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Die ^Vbeihesstsche Zeitung" «• scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. auS- schließl. Zustellungsgebühr, durch hi«Post2L5 GM.Für etwa infolge Streike Maschinendefekle oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hitzerolh, Druck der Univ.-Buchdruckcrei b. geb. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt 6. M. Nr. 5015. -- Sprechzeit per Redaktion bon 10—11 und »1,1—1 Uhr.

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Lupen und RnlmM

Brüssel, 3. Sept. Ueber die leljtc1.; Unterhandlungen bezüglich der Rückgabe der Bezirke Eupen und Malmedq an Deutschland wird von gut insoimierter Seite mitgeteilt, daß die belgische Re­gierung tatsächlich bereit ge­wesen ist, ein Abkommen in dieser Frage mit Deutschland abzuschliehen. | Allein der liberale Mini st er Hymans weigerte sich, dem geplan­ten Abkommen z u z u st i m m e n. Die Mitglieder der belgischen Regierung sind weiterhin überzeugt, datz sich die in Aus- ff ficht genommene Lösung der Frage später verwirklichen lassen wird,

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SÄ Programm der

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Dresden, 8. Sept. (WTD.) Auf der Mitgliederversammlung des Aeichsverbandes f der Deutschen Industrie, der hier eröffnet wurde, ergriff nach einer Rede des Geheim­rats Kastt Reichsfinanzminister Dr. Sein» f hold das Wort. Er gedachte zunächst der - trostlosen Wirtschastslage. die das zweite Ka­binett Luther bei seinem Amtsantritt vor­gefunden habe und führte weiter aus: Sn den vergangenen Sahren muhte die Sorge um die Stabilisierung und Erhaltung der | Valuta in den Vordergrund gestellt werden, sodah

-- 1924 ein M scharfe» BMreifen der Steuer­

schraube vielleicht berechtigt

war, aber daß, trotzdem zu sehen war, wie bei verminderter Wirtschaft die öffentlichen Kaffen | sich füllten, diese Steuerpflichten solange | aufrecht erhalten wurden, das war wohl gegenüber der deutschen Wirtschaft und damit gegenüber dem Vaterlande ein ganz I schwerer Fehler, Die ganzen öffentlichen |; Gewalten, Reich, Länder und Kommunen, | breiteten sich mit ihrem Geld in die Privat- k wirtschaft aus. Äeberall floh öffentliches Geld hinein, nicht immer zum Guten und der | Kreis der öffentlichen Steuerzah- I ler wurde dadurch außerordentlich einge- I' schränkt. Wir wissen, wie in diesen I: Jahren die Gemeinden mit den Steuergeldern sich außerordentlich viel Grundbesitz zugelcht ' haben. Die Wirtschaft muh sich daran ge­wöhnen, bah

t das Reich nicht die Ausgase bat, Bankier der Wirtschaft zu sein, dab es ein ganz : n-

I erhörter Zustand ist, dab man den gut ge­leiteten Betrieben die Steuern abnimmt, um damit schlecht arbeitende und faule Konkurrenten zu stützen.

Wir müssen den Bedarf einschränken auf | das Minimum: aber dann müssen wir auch die . Verpflichtung des Kredits der Wirtschaft den dazu geschaffenen sach- L verständigen Instanzen, in erster Linie den I Danken, überlassen. Sch habe, als ich den Reichsetat übernahm, die vorübergehende k ausgehobene Scheidung von Ordina- rium und Extraordinarium durch­geführt und denke damit fortzufahren. Es er­scheint mir für unser Volk, das im Augenblick k unendlich hohe Lasten zu tragen hat, ganz ff falsch, wenn wir auch die Lasten, die wir mit Recht verteilen können auf spätere Zeiten a und Generationen, jetzt auch noch zu den un» Ä vermeidlichen unsere r Wirtschaft auf- 6 bürden. Sch habe deshalb nach hartem Wo Kampf mein Steuermilderungspro« | gramm eingebracht und möchte darauf hin- H weisen, dah erst dieses Programm die gefähr- S lichste und sinnloseste Steuer, die Lupus« 11 steuer, und damit die Besteuerung der | deutschen Qualitätsarbeit beseitigt hat. | Erst durch die Herabsetzung der Fusionssteuer | haben wir den wirtschaftlich notwendigen Pro- |; zeh der Zusammenfassung unserer | Industrie nach gesunden Gesichtspunkten U ermöglicht. Daß wir weiter in dieser Zeit W der Kredit« und Geldnot einen Termin der H Vermögenssteuer ausfallen liehen, hat gewiß U dazu beigetragen, dah dieses Frühjahr für viele Betriebe erleichtert wurde.

W Die Ermähigung bet Umsatzsteuer gehörte zu meinem Programm. 350 Millionen, M die nicht in die öffentlichen Kasten ge-

■ • flössen sind, sind in der Wirtschaft ge-

M. blieben.

KMWMJ ÄW» WMtt ErMungrn St. ArrskMnns

Im Auswärtigen Amt ist gestern aus Eens die Nachricht eingetroffen, dab die Bera­tungen der Studienkommission zur Reform des Völkerbundsrats heute vormittag beendet worden sind. Der Bericht der Stu­dienkommission, dessen Inhalt bekannt ist, gebt jetzt an den Rat und von dort an die Voll­versammlung des Völkerbundes.

Die letzten Beratungen zur endgültigen Ab-, fassung des Berichts der Studienkommission über die Ratscesorm an die Vollversammlung des Völkerbundes wurde nicht nur in ziemlich nervöser Stimmung der Teilnehmer ein­geleitet, sondern in ihrem Verlauf steigerten sie sich bis zu einer gewitterschwülen Gereizt­heit. Von besonderer Bedeutung dürfte die Erklärung des schwedischen Ver­treters sein, der seine Zustimmung zu der letzten Formulierung nur unter dem Vorbehalt gegeben hat, dah damit tatsächlich auch alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt wür­den. Ueber Polen wurde das Gerücht ver­breitet, dab sein Vertreter in Genf neue Wei­sungen aus Warschau erhalten habe, die unter Umstünden die Zurückziehung Polens von den Arbeiten des Völkerbundes enthalten soll. Wenngleich diese Nachricht bisher nicht ver­bürgt worden ist, so brachte man sie in Genfer Völkerbundskreisen mit den von Moskau an­geregten neuen russisch-volnischen Verhand­lungen über einen Sicherheitsvertrag und mit neuen Verhandlungen zwischen Polen und Litauen in Zusammenhang.

Es ist möglich, dab das Programm für die Völkerbundstagung, soweit es sich auf die Auf­nahme Deutschlands bezieht, eine kleine Ver­schiebung erfahren wird. In deutschen voliti- scheu Kreisen will man aber trotzdem die Ge­fahr nicht für so grob ansehen, daß etwa Deutschlands Aufnahme überhauvt in Frage gestellt werden könnte.

Diese Auffastung gründet sich auf bet auch von dem Kommissionsvorfitzenden Motta festgestellten Tatsache, dab gegen die Zn- erteilnng eines ständigen Natssitzes an Deutschland von keiner Seite ein Einwand erhoben worden sei.

Man verweist auch in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dab das Reichskabinett be­reits die Zusammensetzung der deutschen Völ­kerbundsdelegation grundsätzlich beschlossen bat.

Zu der deutschen Delegation gehört, wie von zuständiger Stelle verlautet, noch ein großer Stab von Beamten, die als Sachverständige den deutschen Delegierten zur Seite stehen. Hierzu gehört u .a. lite demokratische Abgeord­nete Frau Dr. Bäumer, die aber nicht in ihrer Eigenschaft als Parlamentarier, sondern als Sachverständige für Schulfragen vom Reichs­ministerium des Innern delegiert worden ist. Auch Staatssekretär Dr. Weismann gebt nicht als Vertreter der Preußischen Regierung, son- bern als Sachverständiger für gewisse Fragen mit nach Genf. Als Sachverständiger für die besetzten Gebiete wird Ministerialrat Dr. Mayer vom Rheinministerium der Delegation angehören.

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Spanien tritt noch nicht aus.

London, 3. Sept. Der Madrider Bericht­erstatter der „Evening News" meldet, er er­fahre von amtlicher Seite, dab Spanien nicht beabsichtige, sofort aus dem Völkerbimd aus- rutteten, obgleich der spanische Vertreter von seiner Regierung angewiesen worden sei, sich von den Sitzungen des Nates kernzuhalten.

Dom, 3. Sept. (WTB.) Die Turiner »Gazette del Popolo" veröffentlicht eine Un­terredung, die der Aeichsminister des Äußeren Dr. Stresemann ihrem Berliner Korre­spondenten Prof. Sematra gewährt hat.

Der Minister erklärte darin auf die Frage, ob nunmehr alle Schwierig­keiten bezüglich des Eintritts Deutschlands in den Völker­hund als behoben betrachtet werden könnten, dah zwar die Erfahrungen der Miirztagung die Möglichkeiten des Uner­warteten in sich bergen, dah man aber nach der derzeitigen Lage den Eintritt als sicher annehmen könne. Der Mi­nister unterscheidet dabei zwischen der Aufnahme s e l b st, an der ja das Zn- teresse des Völkerbundes nicht geringer sei als dasjenige Deutschlands, und zwischen den komplizierten Problemen der Ratsfrage, die mehr juristischer und wissenschaftlicher als praktischer Natur seien und den tüchtigsten Sachverständigen Schwierigkeiten bereiten. Zn diesem Zu­sammenhang betont der Minister dte her­vorragenden juristischen Leistungen Scialozas, von dem er mit grotzer Sympathie spricht. 5 ;

Ueber die Eupen-Malmedy-Fra- g c erklärt Dr. Stresemann dem Korrespon­denten, daß es sich bei dem materiellen Ob­jekt dieser inoffiziellen Verhandlungen um eine Summe gehandelt habe, die etwa den zehnten Teil der von amerikanischer Seite genannten 1% Milliarden aus­machte, und dah auch sie nicht von Rcichs- wegen, sondern etwa als eine Besrei- ungsanleihe im Rheinland privat hätte aufgebracht werden müssen. Die Frage falle übrigens nicht unter die Kom­petenz des Völkerbundes.

Tchliehlich berührte der Minister auf eine Frage des Interviewers das Kolo­nialproblem, das gleichermahen Deutschland und Italien interessiere. Er unterstrich dabei, dah es in dieser Frage nur eine einheitliche öffentliche Meinung in Deutschland gebe, und dah man mit Bezug auf sie dem deutschen Volke auf das Bitter sie Unrecht getan habe. Ob und wann sie wieder akut werde, sei im Augenblick nicht zu sagen.

Endlich Luherte der Minister seine grotze Befriedigung darüber, dah die deutsch- italienischen Beziehungen sich nach den lauten Auseinandersetzungen der Vergangenheit wesentlich gebessert haben. Insbesondere betonte er die guten Beziehungen zwischen dem neuen italieni­schen Botschafter und der Wilhelmstratze und sprach die lebhafte Erwartung aus, dah ein dauernd gutes Vertrauensverhältnis zwischen beiden Ländern sich entwickeln werde.

und ihr belebender Einfluß ist in der Wirt­schaft sicher besser gewesen. Wir müssen uns endlich daran gewöhnen, dah wir die Aus­gaben anpassen an die Einnahmen.

Zur Frage der Berwaltungsreform bemerkte der Aeichsfinanzminister, nachdem er die von der Beamtenschaft in den letzten Jah­ren geleistete Arbeit anerkannt hatte: Wegen der schwierigen Sturktur Deutschlands, die einen viel zu großen Aufwand von Deamten- apparaten erfordert, muh endlich ein Abbau eintreten nicht in der Form, dah toir, schematisch die Beamten abbauen. Das Neichskabinett hat gestern den von mir vor­gelegten Plan einer organisatorischen Um­bildung meines Ministeriums ge­billigt, der davon ausgeht, dah wir die H e m - mungen beseitigen müssen, die durch das Reben- und Durcheinander der letzten Jahre geschaffen wurden. Die Berwaltungs­reform ist vor allem nötig auch in den Län­der.» und Gemein de n. Wir werden au

einem vernünftigen Aufbau unseres gesamten Steuerwesens erst kommen, wenn man an diese Aufgaben trotz der großen politischen Hemmungen, die sich jetzt auch wieder in Bayern zeigen, wirklich mit Öner« gie Herangehen.

Die Berwaltungsreform mu6 noch in die­sem Jahre ihrer Lösung zugeführt werben. Eng bamit im Zusammenhang steht bei Finanzausgleich. Ich bin entschlossen, ihn burchzuführen, sobald bie nötigen Unter­lagen zu beschaffen sinb.

Die Grundzüge dieses großen Plaues müssen in erster Linie darin bestehen, daß wir die finanzielle Selbstverwaltung der einzelnen Körperschaften ,die das Geld bewilligen müssen, wieder stärken. Das kann geschehen in erster Linie durch die Ein­führung von,Zuschlägen für die Cin- (Fottietzung siebe. Leite 2J

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Anker BeschlW

Die Studienkommission zur Reform des Völ­kerbundes hat ihre Arbeiten beendet. Ter Vöikerbundsrat selbst konnte am Tonnerstag programmäßig seine diesjährige Herbsttagung Können.

Das Hauptergebnis der mühevollen und schwierigen Beratungen ist, daß Deutschland einen ständigen Ratssitz im Völkerbund er­hält. Außer Deutschland wird diesmal keine andere Nation einen itänbigen Sitz im Nate er­halten. Anch der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund selbst kann heute nicht mehr zweifelhaft fein. Gewiß find, cn den Erfahrun­gen der Vergangenheit geniesten, auch jetzt noch Rückschläge möglich; aber man darf doch nicht übersehen, daß feit dem letzten Frühjahr, als der Völkerbund zum ersten Male versuchte, über seine schwere Orgamsationskrise hinweg- zukommen, manches anders geworden ist.

Wir erinnern daran, daß damals Deutsch­land noch ziemlich isoliert dastand und daß man sogar versucht hat, Deutschland für das schwere Fiasko, das der Völkerbund erlitt, verantwortlich zu machen. Wenn heute oer Völkerbund über seine innere Krise hinweg­gekommen zu sein scheint, so ist das nicht zu­letzt darauf zurückzuführen, daß man in der internationalen Diplomatie es ausgegeben hat, um jeden Preis Politik gegen Deutschland zu treiben.

Der wesentliche Fortschritt gegenüber der Märztagung ist zweifellos darin zu erblicken, baß die drei großen Nationen, die künftig die politische Führung im kontinentalen Eu­ropa darstellen werden, jetzt bei der Losung der inneren Krise des Völkerbundes zusam- mengegangen sind und den übrigen Nationen den Weg gewiesen haben: England, Frankreich und Deutschland. Es ist dies das erste Mal, daß die Hauptuntcrzcich- ner des Paktes von Locarno geschlossen in der internationalen Politik aufgetreten. fiub.

Niemand ist her Meinung gewesen, daß das Ergebnis dieser Verhandlungen, die jetzt in Gens abgeschlossen worden finb, alle Nationen restlos befriedigen würde. Daß Spaniens An­sprüche abgelehnt wurden, war von vornherein klar . Niemand bedauert mehr als Deutsch­land, daß die uns befreundete spanisch: Nation jetzt noch >>cht mit uns im Volterbundsrat vertreten sein kann. Tss hat Botschafter v. Hoesch in seiner Erklärung am Mittwoch nach­drücklichst zum Ausdruck gebracht; man darf hoffen, daß auch Spanien für unsere Haltung, die eine ganz grundsätzliche war, Verständnis haben wird.

Es kann nicht genug betont werden, daß Deutschland ohne irgend welche Bindungen in den Völkerbund eintrilt. Die deutsche Regierung hat von allem Anfang an daran sestgehalten, daß es Sache des Völ­kerbundes sein müsse, die aufgeworfenen Streit­fragen über die Organisation deS Völkerbun­des zu lösen. Daran hat sich unsere Delegation bis zuletzt gehalten.

Deutschland hat vor allem den Nachdruck darauf gelegt, daß die Souveränität der Bölkerbundsversammlung unter allen Umständen gewahrt bleiben muß. Das gilt vor allem für die so heiß umstrittene Frage der Wiederwählbar­keit der nichtständigen Mitglieder. Deutsch­land hat sich nach keiner Richtung hin gebunden und es ist deshalb verfehlt, wenn ma» be- hauptet, Deutschland Habe seine Hand dazu hergegeben, um z. B. Polen in den Rat zu verhelfen. Der Sitz für Polen ist noch keines­wegs sicher.

Außer Polen kandidieren noch mehrere an- bete Staaten für einen halbständigen Sitz, und die Losung, die man in der Studienkom­mission gefunden hat, sieht ausdrücklich vor, daß die Entscheidung darüber, jver einen halb­ständigen Sitz erhält ausschließlich der Voll­versammlung zukommt.

Was Spanien tun wird, werden wir ver­mutlich schon in den nächsten Stunden sehen; es hat nicht den Anschein, »als ob dieser Staat dem Beispiele Brasiliens folgen und seinen völligen Austritt aus der Völkerbunds organisation erklären wird.

Der Kampf um Hankau.

fk. London, 4. Sept. „Daily Mail­berichtet aus Peking: Den letzten Meldun­gen zufolge wird H a u k a u, das von den Kantontruppen angegriffen wurde, von den Streitkräften des Marschalls Wu« peifu gehalten. Täglich treffen Der. siärknngen bei Wupeifu ein. Japanische Marinetruppe« und andere Streitkräfte sind <n Hankau gelandet worden, um die Ausländer und ibee Tnteresien ru schützen.