Sonimslas, ttn 2. Skvtbr. 1926
Dl« ^Oberh-ssische Zeitung" et- «,«iat sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. aus- echließl. Zustellungsgebühr, durch ht«Post2L5 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder «lemrntarer Ereignisse ausfallende Aummern wird kein Ersah geleistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei v. A>h. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. W. Nr. 5015. — Sprechzeit per Redaktion von 10—11 und !/,!—! Uhr.
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Sie Tagung des MkerbuOsraleS vericheben?
TU. E e« f, 1. Sept. Heute vormittag «rlautete hier, daß die ursprünglich auf feen 2. September festgesetzte Eröffnung der Tagung des Völkerbundsrates auf Freitag, den 3. September verschoben werden wird. Man nimmt an, daß man hierdurch der tztudienkommissio« die Möglichkeit zum Abschluß ihrer Arbeiteu geben will. Der heutige und der morgige Tag könnten dadurch noch zu Verhandlungen der verschiedenen Delegierten dienen.
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Die Lage in Genf beurteilt man in zuständigen Kreisen mit ziemlicher Zurückhaltung. Wenn auch durch die Vereinbarungen in der Unter- kommission des Studienausschusses offenbar eine Regelung herbeigeführt werden konnte, die so ziemlich alle Meinungen auf eine emhertftche Basis vereinigt, so ist die Lage dennoch keineswegs restlos geklärt. Selbst wenn Polen vorbehaltlos der unter deutscher Mitwirkung zu- stande gekommenen Einheitsformel zustimmen sollte, so ist über di« Absichten Spa- J uiens trotz allem nichts authentisches zu erfahren. Auf seiner Reise nach Genf hatte Chamberlain eine einstündige Unterredung mit Bnand, über die man Stillschweigen bewahrt. Daß dre Tangerfrage dabei eine Rolle r «spielt haben wird, kann als selbstverständlich gelten. Auch daß die beiden Außenminister sich über eine einheitliche Stellungnahme s den spanischen Tangeransprüchen gegenüber schlüssig geworden sind, bedarf keiner besonderen Betonung.
Anders liegt es mit der Frage des spanischen Anspruches auf einen ftänbigen Ratssitz. Die r Fragestellung Spaniens: Tangermandat oder ständiger R a t s s i tz ist so eindeutig, / daß nur noch zwei Möglichkeiten übrig blei- r ben, nachdem man Spanien zu erkennen gegeben hat, Haß die Tangerfrage mit der Ratssitzfrage nicht verknüpft werden könne: entweder legt Spanien wie im März Brasilien ein Veto gegen den deutschen Ratssitz ein, falls ihm nicht gleichzeitig ein ständiger Ratssitz zuer- ihnnt wird, oder es zieht sich wie Brasilien vom Völkerbund zurück.
Vielfach begegnet man der Auffassung, daß hinter Spanien Italien stehe. Dabei übersieht man jedoch, daß in der französischen Presse, die Poincare nahe steht, jn den letzten Tagen übereinstimmend die Frage des deutschen Völkerbundseintrittes nach Gesichtspunkten erörtert wurde, die eine Inspirierung von Poincare nahe stehender Seite vermuten lassen. Nicht genug damit, daß man Deutschland beschuldigt. auf den verschiedensten Gebieten sn- nen Verpflichtungen den Alliierten gegenüber nicht nachgekommen zu sein, wird es mich verdächtigt, gegen den Völkerbund zu arbeiten. Ob ein Artikel, der am Mittwoch in der Londoner „Morning Post" erschienen ist, gleichfalls in diese Richtung zielt, läßt sich nicht ohne weiteres übersehen. An sich entwickelt der Verfasser des Artikels Gesichtspunkte über die Bedeutung des deutschen Völkerbundseintritts, die unanfechtbar sind und den deutschen Standpunkt wiedergeben könnten. Er weist nämlich unter anderem darauf hin, daß Artikel 1 des Völkerbundsstatuts die Souveränität der Mitgliedsstaaten behandelt und daß Artikel 10 des Statuts die Verpflichtung der Völkerbundsmitglieder festlegt, „ihre territoriale Integrität, gegenseitig zu achten". Aus Grund dieser Bestimmungen des Völkerbunds- ; statllts kommt das Blatt zu der Auffassung, daß Deutschland nach seiner Ausnahme in den Völkerbund die sofortige Zurück- ■ ziehling der Besatzung aus dem besetzten Gebiet verlangen werde.
Wenn das Blatt weiter zum Ausdruck bringt, daß die Begründung für das Weiterbestehen der fremden Besatzung am Rhein von französischer Seite in dem Sicherheitsbedürfnis Frankreichs gegeben wird ,während die Besatzung seinerzeit lediglich als Pfand für die Durchführung der Deutschland puferlegten Verpflichtungen ge- dachl war, so ist auch diese Darstellung richtig. Die Tatsache aber, daß das Blatt die Entwaffnungsfrage hierbei anschneidet und die in Locarno abgeschlossenen Sicherheitsverträge außer Betracht läßt, häßt zum mindesten die Vermutung zu, daß das Londoner Blatt mit der Erörterung dieser ganzen Probleme den Anstoß zu weiterer Behandlung in der deutsch- feindlichen Presse des Auslandes geben wollte. Man ist jedenfalls in politischen Kreisen geneigt, auch hinter diesem Artikel der Londoner »Morning Post" einen taktischen S ch a ch z u g
EkddeSMaWroOs nut den Amen W SM Sorte zerstört - Schwere ttewetter in Spanten
Lissabon, 1. Sept. Ein gewalri- ges Erdbeben hat am Dienstag fast die gesamte Stadt H o r t a ans den Azoren in Ruinen gelegt. Hunderte von Personen sind der Katastrophe zum Opfer gefallen. Eine Flutwelle, die vom Meere hereinbrach, vollendete die Zerstörung. Infolge der allgemeinen Verwüstungen ist es noch nicht möglich, den ganzen Umfang der Katastrophe zu übersehen.
Die portugiesische Regierung ist bereits unter Ausbietung aller Kräfte dabei, eine Hilsexpedition nach den Azoren auf den Weg zu bringe«. Zn erster Linie soll der schwer getroffenen Stadt Horta Hilfe geleistet werden, die zu drei Vierteln zerstört ist. Nähere Einzelheiten stehen noch aus, da alle Kabel unterbrochen sind. Man befürchtet jedoch, daß es sich um eine Katastrophe größten Ausmaßes handelt, da die telegraphische Verbindung erst nach Meldung der Zerstörung Hortas aufhörte, was auf eine Fortdauer und Verstärkung der Erdstöße schließen läßt.
Das Staatsdepartement in Washington erhielt ein Kabel des amerikanischen Konsuls in Horta, in dem dieser meldet, daß das heutige Erdbeben das schwerste in -ergänzen Geschichte der Azor en gewesen sei. Was in Horta von Häusern
noch übrig geblieben sei, sei stark beschädigt. Das amerikanische Rote Kreuz hat der obdachlosen und notleidenden Bevölkerung telegraphisch Hilfe angebotcn.
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Paris, 1. Sept. Der Postzug Barcelona-Valencia ist heute nachmittag in der Nähe von Tortosa infolge eines durch die starken Regengüsse der letzten Tage hervor- gerufenen Erdrutsches entgleiste. Dabei find 17 Personen getötet und 36 verletzt worden. Durch Unwetter sind weiter eine Reihe von Ortschaften überschwemmt worden. Die Zahl der dabei ums Lebe« Gekommenen beträgt 36.
sk Paris, 2. Sept. Wie „Journal" aus Madrid meldet, hat sich die Zahl der bei Tortosa verunglückten Pafiagiere auf 24 lote und 88 Verletzte erhöht.
Die Unwetter-Katastrophe in Spanien.
fk B e r l i n, 2. Sept. Zu der Unwetter- Katastrophe, die Barcelona und Umgegend heimgesucht hat, wird noch gemeldet, daß über Barcelona ein furchtbarer Wirbel st urm niederging, der zahlreiche Häuser nieder riß. Bisher zählt man 3 0 Tote und viele Verletzte.
Poincares zu sehen, der sich ja Briand gegenüber Vorbehalten hat, die Richtlinien zu bestimmen, die er in Genf als Führer der französischen Delegation einzuhalten haben wird.
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AMtetz ter Norberten»««»
Spanien enthält sich der Stimme
6 e n f, 1. Sept. Die heutige Vollsitzung der Studienkommissiou hat den neuen Entwurf zur Reform des Völkerbundsrates, der die nicht- standigen Sitze betrifft, mit allen Stimmen bei Stimmenthaltung Spaniens angenommen.
In der Vormittagsausfprache betonte Lord Robert Cecil, über die Erweiterung des Völkerbundsrates werde endgültig dieser selbst zu entscheiden haben, während über die Modalitäten der Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder die Bundesversammlung zu entschließen habe. Aufgabe der Studienkommission sei es lediglich, Ratschläge zu erteilen und neue Vorschläge auszuarbeiten. Die Studienkommission habe sich auch mit den Wünschen verschiedener Staaten auf eine kontinuierliche Teilnahme an den Ratsverhandlungen zu beschäftigen. Die Studien- kommission habe von vornherein den lebhaften Wunsch gehabt, alle legitimen Wünsche so weit wie möglich zu berücksichtigen und insbesondere den Wünschen Spaniens das so große Verdienste an dem Völkerbund habe, Rechnung zu tragen. Um diesen Wünschen der verschiedenen Staaten entgegenzukommen, seien die nichtständig wieder wählbaren Ratssitze geschaffen und nunmehr auch Der Artikel 3 des ursprünglichen Vorschlages der Studienkommission aufgehoben worden. Nach Lord Robert Cecil sprachen die Vertreter' Japans und der Tschechoslowakei, die gleichfalls ihre Zustimmung zu dem Projekte aussprachen.
Daraus erklärte Unterstaatssekretär Siör«’ borg namens der schwedischen Regierung, sie hätte ein einfaches System der Rotation den Bestimmungen der Wiederwäbl- barkeit vorgezogen. Das vorliegende Projekt gehe noch über das Mai- Projekt hinaus; die schwedische Regierung sei jedoch bereit, im Geiste der Verständigung die neuen Opfer zu tragen, dir ihr das Projekt auferlege, falls es einstimmig Annahme finden würde.
Im Namen Italiens erklärte S c i a l o j a: Die Unterkommission habe heute das Beste geleistet, was von ihr erwartet werden konnte. Er wandte sich darauf an den Vertreter Spaniens und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Spanien die Bemühungen und Empfindungen der Studienkommission würdigen werde. Spanien, das bisher so wertvolle Arbeit im Völkerbund geleistet hätte, dürfe nicht von heute auf morgen seine Stellung ändern und ausscheiden.
Der chinesische Vertreter erklärte, daß China den Anspruch auf einen ständigen Ratssitz hätte, doch wolle es in Anbetracht der Situation sich mit einem halb- ständigen begnügen. China erwarte aber, daß die Studienkommission sich ausdrücklich dafür ausspreche, daß ihm ein nichtständiger Ratssitz zuteil werde.
Nach dem chinesischen Vertreter nahm der polnische Delegierte das Wort. Er sagte: Polen wolle die Einstimmigkeit nicht beeinträchtigen und sei daher bereit, wenn auch mit gewissen Besorgnissen, dem Projekt zuzu stimmen.
Der spanische Vertreter gab darauf die folgende Erklärung ab:
1. wird Spanien sich bei der Annahme des Projektes der Stimmeenthalten,
2. möchte ich im Namen der spanischen Regierung allen Vertretern, die sich hier in der Studienkommisfion so freundlich an Spanien gewandt haben, meinen herrlichen Dank aussprechen.
Um y22 Uhr teilte Präsident Motta die Annahme des Entwurfs mit. Er enthält die einzige Aenderung, daß die Reihenfolge der Artikel umgestellt wird und daß Artikel 3 an die erste Stelle, der Artikel 1 an die zweite Stelle und der Artikel 2 an die dritte Stelle kommt. Motta verzeichnete gleichzeitig den Vorbehalt, den Polen gegen Artikel 4, §. 3 in Bezug auf die Wiederwählbarkeits-» ertlärung durch die Völkerbundsversammlungen vom Jahre 1927 und 1928 auf- gestellt hatte, ferner den Vorbehalt Italiens, daß -die Gesamtz'ahl der Ratsmtt- glieder niemals 14 übersteigen solle und" daß bei ber etwaigen späteren Schaffung neuer ständiger Ratssitze die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder wieder entsprechend herabgesetzt werden müßte und schließlich einen Vorbehalt Schwedens hinsich- lich der Erhöhung der nichtständigen Ratsmitglieder von sechs auf neun. • -
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Die Studienkommission hat in der Nachmittagssitzung ihre Arbeite« beendet. Es wurde beschlossen, von einer Vermehrung der ständigen Ratsfitze abzusehen. Der deutsche Vertreter enthielt sich bei diesem Beschlüsse der Stimme, ebenso der spanische Vertreter, der sich mit seiner Regierung vochin Verbindung setzen will, damit sie zu der in der heutigen Nachmittagsfitzung zum Ausdruck gekommenen Auffassung der einzelnen Kommissionsmitglieder Stellung nehmen kann. Bei der Einheitlichkeit der Auffassung erübrigte sich eine Abstimmung.
Der spanische Delegierte P a l a c io s, der zu Besinn der Sitzung sich auf die Erklärung beschränkt batte, daß seine im Mai für den spanischen Anspruch vorgebrachte Argumente auch beute unverändert weiter gelten, dankte zum Schluß der Aussprache für die Würdigung, die Spanien am Ausschuß zuteil geworden sei. Die Aussprache habe zu einer ganz klaren und deutlichen Kundgebung geführt, die es seiner Regierung ermöglichen werde, entsprechend dem noch vorzulegenden Bericht die Lage und die in der beutigen Sitzung von allen Seiten zum Ausdruck gebrachten lebhaften Wünsche auf weitere Mitarbeit Spaniens zu prüfen. Er persönlich werde mit aller Loyalität seine Regierung über die im Ausschuß vorgebrachten Erwägungen und Wünsche unterrichten. .
Wie der Vorsitzende mitteilte, soll dem Völkerbundsrat mit dem Bericht über die Frage der nichtständigen Ratssitze, der morgen nachmittag um 6 Uhr dem Vollausschuß vorgelegt werden soll, das Protokoll mit dem beute nachmittag im Ausschuß abgegebenen Erklärungen zum spanischen Anspruch zugeben. Präsident Motta schloß die heutige Sitzung mit der Bemerkung:
Die Aufgabe des Ausschusses könne nnlu, mehr für abgeschlossen angesehen werden. Er fügte die Erklärung hinzu, daß es außer Zweifel stehe, daß Deutschland im Augenblick seines Eintritts in den Völkerbund einen ständigen Ratssitz erhalte« soll.
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2lin 31. August ist das zweite Dawesjahr zu Ende gegangen. Während im ersten Jahr die an den Reparationsagenten geleisteten 1000 Millionen fast ausschließlich aus der sogenannten Dawesanleihe stammten, sind die Zahlungen des zweiten Jahres in der Höhe von 1220 Millionen aus der deutschen Wirtschaft aufgebracht worden. Rus den einzelnen belasteten Positionen wurden abgeführt:
vom Reich 800
von der Eisenbahn . . , . , 200
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1925/26
von der Eisenbahn . . . » • 39a
von der Industrie.....125
vom Reich an Stelle der Eisenbahn-
obligationen , . . - 500
1220
Der Plan sieht für das Dawesjahr 1926/27 eine geringe Senkung der zu leistende:: Zahlungen vor. 3m ganzen ist ein Betrag von 1200 Mill. Mk. an das Reparationskonto abzuführen. Die einzelnen Positionen sind:
. Mill. J(
Allgemeine Reichseinahmen mit . -ilO
Beförderungssteuer mit .... 290
Reichsbahn mit ..,•■> 550
Industrie mit 250
< 1200
Wichtig ist nunmehr das Wie dieser Zahlung. In Deutschland ist man sich darüber einig, daß die Reparationszahlungen allein in der Form des Warenexports geleistet werden können. Ebenso einig aber :st man sich in den Gläubigerländern, diesen deutschen Export durch hohe Schutzzollwallc vpm eigene« Wartte fernzuhalte«. Es kann