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Sonnabend,

den 14. Augujl 1926

Die «vberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch di«Post2L5 GM.Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und »1,11 Uhr.

Marburger Zagesanzeiger

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Nr. 190 61. LÄkg. Marburg a. Lahn

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1 Goldmark '/«,,Dollar.

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BerMSung der NölkerSnndsrasung?

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Sas Sbcrkommaadv im Rheinland

Mainz, 13. Aug. Im Zusammenhang mit der angeblich geplanten Truvvcnvermrnderung im Rheinland verlautet, datz das hier liegende Oberkommando der fkanzösijchen Rheinarmee demnächst nach Metz verlegt und dort mit dem Generalgouvernement der Festung Metz ver­einigt werden soll. Auch soll an Stelle des Generals Guillaumat, der ein anderes Kom­mando in Frankreich erhalten soll, der General gouverneur von Metz, General de Lardemelle treten. Schließlich sind die in Pfalz geplanten groben Manöver des 32. Armeekorps abgesagt worden. Es finden lediglich kleine Gelände­übungen der einzelnen Formationen und Schiebübungen der Artillerie start.

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Naltm mtkrMl SJMtesS ÄaipMe?

Der Abschluh des italienisch - spanischen Freundschafts- und Neutralitätsvertrages be­deutet einen diplomatisch politischen Vorgang ersten Ranges. Das Ereignis kam ciniger- mahen überraschend. Zwar war seit dem Jahre 1923, d. h. seit Italien und Spanien bei den Verhandlungen über das Tanger-Statut von Franrkeich in den Hintergrund gedrängt worden waren, die Tendenz einer Annäher­ung zwischen den beiden Staaten unverkenn­bar, was z. B. in dem Abschlub eines spanisch- italienischen Handelsvertrages und in Wechsel' besuchen der beiderseitigen Staatsoberhäupter zum Ausdruck kam, in der Zwischenzeit aber wurde Spanien durch die Entwicklung der Kriegslage in Marokko gezwungen, sich wieder mehr Frankreich anzunähern und mit diesem züsämMenzuarbeitcn. Die Zusammenarbeit be­schränkte sich allerdings nur auf die militäri­sche Seite des Marokkovroblems und als der Feldzug erledigt war, kam es bereits bei den. Unterhandlungen über die politische Auswir­kung der gemeinsamen Erfolge im Rif zwischen Spanien und Frankreich wieder zu ernsteren Meinungsverschiedenheiten. Diesen Älugen- blick scheint Italien ausgenutzt zu haben. Mussolini schickte einen Vertrauensmann nach Madrid, von dem man freilich nur glaubte, daß er über die Tangerfrage unterhandeln solle. Dab das Ergebnis der Verhandlungen ein so weitgehendes, wie der Abschlub des Madrider Vertrages wurde, hatte man jedoch ni-bt angenommen.

Es scheint, dab nicht nur die Verstimmung über das mangelnde französische Entgegen­kommen in der Marokkosraac Spanien zu dem so überraschend schnellen Abschlub des Bünd­nisses mit Italien veranlabt bat, sondern dab dabei auch

die neu aufgetauchte Kandidatur Spa­niens für einen ständigen Sitz im Völker­bundsrat eine grobe Rolle spielte. Die Unterstützung dieses Anspruches ist Spa­nien offenbar von Italien auf das bereit­willigste angeboten worden.

Dab Spanien zugegriffen bat, war durchaus begreiflich. Zweifellos ist Italien der Mana­ger des ganzen Bündnisses, es ist der Teil, von dem die Initiative ausgcgangen ist und der auch die Führung behalten wird. In erster Linie gedenkt Italien wohl, sich das Eew'.cht seiner neuen Allianz für die Verfolgung seiner bekannten macht- und kolonialvolijischen Aus­dehnungsbestrebungen in Nordafrika nutzbar zu machen. In dieser Beziehung zeigt der Madrider Vertrag eine ganz ausgesprochene Spitze gegen Frankreich und man ist . sich i" Paris trotz der geheuchelten Gleichgültigkeit defien auch wohl bewubt. Aber die ehrgeizigen Pläne Italiens zielen offenbar noch weiter. Von italienischer Seite wird bereits feit langem die Zusammenarbeit mit Südamcr'ka propagiert. Italien war es, das seinerzeit im März dieses Jahres das Auftreten Bran- liens in der Ratssitzfrage, das schließlich Zum Aufsliegen der Völkerbundstagung führte, nicht nur unterstützt, sondern wohl c!is .i= svirtert Hat. Die italienische Presse schöpf, sich in Sympathiekundgebungen für das lateinische Amerika und vrogagiert bereits ganz offen eine Staatengruovierung, die auberbalb des Völkerbundes unter der Führung Italiens. Spanien und die ganzen latein-amerikanischen Staaten umfassen soll. Damit dürfte wohl das letzte Ziel des neu- italienischen Imperialismus genannt worden fein. Die Allianz mit Spanien ist nur eine Etappe dazu. Vielleicht wird sich diese neu« anbahnende Mächtegruppierung bereits aut der kommenden Tagung des Völkerbundes be­merkbar machen. Die andauernden Gerüchte, dab Italien für Genfllederraschunz- c' oor- bereite, scheinen jedenfalls durchaus nicht so »nbegründet au sein.

Wie von zuverlässiger diplomatischer Seite versichert wird, erstreckt sich die Absicht der französischen Negierung auf Verminde­rung der Truppenzahl im Rheinland aus allerhöchstens drei Regimenter. Mit Rücksicht aus diese bereits beim Kabinett ein­gegangenen Informationen aus Paris hält man in eiugeweihten Kreisen die Situation für außerordentlich kritisch und zwar kann schon jetzt mit voller Bestimmtheit gesagt werden, datz diese Regelung der Be­satzungsfrage als Vorbedingung für den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund von Seiten des Reichskabinetts nicht als hin­reichend angesehen werden wird. Nicht nur in den Kreisen der Wilhelmstratze, sondern auch innerhalb der ausländischen D i v l o m a t i e spricht man bereits davon, datz die Tagung des Völkerbundes mit Rücksicht auf die noch zu klärenden Fra­gen der Besatzung auf den Monat No­vember verschoben werden soll.

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Daily News" schreibt in einem Leitartikel, der Beschluß, die alliierte Truppenstärke im Rheinland auf 50 000 oder 63 000 Mann her­abzusetzen, habe einen groben Teil seines friedenfördernden Wertes durch feine Verspä tuns eingebübt. Das Blatt hofft, dab die Räumung, nachdem sie einmal vereinbart wor­den sei, rasch durchgeführt und vor der ®ep= lembertagnug des Völkerbundes vollendet sein werde. Weiter sprichtDaily News" die Hoff­nung aus. dab bei dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sobald wie möglich die

Zurückziehung jedes fremden Soldaten von deutschem Boden

erfolge. Das Blatt stimmt der deutschen An­sicht zu, dtO die in der von Wilson, Clemen- ceau und Lloyd George unterzeichneten Note

dem Enke des

MrMLeüerMiks?

London, 31. August. Der General­sekretär der Bergarbeiter Cook veröffent­licht in dem Fachorgan der Bergarbeiter The Miner" eine längere Erklärung, die ein bezeichnendes Licht auf die nach las­sende Widerstandsfähigkeit der bisher noch geschlossenen Front der Berg­arbeiter wirft.

Darin heißt es:Wir haben für den nächsten Montag eine Delegiertenkonferenz einberufen, und wir werden die Konferenz auffordern, die Bedingungen, auf Grund deren die Bergarbeiter eine Lösung des Kon­fliktes herbeiführen wollen, festzulegen. Noch sind die -Bergarbeiter weit davon entfernt, geschlagen zu werden. Aber der große Druck der in einigen Grubenbezirken auf.' dis- Arbeiter ausgeübt wird, ist der Gewerkschaft bekannt", j Weiter heißt es, es sei deshalb dringend notwendig, daß die Bergarb-eiter sich 'ein Abkommen sicherten, das sie in die Lage versetze, zur Arbeit zu­rück kehren zu können. Aber er, Cook, fei in der gleichen Weise entschlössen, den Achtstundentag zu einertoten Verordnung" zu machen. Vor allem müsse eine umfassende Reorganisa­tion des Bergbaues stattfinden und er wisse, daß bei einer klaren Entscheidung der Delegiertenkonferenz alle diese Bedin­gungen für die Arbeiter zu erreichen seien. Unter keinen Umständen würden die Führer der Bergarbeiter die jetzt von Regierung und Grubenbesitzern angebotenen Bedingun­gen annehmen. Sie würden niemals ein Abkommen unterzeichnen, das örtliche Lohn­abkommen vorsehe oder eine Verlängerung der Arbeitszeit oder eine Reduzierung des Lebensstandards mit sich bringe. Weil diese Aushungerungswaffen die entscheidenden Faktoren in dem großen Kampfe seien, apelliere er an die Arbeiter, eine neue Frie densaktion einzuleiten.

Aus dieser Erklärung ergibt sich, daß der Bergarbeiterführer Cook seine intran-» s i g'e u t e Haltung nunmehr endgül­tig auf gegeben hat. Obwohl aller Voraussicht nach vor der am Montag ftatt- findendcn Delegiertenkonferenz keine ent­scheidenden Schritte unternommen werden^

vom 19. Juni 1919 vorgesehenen Garantien für eine frühere Räumung des besetzten Gebietes im Dawesabkommen und in den Lo- carnoverträgen geboten und daß sie durch Deutschlands Eintritt in den Völkerbund bestätigt werden. Nach Deutschlands Eiutrittt werde nicht die geringste Berechti­gung dafür bestehen, daß auch nur ein einziger alliierter Posten die Wacht am Rhein halte. Deutschlands Unterschriften unter den Locarnovertrag und die Völkerbundsatzung biete eine unendlich stärkere Friedenssicherheit, als die Anwesenheit von 50 009 Mann fremder Truppen.

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Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" stellt über das mutmaßliche Er­gebnis der Terhandlungen der am 24. August wieder zusammentretenden Genfer Stu­dienkommission recht pessimistische Be­trachtungen an. Er glaubt, dah die Kommis­sion ihre Aufgabe nicht erledigen werde, und begründet dies wie folgt:

Sowohl gegen neue ständige als auch gegen nichtständige Ratssitze seien Einwände zu er­warten. Obgleich Spanien, wenn ihm ein ständiger Sitz durch die Rölkerbundsversamm- lung dank der Unterstützung Italiens und Deutschlands zugesichert sei, die vorherige Wahl Deutschlands hinzunehmen, seien die drei polnischen Forderungen geeig­net, den ganzen Genfer Apfelwagen umzu­werfen. Diese Forderungen seien: -

.1. Polens Wahl in den Völkerbundsrat gleichzeitig mif Deutschland.

2. Polen mutz im voraus die Versicherung erhalten, datz es nach einer dreijährigen Mit­gliedschaft im Bölkerbundsrat für eine wei­tere Periode von drei Jahren ge­wählt wird.

4. Kein nichtständiges Ratsmitglied kann von der Bölkerbundsversammlung vor Ab­lauf der Mandats zeit durch ein ande­res Mitglied ersetzt werden.

scheint der Bann, der bisher auf der ganzen Situation lag, damit gebrochen zu sein.

Die englische Grubenbesitzer-Vereinigung hat mit dem christlichen Bergbau- personal ein Abkommen über den Acht­stundentag abgeschlossen.

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Aalims Antwort über Abessinien

Mailand, 13. Aug. ($11.) Die ita- lienische Regierung hat durch ihren llnterstaatssekretär des Auswärtigen dem Völkerbund auf den Protest Abessiniens wegen des englisch-italienischen Vertrages in einer Rote geantwortet. Sie drückt ihr Be­dauern darüber aus, dah die abessinische Re­gierung den Inhalt und Geist des Abkom­mens nicht ver standen habe, und er­klärt, dah es sich um eine von englischer Seite erhaltene Garantie wirtschaftlicher Natur im abessinischen Gebiet handle und die Handlungsfreiheit Abessini­ens nicht berührt werde.

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ZÄMnbMungW bei Asisins

München, 13. Aus. (WTB.) Bei dem gemeldeten Eisenbahnunglück bei Langenbach wurden 11 Reisende getötet, außerdem 7 schwer und 18 leicht verletzt. 10 Wagen des Zuges sind entgleist. 1 Wagen wurde umgestürzt. Von den 11'Todesopfern konnten bisher 8 Leichen identifiziert werden. Es bandelt sich durchweg um Personen, die aus Bayern stam­men. Zwei Frauen und ein Knabe sind noch nicht identifiziert. Auch die Schwer- und Leichtverletzten sind Bayern. Da auch aus Freising und Landshut Aerzte und Rettungs­mannschaften in Kraftwagen zur Hilfeleistung heraneilten, schritt das Rettungswerk an der Unfallstelle bei Langenbach sehr rasch fort. Ein Schwerverletzter mußte aus den Trümmern des Zuges berausgeschweitzt werden. Die Ver­letzten wurden in die Krankenhäuser von Moßbirburg und Freising geschafft, soweit sie die Reise nicht fortsetzen konnten. Bei Ein­treffen des Hilfszuges waren die Schwerver­letzten bereits durch Kraftwagen obtransvor- tiert worden. Um die Mittagsstunde erschien die Staatsanwaltschaft an der Unglücksstätte, um Erhebungen über die Echuldsrage vorzu- 1 nehmen.

SrimkrM

Alle Gedanken über die Folgen von Irr, tümern und Trugschlüssen in der Politik gro­ßer Mächte hat Bismarck einmal in den einen knappen Satz geformt:Die geschichtliche Lo­gik ist noch genauer in ihren Revisionen als unsere Oberrechenkammer."

Es ist vielleicht der für das Frankreich des 20. Jahrhunderts gefährlichste und folgen­schwerste Trugschluß, datz seine politischen Füh­rer, ja das ganze Volk dauernd Übersehen, dah nicht die eigenen ungeheuren Opfer an Gut und Blut den deutschen Erbfeind nieder- gezwungen haben, sondern amerikanisches Ma- terial und Kapital.

Diese Tatsache mutzte notwendig früher oder später die zweifachen Folgen zeigen: die wirt­schaftliche Schwäche mußte bei der Wiederkehr normaler Verhältnisse nach dem gewaltigen Aderlaß nun doppelt sich bemerkbar machen und die Abhängigkeit van der führenden Geld- t Amerikas um so größer werden, als men es nicht verstand, mit den Kriegsgewin­nen die alten Kriegsverpflichtungen abzulösen.

Auch der Gegner muß die ti**Fo chragik sehen, die in dem verzweifelten Appell eines Clemen- ceau, der seinem Volk nur Haß gegen uns Deutsche und unbeirrbaren Glauben an den Sieg predigte, ihren Ausdruck findet: Völker lind doch keine Bankhäuser! Wir opferten Millionen tapferer Soldaten niemand gibt sie dem Leben wieder. Und Ihr Amerikaner fordert Euer Geld zurück?

Aber mit dem 82jährigen Greis, den die Welt den Tiger nannte, stirbt der Glaube an eine politiscke Romantik, für die der kalte, mitleidlose Geschäftsmann kein Verständnis haben kann: Frankreich wird erfahren, daß ein Sieg mit fremder Hilfe fast so viel be­deutet, als sei man von seinem Verbündeten geschlagen worden.

Aus der wirtschaftlichen und finanziellen Schwäche werden' nun politische Folgen er= roachfen, die gerade bei. bem System der fran­zösischen Bündnispolitik unter Umständen zu einer völligen Isolierung Frankreichs führen können.

Die französischen Politiker lzaben den Ring um das Deutsche Reick, der aus wirtsckastlich und militärisch schwachen Staaten gefügt ist, bi--Ker Zusammenhalten können durck finan­zielle und technische Rüstimasbeihilfe und durch den steten Hinweis auf die deutsche Ge­fahr.

Mit dem Augenblick, da das mit eigenen Geldsoraen beschäftigte Frankreich aufbörte, feinen Trabanten Geld und. Waffen zu liefern, faken sich diese zur Abhängigkeit verurteilten l^ckeinstaaten nach soliderer Freundschaft "tim. So umfaßt sckon heute die englilcke Inter- essenssvhäre Estland. Lettland u. Polen, wäh­rend Italien den Süden mit erkennbarem Er­folg an sich zu fesseln sucht.

Diese Gefahr der politischen Isolierung Frankreichs wird wachsen, wenn es in Kon­flikte verwickeft wird, bei denen Deutschland uninteressiert ist und die vielberufeneger­manische Invasion" ihren Wert als Bindemit­tel für das französische Bündnissystem verliert.

Diese Möglichkeit ist gegeben bei einem Konflikt zwischen Frankreich und Italien.

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Es ist infolge der ernsten Auseinandersetz­ung Deutschlands mit Italien, die zunächst eine notwendige Zurückweisung der Anmaß­ung Mussolinis war, sich dann aber zu einer Fehde auswuchs, die der notwendigen Aus­nutzung eines dynamischen Vorteils zuwider- läuft und in dauernde politisch immer be­denkliche Antipathie auszumünden droht, vielfach übersehen worden, daß die erste Macht, die Italiens unleugbarem Exvansionswillen sich entgegenstemmt, Frankreich ist.

Nicht allein, daß das italienische Volk für feine Kriegshilfe von Frankreich feine alten Provinzen Nizza und Savoyen fordert hartnäckiger und herausfordernder betont Ita­lien feinen Anspruch an dem französischen Al­gier und Tunis, wo feine Kolonisten die fran­zösischen um ein vielfaches an Zahl über­wiegen. Diese Gebiete enthalten unerschöpf­liche Rohstoffreservoire, sie sind ferner, ja viel­leicht in noch stärkerem Maße die Rekrutie­rungsgebiete der französischen Armee.

Wer die kurze Meerstrecke zwischen den afri- kaniscken und französischen Häsen beherrscht, beherrscht die Verbindung für unentbehrliche Markterzeugnisse und wichtiger noch die Reserven der französischen Armee. Wer diese lebenswichtige Nord-Südlinie bedroht, greift an die Wurzeln französischer Macht.

Und Italien greift danach. Der Vertrag zwiscken Italien und Spanien, den beiden ro­manischen Staaten, die diesen Lebensnerv Frankreichs begrenzen, ist trotz aller Beschö­nigungsversuche gegen Frankreich gerichtet. Und wenn England, angeblich selbst überrascht durch dieses neue Abkommen, nicht eine KWr