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Mit,

ttn 18. August WS

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Mische Landeszeitung

Marburger

ZMsanzeim

Äberhessifche Zeitung

Nr. 1«; 61. Mrg. Marburg a. Lad»

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MtzeigerftriössWikr Amtliches Verkünürgungsblattfird-Krejsklavkog

Drr neue Kuhhanösl

Spanien fordert einen RMH oder Tanger

Ser foanW-stastenjsKe Vertrag

Sem Etadllrust

Paris, 17. Aug. DerTcmp s" be­streitet entschieden, daß die Verhandlungen zur Bildung des Stahltrusts scheiterten. Die Schwierigkeiten seien einzig unb allein darauf zurückzuführen, daß wegen des Fehlens eines so mächtigen Syndikates wie in Deutschland die französischen und belgischen Delegierten'ge­zwungen seien, die Leiter der hauptsächlich an der Frage interessierten Unternehmungen 4U befragen, bevor irgendeine Verpflichtung übernommen werden könne. In der franzö­sischen Metallindustrie könnten die Hindernisse bereits jetzt als beseitigt angesehen werden. Auch in Belgien würde man in absehbarer Zeit zu einer Verständigung gelangen, sodaß im Laufe des nächsten Monats das Abkommen endgültig unterzeichnet werden könnte.

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«MA geilen für tie MstnngÄnbusttie

DieDaily News" zur Flottenfrage.

London, 17. Aug- Einem Artikel des Marineberichterstatters derDaily News" zu­folge wird in Washington der englischen Ad­miralität der Vorwurf gemacht, daß sie den aussichtsreichen Plan für eine weitere Be­schränkung der Seerüstungen torpediert habe. Dieser Plan sei vor zwei Monaten von Coo- lidge und Kellogg ausgearbeitet worden. Frankreich und Italien sollten, wenn nötig, völlig unberücksichtigt gelassen werden mit der Begründung, daß ihre Interessen hauvtsächlich auf das Mittelmeer beschränkt sind. Dieser Plan sei in langen Erörterungen zwischen dem amerikanischen Botschafter in London, dem amerikanischen Admiral Jones, Chamberlain, Lord Cecil und Beamten der britischen Admi­ralität beraten worden. Die Verhandlungen seien bereits so weit fortgeschritten gewesen, daß Washington Ende Juli offizielle Ein­ladungen zu der dritten Flottenkonferenz er­gehen lassen wollte. Der Plan sei jedoch in­folge der angeblichen Frontverände­rung der britischen Admiralität fallen ge­lassen worden. Es heißt, daß der Hauptgrund für diese Haltung Großbritanniens die Be­sorgnis bezüglich der kommenden Reichskonfe­renz sei. Es ziehe aber auch das französische und italienische Unterseebootsvrogramm im Mittelmeer und den neuen spanischen Schifss- bauvlan in Höhe von 40 Millionen Pfund in Betracht. In Washington werde ziemlich deut­lich zum Ausdruck gebracht, daß die Weigerung Großbritanniens, an der Seeabrüstung mitzu- wirkcn, die Vereinigten Staaten zwingen könnte, zahlreiche weitere Schiffe zu bauen, um ihre Flotte auf den 5:5 Standard zu bringen- Der Korrespondent schließt den Artikel mit der Feststellung, daß alle Anzeichen auf eine bal­dige Beschleunigung des Flotten­bau e s in Amerika und Japan hindeuteten, was natürlich auf die Lage in Europa zurück­wirke und wahrscheinlich eine allgemeine Wie­deraufnahme je Flottenrüstungen berbei- führen roeibie?' DieDaily News" beendet dieses Thema, indem sie ihre Besorgnisse um die sich entwickelnde Lage ausdrückt mit den bezeichnenden Worten: Es scheinen glückliche Zeiten für wenigstens eine britische Industrie bevorzustehen.

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Vor dem Ende des

Bergarbeiterstreiks

lionbon, 17. Aug. (WTB.) Die Konfe­renz der Dergarbeiterdelegierten hat die Mitglieder des DvIIzugsrates ermäch­tigt, sich um die Wiederaufnahmeder Verhandlungen mit den Arbeitgebern und der Regierung zu bemühen. Die Kon­ferenz hat weiterhin den Beschluß gefaßt, daß alle Verhandlungen über eine Beilegung des Konfliktes auf der Basis einer Regelung für Gesamtengland und nicht aus der Basis bezirksweiser Vereinbarungen gesührt werden sollen.

Aus Rewcastle werden die ersten Anzeichen eines Rachgebens der Bergarbei­ter Rorthumberlands gemeldet. Etwa 100 Bergleute haben in der ZecheWalbattle" zu den Bedingungen des Achtstundentages und der vor dem Streik geltenden Loh- skalen die Arbeit wieder aufgenommen.

Wie wir von gut unterrichteter Seite er­fahren, hat die Rachricht, daß die spa­nische Regierung an den Vösker- bundsrat den Antrag gerichtet hat, die sogenannte Studienkommission,welche die Regelung der Ratssitzfrage vorbereiten soll, nochmals zusammenzuberufen, in den deut sch e n maßgebenden Regie- rungskreisen einige Beunruhi­gung ausgelöst. Man glaubt aus der Tat­sache des spanischen Antrages nun mit Sicher­heit schließen zu können, daß Spanien an der Forderung eines ständigen Ratssitzes offiziell festhält. Da andererseits die sehr vorsichtig von Deutschland betriebenen diplomatischen Derhandlungen über die Regelung der Rats- sitzsrage noch kein Ergebnis gehabt haben, beginnt man in deutschen diplomatischen Krei­sen der Völkerbundstagung mit ziemlichem Ernst entgegenzusehen. Man macht in Berlin kein Hehl mehr daraus, daß man den Zu­sammentritt der Studienkommission nicht wünscht, weil man befürchtet, daß praktisch alle Gegensätze und Schwierigkeiten ,die den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im März verhindert haben, jetzt acht Tage vor dem Wiederzusammentritt des Bundes aber­mals akut werden könnten. Daß diese eventu­ellen Verwicklungen in der Studienkommission den Eintritt Deutschlands in den Bund sehr erschweren, wenn nicht überhaupt verhindern können, mit dieser Möglichkeit scheint man auch in maßgebenden deutschen Reqierungs- kreisen jetzt allmählich zu rechnen, jedenfalls hält man sie nicht für ausgeschlossen.

Das Reichskabineit hat bisher oermwoen, zur außenpolitischen Lage definitiv Stel­lung zu nehmen. Die Reichsregierung wollte vorläufig die Genfer Entwicklung noch ab­warten, ehe sie ihre Entscheidung trifft. Wie. wir von zuständiger Stelle erfahren, liegt es durchaus im Bereich d->r Wahrscheinlichkeit, daß das Kabinett Ende August wieder zusammentritt, doch kann natürlich von der Festlegung auf ein bestimmtes Datum vor­läufig noch keine Rede sein. Der Termin der nächsten Kabinettssiyung dürste vielmehr aufs engste von der Entwicklung abhängen, die die Dinge in Genf. d. h. in der zu erwarten­den Tagung der Studienkommission nehmen werden. Wann die Kommission selbst zu­sammentritt, steht noch nicht fest. Eine Ein­ladung zur Teilnahme an der Kommission liegt bis jetzt in Berlin nicht vor. Trifft sie ein, womit zweifellos gerechnet werden darf, so wird die deutsche Regierung ihre bisherigen Vertreter in der Studienkommission, den Pa­riser Botschafter von Hoesch und den Mini­sterialdirektor Dr. Gaus, wieder nach Genf senden. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die Instruktionen der "beiden Herren dahin lauten, alles zu tun, um eine Veränderung oder Erweiterung des Rates, die den Charak­ter einerSicherung" gegenüber der künfti­gen deutschen Mitgliedschaft haben könnte, zu verhindern.

Das »erfahren gegen Ne «knien in Sannooet eingestellt

Hannover, 17. Aug. Die Staatsanwalt­schaft hat sich zur Einstellung des Verfahrens gegen die Studenten der Technischen Hochschule in Sachen Lessing veranlaßt gesehen, da Pro­fessor Lessing es abgelehnt habe, Strafantrag wegen Mißhandlung und Beleidigung zu stellen, . sodaß das Verfahren auf dieser Grundlage nicht stattfinden kann. Ebenso ist kein Straf­antrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt wor­den. Im übrigen sei zu prüfen gewesen, ob das Vorgehen der Studenten sich als einsache Demonstration oder als Nötigungsversuch dar- stellt . Dabei sei es wesentlich, daß der Vor­stand der Studentenschaft beschlossen hatte, Les­sing mit legalen Mitteln zu bekämpfen und daß er Gewalttätigkeiten weder gefördert noch unterstützt hat. Die Gesamtheit der Studenten könne deshalb für einige vorgekommene Ge­walttaten nicht verantwortlich gemacht werden. Die einzelnen Studenten, die für diese Hand­lungen verantwortlich seien, hätten aber nicht ermittelt werden können. Ans diesen Gründen sei das Verfahren eingestellt worden.

Keine Zusammenkunft Poincareg mit Mello».

ff. Paris, 18. Ang.Petit Parisien" erklärt, zu dem formellen Dementi ermächtigt zu sein, daß im Augenblick von einer Begeg­nung Poincares mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon keine Rede sei.

Rom, 17. Aug . Der spanisch-italienische Vertrag, der jetzt im Wortlaut veröffentlicht worden ist, enthält die allgemeinen Bestim­mungen eines Schiedsrichteroertrages. Das Abkommen gleicht im wesentlichen dem italienisch - schweizerischen Schicdsgerichtsver- trag. Der Vertrag soll möglichst bald ratifi­ziert werden. Er hat eine Geltungsdauer von zehn Jahren.

Die Tangerfrage und der Völkerbund.

London, 17. Aug. DieD a i l«y News" berichtet, die Forderung Primo de Riveras, daß Tanger in die spanische Zone in Marvkko eingeschlossen «erden solle, habe in der diplomatischen Welt Aufsehen erregt. Es könne mitgeteilt werden, daß Großbri­tannien ebenso wie Frankreich endgül­tig gegen den Vorschlag sei.

Dem diplomatischen Berichterstatter des Daily Telegraph" zufolge ist die spa­nische Forderung keineswegs neu. Bereits seit einigen Monaten sei sie mehr oder weniger öffentlich in London. Paris oder Rom auf dip­lomatischem Wege vorbereitet und auch wäh­rend des kürzlichen Besuches des spanischen Königs in Frankreich und England besprochen worden. Aber das Wiederauftanche« der For­derung im gegenwärtigen Leitpunkt am Vor­abend des Kampfes um ständige oder halbstän- djge Ratssitze habe in zahlreichen diplomati­schen Kreisen ernste Besorgnis hervor­gerufen wegen der Art, wie die Frage des stän­digen Ratssitzes für Spanien und die Frage des spanischen Tanger geschickt vereinigt wür­den, anscheinend um zum mindesten eine Be­friedigung in einer der beiden Fragen zu erhalten. Der Korrespondent bestätigt, daß in britischen Kreisen weiterhin die Ansicht ver­treten werde, daß die sofortige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbundsrat und in die Bölkerbundsversammlung die Haupt- frage sei, im Vergleich z« der alle anderen Fragen von untergeordneter Bedeutung seien. Es werde daher von neuem bekräftigt, daß Großbritannien bezüglich seiner künftigen Hal­tung gegenüber allen Mächten außer Deutsch- rand frei von allen Verpflichtungen sei. Es bestehe auch Grund zu der Annahme, daß Schweden als Wortführer der skandinavischen nnd vormals neutralen Mächte sich der Wahl irgendeiner anderen Macht in den Rat wider­setzen werde, bis Deutschlayd seinen Sitz im Völkerbundsrat eingenommen habe.

Senfalien im gtontenWet- $re$c8

Budapest, 17. Aug. In der heute fort­gesetzten Appellationsverhandlnng des Fran- kenfälscherprozesses wurde die Verlesung der Akten beendet. Prinz. Windisch-Graetz war auch heute wegen Krankheit abwesend. Großes Aus­sehen erregte di: Vernehmung des Privat­sekretärs des $rinu:n Windisch-Graetz, Raba, dem der Srnatspräsident vorhält, daß er, seine Freunde, ferner den ungarischen FeLbischos und die ungarisch« Regarg kompromittiert habe. Raba erllärte nach einigem Zögern, daß er seine bei der erstinstanzlichen Verhand­lung abgegebenen Aussagen unter dem Truck seines früheren Verteidigers gemacht habe. Er sehe sich gezwungen, sie in ihrer Gesamtheit zu­rückzuziehen.

Der finnische Flottenchef tödlich verunglückt.

Helsingsors, 17. Aug. Der Kom­mandant der sinnländischen Kriegsflotte, Roos, ist durch einen Unglücksfall ums Leben gekommen. Er hatte sich bei einer Jnspektionssahrt in der Kajüte eines Motorbootes zur Ruhe gelegt, in die durch den Bruch eines Gasrohres Gas eindrang. Er fand durch Gasvergiftung seinen Tod. Roos war erst seit Beginn dieses Jahres Flottenkommandant. * **

Warum zog Amerika in den Krieg?

Ein Geheimdokument der britisch amerikani­schen Regierung.

Von H. Hesse-New Bork.

In St. Nazaire, wo vor neun Jahren die ersten amerikanischen Truppen landeten, wur­de kürzlich in dieser Angelegenheit ein Denk­mal enthüllt, und zwar in Gegenwart des Ge­nerals Pershing und einer Schar von franzö­sischen und amerikanischen Ministern, Admira­len, Generälen und Zivilpersonen. Der ameri­kanische Gesandte Herrick enthüllte das Denk­mal und dankte dem Ausschuß von Amerika­nern der die Mittel für die Errichtung zusam­menbrachte. Bei dieser Gelegenheit hielt er eine Rede, der folgende Stellen entnommen seien:

Vor wenigen Jahren wurden wir in ganz Europa als Führer im Reiche des Idealismus begrüßt als Pioniere in seiner Anwendung auf die Angelegenheiten der Welt. Neuer­dings aber werden wir als Materialisten ver­schrieen, deren Einfluß in der Familie der Nationen auf der Annahme beruht, daß wir gegenwärtig die größte Zusammenfassung der materiellen Macht der Welt darstellen. Die Gedankenlosen nehmen beide Behauptungen hin, während die Scharfsinnigen mit ihrem Urteil zurückhalten. Es gibt nun Leute, die in unseren wie in den Geist anderer Leute Zweifel gesät haben Lher unsere Absichten, als wir in den Krieg eintraten. Indem sie alle Geschichte auf den Kopf stellen und mit der neuen Behauptung kommen daß wir für im­mer nur von Sorge für unseren Geldbeutel be­seelt sind, erwecken sie den Anschein, als wären nicht nur heute, sondern auch vor zehn Jahren materielle Erwägungen bestimmende Faktoren in den Entschlüssen gewesen, die wir damals faßten. Jeder Amerikaner sollte sich Mühe geben, diese Lüge auszurotten. Kurz nach Ausbruch des großen europäischen Kampfes begann unser Volk zu begreifen, was auf die­ser Seite des Ozeans vor sich ging. Durch die Flammen der Leidenschaft und die Wolken der Enttäuschung merkte doch der alltägliche Amerikaner bald, was auf den Schlachtfeldern Frankreichs auf dem Spiele stand. Er sah, daß menschliche Freiheit und einfachste Gerechtig­keit auf der Wagschale lagen und hatte vom ersten Anfang an nur einen entschlossenen Ge­danken nämlich sich nach gut häuslicher Art den Rock auszuziehen und das Gefühl der Be­friedigung zu genießen, zur Verteidigung bes. gewöhnlichsten Anstandes (common decency) einen Schlag zu führen. Daß er einen alten erprobten Freund retten würde, gesellte die Kraft der Dankbarkeit zur Entrüstung. Ob es sein persönlicher Vorteil war oder nicht, daran war ihm wenig gelegen. Ob sein Land ge­schwächt oder gestärkt daraus hervorgeben würde, damit hielt er sich nicht lange auf. Ein Kampf war im Gange, der jeden feinen In­stinkt anregte, den er von seinen kühnen Ahnen ererbt, und mit ganzer Seele war er bei dem Ringen."

Es wäre leicht, Herricks Rede mit starken Kraftworten zu besprechen. Allein sehen wir zu, was die Tatsachen für eine Sprache reden.

Nach Herrick sah das amerikanische Volk gleich zu Beginn des Krieges, was in Europa auf dem Spiele stand: menschliche Freiheit und die Grundsätze der Gerechtigkeit, unb von An­fang an war es fest entschlossen, zur Vertei- bigung des einfachsten Anstandes dreinzu- schlagen. Ideale Gründe bewogen Amerika zum Eingreifen in den Krieg, nicht etwa ma­terielle Interessen.

Zunächst besteht nun die fatale Tatsache, daß Amerika als einzige der kriegführenden Mächte von der Umschichtung des Weltvermö- gens in höchstem Maße profitierte, ja sich ge­radezu zum Weltbankier aufschwingen konnte. Das war auf alle Fälle eine angenehme ma­terielle Beigabe zum Idealismus.

Aber warum nur blieb Amerika in den er­sten Jahrenneutral und beschränkte sich da­rauf, das Geschäft «ahrzunehmen, und zwar nach allen Regeln kaufmännischer Kunst, an­statt für den Idealismus in den Krieg zu zie­hen? Warum trat Amerika erst bann in ben Krieg ein, als bte Verbünbeten ihm bis über die Ohren verschuldet waren und ein Sieg Deutschlands, ja selbst noch ein Friede ohne Sieger und Besiegte die amerikanischen Vor­schüsse an die Verbündeten gefährdet haben würde?

Ideale Beweggründe odr materielle Inn teressen was bewog Amerika entscheidend zumDreinschlagen" zu ernsthaften militäri­schen Anstrengungen?

Befragen wir ein Dokument, das nicht etwa von den Mittelmächten fabrizrert wurde, son­dern als geheim in den Staatsarchiven 3U