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Eine amtliche Erklärung

Berlin, 21. August. (WTB.) Zu den Meldungen der ausländischen Presse, ins­besondere den Meldungen gewisser franzö­sischer Blätter über die Frage Eupen-Mal­medH, wird dem WTB. von zuständiger Seite folgendes mitgeteilt: «

Die Tendenz aller dieser Meldungen liegt auf der Hand. Die Oeffentlichkeit wird alarmiert sein, um die Absichten der deut­schen Politik zu diskreditieren. Durch Vermischung wahrer und falscher Nachrichten soll der Eindruck erweckt werden, daß Deutschland die belgischen Finanzschwie­rigkeiten erpresserisch zu mißbrauchen suche, daß die belgische Regierung sich dieser Erpressungsmanöver nur mit Mühe er­wehren könne, daß es aber schließlich dem energischen Einschreiten dritter Mächte ge­lungen sei, die drohende Gefahr zu besei­tigen. Darüber, was dritte Regie­rungen gegenüber der belgischen Regie­rung getan haben, kann natürlich nur diese selbst Auskunft geben. Der deutschen Re­gierung ist nichts davon bekannt. Für sie ist der wirkliche Tatbestand ein sehr ein­facher, der sich mit wenigen Worten wieder­geben läßt.

Zwischen deutschen und belgischen Finanz­männern sind schon vor längerer Zeit Be­sprechungen in Gang gekommen, die sich auf eine deutsche Mitwirkung bei den inter­nationalen Plänen zur Sicherung der bel­gischen Währung bezogen. Ohne daß es einer besonderen deutschen Initiative bedurft hätte, ist dabei auch der Gedanke erörtert worden, ob nicht die Möglichkeit bestände, ein deutsch-belgisches Zusammengehen aus finanziellem und wirtschaftlichem Gebiete dadurch zu fördern, daß gleichzeitig eine Berständigung über das künftige Schicksal der Kreise Eupen und Mälmedh herbei­geführt würde. Es bedarf keiner Begrün­dung, daß eine Vereinigung dieser Frage auf dem Wege verständnisvollen gegen­seitigen Entgegenkommens wesentlich zu einer Vertiefung der gesamten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien beitragen würde. Auch in belgischen Kreisen schien man sich dieser Erkenntnis keineswegs zu verschließen, daher auch die zuständige Hal­tung maßgebender belgischer Blätter. Es muh betont werden, daß diese Besprechungen nicht den Charakter offizieller Ver­handlungen von Regierung zu Regie­rung angenommen haben. Selbstverständlich hat die Reichsregierung von den Unterhal­tungen Kenntnis gehabt,; ebenso selbstver­ständlich ist es, daß sie die Entwicklung der Dinge mit dem größten Interesse ver­folgt hat.

Dieser Haltung der Rerchsregierung den Vorwurf einer Erpressungspolitik zu machen, wie es französische Zeitungen tun, kennzeichnet sich angesichts des geschilderten Sachverhalts ohne weiteres als widersinnig. Für Deutsch­land konnte und kann nichts anderes in Frage kommen, als eine Verständigung, die die Ge­währ der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher Weise den Interessen beider Länder entspricht, nicht aber eine Verständi­gung, die für den einen Teil nur ein Notmittel sein würde, um gegenwärtige Sa-wierigkeiton zu überwinden. Wenn, was die deutsche Re­gierung nicht weiß, die Idee einer solchen Ver­ständigung ihre aktuelle Bedeutung jetzt da­durch verloren haben sollte, daß dritte Mächte sich ihrer Verwirklichung widersetzten, so wäre das ein gefährlicher Versuch, in die friedliche und wahren Interessen zweier Nachbarländer entsprechende Entwicklung mit den Mitteln machtvolitischen Druckes einzugreifen. Es wäre ein Versuch, der einen um so bedauerlicheren politischen Rückschritt bedeuten würde, als er im Widerspruch stände mit dem Sinne der Verträge von Locarno, deren Hauptbedeutung darin liegt, die Grenzen im Westen für immer zu befrieden und die Erörterung aller damit zusammenhängenden Fragen ein für allemal der Sphäre politischer Machtanwendung zu ent­ziehen.

Beschlagnahme des Südtiroler Kindergarten- Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Berlin, 21. Aug. Nach einer Meldung desBerliner Lokalanzeigers" hat der Präiekt der Provinz Trient dem Verein für das Deutschtum im Ausland mttgeteilt, daß auf Grund der bekannten Dekrete die Kindergar­ten-Vereine in Südtirol beschlagnahmt sind. Die Besitzungen sind dem italienischen Fronl- kämpserbund überwiesen worden. Der Verein hat gegen die Beschlagnahme seines Eigentums Einspruch erhoben. ,

Revoküwn in Griechenland

General Pangalos gefangen

London, 22. Aug. Reuter meldet aus Athen, daß dort eine R e o o l u t i o n aus­gebrochen sei. Kondylis ist Herr der Lage. Admiral K o n d u r i o t i s bat die Präsidentschaft übernommen und verfügt, daß Pangalos fest genommen werde, der sich in Svetsae aufhält. Die Garnisonen in der Provinz haben die neue Regierung an­erkannt. 3u Blutvergießen ist es nicht gekommen.

Pazis ,22. Aug . Havas veröffentlicht fvHenSe Meldung aus Athen, 11.30 Uhr: Die militärische Bewegung ist um 3 Uhr mor­gens ausgebrochen. Tie Truppen der Garni­son und die republikanische Garde, von Offi­zieren, die über den Versuch auf dem Lau­fenden waren, angeführt, haben die Kasernen verlassen, sind in die Stadt eingedrungen und haben die Post und das Telegraphenamt, das Kriegsministerium und die übrigen militärischen Behörden besetzt. Kriegsmini st er Ge­neral Tserulis, der sich während der Nacht nach der Kaserne der republikanischen Garde begeben wollte, die als General Pan- galos ergeben angesehen wurde, sah sich plötz­lich den Führern des Aufstandes gegenüber und wurde sofort verhaftet. Sämt­liche übrigen Minister wurden in ihren Woh­nungen festgenommcn und werden weiter be­wacht. Heute früh 7 Uhr haben Militärflug­zeuge eine Proklamation an das Volk abge- worsen, in der die Einsetzung des neuen Re­gimes und Neuwahlen binnen acht Monaten ongekündigt werden. Gegenwärtig scheint die Bewegung überall geglückt zu sein, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Gar­nisonen von Saloniki, Patras und den an­deren großen Städten haben sich zustimmend ausgesprochen, ebenso auch die Flotte.

Skt omlltoe SetitN

ft. Athen, 23. Aug. Volk und Militär haben einstimmig die Diktatur Pangalos gestürzt. Der Führer der Revolution, General Kondylis hat den Admiral Kon- durrotis aufgefordert, die Präsidentschaft der Republik zu übernehmen. Konduriotis

hot die Aufforderung angenommen. Haupt­zweck der Revolution ist: Vollständige Wieder­herstellung der Freiheit des Volkes, Ansetzung von Parlamentswahlen, Gesundung der natio­nalen Währung. Unmittelbar nach Ankunft des Präsidenten der Republik Konduriotis wird die Frage der Bildung eines neuen Ka­binetts gelöst werden. Der frühere Diktator wird von der Flotte verfolgt. Die einzigen vorgenommenen Verhaftungen sind diejenigen, des früheren Kriegsministers Tserulis und des früheren llnterstaatssekretärs M a k o r ' s. Im ganzen Land herrscht Ruhe.

Pangalos gefangen.

London, 23- Ang. Reuter berichtet ans Athen, dem ZerstörerLton gelang es. den ZerstörerPergarnos" zu überholen und Pangalos zu verhaften, der an Bord desLeon" genommen wurde. Dieser ist in Keratsim eingetroffen.

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Naß gchl in Spanien vor?

Spanische Kriegsschiff aus Italien nach Barcelona zurückberufev.

Paris, 22. Aus. DasJournal" meldet aus Genua, die in Spezia sich aushaltende spa­nische Marinedivifion sei eiligst von dort abberufen worden und nach Barce­lona in See gegangen. Diese Aber stürzte Abfahrt werde mit gewissen, gestern früh eingetrofienenn Nachrichten in Verbin­dung gebracht. In der kommenden Woche wür­den ein englisches und ein japanisches Geschwader erwartet.

Revolte in Smyrna?

Paris, 22. Ang. DerMatin" gibt ein Telegramm aus privater, aber angeblich zu- ' verlässiger Quelle wieder, wonach die Bevöl­kerung der Stadt Magnesia in der Gegend von Smyrna sich erhoben habe. Das 17. türkische Armeekorps sei zu einer Expedition gegen die C'/Vy. :> --'ichickt worden.

Amerikas Luftrüslungm

Washington, 21. Aug. Wie der Leiter des Marineluftwesens mitteilte, werden im laufenden Rechnungsjahr rund 12 Millionen Dollar für den Ankauf neuer Marineflugzeuge ausgeworfen werden. Die Luftrüstung der Ber­einigten Staaten zur See soll um 272 Flugzeuge vermehrt werden und zwar um 100 Kampf slugzeuge, 47 Beobachtungsflugzeuge, 51 Tor- vedoabwurf- und Aufklärungsflugzeuge und um 74 Schulflugzeuge. Die neuen Flugzeug­typen werden auf Grund eines Ausscheidungs- Wettbewerbs festgesetzt werden, an dem 25 Fab­rikanten teilnehmen.

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England zu den AbsiAen Spaniens

London, 21. Aug. Reuter erführt, daß in maßgebenden britischen Kreisen gegenüber dem von Spanien erhobenen Anspruch auf Eingliederung von Tanger in das spanische Marokkoprotektorat die ä u ß e rr st e Zurück­haltung gewahrt wird. Ehe ein diploma­tischer Schritt in dieser Angelegenheit von der spanischen Regierung getan sei, halte man es in englischen Kreisen für unangebracht, in ir­gendwelche Bemerkungen an den spanischen An­spruch zu knüpfen, zumal die Haltung der fran­zösischen und italienischen Regierung ihre An­sprüche auf Tanger möglicherweise mit der Frage eines ständig ex n Sitzes im Völ­kerbundsrat zu verbinden wünsche. Da­bei bandelt es sich aber um zwei Völl i q verschiedene Angelegenheiten, die nicht gut miteinander in Verbindung gebracht weiden können. Alle Anstrengungen müßten sich auf die Aufgabe konzentrieren, der be­vorstehenden Zusammenkunft des Völkerbunds- rates zu einem erfolgreichen Abschluß zu ver­helfen. Es müsse vermieden werden, Fragen- komplexe gpzuschneiden, die ganz außerhalb des Rahmens liegen und die unter Umständen

einen reibungslosen Ablauf der Völkerbunds­versammlung beeinträchtigen, könnten. Vor dem Zusammentritt des Völkerbundes stehe zu wenig Zeit zur Verfügung, eine so wichtige Frage, wie den von Spanien erhobenen An­spruch, zu erörtern. Später könne man sämt­liche Mächte, die die Algecirasakie unterzeich­net haben, befragen.

Der Regent von Abessinien nimmt an der Völkerbundsversammlung teil.

fk. London, 23. Aüg. Daily Expreß" berichtet aus Genf: Der Regent von Abes­sinien beabsichtigt auf der nächsten Völker­bundsversammlung in Genf anwesend zu fein, um persönlich den letzten Protest gegen das englisch-italeinische Abkommen über Abessinien aufrecht zu erhalten.

Verhandlungen über einen rusfisch-türäisch- versischen Earantievertrag.

fk London. 23. Ang. Eine Meldung ans Konstantinopel zufolge teilen türkische Blätter mit, daß Verhandlungen in Moskau zwecks Abschluß eines Garantiepaktes zwischen Ruß. land, der Türkei und Persien ftatt- finden.

zusammnWe in Eolmar

fk Paris, 23. Aug. In Kalmar kam es gestern anläßlich einer von Anhängern der antonomistischen Bewegung, Kommunisten und clsäfischrn Katholiken veranstalteter, Pro­testkundgebung gegen die von der Re­gierung gegen die Unterzeichner des Heimat- bnnds-Manifeftes getroffenen Maßnahme» zu schweren Zusammenstößen. An­hänger der Action Francais und Faschisten be­lagerten den Versammlungsraum und es ent­spann sich eine regelrechte Schlacht, besonders mit den Kommunisten. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen, vor. Segen 10 Per­sonen wurden verletzt. .....-

Der Zerfall »er 8. P. S.

Der Ausschluß von Ruth Fischer Maslow, Siebt, Lossau und 2o> quingen aus der Kommunistischen Partei hat in Berliner politischen Kreisen nicht ge­rade überrascht, nachdem die Kommunistische Parteileitung schon seit längerem in derRo­ten Fahne" angekündigt hatte, sie werde nicht vor den äußersten organisatorischen Maß­regeln gegen die.Parteispalter" zurückschrecken. Die Begründung des Ausschlusses prangert die Ausgeschlossenen alsscham­lose Verräter" an. Gegen Maslow und Ruth Fischer werden vom Zentralkomitee die schon bekannten Vorwürfe erhoben:Wieder­holt Disziplinbrüche. Betrug der Partei und der Kommunistischen Internationale, feiges unwürdiges Verhalten vor Gericht." Der letzte Vorwurf bezieht sich auf Maslow allein, der es abgelehnt hatte, vor dem Höchsten Ge­richtshof der Partei in Moskau zu erscheinen. Den Ausschlag zu dem Hinauswurf der genannten kommunistischen Größen scheint die Anknüpfung von Beziehungen zu dem bereits vor längerer Zeit aus der Partei ausgeschlossenen Abg. Korsch- Jena gegeben zu haben. DieRote Fahne" be­hauptet, Maslow und Fischer hätten mit dem Parteiverräter" Korsch einen Bund gegen die Partei und die Kommunistische Internationale geschlossen, ein Bündnis, das auf die Spaltung der Partei abziele.

Trotz der großen Worte scheint der von Moskau befohlene Ausschluß zweier so promi­nenter Mitglieder, wie MaÄow und Fischer die Kommunistische Parteileitung in groß e Verlegenheit versetzt zu haben, nament­lich hinsichtlich der Frage, wie der Ausschluß den allmählich doch sehr unruhigwerdenden Anhängern im Lande plausibel gemacht wer­den könnte. So stellt dieRote Fahne" in ihrem Bemühen die große Herde der Partei- schäflein einzuseifen, die Dinge in einer ge­radezu lächerlichen Weise auf den Kopf, indem sie behauptet, daß die ausge­schlossenenRenegaten" nachrechts zur Bvurgoisie" gehen wollten, obwohl doch gerade Ruth Fischer und Maslow bisher auf dem äußersten linken Flügel der Kommunistischen Partei standen und gerade deshalb ausge­schlossen wurden, weil sie in Deutschland die Ideen «Sinowjews vertraten .also die Sache der russischen kommunistischen Linksopposition. Der Ausschluß der fünf deutschen kommunisti­schen Abgeordneten liegt tatsächlich in einer Linie mit dem kürzlich in Rußland erfolgten Sturz Sinowjews und Kamenews. Die Krise in der Kommunistischen Partei Deutschlands ist nur ein Reflex der Krise in Sow­ie t ru ß l a n d. Die deutsche Parteileitung folgt bedingungslos der in Rußland gegen­wärtig siegreichen Richtung Stalins, eben dieser Richtung, die von Sinowjew, Kamenew, Ruth Fischer und Maslow alsstaatskapi- talistisch" undzu weit rechtsstehend" aufs schärfste bekämpft wurde.

Die Befürchtungen der deutschen kom­munistischen Parteileitung, daß die Ausge- fchlossenen eine Spaltung der Partei her- beiführen könnten, scheinen nicht ganz so un­berechtigt zu sein. Die Anhängerschaft der Sinowjewschen Richtung, also auch der Rich­tung Ruth Fischers und Maslows, ist dem Dernehmen nach auch innerhalb der deutschen kommunistischen Partei ständig im Wachsen. Ramentlich trifft das auf Berlin zu, wo ver­schiedene Bezirke, wie z. D. Reukölln bereits vollständig sich in offener Auflehnung gegen den Stalinismus befinden, und erst kürzlich, wie man sich erinnern wird, dem von der Parteileitung verfehmten Maslow begeisterte Huldigungskundgebungen gebracht hatten. Bielleicht werden daher schon die nächsten Monate die bereits latent vorhandene Spal­tung in der Kommunistischen Partei zum akuten AuSbruch bringen.

Mweetllm »er NeMenmgea

Gründung eines neuen Zwcckvcrbandes.

Durch das Aufwertungsges etz sind bekanntlich auch die Ausivertungsansprüche aus Versicherungen, vor allem der Lebens- und Rentenversicherungen geregelt. Trotzdem ist ein Jahr vergangen, ohne daß der einzelne Ver- sicherungsnehmer einen greifbaren Erfolg die­ser Gesetzgebung verspürt hätte. Diese man­gelnde Wirksammachung des Gesetzes zu be­schleunigen, hatte sich nunmehr in Berlin eine Auswertungs - Vereinigung für Versicherte" (Berlin W 9, Bellevueftraße 13) gebildet, die nach einem von ihr erlassenen Aufrufes sich zur Aufgabe gestellt- hat, eine einheitlich: und wirkungst'olle V ftretuna aller auswertungsberechtigten Versicherten zu schas­sen".' Die Vereinigung will vor allem dafür eintreten, daß Au f wertun gs-