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Der tvefteurepÄW EMltmft gescheitert?

Nr. 191 61. Wes. Marburg a. Lahn

Marburger

ZageAnzeiger

Montag, den 16. August 1926

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Äbechessssche Zeitung

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MeKMMkei

Der Kampf um die deutsche Beteiligung an der tschechischen Regierung.

Prag, 15. Aug. Die offiziellen Verhand­lungen der sogenannten Zollmehrheit sollen, laut Tribuna", um den 10. September herum beginnen. Sie werden vorerst von den tschechischen und den deutsche» Parteien ge­trennt. später gemeinsam geführt werden. Die deutsche Agrar vartei und die deutsche christ­lich soziale Partei bereiten das Material für die Verhandlungen über die Bildung eines Regierungsblocks vor, wobei besonders au? kulturelle und Zollirage» Rücksicht Benommen werde. Zu der Frage schreibtN a r o d n i L i st g, daß die nationaldcurokratifche Partei nach wie vor auf dem Standpunkt beharre, dass die Tschechoslowakei ein Nationalstaat sei und daß sie deshalb ihre Zustimmung zum Eintritt der Deutschen in die Regie­rung nicht geben könne. Auch die Mitarbeit der Deutschen in einer parlamentarischen Koa­lition würden die Nationaldemokraten nicht zulassen.

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SersmnMK'wMMMMrltAg

Bukarest, 15. Aug. Aus der Presse zu- gegangeneil amtlichen Erklärungen über den Inhalt des französische-rumänischen Vertrages gebt hervor, daß der Vertrag für die Dauer von 10 Jahren abgeschlossen wurde und dann erneuert werden kann. Der Vertrag setzt ge­nau die Verpflichtung zu gegenseitigem Bei­stand im Falle eines Angriffes fest und ver­bürgt den gegenwärtigen territorialen Besitz­stand der beiden Länder. Ein Zusatzabkom­men sieht ein Schiedsgerichtsverfahren für den Fall eines Streites zwischen den Unter­zeichnern vor und bezeichnet als höchste Be­rufsinstanz den Präsidenten der schwei­zerischen Eidgenossenschaft. Der Vertrag fügt sich in den Rahmen des Völkerbundpaktes und des Paktes von Locarno ein.

Zum spauisch-italirnischcn Vertrag.

Madrid, 14. August. (WTB.) Die Agentur Fabra ist zu der Erklärung er­mächtigt, datz die Meldungen eines Teiles der englischen Presse über das Bestehen von Geheimklauseln im spanisch italie­nischen Schiedsgerichtsvertrag nicht rich­tig seien. Es handle sich bei diesem Ver­trage um eine durchaus friedliche und durch­sichtige Abmachung, die der Oeffentlichkeit im geeigneten Augenblick ohne Einschrän­kungen bekanntgegeben würde.

Moskau, 14. Aug. DieJswistija" weist auf die französisch-deutsche Annähe­rung sowie auf das französisch-spanische, französisch-rumänische und italienisch-spa­nische Abkommen hin und schreibt, diese Abkommen zerstörten das Locarno-System, das auf der Idee der englischen Hegemonie in Europa und Umkreisung der Sowjet- Union durch einen Block feindlicher Staaten unter englischer Führung beruhe. Das Ab­kommen zwischen Deutschland und der Sow­jet-Union vernichte den sowjetfeindlichen Stachel Locarnos. Die deutsch-französische Annäherung widerspreche den Haupt­ansichten der englischen Diplomatie. Nach Locarno sei Europa zu einzelnen Kombi­nationen, Bündnissen und Abkommen zurück- gekehrt, die den europäischen Frieden ge­fährdeten.

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Sie vierzehn befreiten Scutidwn

Berlin, 14. August. Auf Grund des deutsch-russischen Amnestieabkommens erhal­ten folgende in Moskau gefangen gehaltenen Deutsche die Freiheit wieder: Der Student W o l s ch t und der mit diesem verurteilte Dr. Kindermann, der Konsulacagent Schmitz, Frau Schmitz, der Konsular­agent Cornclsen, der Konsularagent Eck, die 75jährige F r a u A s ch, die wegen einer bei ihr vorgefundenen Notiz feit lange im Gefängnis saß, Herr Vo- ge l e i, Frau V o g e l e i, der Angestellte der Firma Junkers Scholl, der Kaufmann Lorenz, der Kaufmann Ludwig Bayer, der Kaufmann Arendt und der Kauf­mann Müller.

Brüssel, 15. Au». Die .,Deliriere Heu- re" meldet, sie habe bestimmte MittcilunB er­halten, daß die Verhandlungen der Metall­industriellen gescheitert seien. Zwischen den deutschen, französischen und luxemburgischen Vertretern habe volle Uebereinstimmung be­standen, doch seien die Belgier mit den Vorschlägen nicht zufrieden gewesen. Letztere hätten für jeden belgischen Metallindustriel­len ein beträchtlich höheres Produkionsquan tum beansprucht als in Paris für die gesamte belgische Produktion festgesetzt worden sei. Das Blatt sagt weiter, daß eine sehr s e - ringe Wahrscheinlichkeit kür die Wiederaufnahme der Verhandlungen in Deutschland bestehe.

Temps" glaubt Mitteilen zu können, daß bei den Verhandlungen über die Bildung eines Stahltrusts von den französischen und belgischen Industriellen gewisse Einwände er­hoben worden seien. Deshalb habe sich die Unterzeichnung etwas verzögert und dürfte nicht vor dem 11. September erfolgen.

Bcrl in, 14. August. DasB.T." mel­det, daß der Wieder; usammentritt der deutschen und französischen Eise nindustrievertreter für einen Tag in der zweiten Hälfte des September» anbcraumt worden ist.

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Berlin, 16. Aug. (TA.) Der handels­politische Ausschuß des Reichstages trat Sonnabend zu einer Sitzung zusammen, in der die Verordnung der Deichsregierung über die vorläufige Anwendung des Hanbelspro- visoriums zwischen Deutschland und Frank­reich auf der Tagesordnung stand. Ministe­rialdirektor Posse vom Reichswirtschafts-

Äunbseiw für Mm, W und Saat

Köln, 15. Aug. (WTB.) Anläßlich des Jahrestages des Reichsverbandes der Rhein­länder, der im Rahmen der großen deutschen Kundgebung für Rhein, Pfalz und Saar gestern hier abgehalten wurde, wurde auch die Frage der Errichtung des Reichsehren­mals behandelt und folgende Entschlie­ßung gefaßt, die an die Reichsregierung weitergeleitet wurde:

Die im Hansafaal des Kölner Rathauses versammelten Vertreter des Reichsverbandes der Rheinländer aus dem Reich unterstützen nachdrücklichst den Wunsch ihrer Landsleute, daß das Reichsehrenmal am Rhein, dem deutschen Schicksalsstrom, errichtet werde. Sie hoffen dringend, dah es gelingen werde, eine Einigung zum Zwecke der Erfüllung dieses Wunsches baldigst herbeizuführen."

Rachdem der gestrige Dor- und Rach­mittag mit der Jahresversammlung der ein­zelnen Landsmannschaftlichen Derbände aus- gefüllt war, fand am Abend ein gemein­samer Begrühungsempfang aller Derbände im großen Saal des Gürzenich statt. Der ge­räumige Saal war fast zu klein, um die Dielen aufzunehmen. Die Begrüßungsansprache hielt der Dorsitzende des Arbeitsausschusses, Bei­geordneter Ernst Schwerins, der nach einem Willkommengruß betonte, daß der Ar­beitsausschuß gerne an die vorbereitenden Ar­beiten für die deutsche Kundgebung heran­gegangen sei, da es sich doch darum gehandelt habe, für die baldige Befreiung des noch be­setzten Gebietes einzutreten.

Die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen fanden in dem gemeinsam vor­getragenen Deutschlandlied einen starken Widerhall. Die sich in bunter Reihenfolge anschließenden Dorträge verliehen der Feier ein gemütliches Gepränge.

Den eigentlichen Auftakt der Kundgebung bildete der heutige Festzug, der von schönstem Sonnenschein begünstigt wurde. Eine riesig Menschenmenge hatte sich dazu eingefunden.

Der überparteiliche Charakter der Der- anstaltung hatte die Beteiligung wohl fast sämtlicher Dereine, Derbände und Organisa­tionen Kölns und der näheren und weiteren Umgebung zur Folge gehabt. .. . .

Ministerium begründete die Dorlage, die be­reits die einmütige Zustimmung des Reichsrates gefunden habe. Im wei­teren Derlaufe betonte er namentlich die Gleichstellung der Deutschen in. den französi­schen Kolonien, sowie die Tatsache, dah die Liste der französischen Zugeständnisse an Deutschland vier- bis fünfmal größer fei als die der deutschen Zugeständnisse. Es sei danach zu hoffen, daß Deutschland in grö­ßerem Umfange auf den französischen Markt komme und daß dieser Dertrag zu einer Besserung der Lage der deutschen Industrie beitragen werde. Zugeständnisse seien fran­zösischerseits für fast alle deutsche Industrien gemacht worden, deutscherseits dagegen na­mentlich für Seiden und Automobile. Für den kommenden Handelsvertrag mit Frank­reich, der bald in Arbeit genommen werden solle, seien namentlich noch die Textil- und Weinvcrhandlungen aufgehoben worden.

Zur MfchmOfmM

Land on, 14. August.DailyChro - nid e" hebt in einem Leitartikel hervor, daß Deutschland durch Staatsmänner in Locarno die Ausnahme in den Völkerbund und e ine wesentliche Herabsetzung der Be­satzungstruppen im Rheinland versprochen worden sei. Beides sei im Interesse eines dauernden Friedens unumgänglich. Sollte Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund wieder scheitern, so würde dies der T o d e s - stoß für den Völkerbund sein. Die besten Freunde Spaniens müßten hoffen, daß die Gerüchte, wonach Spanien ent­schlossen sei, sein Gesuch auf gleichzeitige Wahl für einen ständigen Sitz neu zu be­leben, unwahr seien. Das Blatt bezweifelt den Vorteil einer fortdauernden Belassung der Truppen am Rhein und tritt für eine He absetzung derselben auf insgesamt 30 000 Mann ein. Das Blatt bemerkt, ' es dürfe nicht vergessen werden, daß die Besatzung fortgesetzt heftige Erregungen in Deutsch­land verursache.

Nach einem Orgelvortrag hielt Landes­hauptmann Dr. Horton die Begrüßungs­ansprache, die mit großem Beifall aufgenom­men wurde. Anschließend klang das Treu­gelöbnis in dem gemeinsam gesungenen Deutschlandlied aus.

Alsdann ergriff Oberpräsident Dr. Fuchs das Wort, der die herzlichen Grüße der preußischen und der Staatsregierung zu der machtvollen Kundgebung darbrachte. Er be­grüßte besonders den glücklichen Gedanken, diese große Kundgebung in dem jetzt befrei­ten Köln zu begehen. Rach einem Dortrag der Dereinigten rheinischen Männergesang- vereine ergriff der Vorsitzende des Äeichs- verbandes der Rheinländer, Präsident Dr. Kaufmann bas Wort.

Als Redner des Bundes der Saarvereine nahm hierauf Pfarrer Schlich das Wort, der zunächst in seinen Ausführungen den großen Glauben der Saar an das deutsche Vaterland hervorhob. Er sagte u. a.: Aus dem Saargebiet ein eigenes selbständiges, d. h. unter französischem Einfluß stehendes Staatsgebilde zu schaffen, lehnen wir ab. Wir verlangen Aenderung und Revision des Saar- statuts.

Pfarrer Dr .Schlich nahm dann zur Frage der Saarautonomie das Wort und erklärte u. a.: Wir deutschen Saarländer halten an sich eine Abstimmung nicht mehr für nötig. Unsere Abstimmung war die Jahrlausend­feier.

Rach einem Dortrag des Männergesang- Vereins schloß die erhebende Feier.

Zum Abschluß der Kundgebung ist eine Fahrt des Reichsverbandes der' Rheinländer zur Gesolei vorgesehen.

Das Kabel Borkum-Azoren.

Nordenham, 15. Aug. Der Kabel- damvferNeptun" der Norddeutschen See» kabelwerke, der am 7. d. Mts. zur Ausle­gung der ersten Teilstrecke des von ihnen von der Deutsch-Atlantischen Telegravben-Eesell- schaft in Berlin in Auftrag gegebenen Ka­buls Borkum-Azoren von Borkum bis zum Ausgang -es englischen Kanals von hier in See gegangen ist, hat seine Arbeiten glücklich beendet. Die Auslegung der Reststrecke bis zu den Awren wird voraussichtlich im Sep­tember erfolgen....... ...

MWaft unb NsM

Von Theo Reimer.

Vorsitzender des Reichsverbandes zum Wieder« aufbau der deutschen Wirtschaft, e. SB., Berlin W. 15.

Die deutsche Wirtschaft droht unter der furchtbaren Not, die auf ihr lastet, zusammen­zubrechen. Unaufhörlich wird schon seit Fah­ren mit allen Mitteln der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geführt. So sehr aber auch von allen Parteien versucht wird, Linderung zu schaffen, dieses Ziel ist nicht nur nicht erreicht worden, es ist heute ferner denn je. All die Faktoren, die einer Besserung der Wirtschaftslage im Wege stehen, hier aufzah­len zu wollen, würde naturgemäß den begrenz­ten Rahmen dieser Ausführungen weit über­steigen. Nur auf ein prinzipielles Pro­blem, das uns als Vorbedingung für eine glückliche Lösung der großen Wirtschaftsfra­gen erscheint, soll heute hingewiesen werden. Man hat es nach dem Kriege der Heereslei­tung vielfach zum Vorwurf gemacht, daß sie in den Jahren 19141918 die deutsche Politik derart beeinflußte und beherrschte, datz es nicht möglich war, die politischen Maßnahmen den realen Notwendigkeiten anzupassen und daß zum großen Teil dadurch der Krieg für Deutschland verloren gegangen fei. Aehnlich wie wahrend des Krieges militärische Kreise sich in die Machtbefugnisse der zivilen politi­schen Stellen mischten, so finden wir heute eine Parallelerscheinung der Poli- tik zur Wirtschast. Die Politiker sind heute fast alle nicht nur auf dem ihnen ver­trauten politischen Boden tätig, sie wirken auch meistenteils entscheidend bei der Lösung wirtschaftlicher Probleme mit. Gewiß soll nicht verkannt werden, daß Politik und Wirt­schaft miteinander Verbindung halten müssen. Ihre Entwicklung könnte man etwa mit dem Lebenslauf zweier Geschwister vergleichen: von Natur aus verwandt, hat es sich im Lause der Zeit herausgebildet, datz sich der eine gar zu sehr um die Dinge des Anderen kümmert, wobei der Grundsatz stets vergessen wird: was bem- Einen frommt, braucht dem Anderen längst nicht zu frommen.

So sind wir zu einer unheilvollen Verquickung von Politik und Wirtschaft gekommen. National ebenso wie international. Erinnern wir uns einmal des Verlaufes der Verhandlungen zur Vorbe­reitung der Weltwirtschafts konfe- renzin Gens. Wohl waren sich die führen­den Wirtschaftler aller bedeutenden Länder, die in dem schönen Schweizer Orte zusammen gekommen waren, um über die Wiederaufrich­tung der Weltwirt'^aft zu beraten, vollkom­men klar darüber, welche Wege zur weltwirt­schaftlichen Befriedigung führen. In ihren Reden, Handlungen und Vorschlägen traten sie jedoch meist völlig anders auf als es ihren Ueberzeugungen aus denen sie in privaten Gesprächen kein Hehl machten entsprach. Derart waren die Wirkungen der politischen Instruktionen, die den Wirtschaftlern von ihren Regierungen, wenn auch vielfach nicht offiziell, nach Genf mitgegeben worden waren. Wie auf dem internationalen Wirtschaftsge­biet so zeigt sich immer erneut der unheilvolle Einfluß der Politik auf die Wirtschaft auch innerhalb der Grenzen der einzelnen Natio­nen selbst. Wie liegen die Verhältnisse nun bei uns in Deutschland? Zahllose wirt­schaftliche Organisationen haben sich gebildet. An ihrer Spitze stehen oft Leute von wirklich anerkannten wirtschaftlichen Fähigkeiten. Fast alltäglich hört man von deren Wirken und Ringen um die Lösung der großen Wirt­schaftsprobleme zur Linderung unserer furcht­baren Not. Aber was all diese Vereinigun­gen und Führer Wertvolles ersinnen, muß lei­der bei dem Versuch zur praktischen Durchfüh­rung zu nichts werden. Denn fast alle jene Verbände und Wirtschaftsführer sind nicht nur Interessenvertreter und Vertre­tungen, sie sind auch gerade aus diesem Grunde politisch in irgend einer Weise gefes­selt. Dadurch wird an die Lösung aller wirt­schaftlichen Ausgaben bei uns in Deutschland gegenwärtig nicht vom wirtschaftlichen Zweckmäßigkeits - Standpunkt, sondern fast stets von politischen Erwägungen aus, herangegangen. So werden z. B. bei den Etatsberatungen in den Parlamenten oft Aus­gaben bewilligt, die in keinem Verhältnis zur allgemeinen Wirtschaftslage ftehen und nur in parteipolitischen Kompromißbeschlüssen ihren Ursprung haben.

Während so die politischen Parteien, wirt­schaftliche Verbände und Wirtschastsführer miteinander beraten, gleitet die deutsche Wirt­schaft immer tiefer und immer schneller berg­ab. So ist jetzt der letzte Augenblick gekom­men, daß sich all diejenigen, die nicht nur gu­ten Willens, sondern auch stark genug dazu lind, sich endlich zvsammenfinden, um die Trennungvon Wirtschaft und Par­te i p o l i t i fe vorzunehmen. Es mutz mög-