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Oberhessisch« 3eitane, Marburg a. L. Mittwoch, 4. August 1926
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Vormarsch der Spanier in Marokko.
sk Madrid. 4. Aus. Die spanischen Truppen haben sich bei ihren gestern begonnenen Operationen im Abschnitt von letuan der Stadt Scheschauen auf etwa 30 Kilometer genähert.
Schwere Wolkenbrüche in Mexiko.
st Mexiko, 4. Ang. Schwere Wolkenbrüche haben in mehreren Staaten Mittel- ^Uexikos grobe Ueberschwemmungen hervor- - gerufen. In Queretaro entgleiste ein Per- lonentufl. Eine grobe Brücke bei Acatlan wurde weggeschwemmt.
9tBh"M Reick
Die «eichSeinnahmen und -ansgnbe« fit Vierteljahr «pril bi» Juni 1926.
dem Wagen.
Werte von 190 000 <4t bei ein»« Einbruch i« ein Münchener Jumeltergeschiist gestohlen. In Mün-ben wurde am Samstag nachmittag zwischen s-- Ubr und Uhr. während welcher Zeil Vas kseschäft geschlossen war, ppm Keller aus In die Verkaufsräume eines 2u- weliergeschäfter eingebrochen und tzaraug Se- sensländtz im Wert» »<m iooooo * sestsblen.
scheu Richterveretns an den Reichstag und an die Reicheregierung eine Eingabe gerichtet, in welcher er unter Hinweis auf Artikel 15, 102 ff. der Reichsverfassung, den Reichstag ersucht, 8ui Währung der Unabhängigkeit der Richter einzugreifen, weil einem Richter in Magdeburg bei der Führung einer Voruntersuchung von Verwaltungsbehör. den außerordentliche Schwieriigkeiten bereitet wurden. Dadurch entstehe die Gefahr, dab die Klärung der Angelegenheit unmöglich gemacht werde.
Dr. Kölling geht in Urlaub.
Me die „Tel.-Union" erfährt, hat der Ober- staatsantpgst auf Grund des Gutachtens des Sachverständigen Metzger und der an die Braut von Schröder gerichteten Bnefe ein zweites Verfahren gegen Schröder und zwar Wegen Mordes eingeleitet. Landgerichtsrat Dr. Kölling hat efnen Gesundheitsurlaub beantragt und auch erhalten, den er wahrscheinlich am Donnerstag antreten wird.
Berlin, 3. August. (WTB.) Rach der vom Reichsfinanzmtntsterium herausgeaebe. neu Uebersicht über die ReichSeinnahmen und Reichsausgaben im Vierteljahr Avril bis Ende Juni 1926 beliefen sich in MilLi- onen Reichsmark ausgedrückt im ordent» lichen Haushalt die Einnahmen auf 1524. die Ausgaben auf 1601. Mithin war ein kastenmäßiger Zuschuß von 77 erforderlich. Dagegen ergibt sich infolge der in den HauS- halt eingestellten Ueberschüsse au* den Iah» ren 1924 und 1925 ein etatsmütziger Heber» schuß von 14.8. Im außerordentlichen Haushalt beliefen sich die Einnahmen auf 0.6, die Ausgaben auf 116.5. Mithin sind Anleihen zu decken 115.9.
halten haben soll. Die Oefsentlichkeit wird dann wieder hergestellt. Die Verhandluna weiter.
Ein darauf vernommener Rechtsanwalt sagt aus, daß ihn Seitz gefragt habe, oh er zur Zahlung von Alimenten verpflichte» sei, wenn die uneheliche Mutter vor Ge^ hurt des Kinde* in notarieller Urkunde da« rauf verzichtet hätte. Auch diesem Zeugen gegenüber sprach Seitz davon, daß er immer gucken müsse, daß sie nicht etwa rechts oder links stehe und ihm auflauere. Ihr Lebenszweck sei, ein Kind von ihm zu bekommen Der Zeugin P. sagte Dr. Seitz, daß er nie seines Lebens sicher sei, wenn er abends nach Hause gehe. Einem weiteren Zeugen K Seitz am 15. Oktober anläßlich eines chenschaftlerfestes beim Abschied: hoffentlich komme ich heute nacht gut nach Hause!" Der folgende Zeuge, ein Rechtsanwalt, erklärte, daß Seitz abends aus dem Lokal nicht wegzubringen gewesen fei, da et befürchtete, daß ihm aufgelauert würde. Die Angeklagte wird hier sehr erregt, und erklärt, sie könne lückenlos nachweisen, daß sie nachts stets zu Hause war, mit Ausnahme der Tage, wo sie mit Seitz selbst ausging.
Als bei einer der folgenden Zeugenaussagen im Publikum gelacht wird, wird die* sowohl vom Verteidiger wie vom Vorsitzenden scharf gerügt. Die Angeklagte wird im Verlaufe der Beweisführung schließlich so erregt, daß die Verteidigerin sich neben ihr auf die Anklagebank setzt, um sie zu beruhigen.
Nach weiteren unwesentlichen Zeugenaussagen begibt sich da* Gericht zu einer Ortsbesichtigung nach dem Tatort. Die Angeklagte nahm hieran nicht teil.
Ntk Mröxwzch Mine
I Berlin, 3. Aug. Der „Lokalanzeiger" berichtet über eine Unterredung, die der Korre-
I svondent des Blattes in Magdeburg mit dem Landgerichtsrat Kölling hatte. Auf die
I Frage des Korrespondenten, weshalb der Untersuchungsrichter bisher gegen Schröder nur ein Verfahren wegen Diebstahls und Raubes geführt bade, antwortete Kölling nach
I dem genannten Blatt;
„Wenn wir von vornherein Schröder mitgeteilt hätten, daß gegen ibn ein Verfahren wegen Mordes schwebe dann wurde es uns nicht möglich gewesen sein. Näheres über die Ermordung Hellings von ihm zu erfahren. Lediglich aus taktischen Gründen wurde bis jetzt gegen Schröder noch kein Verfahren wesen Mordes oder Mordbeteilizuns einze- leitet. Dies ist aber nur eine Formsache. Schröder ist verloren! Ganz unabhängig davon aber ist die Frage, ob Schröder einen Raubmord nusfübrte oder ob er den Mord vollbracht bat. um einen ihm gegebenen A u f- ! trag auszuführen. Ich habe gestern und vorgestern verschiedene Vernchmunsen vorgenommen, -um Teil auch Ermittlungen außerhalb Magdeburgs angestellt. Alles veranlaßt m!*- an meiner These feRauheiten und mei' Untersuchung weiter zu führen."
Von den Berliner Kommissaren Busdorf, Dr. Riemann und Raschwitz sind in der Mordlache Sellins weitere Ermittlungen im Auftrage der LandeskriminalpoÜzeidirektion angestellt worden, auf Grund deren die Berliner Kriminaloolizei einen gemeinen Raubmord, besangen von Schröder als erwiesen nnsteöt. Ein Telegramm des vereidigten Schien-Sachperftändigen Dr. Metzger-Stuttgart erklärt, daß die Kugeln im i Kopfe Hellings ohne jeden Zweifel aus dem Revolver Schröders stammen. Man steht es bei der Berliner Kriminalpolizei als stcher an. daß Schröder den Helling in fein Haus lockte und dort ermordete, um ihm die 500 Mark Kaution zu rauben, die Sellins auf Grund I eines Inserates Schröders mitgenommen batte,
Untersuchungsrichter Kölling erflärt, dab sich das Retz feine« Untersuchungen immer enger um Direktor Haas zufammenziehe. Er fei im Besitze so schweren, zum Teil neuen belastenden Materials, daß an eine Haftentlassung entgegen der Abstchi Berlins gar nicht W denken sei. Rach feiner Ansicht komme nur Mord auf Anstiftung in Frone- ®r I werde auf jeden Fall seine Untersuchungen trotz des Ergebnisses der Berliner Ermittlungen fortiübren.
Landserichtsrot Rkschke bat in seiner Eigenschaft als ftellverireiender Vorsitzender des Bezirksverbandes Magdeburg des vrenßi- 1
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Verabschiedung bet Gesetze über die Ber- fanunesänbetune im polnischen Landtag.
Warschau, 3. Aug. Der polnifche Landtag hat die Gesetz« über eine Verfassungsänderung und bas Gesetz über die Regierungsvollmachten verabschiedet. Von den 26 Zusatzanträgen des Senats sind im Mgemeinen diejenigen gefallen, die eine Beschränkung der Rechte der Regierung ;nr Folge gehabt hätten. Ja, es wurde sogar so wert gegangen, daß noch über die ursprüngliche Ab» ircht der Regierung hinaus sich der Sejm beispielsweise das Recht der Selbstauflösung nahm. Nur noch der Staatspräsi- dertt wird in Zukunft das Recht der Laudtags- anflösung besitzen.
Der Seim hat auch den Zusatzantrag des Senats verworfen, in dem es heißt, daß dw von der Regierung erlassenen Dekrete nicht nur dem Seim, sondern auch dem Senat vorgelegt werden müssen. Hierüber ist nun ein Konflikt zwischen den beiden Häusern entstanden. Senatsmarschall Arompoczynski .behauptet, die ganze Bestimmung set gefallen, während Ieim- marschall R a t a i dahrn interpretiert, nur die Pflicht der Regierung, Dekrete auch dem Senat vorzulegen, sei annulliert worden. Arompo- czhnski hat für kommenden Donnerstag eine Senatssitzung einberufen, um zu diesem Streitpunkt eine Stellungnahme des Senats herbei- zuführen . Der Sniatsmarschall wird deshalb von der demokratischen und sozialistischen Presse angegriffen, da ja durch das Votum des Sejm auf reden Fall schon das letzte Wott gesprochen sei.
Der seinerzeit von den Sozialisten ringe» brachte und im Ausschuß schon gefallene Antrag, den Sei'm vollständig aufzulösen, wurde, wie allgemein erwartet, mit den Stimmen der Rechten und des Zentrums, die zunächst noch eine Aenderung der Wahlordnung durchsetzen wollen, abgelehnt. Nach Erledigung der übrigen Punkte der Tagesordnung schloß der Seimmarschall die diesjährige Sommersession des polnischen Landtages.
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Unfall eine, italienischen Luftschiffes.
Rom, 3. Aug. Das Luftschiff II, das dem I Dampfer Bianca Ma ne, den an Bord befindlichen italienischen Nordpolfahrern zu Ehren das Geleit gegeben hatte, mußte auf dem Rückfluge wegen eines unvorhergesehenen Zwl- I schensalles rund 20 Kilometer von Gaeta nie» bergehen . Dabei fielen der Maotr Ferh und der technische Leiter Rossi ins Meer und gingen unter . Das Luftschiff rourae von rasch herbeigeeilten Kriegsschiffen abge- schleppt und wird wieder instand gesetzt wer» I den.
Absturz eines Fesselballon, in England.
K e m p st o n, 3. Aug. Hier Nß sich heute I ein Fesselballon los . Die Gondel des Ballons Kans einer Höhe vyn einigen zwanzig n zu Boden. Vier Personen wurden ge» I tötet, eine schwer verletzt.
Auiomobilunglück in bet Schweiz.
Duebendorf, 3. Aug. Beim Probieren für das Klausen-Rennen überschlug sich heule beim Passieren der Sleinbrücke des schmalen Feldweges bei Zürichherg der Bugatti-Renn- wagen des Fliegerhauptmanns Wuhrmann. Wuhrmann selbst Wurde nur leicht verletzt, dagegen War der ihn begleitende Fliegerleut- nant Buessianh sofort tut, Der Grund für den Unfall ist in dem Versagen der Bremse zu suchen.
Stober Brand in einet bulgarischen Waggonfabrik.
fk. Sofia, 4. Aug, Ein heftiger Brand zerstörte dse einzige Waggonfabrik Bulgariens in der Umgebung von Sofia. Der Schaden betrügt mehrere Millionen.
Der Ban eine, 60 ooo Tonnen-Damvfers geplant.
ff New Pork, 4. Aug. Franklin, der Präsident der Internationalen Meveantile-Ma- rine-Komvagnie teilte bei seiner Rückkehr aus London mit, dab ein Plan für den Bau eines Wbite-Sbar-Damofers von 00 000 Tonnen aufgestellt worden sei.
Auf den Spuren be, Jumelenräubers Frank.
Berlin, 3- Aug. Die auf Rügen weilenden Berliner Kriminalbeamten fanden gestern die erste Sour des entflohenen Fassadenkletterers Frank. Ein in Göhren beschäftiget Bäckergeselle, bei Frank sehr genau kennt, gab an. ihn am Freitag nachmittag 4 llbr in Göb- ren getroffen zu haben. Nachdem Frank mehrere Stunden mit ihm verbracht hätte, sei et wieder verschwunden, ohne anzugeben, wohin et sich wenden wolle. Wahrscheinlich bat Frank sich durch den Einbruch in Eöbren Mittel zur weiteren Flucht beschafft.
Sin fontzerbarer Selbstmordversuch.
Einen nicht alltäglichen Selbstmordversuch unternahm in der Ratiborer Strafanstalt ein Gefangener, der sich mit einer Schuhbürste einen Nagel in den Kopf schlug. Dies konnte bald bemerkt werden, worauf der Nagel her- au,gesogen wurde. Der schwerverletzte Straf’ gefangene hat sich bi, jetzt jedoch geweigert, zur Verhinderung einer Gehirnhautentzündung eine Operation an sich vornehmen zu lassen-
Der Äinberroogen in Mein.
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Berlin, 3. August. Dem »Amtlichen Preußischen Pressedienst" wird aus dem preußischen Wohlfahrtsministerium geschrieben: Die ungültige Wirtschaftslage im Ruhrgebiet, die voraussichtlich zu einer dauernden Verschlechterung des Arbeitsmarktes sichren wird, macht eine Entlastung dieses Gebiets durch Umsiedlung überzähliger Bergarbeiterfamilien in andere, aufnahmefähigere Provinzen notwendig. In Betracht kommen nur erwerbslose, verufsüberzäh- liae Ruhrarbeiter, vor allem Bergarbeiter mit möglichst starker Familie. Die Umsiedler sollen auf mehrere Provinzen und zahlreiche Siedlungen verteilt werden, um eine größere Anzahl landwirtschaftlicher und industrieller Arbeitsstellen und damit leichtere Arbeitsvermittlung und eine leichtere Angliederung (Kirche, Schulen usw.) an schon bestehende Gemeinden zu ermöglichen. Durch die Umsiedlung sollen zugleich ansk ändische A rb e iter, die in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt sind, verdrängt Werden.
Für die Förderung der Finanzie-, rung der SiedlungSoauten werden aus Mitteln der produktiven Erwerfrslosenfüo- sorge niedrig verzinsliche Tilguugshhpo- t freien von etwa 4000 Mark für jede Woh-- nung zur Verfügung gestellt. Tilgung und Perzinsung dieser Forderungssumme sind den Bedingungen der Hauszinssteuerhypo- thek angepaßt. Außerdem werden vierprv- zentige Zusatzhhpotheken gewährt, die auf fünf Jahre unkündbar sind. Die Resthaw» kosten werden durch Hypotheken des freien Marktes gedeckt. Das erforderliche Gelände wird von den beteiligten Arbeitgebern kostew- los zur Verfügung gestellt. Sie bringen in der Regel auch noch einen verlorenen Zuschuß von 2000 Mark je Wohnung auf. Eine Bindung der Umsiedler an einen Arbeitgeber ist nicht zulässig. Aus dieser Grundlage ist in letzter Zett bereits eine größere Zahl ton Umsiedlungen in die Wege geleitet.
Höchstdauer in be» «,iyerbsl»s,n-Fiirs»rse.
Berlin, 8. Aug. Die Wirksamkeit der Anordnung be« Reichsarbeitsministee», hab di« Höchstdauer in bet Erwerb»!,» sen-Fiirsarge 39 Wochen beträgt unb die Fürsorge über hie 39. Woche his zur Dauer von 53 Wochen neelingert »erben kann, ist kaut ,B»r»ärts" über Von 31. Juli hinaus bis zum 31. Januar 1927 verlängert worden.
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I (1. Berhandlungstag).
I Frankfurt a. M-, 2. August. Der mit so großer Spannung erwartete neue Prozeß I Flessa n ahm heute vormittag vor dem I Schwurgericht seinen Anfang. Umfangreiche I ^.bsperruugrmaßnahmen waren getroffen I worden, um dem Prozeß einen ungestörten
Verlaus zu sichern unb nur die mit Zu? trittsfarten versehenen Personen fanden I Einlaß. 700 Personen hatten sich um Ein- I trittskarten beworben, aber da sich nur 50
Plätze Herrichten ließen, so ist nur ein geringer Prozentsatz der Bewerber in der I Lage, der Verhandlung beiwohnen zu können, da ja die Karten auf Namen ausgestellt sind und für die ganze Prozeßhauer 'gelten. Die Anklagebehörde wird wieder I wie in dem ersten Prozeß von dem ersten I Staatsanwalt Floret vertreten. Die An« geschuldigte wird von Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer, Pros, und Fräulein Dr. Anna Schulz, der bekannten demokratischen Stadtverordneten, verteidigt. Damit tritt zum ersten Male in einem Frankfurter Gerichts- I saal eine Frau als Verteidigerin auf. Fräulein Dr. Schulz trägt keine Anwaltsrobe. Zur Verhandlung sind 63 Zeugen, für den ersten Verhandlungstag davon nur zwölf geladen. Kurz nach 9 Uhr wurde die Angeklagte, Krankens >r Wilhelmine Flessa, in den Saal ges Die Angeschuldigte, hat sich in ihrem , ren wenig geändert.
I Unter den Zeugen befindet sich die Schwester der Angeklagten, unter den Zuschauern bemerkt man wiederum den Bruder des Getöteten. Nach Verlesung des Eröstnunzs- beschlusses wird die Angeflagte zur Aeutzo- rung aufgefordert, aber es gelingt dem Vorsitzenden nur schwer, sie zum Sprechen zu bewegen, und es bedarf häufia der Zusprache des Verteidigers, um die Beschuldigte zu einer Erklärung zu veranlassen. Schwester Flessa ist sichtlich gefaßter als im ersten Prozeß. Der Vorsitzende geht auf die wichtigsten schon bekannten Daten aus ihrem Vorleben ein. Als die Sprache auf die Beziehungen der Angeklagten zu Dr. Seitz kommt, wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, der Presse aber die Anwesenheit gestattet. Die Angeflagte lernte den Arzt gelegentlich einer Pflege im Roten Kreuz re£wn™$m Februar 1923 ging sie zum ersten Male mit ihm spazieren.
(2. Berhandlungstag).
Frankfurt.a. M., 3. August. Das Zeugenverhör wurde heute fortgesetzt, und I zwar fanden Zeugenvernehmungen über wichtige Aeußerungen der Angeklagten und des Dr. Seitz statt. Ein Arzt sägte als Zeuge aps, daß, als dse Sprache auf eine evtl- Hei- I rat mit der Flessa kam, Dr, S. geäußert habe, I er denke nicht daran. Dies machte jedoch I bei dem Zeugen den Eindruck, als sei diese Verneinung als indirekte Bejahung anzusehen, Ein anderer Arzt, der gesellschaftlich I mit Dr. S. verkehrt», sagt aus, daß er seit längerer Zeit von einer Krankenschwester verfolgt würde, die mit ihm ein Verhältnis anfangen wollte. Er habe sich gewehrt, sie sei ihm jedoch einmal in der Anlage entgegengesprungen und habe ihn mit einem Revolver bedroht. Er habe sich vor sie hin- I gestellt und gesagt: „Schieß nur hin". Auf I eine spätere Frage des Zeugen über den Stand der Dinge habe sich S, ausweichend geäußert. Bei einem anderen Gespräch gab er ihm jedoch Mitteilungen über die Zn- I dringlichkeit der Schwester und sagte: „Fch I sage es Ihnen, damit, wenn ich eines Tages tot aufgefunden würde, Anhaltspunkte da sind", ^vnst habe er sich sehr abfällig über die Lchwoster geäußert. Dem Zeugen I joar aw^ bekannt, daß Dr. S. Schritte bet der Polizei und beim Rechtsanwalt in der I Sache unternommen hatte. j
Es erfolgt nun die Vernehmung mehrerer Bundesbrüder des Erschossenen, Der eine, I Rechtsanwalt Dr. H., ist von Dr. S, über I den Stand der Dinge aufgeklärt worden. Er habe ihm gesagt, er müsse Mann genug sein, I so ein Frauenzimmer abzuschütteln. Nach einiger Zeit äußerte Dr. S.< es werde immer toller mit dem Frauenzimmer und es müsse ein Ende gemacht werden. Als die Rede auf ein Tanzkränzchen, an dem sich der Er- I schossene .beteiligte, kommt, meint dev I Staatsanwalt, daß Dr. S., der ein lebens- I froher Mann war und Verkehr mit Mäd- I (freu hatte, es nicht nötig hatte, mit der I Flessa zu verkehren. Frl. Dr. Schulz, Ber- I teidigerin der Angeklagten, fragt den Zeugen I über Gelage, die in seinem Hanse veran- I jtaltet worben sind, bei denen minderjährige I Mädchen zugegen waren. Auf Antrag des I Staatsanwalts wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, der Presse aber die Anwesenheit I gestattet, Nach den gepflogenen Erörterän- gen «gafr sich, daß Dr. S. sich korrekt ver- |
Lohnbewegung i* Dbcrschlesien.
Ka11owitz, 3. August. (WTB,) Die 1 Arbeitsgemeinichaft der Arbeiterorganisatio- 1 n»n hat gestern nachmittag das Lohnab» kommen in der Schwerindustrie Pol- nisch-Lberschlesiens znm 15. ds. Mts. gekündigt. Verhandlungen dürsten bereits in den nächsten Tagen aufgenommen werden. Auch die Verbände der Arbeiterschaft tm Dombrowaer und Krakauer Industrierevier hckben die Lohnabkommen gekündigt.
Eine Tvvüns-Enibe»ie in Döberitz.
Berlin, 3. Aug. Den Plättern zufolge Ut auf dem Truppenübungsplatz in Döberitz eine Anzahl Soldaten des Reiter-Regiments Rr. 11 an Typhus erkrankt. Einer der Erkrankten ist bereits gestorben. Anscheinend ist die Krankheit von dem Regiment von Altengra- bow in Döberitz eingeschlevvt worden, da nach Mitteilungen aus Magdeburg im Lazarett in Burs ebenfalls ein Reichswebrsoldat des genannten Regiments an Tyvbu» gestorben ist.
Stratil-Sauer zu 4 Jahre» Gefängnis _ verurteilt.
Berlitz, 4, Aug. Die „Vssstsche Zeitung" meldet aus Kabul (Afganistan)), der deutsche Forscher Stratil-Sauer, dessen Verurteilung zum Tode nur dadurch batte vermieden werden können, haß die Familie des von ihm aus Notwehr erschossenen Afganen ihm feierlichst verzieh, wurde zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt.
Deutsche Taucher in Frankreich.
fk Paris, 4. Aug. Me „Maltin" mitteilt, werden morgen deutsche Taucher in Brest eintreffen, um die Nachforschungen nach dem etwa 120 m tief liegenden Wrack des Dampfers „Egvvte" aufzunehmen und die darin befindlichen Gold- und Silberwaren im Werte von 165 Millionen Franken zu bergen.
Arbeiierentlassungen bei Lenz in Mannheim.
Mannheim, 2. Aug. Wie man aus guter Quelle vernimmt, wird sich die Aktiengesellschaft Heinrich Lenz infolge Arbeitsmangels gezwungen sehen, zahlreichen Arbeitern und Angestellten zu kündigen. Man spricht von an- I nähernd 1800 Leuten. j
Köln, 2. Aug. Während eine Frau ba* bete, übergab sie ihr fast einjähriges Kind mit Wagen ihrer Schwägerin, die ein Bootshaus verwaltet . Die Schwägerin setzte den Wagen mit dem Kind« auf den Rand der Ufermauer . Plötzlich setzte sich der Wagen I bisher unbekannter Ursache in Bewegung und stürzte mit dem Kinde in die Fluten des Rheins. 9h*erer des Bootshauses, die durch den Lärm btt am Ufer stehenden Personen aufmerksam wurden, retteten das Kind mit