Einzelbild herunterladen
 

Srettaa, ten D. August 1926

»leOberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 SM. auS- schließl. ZustellungSgebühr, durch diePost2.25 GM.Zür etwa infolge Streiks. Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth, * Druck der Univ.-Buchdruckerei b.

Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. < Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55." Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

'1,11 Uhr.

Marburger

Zasesanztjgtt

SbechMsche

asotburgtt D HM |^| MM

AvtSmzeiW Z W W M IN Illg LEKilm,

Sic. 20 i 61. Mtg. Mwbllkg o. Lad«

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., kleine Baranzeigen 0.06 DM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bel schwierigem Satz sowie bei Platz- dorschrist 50o/o Aufschlag. Eammelanzeizen 100 °/0 Nutz schlag. Reklamen der Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Barrabalt. Ziel 5 Zage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle uud Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark V«,-Dollar.

BnzeiserMcdWMievkurheffMr)GbLrheKnc->KMLichLsTevkünLigimtzsblaüjwrd-§MsNWhMz

Ein neuer Schlag gegen Senlwland

Zivilflugzeuge und Zivilflieger sind militärische Faktoren

fl. London, 27. Aug. Dem Genfer Korre­spondent derM orning Post" zufolge, wurde in der gestrigen Sitzung des vorbe­reitenden Abrüstungsausschusses in Genf ein »on Frankreich eingebrachter Antrag angenommen, wonach Zivilflug I c u g e und Zivilflieger sowie das ge­samte in der Luftfahrt beschäftigte Personal mit zu den Faktoren gehören sollen. Ka$ denen sich die militärische Luftstärke der einzelnen Länder bestimmt.

Das Blatt bemerkt dazu, durch diesen Be- schlub sei die Frage der Luftrüstung gleichsam ad absurdum geführt worden. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eng­ländern und Amerikanern einerseits und der von Frankreich geführten Mächtegruvvc ander­seits habe in Genf nunmehr einen Grad er­reicht, in welchem bitterste Polemik und Sarkasmus das Merkmal jeder Sitzung ief.

--X--

Neue SKensive in Rarelle

Paris, 26. Aug. Nach einer Agenturmel­dung ans llezzan hat gestern eine groh ange­legte militärische Operation begonnen, die zur Besetzung der Gebiete der Gesona und der Beni Mostara führen soll. Es handelt sich um eine Front von etwa 45 Klar. Der Vormarsch rich­tet sich zuerst gegen den früheren französischen Posten Rbiana, der noch immer von den Röf­leuten besetzt gehalten wird.

ft. Paris, 27. Aug. Nach Blättermeldun­gen aus Fez ist am Lukkas südlich von Suk el Khmos die Verbindung zwischen den französischen und spanischen Truv- ven hergestellt worden. In der spanischen Zone soll ein heftiger Kampf um E che- schauen im Gange sein. Die Stadt sei seit 48 Sunden von de rVerbindung mit der übri­gen Front abgeschnitten.

--*--

BMimsMiknmn

Koblenz, 26. Aug. Die Meldung, wonach ein junger Mann vorgestern abend beim Begehen des Bürgersteiges vor der fran­zösischen Kommandantur von dem Wachtposten mit dem Gewehrkolben h e r - unter gestoben und dann mit dem Bajonett durch zwei Stiche tn den Oberschenkel verletzt wurde, sodab er nach Angabe der Polizeibehörde ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muhte, b e st ä t i g t sich. Seitens der deutschen Behörden wurden bereits Schritte unternommen, um die An­gelegenheit aufzuklären. Tatsächlich besteht ein Verbot des Begebens des Bürgersteiges vor dem Kommandanturgebäude in der Zeit von 9 llhr abends bis 5 Uhr morgens. Die deutschen Behörden wollen eine grundsätzliche Regelung der Angelegenheit versuchen.

In diesem Zusammenhang ist der Brief eines in Koblenz zu Besuch weilenden Eng­länders P. E. Woods interessant, den dieser Tage dieTimes" veröffentlichte. Dieser Engländer, der in dem irrigen Wahn lebte, derKrieg sei vorüber", schreibt u. a. fol­gendes:Am Donnerstag abend passierten meine Frau und ich das Gebäude der Rhein­landkommission in Koblenz. Vor dem Gebäude steht ein Schilderhaus, und ein diensttuender französischer Posten schritt auf und ab. Der Bürgersteig ist viereinhalb Meter breit. Als wir in die Nähe des Postens kamen, wies dieser uns kategorisch vom Bürgersteig hinab auf bte Fahrstrahe. Naturgemäß zögerten wir, diesem Befehl nach­zukommen, da wir nicht eiusehen konnten, wes­halb mir in dieser Weise behandelt werden sollten. Darauf drohte uns der Posten m i t dem Bajonett. Wir muhten also vom Bürgersteig auf die Strahc und durften erst ein wenig weiter vom Regierungsgebäude ab den Bürgersteig wieder betreten. Unser Hin­weis auf unsere Nationalitär nutzte uns nichts. Es war eine sehr unangenehme Erfahrung für uns, derartig von unseren

Spaniens Mielier Anspruch M Mser

EMgreMk Merstnnd

sh. P a r i s, 27. Aug.Petit P a r i s i e n" zufolge Hai die spanische Regierung die fran­zösische, englische, italienische und amerikanische Regierung von ihrem An­trag auf Einbeziehung Tangers in die spanische Marokkozone offiziell in Kenntnis gesetzt.

Spanische Tanger-Rote in Rom.

Rom, 26. Aug. WieTribuna" mittcilt, hat der spanische Botschafter im Palazzo Ckigi im Namen seiner Regierung eine Note über Tanger überreicht. Nach Meldungen aus Madrid fordern Massenversammlungen in ganz Spanien die Einverleibung Tangers. Zürn erstenmal seit der Diktatur ist unbe­schränkte Redefreiheit in den Tangerversamm­lungen zugestunden. Primo de Rivera sagte dem Vertreter der amtlichen Presse-Agentur: Tanger wird Spanien einverleibt und wenn Spanien gezwungen sein sollte, Tanger durch ein Kriegshaudlung zu nehmen.

England und Tanger.

London, 26. Aug. Der diplomatische Be­richterstatter desEvening Standard" schreibt, ein zwischen der Admiralität und dem Foreign Office bezüglich der Tangervoli- t i k Großbritanniens entstandener Konflikt habe zugunsten der Admiralität ge­endet. Das Foreign Office habe anfänglich den spanischen Anspruch auf Tanger günstig angesehen. Die Admiralität machte jedoch gel­tend, dah Tanger ebenso wie Gibraltar eines der Tore des Mittelmeeres und des At­lantischen Ozeans sei und da» der Unter­seebootkrieg die gesamte strategische Lage geändert habe.

Tie verhängnisvolle Balgerei um die Ratssitze.

DerDaily Expreh" schreibt in einem Leitartikel: Der Wiederzusammentritt des Völkerbundes erfolgt unter Umständen, die kaum weniger verhängnisvoll er­scheinen als die bei der letzten Märztagung. DieBalgerei" nm die Ratssitze bat einer unerfreuliche Gestalt angenommen, ;o dah Deutschland, wie es scheint, es ablehnt, eine Delegation nach Genf zu entsenden, wenn es nicht im voraus die Garantie für seine Auf­nahme erhält. Was weiter nun den Anspruch Spaniens auf Tanger anlangt, ko stellt dies ein sehr ärmliches Zeugnis für die Autorität und das Prestige des Völkerbundes dar, dah seine Mitglieder jedesmal mit dem Eigen­tum anderer Leute bestochen werden müssen, wenn sie drohen, den Völkerbund zu verlassen.

fMn ist oviimWch

Durch Wolffs Telegraphenbüro wird fol­gende allgemeine Information über die poli­tische Lage gegeben: Die Vorfragen für die Be-

ter esglitotn WMMlitül

Handlung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund sind, soweit die parlamentarische Seite in Betracht kommt, in der heutigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses abge­schlossen worden. Nunmehr wird ein Kadi- nettsrat in diesen Tagen die Zusam­mensetzung der Delegation und die von deutscher Seite auf der am 30 d Mts. be­ginnenden zweiten Tagung der Studien- Kommission für die Ratsreform einzu­nehmende Haltung bestimmen. Nach Abschluß der Arbeiten in der Studienkommis- sion wird die deutsche Delegation zusammen­gestellt werden, wobei auch die H i n z u z i e h- u. n g von Parlamentariern zur Be­setzung gewisser Kommissionen des Völkerbun­des in Aussicht genommen ist.

Bei dem Besuche des Rechtssachver- st ä n d i g e ii im französischen Autzemniniste- rium Fromageot handelt es sich um einen Ueberbtich über die voraussichtliche Rechtslage, die sich aus der Verwirklichung des Cecil, scheu Vorschlages über die Ratsform ergeben würde und über die technischen Mög- , lichkeiten einer Rücksichtnahme auf gewisse spanische Wünsche.

Die Möglichkeit, eine Kompensation für die Milderung der bisherigen spanischen An­sprüche in Form des Mandats über Tanger zu erhalten, gestattet der spanischen Regierung offenbar bis zu einem gewissen Grade auf den Boden der vorgeschlagenen Reform zu treten. In diesem Falle würde auch der polnische Anspruch auf einen ständi­gen Ratssitz nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie vorher, weil Polen schwerlich das Odium aus sich nähme, als einzige Macht die Uebereinkunft innerhalb des Bundes zu vereiteln.

Es besteht also zur Zeit in Berlin der Ein­druck, datz die Gewährung eines ein­zigen ständigen Ratsfitzes für Deutschland diesmal geregelt fei. lieber den Weg dahin geben die vom belgi­schen Außenminister Vanderoelde kürzlich ge­tanen Aeußerungen einen gewissen Anhalt. Dabei dürste es sich nicht darum handeln, die Dauer des Mandats und der Wiederwühlbar- kcit abzuändern. ebenso wenig darum, die qualifizierte Mehrheit zur Bedingung für eine Wiederwahl zu machen, sondern es handelt sich vielleicht um die Wünsche einzelner Machte, diesmal im voraus eine Zusage in Bezug auf die Pr olongierbarkeit ihres Mandates zu erhalten, ferner um das ev. Fallenlassen der Kassationsklausel. In diesem Zusammenkange mutz unterstrichen werden, datz die Wieder Wählbarkeit nicht etwa die Wiederwahl bedinge. Es ist anzunehmen, datz wohl alle mit nicht­ständigen Sitzen ausaestatteten Staaten eine solche Wiederwahl beantranen. Man glaubt hier, datz für die Wahl Deutschlands noch drei Vorgänge in Betracht kommen.

1. Der Beschluß der Bundesver­sammlung über die Ausnahme Deutsch­slands:

2. der Beschluß des Rates über die Gewährung des ständigen Sitzes und

3. die Genehmigung der Bundes­versammlung hierzu.

Man nimmt an, datz diese Maßnahmen dicht zusammengelegt werden und daß die Deutsche Delegation dann innerhalb von 24 stunden zum Eintritt in den Bund und zum Beginn sachlicher Arbeiten in Genf ein tritt.

französischen Alliierten behandelt zu werden, zudem waren wir unter dem Eindruck ge- roefen, datz der Krieg vorüber sei."

Die Jtalianifierung der tiroler Familien­namen.

Rom, 26. Aug.Agenzia llffiziale" ver­öffentlicht heute das Dekret über die Italiani- sierung der südtiroler Familiennamen. Der Präfekt der Provinz Trient wird eine Liste der Namen und Adelsvrädikate aufftellcn, die die italienische Form zu erhalten haben. Ferner wird eine genaue Liste derjenigen Familien ausgestellt werden, die den gleichen Namen tra­gen. Dann werden die Betreffenden den ita­lienischen Namen bezw. den Adel in italieni­scher'Form erhalten und zwar wird jedem Fa­

milienmitglied ein besonderes Dekret zugestellt. Das Dekret wird auch dem Familienoberhauvte zwecks entsprechender Eintragung in die Re­gister übermittelt werden.

---*--- «

60 Strgnrbtilcr oettofittel

ft- Indiana lPcnsylvanien), 27. Slug. In einem Bergwerk bei Cleansfield find 60 Arbeiter infolge einer Explosion ver­schüttet worden. Nach einer späteren Mel­dung wurden durch Rettungsmannschaften bis jetzt 6 Arbeiter geborgta.

Der genfer RmdechMMonsreß

Genf, 26. Aug. Gestern ist in Genf die Tagung des Europäischen Nationalitätenkon- gresses (Kongreß der nationalen 2)1 i n berfjeiten) eröffnet worden. Der Präsi­dent der vorjährigen Konferenz Dr. I. Wil« f a n , slowenischer Abgeordneter im italieni­schen Parlament, begrüßte die Vertreter der dreizehn an der Konferenz beteiligten Staaten und gab einen Rückblick aus die vorige Kon­ferenz, die ein Bild einmütigen Wil­lens geboten.habe. Große Arbeit sei noch zu leisten: trotzdem müsse es als eine erfreu­liche Tatsache bezeichnet werden, datz es mög­lich war, die Vertreter so vieler in Kultur, Sprache und Recht verschiedenartiger Nationa­litäten zu einer Konferenz zusammenzubrin­gen. Immer wieder werde man beim Völker­bund auf den

Schutz der Rechte der Minderheiten bringen. Der Redner kritisierte bann unter bem Beifall der Versammlung das Verhalten des Brasilianers Mello Franco bei den Verhandlungen über die Minderheitenrechte. Die Schaffung einer ständigen Organisation der Minderheiten sei bei der augenblicklichen Situation nicht möglich. Man müsse sich mit Konferenzen, wie der heutigen, zufriedengeben. Der Kernpunkt der Verhandlungen sei d!e Sicherung der kulturellen En t wick­ln ng s f r e i h e i t der Minderheiten. Aufgabe der Tagung werde es fein, die sich in dieser Frage ergebenden Gegensätze zu über­brücken, um zu einer Verständigung zu ge­langen. Die Minderheiten mühten stets den Feinden der Bewegung, wo immer sie auch säßen, in festem Zusammenhalten die Stirn bieten. Töneirde Proteste nützten nichts, es müsse positive Arbeit geleistet wer­den. Es handele t-ch darum,

den Minderheiten die ihnen zustehenden Menschenrechte

zu geben und damit eine Politik der Verstän­digung und. des dauernden Friedens zu schaf­fen. In der Abwehr vielseitiger Bedrohungen suhlten sich die Minderheiten einig.

Im weiteren Verlaufe der Sitzung ergriffen nacheinander die Vertreter der katalanischen, der groß-russischen, der ungarischen und der polnischen Gruppe das Wort, um ihre Auf­fassungen über die Lösung des Nationalitäten- vroblems harz"leoen. Der deutfch-lett- ländische Abgeordnete Dr. Paul Schiemann betonte, der Völkerbund Könne nur Bindungen zwischen Staat und Staat schaffen, aber nicht rechtliche Bindun - g e n zwischen dem Staat und seinen Mitgliedern. Die Minderheitenschutzver­träge enthielten aber naturgemäß nur völker­bundsrechtliche Bindungen, und solange der Völkerbund nicht ein Bund von Volksmächten, sondern ein Bund von Staaten sei, würden alle Bemühungen illusorisch bleiben, die darauf abzielen, ein Minderheitenrecht auf der Grund­lage des Völkerbundes zu schaffen. Es handle sich bei den Aufgaben dieses Kongresses darum, eine neue staatsrechtliche Formel zu begründen.

Ter einzige Weg zur Herstellung einer fried­lichen Zusammenarbeit verschiedener Völker in einem Staate sei die Trennung des S t a res von der Nationalität. Man miige sich wieder daran gewöhnen, dem Staat nur solche Zweck" wnulchreiben. die autzerhald des nationalen Interessenkrei-ses liegen. So wie die Kirche vom Staat getrennt werden müsse, um die religiöse Freiheit zu erleichtern, so müsse zur Durchsetzung der nationalen Frei­heit auch der Begriff der nationalen Staatskultur verschwinden, wie der Begriff der Staatsreligion größtenteils ver­schwunden ssi.

Darauf wurde die Wahl des Präsidiums vor. genommen. Es wurden gewählt: Dr. Wilfan ?"M Ersten Präsidenten. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Dr. Paul Schiemann für die deutsche Gruppe, Dr. M o tz k i n für die jüdische Gruppe, Geza von Sz ü 11 ö für die ungarische Gruppe, Kaczmarek für die tschechische Gruppe.

Der Kongreß setzte am Nachmittag feine Ar­beiten in den Kommissionssitzungen fort. Die Kommission für kulturelle Fragen setzte einen Unterausschuß ein, der sich mit der Frage der huttu reellen Autonomie der Minder­heiten beschäftigte und für die Konferenz Vor­schläge ausarbeiten soll. Die Rechtskommis­sion beschloß, der Vollversammlung Vorschläge vorzulegen, die u. a. die Anwendung von Wahlmethoden empfehlen, wonach die nationalen Minderheiten in den parlamentari­schen Körperschaften und in der Selbstverwal­tung entsprechend ihrer za h Oe n - mäßigen Stärke vertreten sein sollen. Im Widerspruch zu dem Grundsatz der Gleich­berechtigung stehe die künstliche Wahl- Kreisgeometrie und alle sonstigen Be- vtmmungcny die auf die Beeinträchtigung der nationalen Minderheiten abzielen. Die Vet-