Sonnabend, den A..A11M ms
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Kreum ßmdrnhurg wlrösr gesunken
Berlin, 27. Aug. Wie die „Tag"Aus- gabe aus London meldet, wurde der bei Scava Flow versenkte Kreuzer „Hindenburg", der nach 3 Monaten langer Arbeit von den Eng ländern gehoben worden war, pon einem heiligen Nordweststurm gegen ein Dock geschleudert. Dabei wnrde er so schwer beschädigt, daß er sofort «nterging und eins der Tauchboote mit sich riß.
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Sie TMArteilr in Angora vrliWM
Angdra, 27. Aug. Dir Hinrichtung der wegen angeblicher Verschwörung gegen Kemal Pascha zum Tode Verurteilten hat beute in frühester Morgenstunde stattgesunden.
In der nächsten Woche wird in Angora ein neuer Verschwörerprozeh beginnen. Abdul Kadir ist bekanntlich vor kurzem an der türkischen Grenze verhaftet worden. Die türkische Polizei hat in der letzten Zeit zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Es -handelt sich um die Festnahme von Personen, die Abdul Kadir Zuflucht und Unterstützung gewährt hatten.
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Entwurf eines ruWK-ssliMm SKieMerlmgß
ff. Moskau, 28. Aug. Das Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten veröffentlicht folgende amtliche Meldung: Der bevollmächtigte Vertreter der Sowjet-Union in Warschau überreichte in diesen Tagen dem volni- schen Minister des Aeuhern den Entwurf eines Earantieoertrages, in dem festgelegt werden soll:
1. Beiderseitige Enthaltung von jedem aggressiven Vorgehen,
2. Verpflichtung beider Parteien im Falle eines Angriffes gegen die andere Partei Neutralität zu wahren,
3. Nichtteilnehmer an einem gegen die andere Partei gerichteten Abk-mmen politischer oder wirtschaftlichen Charakters.
t. Entscheidung etwa strittiger Fragen durch eine Einigungskommission.
Die Sowjet-Regierung wünscht, den Vertrag während des für August geplanten Besuches Zaleskis in Moskau unterzeichnet zu sehen, doch ist der Besuch Zaleskis auf spater verlegt worden.
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Der MMbejtersrreLk
Ter „Time s" zufolge verlautet, daß auf den gestrigen Besprechungen zwischen den Bergarbeiterführern und der Regierung keine Fortschritte in Richtung auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen für die Regelung des Kohlendisputs gemacht wurden. Die „M o r n i n g Post" sieht den wirklichen Zweck des Besuches der Bergarbeiterführer in Downing Street darin, die weitere Rückkehr von Bergarbeitern zur Arbeit zu verhindern.
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Sem Minderbeilen-Koiisreß
Genf, 27. August. (WTB.) Der Kongreß der nationalen Minderheiten hat heute vormittag eine Resolution angenommen, welche die Ratifizierung der Konvention von Rom aus dem Jahre 1922 über den Schutz der Staatsbürgerrechte sowie die An- nalWne der Empfehlungen des Versailler Vertrages, welche aus die nationalen Minderheiten Bezug nehmen, unter einer gemeinsamen Formel verlangt. Eine weitere Resolution verlangt die strikte Anwendung des^ Stimmrechts sowohl für die Minderheiten wie auch die Mehrheiten und die Garantierung einer Vertretung im Parlament für die Minderheiten, welche ihrer Bedeutung entspricht.
M neue WiwiffmmsWn
IrOWnd hält sein AuMm.'MÄ aür.W
B c r l i n, 27. Aug. Wie der „L. A." bereits meldete, bringt nunmehr auch das „B. T." die Nachricht, dah die Botschafterkonfe- rcnz dem deutschen Botschafter in Paris am 17. August drei Verbalnoten überreicht hat. Die Noten beschäftigen sich laut „B. T." u. a. mit den Rechtsoerbänden, deren militärische Tätigkeit verboten werden soll, sowie mit der vorübergehenden Ein- stellung von Mannschaften in die Reichswehr. Auch wird beanstandet, dah von deutscher Seite Beschwerden der Mtlitär- kontrollkommission nut schleppend berücksichtigt würden. Während der „2. A." meldet, dah die Noten ultimativen Charakter trügen, will das „B. T." wissen, dah ihr Ton korrekt sei.
ff. Berlin, 28. Aug. Eine Bearbeitung der 3 neuen Entwaffnungsnoten der Botschat- terkonserenz. die ici* einer Woche in Berlin Vorlagen, hat, wie der „Lokal- Anzeiger" schreibt, noch nicht stattgefuu- dcn, da der Vorsitzende der deutschen Eutwasf- nuugskommission, General von P a w e! s z, erst gestern vom Urlaub nach Berlin zuriickge eedrt ist. Jedenfalls seien nach der „Täglichen Rundschau" wesentliche Differenzen bezüglich der Abrüstung Deutschlands nicht mehr vorhanden, und was daran vorhanden sei, werde bis zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erledigt sein. Im Gegensatz dazu verzeichnet der „Vorwärts" die Möglichkeit, dah über den Inhalt der Note in Genf gesprochen werde.
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Die parlamentarischen Verhandlungen über die Völkerbundsfrage, d. h. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, find in Deutschland abgeschlossen, nachdem der Auswärtige Aus» schusz des Reichstages am Donnerstag die Haltung der Reichsregierung in dieser Frage mit Mehrheit gutgeheißen und einen kommunistischen Antrag auf Zurückziehung des deutschen Eintrittsgesuches abgelehnt hat. Deutschland hält also seinen Antrag aufrecht unter den vom Reichskanzler Dr. Marx in Heiner Breslauer Rede nochmals betonten bekannten deutschen Voraussetzungen.
Die diplomatischen Bemühungen, diese Voraussetzungen und damit einen glatten Aufnahmeverlauf für Deutschland sicherzustellen, sind dagegen noch nicht abgeschlossen. Sowohl Spanien wie auch Polen halten ihren Anspruch auf einen ständigen R a t s f i tz aufrecht. Der bisherige Verlauf der in dieser Frage geführten diplomatischen Sondierungen läßt aber die Hoffnung zu, dah sich aus diesen spanisch-polnischen Ansprüchen keine ernsteren Gefahren für den programmähigen Verlauf der S e p t e m be r t a g u n g des Völkerbundes ergeben dürften.
Anders verhält es sich mit der Frage der nicht ständigen Ratssitze und besonders mit den von dem belgischen Auhen- minister angeschnittenen Fragen bei? „Retou- chierung des „Cecilschen Antrags". Diese Re- touchicrung wird aber, wie wir hören, weniger darin bestehen, dah die Dauer der nichtständigen Ratssitze verlängert oder für die Wieder- Wählbarkeit eine andere Formulierung festgesetzt wird. Vielmehr dürsten die angestrebten Abänderungen darin bestehen, dah dem Wunsche einzelner Mächte, ihre Wiederwählbarkeit bereits jetzt im September feftzulegen, stattgegeben wird. Es ist unschwer zu erkennen, dah sich hinter diesen Abänderungsanträgen Bestrebungen verbergen, den spanischen und polnischen Wünschen auf ständige Ratssitze durch die Zusicherung sogenannter halbständiger Ratssitze entgegenzukommen. Aus den jüngsten Erklärungen Danderveldes aber weih man ,dah auch Belgien Anspruch auf Wiederwahl 'erhebt, von der Tschechoslowakei hört man ähnliches usw. Es wird also eine größere Anzahl von Anwärtern auf die Wiederwahl vorhanden sein, die nicht sämtlich Berücksichtigung finden können, da nach den Mai-Beschlüssen der Studienkommission von den neun nichtständigen Ratsmitgliedern nur drei für die Wiederwahl in Frag« kommen. Da die Entscheidung über oll diese Ansprüche in letzter Instanz bei der Vollversammlung des Völkerbundes liegt, die : mit Zweidrittelmehrheit zu beschließen hat, so
kann jedenfalls von vornherein eine sichere Garantie für die Wiederwahl eines bestimmten Anwärters nicht gegeben werden.
Der Besuch des sranzöskschen juristischen Sachver st ändigen Fro- m a g e o t in Berlin hängt jedenfalls mit den von Sir Cecil Hurst ausgehenden Bemühungen zusammen, eine gemeinsame Basis für die Ausräumung der bestehenden^Schwierigkeiten zu schaffen. Die in Berlin zwischen Fro- mageot und Dr. Gaus zustande gekommenen Vereinbarungen, die sich mit den Anregungen Sir Cecil Hursts decken, bedürfen jedoch noch der Billigung der in Frage kommenden Kabinette. Jedenfalls hat weder die französische noch die englische Regierung bisher hierzu Stellung genommen. ..
Was die Stellungnahme der Reichsregierung angeht, so liegt auch von dieser Seite eine Entscheidung über die neuen Vorschläge noch nicht vor. Wie es heißt, wird aber das Kabinett noch vor Zusammentritt der Studienkommission sich mit der neuen Lage befassen, um dem deutschen Vertreter in der Studienkommission, Baron von Hoesch, den erforderlichen Rückhalt für seine Stellungnahme in Genf zu geben. Baron von Hoesch ist Freitag mittag in Berlin eingetroffen, einmal um sich zu seinen Verhandlungen in Genf die nötigen Vollmachten und Richtlinien geben zu lassen, zum anderen, um eingehenden Bericht über seine Unterredung mit dem sranzösischen Außenminister Driand zu erstatten.
Heber hie Z u s a m m e n s c tz u nn g der deutschen Völkerbundsdelegation, die am 6. bezw. 7. September Berlin verlassen wird, hat das Reichskabinett eine endgültige Entscheidung noch Nicht getroffen. Es liegt vorläufig nur ein grundsätzlicher Beschluß der Reichsregierung vor, in die deutsche Delegation diesmal auch Parlamentarier zu entsenden, die als vollberechtigte Delegierte Deutschland in den einzelnen Völkerbundskommissionen vertreten sollen. Das Kabinett hat sich aber die Ernennung der einzelnen parlamentarischen Persönlichkeiten Vorbehalten, ohne Vorschläge der einzelnen Fraktionen hierzu entgegenzunehmen. Diese Stellungnahme der Reichsregierung ist deshalb erfolgt, um die Persönlichkeiten so auswählen zu können, wie es nach Aufsassung der deutschen Regierung der deutschen Außenpolitik am zweckdienlichsten ist. Die Regierung wird sich deshalb auch nicht auf Persönlichkeiten der Regierungsparteien beschränken, sondern ihre Auswahl auch auf die Parteien der Opposition ausdehnen. Führer der Delegation wird Reichsaußenminister Dr. Stresemann sein, während der Reichskanzler nur nach Genf gehen wird, falls auch die Regierungschefs anderer Länder ihre Völker- bundsdelegationen begleiten sollten.
Solen will keine,Nonbeten Schwierigkeiten" machen
Paris. 27. Aug. Ju d-r Umgebung des in Paris weilenden polnischen Außenministers Zaleski wird erklärt, daß Polen nicht die Absicht habe, auf der kommenden Völkerbundstagung besondere Schwierigkeiten ru machen. Die polnische Regiernng werde sich mit einer gewissen Abänderung der Cecilschen Vorschläge über die Neuorganisation des Völkerbundsrates zufrieden geben. Für die nichtständigen wieder- wählbaren Ratssitze, die für Polen und Spanien in Aussicht genommen seien, müße jeweils automatisch nach Ablauf der für sie festgesetzten Frist eine Verlängerung geschaffen werden, um hierdurch die Schwierigkeiten einer Neuwahl, die stets von bedauerlichen Intrigen begleitet sei, zu vermeiden. Polen komme es in erster Linie darauf an, das Recht zu dauernder Mitgliedschaft im Völkerbundsrat zu erhalten, gleichgültig, welcher Art sie wäre, da im Völkerbundsrat jede augenblicklich für Polen wichige Frage entschieden und beraten werden könnte. Polen müsie sich in Zukunft selbst im Völker- bund verantworten können, ohne die Hilfe der Alliierten in Anspruch nehmen zu müssen. -....... > . v « -
WkttMHMtden
„Europa geht einer unvermeidlichen Umwandlung entgegen; sie aushalten wollen, hieße seine Kraft in einem nutzlosen Kampfe zersplittern; sie begünstigen wäre Kräftigung der Hoffnungen und des Willens Aller."
Ist das das Bekenntnis eines Pazifisten? Das Programm eines Ideologen? Die Pro- phezeihung eines Sehers?
„Die Stellung meines Sohnes wird nicht frei von unermeßlichen Schwierigkeiten fein. Er möge mit Zustimmung Aller das tun, was durch die Gewalt der Waffen zu erstreben die Umstüpde mich gezwungen haben. Wäre ich ' 1812 in Rußland Sieger geblieben, so wäre das > Problem eines hundertjährigen Friedens gelöst worden, ich hätte den gordischen Knoten des Völkerzwistes durchhauen. Jetzt mutz man ihn auflösen. Nicht mehr im Norden werden die ernsten Fragen sich entscheiden, sondern am mittelländischen Meer; da gibt es genug, um den Ehrgeiz aller Mächte zu befriedigen, und mit einigen Fetzen öder Länder könnte man das Glück zivilisierter Nationen erkaufen. Mögen die Könige verständig werden: in Euro» p a gibt es keinen Stoff mehr, um den Hatz zwischen den Nationen zu unterhalten."
Das ist das Testament Napoleons! Wie er dos Problem des hundertjährigen Friedens löst: „Ich hätte den gordischen Knoten des Völker, zwistes durch hau en!" Wie er den Ehrgeiz aller Mächte befriedigt: „... Mit einigen Fetzen öder Länder könnte man das Glück zivilisierter Nationen erkaufen!"
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Wenn je ein Mensch sich anmatzen durfte, die W e l t sich zu erobern, so war es Napoleon; der gewaltigste Herrscher, der klügste Rechner, den unser Jahrtausend hervorbrachte. Und doch spricht er, dessen Phantasie und Schwert die Grenzen Europas sprengten, und dessen Kopf. bei unerhörter Arbeitsleistung Orte und Entfernungen wußte, die der Fachmann erst in Büchern nachschlagen mutzte, der ohne Besinnen ei n e n versprengten Soldaten unter 200 000 Marschierenden ins richtige Biwak dirigierte, — er spricht nicht vom Bund der Völker, sondern nur von jenem Maulwurfshaufen, dessen Vielgestaltigkett auch ihm zum Verhängnis wurde, vom vereinten Europa.
„Diese Vereinigung wird früher ober später durch die Macht der Tatsachen kommen. Der Anstotz ist gegeben, und nach dem Fall und nach dem Verschwinden meines Systems wird, glaube ich, in Europa kein anderes Gleichge- wicht mehr möglich fein als der Bund der Völker."
, Doch nur der Verbannte, Geächtete, dessen politische Laufbahn in so grotesker Kurve abbrach, weil er nur die diktatorische Verschmelzung „durch die Gewalt der Waffen" erstrebt batte, redet so resigniert von der Vereinigung „durch die Macht der Tatsachen". Und der kluge Rechner kränkt selbst dies noch ein durch ein skeptisches „glaube ich".
Der Kaiser dagegen, dessen politisches Ziel bis zürn letzten Atemzug die Erhaltung seiner Dynastie bleibt, gibt dem einzigen Erben eine brauchbarere Lehre: In Europa gibt es keinen Stoff mehr. Am Mittelländischen Meer, da sind genug „Fetzen", das Glück zivilisierter Nationen zu erkaufen. „Mögen die Könige verständig werden!"
Hier erhebt sich die Souveränität des Genies zum prophetischen Schauen eines Geistersehers. Denn in ihm ist das Wissen um die eine Macht, die sein System zum Inhalt der Politik aller Zeiten macht: der Ehrgeiz der Mächte.
„Ehrgeiz der Mächte" — so nannte der Heimatlose, der große Abenteurer, der wohl Liebe zur Sippe, aber nie die Liebe zum Vaterland« kannte, das, was wir Lebenswillen und Freiheitsliebe der Nationen nennen. Deren geheimnisvolle Kraft hat«r erst geahnt, als sie — in Spanien, in Preußen, in Rußland — fein gewaltiges Gebäude bereits ins Wanken gebracht hatten. Die Stimmung der Völker entzog sich dem Kalkül dieses kalt rechnenden Hirns.
Wer den Gründen nachforscht, die das Riesenwerk dieses Kaisers, der nicht nur ein genialer Feldherr, sondern auch ein genialer Ordner und Bildner war, zu Fall brachten, wird immer wieder auf diesen einen als den tiefsten und ausschlaggebenden stoßen: daß er verlernte, den Stimmen der Nationen zu lauschen.
Als er deren glutvolles Leben erkannte, das keines Menschen Wille und keines Heeres Sie-/ gesmarsch ertöten bann, war es für ihn zu spät. Doch nie sprach er fürderhin vom einigen, Frieden und vom Bund der Völker. Nur von den Fetzen außerhalb Europas, geeignet,, das Glück zivilisierter Nationen zu e r h a u «J fen.
Man sagt wohl, Napoleon sei zu früb^gdromfl , men, Das 19. Jahrhundert habe erst icke