Mwv», toi 11. Augllfl 1926
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Kamenew abgelebt?
Die „Voss. 318.“ meldet aus Moskau: Wie in russischen Kreisen verlautet, ist der Sandels- kommissar Kamenew seines Postens enthoben. Mukojan, ein Freund Stalins, ist zu seinem Nachfolger bestimmt worden.
Zu den Gerüchten über Unruhen in Ruhland.
Moskau, 10. Aug. lTekgraphen-Agen- tur der Sowjet-Union.) Anläßlich der zahlreichen Meldungen über Aufstände, Verhaftungen, Attentate und Ermordungen von politischen Führern weist b:e „Iswestij a" darauf hin, daß in Mga, Stockholm und Prag seit langer Zeit besondere,Stellen zur Erzeugung wissentlich falscher Meldungen über Rußland bestünden, die Nachrichten über die gegen Litauen getroffenen Vorbereitungen Polens fälschten. Sie stellten die Angelegenheit so dar, als ob nicht Polen bewaffnete Kräfte gegen Litauen sammle, sondern als ob Rußland an der russisch-polnischen Grenze Truppenmassen vereinige. Tie Verbreitung der verschiedensten Meldungen über Rußland stellte den Versuch dar, Handlungen bei der Vorbereitung neuer Abenteuer ertappter Mächte zu verschleiern, indem die allgemeine Aufmerksamkeit auf Rußland gelenkt werde.
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Sriegeeorbereituagen gegen Manen
Riga, 10. Aug. Ende Juli hat sich der leitländische Kriegsminister und am 3. August eine Kommission, bestehend aus drei Eeneral- stabsofsizieren, nach Dünaburg begeben, wo ein Zusammentreffen mit polnischen Generalstabsoffizieren im Gelände stattkand. Diese Rekognoszierungen stehen offenbar in Verbindung mit den Gerüchten über militärische Operationen gegenüber dem Wilnaer Korridor.
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Sie Sage in Sctiiin
London. 10. Aug. Die „Time s“ be- rtchtot aus Teheran: Die Wirkung der militärischen Revolte in Aserbeidschan und Khorasan werde jetzt deutlich. Der Schab x werde anscheinend gezwungen, mit der Sowjetregierung zu einer Regelung zu kommen. Er entsende den Hofminister Mirza Khan Timruiasch in einer Sondermission nach Moskau, wo er in Anwesenheit der Botschafter Sowjetrußlands und der Türkei in Persien über die Regelung der ausstehenden Fragen der Sowjetfischereien in den persischen Ce- wässern, des persischen Ausfuhrverbots und des Zolltarifes auf dem Fluß Atrek und im Hafen von Enzeli verhandeln werde. Mirza Khan Timurtasch beabsichtigte, von Moskau nach Angora zu gehen. Es sei nicht unmöglich, daß der Vertrag mit der Sowjetregierung ■auf derselben Grundlage wie der türkisch-persische Vertrag unterzeichnet werde.
Dem „Time s"-Korrespondenten zufolge nimmt die Unsicherheit im Innern zu. Reuter berichtet aus Buschir das Eintreffen des britischen »Kriegsschiffes „Cyclamen" in Bahrein am persischen Golf.
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Fortdauer des englischen Sergnrbeilerflreiß
Ablehnung des Bermittlungsvorschlags der Kirche durch die Bergarbeiter.
London, 10. August. Der Exekutive ausschutz des Bergarbeitervecban- des ist heute zusammengetreten, um daS Ergebnis der Abstimmung in den einzelnen Bergwerksdistrikten über die B o c - schlage der Bischöfe zur Regelung des Bergarbeiterkonfliktes entgegenzunehmen. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, haben die Bergarbeiter die Vorschläge ab gelehnt. An der Lage hätte sich zunächst auch kaum etwas wesentliches geändert, da die Grubenbesitzer die Verlängerung der Arbeitszeit als Verhandlungsgrundlage fordern. Nach Angabe dec Grubenbesitzer hat sich immerhin die Zahl der Arbeitswilligen über Sonntag von 1200 auf 12 000 erhöht. z
eine Sellctltimefe an Bulgarien
England
Wie das „Neue Wiener Tageblatt“ aus Belgrad meldet, wird der südslawische Gesandte in Sofia die südslawische Note an Bulgarien beute oder morgen der bulgarischen Regierung übergeben. Die Note stellt einen Kollektivschritt Jugoslawiens, Rumäniens und Griechenlands dar. Wie die „Breme“ erfährt, verteidigt die Note energisch die nationalen und staatlichen Interessen Südslawiens. Bon vornherein erscheint jede Diskussion ausgeschlossen. Die Forderungen, die die südslawische Regierung stellt, enthalten folgende Punkte:
1. Auflösung des mazedonischen Komitees,
2. Auslieferung der Komitatschiführer an Südslawien, die sich für die begangenen Verbrechen zu verantworten haben werden. Die meisten dieser Führer waren seinerzeit nach dem Krixge als Kriegsverbreecher zur Auslieferung verlangt worden.
3. Entschädigung an die Familien der bei den jüngsten Grenzzwischeniällen ums Leben gekommenen Personen.
Wie das Blatt weiter meldet, sei niemals die Frage der südslawischen Beziehungen zu Bulgarien mit mehr Takt und Einsicht, aber gleichzeitig auch mit mehr Entschiedenheit behandelt worden als anläßlich der letzten Ban- deneinkälle in Kriwa-Palanka. Der südslawische Schritt sei mit Aufmerksamkeit erwogen worden und werde mit unwiderleglichen Beweisen bekräftigt, so daß es Bulgarien unmöglich sein werde, wie schon so oft die Forderungen Südslawiens abzuweisen
greift ein
Große Nervosität in Sofia.
Belgrad, 10. Aug. Belgrader Blätter melden aus Sofia, die bulgarische Antwort auf die jugoslawische Note werde darauf Hinweisen, daß Bulgarien infolge des Friedensvertrages nicht über genügende Gendarmerie-Kräfte zur Bewachung der Grenzen verfüge. Eine weitere Parole, die Bulgarien ausgegeben habe, sei, die mazedonische Frage vor den Völkerbund zu bringen. Im übrigen melden die Blätter, daß in Sofia große Nervosität herrsche, die vor allem in der Schreibweise der Zeitungen zum Ausdruck komme. Die öffentliche Meinung sei um so mehr beunruhigt, als der angekündigte Schritt noch nicht erfolgt ist. Erhöht werde die Beunruhigung durch den Umstand, daß es sich um einen Kollektiv schritt Jugoslawiens, Rumäniens und Griechenlands handle.
6ln englischer MM in Beigrub
Belgrad, 10. Aug. Der englische Gesandt« in Belgrad erschien gestern beim Minister des Aeußern, Nintschitsch, und ersuchte ihn, wie „Politika“ erfährt, um Informationen über die jugoslawische Note an Bulgarien. Der Gesandte betonte, daß seine Intervention mit Wissen und Zustimmung Italiens und Frankreichs erfolge und empfahl dem Minister des Aeußeren, den jugoslawisch- bulgarischen Streitfall der Septembertagung des Völkerbundes zu unterbreiten. Nintschitsch gab die Wünsche der jugoslawischen Regierung bekannt und versicherte dem Gesandten, daß die Haltung der jugoslawischen Regierung nicht im geringsten aggressiv sei. Der französische Gesandte suchte gestern gleichfalls Nintschitsch aus' Wie „Politika“ erfährt, stand der Schritt des französischen Gesandten in vollem Einklang mit dem Besuch des englischen Gesandten. Nintschitsch begab sich gestern nach Veldes.
Amerika rum Brief Liememenns
Lächerliche Abschwächungsvcrsuche vrr deutsch-feindlichen Presse.
London, 10. Aug. Die „Times“ berichtet aus Newyork, daß Clcmenceaus Schreiben dort kaum einen günstigen Eindruck gemacht habe. Man erinnere sich in Amerika noch ganz lebhaft der Rolle, die Clemenceau bei Abschluß des „strengen Friedens“ gespielt habe, als daß seine Beweisgründe dort viel Sympathie erzeugen könnten. Außerdem weise man auf die Beträge hin, die Frankreich seit dem Kriegsende für die Finanzierung der Militärausgaben seiner militärischen Vasallen und für seine Feldzüge in Syrien und Marokko ausgegeben habe. Elemenceaus Einspruch werde daher in Amerika mit zynischem Lächeln ausgenommen.
Die gesamte amerikanische Presse fährt fort, die Sensation des Clemenceau-Eriefes auszunützen und läßt die Tatsache erkennen, daß die gereizte Stimmung gegenüber Frankreich durch den Brief Elemenceaus nicht unwesentlich verschärft worden ist. Die Washingtoner Berichterstatter der New Aor- ker Presse übertreffen sich gegenseitig in Angriffen gegen Clemenceau. Washington, so heißt es u. a., erinnere daran, daß Frankreich bisher keinen Pfifferling zucückgezahlt habe. Präsident Coolidge erhalte aus allen Teilen des Landes Berge von Briefen, in denen die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert werde, in der Schulden-- frage keinesfalls nachzugeben. In Washington frage man sich erstaunt, wer wohl Clemenceau den Rat gegeben habe, ein derartiges Schriftstück zu verfassen. Der Brief Elemenceaus sei im ganzen ein Stück großer Unverfrorenheit.
Die deutsch-feindliche Presse, anscheinend in der Absicht, die verheerende Wirkung des Clemenceau - Briefes abzuschwächen, bringt erneut Sensationsartikel über die „deutschen Kriegsrüftungen". „Evening Post" erklärt, der neue angebetete „Darling" der „alten preußischen Kriegsmaschine" schaffe in der Reichswehr insgeheim eine neue Armee, in der „jeder den Marschallstab im Tornister trage". Die Kontrollkommission sei viel zu nachsichtig gegenüber von Seeckt. In Deutschland wisse man über-
all welche Macht von Seeckt besitze. Die Alliierten täten gescheiter, weniger Proteste über die Kriegsschuldenfrage loszulassen, als auf die Rüstung der deutschen Armee aufzupassen.
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Ar toggenbrrorbnuug Mit in Kraft
ff Berlin. 11. Aug. Der demokratische Zeitungsdienst teilt mit, das Auswärtige Amt bat die diplomatischen Vertretungen int Auslande auf die amtlichen Verfassungsfeiern der Reichs- und Staatsbehörden hingewiesen und angeregt, am Verfassungstage gleiche Feiern auch im Auslande unter Beteiligung der Ausländsdeutschen zu veranstalten.
Im übrigen wird am 11. August die neue Flaggenoerordnung bei den deutschen Auslandsmisfionen überall wirksam werden.
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ettotfftitr für Stto Üilitulbal
Berlin, 10. Aug. Anläßlich des 30. Todestages Otto Lilienthals sand heute nachmittag unter der Ltlienthalhöhe in Lichterfelde am Fuße des Monumentes eine Gedenkfeier statt, zu der -er Aeroklub von Deutschland die anderen Luftjahrerorgaiusationeu geladen hatte. Eine zahlreiche Menge hatte sich eingefunden, darunter der Vizepräsident des Aeroklubs Major v. Tschudi, außerdem Maior v. Parseval. Auch Gustav Lilienthal, der Bruder Otto Lckienthals, der heute noch in einem ihm von der deutschen Lufthansa zur Verfügung gestellten Raume die Versuche seines Bruders fortsetzt und demnächst mit einer von ihm konstruierten Maschine an die Oefsentlichkeit treten wird, war mit der Tochter Otto Lilienthals erschienen. jßor dem Gedenkstein sprach Major von Bahler, der Präsident des Aeroklubs, Worte des Gedenkens. Er erwähnte, daß die heutige Feier der Auftakt zu einer großen Gedächtnisfeier im September fein solle und daß die Errichtung eines Lilienthal-Heims für Flieger geplant sei.
ff- Kairo, 11. Aug. Bei drei verschiedenen Flugunfällen wurden gestern drei britische Flieger getötet und zwei verletzt. ,
SmMrüftimgm
In Berliner politischen Kreisen ist man einigermaßen v e r ft i m m t.über das geringe Entgegenkommen, das die ßoearnopartner, namentlich Frankreich, in verschiedenen Deutschland stark interessierenden Fragen, gerade in letzter Zeit an den Tag legen.
So hat u. a. die Ablehnung des letzten deutschen Vorschlags über die Definition von „D e f e n s i v r ü st u n g e n" in der letzten Sitzung der militärischen Abriistnngskommission in Genf starkes Befremden bei den deutschen maßgebenden Stellen ausgelöst. Der Vorschlag Deutschlands ging bekanntlich dahin. daß'eine Armee, die wie die deutsche, keine militärischen Flugzeuge, keine schwere Artillerie. keine Tanks, keine Mobilisierungsvorbereitungen, keine Kriegsvorräte, wenig Munition. Heine Reservisten, keine ferneren Li- nienfd'iffe und Unterseeboote besitze, als der Top einer ausschließlich defensiven Armee an« nefeben werden sollte, ^m ganzen Verlauf der 'Ubrüftunnebebatten war nach kein Antrag gestellt worden, dessen sachliche Dearündung und Berechtigung so über allen Zweifel erheben war. Trotzdem bat d!e Abrüstunostzommission mit neun gegen 2 Stimmen bei 6 Stimment« haltunaen den deutschen Vorsckio" qfmelehnt.
Die deutsche Armee gilt also als nicht desensiv, während die französische, polnische und tschechische Armee, weil sie ans Fin-mz- not und unter dem Druck der allmählich stärker werdenden öfsentlichen Meinung in der Zukunft vielleicht etwa» weniger Soldaten in der Kaserne halten werden als jetzt, ohne dabei ihre in den Millionen Reserven und dem ungeheuren Kriegsmaterial liegende eigentliche Angrisssfähigkeit zu schwächen, alle Aussichten haben, als defensiv zu gelten. Der Beschluß der Abrüstungskommisiion bedeutet daher geradezu eine Verhöhnung Deutschlands.
Auch die schleppende Art, mit der die Alliierten die Ratssitzfrage behandeln, obwohl doch die Dölkerbundstagung dicht vor der Tür steht, hat in deutschen politischen Kreisen stark verstimmt. Sehr bezeichnend ist in dieser Beziehung die Stellungnahme der ..Täglichen Rundschau", des offiziösen Blattes des Außenministers Di. Stresemann, der be- luinntliA seit einigen Tagen wieder in Berlin weilt. Das Blatt spricht in einer offenbar inspirierten Notiz die Vermutung aus, daß die Beschlüsse, die von dem sogenannten Studienausschutz über die Ratssitzfrage gefasst wurden, inzwischen wieder ins Wanken gekommen seien, da anscheinend England wieder stark dazu hinneige, den spanischen Wünschen entgegenzukommen. Das Blatt verlangt daher '.halb einmal mit aller Bestimmtheit zu hören, wann der Studienausschutz zu seiner zweiten Sitzung einberufen werden wird, damit in dieser rnöas'ckst pndoältia voll» Klar'-eit ai’t'+mOen werden kann". Es unterliegt keinem Zweifel, datz in obigem Satz ein deutlicher Wink nach Varis und London enthalten ist, die deursche Geduld nicht allzusehr auf die Probe zu stellen.
Ausschliehlich nach Paris richtet sich der zweite Teil der offiziösen Notiz, in dem erklärt wird, datz „fast von grötzerem Fnteresse als die Ratssitzfrage die Frage der Minderung der Besatzung im besetzten Gebiet fei". Mit deutlicher Beziehung auf die in letzter Zett in der französischen Presse angekündigten kleineren Truppenverminderungen erklärt das Blatt ausdrücklich, datz die versprochene Annäherung an die sogenannten Normalziffern der Besatzung „nicht dadurch zu erreichen fei, daß etwa ein bis zwei Regimenter nach und nach abgebaut werden. Die Erwartung des deutschen Volkes gehe vielmehr dahin, datz die Besatzungsziffer, die die normalen Ziffern noch um mehrere Zehntausend überragt, schnell und gründlich vermindert wird und datz diese Verminderung noch im Lause dieses Monats, also vor dem Zusammentritt des Völkerbundes, spürbar in Erscheinung tritt “
Die deutsche Regierung — und sie ist es. die zweifellos hier durch die „Tägliche Rundschau" spricht — verlangt also, datz noch im Manat August mit der feit Fahren versprochenen Herabsetzung der Besatzungstruppen endlich einmal ernst gemacht wird. Ob die deutsche Re- nierung den Beginn der Reduzierung der Be- satzungsarmee zur Voraussetzung der weiteren Aufreckterhaltung ihres Eivtrittsgesuches in den Völkerbund machen rotll. gebt aus den Ausführungen der ..Täglichen Rundschau“ allerdings nicht ausdrücklich hervor, andererseits kann aber die Notiz ganz gut dahin verstanden werden, daß sich die Reaterung diese Möglichkeit durchaus offen hält für den Fall, daß Gleichgültigkeit oder übler Wille auf der Gegenseite Deutschland nicht zu seinem Rechte kommen lassen will. -