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Man rechnet mit seinem Austritt

San S e b a st i a n , 31. 2lug. Der spanische Minister des Auswärtigen veröf­fentlicht eine offiziöse Note, |n der es heißt: .Spanien ist der Meinung, daß die end­gültige Lösung der Tangerfrage darin bestünde, diese Stadt und ihre Umge­bung der spanischen Protektorations­zone in Marokko einzuverleiben. Diese Ein­verleibung sollte selbstverständlich auf folgen­den Grundlagen erfolgen: Verbot, den Platz zu befestigen oder ihn zu einer Flotten- oder Luftbasis auszubauen, Gewäh­rung der Handelsfreiheit und Schaf­fung einer Verwaltung und einer Gerichts­ordnung, die die gleiche für alle wäre. Die spanische Regierung hat niemals die An­regung ausgesprochen, daß der Völkerbund, der nach ihrer Meinung, wie übrigens nach derjenigen aller direkt interessierten Regie­rungen dem ganzen Problem fernsteht, ihr ein Mandat erteilen sollte. Die auf der falschen Voraussetzung, daß Spanien um dieses Mandat ersucht habe, gegründeten Schlußfolgerungen sind infolgedessen unzutref­fend. Der Zusammenhang, der nach spanischer Meinung zwischen der Tanger­frage und Spaniens Stellung im Völ­kerbund existiert, ist durch den Umstand be­dingt worden, daß eine neue Priifung des Tangerproblems in dem Augenblick vMe- * nommert wurde/ wo^HAinien um Ks Opfer gebeten wurde, trotz der Nichterfüllung seiner rechtmäßigen Forderung eines permanenten Ratssitzes im Völkerbund zu bleiben."

Genf, 31. Aug. Wie der Genfer Vertre­ter der Telegrap^n-Union von maßgebender englischer Seite erfährt, ist die englisch: De­legation für die Studienkommission mit ge­nau fest gelegten Instruktionen nach Genf gekommen . Dies: Instruktionen be­sagen, daß sich die englisch: Delegation mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund einsetzen und alle diejenigen Bestrebungen bekämpfen soll, die dagegen gerichtet sind. Die englische De­legation hat weiterhin die strikte Weisung, über die Tangerfrage in Genf unter keinen Umständen zu verhandeln, da das Tangervroblcm mit dem Völkerbund in deinem Zusammenhang steht. Sollte wider Erwarten die spanisch: Regierung aus der Ab­lehnung ihrer Forderung auf einen ständigen Ratssitz die Konsequenz ihres Austritts aus dem Völkerbund ziehen, so könne die briti­sche Regierung davon nur mit Bedauern Kenntnis nehmeif.

DieTimes" berichtet, daß die briti­sche Antwort auf das spanische Tanger- memorandum gestern nach Madrid abge­sandt sei. Sie sei ganz kurz und drück: die Ansicht aus, daß eine freundschaftliche Er­wägung des spanischen Anspruches auf Aende- rung des bestehenden Statuts nicht außer Frage stehen würde, wenn die Zustimmung der übri­gen interessierten Mächte erzielt werde. Da jedoch die ftanzösische Regierung bereits er­kannt habe, daß Spanien kein Anrecht auf die Tangerzone habe, bestehe eine Grundlage für eine Konferenz augenblicklich nicht. Auf reden Fall würde Genf kein geeigneter Platz bür eine solche Erörterung sein, während die Völkerbundsversammlung tage.

Der diplomatische Berichterstatter des >,Daily Telegraph" schreibt: Cham­berlain, der Spaniens Austritt aus dem Völkerbünde tief bedauern würde, habe sich trotzdem völlig darauf gefaßt ge­wacht, mit dieser Möglichkeit zu rechnen.

Auch derDaily Expreß" meldet aus Gens, man sei dort augenblicklich allgemein der Ansicht, daß Spanien aus dem Völker­bünde austreten werde.

Frankreichs Antwort an Spanien.

Paris, 31. Aug. Havas meldet aus Ma­drid: Die französische Antwort auf die Rote der spanischen Regierung über die T a n - «erfrage spreche sich nicht so entschieden wie diejenige Großbritanniens gegen die Einberu- mng einer internationalen Konferenz aus. Sie weise darauf hin, daß Frankreich und Spanien c,t mehreren Jahren in Marokko zusam- wenarbeitcn, ohne daß Madrid die Tanger- krage aufgerollt habe.

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Sie MbertvWbarkit von drei niMändi gm RatSMWekern wird schon 1928 feiigelegt

Genf, 31. Aug. Der Unterausschuß der Studienksmmisfion bat heute vormittag in dreistündiger nichtöffentlicher Sitzung seine Be­ratungen ausgenommen. Wie bekannt wird, konnte man sich bei der Aussprache im wesent­lichen auf die bei der ersten Tagung des Prü­fungsausschusses ausgearbeiteten Vorschläge einigen, wohei jedoch die Sperrklausel endgültig fallen gelassen wurde. Der Unterausschuß will ferner in Ahänderung der ersten Vorschläge eine Formel ausstellen, die es ermöglichen würde, ausnah msweise bei der im kommenden September erfolgende» Neuwahl der nichtständigen Rats Mitglieder ssfort durch die Versammlung die Wiederwählbarkeit f e st st eilen zu lassen, wogegen bei allen sväteren Wahlen die Wiedcrwählbarkeit entsprechend den Mai- vorschlägrn erst beim Ablauf des Mandats be­stimmt werden soll. Fromageot wurde be­auftragt, heute nachmittag dem Unterausschuß eine entsprechende Formel vorzu legen. Auch soll heute nachmittag die Frage zur Entschei­dung gebracht werden, ob die Ausschei­dung der nichtständigen Ratsmit- Bliebet bei den Wahlen von 1927 und 1928 gemäß dem französischen Abänderungsvorschlag durch das Los erfolgen soll, oder ob, wie ur­sprünglich vorgesehen, die Versammlung zur Ingangsetzung drs Rotatioussystems bei der bevorstehenden Wahl drei Kategorien von nichtständigen Ratsmitgliedern mit ein­jährigem, zweijährigem oder dreijährigem Mandat wählen soll.

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Unterausschuß des Prüfungsausschusses unter Vorbehalt der Zustimmung des polnischen Ver­treters Sokal, der seine Stimme erst heute bei der Abstimmung im Vollausschuß abgeben will, für die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder ausgestellt hat, haben folgenden Wortlaut:

Artikel 1: Die nichtständigen Mitglieder des Rates werden für die Dauer von 3 Jahren gewählt. Sie treten ihr Amt sofort nach ihrer Wahl an. Jedes Jahr wird ein Drittel der Mitglieder gewählt.

Artikel 2: Ein ausscheidendes Mitglied kann während der auf den Ablauf des Man­dats folgenden 3 Jahre nicht wiederge- wählt werden, es sei denn, daß die Bundes­versammlung beim Ablauf des Mandats oder im Laufe dieser 3 Jahre mit % Mehrheit anders beschließt. Jedoch darf die Zahl der auf diese Weise wieder gewählten Mitglieder nicht mehr als % der Ge­

samtzahl der im Rate fitzenden nichtstän­digen Mitglieder betragen. e

Artikel 3: Die Zahl der nichtständigen Mitglieder wird auf 9 erhöht.

Artikel 4: Uebergangsbestimmungen: § 1. Im Jahre 1926 werden 9 nichtständige Mitglieder des Rates von der Bundesver­sammlung in der Weise gewählt, daß alle drei Jahre drei für 3 Jahre, drei für 2 Jahre und drei für 1 Jahr gewählt werden. § 2. Von den im Jahre 1926 auf diese Weise gewählten 9 Mitgliedern können durch eine Entscheidung der Bundesversammlung, die in besonderer Ab­stimmung mit % Mehrheit zu treffen ist. höch­stens drei als wieder wählbar er­klärt werden. § 3. Durch die Eigenschaft der Wiederwählbarkeit, die im Jahre 1926 i m v o r a us eins oder zwei oder drei der wieder gewählten Mitglieder »verkannt wird, bleibt das Recht der Bundesversammlung unberührt, in den Jahren 1927, 1928 und 1929 kann zu­gunsten anderer als den aus dem Rat ans- kcheidbsren nichtständigen Mitgliedern von den in den Artikeln vorgesehenen Befugnissen Ge­brauch gemacht werden. Es versteht fich in­dessen, daß, sofern bereits drei Mitglieder 1926 die Eigenschaft der Wiederwählbarkeit besitzen, die Bundesversammlung von jener Befugnis nur in besonderen Ansnahmefällen Gebrauch machen wird.

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Die einzige Aendernng gegenüber d:n Be­schlüssen vom Mai bezieht sich auf die Urber- gangszeit. Rach den heutigen Beschlüßen er­folgt die Bezeichnung der drei während der Ucbergangsperiode wiederwählbaren Mitglie­der schon 1 926. Diese Bestimmung wird ergänzt durch eine andere Bestimmung, wonach die Bundesversammlung die Möglichkeit be­hält, in den den Jahren 1927, 28 und 29 in besonderen Ausnahmefällen an Stelle der 1926 für wiederwählbar erklärten Staaten auch andere Staaten als wiederwählbar zu er­klären. Macht die Bundesversammlung in den Jahren 1927, 28 oder 29 von dieser letzten Befugnis Gebrauch, so hat das zur Folge, daß, da nur wiederwählbare Mitglieder int Rate sitzen dürfen, eine entsprechende Anzahl der im Jahre 1926 für wiederwählbar erklärten Staaten tatsächlich für eine Wiederwahl nicht mehr in Frage kommt. Uebrigensbleibt zu beachten, daß der Beschluß über die Wieder- wähibarkeit nicht gleichbedeutend ist mit der tatsächlichen Wiederwahl. Ein für wicder- wählbar erklärter Staat muß sich vielmehr nach Ablauf seines Mandates in gleicher. Weise, wie me übrigen auftretenden Kandidaten zur Wahl stellen.

Die Stimmung in Tanger.

fk London, 1. Sept.Westminster Ga­zette" berichtet aus Tanger, die Nachricht von der Weigerung der Regierung Großbritanniens und Frankreichs, die Ueberlassung von Tanger an Spanien als eines Teiles seines Protekto­rates zu erwägen, habe in der französischen Kolonie Jubel hervorgerufen, in der spani­schen Kolonie aber Empörung geweckt. Von der Verwaltung wurde alles getan, um einen Konflikt zwischen den beiden Gruppen zu verhindern.

Chamberlain in Paris.

fk Paris, 1. Sept. Chamberlain ist gestern in Paris eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnhof von Briand empfangen, mit dem er eine längere Besprechung hatte. Abends reiste Chamberlain nach Genf weiter.

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KnegWnltensragt?

Paris, 30. Aug. Nach einer heute vormit­tag in Genf eingetroffenen Meldung aus Washington bat eine autorisierte Persönlichleit des Weißen Hauses zum ersten Mal amtlich zu verstehen gegeben, daß die amerikanische Re­gierung eine Initiative in künftiger Äv-ise prü­fen könnte, die dazu bestimmt wäre, die Re­gelung der Kriegsschulden zu re­vidieren. Der offizielle Sprecher des Wei­

ben Hauses habe erklärt, daß eine eventuelle Streichung der Schulden unabhängig von der Autorität der amerikanischen Schuldenrege­lungskommission wahrscheinlich nicht ohne ein besonderes Mandat des Volkes, von dem ur­sprünglich das Geld geliehen fei, erfolgen »?une. Die Schuldenreguliernngsfrage dürfte über kurz oder lang wieder aufgerollt und auf ganz neuer Grundlage geprüft werden. , DieNew York Times" bespricht in einem Leitartikel den Vorschlag des vor­maligen Kriegssekretärs Newton Baker über die Schn l den st re ichung und ist

Ansicht, daß eine vernünftige Achulden- politik pirst dann zu erwarten sei, wenn Bevöckerung und Kongreß eingesehen hätten, yallen, daß die Einforderung der ungeheu- ren Zinszahlungen von den Amerika ver­schuldeten europäischen Völkern nicht im Interesse Amerikas liege. Diese Einsichr tonne rckscher kommen, als man annehme. Die offene Feststellung des Problems, wie sre Baker in seinem jüngsten Artikel unter­nommen habe, und die sich hieran anknüp- fende Erörterung würden auf den Stim­mungsumschwung beschleunigend wirken.

Dagegen meldet Renter Coolidge habe erklärt, er sei der Ansicht, daß kein Grnnd bestehe, irgend eine AenVe­rn n g der Politik der Regiernng In 6et Frage der den Vereinigten Staaten vom Anstand ge­schuldeten Beträge vorznnehmen-

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Primo de Riveras Rücktritts-Angebot.

London, 31. Ang.Evening News" be­richtet ans San Sebastian: Angesichts des Konfliktes zwischen Primode Rivera und den Artillerie- nnd Kavallerieoffizieren erwartet man, daß der Kriegsmiuister de Tetnan durch General Sarro ersetzt werden wird, der die spanischen Truppen bei der Landung in der Bucht von Alhucemas führte. Primo de Rivera soll auch selbst seinen Rücktritt angeboten haben, doch habe der König ihm befolgen, auf seinem Posten zn bleiben, bis der Konflikt we­gen der Beförderung der Offiziere beigelegt sei.

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Die Einnahme von Hankau noch nicht bestätigt.

ft London, 1. Sept.Times" meldet aus Schanghai, die dort umlaufenden Ge­rüchte, daß Hankau von den Kantonirupven eingenommen sei, fei vollkommen unbestä­tigt. In einem Leftartikel schreibt indessen Times", es könne kein Zweifel bestehen, daß den Heeren Wupeifus eine ernste Niederlage von den Südtruppen zugefügt worden sei. Die Einnahme Hankaus und seiner Nachbarstädte durch die Kantontruppen müßte im Lause der Ereignisse das übrige China beeinflussen.

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Polen als französischer Borposten der

Ostsee."

Die Kopenhagener ZeitungPolitiken* beschäftigt sich in einem leitenden Artikel ihrer Ansgabe vom 28. August mit dem der politischen Kräfte in der Ostsee. Das dänische Blatt schreibt, daß eine französische Flottenabteilung im September der Ostsee einen Besuch abstatten wolle. Diese Mit­teilung sei von polnischer Seite ergänzt mit der nicht uninteressanten Nachricht, daß die französischen Kriegsschiffe Manöver abhaltcn und sich dabei des Hafens von Gdingen als Basis bedienen würden. Dadnrch werde die Bedeutung Polens als französi­scher Vorposten der Ostsee unter« strichen. Weiter zeige sich, daß sich nicht nur im Mittelmeer ein großpolitisches Spiel entfalte, sondern auch in der Ostsee. Dazu komme, daß Finnland, Estland und Lett­land in der letzten Zeit sich bereit erklärt hätten, mit Rußland Freundschaftsverträge abzuschlreßen. Das sei ein russischer Versuch, sich die Neutralität dieser Staaten bei einem etwaigen russisch-englischen Kriege zu sichern. Der Gegensatz zu Eng­land sei und bleibe ein wesentliches Leit­motiv in der russischen Außen­politik; zugleich gehe diese Politik da­rauf aus, die Bedeutung des Völkerbundes zu untergraben, denn durch die Neutrali­tätsverträge würden diese Staaten verpflich­tet, f ich in gewissen Fällen der Pflicht der Völkerbundsmitglleder zu entziehen, gegen eine angreifende Macht mit durch Dick und Dünn zu gehen. Seinen großen Trumpf habe Tschitscherin ausgespielt, als seiner­zeit der deutsch-russische Vertrag auf Lo­carno folgte. Der Sturm, der damals in Paris und Prag losbrach, habe sich gelegt, weil man stch mit einer unabänderlichen Tatsache wenn auch einer unbequemen habe abfinden müssen. Kurz hinterher habe Tschitscherin sich an Litauen gewandt, und es verlaute, daß ein litauisch-russi­scher Neutralitätsvertrag eine kleine Ueberraschung in Genf bilden werde. Auch mit Finnland, Estland und Lettland verfolge Tschitscherin gleiche Ziele. Im übri­gen sei bte Stellung der drei Staaten sehr verschieden. Der ftanzösische Gedanke, eine befestigte, zusammenhängende Linie vom Schwarzen Meer bis zum Weißen Meer auszubauen, sei nicht mehr aktuell, nach­dem Finnland sich geweigert habe, sich einem baltisch-polnischen Bund anzuschließen. Est­land und Lettland bedroht von dem russischen Druck gegen die Ostsee seien dadurch in eine schwierige Stellung gekom­men. Sie könnten nicht mehr absolut mit Finnland rechnen. Ferner wüßten sie, daß England fich niemals im voraus binde. Deswegen suchten sie mehr und mehr eine südliche Orientierung. Geschehe das, dann müßten die französischen Porposten in der Ostsee von Gdingen weiter nach Norden rücken. England binde sich nicht, aber es unterlasse nie, fich dort zu zeigen, wo seine Interessen lägen. Man dürfe sich deshalb nicht wundern, wenn auch eine englische