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AWÜiM, ttn io. Scvlbi. 1926

Die ^Oberhesflsch« Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch ^«Post2L5 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der ^ewentarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. A»h. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit ter Redaktion von 10—11 und

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Slrahenkämvie in MW

ff. Athen, 10. Sept. Die Athener Tele- Viavbenagentur meldet: Da die Bataillone der von General Pangalos geleiteten repu- hlikanischen Garde sich einer A u s l ö s n n g widersetzten, lieb die Regierung diese durch die reguläre Armee aussühren. Die Ba­taillone der republikanischen Garde ergaben sich schlieblich bedingungslos. Die Verluste find leicht. Die Regierung wird die Verant­wortlichen vor die öffentlichen Gerichtshöfe stellen. Die Bevölkerung spendete dieser Maß- uahme Beifall. Einige kommunistische Ver­suche, Unruhen hervorzurufen, sind gescheitert. Die Ereignisse, die sich soeben abgespielt haben, find von grober Bedeutung, denn sie machen der Anarchie ein Ende, sichern die Rück­kehr des Landes zur Gesetzlichkeit und ermög­lichen die Wiederherstellung der versassungs- «äbigen Freiheits

Die „Boss. Ztg." meldet in ihrer heutigen Morgenausgabe demgegenüber aus Athen: Auf das Gerücht, dab die revublikanische Garde die Ausrufung eines Direktoriums beabsichtige, lieb der Ministerpräsident die Ka­serne, in der sich zwei Bataillone der repu­blikanischen Garde befanden, von regierungs­treuen Truppen umzingeln. Nach Verhand­lungen mit dem Ministerpräsidenten erklärten sich die beiden Kommandanten bereit, sich zu ergeben. Die republikanische Garde unter­nahm jedoch darauf den Versuch, gegen das Stadtinnere durchzubrechen und feuerte auf die Regierungstrupven, die das Feuer erwiderten. Die auf den Höhen rechts von Athen aufge- fitzllten regierungstreuen Batterien eröffneten das Feuer auf brr republikanische Garde. Zwei Panzerwagen der republikanischen Garde fuhren in raschem Tempo durch die Hauvt- straben und fuhren in die Menschenmenge. Eine grobe Zahl unbeteiligter Zivilisten sielen dem Feuer der Panzerwagen zum Ovfer. Die Versuche der Panzerwagen, die Mini­sterien zu stürmen, mihlangen. Der eine Wage» wurde von den Regierungstruv- ven genommen, der andere gesprengt. Das Gefecht dauerte drei Stunden. Die Ruhe ist wiederhergestellt und die Regierungstrupven find Herr der Lage.

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Eine neue WMe AiMM AnlM

Der Finanzminister Dr. Reinhold äußerte sich heute Pressevertretern gegenüber auf eine Anfrage, ob beabsichtigt sei, in aller­nächster Zeit eine neue deutsche Anleihe aufzunehmen, etwa folgendermaßen: In der Tat sei dies beabsichtigt. Es sei aber noch keineswegs sicher, zu welchem Zeitpunkt das Reich eine Anleihe im Auslande aufnehmen werd«. Diesen Zeitpunkt, für den finanzpolitische und Ehrungspolitische Rück­sichten maßgebend seien, behalte ec sich noch vor. Soviel könne aber bereits heute gesagt werden, daß die neue Anleihe auf Reichs­mark und nicht auf Goldmark oder Fein­gold oder wie die anderen zeitweise üblichen Surrogate einer festen deutschen Währungs­einheit geheißen haben, lauten werde. Es sei erfreulich, daß hier bereits verschiedene deutsche Städte mit gutem Beispiel voran­gegangen seien. Man habe mit besonderer Genugtuung feststellen können, daß z. B. die Hypotheken-Pfandbriefe, die kürzlich auf Reichsmark ausgeschrieben sind, im Ausland einen guten Anklang gefunden hätten.

Was den Zinsfuß der neuen Anleihe augeht, so kann schon heute gesagt werden, daß aus keinen Fall diesmal das Reich einen so hohen Zinsfuß gewähren wird, wie es ihn bei der Dawes-Anleihe har bewilligen müssen. Auch in der Höhe des Zinsfußes wird diesmal die inzwischen er­folgte Stabilisierung und Stärkung unserer ganzen wirtschaftlichen B erhältnisse zum Ausdruck kommen.

Der Stand der Typhuserkrankungen in Pommern.

ft Berlin, 10. Sept. Ter Stand der Typhuserkrankungen in Gollnow ist mit 35 Erkrankten unverändert. In einem Orte bei Gollnow wurden mehrere neue Fälle von Ty­phus sestgestellt . Von insgesamt 91 bisher gemeldeten Erkrankungen fiiti) 11 Wälle tödlich 'verlausen. Aus Lauenburg in Pom­mern werden 14 Fälle von Ruhrerkrankungen gemeldet.

MM» eit» aus Klärung »er Wt» 0MM tosen

Aus Berlienr diplomatischen Kreisen erfährt der Asien-Ost-Europa-Dienst über die Stellung Rußlands zum Bölkerbundsbeitritt Deutsch­lands folgendes: Eine der nächsten Folgen des Bölkerbundsbeitritts Deutschlands dürste jetzt ein prononcierteres Verhalten Rußlands zu Warschau und Paris sein. Die Sowjet-Diplomatie betrachtet Deutschlands Anschluß an Gens als S ch w ä ch- ung der russischen Position im W e st e n, die durch den Berliner Vertrag mit Deutschland eine Stärkung erfahren hatte. Je­doch erhofft man in Sowjet-Kreisen für die Zukunft eine präzisere K l ä r u n g der d e u 1- s ch e'n Ost-Politik. Man nimmt an, daß Tschitscherin, der diplomatischen Höflichkeit entsprechend, mit Stresemann in Tclegramm- wechsel treten wird. Man erwartet sogar, daß ein offizieller Meinungsaus­tausch zwischen Deutschland und der Sowjet-Union stattsinden wird, bei dem die schwebenden Fragen der deutschen Außenpolitik Rußland gegenüber, insbesondere im Hinblick aus den Berliner Vertrag, erörtert werden sollen. Der russische Botschafter, K re- stinski, der zur Zeit in London weilt, hat Auftrag erhalten, sofort nach Berlin zu­rückzukehren. Die Sowjet-Diplomatie venti­liert sogar die Entsendung K r e st i n s k i s als besonderen Botschafters nach Genf. Dem hätte jedoch eine Beilegung des russisch­schweizerischen Konflikts voranzugehen.

In Linkskreisen der kommunistischen Partei bezeichnet man den Eintritt Deutschlands i» den Völkerbund als eine Niederlage der Sowjet-Politik. Das Exekutio-Komitee soll einen Aufruf an die deutschen Arbeiter in Vorbereitung haben, in dem zu einer Aktion gegen die deutsche Außenpolitik ausgesordert werden soll.

Die WMe MgMn In Senf

Als man über die Möglichkeit des deutschen Eintritts in Genf noch nickt so ganz klar sah. da war man vielleicht geneigt, wenn einmal alles bereinigt wäre, dem Einzug der heiß Ersehnten und viel Gefürchteten so etwas wie Feierlichkeit angedeihen zu lassen. Diese An­sicht hat sich schnell gewandelt. Sehr rasch hat man sich davon überzeugen müssen, daß das Büro des Völkerbundes sein Möglichstes tut, den Einzug der Deutschen so unauffällig, wie es nur irgend angängig ist, zu gestalten. So hat man festgesetzt, daß nur drei Reden den „historischen Moment" zu würdigen hätten. Am liebsten hätte man Herrn Dr. Stresemann das wohlgekürzte Konzept seiner Rede selbst in die Hand gedrückt, damit auch nicht ein Ton laut werden könnte, der irgendwo im Refor­mationssaal oder bei irgend einem der verehr­ten Mitglieder unangenehme Gefühle auslösen könnte. Der Applaus, der sich nach der Ab­stimmung Über die Aufnahme Deutschlands auf den Tribünen orkanartig Lust machte, war sicherlich eine Wirkung die nicht bezweckt war. Hieraus wohl der merkwürdige Entschluß des Herrn Präsidenten Nintsckitsch, „entsprechend der Praxis der nationalen Parlamente morgen keine Beifallskundgebungen auf den für Presse und Publikum reservierten Galerien zu dul­den". Eine Anordnung, die umso befremd­licher ist, als man ganz genau weiß, daß bei früheren Anlässen im Genfer Reformationssaal ein solches Echo der Galerie nicht ungern ge­hört wurde. Diese plötzliche Regieänderung ist gewiß nickt allzu aufregend, aber sie lüftet doch für einen Moment den rosarot gefärbten Man­tel, der vorsorglich über die wirklichen Dinge von Genf gebreitet ist.

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Genf, 9. Sept. (TU.) Die deutsche Dele­gation ist heute nachmittag 5.18 Uhr auf dem Cornavin-Bahnhos in Genf eingetroffen. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhof eingefunden der deutsche Delegierte Graf Bernstorfs, der deutsche Gesandte in Bern Adolf Müller, der Führer der deutschen Delegation für die Abrüstungskommission, Oberstleutnant o. Boetticher. Generalkon­

sul Aschmann und der österreichische Ge­sandte in Bern Pauli. Ferner waren zahl­reiche deutsche und ausländische Pressevertreter erschienen. Frau Dr. Stresemann, die schon seit einigen Tagen in Genf weilt, hatte zum Empfang ihren Sohn nach dem Bahnhof ge­sandt. Nachdem die Herren den Zug verlassen hatten, begaben sie sich sofort in drei offenen Autos nach dem Hotel Metropol, wo für sie in der dritten Etage Zimmer reserviert waren. Der zweite Teil der deutschen Delegation, der insbesondere die parlamentarischen Sach­verständigen umfaßt, ist heute abend 8,38 in Gens eingetroffen.

Bei der morgigen feierlichen Aufnahme- sitzung für Deutschland werden außer dem Präsidenten der DAKerbundsversammlung Nintschitsch, der die deutsche Delegation begrüßt, und Rei'snünister Slrefemann, der darauf antworten wird, auch V r i a n d, Chamberlain und Ramek sprechen. Die Ansprachen werden durck den Deutschland- sender (Welle 1390) vcr'-eftet werden. Tie genaue Zeit wird durch die örtlichen Rund­funksender und den Deutschlandfender bekannt- gegeben werden.

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Eine Erklärung Dr. Stresemanns vor aus­ländischen Pressevertretern in Gens.

sk. Prag, 10. Sept. Rach einer Meldung der tschechischen Telegraphenagentur aus Genf erklärte Dr. Stresemann bei einem Emp­fang der ausländischen Presse n. a.: Locarno und der damit verbundene Universalitätsbe­griff der europäischen Politik habe den Sieg davon getragen. Morgen werden die Locarno­pakte wirksam werden. „Es kommt nicht auf die Form an ob der Dölkerbnndsrat aus so und so viel Mitgliedern besteht, sondern auf die stiedliebende praktische Zusammenarbeit. Sicherlich wird diese Zusammenarbeit nicht ohne Mißverständnisse und Kämpfe abgehen, aber schließlich wird sie Über die destruktiven Tendenzen unserer Zeit siegen."

Der Minister ersuchte schließlich um freund­schaftliche Zusammenarbeit der ausländischen Vertreter und um objektive Kritik.

Die Wiener Presse über Genf.

Der Beschluß zur Aufnahme Deutsch­lands in den Völkerbund bildet das ein­zige Thema der gesamten Presse, das von den Blättern mit Rückblick auf Persailles ein­gehend gewürdigt wird. Es kommt dabei die Freude und Genugtuung, die besonders im deutschen Bruderstamm empfunden wird, zum Ausdruck, daß Deutschlands europäische Großmachtstesiung endlich wieder anerkannt und dadurch dös schwere Unrecht an Deutsch­land endlich wieder gutgemacht wird. Die Blätter heben ferner die wohlüberlegte und zielsichere Taktik der deutschen Regierung in dieser Hauptfrage für den Frieden und Wie­deraufbau Europas hervor und geben der Er­wartung Ausdruck, daß Deutschlands Wirken im Völkerbund der Verständigung der Väter die wertvollsten Dienste leisten werde.

Die „Wiener Neuesten Nachrich t e n" schreiben: Für uns Deutsche in Oester­reich ist das Ergebnis von Genf von besonde­rer Bedeutung. Daß wir schon seit einigen Jahren in Genf unsere Vertretung hatten, war Formalität: von jetzt ab mag das anders sein. Es ist noch nicht lange her, daß die deutsche Negierung sich von der Tribüne des Reichs­tages herab als Anwalt aller Deutschen be­kannte, gleichgültig, unter welcher Fremdherr­schaft oder staatlichen Gemeinsamkeit sie heute leben müssen. An dieses Wort darf dann ge­rade heute erinnert werden.

Die „Reichspost" weist darauf hin, daß der Völkerbund ohne Deutschland auf die Dauer keine Existenzberechtigung gehabt hätte, er brauche also Deutschland. Dieses trete da­her nicht als Nehmender, sondern als Geben­der in die Genfer Gemeinschaft. Dafür müsse aber der Völkerbund beweisen, daß er in Zu­kunft keine Scheidung in Nationen ersten und zweiten Ranges mehr kenne. Deswegen feien Militärregime im Rheinland und viele andere noch drückende Fesseln des Versailler Vertra­ges in der jetzigen Form mit dem Völkerbunds- aedauken unvereinbar.

Wen rum MIM SeuWrmk

fk. Paris, 10. Sept. Der polnische Außenminister hat einem Vertreter des „Petit P a r i s i e n" in Eens über die durch Deutschlands Eintritt in/dell Völkerbund geschaffene Lage erklärt, Polen freue sich am allermeisten darüber und Polen wolle legal mit Deutschland zu­sammenarbeiten, um alle Mtstverständnisse verschwinden zu lassen. Die Epoche _ der großen polnischen Kontroverse sei hoffent­lich endgültig mit Deutschlands Eintritt geschlossen. Polen sei immer bereit, seine Beziehungen mit Deutschland auf einer ge­rechten Basis zu regeln.

Zur Frage, ob Polen von der Vertei­lung der Völkerbundsratssitze befriedigt sei, erklärte Zaleski: Wir haben in keiner Weise unsere Forde rung auf einen ständigen Sitz aufgegeben. Die polnische Regierung muß volle Freiheit hinsichtlich seiner For­derung bewahren. Polen hat nur gegen­wärtig die bereits bestehenden Schwierig­keiten des Völkerbundes nicht vergrößern wollen.

Das national-demokratische Blatt „® a - zetta W ar s z a w s k a P o r.o n n a“ schreibt zur Aufnahme Deutschlands in den Völker­bund: Nun gesckah, was man schon lange er­wartete. Die Besiegten des großen Krieges kehrten in die große internationale Familie zurück. Glücklicherweise vergaß man, auch nicht, dem neuen Gast gegenüber Vorsichts­maßregeln anzuwenden. Wir denken hier an die Vermeß rung der nichtstä n - digen Ratssitze.

Französische Kriegsschiffe in Gdiugn.

ff. Warschau, 10. Sept. Gestern abend ist in Gdingen eine französische Flottenabtei­lung bestehend aus drei Torpedobootszerstö­rern und zwei Unterseebooten eingelaufen. In Warschau sind zu Ehren der Offiziere große Feierlichkeiten geplant.

Eine rumänische Militärmiffion in Warschau fk. Warschau, 10. Sept. Heute trifft in Warfchau eine Mission rumänischer General« stabsoffiziere ein, um, wie die Blätter an» geben, die Kriegsindustrie Polens zu besichti­gen. Der „Kurjer Polfki" erwähnt noch, daß sich die rumänischen Generalstabsoffiziere mit der Frage der Rüstungsindustrie beschäftigen werden.

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M Lase in Syrien

ff Paris, 10. Sept. Nach einer Agentur. Meldung aus Beirut ist es 10 Kilometer nörd­lich von Damaskus zwischen französischen Truppen und Drusen zu einem zweistündigen heftigen Kampfe gekommen. Die Drusen sol­len 45 Mann verloren haben.

Die britische Kriegsschuldenfrage.

fk Q u e b e ck (Kanada),, 10. S-pt. Der bri» tische Botschafter in Washington, Esme Ho­ward, sagte hier in einem Jntervietv, von einer Wiederaufrollung der Frage der bri­tischen Kriegsschulden in den Bereinigten Staa­ten könne keine Rede sein. Dieses Problem sei endgültig geregelt.

Der Flieger Cobham aufgefunden.

Rangoon, 9. Sept. Heute ist hier die Nachricht eingetroffen, daß der Flieger Cob­ham, über dessen Schicksal seit seinem Ab­flug von Penang Befürchtungen gehegt wur­den, mit Rücksicht auf das Wetter eine Zwi­schenlandung in der Nähe von Bangkok vor­nehmen mußte und voraussichtlich heute in Rangoon eintrefsen wird.

Zugentgleisung in Holland.

Amsterdam, 9. Sept. Heute nach­mittag ist ein Personenzug bei Leyden entgleist. Mehrere Personenwagen wur­den schwer beschädigt. Bisher werden drei Tote und 10 Schwerverletzte sowie zahl- reiche Leichtverletzte gezähk.