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ff. Athen, 10. Sept. Die Athener Tele- Viavbenagentur meldet: Da die Bataillone der von General Pangalos geleiteten repu- hlikanischen Garde sich einer A u s l ö s n n g widersetzten, lieb die Regierung diese durch die reguläre Armee aussühren. Die Bataillone der republikanischen Garde ergaben sich schlieblich bedingungslos. Die Verluste find leicht. Die Regierung wird die Verantwortlichen vor die öffentlichen Gerichtshöfe stellen. Die Bevölkerung spendete dieser Maß- uahme Beifall. Einige kommunistische Versuche, Unruhen hervorzurufen, sind gescheitert. Die Ereignisse, die sich soeben abgespielt haben, find von grober Bedeutung, denn sie machen der Anarchie ein Ende, sichern die Rückkehr des Landes zur Gesetzlichkeit und ermöglichen die Wiederherstellung der versassungs- «äbigen Freiheits
Die „Boss. Ztg." meldet in ihrer heutigen Morgenausgabe demgegenüber aus Athen: Auf das Gerücht, dab die revublikanische Garde die Ausrufung eines Direktoriums beabsichtige, lieb der Ministerpräsident die Kaserne, in der sich zwei Bataillone der republikanischen Garde befanden, von regierungstreuen Truppen umzingeln. Nach Verhandlungen mit dem Ministerpräsidenten erklärten sich die beiden Kommandanten bereit, sich zu ergeben. Die republikanische Garde unternahm jedoch darauf den Versuch, gegen das Stadtinnere durchzubrechen und feuerte auf die Regierungstrupven, die das Feuer erwiderten. Die auf den Höhen rechts von Athen aufge- fitzllten regierungstreuen Batterien eröffneten das Feuer auf brr republikanische Garde. Zwei Panzerwagen der republikanischen Garde fuhren in raschem Tempo durch die Hauvt- straben und fuhren in die Menschenmenge. Eine grobe Zahl unbeteiligter Zivilisten sielen dem Feuer der Panzerwagen zum Ovfer. Die Versuche der Panzerwagen, die Ministerien zu stürmen, mihlangen. Der eine Wage» wurde von den Regierungstruv- ven genommen, der andere gesprengt. Das Gefecht dauerte drei Stunden. Die Ruhe ist wiederhergestellt und die Regierungstrupven find Herr der Lage.
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Eine neue WMe AiMM AnlM
Der Finanzminister Dr. Reinhold äußerte sich heute Pressevertretern gegenüber auf eine Anfrage, ob beabsichtigt sei, in allernächster Zeit eine neue deutsche Anleihe aufzunehmen, etwa folgendermaßen: In der Tat sei dies beabsichtigt. Es sei aber noch keineswegs sicher, zu welchem Zeitpunkt das Reich eine Anleihe im Auslande aufnehmen werd«. Diesen Zeitpunkt, für den finanzpolitische und Ehrungspolitische Rücksichten maßgebend seien, behalte ec sich noch vor. Soviel könne aber bereits heute gesagt werden, daß die neue Anleihe auf Reichsmark und nicht auf Goldmark oder Feingold oder wie die anderen zeitweise üblichen Surrogate einer festen deutschen Währungseinheit geheißen haben, lauten werde. Es sei erfreulich, daß hier bereits verschiedene deutsche Städte mit gutem Beispiel vorangegangen seien. Man habe mit besonderer Genugtuung feststellen können, daß z. B. die Hypotheken-Pfandbriefe, die kürzlich auf Reichsmark ausgeschrieben sind, im Ausland einen guten Anklang gefunden hätten.
Was den Zinsfuß der neuen Anleihe augeht, so kann schon heute gesagt werden, daß aus keinen Fall diesmal das Reich einen so hohen Zinsfuß gewähren wird, wie es ihn bei der Dawes-Anleihe har bewilligen müssen. Auch in der Höhe des Zinsfußes wird diesmal die inzwischen erfolgte Stabilisierung und Stärkung unserer ganzen wirtschaftlichen B erhältnisse zum Ausdruck kommen.
Der Stand der Typhuserkrankungen in Pommern.
ft Berlin, 10. Sept. Ter Stand der Typhuserkrankungen in Gollnow ist mit 35 Erkrankten unverändert. In einem Orte bei Gollnow wurden mehrere neue Fälle von Typhus sestgestellt . Von insgesamt 91 bisher gemeldeten Erkrankungen fiiti) 11 Wälle tödlich 'verlausen. Aus Lauenburg in Pommern werden 14 Fälle von Ruhrerkrankungen gemeldet.
MM» eit» aus Klärung »er Wt» 0MM tosen
Aus Berlienr diplomatischen Kreisen erfährt der Asien-Ost-Europa-Dienst über die Stellung Rußlands zum Bölkerbundsbeitritt Deutschlands folgendes: Eine der nächsten Folgen des Bölkerbundsbeitritts Deutschlands dürste jetzt ein prononcierteres Verhalten Rußlands zu Warschau und Paris sein. Die Sowjet-Diplomatie betrachtet Deutschlands Anschluß an Gens als S ch w ä ch- ung der russischen Position im W e st e n, die durch den Berliner Vertrag mit Deutschland eine Stärkung erfahren hatte. Jedoch erhofft man in Sowjet-Kreisen für die Zukunft eine präzisere K l ä r u n g der d e u 1- s ch e'n Ost-Politik. Man nimmt an, daß Tschitscherin, der diplomatischen Höflichkeit entsprechend, mit Stresemann in Tclegramm- wechsel treten wird. Man erwartet sogar, daß ein offizieller Meinungsaustausch zwischen Deutschland und der Sowjet-Union stattsinden wird, bei dem die schwebenden Fragen der deutschen Außenpolitik Rußland gegenüber, insbesondere im Hinblick aus den Berliner Vertrag, erörtert werden sollen. Der russische Botschafter, K re- stinski, der zur Zeit in London weilt, hat Auftrag erhalten, sofort nach Berlin zurückzukehren. Die Sowjet-Diplomatie ventiliert sogar die Entsendung K r e st i n s k i s als besonderen Botschafters nach Genf. Dem hätte jedoch eine Beilegung des russischschweizerischen Konflikts voranzugehen.
In Linkskreisen der kommunistischen Partei bezeichnet man den Eintritt Deutschlands i» den Völkerbund als eine Niederlage der Sowjet-Politik. Das Exekutio-Komitee soll einen Aufruf an die deutschen Arbeiter in Vorbereitung haben, in dem zu einer Aktion gegen die deutsche Außenpolitik ausgesordert werden soll.
Die WMe MgMn In Senf
Als man über die Möglichkeit des deutschen Eintritts in Genf noch nickt so ganz klar sah. da war man vielleicht geneigt, wenn einmal alles bereinigt wäre, dem Einzug der heiß Ersehnten und viel Gefürchteten so etwas wie Feierlichkeit angedeihen zu lassen. Diese Ansicht hat sich schnell gewandelt. Sehr rasch hat man sich davon überzeugen müssen, daß das Büro des Völkerbundes sein Möglichstes tut, den Einzug der Deutschen so unauffällig, wie es nur irgend angängig ist, zu gestalten. So hat man festgesetzt, daß nur drei Reden den „historischen Moment" zu würdigen hätten. Am liebsten hätte man Herrn Dr. Stresemann das wohlgekürzte Konzept seiner Rede selbst in die Hand gedrückt, damit auch nicht ein Ton laut werden könnte, der irgendwo im Reformationssaal oder bei irgend einem der verehrten Mitglieder unangenehme Gefühle auslösen könnte. Der Applaus, der sich nach der Abstimmung Über die Aufnahme Deutschlands auf den Tribünen orkanartig Lust machte, war sicherlich eine Wirkung die nicht bezweckt war. Hieraus wohl der merkwürdige Entschluß des Herrn Präsidenten Nintsckitsch, „entsprechend der Praxis der nationalen Parlamente morgen keine Beifallskundgebungen auf den für Presse und Publikum reservierten Galerien zu dulden". Eine Anordnung, die umso befremdlicher ist, als man ganz genau weiß, daß bei früheren Anlässen im Genfer Reformationssaal ein solches Echo der Galerie nicht ungern gehört wurde. Diese plötzliche Regieänderung ist gewiß nickt allzu aufregend, aber sie lüftet doch für einen Moment den rosarot gefärbten Mantel, der vorsorglich über die wirklichen Dinge von Genf gebreitet ist.
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Genf, 9. Sept. (TU.) Die deutsche Delegation ist heute nachmittag 5.18 Uhr auf dem Cornavin-Bahnhos in Genf eingetroffen. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhof eingefunden der deutsche Delegierte Graf Bernstorfs, der deutsche Gesandte in Bern Adolf Müller, der Führer der deutschen Delegation für die Abrüstungskommission, Oberstleutnant o. Boetticher. Generalkon
sul Aschmann und der österreichische Gesandte in Bern Pauli. Ferner waren zahlreiche deutsche und ausländische Pressevertreter erschienen. Frau Dr. Stresemann, die schon seit einigen Tagen in Genf weilt, hatte zum Empfang ihren Sohn nach dem Bahnhof gesandt. Nachdem die Herren den Zug verlassen hatten, begaben sie sich sofort in drei offenen Autos nach dem Hotel Metropol, wo für sie in der dritten Etage Zimmer reserviert waren. Der zweite Teil der deutschen Delegation, der insbesondere die parlamentarischen Sachverständigen umfaßt, ist heute abend 8,38 in Gens eingetroffen.
Bei der morgigen feierlichen Aufnahme- sitzung für Deutschland werden außer dem Präsidenten der DAKerbundsversammlung Nintschitsch, der die deutsche Delegation begrüßt, und Rei'snünister Slrefemann, der darauf antworten wird, auch V r i a n d, Chamberlain und Ramek sprechen. Die Ansprachen werden durck den Deutschland- sender (Welle 1390) vcr'-eftet werden. Tie genaue Zeit wird durch die örtlichen Rundfunksender und den Deutschlandfender bekannt- gegeben werden.
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Eine Erklärung Dr. Stresemanns vor ausländischen Pressevertretern in Gens.
sk. Prag, 10. Sept. Rach einer Meldung der tschechischen Telegraphenagentur aus Genf erklärte Dr. Stresemann bei einem Empfang der ausländischen Presse n. a.: Locarno und der damit verbundene Universalitätsbegriff der europäischen Politik habe den Sieg davon getragen. Morgen werden die Locarnopakte wirksam werden. „Es kommt nicht auf die Form an ob der Dölkerbnndsrat aus so und so viel Mitgliedern besteht, sondern auf die stiedliebende praktische Zusammenarbeit. Sicherlich wird diese Zusammenarbeit nicht ohne Mißverständnisse und Kämpfe abgehen, aber schließlich wird sie Über die destruktiven Tendenzen unserer Zeit siegen."
Der Minister ersuchte schließlich um freundschaftliche Zusammenarbeit der ausländischen Vertreter und um objektive Kritik.
Die Wiener Presse über Genf.
Der Beschluß zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund bildet das einzige Thema der gesamten Presse, das von den Blättern mit Rückblick auf Persailles eingehend gewürdigt wird. Es kommt dabei die Freude und Genugtuung, die besonders im deutschen Bruderstamm empfunden wird, zum Ausdruck, daß Deutschlands europäische Großmachtstesiung endlich wieder anerkannt und dadurch dös schwere Unrecht an Deutschland endlich wieder gutgemacht wird. Die Blätter heben ferner die wohlüberlegte und zielsichere Taktik der deutschen Regierung in dieser Hauptfrage für den Frieden und Wiederaufbau Europas hervor und geben der Erwartung Ausdruck, daß Deutschlands Wirken im Völkerbund der Verständigung der Väter die wertvollsten Dienste leisten werde.
Die „Wiener Neuesten Nachrich t e n" schreiben: Für uns Deutsche in Oesterreich ist das Ergebnis von Genf von besonderer Bedeutung. Daß wir schon seit einigen Jahren in Genf unsere Vertretung hatten, war Formalität: von jetzt ab mag das anders sein. Es ist noch nicht lange her, daß die deutsche Negierung sich von der Tribüne des Reichstages herab als Anwalt aller Deutschen bekannte, gleichgültig, unter welcher Fremdherrschaft oder staatlichen Gemeinsamkeit sie heute leben müssen. An dieses Wort darf dann gerade heute erinnert werden.
Die „Reichspost" weist darauf hin, daß der Völkerbund ohne Deutschland auf die Dauer keine Existenzberechtigung gehabt hätte, er brauche also Deutschland. Dieses trete daher nicht als Nehmender, sondern als Gebender in die Genfer Gemeinschaft. Dafür müsse aber der Völkerbund beweisen, daß er in Zukunft keine Scheidung in Nationen ersten und zweiten Ranges mehr kenne. Deswegen feien Militärregime im Rheinland und viele andere noch drückende Fesseln des Versailler Vertrages in der jetzigen Form mit dem Völkerbunds- aedauken unvereinbar.
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fk. Paris, 10. Sept. Der polnische Außenminister hat einem Vertreter des „Petit P a r i s i e n" in Eens über die durch Deutschlands Eintritt in/dell Völkerbund geschaffene Lage erklärt, Polen freue sich am allermeisten darüber und Polen wolle legal mit Deutschland zusammenarbeiten, um alle Mtstverständnisse verschwinden zu lassen. Die Epoche _ der großen polnischen Kontroverse sei hoffentlich endgültig mit Deutschlands Eintritt geschlossen. Polen sei immer bereit, seine Beziehungen mit Deutschland auf einer gerechten Basis zu regeln.
Zur Frage, ob Polen von der Verteilung der Völkerbundsratssitze befriedigt sei, erklärte Zaleski: Wir haben in keiner Weise unsere Forde rung auf einen ständigen Sitz aufgegeben. Die polnische Regierung muß volle Freiheit hinsichtlich seiner Forderung bewahren. Polen hat nur gegenwärtig die bereits bestehenden Schwierigkeiten des Völkerbundes nicht vergrößern wollen.
Das national-demokratische Blatt „® a - zetta W ar s z a w s k a P o r.o n n a“ schreibt zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund: Nun gesckah, was man schon lange erwartete. Die Besiegten des großen Krieges kehrten in die große internationale Familie zurück. Glücklicherweise vergaß man, auch nicht, dem neuen Gast gegenüber Vorsichtsmaßregeln anzuwenden. Wir denken hier an die Vermeß rung der nichtstä n - digen Ratssitze.
Französische Kriegsschiffe in Gdiugn.
ff. Warschau, 10. Sept. Gestern abend ist in Gdingen eine französische Flottenabteilung bestehend aus drei Torpedobootszerstörern und zwei Unterseebooten eingelaufen. In Warschau sind zu Ehren der Offiziere große Feierlichkeiten geplant.
Eine rumänische Militärmiffion in Warschau fk. Warschau, 10. Sept. Heute trifft in Warfchau eine Mission rumänischer General« stabsoffiziere ein, um, wie die Blätter an» geben, die Kriegsindustrie Polens zu besichtigen. Der „Kurjer Polfki" erwähnt noch, daß sich die rumänischen Generalstabsoffiziere mit der Frage der Rüstungsindustrie beschäftigen werden.
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M Lase in Syrien
ff Paris, 10. Sept. Nach einer Agentur. Meldung aus Beirut ist es 10 Kilometer nördlich von Damaskus zwischen französischen Truppen und Drusen zu einem zweistündigen heftigen Kampfe gekommen. Die Drusen sollen 45 Mann verloren haben.
Die britische Kriegsschuldenfrage.
fk Q u e b e ck (Kanada),, 10. S-pt. Der bri» tische Botschafter in Washington, Esme Howard, sagte hier in einem Jntervietv, von einer Wiederaufrollung der Frage der britischen Kriegsschulden in den Bereinigten Staaten könne keine Rede sein. Dieses Problem sei endgültig geregelt.
Der Flieger Cobham aufgefunden.
Rangoon, 9. Sept. Heute ist hier die Nachricht eingetroffen, daß der Flieger Cobham, über dessen Schicksal seit seinem Abflug von Penang Befürchtungen gehegt wurden, mit Rücksicht auf das Wetter eine Zwischenlandung in der Nähe von Bangkok vornehmen mußte und voraussichtlich heute in Rangoon eintrefsen wird.
Zugentgleisung in Holland.
Amsterdam, 9. Sept. Heute nachmittag ist ein Personenzug bei Leyden entgleist. Mehrere Personenwagen wurden schwer beschädigt. Bisher werden drei Tote und 10 Schwerverletzte sowie zahl- reiche Leichtverletzte gezähk.