Rheinarmee ernannt worden.
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Berlin, 23. Sept. In einer heute vormittag in Dresden unter Vorsitz des Landesbürgerrats abgehaltenen letzten Verhandlung mit den Parteileitungen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei ist beschlossen worden, in einer gemeinsamen Erklärung bekannt zu geben, daß nach Meinung der drei Parteien der Gedanke einer bürgerlichen Einheitsliste wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten nicht weiter verfolgt werden kann. Die genannten drei Parteien erklären weiter, daß sie alles daran setzen werden, um eine nichtsozialistische Mehrheit im bevorstehenden Landtagswahlkampf zu erlangen.
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Der BWMbeiiersireik
Die Unternehmer lehnen ab.
London, 23. Sept. Wie verlautet, werden die letzte» Vorschläge des Berg- arbeikeroerbandes von den Zechenbesitzern als unannehmbar bezeichnet, da die Lage der Industrie Löhne über die des Abkommens von 1921 und die gleichzeitige Rückkehr zu einem Siebenstundentag nicht zulasie. Di« Zechenbesitzer lehnen nach wie vor ei» nationales Abkommen ab und verlangen eine Regelung, die die wirtschaftliche Fähigkeit jedes Distriktes berücksichtigt. Wie verlautet, wird die Regierung in ihrer morgigen Sitzung erwägen, welche Lage fich daraus ergibt, dah die Vorschläge der Bergarbeiter nach ihrer Ansicht und der der Zechenbefitzer keine Grundlage für eine Regelung dcr Streitigkeiten im Bergbau biete».
Dr. etrcfcmnnn bei Sinkenburg
Berlin, 23. Sept. (WTD.) Der Reichspräsident empfing heute nachmittag den Reichsauhenminister Dr. Stresemann zum Bericht über die Genfer Berhandlungen. Rach dem etwa einstündigen Vortrag dankte der Reichspräsident dem Reichsminister Dr. Stresemann für seine mühevolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, dah die jetzt angeknüpften Verhandlungen zur Lösung der noch schwebenden schwierigen Fragen und zur baldigen Befreiung des Dheinlandes und des Saar- gebieies führen möchten.
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ZUM Berliner KadineMal
In diplomatischen Kreisen hat die Bemerkung des Reichsauhenministers Dr. Stresemann kurz vor seiner Abreise aus Genf Überrascht, daß die Aeichsregierung in Berlin seine baldige Rückkehr mit Rücksicht auf die Beschlußfassung im französischen Kabinett für notwendig halte. Man glaubt daraus die Schlußfolgerung ziehen zu müssen, daß man in Berlin die Stellungnahme des französischen Kabinetts zu dem Bericht Briands über seine Unterredung mit Stresemann von so weit- tragender Bedeutung hält, dah eine Stellungnahme des Reichskabinetts im Interesse der deutschen Politik nicht länger verschoben werden dürfe. Diese Ansichten in diplomatischen Kreisen treffen den Kern der Sache nur zu einem Teil. Insofern hängt allerdings der Beschluß der Reichsregierung zur Einberufung des großen Kabinettsrats auf Freitag mit dem französischen Kabinettsrat zusammen, als im Anschluß an diesen durch Havas Einzelheiten über die Besprechung zwischen Briand und Stresemann bekannt gegeben wurden, so dah in der Presse auf Grund dieser französischen Informationen bereits eine lebhafte Erörterung für und wider eingesetzt hat. Llm zu verhindern, daß diese Polemiken lediglich auf Grund der französischen Meldungen weitergeführt werden .hält es die Reichsregierung für erforderlich, bah durch eine baldige Stellungnahme des Kabinetts der deutsche Standpunkt in der Presse nachhaltiger zum Ausdruck gebracht werden kann.
Französtscherseits ist man offenbar bestrebt, die Prüfung der durch die Besprechung in -Thoiry aufgeworfenen technischen Probleme durch die in Frage kommenden Sachverständigen so bald wie möglich durchzuführen, um für die weiteren Verhandlungen mit Deutschland bestimmte Richtlinien aufstellen zu können. So erfährt man heute aus Mainz, dah der kommandierende General der französischen Rheinarmee, Guil- laumat und sein General st absch es, der General Puotis, nach Paris fefohl en worden seien, um dort an einer Sitzung des obersten französi- ichen Kriegsrates teilzunehmcn. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Einberufung des französischen Kriegsrates mit den Andeutungen der sranzösischen Havasagsntur in Verbindung bringt, wonach die Regierung mit ihren Sachverständigen zu prüfen haben werde, inwieweit Deutschlands Richterftillung der Entwaftnungsbedingungen die Beibehaltung der Besatzung als Sanktion nottoenCig mache. Andererseits kann als sicher gelten, dah der Dertrauensmann Lvucheurs, Par- mentier, sich zur Zeit in Berlin aufhält, um über die Möglichkeit einer Mobilisierung der deutschen Aisenbahnvb- ligationen an den verschiedensten Stellen Informationen einzuziehen. Wenn man diese beiden Tatsachen in Zusammenhang bringt mit der von uns wiederholt erwähnten, aus französischer Quelle lancierten Meldung eines Berliner Mittagsblattes über ein Lösegtzld bis zu 8 Milliarden, so läht sich unschwer die französische Taktik erkennen, aus der Rheinlandbesatzung ein so glänzendes Geschäft wie möglich zu machen. Man darf Wohl Höften, dah der Kabinettsrat sich auf den Standpunkt stellen wird, daß eine finanzielle Gegenleistung Deutschlands für die Zurückziehung der Besatzung, wenn sie _ überhaupt notwendig werden sollte, sich nur im Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit halten darf. 3m übrigen dürfte es aber angebracht fein, darauf hinzuweisen,dah zwar die Frage der Zurückziehung der Rheinland- Besatzung sich für eine voraufgehende deutsch- französische Verständigung sehr wesenllich erleichtern würde, dah aber im übrigen nicht Frankreich allein über dieses Problem zu befinden hat.